{"id":9175,"date":"2011-10-07T21:48:51","date_gmt":"2011-10-07T19:48:51","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9175"},"modified":"2011-10-07T21:48:51","modified_gmt":"2011-10-07T19:48:51","slug":"ohrenschmaus-jurysitzung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9175","title":{"rendered":"Ohrenschmaus-Jurysitzung"},"content":{"rendered":"<p>Heute war wieder Jurysitzung des Ohrenschmauses, Literaturwettbewerb f\u00fcr Menschen von und mit Lern oder intellektueller Behinderung, den es seit 2007 gibt. Weil ich den Otto Lambauer von Alfreds Wandergruppre kenne, bin ich in der Jury und da mich Literatur in allen ihren Formen interessiert, habe ich auch sehr viel gelernt dabei und kenne mich jetzt mit dem, was Menschen, die beispielsweise ein Downsydrom schreiben, auch gut aus.<br \/>\nFranz Joseph Huainigg, der einmal Behindertensprecher der \u00d6VP war oder das noch ist, hat ihn gegr\u00fcndet. Wenn ich die Legende richtig verbreite, hat er sich zum vierzigsten Geburtstag einen solchen Literaturpreis gw\u00fcnscht und Michael K\u00f6nig, die  das Vorbild f\u00fcr meine <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_mimi.html\">&#8220;Mimi&#8221;<\/a> war, hat ihn dazu angeregt. Otto Lambauer, der das Literaturgefl\u00fcster anfangs sehr verst\u00e4rkte und im Behindertenbereich der Caritas t\u00e4tig ist, hat mir davon erz\u00e4hlt, bzw. wollte er wissen, wie man in das Literaturhaus f\u00fcr die Preisverleihung kommt. 2007 hat sie dort stattgefunden, weil der Rollstuhlzugang, glaube ich, doch nicht so ganz optimal war, wurde es in das Museumsquartier verlegt und ich bin mit Felix Mitterer, Barbara Rett, Heinz Janisch und Kurt Palm in der Jury. Am Anfang war noch die Kinderbuchautorin Friedl Hofbauer, die ich durch Vermittlung von Valerie Szabo, einmal, lang lang ists her, f\u00fcr meine Dissertation interviewte dabei. Im vorigen Jahr habe ich Ludwig Laher und Adrea Stift f\u00fcr die Jury vorgeschlagen und die Besch\u00e4ftigung mit der Literatur von Lernbehinderten immer sehr genossen. Wurde da ja gleich im ersten Jahr Renate Gradwohl als gro\u00dfes Talent entdeckt und seither bin ich der Ansicht, da\u00df Ernst Jandl, der sich, glaube ich, mit dem Haus der K\u00fcnstler in Gugging sehr besch\u00e4ftigt hat, von Leuten mit sogenannten Lernbehinderungen vom Schreiben inspirieren lie\u00df. Renate Gradwohl schreibt jedenfalls so, wie es Ernst Jandl manchmal tat.<br \/>\nIm zweiten Jahr begann es ein bi\u00dfchen problematisch zu werden, stellte sich doch heraus, da\u00df das Preistr\u00e4gergedicht von Astrid Lindgren war und damals gab es die Idee, die sich nicht durchgesetzt hat, da\u00df die Jury jeweils drei Texte in den Kategorien Prosa, Lyrik und Lebensbericht ausw\u00e4hlt und den Vorjahrspreistr\u00e4gern n\u00e4mlich Renate Gradwohl, Herbert Offenhuber, etc zur Verf\u00fcgung stellt. Nur leider war das Gedicht, da\u00df die Endjury ausw\u00e4hlte, nicht vom Einreicher, von den zwei anderen Einreichungen stammte ein Gedicht von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/13\/neue-bucher-und-anton-blitzsteins-katzen\/\">Anton Blitzstein<\/a>, der vom Augustin, seinen Mondk\u00e4lbern und seinen Katzen sehr bekannt ist, aber der ist kein Mensch mit Lernbehinderung, sondern einer mit Psychiatrieerfahrung und wir begannen die Kriterien f\u00fcr die Einreichung zu diskutieren.<br \/>\n2009 und 2010 gab es damit  keine Schwierigkeiten. 2009 wurde mit dem Text von Sarah Lutschaunig, eine tolle Prosabegabung einer sehr jungen Frau, die sagte, da\u00df erste Mal eingereicht und gleich gewonnen hat, entdeckt und in Josefine  Bitschau Lebensbericht eine alte Dame, die davon schreibt, wie es damals war, als man sich verstecken mu\u00dfte, damit einem Hitler nicht erwischt.<br \/>\n2010 gab es mit Reinhard  Buchmann wieder einen Prosagewinner mit einem unheimlich starken Talent, das in seiner Sprachgewalt an Thomas Bernhard erinnert, obwohl der Einreicher, wie seine Betreuer meinen, nicht viel spricht.<br \/>\n2010 wurde die Jury durch meine Mithilfe eine wenig aufgefrischt und 2008 wurden Kriterien festgelegt, so da\u00df sicher ist, da\u00df nur mehr Menschen mit Lernbehinderungen einreichen und das ist ein Begriff, der leicht mi\u00dfverstanden werden kann. Denn was ist eine Lernbehinderung? Eine Legasthenie und eine Aufmerksamkeitsst\u00f6rung. Aber das ist eigentlich nicht damit gemeint, sondern die geistige Behinderung, die inzwischen intellektuelle Beeintr\u00e4chtigung hei\u00dft. Die Betroffenenen nennen sich, ganz klar, lieber lernbehindert. Aber das kann zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen f\u00fchren, wie ich zum Beispiel vorige Woche im Literaturhaus merkte, als ich einem Herrn vom Ohrenschmaus erz\u00e4hlte und der sofort meinte, da reicht er ein, denn er ist Epileptiker und, da\u00df sich depressive Akademiker oder Menschen mit Psychiatrieerfahrungen angesprochen f\u00fchlen, haben wir schon erlebt.<br \/>\nFranz Joseph Huainigg will aber, da\u00df der Preis f\u00fcr Menschen mit Lernbehinderungen, wie beispielsweise  einem Down Syndrom vorbehalten bleibt und so wird seit 2008 vorher geschaut, da\u00df die Kriterien stimmen, was nicht immer gelingt, so waren heuer einige Texte dabei, die sich mit dem ADHS-Symptom besch\u00e4ftigten, die eigentlich nicht teilnahmeberechtigt w\u00e4ren.<br \/>\nTrotzdem ist die Besch\u00e4ftigung mit den \u00fcber hundert Einreichungen eine sehr sch\u00f6ne Sache und wenn man es zum f\u00fcnften Mal macht, wei\u00df man, obwohl es offiziell eine anonyme Einreichung gibt, schon in etwa, von wem der Text stammt, denn der Ohrenschaus hat seine Stammeinreicher und ich wei\u00df in etwa auch, ob der Text den Kriterien entspricht oder nicht und wenn jemand das ADHS-Symptom beschreibt, dann stimmt es wahrscheinlich nicht.<br \/>\nAber mir ist das  eigentlich egal und ich finde es noch immer schade, da\u00df Anton Blitzsteins sch\u00f6ne Texte, der heuer vielleicht bei meinem Geburtstagsfest lesen wird, hier nicht aufgehoben sind.<br \/>\nSo war es auch heuer, \u00fcber hundert sch\u00f6ne Texte und wie Kurt Palm meinte, manche zu perfekt. Ich habe damit, wie gesagt, kein Problem, sondern einen offenen Literaturbegriff und so war die Jurysitzung heute Mittag im Parlament mit Felix Mitterer, Heinz Janisch und Ludwig Laher auch sehr interessant, besonders da wir uns bez\u00fcglich unserer Favoriten ziemlich einig waren.<br \/>\nSo gab es einen sehr sch\u00f6nen Lebensbericht f\u00fcr den wir eigentlich alle stimmten, auch bei der Prosa waren wir uns ziemlich einig, \u00fcber die Lyrik wurde ein bi\u00dfchen diskutiert. Nach einer Stunde waren wir fertig und bereit uns auf die Preisverleihung am 29. 11. um 19 Uhr im Museumsquartier zu freuen.<br \/>\nVorher mu\u00df ich noch das Vorwort f\u00fcr das Buch &#8220;Nicht schlafen k\u00f6nnen&#8221;, das inzwischen in der Edition der Provinz entsteht und das zur Preisverleihung anl\u00e4\u00dflich f\u00fcnf Jahre Ohrenschmaus vorgestellt werden wird, fertig schreiben.<br \/>\nEinen kleinen Wermuthstropfen gab es noch mit dem Prosatext, von dem sich inzwischen herausstellte, da\u00df er auch zu &#8220;perfekt&#8221; ist, da es aber eine sogenannte Ehrenliste gibt, auf die die vielen anderen  sch\u00f6nen Texte Platz finden, werden wir noch einen Prosatext finden, der den Kriterien der intellektuellen Behinderung entspricht. Die Behindertenolympic macht daf\u00fcr, glaube ich, IQ Tests und l\u00e4\u00dft nur Leute teilnehmen, die einen IQ unter 85 oder 75 aufweisen, aber das ist eine Selektion, die ich gar nicht will. So freue ich mich auf die Preisverleihung im November, in der das Siegergedicht auf einer Zotterschokolade aufgedruckt sein wird und auf das Buch mit den vielen sch\u00f6nen Siegertexten und denke, da\u00df ich, seit ich mich so regelm\u00e4\u00dfig mit dem, was sogenannte behinderte Menschen schreiben, besch\u00e4ftige, viel gelernt habe. Min Literaturbegriff hat sich seither auch erweitert.<br \/>\nOhrenschmausarviv 2008 <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/22\/vom-ohrenschmaus-zum-prager-fruhling\/\">1<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/12\/09\/ohrenschmaus-preisverleihung\/\">2,<\/a> 2009 <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/24\/ohrenschmaus-und-gav-veranstaltungen\/\">1<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/02\/ohrenschmaus-09\/\">2<\/a>, 2010 <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/30\/weltspartag-ohrenschmaus-und-reisereportage\/\">1<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/30\/ohrenschmaus-2010\/\">2<\/a><br \/>\nDann gibts noch einen allgemeinen Bericht von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/29\/ohrenschmaus\/\">2008<\/a> und den \u00fcber <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/20\/literaturmarathon\/\">Otto Lambauers Ohrenschmaus-Stand bei &#8220;Rund um die Burg&#8221;<\/a>, der sich dann von dort zur\u00fcck gezogen hat.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute war wieder Jurysitzung des Ohrenschmauses, Literaturwettbewerb f\u00fcr Menschen von und mit Lern oder intellektueller Behinderung, den es seit 2007 gibt. 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