{"id":9144,"date":"2011-10-05T21:44:27","date_gmt":"2011-10-05T19:44:27","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9144"},"modified":"2011-10-05T21:44:27","modified_gmt":"2011-10-05T19:44:27","slug":"zur-entstehung-des-uberbuchs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9144","title":{"rendered":"\u00dcberbuch und Riesenroman"},"content":{"rendered":"<p>Pr\u00e4sentation  des nun endlich gesetzten &#8220;Zettels Traum&#8221; in der Hauptb\u00fccherei. Ob ich ohne die k\u00fcrzlich erfolgte Erstlekt\u00fcre von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/16\/kaff-auch-mare-crisium\/\">&#8220;KAFF auch Mare Crisium&#8221;<\/a> hingegangen w\u00e4re, wei\u00df ich nicht. Wahrscheinlich aber schon, habe ich das B\u00fccherschrankbuch ja auch gelesen und heute war auch irgendwie ein literarischer Tag. Habe ich nicht nur zwei Szenen meiner<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/25\/weiter-mit-den-drei-s\/\"> drei S<\/a> weitergebracht, sondern bin, als ich die Zieglergasse um halb sieben hinaufgegangen bin, auch auf eine mit zwei M\u00e4nnern eifrig diskutierende <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/11\/lisa-spalt-und-elfriede-czurda\/\">Lisa Spalt<\/a> getroffen, die ich nat\u00fcrlich fragte, was es im Literaturhaus g\u00e4be?<br \/>\nDie &#8220;Idiome&#8221; &#8211; Hefte f\u00fcr neue Prosa wurden pr\u00e4sentiert, ob es sich bei den beiden M\u00e4nnern um Urs Jaeggi und Florian Neuner, die auch im Program stehen, handelte, habe ich gar nicht mitbekommen und Lisa Spalt auch nicht erkl\u00e4rt, da\u00df ich stattdessen zur Pr\u00e4sentation des &#8220;\u00dcberbuches&#8221; gehe und nat\u00fcrlich habe ich vorher  beim B\u00fccherschrank Halt gemacht, der, wie meistens sehr bev\u00f6lkert war und diesmal wieder normal gef\u00fcllt. Die g\u00e4hnende Leere, die ich die letzten drei Male beobachten konnte, war verschwunden. Ist aber offenbar nicht nur mir aufgefallen, so sagte mir ein Ben\u00fctzer gleich, da\u00df der Ausr\u00e4umer heute offenbar nicht gekommen sei und erz\u00e4hlte mir von den Rarit\u00e4ten, die er gefunden h\u00e4tte.<br \/>\nIch war ein bi\u00dfchen neugierig, wie voll oder leer die Hauptb\u00fccherei sein w\u00fcrde? Habe ich ja keine Ahnung, ob Wien eine Stadt der Arno Schmidt Spezialisten ist oder nicht. Christel Fallenstein, die mir mailte, da\u00df sie gerne zu meinem Geburtstagsfest kommen w\u00fcrde, habe ich gefragt ob sie kommt. Sonst war das aber eine \u00dcberraschung und der B\u00fcchertisch war mit dem riesigen sechs Kilo schweren \u00dcberbuch und anderen Arno Schmidt Ausgaben auch gut gef\u00fcllt.<br \/>\n&#8220;KAFF auch Mare Crisium&#8221; befand sich nicht dabei. Es gab aber eine Art Probedruck oder Einf\u00fchrung zur Neuauflage, die verteilt wurde und bei der Pr\u00e4sentation hat es sich um eine regelrechte Performance gehandelt. Aber erst habe ich mich in dem halbgef\u00fcllten Saal umgesehen, Sascha Manowicz und Peter Henisch erkannt und weil neben dem Autor noch ein Platz frei war, mich neben ihm gesetzt und ihm erz\u00e4hlt, da\u00df mir das Ende seines <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/12\/grosses-finale-fur-novak\/\">Buches<\/a> nicht gefallen h\u00e4tte.<br \/>\n&#8220;Von welchem?&#8221;, fragte mich sehr freundlich seine Begleiterin und es hat sich ein interessantes Gespr\u00e4ch entwickelt. Ein Highlight meines Literaturalltags, weswegen ich das Literaturgefl\u00fcster eigentlich f\u00fchre, haben sich da ja einige Gespr\u00e4che bei mir tief eingepr\u00e4gt, die ich auf diesen Weg dokumentieren und weitergeben m\u00f6chte.<br \/>\nDa\u00df Peter Henisch manchmal zu <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/15\/alte-schmiede-im-beisl\/\">Literaturveranstaltungen<\/a> geht, wei\u00df ich, da\u00df er sich f\u00fcr Arno Schmidt interessiert, war eine \u00dcberraschung, h\u00e4tte ich das ja gerade einem realistischen Autor nicht zugetraut. Ich bin das aber auch und so habe ich ihn auch danach gefragt und er sagte mir, da\u00df er oft Klarheit in Arno Schmidts Werken gefunden h\u00e4tte. Da habe ich ihm auch erz\u00e4hlt, da\u00df ich &#8220;KAFF auch Mare Crisium&#8221; gelesen, aber nicht verstanden h\u00e4tte.<br \/>\n&#8220;Vielleicht verstehe ich es heute&#8221;, sagte ich noch in den Probeseiten bl\u00e4tternd, die sehr gro\u00df, dreispaltig und von \u00e4hnlicher Orthografie, wie  &#8220;KAFF&#8221; schienen, mit eingef\u00fcgten Zeichnungen, Amerkungen, Satzzeichen, etc.<br \/>\nSusanne Fischer, die Editorin, f\u00fchrte in den Roman ein und erz\u00e4hlte, da\u00df er zehn Jahre sp\u00e4ter als &#8220;KAFF&#8221; entstanden ist, da\u00df der Titel auf den &#8220;Sommernachtstraum&#8221; anspielt und die Handlung an einem Tag ab vier Uhr fr\u00fch in der L\u00fcneburger Heide spielt. Und zwar bekommt da der Ich-Erz\u00e4hler Daniel Pagenstecher, der an einer Edgar Allan Poe Ausgabe arbeitet, Besuch vom \u00dcbersetzerehepaar Paul und Wilma Jacobi und deren sechzehnj\u00e4hrige Tochter Fr\u00e4nzel und zieht mit diesen offenbar den Tag \u00fcber die Heide, unterh\u00e4lt sich mit ihnen \u00fcber Poe, entwickelt eine Etym-Theorie, verliebt sich in die Sechzehnj\u00e4hrige oder sie in ihn und einen Nato Soldaten, der ein geborgtes Fleischhauerbuch liest, treffen sie offenbar auch.<br \/>\nDas Ganze erinnert irgendwie an &#8220;KAFF&#8221; und dessen Handlung, die sowohl auf dem Mond, als auch in der L\u00fcneburgerheide bei einem Tantenbesuch spielt, besteht aus f\u00fcnfzehnhundert Seiten und ist bisher nie als Typoskript erschienen.<br \/>\nDanach folgte eine Lesung aus dem Buch vom Buchgestalter Friedrich Forssmann und Bernd Rauschenbach von der Arno Schmidt Stiftung und die beiden haben offenbar ein schauspielerisches Talent oder die Lesung sehr einstudiert. Danach erz\u00e4hlte Friedrich Forssmann, wie er dazu kam, das Buch zu setzen und das tat er auch sehr gekonnt.<br \/>\nMit Siebzehn hat er von einem Freund &#8220;KAFF&#8221; empfohlen bekommen, brach danach die Schule ab und wurde Schmidt Leser, aber damals gab es einen Verlagsstreit und Schmidt offenbar kaum zu kaufen, dann brach er eine Setzerlehre ab, studierte Graphikdesign, begann die vier letzten Schmidt Romane Probe zu setzen und marschierte damit auf die Frankfurter Buchmesse. Kam zur Schmidt Stiftung, da war er dreiundzwanzig und hatte eine dreij\u00e4hrige Tochter. Jetzt ist seine Enkeltochter so alt und &#8220;Zettels Traum&#8221; fertig und Bernd Rauschenbach erl\u00e4uterte darauf genauso kom\u00f6diantisch, wie man &#8220;Zettels Traum&#8221;  lesen soll.<br \/>\nNicht spaltenweise und nicht gelegentlich ein paar Seiten, sondern in einem durch, f\u00fcr das Bett und die Badewanne eignet es sich wegen seiner Gr\u00f6\u00dfe und Schwere nicht, also am Schreibtisch und dann braucht man ein deutsches und ein englisches W\u00f6rterbuch, eine Literaturgeschichte, den James Joyce, Sigmund Freud und noch eine Menge Sekund\u00e4rliteratur. Dann ist man in einem Jahr fertig und ein Arno Schmidt Spezialist. Man kann es aber auch ohne die Begleitliteratur lesen, denn Schmidt hat schon das Wichtigste eingef\u00fcgt und au\u00dferdem empfohlen mit dem Buch vier oder sieben anzufangen.<br \/>\nJa richtig, der Roman besteht aus acht B\u00fcchern. Nachher wurden der Performancer sehr beklatscht, die auf den B\u00fcchertisch hinwiesen. Wieviele den sechs Kilo Band nach Hause schleppten, wei\u00df ich nicht und auch nicht, ob ich mich an das Jahreswerk machen w\u00fcrde, wenn ich es im B\u00fccherschrank f\u00e4nde? Glaube eher nicht, habe aber derzeit ein anderes, wenn auch viel verst\u00e4ndlicheres &#8220;Monsterwerk&#8221; vor mir, n\u00e4mlich Ruth Asp\u00f6cks &#8220;Nichts als eine langweilige Blindschleiche&#8221;, das aus f\u00fcnfhundert Seiten und zwanzig B\u00fcchern im Kleindruck besteht und wieder viel gelernt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pr\u00e4sentation des nun endlich gesetzten &#8220;Zettels Traum&#8221; in der Hauptb\u00fccherei. Ob ich ohne die k\u00fcrzlich erfolgte Erstlekt\u00fcre von &#8220;KAFF auch Mare Crisium&#8221; hingegangen w\u00e4re, wei\u00df ich nicht. 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