{"id":9546,"date":"2011-10-25T22:39:40","date_gmt":"2011-10-25T20:39:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9546"},"modified":"2011-10-25T22:39:40","modified_gmt":"2011-10-25T20:39:40","slug":"vor-dem-90-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9546","title":{"rendered":"Vor dem  90. Geburtstag"},"content":{"rendered":"<p>Am 1.11. wird Ilse Aichinger neunzing Jahre alt. Zu diesem Anla\u00df gibt es einige Veranstaltungen, \u00d61 hat eine eigene Literaturschiene und wird von den &#8220;Nachtbildern&#8221; \u00fcber &#8220;Tonspuren&#8221;, &#8220;Radiogeschichten&#8221; bis zur &#8220;H\u00f6rspielgalerie&#8221; alles senden. Die Wiener Vorlesungen bringen einen Vortrag von Josef Winkler &#8220;Da flog das Wort auf&#8221; mit einem Kommentar von Alexandra Millner und pr\u00e4sentieren ihrer Werke, die in der &#8220;Edition Korrespondenzen&#8221; erschienen sind.<br \/>\nDie Alte Schmiede hat nat\u00fcrlich auch ihre Festveranstaltung mit einer Sondernummer des &#8220;Hammers&#8221; in der alle Ilse Aichinger Lesungen, die es in der Alten Schmiede gab, aufgez\u00e4hlt sind. Bei einigen war ich dabei und eine ist schon im Literaturgefl\u00fcster <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/05\/hommage-an-ilse-aichinger\/\">verewigt<\/a>. Da bei dem vorverlegten Geburtstagsfest Marlene Streeruwitz aus dem 1978 erschienenen Gedichtband &#8220;Verschenkter Rat&#8221; lesen sollte, wu\u00dfte ich nicht, wieviele Leute sich in den Keller hinunterbegeben werden und bin so rechtzeitig hingegangen, da\u00df ich vor verschlossenen T\u00fcren gestanden bin. Ein paar Leute standen schon davor und Marlene Streeruwitz huschte durch die Zeitschriftengalerie hinein. Danach wurde es gar nicht so voll, obwohl ich einige Bekannte gesehen haben. Darunter wieder Elfriede Haslehner, die eine wirklich literarisch Interessierte ist, die mit einem Band &#8220;Der gr\u00f6\u00dferen Hoffnung&#8221; aus den Sechzigerjahren auf Autogrammsuche war, aber Ilse Aichinger nahm ja schon bei der Veranstaltung mit ihrer Zwillingsschwester Helga Michie, wo Andrea Eckert aus ihren Werken las,  nicht mehr teil. Ich habe sie, das habe ich h\u00f6chstwahrscheinlich schon geschrieben, 2001 bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; das letzte Mal gesehen. Da wurde sie zu Mittag gemeinsam mit Antonio Fian vom Literaturhaus eingeladen, vor Dietmar Grieser, das ziemlich leere Zelt f\u00fcllte sich pl\u00f6tzlich mit \u00e4lteren Damen, die ungeduldig auf die Uhr schauten und sich \u00e4rgerten, das die zarte alte Frau am Podium ihre Eindr\u00fccke von nine elefen mit zittriger Stimme herunter las, obwohl sie schon ihren &#8220;Grieser&#8221; h\u00f6ren wollten. Da habe ich mir gedacht, einmal wird das Zelt voll sein und Dietmar Grieser oder ein anderer wird aus den Werken Ilse Aichingers lesen und alle sind gebannt und h\u00f6ren zu.<br \/>\nIch habe mir die &#8220;Gr\u00f6\u00dfere Hoffnung&#8221; in den Siebzigerjahren gekauft und gelesen und zum achtzigsten Geburtstag gab die Edition Korrespondenzen die &#8220;Kurzschl\u00fcsse&#8221; heraus und pr\u00e4sentierte sie in den R\u00e4umen der Beamtenversicherung. Da gab es ein Programmheftchen, auf das ich mir ein Autogramm geben lie\u00df, jetzt habe ich eines von der alten Dame und kann mich erinnern, da\u00df sich einige Leute dar\u00fcber mokierten, da\u00df ich mir das Buch nicht kaufte. Das hat mir der Alfred dann zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt und die &#8220;Subtexte&#8221; aus denen Andrea Eckert 2007 las, habe ich auch, sowie &#8220;Film und Verh\u00e4ngnis&#8221;, 2001  bei S. Fischer erschienen.<br \/>\nDann gabs noch einmal eine Ausstellung im Literaturhaus, wo Frau Aichinger, glaube ich, auch nicht mehr war, da habe ich mir das Plakat geholt, das noch immer im Wohnzimmer h\u00e4ngt.<br \/>\nInzwischen gibt es ein neues Buch, Kurt Neumann leitete die Veranstaltung ja ein, da\u00df die Alte Schmiede keine Geburtstage von Autoren, sondern nur die von ihren B\u00fcchern feiern w\u00fcrde und so gibt es einen Interviewband und in dem habe ich am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/22\/gav-veranstaltungen\/\">Freitag<\/a> in der Pause zwischen dem kulturpolitischen Arbeitskreis und der Neuaufnahmelesung beim Morawa gebl\u00e4ttert. Das Hilde Schm\u00f6lzer Buch &#8220;Frau sein und Schreiben&#8221; mit einem Aichinger Interview habe ich auch. In Anita C. Schaubs &#8220;Frauenbuch&#8221;, fehlt das Aichinger  Interview, da kann ich mich erinnern, da\u00df Anita C. Schaub erz\u00e4hlte, da\u00df das zwar geplant war, aber nicht zustande gekommen ist.<br \/>\nIn dem ORF-Artikel steht etwas, &#8220;das Ilse Aichinger am liebsten niemals geboren worden w\u00e4re und im Kino sterben wollen w\u00fcrde&#8221;. Kurt Neumann er\u00f6ffnete die Veranstaltung, da\u00df sie am 1.1. ihren neuzigsten Geburtstag feiern mu\u00df, ob sie will oder nicht und wies auf die Lesung aus &#8220;Verschenkter Rat&#8221; vom 9. 12. 2003 hin, bei der Ilse Aichinger fast alle Gedichte gelesen hat.<br \/>\nOb ich da dabei war, wei\u00df ich gar nicht, m\u00f6glicherweise nicht, es gab aber eine Leinwand und so konnte man Teile ihrer letzten Alten Schmiede Lesung h\u00f6ren, danach las Marlene Streeruwitz weiter und sagte anschlie\u00dfend, da\u00df sie die Texte nicht kommentieren wolle und nur &#8220;die Kostbarkeiten&#8221; lobte, f\u00fcr sie sie ihr sehr danken kann.<br \/>\nDann kam die H\u00f6rspielregisseurin Renate Pitroff und hielt ein Einleitungsreferat zu dem 1977 aufgenommenen H\u00f6rspiel &#8220;Gare Maritime&#8221; bei dem Ilse Aichinger selbst Regie f\u00fchrte. Ein surreales H\u00f6rspiel in dem es um das Atmen und sehr viel anderes geht, zwei M\u00e4nner eine Puppe in ein Hafenmuseum schleppen, wo viele wunderliche Dinge passieren, mit feinen Humor beschrieben, so da\u00df ich Kurt Neumann beim Lachen beobachten konnte.<br \/>\n&#8220;Bewahren Sie Ihr Werk im Herzen!&#8221;, riet Kurt Neumann zum Abschied auch und ich hatte nun zu entscheiden, ob ich Dienstags zu den Wiener Vorlesungen gehe oder, wie ich eigentlich wollte, nochmals in die Alte Schmiede zur zweisprachigen Lesung von Bora Cosics &#8220;Im Ministerium f\u00fcr Mamas Angelegenheiten&#8221; und habe mich f\u00fcr die Wiener Vorlesungen entschieden, wo es im Wappensaal des Rathauses um dreiviertel sieben noch angenehm leer war, dann ist Christel Fallenstein gekommen, Norbert Leser ist hinter mir gesessen, Utta Roy-Seifert neben mir  und Hubert Ch. Ehalt stellte wieder den Sinn der Wiener Vorlesungen vor. Diskurs und Widerspruch ist, glaube ich, die Grundidee und so hat er zum neunzigsten Geburtstag den B\u00fcchnerpreistr\u00e4ger von 2008 Josef Winkler eingeladen, der seinen Vortrag damit begann, wie er einsam auf der B\u00fchne bei der Preisverleihung am 1. 1. 2008 gestanden ist, die Gladiolen angesehen hat und daran denken mu\u00dfte, da\u00df die gro\u00dfe \u00f6sterreichische Dichterin diesen Preis nicht bekommen hat. Sie hat ihn noch immer nicht, Josef Winkler hat aber zwei ihrer B\u00fccher diesen Sommer nach Indien mitgenommen und ist mit ihnen durch die Tempelanlangen gezogen und in seinem Vortrag hat er sich wieder viel von seiner K\u00e4rtner Kindheit, der Gro\u00dfmutter der drei S\u00f6hne im Krieg gefallen ist und die mit sechzig Jahren am geborochenen Herzen gestorben ist, vom Gro\u00dfvater, der beim Apfelbaum betete und von der Mutter, der Schwester der drei gefallenen S\u00f6hne, die irgendwann den Vater geheiratet hat, bezogen. Dazwischen kommen katholischen Spr\u00fccherln vor, die er wie eine Litanei hinunterrasselte und immer wieder Aichinger S\u00e4tze &#8220;Spiegelungen sind&#8230;, schreibt Ilse Aichinger&#8221;, beispielsweise. Alexandra Millner, die Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin, die einmal Anna in Deutsch unterrichtete, verglich in ihrem Kommentar Ilse Aichinger mit Josef Winkler und stellte die Frage, was der K\u00e4rntner Dichter aus dem katholischen Dorf, der seine Heimat immer wieder verl\u00e4\u00dft, um nach Indien oder Italien zu reisen mit der Wiener Halbj\u00fcdin, die einen Teil ihrer Familie durch die Shoah verlor, gemeinsam hat und kommt zu dem Schlu\u00df, da\u00df beide einen bedeutenden Roman geschrieben haben, der die Literaturgeschichte ver\u00e4nderte, &#8220;Menschenkind&#8221; Josef Winkler &#8220;Die gr\u00f6\u00dfere Hoffnung&#8221; Ilse Aichinger und, da\u00df sich beiden die Leidenschaft f\u00fcrs Kino gehen teilen. Dann kam der Verleger der Edition Korrespondenzen Reto Ziegler und erz\u00e4hlte, wie er zu Ilse Aichingers B\u00fccher gekommen ist, er hat drei oder vier von ihr verlegt, zuletzt den besagten Interviewband &#8220;Es mu\u00df gar nichts bleiben&#8221; und erz\u00e4hlte, das, was die Meisten wohl sehr interessierte, wie es Ilse Aichinger pers\u00f6nlich geht. 2001 hat er ihre Wien-Gedichte herausgebracht, Richard Reichensperger ihr damaliger Lebenspartner vermittelte, als er 2004 einen t\u00f6dlichen Autounfall hatte, entwickelte sich eine intensivere Freundschaft zwischen der Autorin und dem Verleger, der mit Ilse Aichinger ins Kono ging und sie auch nach ihrer Krankheit 2005, als sie zu schreiben aufh\u00f6rte, weiterbesuchte. Am B\u00fcchertisch lagen die in der Edition Korrespondenzen erschienen B\u00fccher auf, zwei davon habe ich ja gelesen, in die anderen, wie zum Beispiel &#8220;Der Wolf und die sieben jungen Gei\u00dflein&#8221; 2004 erschienen, hineingeschaut.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1.11. wird Ilse Aichinger neunzing Jahre alt. Zu diesem Anla\u00df gibt es einige Veranstaltungen, \u00d61 hat eine eigene Literaturschiene und wird von den &#8220;Nachtbildern&#8221; \u00fcber &#8220;Tonspuren&#8221;, &#8220;Radiogeschichten&#8221; bis zur &#8220;H\u00f6rspielgalerie&#8221; alles senden. 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