{"id":9678,"date":"2011-10-31T00:00:18","date_gmt":"2011-10-30T23:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9678"},"modified":"2011-10-31T00:00:18","modified_gmt":"2011-10-30T23:00:18","slug":"soloalbum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9678","title":{"rendered":"Soloalbum"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Soloalbum&#8221; von Benjamin v. Stuckrad-Barre, beginnt mit einem Paukenschlag, bzw. steht die Polizei am Bett des Ich-Erz\u00e4hlers, die Feuerwehr und Isabell mit der er verabredet war, sie dann aber doch nicht hereingelassen hatte. Und in der Wohnung sieht es schrecklich aus, \u00fcberall liegen Zeitschriften und Platten, denn &#8220;seit Katharina weg ist (drei Wochen und zwei Tage) habe ich gro\u00dfe Schwierigkeiten, den Betrieb hier aufrechtzuerhalten.&#8221;<br \/>\nDas ist das erste Kapitel, des 1998 erschienen Romans, das wie die anderen, eine englische \u00dcberschrift tr\u00e4gt und so flie\u00dft der ganze Roman dahin, das eigentlich mehr ein Bericht ist, besteht die Handlung ja nur daraus, da\u00df der &#8220;Ich-Erz\u00e4hler, gerade mal Anfang zwanzig&#8221;, von seiner Freundin verlassen wurde und das haut den jungen Mann, der irgendwo in der Musikbranche arbeitet, eine coole Schnauze hat, sauft und kifft, wie das die Jugend offenbar so tut, total aus den Socken.<br \/>\nJedes der Kapitel handelt davon, da\u00df der junge Mann versucht sein Leben wieder auf die Reihe bringen, er geht zwar p\u00fcnktlich arbeiten, l\u00e4\u00dft seine Bude aber total verkommen, reagiert auf die Trennung mit erstaunlich starken Gef\u00fchlen und unternimmt auch viel seine Katharina wieder zur\u00fcckzubekommen, so schenkt er ihr zum Geburtstag eine Schachtel mit zwanzig Geschenken, ruft  st\u00e4ndig an und erz\u00e4hlt ihr auch, da\u00df er jetzt eine supertolle Traumfrau hat &#8220;mit perfekter Figur, Frisur wie Justine Frischmann von Elastica, au\u00dferordentlich klug, macht nebenbei Theater, organisiert Ausstellungen, dreht gerade einen Kurzfilm in Amsterdam, wohnt im Sommer im New York, hat einen alten Porsche und eine neue Wohnung direkt am Flu\u00df hier, war mal mit Christoph Schlingensief zusammen, hat danach ein halbes Jahr Heroin genommen und ein Verfahren entwickelt, das es erm\u00f6glicht&#8230;&#8221;, wie die Traumfrauen der collen Typen Anfang Zwanzig so sind, was Katharina aber nur zum Gratulieren bringt. Er versucht auch sich sein \u00dcbergewicht herunterzuhungern, geht ins Fitne\u00dfstudio, um Eindruck auf Katharina zu machen, dann schleppen ihn seine Freunde wieder zu Partys und er hat auch Kontakt zu Isabell und Nadja, etc obwohl das keine Traumfrauen sind. Dazwischen zieht ein Jahr ins Land, er \u00fcberlegt Katahrina nach Passau nachzureisen und zieht dann doch nur nach M\u00fcnchen um, hat am Ende einen neuen Job und eine neue Wohnung aber doch die gleiche Sehnsucht nach Katharina.<br \/>\n&#8220;Soloalbum&#8221; hei\u00dft das Ganze wohl, weil sowohl Autor, als auch Held in der Musikbranche jobben und die verschiedenen Buchteile sind auch immer mit CD-Scheiben dekoriert und der 1975 geborene Benjamin v. Stuckrad-Barre gilt, entnehme ich Wikipedia &#8220;als Autor von Popliteratur und thematisiert Medienwirklichkeit und Probleme des j\u00fcngeren Publikums zwischen Markenwelt und Selbstfindung.&#8221;<br \/>\nHarald Schmidt schreibt auf der Buchr\u00fcckseite &#8220;Benjamin v. Stuckrad-Barre hat in seiner Jugend Maienbl\u00fcte einfach so das Buch hingelegt, das ich selber gerne geschrieben h\u00e4tte. Grummel&#8221; und auch Harry Rowohlt hat ein lobendes Wort f\u00fcr ihn.<br \/>\nMir ist die starke Sprache aufgefallen, in dem schon 1998 einige Probleme beschrieben werden, die es immer noch und jetzt wahrscheinlich viel st\u00e4rker gibt, die Arbeitslosigkeit z.B. aber das ist nicht das Problem des Helden, der ja arbeiten geht und mit Geld nicht umgehen kann, weil man das in der Konsumwelt, in der er lebt, auch  nicht mu\u00df und daher das Konto st\u00e4ndig \u00fcberzieht.<br \/>\n&#8220;Zur Zeit keine Auszahlung m\u00f6glich. Automatendeutsch und so diskret.&#8221;<br \/>\nDann gibt es noch ein paar Szenen, wo mit der coolen Schnauze, die Musikredakteure beschrieben werden, die ihre Gratisscheiben, den H\u00e4ndlern verkaufen, um zu Geld zu kommen oder auch von dem alten Mann, der dem Helden das Fahrrad seiner verstorbenen Frau verkauft, das dieser braucht, um wieder zu einer guten Figur zu kommen. Der Tod von Lady Di wird thematisiert und das Naheverh\u00e4ltnis zu Christoph Schlingensief. Der Held interessiert sich f\u00fcr Musik und B\u00fccher und sonst f\u00fcr nicht sehr viel, so schmei\u00dft er die angegarten Pizzen weg und die Kaffeeh\u00e4ferln schimmeln vor sich hin. So kann es bei Studenten um die sich niemand k\u00fcmmert schon mal aussehen, da\u00df ein Zwanzigj\u00e4hriger so an dem Verlust seiner Freundin leidet, da\u00df er Wohnung und Bett nicht mehr verlassen will, h\u00e4tte ich eigentlich f\u00fcr uncool gehalten und, um als Roman zu gelten, scheint mir das Ganze zu schnell hinuntergeschrieben. Das Buch hat aber offenbar  das Lebensgef\u00fchl der Jugend um 2000 sehr getroffen. Der Held schwatzt vor sich hin und erz\u00e4hlt auch mal was von den haptischen Eindr\u00fccken des Buches, das er nicht hergeben will, das erstaunte mich wieder sehr, h\u00e4tte ich doch nicht gedacht, da\u00df es den Kindle damals schon gegeben h\u00e4tte,  bin aber auch bez\u00fcglich des Musikgeschmacks des Helden nicht up to date, interessiere ich mich ja, wenn \u00fcberhaupt, mehr f\u00fcr klassische Musik.<br \/>\nDas Buch stammt aus dem B\u00fccherschrank und den Namen Stuckrad-Barre kenne ich von einer der ersten Amadeus-Zeitungen, der inzwischen Thalia hei\u00dft und keine Kundenzeitschrift mehr hat. Da gab es einen Artikel \u00fcber die Popliteraten, wo neben Benjamin v.Stuckrad-Barre, auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/04\/crazy\/\">Benjamin Lebert<\/a> und Rosemarie Poiarkov vorgestellt wurde, wenn ich mich richtig erinnere. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Soloalbum&#8221; von Benjamin v. 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