{"id":9993,"date":"2011-11-15T19:01:39","date_gmt":"2011-11-15T18:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=9993"},"modified":"2011-11-15T19:01:39","modified_gmt":"2011-11-15T18:01:39","slug":"bestandsaufnahme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=9993","title":{"rendered":"Bestandsaufnahme"},"content":{"rendered":"<p>Das ist der Versuch eines literarischen Textes mit und ohne Kanten nach den intensiven Eindr\u00fccken von vier Tagen Buch-Wien. Herumschauen, herumlaufen, danebenstehen, zwischen all den B\u00fccherbergen, dem Schauen, H\u00f6ren und dem Lesen von Texten, die alle besser als meine sind? Mitnichten, nichts davon, nat\u00fcrlich nicht und dennoch, trotzdem, Depression ob der eigenen Unbeachtetheit. Was mache ich denn falsch, nicht einmal einen klitzekleinen Verlag zu finden, w\u00e4hrend das den anderen scheinbar doch gelingt, w\u00e4hrend die anderen scheinbar sehr viel besser sind? Mitnichten, nat\u00fcrlich, nichts davon. Daran nicht glauben und daher weiter machen, schon fast vierzig Jahre lang. Achtundzwanzig B\u00fccher sind auf diese Art und Weise schon entstanden, f\u00fcnfundzwanzig im sogenannten Selbstverlag. Ein Wort, das ich nicht leiden kann und das infolgedessen auch nicht stimmt. Denn ich bin kein Verlag und keine Verlegerin, sondern eine realistisch schreibende Frau, eine ehemalige Hauptsch\u00fclerin mit einer wunderbaren Deutschlehrerin und Kn\u00f6delakademiesch\u00fclerin mit einer ebensolchen und tapfer dann entschlo\u00dfen versucht, sowohl zu schreiben, als auch Psychologie zu studieren. Alles beide festentschlossen und nicht geglaubt, da\u00df das so schwer sein wird und die T\u00fcren in den Literaturparna\u00df so ewig verschlossen bleiben, denn nat\u00fcrlich gedacht, es wird schon werden, wenn ich nur beharrlich bin. Mitnichten nichts davon, denn in dieser B\u00fccherflut der zweihunderttausend j\u00e4hrlichen Neuerscheinungen scheinen meine f\u00fcnfundzwanzig selbstgemachten B\u00fccher keine Chance zu haben und nicht aufzufallen. Da kann ich tun und machen was ich will und solches auch schon prophezeit bekommen.<br \/>\n&#8220;Das wird so bleiben!&#8221;, haben die wohlmeinenden Kollgeinnen gesagt und ich habe es nicht geglaubt. Wie k\u00f6nnen sie das wissen? Sind sie doch keine Hellseherinnen der Literatur. Man kann immer besser werden, hat die Verhaltenstherapeutin trotzig vor sich hingedacht. Dennoch haben sie bis heute rechtbehalten und trotzdem schreibe ich weiter, denn das kann man nicht verbieten und f\u00fchre diesen Blog. Einzigartig und ziemlich unbeachtet und interessiere mich auch weiter f\u00fcr Literatur. Deshalb beinahe bis zur Ersch\u00f6pfung auf der Buch-Wien herumgelaufen, unz\u00e4hlige Lesezeichen entgegengestreckt bekommen haben und auch mit meinem Interesse aufgefallen.<br \/>\n&#8220;Was machst du denn hier, bist du schon wieder, bist du immer da?&#8221;, verwundert und erstaunt gefragt worden sein. Und auch daneben gestanden, auf den Empf\u00e4ngen, wo sich die Insider k\u00fcssten und umarmten, daneben gestanden, gewartet und dann sch\u00fcchtern, das eine oder auch das andere Buch angefragt, denn die interessieren mich ja noch immer und ich lese sie sehr gern. Versuche mich ihnen wertsch\u00e4tzend zu n\u00e4hern und mich in ihnen wiederzufinden. Was ich auch kann, hat doch die Bestsellerautorin mit dem kurzen R\u00f6ckchen dieselbe Frage nach der literarischen Qualit\u00e4t, wie ich gestellt bekommen. Nur hat sie mehr Erfolg und geht entsprechend selbstbewu\u00dft mit diesen Fragen um.<br \/>\n&#8220;Das ist mir ganz egal!&#8221;, kann sie mit einem Blick auf die Lesermassen, die zu ihr gekommen sind, antworten, w\u00e4hrend ich, wenn ich nicht aufpasse, bei meinen Lesungen ganz alleine bin und dennoch trotzdem weiterschreiben. Libromanic, hypographic, scribophil,  wie nennt man dieses? Das habe ich mit einem Freund schon einmal diskutiert, w\u00e4hrend mir die Kollegen raten, doch nicht so viel zu schreiben. Warum nicht, wenn es mir Freude macht? Die Freude h\u00e4lt sich angesicht der Ignoranz und der Kritik, die immer wieder kommt, aber doch in Grenzen und so kann es schon einmal passieren, da\u00df mir die Tr\u00e4nen herunterrinnen, wenn ich bei einer Lesung einer Erfolgsautorin sitze und dennoch trotzdem tue ich es gern und bin, wie ich es schon einmal formulierte, von der Literatur besessen, die ja etwas Sch\u00f6nes ist und dann am Sonntagabend nach den vier Buchmessentagen inmitten der B\u00fccherberge, der Buchhandlung Thalia doch etwas ersch\u00f6pft und mi\u00dfgestimmt. Wo bleibt die Freude am f\u00fcnfundzwanzigsten eigenen Buch? Das erst einen Tag sp\u00e4ter ausgeschickt werden wird, an die Nationalbibliothek, die ihr Pflichtexenmplar haben will, an die Dokumentationsstelle f\u00fcr Literatur, an die Alte Schmiede f\u00fcr die Textvorstellungen und den ORF f\u00fcr einen Sendetermin. Irgendwo sollte ich das neue Buch auch pr\u00e4sentieren und an ganz kleinen Orten, wo dann zwei drei Leser kommen, gelingt das manchmal auch. Wenn ich es aber bei Wikipedia eintrage, streicht man es mir dort neuerdings heraus.<br \/>\n&#8220;Eigenverlag wollen wir nicht!&#8221;, hei\u00dft auch hier die Devise, es bleibt die Hoffnungslosigkeit und die Frage nach den Alternativen. Aufgeben nie, das tut man nur bei einem Brief, ganz klar und es ist ja auch sehr sch\u00f6n, das neue Buch. Nur schade, da\u00df das niemand merkt und auch schon die Kritkierstimmen kamen. Aber ebenfalls ganz klar, gibt es ja zweihunderttausend Neuerscheinungen, von denen man h\u00f6chstens zweihundert im Jahr lesen kann und damit ist man schon sehr besch\u00e4ftigt. So h\u00e4lt sich auch der Erfolg in Grenzen, ebenfalls ganz klar. Und denoch, trotzdem ist da eine, die interessiert sich sehr f\u00fcr Literatur und schon sehr lang daf\u00fcr. Vor vielen vielen Jahren von einem Freund geraten bekommen, sich am eigenen Schreiben zu freuen und nicht nach dem Erfolg zu schielen. Damals dar\u00fcber sehr emp\u00f6rt. Denn die Elfriede Jelinek und der Peter Handke tun das doch ebenfalls nicht. Heute sich dabei ertappen, das als Erfolgsrezept zu formulieren und etwas sp\u00e4ter doch zusammenzuzucken. So nicht, so soll es doch nicht sein. Was aber ist die Alternative und warum finde ich keinen klitzekleinen Verlag? Andererseits gefallen mir meine B\u00fccher sehr. H\u00e4tte aber doch ganz gerne ein klein wenig Aufmerksamkeit. Denn da ist eine, die interessiert sich sehr f\u00fcr Literatur. F\u00fcr die eigene und die der anderen und kann ihr neues Buch nicht bei Wikipedia pr\u00e4sentieren. Macht nichts, gibt es ja das Literaturgefl\u00fcster und die eigene Website und da steht nat\u00fcrlich alles drin. Bleibt dann noch das Eigenlob und die eigene Laudatio auf das unerm\u00fcdliche Werk, denn da ist eine, die interessiert sich sehr f\u00fcr Literatur.<br \/>\n&#8220;Es ist wie es ist!&#8221;, sagen die Liebe und Erich Fried. Den Erich Fried Preis bekommt aber immer jemand anderer und man soll sich auch nicht selber loben, das hat man schon in der Schule gelernt, obwohl das heute wenigstens die Hilfsorganisationen &#8220;Empowering&#8221; nennen. Soll man aber schreiben, darf man es, wenn man es kann? Man darf es nicht, um den gro\u00dfen Goethe nicht zu beleidigen, einmal, wenn ich es recht erinnere, Andre Heller in einer B\u00fcchersendung sagen geh\u00f6rt zu haben. Aber der schreibt ja selbst und hat seine eigenen vielbeachteten B\u00fccher und es ist ja sch\u00f6n, wenn man es kann. Vor allem in Zeiten, wie diesen, wo man das in den Schulen nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich lernt und die Lesef\u00f6rderung \u00fcberall angesagt ist. Dann bekommen die Volksschulkinder, die \u00fcbergebliebenen &#8220;Edition-Zwei&#8221; &#8211; Exemplare in die Hand gedr\u00fcckt, die offenbar trotz F\u00f6rderung, auch nicht die rechte Beachtung finden und ich stehe etwas verloren bei der Kochb\u00fchne herum, stopfe mir den Beinschinken von dem gl\u00fccklichen Bioschwein aus Gars am Kamp in den Mund, e\u00dfe Brot und Kren dazu und sage einer netten Dame, die sich dar\u00fcber wundert, &#8220;Ich bin ja schon sehr lange da!&#8221;<br \/>\n&#8220;Es ist doch erst elf!&#8221;, wundert diese sich. Ja, aber schon Sonntag und da hatte ich bereits sehr viele B\u00fccher angesehen und Lesungen geh\u00f6rt und bin in dieser Zeit nat\u00fcrlich nicht zum Lesen gekommen, obwohl auf meiner Hundertb\u00fccherliste noch neun ungelesene B\u00fccher stehen und schon wieder ein neu Erschnorrtes hinzugekommen ist.<br \/>\n&#8220;Hineinstopfen und hinauskotzen!&#8221;, nennt es meine Kritikerin. Ich nenne es anders, bin ich ja immer noch vom Wort begeistert, schwimme aber nicht im W\u00f6rthersee und werde auch nicht nach Klagenfurt eingeladen. Die &#8220;Drei S&#8221; liegen indessen unbeachtet im Regal, denn da ist ja der Gedanke,&#8221;Wozu soll ich mich abm\u00fchen, es bringt ja sicher wieder nichts!&#8221;<br \/>\nAber aufgeben nie, das tut man nicht bei einem Roman. Ich kann ja weiterschreiben und wenn ich das nur gen\u00fcgend selbstbewu\u00dft praktiziere, habe ich meinen Teil getan. Denn da ist ja eine, die interessiert sich sehr f\u00fcr Literatur, lautet doch die Dankesrede, die ich halten w\u00fcrde, wenn&#8230;<br \/>\nIch halte sie mir selber und ziehe mich nach einem intensiven Arbeitstag, in dem ich nach dem intensiven Buchmessenherumgelaufe der letzten Tage, dem Erleben aus der ersten Hand, erstaunlich schnell zur\u00fcckgefunden habe, mit dem dicken, von der Buchmesse nach Hause gebrachten Buch in die Badewanne zur\u00fcck. Denn da ist eine, die interessiert sich trotz aller fehlenden Ecken, Kanten und vielen Schwierigkeiten  sehr f\u00fcr Literatur, tut was sie kann und schreibt dar\u00fcber und wem das interessiert, dem dankt sie sehr!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist der Versuch eines literarischen Textes mit und ohne Kanten nach den intensiven Eindr\u00fccken von vier Tagen Buch-Wien. 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