{"id":8851,"date":"2011-09-20T23:20:17","date_gmt":"2011-09-20T21:20:17","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=8851"},"modified":"2011-09-20T23:20:17","modified_gmt":"2011-09-20T21:20:17","slug":"geld","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8851","title":{"rendered":"Geld"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn Sie sich bei Peter Roseis Roman &#8220;Geld&#8221; eine vordergr\u00fcndige Betrachtung der Bankenkrise erwarten, werden Sie entt\u00e4uscht sein!&#8221;, hat Kurt Neumann die Pr\u00e4sentation in der Nationalbank eingeleitet und ich   habe zu der Dame, die neben mir gesessen ist und schon in dem Buch gelesen hat, gesagt, da\u00df ich mich wundere, da\u00df die Pr\u00e4sentation hier stattfindet, handelt das Buch doch von einem Inhaber einer Werbeagentur, einen Erben einer Pharmafirma und zwei Frauen, die wie die Frauen in Ingeborg Bachmanns Romanen oder denen Doderers vom Graben zur K\u00e4rtnerstra\u00dfe schlendern, um in Nobelboutiquen einzukaufen. Ja richtig, einen jungen Broker namens Tom Loschek gibt es auch. Aber so weit war ich mit dem Lesen noch nicht gekommen,  hatte ich, als ich zur Nationalbank aufgebrochen bin, erst die ersten zwei Teile gelesen.<br \/>\nAllerdings auch die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/17\/zwanzig-jahre-rund-um-die-burg\/\">Lesung bei &#8220;Rund um die Burg&#8221;<\/a> geh\u00f6rt und &#8220;Geld&#8221; ist, glaube ich, das erste Buch, das ich von dem 1946 in Wien geborenen, promovierten Juristen, gelesen habe.<br \/>\nDas Suhrkamp Taschenbuch &#8220;Wege&#8221; habe ich mir einmal, als ich noch in der Otto Bauer Gasse wohnte und kurzfristig den Spleen hatte, mir jede Woche ein Buch zu kaufen, besorgt, ob ichs gelesen habe, wei\u00df ich  nicht mehr. Peter Rosei kenne ich schon lange von verschiedenen Lesungen in der Alten Schmiede, &#8220;Rund um die Burg&#8221; etc, dann hat er auch bei dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/30\/weltspartag-ohrenschmaus-und-reisereportage\/\">&#8220;Mit Sprache unterwegs&#8221;-Projekt<\/a> mitgemacht und ich war schon Freitag im Zelt etwas erstaunt, denn Peter Rosei hat wirklich einen  eigenes Ton. Der leise und verhalten ist, seltsam distanziert, wie mit einem Flair der F\u00fcnfzigerjahre, wo die Handlung in den Hietzinger Villen spielt, die Frauen Geld ausgeben und nach der Heirat aus der Firma aussteigen, obwohl das Buch, wie Kurt Neuman erw\u00e4hnt von den Achtzigerjahren bis zum B\u00f6rsenkrach von 2007 oder 2008 spielt. Claudia Romeder vom Residenzverlag, erw\u00e4hnte etwas, da\u00df Rosei einer der wenigen ist, der noch die direkte Rede verwendet, ich tue das auch und mir ist aufgefallen, da\u00df er &#8220;der Asamer&#8221; etc schreibt.<br \/>\nZur Handlung, denn ich habe das Buch inzwischen ausgelesen und die ist in drei Teilen gegliedert und handelt von sechs Personen, die alle mit Geld zu tun haben,  es ausgben oder es verdienen. Der B\u00f6rsencrash kommt nicht darin vor, obwohl es mit Invenstitionen in amerikanische Immobilien, denn &#8220;Die Leute wollen sich Eigenheime bauen!&#8221;, endet.<br \/>\nBeginnen tut es, da\u00df Georg Asamer seinen sechzigsten Geburtstag feiert und dabei merkt, da\u00df er alt wird. Ein Mann mit Sechzig ist das zwar eigentlich nicht wirklich und Peter Rosei ist auch um f\u00fcnf Jahre \u00e4lter, beschreibt im ersten Teil aber den k\u00f6rperlichen Verfall des Georg Asamers, der aus kleinen Verh\u00e4ltnissen kommt, sich hochgearbeitet und eine Werbeagentur aufgebaut hat, mit der er alle anderen Werbeagenturen verdr\u00e4ngte, so da\u00df er zuerst mit seiner Mutter in einer Villa in Hietzing lebte, eine Frau hatte er kurzfristig auch, aber die hat ihn betrogen. So lebt er jetzt alleine dort mit seiner Haush\u00e4lterin Wally und weil er an das Sterben denkt, beginnt er sich einen Nachfolger heranzubilden. Das ist Andy Sykora, ein Gastwirtsohn aus Hernals, der an der Hochschule f\u00fcr Welthandel studierte, wo Asamer unterrichtet und ein Finanzgenie zu sein scheint, so da\u00df Asamer ihn zuerst zu seinem pers\u00f6nlichen Assistenten, dann zu seinem Ziehsohn und Erben macht.<br \/>\nIn kleinen feinen Szenen wird das geschildert, irgendwie bleibt es an der Oberfl\u00e4che, irgendwie ist es aber, wie auch Claudia Romeder bemerkte, beklemmend, denn Rosei beschreibt es so, als w\u00fcrde Andy Sykora Asamer vernichten. Er stirbt auch im ersten Teil, beziehungsweise verliert er seine Kr\u00e4fte. Dazwischen heiratet Andy, die Sekret\u00e4rin Elena, die sich sp\u00e4ter Lena nennt und macht mit ihr Hochzeitsreise zur  S\u00fcdsee, on der Pharmafirmensohn Hans Falenbruck ein Hotel betreibt und sich mit dem jungen Ehepaar anfreundet, der hatte einen eine Wiener Braut, namens Irma Wonisch, die sich allerdings weigerte ihn zu heiraten.<br \/>\nIm zweiten Teil ist Asamer verstorben und wir lernen Irma Wonisch n\u00e4her kennen. Wieder wurde ich an Ingeborg Bachmanns &#8220;Malina&#8221; oder ihre anderen Romanen erinnert. Denn die Irma spielte als kleines M\u00e4del mit dem Kinderm\u00e4dchen im Volksgarten und wurde von dort am Abend von ihrem Papa, wenn der, ein Ordinarius von der Universi\u00e4t kam, abgeholt. Die Familie ist streng katholisch und die Mutter rief immer &#8220;Der Peymann, der Peymann! Das hat uns gerade noch gefehlt.&#8221;<br \/>\nAlso spielt es doch nicht in den F\u00fcnfzigerjahren. Irma ist inzwischen auch gealtert und hat zwei Vergn\u00fcgen. Ihre N\u00e4chte in K\u00fcnstlercafes zu verbringen und  dann die K\u00fcnstler in ihre Wohnung in die Josefstadt mitzunehmen und die Verm\u00f6gensverwaltung. So lernt sie eines Abends in der Oper auch den jungen Broker Thomas Loschek kennen.<br \/>\nIm dritten Teil kommt Hans Falenbruck nach Wien, um von dort ins Ostgesch\u00e4ft einzusteigen. Er ist korpulent geworden und hat den Schweizer Pharamakonzern geerbt. Da trifft er Andy und Elena wieder und verf\u00e4llt Lena, die eben auch nur das Einkaufen als Hobby hat, mit Haut und Haaren, w\u00e4hrend das Finanzgenie Andy inzwischen zu trinken anf\u00e4ngt.<br \/>\nIrgendwie ist das Ganze auch ein boshafter abgr\u00fcndiger Wiener Reigen und Peter Rosei einer der dieses Wien mit dem Flair von &#8220;K\u00fc\u00df di Hand&#8221;, das ich nicht kenne, sehr gekonnt beschreibt. W\u00e4hrend also Andy arbeitet und Hans Falenbruck in den Osten investiert, schleppt Lena ihn zum Einkaufen und gibt sich hier mit keinen Nippes ab.<br \/>\n&#8220;Einmal war es ein Haus auf dem Semmering &#8211; f\u00fcr die hei\u00dfen Sommertage, wie sie erkl\u00e4rte. Dann schleppte sie Hans in einen Autosalon oder zu einem Modesch\u00f6pfer.&#8221;<br \/>\nTom Loschek ist inzwischen aus Amerika zu Irma zur\u00fcckgekommen, aber die ist auch kein junges M\u00e4dchen mehr, sondern &#8220;H\u00e4sslich, wie das Wort. Vor dem Spiegel im Bad vermied sie es, ihre nackten Br\u00fcste anzusehen, den Bauch und weiter unten erst. Ihr dratig gewordnenes Haar widert sie beim Ausk\u00e4mmen an. Am besten man schaut \u00fcberhaupt nirgends hin.&#8221;<br \/>\nTrotzdem scheint sie, den jungen Broker anzuziehen, dann treffen sie Hans und Lena und beschlie\u00dfen, &#8220;in die nagelneue Gesch\u00e4ftsidee aus Amerika einzusteigen&#8221;, w\u00e4hrend Andy schon, wie einstens Asamer ans Sterben denkt&#8230;<br \/>\nDamit endet das Buch, das eigentlich nicht, die Finanzcrashs beschreibt, sondern mit zarten Symbolen, eine davon ist z.B. die Statue des verlorenen Sohnes in Asamers Garten und viel Fleischlichkeit ein Wien im F\u00fcnfzigerjahrenklischee, &#8220;wo man in die Oper, zu Partys und zu Heurigenpartien geht&#8221;.<br \/>\nVom Sterben und der Endlichkeit ist viel die Rede und Peter Rosei meinte in der Nationalbank, da\u00df er damit auch die Endlichkeit der Finanzwelt andeuten wollte.<br \/>\nEin interessantes Buch, das nicht h\u00e4lt, was es verspricht und dennoch, ganz zart und angedeutet und nebenbei, vielleicht doch sehr viel davon erz\u00e4hlt. Kurt Neumann erkl\u00e4rte noch in der Einleitung, da\u00df der halbwegs Gebildete Peter Roseis Zeitungsartikeln \u00fcber die \u00d6konomie kennt. Jetzt hat er, wie am Buchr\u00fccken steht &#8220;Ein lakonisch-packendes Buch, ein scharfsinnig-b\u00f6ses Puzzle mit kom\u00f6diantischen Z\u00fcgen&#8221;, geschrieben.  Am Umschlag gibt es &#8220;Hunderteuroscheine&#8221;, in der Bank  Wasser, Orangensaft, Br\u00f6tchen, gef\u00fcllte Weckerln und sehr gute Petit fours. Peter Henisch habe ich gesehen und ihn das gefragt, was ich \u00fcber <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/12\/grosses-finale-fur-novak\/\">sein neues Buch<\/a> wissen wollte und Evelyn Grill, da kam ich nicht dazukam ihr zu erz\u00e4hlen, da\u00df <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/24\/ins-ohr\/\">ich<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/15\/das-antwerper-testament\/\">ihre<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/09\/winterquartier\/\">B\u00fccher<\/a> gelesen habe und ein bi\u00dfchen Stammpublikum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn Sie sich bei Peter Roseis Roman &#8220;Geld&#8221; eine vordergr\u00fcndige Betrachtung der Bankenkrise erwarten, werden Sie entt\u00e4uscht sein!&#8221;, hat Kurt Neumann die Pr\u00e4sentation in der Nationalbank eingeleitet und ich habe zu der Dame, die neben mir gesessen ist und schon &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8851\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-8851","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8851"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8851\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}