{"id":9978,"date":"2011-11-14T09:48:09","date_gmt":"2011-11-14T08:48:09","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9978"},"modified":"2011-11-14T09:48:09","modified_gmt":"2011-11-14T08:48:09","slug":"die-asche-meiner-mutter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9978","title":{"rendered":"Die Asche meiner Mutter"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt die Besprechung von zwei B\u00fcchern oder eigentlich doch nur eines, aber das in zwei Teilen, das hei\u00dft kapitelweise von Sprache zu Sprache gelesen. Mit Frank McCourt &#8220;Die Asche meiner Mutter&#8221; in der wundervollen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/24\/harry-rowohlt-in-st-polten\/\">Harry Rowohlt<\/a> \u00dcbersetzung begonnen, denn das lag vor einiger Zeit im B\u00fccherschrank und das ist ein Buch das man lesen sollte, sicher eines f\u00fcr die &#8220;hundert B\u00fccher Liste&#8221;, die jeder Gebildete haben soll und das Original n\u00e4mlich &#8220;Angela Ashes&#8221;, hat mir Alfred aus New York mitgebracht, als er, 2000 war es wahrscheinlich, mit der Anna dorthin flog, um Tante Idas hundersten Geburtstag zu feiern und weil ich nicht so gerne Englisch lese, habe ich das Buch ins Regal gestellt. John Grishams &#8220;The Brethren&#8221;, hat er mir auch gebracht, das habe ich auf meinen Fahrten ins SMZ-Ost zur Supervision, die ich damals dort hatte, gelesen,  nicht sehr gut verstanden und konnte auch nicht nachschauen, gab es Internet ja noch nicht und auf Deutsch war es noch nicht erschienen.<br \/>\nAber das gleichzeitige Lesen des deutschen Buches und des Origninals kann ich wirklich nur empfehlen, die Anna hat sich zwar dar\u00fcber mokiert und gemeint, da\u00df ich beide B\u00fccher lesen soll, aber dazu habe ich nicht genug Zeit, warten ja schon andere.<br \/>\nWenn man aber auf Deutsch beginnt, hat man einen guten Einblick, dann gehts auf Englisch weiter und das deutsche Kapitel kann man auch \u00fcberfliegen und sich ein paar Worte einpr\u00e4gen, wenn man zum n\u00e4chsten Kapitel geht. So bekommt man, glaube ich, auch einen Eindruck von der \u00dcbersetzung und die habe ich sehr gut gefunden. Mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/19\/drei-bucher\/\">John Irvings &#8220;Der B\u00e4r ist los&#8221;<\/a> machte ich ja eine Negativerfahrung, aber das Buch habe ich nur in einem unverst\u00e4ndlichen Deutsch gelesen. Und noch eine Erfahrung, die man mit dieser Art des Lesens machen kann, das deutsche Buch hat f\u00fcnfhundertachtunddrei\u00dfig Seiten, die amerikanische Originalausgabe dagegen dreihunderzweiundsechzig, gut das Buch ist gr\u00f6\u00dfer, trotzdem l\u00e4\u00dft sich die Frage stellen, wie ausschweifend hat da Harry Rowohlt \u00fcbersetzt?<br \/>\nFrank McCourth wurde 1930 in New York geboren und ist 2009 ebendort gestorben, dazwischen lagen die Jahre einer irischen Unterschichtkindheit in Limerick, mit deren Beschreibung, 1996 im Ruhestand erarbeitet, er weltber\u00fchmt wurde und 1997 den Pulitzer-Preis bekommen hat. Das steht auch auf der amerikanischen Ausgabe, au\u00dferdem steht noch &#8220;A Memoir&#8221; darauf und diesen Ausdruck habe ich, glaube ich, von Ana Znidar beim &#8220;Tag der offenen T\u00fcr&#8221; des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/24\/vom-writersstudio-zum-drehbuchautorenforum\/\">Writers studio<\/a> das erste Mal geh\u00f6rt. Die bieten auch solche Schreibkurse an und im letzten Brief von <a href=\"http:\/\/www.blog.writersstudio.at\/?p=182\">Judith Wolfsberger<\/a> wird auch davon berichtet, da\u00df die Amerikaner mit dem Memorienschreiben, das bei uns immer noch einen Volkshochschulruf besitzt oder etwas f\u00fcr die Ghostwriter ist, die dann \u00fcber das Leben ber\u00fchmter Personen dr\u00fcberfahren, ganz anders umgehen als wir.<br \/>\nFrank McCourth, der Lehrer war, hat, wie ich Wikipedia entnehme, kreatives Schreiben unterrichtet, bevor er sich hinsetzte und mit seiner Kindheit in Irland ber\u00fchmt wurde. Inzwischen gibt es noch zwei Erinnerungsb\u00e4nde &#8220;Ein rundherunm tolles Land&#8221; und &#8220;Tag und Nacht und auch im Sommer&#8221;, wo er seine Erfahrungen als Lehrer verarbeitet. Dieses Buch habe ich inzwischen auch gefunden und habe es auf meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a>.<br \/>\n&#8220;Die Asche meiner Mutter&#8221;, ist wohl das ber\u00fchmteste, es wurde verfilmt und ich habe Ausschnitte daraus auch schon in den &#8220;Radiogeschichten&#8221; von \u00d61 geh\u00f6rt und zeigt, da\u00df man auch ein tristes Leben durchaus literarisch aufarbeiten kann, vor allem in Amerika, das die Leute ja zum kreativen Schreiben ermuntert und nicht nur eintrichtert, da\u00df man das nicht soll, weil man sonst ja vielleicht den hehren Goethe beleidigt, weil man es nicht gut kann. Frank McCourth kann es und erz\u00e4hlt seine Jugenderlebnisse so, da\u00df es die Leserinnen zum Weinen bringt und man sehr viel erf\u00e4hrt vom rauhen Leben in Irland in den Neunzigerdrei\u00dfiger und Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts.<br \/>\nGeboren wurde Frank McCourth aber in New York und da f\u00e4ngt das Buch auch an, mit der Geschichte der Mutter Angela, die die Reise \u00fcber das gro\u00dfe Wasser machte, dort Malachy McCourth einen S\u00e4ufer aus dem Norden Irlands heiratete und von ihm ein Kind nach dem anderen bekam. Gab es damals ja kaum Verh\u00fctungsmittel und man war wohl auch in New York nicht aufgekl\u00e4rt. So schildert Frank McCourth, wie er mit seinem j\u00fcngeren Bruder Malachy, den Vater aus den Wirtsh\u00e4usern holen soll, damit der den kargen Wochenlohn nicht vertrank und, wie der Vater seine Kinder nachts aus dem Bett holte, wenn er betrunken nach Hause kam und sie schw\u00f6ren lie\u00df, da\u00df sie f\u00fcr Irland sterben w\u00fcrden.<br \/>\nEr hat dann auch von Roddy McCorley und anderen Freiheitshelden gesungen und war in die kleine Margaret ganz vernarrt und als die starb, traf es die Familie hart, die Mutter blieb im Bett blieben, so da\u00df der kleine Frank beim italienischen Gem\u00fcseh\u00e4ndler Bananen f\u00fcr die kleineren Geschwister stehelen mu\u00dfte, weil die Mutter, die Kinder den ganzen Tag ins Freie schickte. Eine Nachbarin schreibt dann einen Brief an die Gro\u00dfeltern, so da\u00df die das Geld f\u00fcr Schiffspassage zur\u00fcck nach Irland schicken, wo aber beide Gro\u00dfeltern nicht entz\u00fcckt \u00fcber die Familie mit den vier kleinen Kindern sind. Zuerst leben sie eine Woche bei den Eltern des Vaters, dann kommen sie zu den Eltern Angelas nach Limerick, wo der Vater aus dem Norden ein Au\u00dfenseiter bleibt und vielleicht deshalb keine Arbeit findet. Wenn er eine hat, vertrinkt er das Geld und kommt am n\u00e4chsten Tag zu sp\u00e4t, so da\u00df er wieder stempeln gehen mu\u00df und dieses Geld auch vertrinkt. Ein Horror f\u00fcr die immer schwangere Mutter, die ihre Babies st\u00e4ndig sterben sieht und die in einem kleinen H\u00e4uschen wohnt, wo es von den Kloger\u00fcchen, der ganzen Stra\u00dfe ins Zimmer stinkt und die unteren R\u00e4ume  \u00fcberflutet sind, so da\u00df die Familie in den oberen Stock nach &#8220;Italien&#8221; zieht, wo es w\u00e4rmer ist.<br \/>\nEin Bild des Papstes gibt es auch und Zigaretten, die die Mutter st\u00e4ndig raucht, sonst ist kaum Geld f\u00fcr Tee und Brot im Haus, so da\u00df Frances mit seinem Bruder stehlen gehen mu\u00df, w\u00e4hrend die Mutter krank im Bett liegt und nach Zitronenlimonade verlangt. In solchen Zust\u00e4nden bekommt man leicht die Schwindsucht und auch Franks Augen machen nicht mit, so da\u00df sie immer rot geschwollen sind. die Zeiten im Spital sind trotzdem sch\u00f6n, denn da bekommt man was zu Essen, es ist warm, es gibt B\u00fccher und auch M\u00e4dchen, die einem was ins Ohr fl\u00fcstern. Nur wenn die dann sterben bekommt man Schuldgef\u00fchle, denn man lebt ja im streng katholischen Irland, wo alles von den Br\u00fcderschaften geregelt wird, die Lehrer einen nur stumpfe S\u00e4tze nachsagen lassen und die Mutter in den Pfarren, um Brot betteln mu\u00df und von den Jesuiten hinausgeworfen wird.<br \/>\nTrotzdem gibt es Aufwind, n\u00e4mlich den Krieg in Deutschland, der treibt die M\u00e4nner nach England in die Munitionsfabrik, wo sie dann Geld nach Haus schicken und wenigstens am Freitag Milch und Honig flie\u00dfen. Allerdings nicht in allen Familien, denn Malachy McCourth schickt kein Geld  und verschwindet dann vollst\u00e4ndig. Die Mutter wird mit den \u00fcberlebenden Kindern aus &#8220;little Italy&#8221; hinausgeschmissen und Frank verdingt sich trotz seiner schlechten Augen zuerst als Kohlenh\u00e4ndler, das hei\u00dft, er hilft einem solchen, der wegen seiner schlechten Beine, die nicht austragen kann und wird mit vierzehn Telegrammbote. Die gro\u00dfe Hoffnung ist Amerika und um Geld f\u00fcr die Schiffspassage anzusparen, schreibt er auch Drohbriefe f\u00fcr eine Schneiderin und hat sowieso wegen der Sexualit\u00e4t st\u00e4ndig Angst in die H\u00f6lle zu kommen und das ist in Zeiten, wo die Seiten mit der Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung aus den Zeitungen hinausgerissen werden, besonders schwierig und Aufkl\u00e4rung gibt es ja auch kaum. So hantelt sich Frank durch sein tristes Leben und erz\u00e4hlt mit Hilfe amerikanischer Schreibseminare sehr flott dahin, da\u00df das Buch ein Bestseller wurde und auch Nachahmer gefunden hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt die Besprechung von zwei B\u00fcchern oder eigentlich doch nur eines, aber das in zwei Teilen, das hei\u00dft kapitelweise von Sprache zu Sprache gelesen. 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