{"id":9470,"date":"2011-10-21T00:30:45","date_gmt":"2011-10-20T22:30:45","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9470"},"modified":"2011-10-21T00:30:45","modified_gmt":"2011-10-20T22:30:45","slug":"frl-ursula","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9470","title":{"rendered":"Frl. Ursula"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Frl. Ursula&#8221; ist das letzte posthum herausgegebe Buch, des 2002 bei einem Motorradunfall verstorbenen Heiner Link, der 1960 geboren wurde, wie ich glaube, in M\u00fcnchen lebte, weshalb er auch mit Achternbusch und Karl Valentin verglichen wurde und unter anderen den Roman &#8220;Hungerleider&#8221; und das Internet Tagebuch &#8220;Mein Jahrtausend&#8221; herausgegeben hat. Das, glaube ich, wurde auch als print ver\u00f6ffentlicht und ich habe es bei einer der Literatur im M\u00e4rz-Veranstaltungen bekommen. Beim Bachmannpreis hat er, glaube ich, auch einmal gelesen und 2001 mit Arno Geiger ein H\u00f6rspiel herausgebracht, das in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; vorgestellt wurde.<br \/>\n&#8220;Nichts f\u00fcr zimperliche Gem\u00fcter. Es geht n\u00e4mlich immer nur um das Eine&#8221;, schreibt Elke Heidenreich auf die Buchr\u00fcckseite. Oder um einen Mann, der in M\u00fcnchen oder sonstwo in einem Reihenhaus lebt, eine Freundin und einen Golfclub hat, wo er sich mit den Zahn\u00e4rzten, Steuerberatern, Anw\u00e4lten des Ortes trifft und dort \u00fcber das Leben, das hei\u00dft die Begegnung mit den Frauen resumiert. Aufmerksame Leser k\u00f6nnten nun denken, da\u00df ich mich an Elke Heidenreichs Ratschlag halte und an dem Buch nicht viel Gefallen finde, denn ein fortw\u00e4hrender Aufri\u00df und die Phantasie des vierzigj\u00e4rigen Mannes dar\u00fcber, kann die Frau ja nerven. Heiner Link tut es aber auf eine sehr charmante, sich dar\u00fcber l\u00e4cherlich machende Art und so wird dieses Buch auch f\u00fcr sein bestes gehalten.<br \/>\nEs beginnt mit &#8220;Scherers erster Verkehr&#8221;, hat das Buch ja einen Ich Erz\u00e4hler, der mit Scherer im Nachbarhaus lebt und der erz\u00e4hlt von den Freuden des Mannes an der Frau oder auch an seinen Mi\u00dferfolgen, denn er scheint ein richtiger Tolpatsch zu sein oder das, was er beschreibt, vielleicht nicht wirklich zu wollen.<br \/>\nEs beginnt, nachdem er von Scherers erster Frau, einer Gabi Oberpollinger, erz\u00e4hlt hat, mit seiner ersten Begegnung mit Fr. Ursula, einer Brotverk\u00e4uferin, die er als Student im Supermarkt trifft, seither ist er ihr verfallen und versucht sie bekommen und scheitert daran bis zum Schlu\u00df, was Heiner Link lustvoll zu beschreiben wei\u00df.<br \/>\nDa gibt es die Szene, wo er eingeklemmt zwischen zwei Pensionisten an der Supermarktkasse steht, die umst\u00e4ndlich ihr Geld z\u00e4hlen, um zu Frl Ursula zu gelangen und die, wo er mit ihr und mit f\u00fcnfzig Mark in ein italienisches Restaurant geht und Frl Ursula i\u00dft und i\u00dft und der Kellner scheint sie auch noch zu verf\u00fchren.<br \/>\nEs gibt dann einen Ausflug mit dem Auto seiner Mutter, der in einem Kornfeld landet, dann studiert der Held zu Ende, heiratet, zieht mit seiner Frau in ein Reihenhaus, kommt in den Golfclub Scherers, wo er die Toilette mit Spr\u00fcchen aus Peter Handkes  &#8220;Am Felsfenster Morgens&#8221; beschmiert und seine Frau auch mal mit den Frauen der Herren aus dem Golfclub betr\u00fcgt.<br \/>\nFrl. Ursula hat inzwischen einen anderen. Es gibt auch eine Fanatsie, wo sie als Sexy Brotverk\u00e4uferin zuerst den Vertriebsleiter von S\u00fcdschwaben zur Entlassung bringt, dann selbst trotz Volkshochschulbildung zur Betriebsleiterin wird, Scherer aber davon geht, so da\u00df sich dieser schlie\u00dflich erschi\u00dft.<br \/>\nDas Buch hat drei Teile. Im dritten geht es um den &#8220;Havanna Club&#8221;, da ist Scherer dann schon tot und der Ich-Erz\u00e4hler will mit Frl Ursula Urlaub machen. Sie will in die Dominikanische Rebuplik, aber das kann er seiner Frau nicht erkl\u00e4ren. So entscheiden sie sich f\u00fcr Cuba, er gr\u00fcndet den Havanna-Club. Was hei\u00dft, da\u00df der Erz\u00e4hler mit Frl. Urusla und den Golf-Honoratoren dort hin fliegt, wo er Frl. Ursula zu\u00e4chst verliert, denn Cuba ist ja das Land, wo die Damen vor den Hotels stehen und die Herren locken und der Sicherheitschef hat Frl. Ursula entf\u00fchrt, so wankt der Held von einer Panne zur anderen, leert einige Rumflaschen dabei und wird zuletzt in sein Hotel begleitet, wo er Frl Ursula im blauen Bikini im Bett vorfindet.<br \/>\n&#8220;Wir haben dann mit einander geschlafen. Es war unheimlich sch\u00f6n.&#8221;, lauten die letzten S\u00e4tze.<br \/>\nDann kommt noch eine editorische Notiz, &#8220;da\u00df das Manuskript von Heiner Link selbst abgeschlossen wurde. Helmut Krausser und Georg M. Oswald haben es in Abstimmung mit der Witwe, Claudia Link, und dem Verlag f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung behutsam lektoriert.&#8221;<br \/>\nEin Nachwort von Norbert Niemann, auch ein Bachmannpreistr\u00e4ger, gibt es in f\u00fcnf Teilen ebenfalls.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Frl. 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