{"id":96211,"date":"2021-02-07T00:19:42","date_gmt":"2021-02-06T23:19:42","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=96211"},"modified":"2021-02-07T00:19:42","modified_gmt":"2021-02-06T23:19:42","slug":"licht-und-schatten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=96211","title":{"rendered":"Licht und Schatten"},"content":{"rendered":"\n<p>Victors Klemperers Kinotagebuch, das der 1881 geborene Rabbinersohn, der 1960 gestorben ist und durch sein LTI ber\u00fchmt wurde, zwischen 1929-1945 gschrieben hat. Von seiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/11\/25\/sprache-in-corona-zeiten\/\">lingua tertii  imperii,<\/a> dem Notizbuch eines Philologen, das in der der DDR. von Reclam herausgegeben, zum Kultbuch geboren ist, habe ich von der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/15\/zum-geburtstagsfest-nach-leipzig\/\">Ute<\/a> erfahren, es nicht gelesen, wohl aber einen anderen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/30\/warum-soll-man-nicht-auf-bessere-zeiten-hoffen\/\">Band des Philologen<\/a>, der, lese ich erstaunt, offenbar ein \u00e4nlicher Kinoenthusiant, wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/31\/joseph-roth-und-der-film\/\">Joseph Roth<\/a> war, mehrmals in der Woche mit seiner Frau Eva oder auch allein ins Kino gegangen ist und dar\u00fcber Buch f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Aufbau&#8221; hat jetzt diesen Tagebuchband herausgebracht, der von Nele Holdack und Christian L\u00f6ser herausgtegeben wurde, das Vorwort hat Knut Elstermann geschrieben, der eben Klemperers Kinoleidenschaft erkl\u00e4rte und hinzuf\u00fcgte, da\u00df der 1929 in den \u00dcbergang vom Stumm- zum Tonfilm hineingekommen ist, den er wegen der schlechten Qualit\u00e4t und der schrillen Stimmen anfangs ablehnte. Im ersten Teil &#8220;Eine gemordete Kunst, der Tonfilm! 1929 &#8211; 1932&#8221;, schreibt Klemperer auch von einem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/05\/deutsche-buchpreistragerin-in-wien\/\">Protestplakat<\/a>, da\u00df man diese Filme bek\u00e4mpfen soll, weil sie den Klavierspielern die Arbeit nehmen w\u00fcrde, etwas das scharf an die heutige Zeit erinnert und uns daran mahnen kann, da\u00df die Ablehnung des Fortschrittes zwar bek\u00e4mpft, aber wohl nicht wirklich verhindert werden kann und in den Tageb\u00fccher listet Klemperer zum Teil sehr genau die Filme auf, die er gesehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p> Da gibt es die Ber\u00fchmten, die uns in Ged\u00e4chtnis geblieben sind, der &#8220;Blaue Engel&#8221; mit  Marlene dietrich, den &#8220;Hauptmann von K\u00f6penick&#8221;, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/23\/im-westen-nichts-neues\/\">&#8220;Im Westen nichts Neues&#8221;<\/a> und viele andere und noch mehr heute v\u00f6llig unbekannte und Klemperer notiert auch sehr genau, den belanglosen Inhalt, den Kitsch der Handlung, armes M\u00e4del sucht und bekommt reichen Mann, Verwechslungen, etcetera.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Tonfilm freundet er sich langsam an. Die Qualit\u00e4t wird besser und vor allem Richard Tauber, der dort seine Arien sang, konnte ihn begeistert. In anderen Tageb\u00fcchern beschreibt er  seine Situation in dieser Zeit. So bezieht er 1929 mit seiner Frau in Dresden eine Dachkammer und scheint dort seinen Honeymoon wiederzuerleben. Seine Eink\u00fcnfte, er ist Professor an der Technischen Hochschule, werden eingeschrumpft. So hat er gro\u00dfe Schwierigkeiten mit seiner Frau nach Berlin zu fahren, die dort eine Ausstellung besuchen will und 1935, das ist dann schon der n\u00e4chste Teil &#8220;Wir waren vom ersten bis zum letzten Bild und Ton entz\u00fcckt, 1933-1938&#8221;, wurden die N\u00fcrnberger Gesetze verk\u00fcndet, was bedeutete, da\u00df Klemperer zwangsweise in den Ruhestand versetzt wurde. Er macht sp\u00e4t den F\u00fchrerschein und geht bis es ihm dann verboten wurde, soviel wie m\u00f6glich ins Kino, sieht sich die Filme der Wessely und Paul H\u00f6rbinger an, die Filme von Jan Kiepura und gleich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/18\/menschen-im-hotel\/\">1933 die &#8220;Menschen im Hotel&#8221; die Verfilmung des ber\u00fchmten Vicki Baums Romans.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten Teil &#8220;Es ist nur mit den Augen wie mit den Hut: Der dazugeh\u00f6rige Kopf mu\u00df erhalten bleiben, 1939 -1945&#8221; zieht Victor Klemperer mit seiner Frau in eine Judenwohnung und mu\u00df 1940 weil er auf das Verdunkeln vergi\u00dft eine Woche lang eine Gef\u00e4ngnisstrafe antreten, in der er sich, so wie ich in den letzten Monaten,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\"> wie im Kino f\u00fchlt<\/a>. Es wurde ihm versprochen seine B\u00fccher mitzunehmen und lesen zu k\u00f6nnen, was dann nicht so war. So hatte er gro\u00dfe M\u00fche, die eine Woche hinter sich zu bringen und sich ohne intellektuelle T\u00e4tigkeit zu besch\u00e4ftigen, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/19\/schachnovelle\/\">Schachspielen <\/a>und singen, kann er nicht, wie er schreibt und ist sehr froh, als ihm ein W\u00e4rter zum Rasieren bringt und ihm einen Bleistiftstummel gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Victor Klemperer notiert 1942 genau all die Restriktionen denen dieJuden ausgesetzt waren. 1943 wird er zur Zwangsarbeit verurteilt und 1945, als Dresden zerst\u00f6rt wird, sucht er seine Frau Eva und darf im Mai wieder in seine Wohnung zur\u00fcck. Da geht er dann wieder ins Kino und bemerkt erleichtert, da\u00df seine Augen, wie er f\u00fcrchtete, bei dem Angriff doch keinen Schaden genommen haben, worauf sich auch die Kapitel\u00fcberschrift bezieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt einen ausf\u00fchrlichen Bildteil, wo man Bilder und Plakate zu den Filmen sieht, die werden auch im Anhang angef\u00fchrt und einen Artikel vom 1912-,  Victor Klemperer hat, wie ich dem Anhang entnehme, 1905 sein Studium in Berlin abgebrochen und versucht als freier Schriftsteller zu leben, sein Studium aber auf Dr\u00e4ngen seinr Familie wieder aufgenommen, -&#8220;DasLichtspiel&#8221; und man hat wieder ein spannendes Buch \u00fcber die Zeit von 1929-1945 gelesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vergleiche zu heute, wo man, wenn auch anderen Gr\u00fcnden, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/11\/27\/leben-im-corona-raum\/\">vieles nicht mehr darf,<\/a> dr\u00e4ngen sich auf. Manche der alten Filme habe ich gesehen, bin ich ja fr\u00fcher sehr oft ins Bellaria-Kino gegangen, wo es solche Filme gab und jetzt war ich schon fast ein Jahr mehr in keinen Kino, daf\u00fcr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/26\/lesen-in-corona-zeiten\/\">lesen, lesen<\/a>, was man ja  darf und soll und ich  auch ohne<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/21\/amazon-bashing\/\"> &#8220;Amazon&#8221;<\/a> \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste_2021\/\">B\u00fcchermangel<\/a> nicht klagen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Victors Klemperers Kinotagebuch, das der 1881 geborene Rabbinersohn, der 1960 gestorben ist und durch sein LTI ber\u00fchmt wurde, zwischen 1929-1945 gschrieben hat. 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