{"id":90714,"date":"2020-10-19T00:42:05","date_gmt":"2020-10-18T22:42:05","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=90714"},"modified":"2020-10-19T00:42:05","modified_gmt":"2020-10-18T22:42:05","slug":"nebelkinder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=90714","title":{"rendered":"Nebelkinder"},"content":{"rendered":"\n<p>Nun kommt das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/10\/17\/carnival\/\">zweite<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/16\/hool\/\">&#8220;Aufbau-Buch&#8221;<\/a> und auch das zweite, das ich von der1970 geborenen Stefanie Gregg gelesen habe.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/17\/mein-schlimmster-schoenster-sommer\/\">&#8220;Mein schlimmster sch\u00f6ner Sommer&#8221;<\/a>, wo eine Frau ihrer Krankheit davonf\u00e4hrt ha tmich ja sehrbeeindruckt, weil ich ja selber \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_trotzdem.html\">dieses Thema geschrieben habe<\/a> und &#8220;Nebelkinder&#8221;, das hat mich sehr erstaunt hat nun ein ganz anderes Thema, geht es ja um die Nachkriegsgeneration und die Flucht einer Mutter mit ihrer Tochter aus Breslau, was mich ein wenig wunderte, da\u00df da pl\u00f6tzlich ein ganz anderes Thema war.<\/p>\n\n\n\n<p> Stefanie Gregg hat das in ihren Nachworten sehr genau erkl\u00e4rt und was ich auch sehr spannend fand, dazugeschrieben, wie das mit ihrer Familie war und was sie davon verwendet und was ganz anders war, wo ich ja immer h\u00f6re, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/26\/vorschau-auf-zwillingswelten\/#comments\">da\u00df immer alles ganz erfunden ist und da\u00df man das mu\u00df<\/a>. Aber wie die Autorin in mir wei\u00df,  h\u00f6chstwahrscheinlich gar nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird auch der Begriff &#8220;Nebelkinder&#8221; erkl\u00e4rt, der mir, die ich ja auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/05\/deja-vue-und-arbeitsbericht\/\">Pschologin bin<\/a> bisher v\u00f6llig unbekannt war, aber ich geh\u00f6re ja nicht zu der Generation der Enkelkinder, die von den Kriegserlebnissen  ihrer  Gro\u00dfeltern \u00fcberhaupt nichts wissen, obwohl sehr viel wurde bei mir, der 1953 geborenen auch nicht dar\u00fcber gesprochen und meine Schwester hat, da 1942 auf die Welt gekommen, ein  bi\u00dfchen miterlebt und war,  wahrscheinlich durch die mangelnde Ern\u00e4hrung, kleinw\u00fcchsig, auch ihr ganzes Leben davon betroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird und das habe ich auch interessant gefunden, in dem Buch auch erw\u00e4hnt, da\u00df die 1932 geborene Anastasia kleiner, als die anderen Kinder war, weil zu wenig zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Traumatiserungen, die diese Generation erlebte und das damals sicher nicht so nannte, werden also erst heute aufgearbeitet und da stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, wie das gelingen kann, wenn man in die Gro\u00dfmutter vielleicht ein Trauma hineindeutet, das diese energisch bestreiten w\u00fcrde und das schreibt Stefanie Gregg auch, ihre Gro\u00dfmutter war nicht so belastet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das wei\u00df man ja von den Schreibseminaren &#8220;Schreib das Schlimmste auf und \u00fcbertreibe, damit es die Leser interessiert!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Also habe mich die vielen Vergewaltigungen der Kriegsfrauen etwas gefundert, einigen werden es schon so erlebt haben, die meisten hoffentlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein Familienroman \u00fcber drei Generationen und es wird abwechselnd erz\u00e4hlt und um das Ganze schl\u00fc\u00dfig zu machen, gibt es noch einen Handlungsfaden, den ich etwas konstruiert empfand, wie auch die Geschichten, die die einzelnen Szene erz\u00e4hten, sehr ausgeschm\u00fcckt sind, w\u00e4hrend sonst, das wird wahrscheinlich auch in den Schreibseminaren so verlangt, manchmal L\u00fccken bleiben, um den Leser wohl neugierig zu machen und an der Stange zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt 1945 in einem Bauernhof bei M\u00fcnchen, da ist K\u00e4the mit ihren zwei Kindern, der dreizehnj\u00e4hrigen Anastasia, Ana genannt und der kleineren Leni, sowie ihrer Schwester mit deren Sohn Wolfgang gerade angekommen. K\u00e4the ist traumatisert. Ana mu\u00df sich um alles k\u00fcmmern, der Bauer l\u00e4\u00dft sie im Stall schlafen, um Essen zu besorgen macht sie den Stall sauber und f\u00e4ngt eine Freundschaft mit Franz, dem Sohn des Bauern an. Sp\u00e4ter bekommen sie eine Wohnung in M\u00fcnchen, der Vater Ludwig, ein Richter, kommt aus dem Krieg zur\u00fcck und die Zwischenhandlung spielt 2017. Da bekommt Lilith, Anas Tochter von ihrem bindungsunf\u00e4higen Freund Robert, den Auftrag sich um sein Kind dessen Mutter gestorben ist, zu k\u00fcmmern. Er kann es nicht, weil verheiratet und bl\u00f6d ist nur, das kind ist von der besten Freundin, die sie damit betrogen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die Auslangslage, denn Lilith z\u00f6gert, will nat\u00fcrlich nicht. W\u00fcrde ich auch nicht anraten und wohl auch nicht gut f\u00fcr den kleinen Aaron sein. Ana dr\u00e4ngt aber zur Verantwortung, &#8220;Contenauce!&#8221;, ist ein Spruch der Familie und f\u00e4hrt mit Lilith nach Breslau, um ihre Familiengeschichte zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00e4the ist aus guten Haus. &#8220;R\u00fccken gerade, Kopf hoch, Contenauce bewahren!&#8221; und verheiratet, will aber Architektur studieren. Der Mann verbietet es, was er damls durfte. Sie betr\u00fcgt ihn mit Ludwig, bekommt ein Kind, das sie nicht wegmachen l\u00e4\u00dft und es dem Gatten auch nicht unterschiebt, wird von der Familie als geschiedene Frau verachtet, was ich auch ein wenig konstruiert empfinde. Ludwig, der Richter heiratet sie. Die Ehe ist aber nicht gut, wie wir noch sp\u00e4ter erfahren und er betr\u00fcgt sie sehr oft. Vielleicht bin ich naiv, aber in meiner Familiengeschichte gibt es nicht so viele betr\u00fcgende oder betrogene Frauen, aber ich wei\u00df schon, im Roman mu\u00df alles \u00fcbertrieben sein und dann machen es die Leser vielleicht nach&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Anastasia, auch ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/11\/aktueller-korrekturbericht\/#comments\">ungew\u00f6hnlicher Name<\/a>, f\u00fchlt sich f\u00fcr die kleine Schwester verantwortlich, die Mutter liegt immer im Bett und kocht dem Vater, wenn er nach Hause kommt, kein Abendessen, wo er dann die Stirne runzelt.<\/p>\n\n\n\n<p> Warum erf\u00e4hrt man auch, denn es war gar nicht so einfach mit dem Zug von Breslau nach M\u00fcnchen zu gelangen. Es war kalt, es gab kein Essen und um solches f\u00fcr die Kinder zu besorgen, mu\u00dften die Frauen sich- und die kleine Leni machte sich an, weil sie nicht aufs Klo gehen konnte, als der Zug hielt, war dann der Urin auf der Unterhose gefroren, was der Grund war, da\u00df sich Ana sehr \u00fcber die drei Unterhosen freute, die sie dann, schon in M\u00fcnchen zu Weihnachten bekam, denn nun konnte sie t\u00e4glich wechseln. Sp\u00e4ter studierte sie, wie der Vater ebenfalls Jus und w\u00fcnschte sieh einen verl\u00e4\u00dflichen Mann, der ihr Sicherheit bieten konnte, der war aber, wie Gro\u00dfvater Ludwig fand, entsetzlich fad. So traf sie Franz wieder und das Kind, als sie dann, ihren Jochen heiratete, war nat\u00fcrlich eine Fr\u00fchgeburt was aber niemand merkte, weil die Verk\u00e4uferin, die das Hochzeitskleid anprobierte, die richtigen Ratschl\u00e4ge gab. So ging es weiter in das Wohlstanddeutschland, das hat auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/10\/10\/bis-wieder-einer-weint\/\">Eva Sichelschmid<\/a> \u00e4hnlich beschrieben und Lilith fror ein wenig unter der Sicherheit, denn &#8220;Ich liebe dich!&#8221;, konnte Ana nie zu ihr sagen oder tat es erst sp\u00e4ter und am Schlu\u00df kommen Ana und Lilith nach M\u00fcnchen zur\u00fcck. Lilith nimmt Aaron auf und Ana schenkt ihm zu Weihnachten die Spieldose, die ihr ihr Vater schenkte, bevor er in den Krieg mu\u00dfte und sie nach M\u00fcnchen rettet,e ihrer Tochter aber nie gezeigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher wichtig die Traumen der Nachkriegsgeneration aufzuarbeiten. Ich habe ich ein Tagebuch meiner Mutter gefunden, das sie geschrieben hat, sie mit der kleinen Uschi allein Wien war, weil mein Vater noch in Gefangenschaft und habe beim Lesen \u00f6fter gedacht, da\u00df wir jetzt ja hurtig den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">n\u00e4chsten Traumatsierungen entgegentaumeln<\/a>, die sich aber wahrscheinlich erst so richtig ausmessen lassen, wenn ich vielleicht schon gestorben bin. Dann kann die kleine Lia dr\u00fcber schreiben, wie es damals war, als alle pl\u00f6tzlich mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/20\/wiedereinfuhrung-der-maskenpflicht\/\">Masken<\/a> herumliefen und alle, wie man es auch jetzt merken kann, es verdr\u00e4ngten, beziehungsweise nicht dar\u00fcber schreiben wollen,wie es ihnen damit geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt das zweite &#8220;Aufbau-Buch&#8221; und auch das zweite, das ich von der1970 geborenen Stefanie Gregg gelesen habe. &#8220;Mein schlimmster sch\u00f6ner Sommer&#8221;, wo eine Frau ihrer Krankheit davonf\u00e4hrt ha tmich ja sehrbeeindruckt, weil ich ja selber \u00fcber dieses Thema geschrieben &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=90714\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[429,3300,4137,5545],"class_list":["post-90714","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aufbau","tag-kriegstraumen","tag-nachkriegsgeneration","tag-stefanie-gregg"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=90714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90714\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=90714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=90714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=90714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}