{"id":88831,"date":"2020-09-16T00:27:56","date_gmt":"2020-09-15T22:27:56","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=88831"},"modified":"2020-09-16T00:27:56","modified_gmt":"2020-09-15T22:27:56","slug":"die-infantin-tragt-den-scheitel-links","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=88831","title":{"rendered":"Die Infantin tr\u00e4gt den Scheitel links"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/27\/serpentinen\/\">Nun<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/09\/aus-der-zuckerfabrik\/\">kommt <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/31\/der-halbbart\/\">Buch<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/12\/allegro-pastell\/\">sechs <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/17\/triceratops\/\">der<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/18\/die-neue-deutsche-buchpreisliste-2\/\">deutschen Longlist<\/a>, der zweite Roman der 1983 in Oberndorf bei Salzburg geborenen helena Adler, die eigentlich Stehphanie Helena  Pr\u00e4h\u00e4user hei\u00dft und deren erstes Buch bei &#8220;Arovell&#8221; erschienen ist. Der zweite bei &#8220;Jung und Jung&#8221; erschienene Roman hat dann eingeschlagen, ist auch auf die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/03\/die-osterreichische-buchpreislinste\/\">&#8220;\u00d6st&#8221;<\/a> gekommen und bisher bei mir wegen dem Titel und dem Cover, wo es ein Kinderbild mit Beschmierungen und einer Augenklappe zu sehen gibt,  an mir vorbeigegangen ist, denn was hei\u00dft denn das?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist auch an mir vorbeigegangen, als es bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/16\/o-tone-zu-corona-zeiten\/\">O- T\u00f6nen <\/a>vorgestellt wurde, denn da hat es geregnet.<\/p>\n\n\n\n<p> <a href=\"https:\/\/www.literaturcafe.de\/maltes-meinung-longlist-deutscher-buchpreis-2020-teil-1-von-5\/\">Malte Bremer der im Literaturcafe<\/a> die Longlisttitel nach ihrer Lesbarkeit bewertet, war von den der &#8220;schwarzen Regensuppe zum Nachtmahl&#8221; und dem Bruegel-Gem\u00f6de im Eingangskapitel, des &#8220;Antiheimatromans&#8221;, wie das Buch auch genannt wird,  nicht begeistert und ich habe, als ich auf Seite siebzehn war, gleich einen Kommentar geschrieben und bin dann ein bi\u00dfchen hin und hergeschwankt, ob das jetzt ein tolles Buch ist und sprachlich noch viel besser als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/23\/o-tone-von-hinten\/\">Valerie Fritsch<\/a> oder vielleicht doch ein bi\u00dfchen \u00fcbertrieben und manche Formulierungen zu sehr abgehoben?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df auch jetzt noch nicht so genau, ob ich es auf die Shortlist geben w\u00fcrde, sie ist aber sehr beeindruckend, diese Heimatgeschichte vom Aufwachsen im Dorf, die, au\u00dfer im Literaturcafe \u00fcberall gelobt wird und mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/01\/25\/josef-winklers-abschiede\/\">Winkler <\/a>und Innerhofer verglichen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erscheint mir mir vielleicht auch ein bi\u00dfchen \u00fcbertrieben, es ist aber auf jedenfall sehr beeindruckend das Buchm das wahrscheinlich Autobiografisches in einer sehr ungew\u00f6hnlichen, zum Teil rotzigen Sprache erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das beginnt au\u00dfer beim Titel  schon bei den Kapiteln, die Namen wie &#8220;Glaube Hoffnung Liebe&#8221;, &#8220;Der Triumpf des Todes&#8221;,&#8221;Tod des Helden&#8221;, &#8220;B\u00e4uerin eine Kuh melkend&#8221;, etcetera tragen und die offensichtlich, wenn auch vielleicht weniger klar, wie beim Eingangskaptiel Assoziationen zu ber\u00fchmten Gem\u00e4den, die im Anhang zitiert werden, darstellen sollen und dann wird die Geschichte der aufm\u00fcpfigen Ich-Erz\u00e4hlerin, der Infantin, die am Schlu\u00df auch mit einem Kind an ihrer Brust endet, in einundzwanzig Kapitel erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lebt im Dorf mit Urgro\u00dfeltern, Gro\u00dfeltern, Eltern und den Zwillingsschwestern, die sie mobben und unterdr\u00fccken. Es beginnt gleich damit, da\u00df sie den Stall abfackelt, der Vater zwinkernd vom &#8220;Blitz&#8221; spricht und grinsend zur Feuerversicherung geht und dann wird von Kapitel zu Kapitel mit der Familie abgerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter erscheint am Anfang noch ganz vern\u00fcnftig, sp\u00e4ter erscheint sie dann bigott, denn sie will vom Vater eine Kapelle erbaut haben weil ihr eine Marienerscheinung begegnete. Es war aber nur die Maria des Vaters.<\/p>\n\n\n\n<p> Soviel zum Stil, manche Formulierungen wie die &#8220;\u00d6VP Frisur&#8221; oder die der &#8220;selbst diagnostizierte Sozialverwaisung&#8221; haben mich sehr begeistert und an <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/10\/03\/vater-unser\/\">Angela Lehners Debutroman vom Vorjahr erinnert<\/a>, so da\u00df dieser Antiheimatroman sicher, als st\u00e4rker zu interpretieren ist als Petra Piuks <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/27\/toni-und-moni\/\">&#8220;Toni und Moni&#8221;<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht dann von den Urgro\u00dfeltern, deren Tod beschrieben wird, weg, bis ins Gymnasium, in das die Lehrerin die aufm\u00fcpfige infantin schickte, um &#8220;Sozialstudien&#8221; zu machen. Dort ger\u00e4t sie in schlechte Gesellschaft oder an schlechte Freundinnen, w\u00e4hrend sie selbst den Drogen, die die &#8220;schwarze Anna&#8221; auf die Psychiatrie bringt, widerstehen kann. Die Mutter ist entsetzt, ger\u00e4t aber auch an Beruhigungssmittel und in Streit mit dem Vater, der mit seinen Gewehren alle zu erschie\u00dfen droht. Die Mutter zieht in die Stadt, der Vater kommt ins Gef\u00e4ngnis und sie ist zuerst auf dem gro\u00dfen Hof, wo es auch eine Beziehung zum Cousin, Inzest ist nat\u00fcrlich auch ein Thema,  wie der Mi\u00dfbrauch in dieser Antiheimatgeschichte, allein, bevor sie von den Schwestern hinausgeworfen und um ihren Pflichtteil betrogen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein starkes Buch auf jeden Fall, mir vielleicht wieder ein bi\u00dfchen zu \u00fcbertrieben, obwohl mich die \u00dcberh\u00f6hung der Alltagssprache, die ich so noch nie gelesen habe, sehr begeistert hat und ich Helena Adler alles Gute w\u00fcnsche,  gespannt bin, was ich von der jungen Frau mit der starken Sprache noch so alles h\u00f6ren oder lesen werde und wieder nur empfehlen kann, ein Buch auch weiter als bis zur ersten Seite zu lesen, obwohl mein Eindruck in diesem Fall  ja eher in die umgekehrte Richtung, als die von Malte Bremer ging.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt Buch sechs der deutschen Longlist, der zweite Roman der 1983 in Oberndorf bei Salzburg geborenen helena Adler, die eigentlich Stehphanie Helena Pr\u00e4h\u00e4user hei\u00dft und deren erstes Buch bei &#8220;Arovell&#8221; erschienen ist. 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