{"id":88628,"date":"2020-09-06T00:31:09","date_gmt":"2020-09-05T22:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=88628"},"modified":"2020-09-06T00:31:09","modified_gmt":"2020-09-05T22:31:09","slug":"gelbgefarbter-corona-ampeltag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=88628","title":{"rendered":"Ein gelbgef\u00e4rbter Corona-Ampeltag"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8220;Shit!&#8221;, dachte Michaela Reisinger und legte ihr Mobilphone aus der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Gro\u00dfer Shit und riesengro\u00dfer \u00c4rgeraufwand!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sollte doch alles in Ordnung und in wundersch\u00f6nster Butter sein, hatte ihr doch Frau Scharinger, die Leiterin des Kindergarten in der sie Lena am Montag bringen wollte, versicherte, da\u00df in der Eingew\u00f6hnungsphase eine maskierte Betreuungsperson, als Begleitung in die Innenr\u00e4ume gestatet sei und Lena, die vor kurzem drei geworden war und ab Montag in den Kindergarten gehen sollte, w\u00fcrde dort sicherlich nicht am ersten Tag alleine bleiben wollen, sondern mindestens zu schreien beginnen, wenn sie ihr nicht \u00fcberhaupt nachlaufen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Also mit Maske durfte sie die Kleine, die ersten Tage begleiten und bei ihr bleiben, wie ihr die Leiterin versichert hatte und Michaela dachte schon wieder &#8220;Shit!&#8221; und schaute zu Lena hin, die in ihrer Spielecke sa\u00df und versuchte einen Turm aus Holzsteinen zusammen zu bauen und vergn\u00fcgt in die H\u00e4nde klatschte, wenn es ihr gelungen war, noch ein Steinchen auf den schon recht hohen Turm zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfer Shit und gro\u00dfes Schei\u00dfe! Denn sie war keine Maskentr\u00e4gerin und bisher war es ihr auch gelungen, sich um dieses St\u00fcck herumzudr\u00fccken, ging Bernhard, der das gerne tat, doch f\u00fcr sie einkaufen und sie war immer schon lieber zu Fu\u00df gelaufen, als sich in ein \u00fcberf\u00fclltes Verkehrmittel zu setzen, nur einmal war sie von einer Lesung weggegangen, weil sie nicht mit Maske, die zwei Meter bis zu ihrem Sitzplatz gehen hatte wollen und hatte fast triumphierend gedacht &#8220;Macht ja nichts!&#8221;, kann ich das Buch das pr\u00e4sentiert werden sollte, auch selber lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Lena konnte sie nicht allein in den Kindergarten gehen lassen, das w\u00e4re unverantwortlich, wenn nicht Qu\u00e4lung oder Mi\u00dfbrauch gewesen und Bernhard, der sie vertreten h\u00e4tte k\u00f6nnen, hatte keine zeit, war er doch berufst\u00e4tig und hatte Montag um elf eine wichtige Sitzung im B\u00fcro, die er nicht vers\u00e4umen durfte und so schnell lie\u00df ihn die mi\u00dftrauische Lena, die seine Spannung sicherlich merken w\u00fcrde, nicht los, sondern w\u00fcrde sich erst recht an ihn klammern, wie sie wahrscheinlich auch einen maskierten Papa lustig finden w\u00fcrde oder auch nicht, begleitete sie ihn ja \u00f6fter in den Supermarkt und hatte ihn da schon einmal gefragt, warum er das kuriose Ding, im &#8220;Spar&#8221; wenn er f\u00fcr sie Joghurt und Kinderschololade zu kaufen, aufsetzte, aber wieder abnahm, wenn er nebenan in den Baummarkt ging, um dort Schrauben f\u00fcr das Hochbett, das er f\u00fcr sie befestigen wollte, zu besorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Das ist doch komisch Papa?&#8221;, hatte sie gesagt und hinzugef\u00fcgt, was das Corona-Virus sei und warum es so gef\u00e4hrlich w\u00e4re?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Warum ist der Kevin ein M\u00f6rder, wie die Lisa sagte, weil er am Sonntag seine Oma besucht und ihr einen Ku\u00df gegeben hat? Das tut man doch und ich m\u00f6chte der Oma auch ein Bussi geben, Papa, darf ich das?&#8221;, hatte sie gefragt und Bernhard mit ihren gro\u00dfen Kulleraugen angesehen. Michaela war froh gewesen, da\u00df sie diese Frage an Bernd und nicht an sie selber richtete, denn sie h\u00e4tte keine Antwort gewu\u00dft, wie sie auch nicht wu\u00dfte, warum man ein Gef\u00e4hrder sei, wenn man ohne Maske in den Supermarkt ging, w\u00e4hrend das im W\u00e4schegesch\u00e4ft gegen\u00fcber nicht so war und warum die Nachbarin mit ihrer selbstgeh\u00e4ckelten Maske, die Millimeter gro\u00dfe L\u00f6cher hatte, das nicht war.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Dringt das Virus da nicht durch, Mama?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Das hatte Lena nicht gefragt. So gro\u00df war der Sprachschatz der Dreij\u00e4hrigen noch nicht. Das war eher eine Frage, die sie sich selber stellte und jetzt zuckte sie zusammen. Gab es doch einen gro\u00dfen Klesch, denn Lenas Turm war umgefallen, was von der kleinen mit einem entt\u00e4uschten &#8220;Schade!&#8221;, quittiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Macht ja nichts, probierst du es eben noch einmal!&#8221;, tr\u00f6stete Michaela und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Fernsehbildschirm zu, wo gerade, der Gesundheitsminister Rudi Anschober zu sehen war, der gerade, die neu eingesetzte Corona-Ampel erkl\u00e4rte und mit ernster Miene verk\u00fcndete, da\u00df Wien, Linz, Graz und dann noch das Tiroler St\u00e4dtchen Kufstein zu den, als gelb bewerteten Ampelbezirken gez\u00e4hlt wurden, so da\u00df dort die Zahl der Veranstaltungsbesucher reduziert werden w\u00fcrden und man \u00fcberall, also auch in den schon erw\u00e4hnten Baum\u00e4rkten, Einkaufszentren und Modeh\u00e4user Maske tragen mu\u00dfte, was Lenas vorige Frage er\u00fcbrige, aber zu neuen Anla\u00df gab, denn die hatte die Lust an ihren Bausteinen verloren, war sie doch auf sie zugekommen und hatte sich neben sie gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Warum ist Wien gelb angezeichnet und was bedeutet das Mama? Mu\u00df jetzt Kevins gro\u00dfer Bruder mit Maske in die Schule gehen?&#8221;, fragte sie und schaute interessiert auf den Fernsehschirm und Michaela dachte an ihre Freundin Sarah, die \u00fcbermorgen in die Oper gehen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Da mu\u00df ich meinen Ausweis mitnehmen und es wird verglichen, ob mein Name dort, wirklich der ist, der auf meiner Karte steht. Dann mu\u00df ich meine Maske aufsetzen und sollte sie auch, wenn die Vorstellung begonnen hat, nicht abnehmen! Mal sehen, ob ich das aushalte? Du wei\u00dft ja, da\u00df ich an Asthma leide!&#8221;, hatte sie gesagt und \u00fcberlegte, ob sie nicht zu ihrem Hausarzt gehen und dort um ein Attest f\u00fcr eine Befreeung ansuchen sollte?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Pervers, pervers!&#8221;, dachte Michaela und atmete durch.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Und vielleicht ein wenig kindisch, wenn ich ein Attest ben\u00f6tige, um frei atmen zu k\u00f6nnen! Aber in geschlossenen R\u00e4umen soll dieses Virus leicht zu \u00fcbertragen sein! Wien hat eine steigende Zahl von Infizierten, weil jetzt sehr viele Leute getestet werden. Junge Leue, wie Sarah und ich es sind, die gar nicht krank werden, werden in den Medien aber als solche ausgewiesen und deshalb soll es zur allgemeinen Maskenpflicht, sowohl in den Superm\u00e4rkten, wo noch keiner angesteckt wurde, kommen und es im Freien \u00fcberhaupt v\u00f6llig ungef\u00e4hrlich sein soll. Trotzdem mu\u00df man, wenn man auf den Eiffelturm will, eine Maske tragen und auch wenn man in Velden oder Villach am Abend spazierengeht! Pervers, pervers!&#8221;,wiederholte sie und bemerkte, da\u00df im Fernsehen jetzt \u00fcber Weihnachten gesprochen und da \u00fcberlegt wurde, ob es dann Christkindlm\u00e4rkte geben soll?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich will aber auf den Christkindlmarkt gehen, Mama! Das hast du mir versprochen, da\u00df wir da hingehen und mir die Oma einen Bratapfel und ein Engerl kaufen wird! Oder darf ich mit der Oma nicht hingehen, weil sie alt ist und ich eine Gef\u00e4hrderin bin, wenn ich ihr ein Bussi gebe?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Du kannst ja Abstand halten und ihr nur zuwinken!&#8221;, antwortete Michaela und dachte an den Babelefantenabstand von dem sie geh\u00f6rt hatte, da\u00df er auf einen Meter f\u00fcnfzig erweitert werden sollte, um kein Risiko einzugehen und h\u00f6rte jetzt, da\u00df ein Leitplan f\u00fcr die Christkindlm\u00e4rkte geplant w\u00e4re, um sie abhalten zu k\u00f6nnen. Ein Leitplan mit Besucherbeschr\u00e4nkung und Alkoholverbot, h\u00f6rte sie jetzt einen Handelskammervertreter mit wichtiger Stimme verk\u00fcnden und Lena sagte, da\u00df ihr das egal w\u00e4re, denn sie trinke ohnehin nur Kinderpunsch.<\/p>\n\n\n\n<p> &#8220;Oder gibt es den auch nicht, Mama und warum darf man keinen Alkohol trinken? Ist dann das Virus gef\u00e4hrlicher? Glaubt das der Mann?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nein!&#8221;, antwortete Michaela und atmete noch einmal durch.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich glaube, er denkt, da\u00df die Menschen, wenn sie Alkohol trinken, nicht mehr klar denken k\u00f6nnen und sich n\u00e4her kommen, als sie das sonst t\u00e4ten!&#8221;, sagte sie nicht sehr \u00fcberzeugt, weil sie die innere Stimme in ihr &#8220;Unsinn!&#8221;, rufen h\u00f6rte &#8220;Das sind doch Erwachsene und keine kleinen Kinder!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Lena schaute sie mit gro\u00dfen Augen an und fragte &#8220;Und jetzt sind wir in der gelben Zone, weil wir nicht brav genug gewesen sind und wenn die Ampel rot leuchtet, werden wir dann eingesperrt und d\u00fcrfen nicht mehr in den Park und werden wir  auch keinen Christbaum haben, wie wir zu Ostern auch keine Ostereier hatten?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nein!&#8221;, antwortete Michaela sch\u00fcttelte den Kopf, strich Lena \u00fcbers Haar und dachte, da\u00df sie das durfte, weil sie mit der Kleinen und mit Bernhard in einem Haushalt lebte und das nur bei ihrer Mutter, ihrer Schwester und Bernds Eltern ein wenig problematisch w\u00e4re, weil die tats\u00e4chlich schon \u00e4lter waren und in einem Pflegeheim lebten, wo es noch immer keine Besuchserlaubnis gab.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nat\u00fcrlich nicht! Den Christbaum werden wir schon haben und du hast auch Ostereier gesucht! Kannst du dich nicht erinnern, da\u00df du sogar ein besonders gro\u00dfes K\u00f6rbchen bekommen hast?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Kevins Mutter hat dem Polizisten Strafe zahlen m\u00fcssen, weilsie mit ihm Fu\u00dfball spielte!&#8221;, erinnerte sich Lena an etwas anderes und Michaela war erleichtert, als sie ihr Mobilphone und Bernhards Stimme h\u00f6rte, der fr\u00f6hlich wissen wollte, ob er eine Pizza mitbringen sollte &#8220;Oder wollen wir die, im Garten des &#8220;Gondolas&#8221; essen und, die habe ich geh\u00f6rt, werden auch im Winter erlaubt, so da\u00df wir uns da in eine Decke h\u00fcllen k\u00f6nnen und vielleicht ist da auch Wein und Bier erlaubt!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Michaela dachte noch einmal &#8220;Das ist ganz sch\u00f6n verr\u00fcckt!&#8221;,, w\u00e4hrend sie den Gesundheitsminister sagen h\u00f6rte, da\u00df die gelbe Wiener Ampelschaltung zwar kein Grund zur Sorge, aber wohl einer f\u00fcr h\u00f6here Achtsamkeit sei und auch die noch auf gr\u00fcn geschalteten Bezirke m\u00fc\u00dfen aufpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Denn das Virus schl\u00e4ft nicht und ist unter uns!&#8221; und wu\u00dfte wieder keine Antwort auf Lenas Frage, warum man nur bei Corona alle testen und einsperren m\u00fc\u00dfe, w\u00e4hrend das bei Grippe nicht so sei.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Oder darf ich jetzt auch nicht mehr husten und kommt die Polizei, wenn ich einen Schnupfen habe?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nein!&#8221;, antwortete Michaela festentschlo\u00dfen und dr\u00fcckte Lena festan sich.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich hoffe nicht! Du darfst dann halt nicht in den Kindergarten, sondern bleibst zu Hause, trinkst Tee und kurierst dich aus!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Lena klatschte in die h\u00e4nde und antwortete fr\u00f6hlich, da\u00df ihr die Oma erz\u00e4hlt hatte, da\u00df man das schon so gemacht hatte, als sie ein kleines M\u00e4dchen gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Da ist man noch nicht in den Kindergarten gegangen, Mama und ich will eigentlich auch nicht hin, wenn du da eine Maske tragen mu\u00df! Da bleibe ich lieber zu Hause und baue mit dir weiter einen Turm! Der Kevin kann uns auch besuchen, wenn er nicht in den Kindergarten will!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Shit!&#8221;, dachte Michaela Reisinger und legte ihr Mobilphone aus der Hand. &#8220;Gro\u00dfer Shit und riesengro\u00dfer \u00c4rgeraufwand!&#8221; Dabei sollte doch alles in Ordnung und in wundersch\u00f6nster Butter sein, hatte ihr doch Frau Scharinger, die Leiterin des Kindergarten in der sie Lena &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=88628\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[1178,1182],"class_list":["post-88628","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-textbeispiel","tag-corona-text","tag-corona-ampel"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88628","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=88628"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88628\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=88628"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=88628"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=88628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}