{"id":94246,"date":"2020-12-20T00:54:29","date_gmt":"2020-12-19T23:54:29","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=94246"},"modified":"2020-12-20T00:54:29","modified_gmt":"2020-12-19T23:54:29","slug":"patience-geht-voruber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=94246","title":{"rendered":"Patience geht vor\u00fcber"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt das dritte Buch der f\u00fcnf aus den Neunzehnhundertzwanziger Jahren, die ich vor ein paar Monaten angeboten bekommen habe. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/27\/1929-frauen-im-jahr-babylon\/\">Zwei <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/30\/himmel-auf-zeit\/\">habe ich schon gelesen<\/a>, das vierte wartet noch auf mich, das f\u00fcnfte ist nicht gekommen. Daf\u00fcr das Erste zweimal und ich mu\u00df sagen Margaret Goldsmiths &#8220;Patience geht vor\u00fcber&#8221; war eine \u00dcberraschung, obwohl ich, ich gebe es zu, zuerst einmal die Nase r\u00fcmpfte, als ich das orange B\u00fcchlein auf den vier Frauenk\u00f6pfe zu sehen sind, bekommen habe und dann noch etwas von einer lesbischen Beziehung zwischen zwei M\u00e4dchen, die im Jahr 1918 ihr Abitur oder Matura machten und das in einer Berliner Konditorei feierten, las.<\/p>\n\n\n\n<p>Margaret Goldsmith entnehme ich dem Nachwort, beziehungsweise &#8220;Wikipedia&#8221;, war eine  amerikanische Journalistin, die 1894  geboren wurde, ihre Jugend in Deutschland verbrachte, haupts\u00e4chlich in England lebte und unter anderen Erich K\u00e4stner \u00fcbersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist der Malerin Martel Schwichteberg gewidmet, von der auch das Cover stammt und ist 1931  das erste Mal erschienen. Ich habe etwas gebraucht, um mich hineinzulesen und  irgendwann erstaunt zu denken, interessant interessant und diese Margaret Goldsmith, die 1971 gestorben ist, war offenbar wirklich eine genauso selbstbewu\u00dfte Frau, wie ihre Protagonistin Patience.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ist die Tochter einer Engl\u00e4nderin, wuchs in Berlin auf und ging gleich nach oder auch schon vor der Matura 1918 eine Beziehung zu ihrer Schulkollegin Grete,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/04\/16\/sechs-tage-im-april\/\"> eine <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/12\/14\/traeumer\/\">Sozialistin<\/a> ein. Patience hat einen adeligen Namen n\u00e4mlich von Zimmern, was ihr Schwierigkeiten in der sozialistischen Gewerkschaft, in der sie vor\u00fcbergehend arbeitet, macht, es taucht dann auch ein Adeliger, mit einem Kriegstrauma w\u00fcrde man wohl heute sagen, auf, der die junge Patience heiraten will, weil er glaubt, aus dem Krieg nicht mehr zur\u00fcckzukommen und verspricht ihr, da\u00df sie dann mit ihrer Grete auf dem Gut seiner Eltern wohnen und auch mit ihr Reisen machen kann. Ja, so wars wohl zu Beginn des vorvorigen Jahrhunderts, bei der Courths- Mahler, die ich ja mal viel gelesen habe, kommt sowas uns heute verr\u00fcckt erscheinendes auch \u00f6fter vor. Patience wird aber Journalistin. Der Ehemann kommt aus dem Krieg zur\u00fcck. Die Mutter zu der es auch Schwierigkeiten gibt, geht nach England und die drei leben kurz in der Wohnung, bevor Patience, die verl\u00e4\u00dft, verspricht die Miete weiter zu bezahlen und sie geht dann f\u00fcr ihre Berliner-Zeitung nach England, wo die Mutter, die inzwischen Abgeordnete ist, nicht mit dem verheirateten Mann, zu dem sie eine Beziehung hat, leben kann. Patience geht mit dessen Sohn eine kurze Beziehung ein. Die mi\u00dflingt, dann geht sie nach Berlin zur\u00fcck, um Medizin zu studieren. Das alles klingt vielleicht zu phantastisch einfach, aber die Hausm\u00e4dchen oder die verh\u00e4rmten Arbeiterfrauen, die jedes Jahr ein Kind bekommen und sich dann sch\u00e4men mit ihren dicken Bauch neben ihren Mann spazieren zu gehen, werden zumindestens auch thematisiert und was f\u00fcr mich verbl\u00fcffend war, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/07\/neue-sicht-auf-die-zwischenkriegsliteratur-und-sechster-nanowrimotag\/\">die neue Sachlichkeit<\/a>, die ja den Neunzehnhundertzwanziger Jahren beschrieben wird, wo ich ja auch einmal bei einem Vortrag in der &#8220;Wien-Bibliothek&#8221; war und die auch die f\u00fcnf Bcher wahrscheinlich thematisieren wollen. Margaret Goldschmith spricht auch das an, beziehungwweise l\u00e4\u00dft sie ihre \u00c4rztin Patience an dieser Gef\u00fchlsk\u00e4lte leiden. Sie hat sich ja in ihrer Jugend ausgelebt, bemerkt dann, da\u00df sie lieber in der Krebsforschung, als mit Patienten arbeiten will und geht, als sie diese Gef\u00fchlk\u00e4lte bemerkt sogar zu einem Psychiater, der r\u00e4t der &#8220;Gn\u00e4digen Frau&#8221;, da\u00df es schade ist, da\u00df sie Witwe ist, denn sonst w\u00fcrde er ihr ein Kind empfehlen. Gesagt, getan, die neue Sachlichkeit macht es m\u00f6glich oder auch nicht, denn die noch Studentin sucht sich imH\u00f6rsaal sofort den passenden Kanditaten, einen schwedischen Studentn aus und l\u00e4dt ihn \u00fcber Nacht bei sich ein. Es gelingt nur nicht, was man heute damit interpretieren k\u00f6nnte, da\u00df der K\u00f6rper oder die Seele daauch ein Mitspracherecht hat. Also studiert sie fertig. Geht ins Labor zu einem Professor, der in Amerika einen Vortrag halten soll, aber nur schlecht Englisch kann. So mu\u00df Patience ihn begleiten. Der guten Sitte wegen, wir sind inzwischen Mitte Neunzehnhundertzwanzig, fahren sie getrennt und da trifft Patience, ein Kind, das auf sie zugeht und die Mutter, wieder sehr konstruiert w\u00fcrde ich sagen, auch wenn mich die Kritiker deswegen kristisieren, erleidet am Schiff einen Blindarmdurchbruch und stirbt w\u00e4hrend der Notoperation, vorher hat sie Patience mit dem deutschen Konsul, der sich auch am Schiff befand, das Adoptionsrecht \u00fcberschrieben und das Kind, das Patience nach ihrer Mutter Victoria nennt, h\u00fcpft lustig mit ihrer &#8220;Peschi&#8221; herum, die f\u00fcr den Professor \u00fcbersetzt und diesmal zu dritt mit dem Schiff zur\u00fcckf\u00e4hrt. Dort wird es aber, wie uns die Geschichte lehrt, h\u00f6chstwahrscheinlich auch nicht lustig werden. Aber da schlie\u00dft das Buch, das ich wirklich sehr interessant fand, obwohl man es nat\u00fcrlich auch als kitschig interpretieren k\u00f6nnte, was die wenigen Kritiken, die es nach Erscheinen gibt, wie man dem Nachwort entnehmen kann, auch taten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/24\/vicki-baums-verstreute-feuilletons\/#respond\">Vicki Baum,<\/a> die ja auch \u00fcber<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/01\/stud-chem-helene-willfuer\/\"> die neue Sachlichkeit<\/a> geschrieben hat, war Margaret Goldsmith auch bekannt, beziehungsweise ist ihr Buch, glaube ich, in einem Seitenverlag von &#8220;Ullstein&#8221; erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das dritte Buch der f\u00fcnf aus den Neunzehnhundertzwanziger Jahren, die ich vor ein paar Monaten angeboten bekommen habe. Zwei habe ich schon gelesen, das vierte wartet noch auf mich, das f\u00fcnfte ist nicht gekommen. 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