{"id":89959,"date":"2020-10-10T00:57:13","date_gmt":"2020-10-09T22:57:13","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=89959"},"modified":"2020-10-10T00:57:13","modified_gmt":"2020-10-09T22:57:13","slug":"bis-wieder-einer-weint","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=89959","title":{"rendered":"Bis wieder einer weint"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/16\/die-infantin-tragt-den-scheitel-links\/\">Buch<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/18\/ich-an-meiner-seite\/\">zw\u00f6lf<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/27\/serpentinen\/\"> der<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">deutschen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/18\/die-neue-deutsche-buchpreisliste-2\/\">Longlist<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/09\/aus-der-zuckerfabrik\/\">ist<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/31\/der-halbbart\/\">&#8220;Bis wieder einer weint&#8221;<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/12\/allegro-pastell\/\">der<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/17\/triceratops\/\">mir<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/19\/der-letzte-satz\/\">bis<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/20\/mission-pflaumenbaum\/\">jetzt<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/20\/mission-pflaumenbaum\/https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/10\/03\/male\/\"> unbekannten<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/10\/04\/goldene-jahre\/\">Eva Sichelschmidt<\/a> ist ein Familienroman, vielleicht mit autobiografischen Z\u00fcgen, denn die1970 geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Autorin arbeitete als Kost\u00fcmbildnerin und f\u00fchrte ein Ma\u00dfatelier, bis 2017 ihr erstes Buch erschienen ist und ihre namenlose oder vom Gro\u00dfvater &#8220;Es&#8221; genannte Heldin lie\u00df sich als Schneiderin ausbilden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberraschend war vielleicht der leichte Ton, der f\u00fcr ein Buchpreislisten-Buch manchmal vielleicht fast zu trival und zu leicht lesbar erscheint. Das Bild \u00fcber das Aufwachsen in den Siebzigerjahren im Ruhrgebiet ist aber stechend scharf gezeichnet, auch wenn das Szenario ein Fabrikantenhaushalt und sein Untergang vielleicht wieder trival erscheinen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Beindrucken sind auch der Anfang und das Ende, denn wie da die Ich- Erz\u00e4hlerin von dem Tag berichtet, als sie mit Blumenwasser \u00fcbergossen mit zehn Monaten in ihrem Laufst\u00e4llchen lag, w\u00e4hrend die Verwandten, um sie herum aufgeregt vom Tod der Mutter berichten und die Gro\u00dfmutter  sp\u00e4ter erkl\u00e4rt, da\u00df man sich vor dem dritten LA nicht erinnern kann, ist so spannend, wie der letzte Satz, wo Tante Hilde seufzend beim Begr\u00e4bnis &#8220;Du warst wirklich ein schreckliches Kind!&#8221;, zu ihr sagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute w\u00fcrde man es wohl als verhaltensgest\u00f6rt bezeichnen und auf den fr\u00fchen Tod der Mutter beziehen. Eva Sicheschmidt erz\u00e4hlt das erstaunlich lakonisch. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Abwechselnd erf\u00e4hrt man vom &#8220;Es&#8221; beim Aufwachsen bei den Gro\u00dfeltern. Der Gro\u00dfvater ist Augenarzt, die Gro\u00dfmutter hilft in der Ordination und f\u00fchrt den Haushalt. Der Vater hat den S\u00e4ugling bis zur Schule in die Gro\u00dfelterliche Obhut gegeben, w\u00e4hrend er mit der \u00e4lteren Tochter bei seiner Mutter und seiner Haush\u00e4lterin lebt und, wie sich der Wilhelm und die Inga, die Augenarzttochter, die sehr jung ihren Wilhelm Fabrikantensohn und Dressurreiter kennengelernt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>DieHaushaltshilfe war immer da, die Gro\u00dfmutter Marianne wohnt im Obergescho\u00df. Es gab sogar einen Liiebhaber und die Ehe war nicht besonders gut. Inga spioniert ihrem Wilhelm sogar nach, ob er wirklich eine Freundin hatte, erf\u00e4hrt man nie. Sp\u00e4ter hatte er Lebensgef\u00e4hrten. Das erste Kind Asta war ein Vaterkind, der seiner Tochter alles durchgehen l\u00e4\u00dft. So will sie sich um die kleine Tochter, deren Geburt im Gegensatz zum ersten Kind problemlos erfolgt, mehr k\u00fcmmern. Aber schon bald danach bricht sie auf einem gesellschaftlichen Ereignis zusammen und bekommt Nasenbluten. Leuk\u00e4mie wird diagnostiziert und Inga verschwindet bis zum Lebensende in einer M\u00fcncher Klinik, wo an ihr verschiedene Medikamente ausprobiert werden, die der Gatte zu bezahlen hat, da die Arztttochter nicht krankenversichert war, bis sie mit Drei\u00dfig stirbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Es erz\u00e4hlt nun, wie es dem Gro\u00dfvater die Lik\u00f6rpralinen klaut, weil die drei oder vierj\u00e4hrige keine Kinderschokolade essen will. Im Kindergarten ist sie furchtbar, pr\u00fcgelt sich mit anderen Kindern, der Gro\u00dfvater mu\u00df ihnen dann die neue Brille verpassen, zerschnippselt Kleider, so da\u00df sie fortan zu Hause bleiben darf und die Gro\u00dfmutter sie w\u00e4hrend ihren Ordinationsdiensten vor den Fernseher setzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie sechs ist, holt sie der Vater versprochenenweise ab und bringt sie in sein Herrschaftshaus zu der verzogenen Schwester, was zuerst auch eine Katastrophe ist, weil sie mit Vater und Schwester nicht verwurzelt ist. Der Vater benimmt sich ambivalent, \u00fcberh\u00e4uft sie einerseits mit Geld und sie, die immer  Schwierigkeiten mit anderen Kindern hatt, versucht sich ihre Liebe zu erkaufen, indem sie ihre riesige Schult\u00fcte vor ihnen ausleert oder allen beim Schulausflug mit den zugesteckten f\u00fcnfzig Mark ein Eis kaufen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Die verst\u00e4ndisvolle Lehrerin verhindert das, sie istauch in der Schule schlecht, ist Legasthenikerin, wird im Gmnasium verpr\u00fcgelt und erholt sich erst in der Realschule wieder, was in dem Dorf, wo der Vater residiert aber auch eine Schande ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, die sozialen Unterschiede werden von Eva Sichelschmidt scharf heraufgearbeitet, als der Bankrott des Vater, der bald zu trinken beginnt, Herz- und andere Medikamente nimmt, sp\u00e4ter in der Pschiatrie landet, vorerst aber die demente Mutter von philippinischen Pfleger versorgen lassen mu\u00df. Asta ist politisch links und streitet mit dem Vater. Sie soll mit der Schwester zu der sie dann doch findet mit Sechzehn nach England fahren, aber da sind die Gro\u00dfeltern, die sie in Schwarzwald zwingen. Da benimmt sie sich wieder unm\u00f6glich und k\u00f6stlich ist auch die folgende Szene, wo sie anschlie\u00dfend mit dem Vater und dessen Freund Uwe an die Nordsee f\u00e4hrt. Ihr Freund Christian ist auch dabei, der bringt sie zu einem Grillabend einer Tante, deren Mann Kinderp<strong>y<\/strong>schologe ist. Der fragt sie in aller \u00d6ffentlichkeit nach ihren Traumen aus, wie lange, die Schwester im Bett des Vaters geschlafen hat und, da\u00df sie den Vater bebobachtete, wie der Vater von Uwe gek\u00fc\u00dft wurde. Der schl\u00e4gt sie dann zusammen, so da\u00df sie mit Sechzehn vor\u00fcber gehend wieder zu ihren Gro\u00dfeltern f\u00e4hrt, mit denen sie sich ja auch verstritten hat und dann sind wir schon wieder zehn oder f\u00fcnfzehn Jahre sp\u00e4ter, beim Begr\u00e4bnis des Vaters, wo die Schwestern mit ihren M\u00e4nnern und Kindern in der ersten Reihe sitzen, die junge Pastorin eine beeindruckende Predigt &#8220;Und h\u00e4tte der Liebe nicht&#8221;, h\u00e4lt und Tante Hilde dannmit den  schon erw\u00e4hnten letzten Satz kondoliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ein Buch das mir sehr gefallen hat und mich wieder eine mir bisher unbekannte Autorin kennenlernen lie\u00df. So kann man Famiiengeschichten auch erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>jetzt bin ich auf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/23\/o-tone-von-hinten\/\">Valerie Fritschs &#8220;Herzklappen&#8221;<\/a> gespannt und ein bi\u00dfchen wenn auch viel weniger spekul\u00e4r erinnernt das buch auch an Arno Camenischs &#8220;Goldene Jahre&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch zw\u00f6lf der deutschen Longlist ist &#8220;Bis wieder einer weint&#8221;, der mir bis jetzt unbekannten Eva Sichelschmidt ist ein Familienroman, vielleicht mit autobiografischen Z\u00fcgen, denn die1970 geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Autorin arbeitete als Kost\u00fcmbildnerin und f\u00fchrte ein Ma\u00dfatelier, bis &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=89959\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[1340,1884,1948,3716,4950],"class_list":["post-89959","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-dbp2020","tag-eva-sichelschmidt","tag-familienroman","tag-longlist","tag-rowohlt"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=89959"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89959\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=89959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=89959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=89959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}