{"id":97374,"date":"2021-03-02T00:52:14","date_gmt":"2021-03-01T23:52:14","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=97374"},"modified":"2021-03-02T00:52:14","modified_gmt":"2021-03-01T23:52:14","slug":"ausgestosen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=97374","title":{"rendered":"ausgesto\u00dfen"},"content":{"rendered":"\n<p>Noch einmal Peter Paul Wiplinger, dessen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/02\/20\/__trashed\/\">neuen Gedichtband<\/a> ich ja vor kurzem gelesen habe und der mir, als ich ihm um das Buch anfragte, gleich drei geschickt hat, ist der 1939 in O\u00d6 geborene Dichter, Photograph und IG-Aktivist ja literarisch sehr produktiv und so haben sich auch bei mir schon einige seiner B\u00fccher angesammelt. So habe ich nicht nur die &#8220;Lebenszeichen&#8221;, die er mir auch schickte, sondern auch &#8220;unterwegs&#8221;,&#8221;Positionen 1960- 2012&#8243; und die &#8220;Tagtraumnotizen&#8221; in meinen Bibliothekskatalog, beziehungsweise in meinen Regalen stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob und wieviel ich davon gelesen habe, kann ich jetzt nicht so genau sagen, bin ich ja auch eine Sammlerin, die gerne alles von alles Autoren bei sich haben will. Den 2006 bei &#8220;arovell&#8221; erschienenen, aber offenbar schon in den Neunhzigerjahren geschriebenen und erstmals erschienen Prosaband &#8220;ausgesto\u00dfen&#8221;, habe ich, obwohl &#8220;unverlangt&#8221; zugesandt, jetzt gleich gelesen und ich mu\u00df wieder schreiben, es war ein Gewinn, habe ich Peter Paul Wiplinger ja bisher eher als engagierte IG oder sogar PEN-Mitglied, das sich sehr f\u00fcr seine nicht so priveligierten Kollegen vor allem aus Osteuropa oder aus dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/11\/16\/zum-writers-in-prison-day\/\"> &#8220;Writer in prisons-Programmen&#8221;<\/a> einsetzt, kennengelernt, war aber auch bei seiner Lesung im &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/10\/11\/vom-doml-ins-arabisch-oesterreichische-haus\/\">Arabisch \u00f6sterreichischen Haus&#8221; <\/a>und bei seinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/06\/25\/zum-achtzigsten-geburtstag-von-peter-paul-wipplinger\/#respond\">achtzigsten Geburtstagsfest im Presseclub Concoria<\/a> und bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/17\/margaretner-literaturgeschichte\/\">&#8220;Goldenen Margarete&#8221; <\/a>in der B\u00fccherei Pannaschgasse habe ich ihn auch einmal lesen geh\u00f6rt<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt habe ich ihn aber auch gelesen und ich wiederhole mich, das war ein Gewinn Peter Paul Wiplingers Schreiben besser kennenzulernen. Denn dieser fast in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/21\/thomas-bernhard-als-graphic-novel\/\">Thomas Bernhard-Manier <\/a>geschriebene <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/25\/joseph-roths-legende\/\">Monolog eines Trinkenden<\/a>, ein n\u00e4chtlicher Spaziergan durch  Wien und die damit verbundenen Schimpfereinen oder Refektionen \u00fcber den aufgezwungenen Katholizismus, das Versagen, das Scheitern und den wachsenden Rechtsextremismus mit dem<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/10\/widerstand-im-haiderland\/\"> Aufstieg J\u00f6rg Haiders<\/a>, der ja in den Neunzigerjahren das politische Bild bestimmte, sind ebenso beeindruckend, wie der Gedichtband, wo sich Peter Paul Wiplinger ja sehr mit seiner Gebrechlichkeit besch\u00e4ftigte.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Neunzigerjahren war er noch j\u00fcnger. Am Buchr\u00fccken ist sein Foto mit schwarzen Rollkragenpulli und schwarzen K\u00e4ppchen, sowie Schnurrbart, so wie ich ihn von den IG-GVs kenne, zu sehen und auf der Iimpressumseite steht zu lesen, da\u00df eine &#8220;Hauptpassage dieses Textes wurde 1997 mit dem Luitpold-Stern-Preises des \u00d6GBs ausgezeichnet&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p> Da habe ich mich ja auch ein paarmal beteiligt und auch ein paarmal was gewonnen, als es diesen Preis noch gab und, das finde ich sehr sch\u00f6n und macht das Buch besonders wertvoll, gibt es wieder eine handschriftlich beschriebene erste Seite, wo Peter Paul Wiiplinger unter den Buchtitel &#8220;ausgesto\u00dfen&#8221;- &#8220;aber nicht verloren sein&#8221; geschrieben hat. Weiter oben hat er die Kaffeeh\u00e4user aufgeschrieben, die die Orte des Geschehens darstellen oder dort geschrieben wurde, wie beispielsweise das Cafe Sport, Cafe Savoy und das Caf Alt Wien und dann hinein in den Monolog, der wenn ich es recht verstanden habe, im G\u00f6ttweiger Stiftskeller beginnt. <\/p>\n\n\n\n<p>Richtig, am Anfang liest sich das Buch etwas sperrig und ich brauchte ein wenig um in den Stil hineinzukommen, bis ich es dann sehr ber\u00fchrend fand, von diesem &#8220;Ausgesto\u00dfenen&#8221;, &#8220;Ich hasse mich-&#8221; lautet der erste Satz, zu lesen, der in einer Winternacht durch Wien taumelt und \u00fcber sein leben resumiert. Es beginnt wie schon geschrieben, im G\u00f6ttweiger Stiftkeller, da wird dann auch das Stift G\u00f6ttweig erw\u00e4hnt, wo ich ja auch einige male bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/04\/14\/reisen-und-erinnern-bei-der-21-literatur-und-wein\/\">&#8220;Literatur und Wein&#8221; <\/a>war. Der  namenlose Ich- Erz\u00e4hler ist, erfahren wir, Sohn aus guten l\u00e4ndlichen Hauses, hat studiert, der Kellner verweigert etwas sp\u00e4ter dem betrunkenen &#8220;Herrn Doktor&#8221; das bestellte viertel Wein und hat sich immer hinter seinen Br\u00fcdern zur\u00fcckgesetzt f\u00fchlt. Er war dann zwar auf der Uni Assistent oder Dozent, hat aber gerade seinen Job wegen seiner Trinkerei verloren und sitzt dann einige zeit im Stephansdom, bis der gescho\u00dfen wird und hier ist wieder interessant, da\u00df ihm der Glauben, obwohl er auf die Kirche schimpft, offenbar doch nicht so ganz abgegangen ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter sitzt er auf einer Bank vor dem Dom, wird angeschneit und  raucht gedankenverloren einige Zigaretten. Dann schlendert er, weil er etwas Warmes braucht ins Cafe Alt Wien wo sich ja wahrscheinlich auch heute noch die&#8221;Pseudok\u00fcnster&#8221;, wie einmal <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/10\/22\/von-vierjahrzehnten-freibord-zur-ak-debutpreislesung\/\">Hermann Sch\u00fcrrer<\/a>, ansammeln, bestellt, um sein letztes Geld ein letztes Achterl, stellt sich zum W\u00e4rmen an die Heizung, bricht  zusammen, wird von einem Zivildiener versorgt und wandert dann zum Lueger-Denkmal weiter, um die Nach im Bahnhof Landstra\u00dfe zu verbringen, weil er es in seinen Zustand nicht mehr in seine Basenawohnung am G\u00fcrtel schafft. Polizisten r\u00fctteln ihn von einerParkbank auf, er schafft den Weg zum Bahnhof, verbringt die Nacht in einer Nische, obwohl er ja kein Sandler ist und geht  am n\u00e4chsten Morgen durch den Stadtpark, um dort die U-Bahn zu erreichen und nach Hause zu fahren, sich zu waschen und rasieren und auszuschlafen und entgegen dem Buchr\u00fccken, wo etwas von einem Gescheiteren und Ausgesto\u00dfenen steht&#8221;, endet Peter Paul Wiplinger eher vers\u00f6hnlich mit &#8220;Er versp\u00fcrte eine innere Dankbarkeit in sich. Und er sagte p\u00f6tzlich laut vor sich hin: &#8220;Alles ist gut, alles ist gut!&#8221; Dann ging er mit schnellen Schritten aus dem Park und der Haltestelle der U-Bahn zu. Es war nicht mehr weit nicht mehr weit, dann war er endlich daheim.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch etwas ist interessant, da\u00df dem 2006 erschienenen Buch die Verlagsanmerkung vorangestellt &#8220;Auf ausdr\u00fccklichen Wunsch des Autors wurde als Bestandteil und Ausdruck seiner literarischen Authentizit\u00e4t die alte Rechtschreibung beibehalten&#8221;, wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch einmal Peter Paul Wiplinger, dessen neuen Gedichtband ich ja vor kurzem gelesen habe und der mir, als ich ihm um das Buch anfragte, gleich drei geschickt hat, ist der 1939 in O\u00d6 geborene Dichter, Photograph und IG-Aktivist ja literarisch &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=97374\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[405,4508,4665],"class_list":["post-97374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-arovell","tag-peter-paul-wiplinger","tag-prosamonolog"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=97374"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97374\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=97374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=97374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=97374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}