{"id":88403,"date":"2020-08-31T23:47:48","date_gmt":"2020-08-31T21:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=88403"},"modified":"2020-08-31T23:47:48","modified_gmt":"2020-08-31T21:47:48","slug":"der-halbbart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=88403","title":{"rendered":"Der Halbbart"},"content":{"rendered":"\n<p>Nun kommt <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/27\/serpentinen\/\">Buch<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/12\/allegro-pastell\/\">vier<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/17\/triceratops\/\">der<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/18\/die-neue-deutsche-buchpreisliste-2\/\">deutschen Longlist<\/a> und das erste das ich nach der Verk\u00fcndung gelesen habe, obwohl es schon lange auf meinen B\u00fccherstapel lag.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich interessiere mich f\u00fcr B\u00fccher ja haupts\u00e4chich nach den Autorennamen, so habe ich als mir &#8220;Diogenes&#8221; seine Herbst oder Sommervorschau schickte Charles Leweinsk und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/26\/abschiedsfarben\/\">Bernhard Schlink<\/a> angefragt, sind das ja bekannte nnamen von denen ich schon <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/22\/der-vorleser\/\">was<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/13\/olga\/\"> gelesen<\/a> habe und stolperte dann \u00fcber den Titel &#8220;Der Halbbart&#8221;, denn, was soll das hei\u00dfen und dachte erst einmal &#8220;Das interessiert mich nicht!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann bin ich noch draufgekommen, es ist wohl ein historischer Roman, denn er spielt im vierzehnten Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Uje,uje und, als ich dann noch bei einem Podcast, der die Ll bespricht und die H\u00f6rer nach den Genres raten lie\u00df, h\u00f6rte, da\u00df, da nach einem Schelmenroman gefragt wurde, dachte ich, wohl wieder &#8220;Uje, uje!&#8221; oder &#8220;Nein!&#8221;, da war ich schon beim Lesen und bin irgendwann darauf gekommen, da\u00df der &#8220;Halbbart&#8221; damit gemeint sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Den 1946 in Z\u00fcrich geborenen Autor kenne ich genaugenommen seit 2014, denn da stand sein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/21\/kastelau\/\">&#8220;Kastelau&#8221;<\/a> auf der Longlist und ich habe das Buch in Folge der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/28\/longlistenlesen\/\">Longlistleseaktion<\/a> gewonnen und besprochen, den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/03\/21\/der-stotterer\/\">&#8220;Stotterer&#8221; <\/a>habe ich auch gelesen, weil mir &#8220;Diogenen&#8221; durch das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/13\/zum-bloggerdebutpreis-an-klaus-caesar-zehren-nach-essen\/\">Bloggerdebutlesen <\/a>&#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/30\/das-genie\/\">Des Genies&#8221;<\/a>, die Vorschau schickte und ich interessiere mich nun einmal f\u00fcr die bekannten Namen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da waren wir schon einmal und, um mich nicht wieder zu wiederholen kann ich gleich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/13\/ueber-das-spoilern\/\">spoilern<\/a>, da\u00df ich das Buch, als mein zweites f\u00fcr die shortlist sehen w\u00fcrde, ich habe zwar erst vier gelesen, aber immerhin und es ist wieder ein Buch \u00fcber das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/21\/groses-kino\/\">Erz\u00e4hlen und dar\u00fcber wie Geschichten entstehen<\/a> und noch dar\u00fcber hinaus, wie man die Wahrheit von der L\u00fcge unterscheidet oder wie L\u00fcge letztlich durch das Erz\u00e4hlen zur Wahrheit werden kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich ist es das Alterswerk des Autors, der darin seine ganze Weisheit legt und gro\u00dfen Spa\u00df beim Erz\u00e4hlen hat und dabei auch ein bi\u00dfchen dreht und wendet, so da\u00df es, was ein guter Roman ja sein mu\u00df, wie ich immer h\u00f6re, etwas Neues und noch nie dagewesenen trotz der Millionen schon geschriebener Romane hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Da w\u00e4re Erstens, da\u00df der titelgebende &#8220;Halbbart&#8221; eigentlich gar nicht die Hauptfigur ist und, da\u00df man eigentlich gar nicht soviel von ihm erf\u00e4hrt oder wahrscheinlich nicht alles und Zweites, da\u00df es einen Erz\u00e4hlstil hat, wie ich ihn auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/04\/in-den-neuen-text\/\">manchmal<\/a><a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_magdalena_kirchberg.html\"> verwende<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p>Es tappt sich von Szene zu Szene voran und beginnt mit Wiederholungen. Das tue ich \u00f6fter. Der Autor geht  dar\u00fcber hinaus,  \u00fcberspringt auch  einiges und Erz\u00e4hler ist der Sebi oder Eusebius, das ist ein kleiner Bub, im Dorf  aufgewachsen, der sehr schwach ist, dadurch nicht zum Bauern geeignet ist und auch nicht zum Soldaten. Daf\u00fcr vielleicht zum M\u00f6nch, sagt man im Dorf, denn er hat ein gutes Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt aber immer alles anders, als man denkt, das sage jetzt  ich und der Sebi beginnt das Buch, in dem er erz\u00e4hlt, wie der Halbbart ins Dorf gekommen ist, denn der ist eine sonderbare Erscheinung. Hat er ja ein halb verbranntes Gesicht oder einen halbverbrannten K\u00f6rper und der ist auch sehr gescheit, beziehungsweise versteht er sich auf das Heilen, obwohl er wie er sagte, nie Medizin studierte. Aber das konnte man im vierzehnten Jahrhundert wahrscheinlich auch nicht wirklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sebi, der sich mit dem Fremden, der ihm nach und nach seine Geschichte erz\u00e4hlt, anfreundet, hat zwei \u00e4ltere Br\u00fcder den Poli und den Geni und nur  noch eine Mutter, die auch bald stirbt, aber eine vern\u00fcnftige Frau gewesen scheint, die dem Sebi viele Lebensweisheiten in Spr\u00fcchen mitgab und eigentlich nicht an Gott glaubte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht gleich weiter, da\u00df der Geni beim Holzf\u00e4llen verletzt wird und der Halbbart r\u00e4t, da\u00df man ihm sein Beim amputieren mu\u00df, damit er nicht stirbt und er baut ihm mit Hilfe eines Schmiedes auch noch ein k\u00fcnstliches Bein, so da\u00df er wieder gehen kann-<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erz\u00e4hlt er dem Sebi nach und nach seine Geschichte. Er wurde der Gottesl\u00e4sterei  beschuldigt und sollte daher verbrannt werden, konnte sich  retten, hat aber alles verloren, wurde auch zur Schau gestellt und dem h\u00e4mischen Volk ausgeliefert, so hat er einen gro\u00dfen Ha\u00df auf die Habsburger. Er wird auch in dem Dorf, der Hexerei veschuldigt, es kommt zu einem Proze\u00df. Da kann er  seine Unschuld beweisen und der Geni, der ein sehr gescheiter Bursch ist, wird sogar zum Gehilfen, Sekret\u00e4r oder Assistenten oder, wie immer man das damals nannte des Landammanns bestellt und, als die Mutter gestorben ist, wird er zum Vormund des Sebi und schickt ihm ins als sogenanntes Abtm\u00fcndel ins Kloster.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort darf er,  die Schafe h\u00fcten, beziehungsweise im Garten arbeiten und als ihm der Prinor einen besonderen Auftrag gibt, n\u00e4mlich ein totes Kind zu begraben, nimmt er entsetzt Reisaus und ist von den Patres aufs Erste einmal entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fchrend fand ich die Szene, wie er die kleine &#8220;Perpetua&#8221;, wie seine Schwester hei\u00dfen sollte und er die Kinderleiche daher so nennt, begr\u00e4bt, in dem er sie, damit sie doch in den Himmel kommt, vorher tauft und ihr sp\u00e4ter auch ein Holzkreuz schnitzen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der andere Bruder, Poli, ist das Gegengteil von Geni, n\u00e4mlich ein Raufbold, der unbedingt zu den Soldaten will und, auch als Vorbild, den Onkel Alisi hat, der bei den Soldaten war ins Dorf zur\u00fcckkommt und sich als Familienhaupt in das Haus der Br\u00fcder einquartiert, dazu holt er den Sebi, der sich inzwischen unter anderen Namen bei einem Schmied versteckt hat, zur\u00fcck und will unbedingt einen Soldaten aus ihm machen. Das mi\u00dflingt genauso, wie das Angebot des Totengr\u00e4bers, den er Sebi immer geholfen hat, sein Nachfolger zu werden, der nun wei\u00df. was er werden will, n\u00e4mlich Geschichtenerz\u00e4hler und geht deshalb zur Teufels-Anneli in die Lehre und die gibt ihm auch gleich die richtigen Ratschl\u00e4ge, die vom Autor stammen, n\u00e4mlich, da\u00df man eine Geschichte immer so erz\u00e4hlen mu\u00df, wie sie nicht wirklich war, deshalb vielleicht mein literarischer Mi\u00dferfolg, weil ich ja gerne realisitsch schreibe, aber, wie hei\u00dft es so sch\u00f6n, jede gute Geschichte ist besser als die erfundene Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/13\/tyll\/\">Daniel Kehlmann<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/19\/f\/\">hat es ja einmal gemeint<\/a>, da\u00df ein Autor l\u00fcget, wenn er erz\u00e4hlt und in den Schreibseminaren lernt ja, &#8220;Erz\u00e4hle das Schlimmste pawas dir passiert ist, dann wird es gut!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p> Der Sebi lernt das, beim Teufels-Anneli, die sich selbst vergiftet, weil sie sich mit K\u00e4utern bet\u00e4ubt, um besser fabulieren zu k\u00f6nnen und die guten Ans\u00e4tze des Lebens, werden durch die Mord- und Rauflust des Onkesl und seinen Kumpanen sofort zerst\u00f6rt, denn zuerst \u00fcberf\u00e4llt er mit dem Dorf und dem Neffen das Kloster, dann macht er einen Feldzug gegen die Habsburger und der Sebi, der zu all dem ja ungeeignet ist, steht daneben und erz\u00e4hlt seine Geschichten so, da\u00df er die Wahrheit \u00fcbertreibt. Da dann nieman,d wie er meint, sie glauben kann. Der Onkel ist aber begeistert und das Teufels-Anneli nimmt ihm zur Seite und meint &#8220;Das war eine sehr sch\u00f6ne Geschichte, Eusebius. Man wird sie bstimmt noch lange erz\u00e4hlen, und irgendwann wird sie die Wahheit sein.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Da merkt man, denke ich, die Schelmenkunst des Erz\u00e4hlers, der ja eigentlich sehr grausame Sachen erz\u00e4hlt und vieles nur anschneidet, so h\u00e4tte ich  wahrscheinlich mehr vom Leben  des Halbbart, der am Ende seine Rachsucht auch nicht \u00fcberlebt oder \u00fcber die Kinderleiche erfahren und da l\u00e4\u00dft derAutor, den Sebi sie ihm in einem Fiebertraum noch als Engel erscheinen und dann gibt es eine zarte Liebesgeschichte, die b\u00f6se endet und leidet auch irgendwie unvollendet bleibt. Denn der Schmid bei dem der Sebi eine Zeitlang in der Lehre war, hat eine Tochter, das K\u00e4tterli, in die er sich  ein wenig verliebt. Die kommt eines Tages bleich und stumm vom Kirchgang zur\u00fcck und man erf\u00e4hrt, sie wurde von einem M\u00f6nch vergewaltigt. Nachdem das klar ist, verschwindet sie auf ihren Wunsch selbst im Kloster und man h\u00f6rt nie wieder etwas von ihr. Der Schmid schlie\u00dft sich in seiner Rachsucht, obwohl sonst ein vern\u00fcnftiger Mann, dem Onkel und Neffen bei ihren Klosterfeldzug, wo alles gesch\u00e4ndet und gepl\u00fcndert wird und den Sebi entsetzt daneben stehen l\u00e4\u00dft, an.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt Buch vier der deutschen Longlist und das erste das ich nach der Verk\u00fcndung gelesen habe, obwohl es schon lange auf meinen B\u00fccherstapel lag. 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