{"id":97976,"date":"2021-03-14T00:42:35","date_gmt":"2021-03-13T23:42:35","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=97976"},"modified":"2021-03-14T00:42:35","modified_gmt":"2021-03-13T23:42:35","slug":"die-mutter-von-nicolien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=97976","title":{"rendered":"Die Mutter von Nicolien"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt ein &#8220;Wagenbach Quartbuch&#8221;, da bekomme ich ja immer die E-pubs geschickt. Ein Roman des 2008 verstorbenen niederl\u00e4ndischen Autors J. J. Voskuil, der mit dem Mehrteiler &#8220;Das B\u00fcro&#8221; bekannt geworden ist und der sich in dem Buch, das aus kleinen Skizzen besteht, die von den F\u00fcnzigerjahren bis ins Jahr 1985, dem Tod der Mutter, hin\u00fcberf\u00fchrt, sich mit der Demenz besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p> Der Erz\u00e4hler ist  ein Maarten und der trifft sich mit  seiner Frau Nicolien und deren Mutter, die in Deen Haag wohnt, das Ehepaar wohnt in Amsterdam, immer wieder zum Kaffeetrinken. Hier ist interessant, da\u00df die Mutter mit Sie angesprochen wird, aber vielleicht liegt das an der \u00dcbersetzung und am Anfang ist die Mutter noch recht fit und mir ist es wieder etwas schwer gefallen, in das Buch hineinzukommen, wu\u00dfte ich doch l\u00e4nger nicht, da\u00df Nicolien eine Frau und die Tochter der Titelheldein ist und die Demenz, das zunehmende Vergessen, wird auch erst sp\u00e4ter greifbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfangs erscheint die Mutter fit. Erst sp\u00e4ter, die Szenen sind immer mit dem genauen Datum \u00fcberschrieben, merkt man, da\u00df sie viel vergi\u00dft. Sie soll irgedwo hinfahren, findet den Weg nicht mehr, findet dann auch nicht aufs Klo und entschuldigt sich dann immer mit dem Alter.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Sie sind nicht alt!&#8221;, kommt dann immer als Antwort und liest man das Buch 2021, f\u00e4llt einer auf, wie schwer sich das Ehepaar mit der zunehmenden Verge\u00dflichkeit der Mutter tut und, wie unverst\u00e4ndlich sie f\u00fcr es ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist man da schon weiter, wei\u00df damit umzugehen, macht Ged\u00e4chtnistests, kennt zunehmend Therapien.<\/p>\n\n\n\n<p> Nicolien und ihr Mann stehen dem verfall der Mutter erstaunlich hilflos gegen\u00fcber, fangen dar\u00fcber auch zu streiten an und die Mutter wird zunehmend verge\u00dflicher, verschwindet aus der Stra\u00dfenbahn, wird dann von einem Mann nach Hause bgeleitet, ruft immer wieder an und wei\u00df dann nicht warum. Nicolien versucht ihr, als die Nummern ge\u00e4ndert werden, auch das Telefonieren anzugew\u00f6hnen und ber\u00fchrend ist der Satz &#8220;Meine Tochter meint, da\u00dfich hier bin!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter wird dann nach Amsterdam genommen, wo das Paar wohnt. Aber da hat die Mutter Angst, verschwindet aus der Kammer in der sie wohnt, erz\u00e4hlt den Passanten, da\u00df sie ihre Tochter sucht die in Amsterdam wohnt, landet dann in einem Krankenwage und erst in den Siebzigerjahren r\u00e4t ein Arzt, die Mutter ist dann schon \u00fcber achtzig und wundert sich bei ihren Geburtstag dar\u00fcber, sie in einem Pflegeheim unterzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p> Nicolien f\u00e4llt das schwer, aber bei ihnen in Amsterdam geht das  nicht, die Mutter zu sich zu nehmen und um nach Den Haag zu ihr zu ziehen ist Marten der Weg in sein B\u00fcro zu lang. In dem Altersheim scheint es auch viel strenger als heute, also vor <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">Corona-Zeiten<\/a> zuzugehen, die ersten drei Wochen keine Besuchszeit, denn sonst bleibt sie nicht bei uns, sagt die Pflegeschwester und zu den Besuchzeiten stauen sich  die Angeh\u00f6rigen im Foyer, dann sitzen alle im Cafe und schauen zu, wie die Frauen ihre dementen M\u00e4nner mit Eierlik\u00f6r und T\u00f6rtchen f\u00fcttern. Die Mutter will nach Hause, verf\u00e4llt immer mehr und stirbt, wie schon geschrieben 1985. Das Buch oder die sehr ber\u00fchrenden Skizzen \u00fcber die Demenz, den Tod und das Sterben enden beim Begr\u00e4bnis und die Demenz ist ein Thema, das mich sehr ber\u00fchrt, das mich in meiner Familie, ich habe ja meinen Vater betreut und auch meine Schwiegereltern waren und sind davon betroffen, hautnahm miterlebte, habe auch  in der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vergessen.html\">&#8220;Anna&#8221; <\/a>und in <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_magdalena_kirchberg.html\">anderen<\/a><a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\"> meiner<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_tauben.html\">Texte <\/a>dar\u00fcber geschrieben und mich auch in meinen Pflegehelferkursen, die ich im Geratriezentrum am Wienerwald, als es noch gab gehalten habe und in meiner Diagnostik, damit besch\u00e4ftigt. Sehr beeindruckend also \u00fcber ein wahrscheinlich in den Achztigerjahren geschriebenes Buch dar\u00fcber zu lesen und was hier geschildert wird mit dem zu vergleichen, was man inzwischen wahrscheinlich in unz\u00e4hligen Ratgebern nachlesen kann, weil ja wahrscheinlich jeder jeden kennt, der davon betroffen ist,  damit lebt oder jemanden betreut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein &#8220;Wagenbach Quartbuch&#8221;, da bekomme ich ja immer die E-pubs geschickt. Ein Roman des 2008 verstorbenen niederl\u00e4ndischen Autors J. J. 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