{"id":96748,"date":"2021-02-19T00:50:41","date_gmt":"2021-02-18T23:50:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=96748"},"modified":"2021-02-19T00:50:41","modified_gmt":"2021-02-18T23:50:41","slug":"am-gotterbaum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=96748","title":{"rendered":"Am G\u00f6tterbaum"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Hans Pleschinski habe ich, glaube ich,  bei einem Frankfurter Buchmessensurfing das erste Mal etwas geh\u00f6rt, das hei\u00dft, ich habe ihn mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/11\/11\/mondbeben\/\">Ludwig Fels<\/a> verwechselt, der vor kurzem verstorben ist, da wurde sein &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/28\/zweimal-eskapaden\/\">Ludwigsh\u00f6he&#8221;<\/a> vorgestellt, das mich interessierte, weil ich mich mit dem<a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vergessen.html\"> Thema Sterbehilfe<\/a> ja auch sehr <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vater.html\">besch\u00e4ftigte<\/a>. Bei dem B\u00fccherkauf von<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/13\/neue-bucher-und-anton-blitzsteins-katzen\/\"> Alfreds literaturversierter WU-Kollegin<\/a> habe ich das &#8220;Bildnis eines Unsichtbaren&#8221; um einen Euro wahrscheinlich, erstanden und ich gestehe es, immer noch nicht gelesen, auch &#8220;Wiesenstein&#8221; das Portrait \u00fcber den gro\u00dfen Gerhard Hauptmanns noch nicht. Das hatte ich bei &#8220;Beck&#8221; angefragt, nicht bekommen, es mir dann aber einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/09\/literaturhausflohmarkt-und-noch-einmal-amerlinghaus\/\">Literaturhaus-Flohmarkt<\/a> um f\u00fcnf Euro gekauft, noch nicht, daf\u00fcr aber, Kritiker h\u00f6rt her<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/18\/koenigsallee\/\"> &#8220;K\u00f6nigsalle&#8221;<\/a> \u00fcber den noch ber\u00fchmteren Thomas Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>Woher ich das Buch bekommen habe, wei\u00df ich nicht mehr, vielleicht wars im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">Kasten<\/a> oder in einer Abverkaufskiste und bin so daraufgekommen, da\u00df sich der 1956 in Celle geborene, in letzter Zeit f\u00fcr literarische Biografien interessiert, denn jetzt ist ein weiters Bildnis eines Unsichtbaren oder Unbekannten, herausgekommen, n\u00e4mlich das Portrait des ersten deutschen Nobelpreistr\u00e4gers von 1910 Paul Heyse und ich h\u00f6re jetzt schon rufen &#8220;Paul Heyse wer  wer ist denn das?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein klein wenig Ahnung hatte ich schon, denn es gibt einen Briefwechsel zwischen ihm und Marie von Ebner- Eschenbach und da war ich mal bei einem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/11\/ebner-eschenbach-symposium\/\">Symposium<\/a> und da hat ihn, glaube ich, Alexandra Millner oder war es <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/01\/alles-muss-man-selber-machen\/\">Daniela Strigl<\/a> vorgestellt und als ich einmal ersch\u00f6pft von dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/05\/nanowrimo-schreibmarathon\/\">Writersstudio-Marathonschreiben <\/a>nach Hause beziehungweise an einen B\u00fccherschrank vorbeigegangen bin, habe ich dort ein Buch \u00fcber die &#8220;Deutschen Nobelpreistr\u00e4ger&#8221; gefunden, das dann auch in meine <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_unsichtbare_frau.html\">&#8220;Unsichtbare Frau&#8221;<\/a> hineingefunden hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Biografie \u00fcber einen unbekannten Nobelpreistr\u00e4ger, wie fad k\u00f6nnte man da unken. Wen interessiert denn das? Das ist doch altmodisch und verstaubt!<\/p>\n\n\n\n<p>Mitnichten, liebe m\u00f6gliche Vorauskritiker, denn Hans Pleschinski macht es sehr originell. Ich wei\u00df jetzt gar nicht mehr, ob das auch schon beim Thomas Mann so war. Aber hier marschieren eines Abends in M\u00fcnchen drei Frauen um die sechzig, die Baustadtr\u00e4tin Antonia Silberstein, die Bibliothekarin Therese Fl\u00f6\u00dfer auf Kr\u00fccken  und die M\u00fcnchner Literaturpreistr\u00e4gerin Ortrud  Vandervelt, die gerade von einer Lesereise aus Sibirien zur\u00fcckkommt, vom Rathaus in die Luisenallee, wo sich das Haus befindet, in dem Paul Heyse 1914 wahrscheinlich gestorben ist oder zuletzt dort lebte. Heute ist das eine verfallene Villa in der alte Waschmaschinen stehen, ein Konditor und ein Uhrmachen mit ihren kinder leben und sich die Spekulanten rei\u00dfen. Die Stadt M\u00fcnchen will aber ein Kulturzentrum daraus machen. Deshalb hat ein Praktikant, die drei Damen angemeldet, die dort noch einen Erlanger Heyse-Experten treffen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>So stolpern die drei Frauen durch die Stadt und machen mancherlei Alltagsbeobachtungen dabei. Da wird eine taubenf\u00fctternde Alte vom Portier vertrieben wird, AfD-W\u00e4her unterhalten sich, etcetera. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Bibliothekarin hat ein paar Heyse-B\u00fccher im Rucksack. So werden immer wieder Gedichte zitiert, die man auch im Buch finden kann und \u00fcber Paul Heyse, der 1830 in Berlin  geboren wurde, erf\u00e4hrt man auch sehr viel. Der war damals ein ber\u00fchmter Dichter, wurde sogar geadelt, hatte viele K\u00fcnstlerfreunde und hat auch K\u00fcnstlerkreise zum Beispiel einen namens &#8220;Krokodil&#8221; gegr\u00fcndet. Hundertzwanzig Novellen, acht Romane und unz\u00e4hlige Theaterst\u00fccke hat er geschrieben. Da kommt dann eine  Anspielung, da\u00df man heutzutage keine Novellen mehr schreiben kann, weil keiner wei\u00df, was das ist und sogar schon &#8220;Haikus&#8221; als Romane betitelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p> Die Gruppe torkelt weiter durch die Stadt, kommt dann zu der Villa, aber zuerst nicht hinein. Die Bibliothekarin hat Schwierigkeiten mit den Kr\u00fccken und bekommt Alptr\u00e4ume, wo sie sich an ihren Schreibtisch w\u00e4hnt. Dann dann gibt es auch ein Zwischenkapitiel in Italien, denn da besucht 1905 offenbar der ber\u00fchmte Verleger der Cottta\u00b4schen Buchhandlung, den alten Dichter in seiner Sommerredsienz am Gardasee, denn der war sehr Italophil, hat das auch studiert und Ende eine Villa dort gehabt. Frau Anna fragt was sie kochen soll? Der Verleger deutet schon den m\u00f6glichen Nobelpreis an<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es wieder zur\u00fcck in dieLuisenstra\u00dfe, beziehungweise in das Cafe nebenan, wo die die f\u00fcnf, der Erlanger Spezialist vom Department of literatur, auch so eine Anspielung mit seinem chinesischen Mann ist inzwischen auch eingetroffen, um sich zu st\u00e4rken. Dann kommen sie doch in die Villa hinein und am Ende erscheint noch der Direktor vom Touristenb\u00fcro von Gardone Riviera, der dort ein Paolo Heyse- Centro errichten will und bietet der Baurr\u00e4tin oder der Stadt M\u00fcnschen seine Vorschl\u00e4ge an.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant merke ich an, sehr orignell und  gewagt. Bin gespannt, was die Literaturkritik dazu sagt? Mir hat es jedenfalls gefallen und wieder viel gelernt. Vor allem das man Literatur und auch biografische Romane anders  schreiben kann und kann das Lesen des &#8220;G\u00f6tterbaums&#8221; oder auch Paul Heyse selbst, von dem ich gar nicht wei\u00df, ob der noch lieferbar ist, sehr empfehlen, der aber vielleicht verstaubter wirken kann, als das Buch \u00fcber ihn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Hans Pleschinski habe ich, glaube ich, bei einem Frankfurter Buchmessensurfing das erste Mal etwas geh\u00f6rt, das hei\u00dft, ich habe ihn mit Ludwig Fels verwechselt, der vor kurzem verstorben ist, da wurde sein &#8220;Ludwigsh\u00f6he&#8221; vorgestellt, das mich interessierte, weil ich &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=96748\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,18],"tags":[737,828,2512,4458],"class_list":["post-96748","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-uncategorized","tag-beck","tag-biografischer-roman","tag-hans-pleschinski","tag-paul-heyse"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=96748"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96748\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=96748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=96748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=96748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}