{"id":99692,"date":"2021-04-15T00:15:00","date_gmt":"2021-04-14T22:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=99692"},"modified":"2021-04-15T00:15:00","modified_gmt":"2021-04-14T22:15:00","slug":"hotel-weitblick","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=99692","title":{"rendered":"Hotel Weitblick"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt gleich ein Buch der Preistr\u00e4gerin des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2021\/04\/10\/funfzigste-rauriser-literaturtage\/\">&#8220;Rauriser F\u00f6rderungspreises&#8221; <\/a>von 2013. Das Debut der 1975 geborenen Renate Silberer von der ich schon ihren 2017erschienenen Erz\u00e4hlband<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/12\/25\/das-wetter-hat-viele-haare\/\"> &#8220;Das Wetter hat viele Haare&#8221;<\/a> gelesen habe und  jetzt auch ein bi\u00dfchen verwirrt  bin, dachte ich doch die  &#8220;Rauriser Preise&#8221; gehen an Debuts und Renate Silberer habe ich auch schon bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/23\/koliken-in-der-alten-schmiede\/\">verschiedenen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/23\/koliken-in-der-alten-schmiede\/https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/25\/bildbeschreibungen\/\"> Lesungen <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/05\/fast-fertig-und-lockstoff\/\">geh\u00f6rt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist  vielleicht  ein bi\u00dfchen verwirrend,  weil wieder viel zu viel darin verkn\u00fcpft  und etwas,  was ich eigentlich f\u00fcr normal halte, als Problem geschildert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht, wie ich der Beschreibung entnehme, um Kritik am Leistungsdenken und an F\u00fchrungsseminare und es geht auch wieder in die Vergangenheit,  n\u00e4mlich in die Eziehungsmethoden  der Natonalsozialisten &#8220;Der Letzte, der nicht den Verstand verloren hat, wird Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer: ein bitterb\u00f6ser Roman \u00fcber das Leistungsdenken und den Glauben an sich selbst.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Das klingt schon einmal interessant und der Anfang, der die Ausstiegspl\u00e4ne des Consultersmarius Tankwart schildert ist auch recht spannend und gut geschrieben. Dann zerfleddert es sich aber und verkn\u00fcpft Dinge,die eigentlich nicht verkn\u00fcpfbar sind. Da ist der sehr erfolgreicheConsulter, Platz vierundsechig bei den Top hundert, glaube ich, der will aussteigen und nach Mexiko gehen will. Vorher soll er aber noch unter vier Angestellten, den k\u00fcnftigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer Werbeagentur aussuchen. Das soll im Saal &#8220;Harmonie&#8221; des  &#8220;Hotel Weitblicks&#8221; geschehen. Die vier Kanditaten sind Horst, der ehrgeizige, wahrscheinlich FP\u00d6-W\u00e4hler mit  ausl\u00e4nder- und frauenfeindlichen Ansichten, der w\u00e4hrend er zum Seminar f\u00e4hrt, Angst hat, von seiner Veronika verlassen zu werden. Dann gibt es Franz, den Familienvater, der am Schlu\u00df von seiner Frau verlassen wird, die Quotenfrau Annette, die an Panikattacken leidet und Helmut der offenbar der Schw\u00e4chste ist, weil er immer von seinem Psychiater spricht.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Hotel wird  Dr. Tankwart, der  lieber Schauspieler geworden w\u00e4re, aber keine Chance hatte sich gegen seine Mutter durchzusetzen, von dieser angerufen, die ihm  zum  Geburtstag gratuliert und dabei schildert, wie schwierig die Geburt f\u00fcr sie war. Das tut sie jedes Jahr und das f\u00fchrt zu dem ber\u00fchmten Buch der Frau Dr. Haarer &#8220;Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind&#8221;, das bis in die Neunzehnhundertsiebzigerjahre wieder aufgelegt wurde und in dem steht, da\u00df man Kinder nicht verw\u00f6hnen, sondern schreien lassen soll, damit sie harte Menschen werden und im leben nicht versagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist das Problem von Dr Tankwart. Er geht dann aber in den Seminarraum, das Buch beginnt am Freitag und endet am Sonntag, wie das bei Assmesmentseminaren \u00fcblich ist und es beginnt auch mt den \u00fcblichen Psycho\u00fcbungen. Aufeinander zu gehen, einen Baum zeichnen  und sich dann auf den hei\u00dfen Stuhl setzen, etcetera. Das denke ich, ist normal bei solchen Assesmentseminaren und die Teilnehmer  darauf eingestellt. Diese, besonders Horst rebellieren aber und verstehen den Sinn nicht, betrinken sich am Abend, was vielleicht wieder ganz typisch ist und am Schlu\u00df flippt der Cosulter aus und sagt, er wird niemanden vorschlagen, sondern das Seminar verlassen. Der Schw\u00e4chste, n\u00e4mlich Helmut wird von der Polizei abgef\u00fchrt. Die Quotenfrau bleibt  \u00fcber und die beiden anderen schreiben sich  ihre Empfehlenungen selbst. Da w\u00fcrde ich jetzt an <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/02\/01\/therapiesitzung-im-kino\/\">Daniel Glattauer und sein Paartherapiest\u00fcck<\/a> denken, wo der Therapeut zusammenbricht, weil ihm  seine Frau angeblich verlassen hat. Das zerstrittende Paar verl\u00e4\u00dft vers\u00f6hnt die Praxis, und der Therapeut ruft die Frau an und sagt &#8220;Hat wieder mal funktioniert!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p> Aber hier war das ernstgemeint und nicht Seminarmethode, sondern sollte &#8220;Das Leistungsdenken, den Glauben an sich selbst und die Handlungsweisen der Gesellschaftbitterb\u00f6se aufzeigen&#8221;, wie in den Beschreibungstexten steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das mit den nationalsozialistischen Erziehungsmethoden der Dr. Haarer zu tun hat, wird mir nicht ganz klar, beziehungsweise finde ich diese Verkn\u00fcpfung zu den Assesmentmethoden und der F\u00fchrungskr\u00e4fteauswahl als zu plump und einfach gestrickt. Denn schlie\u00dflich sind es jetzt wahrscheinlich schon die Enkelkinder die zu F\u00fchrungsseminaren gehen und die wurden  oft von den Achtundsechzigern erzogen, die den &#8220;Struwwelpeter&#8221; und die Dr. Haarer l\u00e4ngst in den Mistk\u00fcbel geworfen haben und sie<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/02\/05\/bananama\/\"> antiautorit\u00e4r<\/a> aufwachsen lie\u00dfen, was, wie ich immer h\u00f6re, auch nicht gut ist.<\/p>\n\n\n\n<p> Gut hat mir aber die Anfangsstelle gefunden, wo der Consulter im Cafehaus sitzt, sich Zeitungen holt, als er zur\u00fcckkommt, sitzt eine alte Frau auf seinen Platz, sagt er kann sich dazusetzen. Er liest einen Artikel von einer Frau, die ein Sessel sein m\u00f6chte und die alte Dame spricht ihn darauf an, die ist dann offenbar der Mutterersatz und f\u00fchrt ihn durch das Buch und motiviert sein Aussteigen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt gleich ein Buch der Preistr\u00e4gerin des &#8220;Rauriser F\u00f6rderungspreises&#8221; von 2013. 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