{"id":95583,"date":"2021-01-24T00:16:45","date_gmt":"2021-01-23T23:16:45","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=95583"},"modified":"2021-01-24T00:16:45","modified_gmt":"2021-01-23T23:16:45","slug":"am-ende-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=95583","title":{"rendered":"Am Ende der Stadt"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/01\/01\/wie-wird-die-neue-normaltat\/\">Das neue Jahr<\/a> hat neben der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/10\/31\/lockdown-und-demos\/\">Verl\u00e4ngerung des Lockdowns<\/a>,der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/01\/05\/von-massentests-und-freitesten\/\">Freitestdiskussion<\/a> und dem Schrecken wegen des mutierten Virus erstaunlicherweise auch mit viel Lyrik begonnen. Bei mir jedenfalls, kam da ja gleich Nicos Bleutge Essayband <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/01\/09\/drei-fliegen\/\">&#8220;\u00dcber Gedichte&#8221;<\/a> an die Lesereihe. Das hat zwar schon ein paar Monate auf meinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste_2021\/\">Badezimmerstapel<\/a> gelegen. Vorher war ja noch das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">Buch<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/\">preis<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/schweizer-literaturpreis\/\">lesen<\/a> dran, hat mich aber in eine poetische Stimmung und zu dem Vorsatz gebracht in diesem Jahr vielleicht doch ein bi\u00dfchen mehr auf meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/19\/schlecht-schreiben\/\">Sprache zu achten<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p> Auf den Regalen lagen noch zwei weitere Gedichtb\u00e4ndchen, der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/06\/25\/zum-achtzigsten-geburtstag-von-peter-paul-wipplinger\/\">Peter Paul Wiplinger<\/a> liegt sogar in doppelter Ausf\u00fchrung auch noch dort und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/01\/12\/gesellschaft-poetisch-verandert\/\">Lidija Diikovskas &#8220;Schwarz auf wei\u00df&#8221;<\/a> habe ich ja bei dem Gewinnspiel der &#8220;Alten Schmiede&#8221;, als die das &#8220;Dichterloh-Festival&#8221; verschoben hatten, gewonnen. Das wird nun nachgeholt und da gab es ja schon einige <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/01\/11\/die-genauigkeit-poetischer-existenz\/\">Abende<\/a>, darunter, den, wo Lidija Dimkovska ihr B\u00e4ndchen vorstellte und dann lag da noch, seit November wahrscheinlich, Adina Heidenreichs &#8220;Am Ende der Stadt&#8221;, das Lyrikdebut, der1996 in Sachsen Anhalt geborenen. J\u00fcrgen Jankovsky hat die Nachbemerkung \u00fcber die \u00dcbersetzerin geschrieben, deren Covergedicht auch am Buchr\u00fccken steht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Diese Gleise f\u00fchren nur noch7 aus der Stadt heraus.\/Geh oder bleib f\u00fcr immer.\/Die Stra\u00dfen werden zu Wegen,\/werden zu Gras,\/ich bin geblieben.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem am Anfang des siebzig Seiten B\u00fcchleins geht es viel um Sprache und die Worte in denen die Autorin zu leben scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz besonders beeindruckend die &#8220;Kernfrage&#8221; &#8220;Das Leben ist dir wie eine Zwiebel:\/Du sch\u00e4lst und  sch\u00e4lst sie\/auf der Suche nach dem Kern\/und hast am Ende nur\/Schalen in die Hand.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls beeindruckend, die lyrischen Gedanken, die sich die junge, in Leipzig lebende Frau \u00fcber das &#8220;Alter&#8221; macht:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;I<em>ch koch<\/em>e Tee,\/sehe zum Fenster hinaus.\/Zweimal in der Woche\/\u00f6ffne ich den Briefkasten,\/das Auto habe ich abgemeldet.\/Im Fr\u00fchjahr pflanze ich Balkonblumenmen,\/nur an meinem Geburtstag l\u00e4utet das Telefon.\/ Vom Tod meiner Freunde lese ich in der Zeitung.\/Im Sommer beobachte ich Passanten,\/kein einziger blickt hinauf.\/Ich existiere noch hinter diesem Fenster\/ und trinke Tee im Herbst, unges\u00fc\u00dft,\/ sortiere alte Fotos in Alben.\/Im Winter wird jeder Gang \u00fcbers Eis schwer.\/Ich verstehe die Briefe nicht mehr,\/st\u00e4ndig l\u00e4uft das Radio, ich h\u00f6re nicht hin.\/mein Tod sind ein paar Zeilen  in der Zeitung.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Einen &#8220;Traumsammler gibt es auch &#8220;Ich m\u00f6chte alle Tr\u00e4ume aufsammeln\/und sie zur\u00fcck\/zu den Tr\u00e4umer tragen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein bi\u00dfchen von Brecht inspiriert erscheint mir der &#8220;Ausl\u00f6ser&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wer baute die Fabrik,\/wer stand am Flie\u00dfband,\/wer hat verkauft,\/wer verschickt,\/wer sah bewu\u00dft weg?\/Wo beginnt das T\u00f6ten?\/Nicht erst beim Gewehr.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend mir die Zeilen &#8220;Ich werde die W\u00e4nde mit Worten tapezieren\/von morgend bis abends lesen.&#8221;sehr vertraut klingen und zu der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/02\/20\/tolstoi-und-der-lila-sessel\/\"> Wunschphatasie f\u00fchren<\/a>, da\u00df man das in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/06\/pandemische-zeiten\/\">Zeiten der Pandemie <\/a>und der FFP2-Maskenpflicht auf allen Stra\u00dfen vielleicht auch tun k\u00f6nnte, w\u00e4hrend einem der Botendienst die Eink\u00e4ufe bringt und so schlie\u00dfe ich den Gedichtband, der wohl nicht nur in Zeiten und Situationen, wie diesen sehr zu empfehlen ist, mit einigen Zeile aus dem &#8220;Erleuchtenden Himmel&#8221;:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nehmt ab eure Masken,\/vergesst die Bedenken, sie z\u00e4hlen wirklich nicht;\/Die Zeit  zieht vorbei.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Wer doch wirklich sch\u00f6n, f\u00fcge ich hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Jahr hat neben der Verl\u00e4ngerung des Lockdowns,der Freitestdiskussion und dem Schrecken wegen des mutierten Virus erstaunlicherweise auch mit viel Lyrik begonnen. 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