{"id":89591,"date":"2020-09-30T00:38:23","date_gmt":"2020-09-29T22:38:23","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=89591"},"modified":"2020-09-30T00:38:23","modified_gmt":"2020-09-29T22:38:23","slug":"himmel-auf-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=89591","title":{"rendered":"Himmel auf Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/27\/1929-frauen-im-jahr-babylon\/\">Frauen aus den Neunzehnhundertzwanzigerjahren<\/a> geht es gleich weiter, bevor es wieder an das Lesen der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">deutschen Buchpreisliste<\/a> geht und zwar hat da Karen Grol einen fiktiven Roman \u00fcber die vergessene Malerin Anita Ree, die in Hamburg in einer j\u00fcdischen Kaufmannsfamilie 1885 geboren und protestantisch erzogen wurde und deren Bilder sich in der Kunsthalle Hamburg befinden, geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachwort gibt es Hinweise auf die verwendeten Materalien und beginnen tut es mit einer Rahmenhandlung. <\/p>\n\n\n\n<p>Da kommen 1937 die Nazis in die Kunsthalle, um sich die Bilder f\u00fcr ihre Ausstellung der &#8220;Entarteten Kunst&#8221; in M\u00fcnchen zu holen. Der Hausmeister oder Assistent Wilhelm, dem wir noch \u00f6fter begegnen, holt gerade die Bilder, um sie unter seinem Bett zu verstecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erfahren wir viel von der sch\u00fcchternen K\u00fcnstlerin,  Karen Grol hat ja in ihrem Nachwort geschrieben, da\u00df sich der Roman, nicht Biografie aus Fakten und Fiktion zusammensetzt, die gerade von einer Sommerschule zur\u00fcckkommt, wo sie sich bis 1910 etwa bei einem Arthur Sibelist ausbilden lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p> Das ist ihr aber zu wenig. Sie will nach Paris, um sich an Matisse, etecerta zu orientieren. Das geht aber in einer gehobenen Kaufmannsfamilie nicht, obwohl der Vater f\u00fcr das Studium der Tochter Verst\u00e4ndnis hat. Die Mutter zu der es offenbar ein schwieriges Verh\u00e4ltnis gab, das eher nur bis zur Eheschlie\u00dfung duldete. Anita reist aber nach Berlin, um Max Liebermann ihre Arbeiten zu zeigen. Der lobt ihr Talent und ein Matisse-Sch\u00fcler namens Franz N\u00f6lken nimmt sie ans Sch\u00fclerin an.<\/p>\n\n\n\n<p> Sie verliebt sich in ihn, er will aber davon nichts wissen und f\u00e4llt sp\u00e4ter  im ersten Weltkrieg. Sie geht nun doch f\u00fcr einige Monate nach Paris, lernt dort Aktzeichnen, orientiert sich an Renoir, Cezanne und Leger und als der erste Weltkrieg kommt, ihre Schwester Emilie hat sich inzwischen verheiratet, leidet sie an Hunger. Es gibt \u00fcberall nur Steckr\u00fcben zu essen und das Geld des Vaters ist auch durch die Inflation verschwunden. So mu\u00df sie Portraits malen und verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist mit verschiedenen K\u00fcnstlern, wie beispielsweise Ida Dehmel, der Gattin des Dichters befreundet, geht zu Vortr\u00e4gen von Gerhard Hauptmann und Gottfried Benn, erlebt den anwachsenenden Antisemitismus und geht 1922 f\u00fcr einige Jahre nach Italien. Dort wird sie von einer neuerlichen Liebe, dem Buchh\u00e4ndler Christian Selle \u00f6fter besucht, raucht mit ihm Opium und malt die verschiedensten Modelle. Dann mu\u00df sie nach Deutschland zur\u00fcck, da ihre Familie das Elternhaus verkaufte, zieht von Wohnung zu Wohnung, verkauft einige Bilder und hat auch sch\u00f6ne Ausstellungen, trotzdem scheint sie an Depressionen zu leiden und ungl\u00fccklich zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ekzem an der Hand behindert sie auch am Malen und am Schreiben, das sie offensichtlich ebenfalls betreibt. Die Nationalsozialisten kommen und entlarven ihre j\u00fcdische Herkunft, so da\u00df sie einige Auftr\u00e4ge, Bemalungen an Kirchenw\u00e4nde verliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Geplante Auslandsaufenthalte scheitern, das Geld geht aus. Die letzte Zeit verbringt sie in einer kalten Dachkammer in S<strong>y<\/strong>lt, wo sie sich 1933 das Leben nimmt und das Buch endet im Jahr 1947, als alles vorbei ist und der Hausmeister Wilhelm, die  Bilder mit seiner Anna wieder zur\u00fcck in die wiederer\u00f6ffnete Kunsthalle bringt, die inzwischen von einem Freund von Anita Ree geleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant eine mir bisher unbekannte K\u00fcnstlerin kennenzulernen, am Klappentext gibt es ein Selbstportrait der Malerin, die venezuelanische Wurzeln hat, zu sehen. Im Netz sind weitere zu finden und interessant ist auch, da\u00df die 1964 geborene Karen Grol, wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/19\/der-letzte-satz\/\">Robert Seethaler <\/a>ebenfalls den Kunstgriff mit einer nicht so bedeutenden, wahrscheinlich erfundenen Person, die die Hauptpersonen begleiten, w\u00e4hlte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den Frauen aus den Neunzehnhundertzwanzigerjahren geht es gleich weiter, bevor es wieder an das Lesen der deutschen Buchpreisliste geht und zwar hat da Karen Grol einen fiktiven Roman \u00fcber die vergessene Malerin Anita Ree, die in Hamburg in einer &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=89591\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[285,828,6158],"class_list":["post-89591","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-anita-ree","tag-biografischer-roman","tag-weimarer-republik"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=89591"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89591\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=89591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=89591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=89591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}