{"id":94706,"date":"2020-12-30T00:27:11","date_gmt":"2020-12-29T23:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=94706"},"modified":"2020-12-30T00:27:11","modified_gmt":"2020-12-29T23:27:11","slug":"im-banne-der-sudsee","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=94706","title":{"rendered":"Im Banne der S\u00fcdsee"},"content":{"rendered":"\n<p>Nun kommt das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/27\/1929-frauen-im-jahr-babylon\/\">vierte<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/09\/30\/himmel-auf-zeit\/\">Buch<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/12\/20\/patience-geht-voruber\/\">der<\/a> f\u00fcnf mir angebotenen von Frauen aus den Neunzehnhundertzwanziger Jahren und es geht in die S\u00fcdsee, das zweite Buch der Trilogie der 1889 im heutigen Solweien geborenen Alma M. Karlin, die 1919 auf eine achtj\u00e4hrige Weltreise aufgebrochen ist und dar\u00fcber drei B\u00fccher und vorher  noch eine Autobiografie geschrieben hat. Die und der erste Teil wurden schon vom &#8220;Aviva-Verlag&#8221; schon herausgegeben. Die deutschsprachig aufgewachsene Alma M Karlin war in der Zwischenkriegszeit sehr ber\u00fchmt, sp\u00e4ter in der Republik Jugoslawien,wo sie wieder lebte, verboten und unter den Nazis wurde sie verhaftet.<\/p>\n\n\n\n<p>So war die einstmal ber\u00fchmte Reiseschriftstellerin lange vergessen,wurde erst in den Neunzenhundertneunzigerjahren von den jungen Slowenen wieder entdeckt. In ihren letzten Jahren hat Alma M. Karlin, die im J\u00e4nner Neunzehnhundertf\u00fcnfzig gestorben ist, eher esoterische Romane geschrieben mit denen sie auch den zweiten Weltkrieg \u00fcberlebte. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Nachwort der 1971 geborenen Slowenin Amalija Macek wird der Rssismus angesprochen, der Alma M. Karlin schon in den Neunzehnhundertdrei\u00dfigerjahren, wo ihre Reiseb\u00fccher erstmals herausgekommen sind, vorgeworfen wurden. Der Verlag hat sich entschlossen, die heute problematischen Stellen bis auf wenige Ausnahmen stehen zu lassen und den Lesern selbst ihr Urteil bilden zu lassen, was ich sehr gescheit finde. Au\u00dferdem wird Alma M. Karlin, als eine sehr engagierte Frau beschrieben, die alleine um die Welt gereist ist und sich die Reisen, weil sie in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse lebte, selbst durch Dolmetscher- und Sekret\u00e4rinnenarbeiten oder Reiseberichte finanzierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Band reist Alma M. Karlin in die S\u00fcdsee. Dort hat sie nur einige Monate bleiben wollen. Zwei Jahren sind es dann geworden. Der erste Teil des dreihundert Seiten Buches hei\u00dft, &#8220;Durch Australien&#8221;. Eine Landkarte gibt es am Beginn und am Ende des Buches auch zu sehen, damit man sich orientieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem Dampfer &#8220;Ausnahmsweise wieder erste Klasse&#8221;, wie Alma M. Karlin schreibt, geht auf die Philippinen. Dort nach Manila, wo sie sich in einem chinesischen G\u00e4stehaus einquartiert. Dort bekommt sie n\u00e4chtens Besuch von einigen M\u00e4nnern, so da\u00df sie die Fu\u00dfe durch die Ritzen ihres Zimmers zu studieren beginn, sich mit einem Dolch bewaffnet und den Portier oder Wirt am n\u00e4chsten Morgen wissen l\u00e4\u00dft, da\u00df sie das n\u00e4chste Mal davon Gebrauch machen wird. Eine sehr entschlossene Frau also, von &#8220;M\u00e4nnerha\u00df&#8221; steht etwas in dem Nachwort. Sie reist herum, beschreibt die H\u00fcte, die die Frauen trugen die Spielsucht und andere Absonderheiten der Einwohner.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kehrt dann wieder nach Australien zur\u00fcck, mietet sich in Sidney, Melbourne ein, h\u00e4lt Vortr\u00e4ge und schreibt ihre Artikel auf ihrer Schreibmaschine Erika, die sie irgendwie auch immer mitgeschleppt haben mu\u00dfte, auf den kleinen Balkon. Sie sammelt Pflanzen und K\u00e4fer, schickt viel davon nach Deutschland, um es an Schulen zu verteilen und leidet an chronischen Geldmangel, so da\u00df sie oft nur von Tee, Zwieback oder Brot lebt. Sie kommt dann auch nach Neuseeland, wo sie bei einem Pfarrer lebt, da gibt es eine herrliche Geschichte, wo ein Huhn zerlegt werden soll. Der Pfarrer das aber nicht schafft, so da\u00df dann alle mit den Fingern essen, bevor sie zum abenteuerlichen Inselleben ins S\u00fcdseeinselreich aufbricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von einem Richter, der nicht sehr begeistert ist, l\u00e4\u00dft sie sich auf die Fidschi-Insel fahren, wo sie von einer Familie, die fast allein auf einer der Inseln lebt, eingeladen wurde, die sie als Haushaltshilfe verwenden, so da da\u00df sie nu ram Vormittag zwei Stunden Zeit f\u00fcr das Malen und ihre schriftstellerische Arbeit hat. Muscheln werden gesammelt, Ausfl\u00fcge gemacht und, als sie auf einer anderen Insel bei einer anderen Familie wohnt, die sich sehr um sie k\u00fcmmert, bricht sie aus, um alleine einen Spaziergang zu machen, wird dabei aber fast vergewaltigt wird oder wollte der Angreifer sie fre\u00dfen? Denn das war bei den Fidschis damals noch \u00fcblich. So gibt es Geschichten, wo der Liebsten der Schinken vom Missionar \u00fcberreicht wird oder die wo die Schuhe mitgebraten wurden, aber die waren ungenie\u00dfbar.<\/p>\n\n\n\n<p>In kleinen Skizzen f\u00fchrt Alma M. Kalin durch ihre Reise, die eigentlich mehr von den Schwierigkeiten Anfang des Neunzehntenjahrhunderts die S\u00fcdsee zu erforschen, ihrer Geldnot, das Angewiesensein von reichen Familien eingeladen zu werden, ihren Malariaanf\u00e4llen, die sie, glaub ich, durch ihr weiteres Leben begleiteten, als von der S\u00fcdsee, berichten.  Das Menschenfre\u00dfertum, das damals offenbar gerade \u00fcberwunden oder noch gang und gebe war, wird immer wieder thematisiert und das was im Vor- oder Nachwort als Rassismus beschrieben wird, ist wohl ihre Ansicht, da\u00df die sich nicht vermischen sollten. Es gab auch Schwierigkeiten, die die Franzosen und die Italiener mit den alleinreisenden Frauen hatten und auch, da\u00df es f\u00fcr sie als &#8220;\u00d6sterreicherin&#8221; schwierig war, anerkenannt zu werden und auch ihr Schriftstellertum mu\u00dfte sie immer wieder beweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Malariaanf\u00e4llen gebeutelt und von Chinin fast vergiftet, f\u00e4hrt sie im Boot eines schottischen Ehepaar von Insel zu Insel, besucht die &#8220;Pflanzer&#8221;, die damals wohl alle wei\u00dfen Reisenden aufnehmen mu\u00dften, begeht den Urwald, wundert sich \u00fcber Sitten, das Braten von K\u00e4fern beispielsweise und \u00e4rgert sich \u00fcber die Kakaerlaken oder Riesenkrabben, die manche Handgelenke brechen k\u00f6nnen und auch dar\u00fcber, wie ihr ihre Mutter ihre lukrativen Auftr\u00e4ge wegnimmt, die Briefe und Postanweisungen erreichen sie an manchen Orten und beschreibt, das alles mit erstaunlicher Ironie, wie sie sich auch \u00fcber die Richter und die einheimischen Herren lustig macht, von deren Gnade sie abh\u00e4ngig ist, weil sie ihre Weiterreise behindern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie verbringt l\u00e4ngere Zeit in verschiedenen Missionen, begleitet die Schwestern in die D\u00f6rfer, besucht die Schulen und die Sterbenden,  betet mit ihnen, schreibt dabei an einigen Romanen und scheint von den Missionen auch nicht so schnell wegzukommen, bekommt ein Magengeschw\u00fcr und sorgt sich darum, da\u00df ihre schriftstellerischen Arbeiten in der Schublade beziehungsweise im K\u00f6rbchen verbleiben mu\u00df, h\u00e4lt sich vom Pech verfolgt und  bedauert sehr, da\u00df ihr immer die anderen zuvorkommen und als sie nach Hollandia will, wo die Paradiesv\u00f6gel noch bis 1928 gejagt werden konnten, weshall man nur mit Sondergenehmigung dorthin fahren durfte, gelingt es ihrzwar nach vielen M\u00fchen eine solche zu bekommen, wird dabei aber fast von den &#8220;Wilden&#8221; aufgefressen und kann sich ihrer nur durch Pfeffer erwehren,was jetzt wiederum sehr modern scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein interessantes Buch, vor allem was die Erlebnisse einer alleinreisenden Frau Anfang des vorvorigen Jahrhunderts betrifft. Da\u00df man von der S\u00fcdsee au\u00dfer, da\u00df es da noch Menschenfre\u00dfer, Missionare, Pflanzer und verschiedene Tierarten und Pflanzen gab, so hat Alma M. Kalin auch die verschiedensten Blumen abgezeichnet, erf\u00e4hrt, finde ich eigentlich nicht so schlimm, wird es dort ja  inzwischen auch anders aussehen, so da\u00df ich dieses Buch viel spannender, als erwartet fand und ich mehr von ihm mitnehme, als ich es beispielsweise bei dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/12\/china-geheim\/\">China<\/a>&#8211; und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/04\/entdeckungen-in-mexiko\/\">Mexikobericht<\/a> von Egon Erwin Kisch oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/02\/brasilien\/\">Stefan Zweigs Brasilienbuch <\/a>tat und wenn  man das Malaia gebeutelte prek\u00e4ren Leben  Alma M. Karla mit der positiven Phantasiegestalt der neuen Sachlichkeit von Margaret Goldsmith, die sich so einfach nimmt, was sie kriegt, vergleicht, hat man wahrscheinlich den Realit\u00e4tscheck und ich denke , die slowenisch-\u00f6sterreichische Schriftstellerin war wahrscheinlich eine wirklich emanzipierte abenteuerlustige Frau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt das vierte Buch der f\u00fcnf mir angebotenen von Frauen aus den Neunzehnhundertzwanziger Jahren und es geht in die S\u00fcdsee, das zweite Buch der Trilogie der 1889 im heutigen Solweien geborenen Alma M. 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