{"id":9294,"date":"2011-10-14T20:03:39","date_gmt":"2011-10-14T18:03:39","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9294"},"modified":"2011-10-14T20:03:39","modified_gmt":"2011-10-14T18:03:39","slug":"leonardos-hande","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9294","title":{"rendered":"Leonardos H\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn einer stirbt, hei\u00dft das hier, der kauft nicht mehr ein&#8221;, lautet der erste Satz von Alois Hotschnigs 1992, erschienenen Roman &#8220;Leonardos H\u00e4nde&#8221;, der, wie auf der ersten Seite steht, von einem zweiunddrei\u00dfigj\u00e4hrigen Techniker handelt, der einen t\u00f6dlichen Unfall verursacht, Fahrerflucht begeht und daraufhin sein Leben \u00e4ndert, Rettungsfahrer wird, um ohne aufzufallen in die N\u00e4he seines Opfers, der Kunstgeschichtestudentin Anna Kainz zu gelangen, die seither im Koma liegt.<br \/>\n&#8220;Daf\u00fcr eine eigene Sprache zu finden und mit diesen Motiven einen Roman zu gestalten, dessen Handlung nicht nur spannend, sondern dessen schwierige Figuren auch psychologisch \u00fcberzeugend sind, das ist eine Leistung, mit der sich Alois Hotschnig in die vorderste Reihe der deutschsprachigen Autoren geschrieben hat&#8221;, meint Werner Fuld in der Frankfurter Zeitung.<br \/>\nMit dieser Information wird man in den hundertzweiundsiebzig Seiten Roman gesto\u00dfen, der zuerst ganz anders beginnen. Da spielen sich auf den ersten Seiten die Gespr\u00e4che und die Erlebnisse des Rettungsfahrers mit den alten Leuten ab, die er in die Spit\u00e4ler und Ambulanzen bringen soll, ihre Erz\u00e4hlungen \u00fcber den Krieg, ihre Beschwerden und auch die Erlebnisse mit den alten Damen, die ihm auf einmal an die Hose greifen und weil Alois Hotschnig einmal Medizin studierte, wird das auch sehr genau und pr\u00e4zis beschrieben, da\u00df man glauben k\u00f6nnte, man bef\u00e4nde sich in dem St\u00fcck &#8220;Sibirien&#8221; von Felix Mitterer mit Fritz Muliar.<br \/>\nNach und nach erf\u00e4hrt man, was schon auf der ersten Seite verraten wurde. Da war der Unfall, nach dem Kurt Weyrath sein Leben total \u00e4nderte, den Beruf und seine Erfindung aufgab, die Freundin verlie\u00df, in ein Hotel zog, des Nachts an der Innbr\u00fccke, wo der Unfall passierte, herumspaziert, zum Spezialisten f\u00fcr Unf\u00e4lle wird und auch einmal durch besonderes Bem\u00fchen ein Menschenleben rettet.<br \/>\nEr f\u00fchlt sich auch verfolgt, ist nicht sicher einen Mitwisser zu haben, entdeckt unter den anderen Rettungsfahrern auch Schicksalsgenossen, denen etwas \u00c4hnliches passiert sein k\u00f6nnte und beginnt mit dem Unfallsopfer zu kommunizieren, bis er Anna in einem Heim entdeckt, wo die Komapatienten ausgelagert werden und in der Zeitung davon liest, da\u00df es einem Professor gelungen ist, sie wieder ins Leben zur\u00fcckzuholen. Kurt Weyrath wird an ihr Bett gerufen, das er nicht mehr verl\u00e4\u00dft, sondern trotz Konflikte mit den Schwestern, sich zu Anna setzt, ihr aus B\u00fcchern der Kunstgeschichte vorliest und sie so nach und nach wirklich ins Lebens zur\u00fcckbringt.<br \/>\nIn eindrucksvollen Monologen, Zwiegespr\u00e4chen und einer sehr poetischen Sprache, wird diese Geschichte, vielleicht nicht immer ganz verst\u00e4ndlich erz\u00e4hlt. Er bekommt Schwierigkeiten auf seinem Arbeitsplatz, l\u00e4\u00dft sich k\u00fcndigen, um bei Anna zu sein, die inzwischen schon gehen kann, aber nicht sprechen will. Das hat nat\u00fcrlich auch eine psychologische Dimension, denn wie wird es Anna gehen, wenn sie erf\u00e4hrt, da\u00df er der M\u00f6rder ihrer Eltern ist, eine interessante Frage, wie ein solcher Roman enden kann, ohne kitschig zu werden oder die Mi\u00dfrauchsgrenzen zu verletzten?<br \/>\nAlois Hotschnig w\u00e4hlt einen anderen Weg, wechselt noch einmal die Romanstruktur und macht aus dem Liebesroman einen Drogenkrimi, denn f\u00fcr die, die sich fragen, wieso das Ganze &#8220;Leonardos H\u00e4nde&#8221; hei\u00dft?<br \/>\nAnna hat, bevor sie ins Koma gefahren wurde, in Rom und Venedig, die Werke von Michelangelo und Leonardo da Vinci studiert und ist dabei einem Pharmaziestudenten in die H\u00e4nde gefallen, der sie s\u00fcchtig machte. Also so Hotschnigs Schlu\u00df, bzw. das was Anna ihrem Kurt erz\u00e4hlt, ist Kurt nicht Schuld an ihrem Unfall.<br \/>\nAnna ist jedenfalls wieder gesund geworden und f\u00fchlt sich verfolgt, erz\u00e4hlt Kurt die Geschichte von Leonardos H\u00e4nde und Peter R\u00f6hrler und balanziert mit ihm N\u00e4chtens auf der Innbr\u00fccke, wo es ein Gitter gibt, damit die Selbstm\u00f6rder nicht springen k\u00f6nnen. Trotzdem wird der Drogenkurier dort tot aufgefunden, Anna ist verschwunden, Kurt wird des Mordes verd\u00e4chtigt, was der Kriminalkommissar, in die Zeitung setzten l\u00e4\u00dft damit Anna zur\u00fcckkommen kann, worauf sie auch verd\u00e4chtigt wird, an der Geschichte beteiligt zu sein.<br \/>\n&#8220;Ich lasse mich nicht mehr begraben, wof\u00fcr auch. F\u00fcr dich? Ich hole mich hier wieder heraus. Ich hole uns hier wieder heraus. Und vielleicht, ich bin nicht sicher, sagen wir so, f\u00e4ngt es dadurch mit uns an.&#8221;, lauten die letzten S\u00e4tze. Der letzte hei\u00dft &#8220;Aber das stimmt nicht.&#8221; Dem Buch ist noch als Motto &#8220;Es ist alles erfunden&#8221;, vorangestellt.<br \/>\nAlois Hotschnig wurden, wie schon beschrieben, von der FAZ gro\u00dfe literarische Qualit\u00e4ten bescheinigt, Andreas Breitenstein von der Neuen Z\u00fcrcher Zeitung, nennt es   Auferstehungs- und Erl\u00f6sungsgeschichte,  Milieustudie,  Kritik pervertierter famili\u00e4rer Machtverh\u00e4ltnisse, u.u.&#8221;<br \/>\nVielleicht wurde in die hundertziebzig Seiten ein bi\u00dfchen zuviel hineingepackt.<br \/>\nMich hat der Sprung von der psychologisch realen Situation, was ist, wenn mir wirklich so etwas passiert, in die nat\u00fcrlich kitschige Rettungsgeschichte mit der L\u00f6sung dann noch einen Kriminalroman daraus zu machen, mit einem gewissen Unbehagen zur\u00fcckgelassen. Aber vielleicht passiert das alles auch nur in seinem Kopf?<br \/>\nAlois Hotschnig wurde 1959 geboren, hat viele Preise gewonnen, seinen Namen kenne ich, durch den Preis des Landes K\u00e4rnten beim Bachmannpreis, den er 1992 gewonnen hat, vom <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/11\/09\/geteiltes-wochenende\/\">Erich Fried Preis 2008<\/a> habe ich sicher geschrieben und w\u00e4hrend ich auf das Lesen des Buches, das schon lange auf meiner Liste stand, gewartet habe, ist er auch noch der erste Gert Jonke Preistr\u00e4ger geworden.<br \/>\nDen Erz\u00e4hlband &#8220;Die Kinder beruhigte das nicht&#8221;, habe ich einmal bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; gewonnen, als die &#8220;Buchkultur&#8221; noch Gewinnspiele hatte, aber nicht gelesen, weil ich Erz\u00e4hlb\u00e4nde nicht so mag und auf diversen Lesungen, zum Beispiel auf der Buch-Wien 2009 aus &#8220;Im Sitzen l\u00e4uft es sich besser davon&#8221;, habe ich ihn auch geh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wenn einer stirbt, hei\u00dft das hier, der kauft nicht mehr ein&#8221;, lautet der erste Satz von Alois Hotschnigs 1992, erschienenen Roman &#8220;Leonardos H\u00e4nde&#8221;, der, wie auf der ersten Seite steht, von einem zweiunddrei\u00dfigj\u00e4hrigen Techniker handelt, der einen t\u00f6dlichen Unfall verursacht, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9294\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-9294","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9294"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9294\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}