{"id":9664,"date":"2011-10-30T22:06:49","date_gmt":"2011-10-30T20:06:49","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9664"},"modified":"2011-10-30T22:06:49","modified_gmt":"2011-10-30T20:06:49","slug":"via-donau-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9664","title":{"rendered":"Via Donau II und III"},"content":{"rendered":"<p>Weiter gings mit der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/29\/literatur-im-flus\/\">&#8220;Literatur im Flu\u00df&#8221;<\/a> am Vormittag in der Alten Schmiede mit einem Gespr\u00e4ch  \u00fcber \u00f6sterreichische ungarische Alptr\u00e4ume 1848, 1918, 1956, 1989 mit Gy\u00f6rgy Dalos und Norbert Leser moderiert von Erich Klein. \u00dcber 1848 wurde aber gar nicht so viel gesprochen, begann Erich Klein doch damit, da\u00df das Ganze vor hundert Jahren eine rein ungarische Veranstaltung gewesen w\u00e4re, da Gy\u00f6rgy Dalos in Budapest und Norbert Leser im burgenl\u00e4ndischen Oberwart geboren wurden und ging \u00fcber zu den Lebensl\u00e4ufen. Gy\u00f6rgy Dalos war Mitglieg der ungarischen KP, hat in Moskau studiert und wurde 1967 wegen maoistischen Ansichten ausgeschlossen.  Norbert Leser hat inzwischen eine Urkunde seiner sechzigj\u00e4hrigen SP\u00d6 Mitgliedschaft bekommen, scheint sich aber eine sozialistische Monarchie zu w\u00fcnschen, zumindest wurde dar\u00fcber diskutiert, ob die den zweiten Weltkrieg verhindert h\u00e4tte? Beide haben Otto Habsburg gekannt und Gy\u00f6rgy Dalos erz\u00e4hlte von seiner ersten Donaufahrt von Budapest nach Wien, 1980, als ihn die Alte Schmiede zum Lesen eingeladen hatte.<br \/>\nAm Nachmittag gings weiter mit Bekannten, n\u00e4mlich mit einer Lesung von Peter Zimmermann aus &#8220;Last Exit Odessa&#8221;, seinem zweiten, 2002 erschienenen Roman und den habe ich, 2004 wirds gewesen sein, bei Thalia in der Kremsergasse um zwei Euro liegen sehen, das Buch nicht gleich gekauft und als ich es nach einer Woche doch tun wollte, war es nicht mehr da. An sich kein besonderes Ereignis, es hat mich aber zu meiner <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_odessa.html\">&#8220;Zusteigerin oder die Reise nach Odessa&#8221;<\/a> inspiriert. Die Geschichte von der Anselma Fuchs, dem polnischen Theologiestudenten Kasimierz und dem Pressesprecher Hyronimo Leiter. Die Reise, die Anselma nach Odessa unternimmt, ist eine Werbefahrt und ich habe, da ich  noch nie in Odessa war, mich dabei an der vier Tage Busfahrt, die ich einmal mit dem akademischen Reiseb\u00fcro nach Lemberg und Krakau machte, orientiert.<br \/>\nPeter Zimmermann war aber in den Neunzigerjahren in Odessa, hat es sehr exotisch gefunden und daraus eine Art Krimi von einer verschwundenen Nudelfabrik und einen Spanier, der sich erh\u00e4ngte, gemacht.<br \/>\nDanach las der Serbe Sreten Ugricic, bzw. Robert Reinagl die \u00dcbersetzung, aus seinem einzigen auf Deutsch erschienenen Roman &#8220;An den unbekannten Helden&#8221; und das scheint sehr ungew\u00f6hnlicher Roman zu sein, der sich gegen alle Diktaturen wendet, so teilte Walter Famler auch einen Aufkleber aus, auf dem &#8220;Serbien existiert nicht&#8221; steht und Alida Bremer erz\u00e4hlte, wie sie mit einem Koffer solcher Aufkleber von Belgrad nach Wien gefahren ist.<br \/>\nDer Roman spielt 2014 und da wird ein ganzes Jahr das hundertj\u00e4hrige Jubil\u00e4um des Attentats von Sarajevo gefeiert, au\u00dferdem wird eine Diktatur geschildert und bei den Stellen, die Robert Reinagl las, versuchen zwei aus Serbien mit einem alten VW zu fl\u00fcchten, werden aber total von s\u00e4mtlichen Geheimdiensten \u00fcberwacht und schlie\u00dflich im Schlaf ermordet.<br \/>\nDanach kam ein Gespr\u00e4ch \u00fcber &#8220;Flu\u00df und Zeitverl\u00e4ufe&#8221; mit Gy\u00f6rgy Dalos, Mircea Dinescu, Wolfgang M\u00fcller-Funk, Erwin Riess, Laszlo Vegel, Walter Famler und Erich Klein, wo Erich Riess wieder den Prolog aus seinem Roman &#8220;Herr Groll und der rote Strom&#8221; vorlas und dann versucht wurde, die politischen Ver\u00e4nderungen an der Donau auszumachen. Die Donau habe ich dabei gelernt, ist der einzige Strom der nach Osten flie\u00dft.<br \/>\nAm Schlu\u00df gab es Lyrik mit musikalischer Begleitung von Andrej Serkow, der aus der Ukraine stammt. &#8220;Gedichte an die Donau&#8221; steht im Programm. \u00dcber die Donau hat aber eigentlich nur Zsusanna Ghase, n\u00e4mlich aus ihren bei der Edition Korrespondenzen erschinenen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/16\/staatspreis-und-lesefesteroffnung\/\">&#8220;Donauw\u00fcrfel&#8221;<\/a>, gelesen, die sie schon in der Alten Schmiede vorstellte. Die anderen Lyriker, n\u00e4mlich Mircea Cartarescu und Mircea Dinescu aus Rum\u00e4nien und Dragana Mladenovic aus Belgrad, waren aber ebenso beeindruckend und Mircea Dinescu hat sogar eines seiner Gedichte gesungen.<br \/>\nAm Sonntag gings weiter in der Alten Schmiede mit einer Dia-Schow mit der Friedrich Achleitner, ganz privat, wie Erich Klein betonte, die Gedenkst\u00e4tten zeigten, die Bogdan Bogdanovic der Architekt und ehemalige Belgrader B\u00fcrgermeister, der 1993 ins Exil gegangen ist und voriges Jahr in Wien gestorben ist, ab den f\u00fcnfziger Jahren \u00fcberall in Jugoslawien baute.<br \/>\nFriedrich Achleitner ist mit und ohne Bogdan Bogdanovic diesen Gedenkst\u00e4tten nachgereist, die alle, wie er betonte, in urbanen Zusammenhang stehen und von Familien und Kindern sehr besucht werden. Manchmal werden die Steine, wie man sehen konnte, aber auch zum Motorcrossfahren ben\u00fctzt, das war sehr interessant und fast, wie eine Reise in den Balkanstaat und der Nachmittag in dem es mehr um den zweiten Weltkrieg, als um die Donau ging, schlo\u00df sich fast nahtlos daran an.<br \/>\nAuf jedenfalls in dem Buch von Michael Martens, einem Belgradkorrespondenzen, der in &#8220;Heldensuche&#8221; von dem guten deutschen Wehrmachtssoldaten Josef Schulz geschrieben hat, der 1941 hingerichtet wurde, weil er den Befehl Partisanen zu erschie\u00dfen verweigerte.Vorher las der Kroate Jurica Pavicic aus der Geschichte &#8220;Der Schlangent\u00f6ter&#8221; auch vom Krieg, allerdings von dem viel sp\u00e4ter, in dem er selbst eingezogen war, die Geschichte hat zuf\u00e4lligerweise genau dieses Thema behandelt, wo ein junger Mann zum allerung\u00fcnstigsten Zeitpunkt einberufen wird, dann in einen Granatregen kommt, mit seinen Kamaraden, die gerade ein paar Montenegriner gefangengenommen haben, verletzt wird und der dritte, ein halbes Kind, der unverletzt blieb, mu\u00df die drei Gefangenen erschie\u00dfen.<br \/>\nDann wurde es mit Laszlo Vegel, den ich schon von den vorigen Abenden kannte und seinen &#8220;Bekenntnissen eines Zuh\u00e4lters&#8221;, das er in den Sechzigerjahren geschrieben hat, in dem er sich gegen das jugoslawische Regime auflehnte, etwas lustiger. Jedenfalls handelt das Buch von jungen Leuten und Laszlo Vegel, der der ungarischen Minderheit in Novi Sad angeh\u00f6rt, wurde damals vorgeworfen, da\u00df er die Jugend zu unmoralischen Handlungen, n\u00e4mlich zum Mercedes stehen aufgerufen hat.<br \/>\nDie Donau kommt in dem Buch \u00fcbrigens schon vor und Alida Bremer las auch ein St\u00fcckchen dar\u00fcber.<br \/>\nDer Roman des in der Schweiz lebenden Russen Michail Schischkin &#8220;Venushaar&#8221;, hat wenn ich es richtig verstanden habe, auch nichts mit der Donau zu tun, geht es darin ja um einen Dolmetsch, der  Asylantr\u00e4ge der Tschetschenen etc \u00fcbersetzt und seine Beziehungskrise hat, ich habe Michail Schischkin aber schon von meinem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/17\/buchmessen-surfing\/\">Buchmessen-Surfing<\/a> vor zwei Wochen gekannt, weil er das Buch da am blauen Sofa vorstellte und Mircea  Cartarescu kenne ich mindestens seit Samstag, trug er da ja ein sehr beeindruckendes Gedicht vor, in dem er alle seine Reise schilderte, die man seit der Wende unternehmen kann und betonte, da\u00df f\u00fcr ihn in der Zeit der Diktatur Thomas Pynchon wichtiger als Ceausescu gewesen w\u00e4re. Jetzt ging es um den Roman &#8220;Der K\u00f6rper&#8221;, den zweiten Teil der &#8220;Orbitor Trilogie&#8221; und ganz am Schlu\u00df gings wieder an die Donau, bzw. an das Delta, las da ja der S\u00fcdtiroler Lyriker Oswald Egger aus &#8220;Donaudelta- Schlangeninsel&#8221; und das scheint ein sehr mythologischer Text zu sein, der auch auf einer Donaureise entstanden ist, da\u00df Oswald Egger ebenfalls ein Wort- und Sprachspieler ist, habe ich schon auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/28\/laut-lauter-lyrik\/\">einigen<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/29\/letztes-mal-parterresaal\/\">seiner Lesungen<\/a> erfahren. Danach war ich nach dieser langen Donaureise schon etwas m\u00fcde und ersch\u00f6pft, habe aber wieder viel gelernt und einige Bekannte gesehen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter gings mit der &#8220;Literatur im Flu\u00df&#8221; am Vormittag in der Alten Schmiede mit einem Gespr\u00e4ch \u00fcber \u00f6sterreichische ungarische Alptr\u00e4ume 1848, 1918, 1956, 1989 mit Gy\u00f6rgy Dalos und Norbert Leser moderiert von Erich Klein. \u00dcber 1848 wurde aber gar nicht &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9664\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-9664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9664"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9664\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}