{"id":96156,"date":"2021-02-05T00:41:24","date_gmt":"2021-02-04T23:41:24","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=96156"},"modified":"2021-02-05T00:41:24","modified_gmt":"2021-02-04T23:41:24","slug":"diskrete-zeugen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=96156","title":{"rendered":"Diskrete Zeugen"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8220;Rowohlt&#8221; betziehungsweise &#8220;Wunderlich&#8221; hat die Kriminalromane der1893 geborenen Dorothy L. Sayers neu herausgegeben und so habe ich in Zeiten in denen der hundertste Geburtstag einer anderen ber\u00fchmten Krimiautorin, n\u00e4mlich Patricia Highsmith, gefeiert wurde, mich in den zweiten Band der Lord Peter Wimsey-Reihe eingelesen und dabei interessante Erfahrungen gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich mag, wie meine Leser wissen, ja gerne Krimis, obwohl ich wegen der Gewalt, die darin ja vorkommen mu\u00df, nicht so gerne welche schreibe oder mich um die Morde herumschummle. Von Dorothy Sayers habe ich  noch nichts gelesen und das Erstaunliche an dem Buch ist wohl auch die diskrete Ironie mit der sich die Autorin \u00fcber die damaligen Gesellschaft lustig macht.<\/p>\n\n\n\n<p> Denn das Buch ist, wie ja schon der Reihentitel verr\u00e4t, im Hochadel angesiedelt und f\u00fcr heutigen Krimileser wird der Stil auch erstaunlich einfach und unraffiniert erscheinen, was kein Wunder ist, sind inzwischen  ja eine  Unzahl Krimis entstanden. Hier erstaunt, da\u00df die Spannung oft von Zeitungsberichten oder Dialogstellen, was heute wohl nicht mehr so gehen wird, ersetzt wird. Spannend ist es aber trotzdem, wenn es vielleicht auch als ein wenig langmatig empfunden werden kann und die Handlung ist eigentlich auch ganz banal, liest sich aber, f\u00fcge ich wieder hinzu, durchaus spannend.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist also geschehen? Da man das auch bei &#8220;Wikipedia&#8221; nachlesen kann, darf ich also <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/13\/ueber-das-spoilern\/\">spoilern<\/a>. Es beginnt banal, in einem gemieteten Landhaus wird ein Toter aufgefunden und der herzog von Denver, der als ein wenig d\u00fcmmlich aber durchaus korrekt, wie englischen Adeligen eben sind, wird von seiner Schwester dabei ertappt, wie er sich \u00fcber den Toten beugt, der ist ihr Verlobter und wieder interessant, die Geschichte beginnt schon fr\u00fcher, n\u00e4mlich im Hotel Meurice, in Paris, glaube ich, denn da ist der Bruder des Herzogs, eben jener Lord Peter, der Held der Krimireihe, der schon einen Fall aufgekl\u00e4rt hat, auf der R\u00fccksreise von Korsika, wo er einen dreimonatlichen Urlaub verbrachte, abgestiegen,  duscht oder badet gerade, als ihm sein Diener, die Zeitung vorliest und auch erkl\u00e4rt, da\u00df er schon das Flugzeug f\u00fcr die schnellereR\u00fcckkehr gebucht hat.<\/p>\n\n\n\n<p> Die Geschichte spielt in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren. Der erste Weltkrieg ist vorbei und erstaunlich ist das amicale Verh\u00e4ltnis zwischen Herr und Diener, der manchmal etwas schneller als Lord Peter ist und einen Kriminalinspektor mit dem der Lord aufkl\u00e4rt, gibt es auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber zur\u00fcck zum Fall,  Peters Bruder ist verhaftet worden und weigert sich auszusagen. Das hei\u00dft, er sagt aus, er h\u00e4tte einen Brief bekommen, wo der Verlobte als Falschspieler entlarvt wurde, worauf er ihn, weil die Engl\u00e4nder ja viel moralischer als die Franzosen sind, mit denen der Verlobte aufgewachsen ist und auch in Paris lebte, zur Rede stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwester Lady Mary, die zuerst &#8220;Du hast ihn umgebracht!&#8221;, ausgerufen hat, wird oder stellt sich krank um nicht aussagen zu m\u00fcssen. Der zur\u00fcckgekommene Peter oder sein Diener entdecken einen Koffer und Blutspuren an ihren Kleidern und auch Spuren, die auf einen Motorradfahrer hinweisen. Lord Peter wankt dann durch das Moor zu einem Bauern, der ihn sehr brutal anfa\u00dft. Seine Frau scheint ihn mit seinen Bruder zu verwechseln und bittet ihn zu verschwinden und wir bekommen heraus, da\u00df Lady Mary gar nicht so d\u00fcmmlich ist, wie sie scheint. Sie war im Krieg sogar Krankenschwester und hat mit einem Kommunisten im Sowjetclub verkehrt und mit diesen stellt sich heraus, wollte sie abdampfen und der Herzog war, was ich ein wenig unglaubhaft finde, bei einem Tete at tete bei der Frau des Bauern und will ihre Ehre nicht preisgeben und der Verlobte, der eigentlich eine andere Geliebte hatte, aber kein Geld mehr, um sie weiter auszuhalten hat sich schlie\u00dflich doch selbst umgebracht, was in den schon erw\u00e4hnten Dialogpassagen der Gerichtsverhandlung ein wenig ungew\u00f6hnlich, aber doch sehr spannend aufgekl\u00e4rt wird und so kann ich das Buch trotz der manchmal etwas unrealistischen Passagen, was wohl die diskrete Gesellschaftskritik sein soll, sehr empfehlen oder wenn ich nicht so eine lange <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste_2021\/\">Leseliste<\/a> h\u00e4tte, auch die zehn weiteren B\u00e4nde lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Rowohlt&#8221; betziehungsweise &#8220;Wunderlich&#8221; hat die Kriminalromane der1893 geborenen Dorothy L. 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