{"id":94798,"date":"2020-12-31T19:08:37","date_gmt":"2020-12-31T18:08:37","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=94798"},"modified":"2020-12-31T19:08:37","modified_gmt":"2020-12-31T18:08:37","slug":"die-fledermaus-dystopisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=94798","title":{"rendered":"Die Corona-Fledermaus"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich bin ja eine, die offenbar einen eher konservativen Literatur- und Kulturgeschmack hat. So habe ich mich schon als Studentin sehr energisch gegen die Regisseure gewehrt, die die &#8220;Walk\u00fcre&#8221; nach Auschwitz verlegten und den &#8220;Don Giovanni&#8221; in einer B\u00e4ckerei spielen lie\u00dfen und habe dazu auch, wie ich mich erinnern kann, handschriftliche Protestartikel geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p> Damals bin ich ja noch sehr viel in die Oper gegangen, jetzt tue ich das nicht mehr. Ins Theater ging ich schon damals nicht sehr viel. Da bevorzugte ich wohl schon damals den Roman, aber jetzt,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\"> Corona<\/a> macht es m\u00f6glich, ist mir eine Inszenierungsm\u00f6glichkeit eingefallen,  als ich gestern  im Radio h\u00f6rte, da\u00df die &#8220;Fledermaus&#8221; die ber\u00fchmte Strau\u00df-Operette auch heuer, in Zeiten, wie diesen in der Staatsoper zwar ohne Publikum, aber live im Fernsehen \u00fcbertragen, aufgef\u00fchrt werden soll. <\/p>\n\n\n\n<p>Das hat mich zwar ein wenig gewundert und auch, als ich bei dem Interview mit dem Regisseur oder wem auch immer h\u00f6rte, da\u00df es eine eher konventionelle Inszenierung w\u00e4re und da ist mir eingefallen, wie man die &#8220;Fledermaus 2020&#8221; auff\u00fchren k\u00f6nnte, die ich ja einmal vor Jahren im Stehen und in der K\u00e4lte vor der Oper erlebt habe, als wir ein einziges Mal mit der damals kleinen Anna \u00fcber den Silvesterpfad, den es heuer  auch nicht geben wird, gegangen sind.<\/p>\n\n\n\n<p> Da hat Ernst Steinhauer oder wer auch immer, Fritz Muliar war wohl schon gestorben, die Laterne in den Mistk\u00fcbel fallen lassen und dazu &#8220;Licht ins Dunkel!&#8221;, gegr\u00f6hlt, was, wie ich mich erinnern kann, der kleinen Anna gut gefallen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nun zur Fledermaus 2020 und die w\u00fcrde ich in einer b\u00fcrgerlichen Villa, in Hietzing oder D\u00f6bling vielleicht, spielen lassen. Ein b\u00fcrgerliches Wohnzimmer oder Salon. Hinten sind gro\u00df und nicht zu \u00fcbersehen, die Corona-Regeln angeschlagen. Die Desinfektionsflasche steht auf dem Tisch. Die Adele ist ein moldawisches Aupair-M\u00e4dchen mit Theaterambitionen. Sie tr\u00e4gt Jeans statt der Stubenm\u00e4dchenuniform. Die Rosalinde ein eher zeitloses Abendkleid und sp\u00e4ter statt der Augenmaske ein Gesichtsvisir. Der Herr von Eisenstein Frack oder einen Anzug und mu\u00df ins Gef\u00e4ngnis,  weil er die Ma\u00dfnahmen nicht eingehalten hat, der Advokat ist von den &#8220;Rechtsanw\u00e4lten f\u00fcr die Freiheit&#8221;, hat aber auch nicht helfen k\u00f6nnen und der Alfred, der ehemalige Liebhaber, der Rosalinde, der zum Sch\u00e4ferst\u00fcndchen kommen will desinfiziert sich immer, bevor er sie ansingt. Vielleicht hat er auch eine FFP2-Maske auf oder eine im Fledermausdesign. Alle bis auf den Alfred wollen auf eine dieser verbotenen Silvesterparties. Dort steht  der Prinz Orlofsky als russischer Oligarch auf der Terrasse, wirft die Raketen in die Luft, singt dazu auf die Frage, warum er das denn t\u00e4te: &#8220;Ist halt bei mir so Sitte, chaqun a son gout!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen streifen die Polizisten herum und nehmen die Gesellschaft fest. Im Gef\u00e4ngnis gibt es statt des Franz-Josef nat\u00fcrlich ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/05\/15\/sebastian-ferien-im-kanzleramt\/\">Kurz-Portrait <\/a>und  der Frosch spritzt betrunken, statt die Laterne in den Mistk\u00fcbel zu werfen mit dem Desinfektionsspray herum und traktiert die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/11\/25\/sprache-in-corona-zeiten\/\">Ank\u00f6mmlinge<\/a> mit Schnelltests.<\/p>\n\n\n\n<p>Der &#8220;Nichtsw\u00fcrdige Herr Direktor!&#8221;, gespielt von Gernot Kulis mit Nehammer-Maske, &#8220;Au\u00dfen sch\u00f6n und innen Direktor!&#8221;, erscheint und am Schlu\u00df schleppt der Oligarch, die lustige Adele ab, um sie auszubilden. Vielleicht wird sie sp\u00e4ter die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/17\/das-verflixte-letzte-jahr\/\">Oligarchin f\u00fcr das n\u00e4chste Ibiza- oder was auch immer Video,<\/a> sein und alle singen &#8220;Gl\u00fccklich ist, wer vergi\u00dft, was vielleicht doch so \u00e4ndern ist!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p> Und oben schwebt die chinesische Fledermaus herum und streut das Virus aus<\/p>\n\n\n\n<p>So und in diesem Sinn  auf in ein hoffentlich besseres neues Jahr angesto\u00dfen! Der entsprechende Artikel wird bald folgen! Aber eigentlich, ganz ehrlich, wenn ich mir die Nachrichten so  ansehe, bin ich nicht so optimistisch und sehe mich schon den Zeiten der freiwilligen Zwangsimpfung ohne, die man nicht auf die Stra\u00dfe, in ein Restaurant oder in die Arbeit gehen kann, entgegen und damit wir uns daran gew\u00f6hnen, haben wir ja demn\u00e4chst die Massentests von dem man sich freitesten  darf und damit das nicht  so pessimistisch klingt, f\u00fcge ich hinzu, Bleigie\u00dfen war zu Silvester noch erlaubt und die serbische Bohnensuppe f\u00fcr die private Knallerei, denn furzt man \u00f6ffentlich, kann das ja  f\u00fcnfhundert Euro kosten!<\/p>\n\n\n\n<p>P.S und eine kleine Anspielung, da\u00df das Rauchen nur nach der Impfung gestattet ist und, da\u00df eine Gef\u00e4ngniszelle schon f\u00fcr den Gerrn Grasser vorbereitet sei, hat es in der alten Schenk-Inszenierung auch gegeben und am Schlu\u00df hat das Orchester in der publikumsfreien Staatsoper applaudiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ja eine, die offenbar einen eher konservativen Literatur- und Kulturgeschmack hat. 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