{"id":98134,"date":"2021-03-19T00:05:58","date_gmt":"2021-03-18T23:05:58","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=98134"},"modified":"2021-03-19T00:05:58","modified_gmt":"2021-03-18T23:05:58","slug":"immer-noch-wach","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=98134","title":{"rendered":"Immer noch wach"},"content":{"rendered":"\n<p>Das zweite Buch eines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/01\/16\/wieder-zu-meinen-bloggerdebutpreis-empfehlungen-geschwankt\/\">Bloggerdebutjury-Kollegen<\/a>, das erste oder wahrscheinlich doch zweite Buch, des 1986 geborenen Fabian Neidhardt, den ich aus oder vom &#8220;Literaturcafe&#8221; kenne und der irgendwie auch ein Selfpublisher ist oder war und  jetzt ein Buch bei &#8220;Haymon&#8221;, herausgebracht, wow!<\/p>\n\n\n\n<p> Fr\u00fcher habe ich dort ja auch einmal meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/24\/vierzig-jahre-matura-vierzig-jahre-schreiben\/\">Manuskripte<\/a> hingeschickt. Der Titel verwirrte mich anfangs, weil mir nicht ganz klar war, worum es geht, um einen Scheintod oder in ein Hineingleiten in eine andere Welt? Eigentlich nicht wirklich das, was mich sehr interessiert, obwohl ich \u00fcber den Tod, d<a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_sterben.html\">as Sterben<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_novembernebel.html\">das \u00c4lterwerden<\/a>, die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vergessen.html\">Demenz<\/a> oder auch um die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vater.html\">Therapieverweigerung oder eine mi\u00dfgl\u00fcckte Sterbehilfe<\/a> geschrieben habe.<\/p>\n\n\n\n<p> Das Buch ist dann bald zu mir gekommen. Es steht noch drin, da\u00df man es  vor M\u00e4rz nicht besprechen soll. Nadine Rendl sagte mir, es w\u00e4re aber schon der Februar, da\u00df es erscheint. Jetzt habe ich es aber doch vor M\u00e4rz nicht geschafft und mir daher auch vorher das Gespr\u00e4ch zwischen ihm und Wolfgang Tischer im &#8220;Literaturcafe&#8221; angeh\u00f6rt, das Buch gelesen und jetzt bin ich wieder einmal baff.<\/p>\n\n\n\n<p>Bin ich ja ein alter Leseprofi, so da\u00df man sagen k\u00f6nnte, da ist mir nicht mehr sehr viel fremd und ich besch\u00e4ftige mich auch meistens sehr erfolglos, wie man die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/22\/spannungsbogen-2\/\">&#8220;Heldenreise&#8221; <\/a>anwenden kann, habe zuf\u00e4llig <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/03\/05\/hard-land\/\">Benedict Wells neues Buch<\/a>, das, wie ich es nennen w\u00fcrde, sehr gut konstruiert ist und das Beste von all den schon geschriebenen B\u00fcchern wiedergibt und<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/03\/06\/die-erfindung-der-sprache\/\"> Anja Baumheiers &#8220;Erfindung der Sprache&#8221;<\/a> die das auf einem  sprachlich etwas weniger erh\u00f6hten daf\u00fcr aber unterhaltsameren Niveau ebenfalls tut, vor kurzem gelesen und nun Fabian Neidhardts &#8220;Immer noch wach&#8221; und es beginnt eigentlich ganz konventionell, so wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/01\/03\/das-jahr-ohne-worte\/\">man<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/29\/es-wird-mir-fehlen-das-leben\/\">es<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/17\/mein-schlimmster-schoenster-sommer\/\">schon<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/11\/koenigin-der-berge\/\"> \u00f6fter<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/07\/bevor-wir-verschwinden\/\">gelesen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/02\/13\/versprich-es-mir\/\"> hat<\/a> und ich es auch in &#8220;Im Namen des Vaters&#8221; beschrieben habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist Alex, er ist drei\u00dfig, hat ein Cafe und eine Freundin namens Lisa, einen besten Freund namens Bene, mit diesen f\u00fchrt er das Cafe und als er sieben war, ist sein Vater an Magenkrebs gestorben. Die Mutter hat lang getrauert und nicht vom Vater erz\u00e4hlt. Dann findet sie einen Freund und als der sie verl\u00e4\u00dft, stirbt sie, es war ein Herzinfakt, nicht der Strick, glaube ich, Fabian Neidhardt nennt es am gebrochenen Herzen. Alex studiert BWL und er\u00f6ffnet dann mit Bene, das Cafe, das &#8220;T\u00fcrrahmen&#8221; hei\u00dft, was, wie ich dem Gespr\u00e4ch zwischen Fabian Neidhardt und Wolfgang Tischer entnahm, sehr originell findet.<\/p>\n\n\n\n<p> Dann bricht er irgendwie zusammen, hat Kopfweh und Magenschmerzen und der Arzt sagt &#8220;Sie haben Krebs und ich erkl\u00e4re Ihnen nun, was wir machen k\u00f6nnen! Sterben werden Sie aber ohnehin!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Das fasse ich jetzt einmal so zusammen. Da gibt es das Trauma mit dem Vater und Alex entscheidet sich, sich nicht behandeln zu lassen, sondern zuerst seine To do &#8211; Liste abzuarbeiten. Das klingt jetzt etwas klischeehaft und wird auch so beschrieben und dann will er ins Hospiz und Lisa und Bene zur\u00fccklassen. Sie sollen ihn nicht besuchen, weil er nicht will, da\u00df sie ihn in seinem letzten Zustand sehen. Auch ein wenig klischeehaft und gut konstruiert, weil ich nicht sicher bin, ob das wirklich jemand so macht und sich das traut, die Chemo, die einen letztlich ja zerst\u00f6rt zu verweigern. Die Idee, aber dann wenn die Schmerzen kommen in ein Hospiz zu gehen, finde ich gut und merke sie mir f\u00fcr den Fall, da\u00df&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>So beginnt das  Buch, das immer zwischendurch erz\u00e4hlt, in die Vergangenheit geht und wieder zur\u00fcck, etcetera.<\/p>\n\n\n\n<p>Er bekommt, ich wei\u00df nicht, ob man das braucht, von seinem Arzt die Bef\u00fcrwortung f\u00fcr das Hospiz, zieht hin. Dort ist wirklich alles sch\u00f6n und liebevoll. Er mu\u00df aber nach elf Wochen eine Untersuchung f\u00fcr die Verl\u00e4ngerung machen. Aber erst kotzt er sich aus, verl\u00e4\u00dft tagelang nicht sein Zimmer, bis er Kaspar, einen alten Krebskranken, der nicht sterben kann, kennenlernt und ins Leben bzw. ins Hospiz findet. Lernt die anderen Patienten kennen, l\u00e4\u00dft sich durch das Haus f\u00fchren und dann sind die elf Wochen vorbei und jetzt wird es wirklich originell, weil zumindestens von mir noch nicht gelesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zumindestens nicht so. Die Spontanremisssionen, wo der Krebs dann sp\u00e4ter wieder kommt, gibt es und das w\u00fcrde man auch erwarten, am Ende des Buches, nicht in der Mitte. Er geht zur Untersuchung und die \u00c4rztin teilt ihm einige Tage sp\u00e4ter mit, es war ein Irrtum, der Tumor ist gutartig und er kann im Hospiz nicht bleiben. Wui, was tut er dann? Hat er seinen Anteil an dem Cafe ja schon an seine Freundin Lisa \u00fcberschrieben und als er mit seinen Koffer das Cafe erreicht, sieht er sie mit seinem Freund Bene in inniger Umarmung, wui, was macht man dann?<\/p>\n\n\n\n<p> Das habe ich ein wenig klischeehaft empfunden, es geht aber gleich weiter mit den Listen, denn in den elf Wochen sind in dem Hospiz einige Leute gestorben. Einer der vorher mit ihm Schach spielen wollte, einer der auf einen Achttausenderr wollte, einer wollte tanzen und eine heim in das Dorf aus dem sie stammt. Das will er nun f\u00fcr sie erledigen. Trauerbew\u00e4ltigung w\u00fcrde ich diagnostizieren und vielleicht auch nicht wirklich realistisch. Es gelingt auch nicht alles, denn auf einen Achttausender kann man nicht wirklich, wenn man vorher noch nie wandern war und als ihn der, der ihm das klar macht, verl\u00e4\u00dft, steht pl\u00f6tzlich Bene am Tisch und schreit ihm&#8221; Arschloch!&#8221;, entgegen. Das habe ich einmal bei einer meiner Klientinnen, deren Freund sich erscho\u00dfen hat und sie mit dem neugeborenen Baby zur\u00fccklie\u00df, auch so erlebt. Sie sprechen sich aber aus und er erf\u00e4hrt, Lisa ist nicht seine Freundin und hat das Kind, das von Alex war, inzwischen verloren, also wieder zur\u00fcck?<\/p>\n\n\n\n<p>Geht noch nicht gleich, denn da ist ja Kaspar, der auch noch nicht so ganz loslassen kann. Der tut es dann, hinterl\u00e4\u00dft Alex sein Boot, aber der sch\u00fcttelt den Kopfund f\u00e4hrt wieder heim, beziehungsweise zu dem Cafe.<\/p>\n\n\n\n<p> &#8220;Ich wei\u00df nicht , was passieren wird. Und das ist okay. Hauptsache, ich bin dabei.&#8221;, lautet der vielleicht etwas flapsig klingende letzte Satz.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Abspann gibt es auch in dem Fabian Neidhardt, die Entstehung des Buches erkl\u00e4rt. Er hat daf\u00fcr auch in einem Hospiz praktiziert und am Anfang steht noch &#8220;Wir freuen uns da\u00df du diesen Text in H\u00e4nden h\u00e4ltst und hoffen, da\u00df er dich genauso sehr verzweifeln l\u00e4sst und genauso sehr tr\u00f6stet, wie uns, dass er dich ber\u00fchrt, \u00fcberrascht und dich auch noch nach der Lekt\u00fcre noch lange nicht losl\u00e4\u00dft.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas was inzwischen auf vielen Klappentexten  steht und dann meistens nicht zutrifft. Bei diesem Buch aber schon. Harte Kost vielleicht f\u00fcr einen jungen Menschen, der den Tod vielleicht gerade erst bei seiner Gero\u00dfmutter erlebte. Aber etwas, was jeden von uns betrifft und das man vor allem auch in<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/15\/hassposting-an-corona-oder-veranstaltungsstop-ii\/\"> Corona-Zeiten<\/a> nicht verdr\u00e4ngen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gutes Buch also, hervorragend geschrieben, geh\u00f6rt als Pfichtlekt\u00fcre in jede Krankenpflegeschulebibiliothek und dar\u00fcber was da jetzt konstruiert, \u00fcbertrieben oder unrealistisch ist, zu diskutieren, ist sicher auch sehr spannend, denn die Meisten wird nach der Krebsdiagnose wahrscheinlich immer noch eine Chemotherapie erwarten und wird vielleicht von den Alternativen tr\u00e4umen. Dieses Buch zu lesen, kann  eine solche sein.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das zweite Buch eines Bloggerdebutjury-Kollegen, das erste oder wahrscheinlich doch zweite Buch, des 1986 geborenen Fabian Neidhardt, den ich aus oder vom &#8220;Literaturcafe&#8221; kenne und der irgendwie auch ein Selfpublisher ist oder war und jetzt ein Buch bei &#8220;Haymon&#8221;, herausgebracht, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=98134\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1923,2543,3269,5480,5743],"class_list":["post-98134","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-fabian-neidhardt","tag-haymon","tag-krebs","tag-spontanremission","tag-therapieverweigerung"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=98134"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98134\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=98134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=98134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=98134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}