Island ist das Gastland der heurigen Buchmesse in Frankfurt und soweit ich das beurteilen kann, wird das ein bißchen stärker präsentiert, als es vor einem Jahr Argentinien und vor zwei Jahren bei China war. Vielleicht hängt das mit dem Land zusammen, das ein bißchen exotisch ist und sowohl eine starke Naturgewalt, als auch seine Sagas und eine Sprache hat, die sich seit dem Mittelalter nicht sehr verändert hat.
“Wenn es das Wetter erlaubt, kommen wir wieder zusammen!”, sollen sie Isländer, habe ich gehört, sagen und sich über die Vulkanausbrüche nicht sehr aufregen und weil sie von der Natur so sehr abhängig sind, ziehen sie sich auf das Lesen und das Schreiben zurück. Ein kleines Land in dem es sehr viele Verlage gibt, wo die Leute viel lesen und auch selber schreiben, jeder Prominente hat seine eigene Biografie und außerdem sollen die Leute an Feen, Hexen und Trolle glauben, bzw. an Elfen und wo die wohnen, wird dann die Straße herumgebaut.
Das gehört vielleicht zum Klischee, ich weiß es nicht, war ich ja noch nicht in Island, weiß nur, daß Herr Lindner in seine kleine Galerie in der Schmalzofgasse vor Jahren ein paar isländische Künstler eingeladen hat, mit denen ich mich nach der Vernisage unterhielt und als ich mit dem Alfred vorigen Sonntag auf der Rudolfshöhe war, sind wir mit drei Leuten an einem Tisch gesessen, wo mir die Tochter, eine Bankerin, ihr Handy mit Aufnahmen aus Island und den Naturschönheiten, die es dort gibt, entgegengehalten hat und die waren tatsächlich sagenhaft.
Sonst weiß ich nicht viel über Island, seit ein paar Wochen hört man aber im Radio darüber, hatte Ö1 ja einen Island Schwerpunkt und im Literaturhaus bin ich vorige Woche auch gewesen, das war aber eine Veranstaltung der Exilbibliothek und als Viktor Urbanic mit seiner Frau und seinen Kindern nach Island kam, soll es dort noch kaum Straßen und keine Autos gegeben haben, inzwischen ist Island zu einem der reichsten Länder aufgestiegen und 2008 durch den Bankencrash wieder hinuntergefallen und heuer ist es Gastland in Frankfurt und dafür wurden zweihundert Bücher, glaube ich, übersetzt und es gibt auf der Messe einen Islandpavillon und dafür wurden die Isländer aufgerufen sich vor ihren Bibliotheken zu fotografieren und das Bild auf facebook zu stellen, dreißig Portraits wurden für die Messe ausgewählt und so kann man in dem Pavillon unter den Bildern von lesenden Menschen herumgehen, Kaffee trinken und wahrscheinlich auch mit isländischen Autoren sprechen.
Ich war ja zweimal auf der Frankfurter Buchmesse 2000 und 2002, da war einmal Polen und das andere Mal Litauen das Gastland, da kann ich mich noch sehr genau an die Pavillons erinnern. Ich glaube, es gab dort Gratiskaffee, den ich mir auch immer holte, von 2000 habe ich noch viele Portraithefte polnischer Autoren und ein T-Shirt mit einem wilden Kopf, wo ich mir übersetzten ließ, daß “Willkommen in Breslau” oder so, darunter steht, im Litauen-Pavillon gab es Teesackerln zur freien Entnahme, heuer werden in Frankfurt die Bücher der isländischen Autoren zu finden sein und darüber weiß ich nicht sehr viel.
Gar nichts eigentlich, außer den Namen Halldor Laxness und der Tatsache, daß der 1955 den Nobelpreis bekommen hat und da konnte ich mir vorstellen, daß ich was von ihm mit der Bibliothek meiner Eltern erbte, was aber nicht zu stimmen scheint.
Ex Libris hat in den letzten Wochen ein bißchen Nachhilfeunterricht gegeben und so hatte ich ein paar der unaussprechlichen und schwer zu merkenden Namen gehört und ein Prospekt habe ich in einer Buchhandlung, als ich beim Tag der offenen Tür im Writersstudio war, auch gefunden, inzwischen aber wieder weggelegt und dann lagen auch im Literaturhaus vor einer Woche einige Bücher auf und da ich seit Mittwoch ziemlich intensiv das blaue Sofa in Frankfurt verfolge, das jeden Tag eine isländische Autorin oder einen Autor bringt, verfolge, hat sich mir der Name Kristof Magnusson eingeprägt. Das ist zwar ein deutscher Autor, er hat aber eine “Gebrauchsanweisung für Island” geschrieben und die habe ich, glaube ich, im Literaturhaus durchblättert und, daß Island ein Land mit sehr bedeutenden Krimiautoren ist, habe ich inzwischen auch erfahren. Ich habe zwar noch keinen gelesen, gestern war aber Arnaldur Indriöason auf dem blauen Sofa und der hat mehrere solche geschrieben und dann gibt es Frau, nämlich Kristin Steinsdottir, die mit dem Roman “Im Schatten des Vogels” ein Stück isländischer Geschichte aufdeckte, wo die Leute am Land ihre Verwandten mit psychischen Problemen einfach in Kisten steckten, weil ein Psychiater zu teuer war oder als Schande galt. Heute saß am Sofa Steinunn Siguröardottir, die in Frankreich und jetzt in Berlin lebt und mit “Der gute Liebhaber”, einen Roman von einem Muttersöhnchen geschrieben hat, der sich plötzlich im Bett mit einer Psychoanalytikerin befindet, die ihn aufblättert.
Der Bankencrash scheint bei den jüngeren Autoren auch eine Rolle zu spielen, so gibt es einen Roman, der “Eine Frau” oder so ähnlich heißt und von einer solchen handelt, die von einem Banker in ein tolles Apartement eingeladen wird und dann entdeckt, daß sie von dort nicht mehr herauskann. Leider habe ich den Namen Autor vergessen, es gibt aber noch einen anderen Roman, der im Radio vorgestellt wurde, nämlich Hallgrimur Helgasons “Eine Frau bei 1000 Grad”, der von einer alten Kämpferin handelt, die sich mit einer Grantate in einer Garage eingeschlossen hat.
Ob ich das alles jemals lesen werde, weiß ich nicht, bin aber, als ich in meinem Bibliothekskatalog blätterte, darauf gekommen, daß ich doch einen Roman von Halldor Laxness habe, nämlich “Atomstrom”, wofür er, glaube ich, auch den Nobelpreis bekommen habe, in der schönen alten rororo Taschenbuchausgabe, die ich ja ein bißchen sammle und das ist ein Buch aus dem offenen Bücherschrank, bei dem es eine Neuerung gibt, nämlich einen Zettel, an die Benützer, daß sie sich, weils dort letzter Zeit öfter leer war, nicht so gierig bedienen, sondern überlegen, ob sie schon alle Bücher gelesen haben, die sie dort entnahmen. Das betrifft mich nun ein bißchen, habe ich ja noch einige Ungelesene auf meiner Leseliste stehen, aber vor “Atomstrom” entweder 2011 oder im nächsten Jahr einzuplanen. Da hinke ich mit meinen Leselisten ja ein bißchen nach, habe ich mir ja vor drei Jahren, als die Türkei Gastland war und ich den Besitz von Yasar Kemals “Granatapfelbaum” bei mir entdeckte, vorgenommen, das Buch zu lesen und es noch immer nicht getan und auch das Buch von Borges, das mir der Martin einmal zum Geburtstag schenkte, herausnahm, habe ich wieder in das Regal zurückgelegt. Jetzt liegt “Atomstrom” auf der Falter Bücherherbst Beilage am Wohnzimmertisch, bei dem ich in den letzten Tagen öfter mit dem Laptop saß und nach Frankfurt surfte und stimmt mich optisch in das sagenhafte Island ein, in dem die Leute lesen, Bücher schreiben und eine wunderbare Landschaft haben, in die man vielleicht einmal fahren sollte, aber noch habe ich einen Tag zum Buchmessensurfen und da, habe ich gesehen, treten auch noch ein paar isländische Autoren auf.
Author: jancak
Leonardos Hände
“Wenn einer stirbt, heißt das hier, der kauft nicht mehr ein”, lautet der erste Satz von Alois Hotschnigs 1992, erschienenen Roman “Leonardos Hände”, der, wie auf der ersten Seite steht, von einem zweiunddreißigjährigen Techniker handelt, der einen tödlichen Unfall verursacht, Fahrerflucht begeht und daraufhin sein Leben ändert, Rettungsfahrer wird, um ohne aufzufallen in die Nähe seines Opfers, der Kunstgeschichtestudentin Anna Kainz zu gelangen, die seither im Koma liegt.
“Dafür eine eigene Sprache zu finden und mit diesen Motiven einen Roman zu gestalten, dessen Handlung nicht nur spannend, sondern dessen schwierige Figuren auch psychologisch überzeugend sind, das ist eine Leistung, mit der sich Alois Hotschnig in die vorderste Reihe der deutschsprachigen Autoren geschrieben hat”, meint Werner Fuld in der Frankfurter Zeitung.
Mit dieser Information wird man in den hundertzweiundsiebzig Seiten Roman gestoßen, der zuerst ganz anders beginnen. Da spielen sich auf den ersten Seiten die Gespräche und die Erlebnisse des Rettungsfahrers mit den alten Leuten ab, die er in die Spitäler und Ambulanzen bringen soll, ihre Erzählungen über den Krieg, ihre Beschwerden und auch die Erlebnisse mit den alten Damen, die ihm auf einmal an die Hose greifen und weil Alois Hotschnig einmal Medizin studierte, wird das auch sehr genau und präzis beschrieben, daß man glauben könnte, man befände sich in dem Stück “Sibirien” von Felix Mitterer mit Fritz Muliar.
Nach und nach erfährt man, was schon auf der ersten Seite verraten wurde. Da war der Unfall, nach dem Kurt Weyrath sein Leben total änderte, den Beruf und seine Erfindung aufgab, die Freundin verließ, in ein Hotel zog, des Nachts an der Innbrücke, wo der Unfall passierte, herumspaziert, zum Spezialisten für Unfälle wird und auch einmal durch besonderes Bemühen ein Menschenleben rettet.
Er fühlt sich auch verfolgt, ist nicht sicher einen Mitwisser zu haben, entdeckt unter den anderen Rettungsfahrern auch Schicksalsgenossen, denen etwas Ähnliches passiert sein könnte und beginnt mit dem Unfallsopfer zu kommunizieren, bis er Anna in einem Heim entdeckt, wo die Komapatienten ausgelagert werden und in der Zeitung davon liest, daß es einem Professor gelungen ist, sie wieder ins Leben zurückzuholen. Kurt Weyrath wird an ihr Bett gerufen, das er nicht mehr verläßt, sondern trotz Konflikte mit den Schwestern, sich zu Anna setzt, ihr aus Büchern der Kunstgeschichte vorliest und sie so nach und nach wirklich ins Lebens zurückbringt.
In eindrucksvollen Monologen, Zwiegesprächen und einer sehr poetischen Sprache, wird diese Geschichte, vielleicht nicht immer ganz verständlich erzählt. Er bekommt Schwierigkeiten auf seinem Arbeitsplatz, läßt sich kündigen, um bei Anna zu sein, die inzwischen schon gehen kann, aber nicht sprechen will. Das hat natürlich auch eine psychologische Dimension, denn wie wird es Anna gehen, wenn sie erfährt, daß er der Mörder ihrer Eltern ist, eine interessante Frage, wie ein solcher Roman enden kann, ohne kitschig zu werden oder die Mißrauchsgrenzen zu verletzten?
Alois Hotschnig wählt einen anderen Weg, wechselt noch einmal die Romanstruktur und macht aus dem Liebesroman einen Drogenkrimi, denn für die, die sich fragen, wieso das Ganze “Leonardos Hände” heißt?
Anna hat, bevor sie ins Koma gefahren wurde, in Rom und Venedig, die Werke von Michelangelo und Leonardo da Vinci studiert und ist dabei einem Pharmaziestudenten in die Hände gefallen, der sie süchtig machte. Also so Hotschnigs Schluß, bzw. das was Anna ihrem Kurt erzählt, ist Kurt nicht Schuld an ihrem Unfall.
Anna ist jedenfalls wieder gesund geworden und fühlt sich verfolgt, erzählt Kurt die Geschichte von Leonardos Hände und Peter Röhrler und balanziert mit ihm Nächtens auf der Innbrücke, wo es ein Gitter gibt, damit die Selbstmörder nicht springen können. Trotzdem wird der Drogenkurier dort tot aufgefunden, Anna ist verschwunden, Kurt wird des Mordes verdächtigt, was der Kriminalkommissar, in die Zeitung setzten läßt damit Anna zurückkommen kann, worauf sie auch verdächtigt wird, an der Geschichte beteiligt zu sein.
“Ich lasse mich nicht mehr begraben, wofür auch. Für dich? Ich hole mich hier wieder heraus. Ich hole uns hier wieder heraus. Und vielleicht, ich bin nicht sicher, sagen wir so, fängt es dadurch mit uns an.”, lauten die letzten Sätze. Der letzte heißt “Aber das stimmt nicht.” Dem Buch ist noch als Motto “Es ist alles erfunden”, vorangestellt.
Alois Hotschnig wurden, wie schon beschrieben, von der FAZ große literarische Qualitäten bescheinigt, Andreas Breitenstein von der Neuen Zürcher Zeitung, nennt es Auferstehungs- und Erlösungsgeschichte, Milieustudie, Kritik pervertierter familiärer Machtverhältnisse, u.u.”
Vielleicht wurde in die hundertziebzig Seiten ein bißchen zuviel hineingepackt.
Mich hat der Sprung von der psychologisch realen Situation, was ist, wenn mir wirklich so etwas passiert, in die natürlich kitschige Rettungsgeschichte mit der Lösung dann noch einen Kriminalroman daraus zu machen, mit einem gewissen Unbehagen zurückgelassen. Aber vielleicht passiert das alles auch nur in seinem Kopf?
Alois Hotschnig wurde 1959 geboren, hat viele Preise gewonnen, seinen Namen kenne ich, durch den Preis des Landes Kärnten beim Bachmannpreis, den er 1992 gewonnen hat, vom Erich Fried Preis 2008 habe ich sicher geschrieben und während ich auf das Lesen des Buches, das schon lange auf meiner Liste stand, gewartet habe, ist er auch noch der erste Gert Jonke Preisträger geworden.
Den Erzählband “Die Kinder beruhigte das nicht”, habe ich einmal bei “Rund um die Burg” gewonnen, als die “Buchkultur” noch Gewinnspiele hatte, aber nicht gelesen, weil ich Erzählbände nicht so mag und auf diversen Lesungen, zum Beispiel auf der Buch-Wien 2009 aus “Im Sitzen läuft es sich besser davon”, habe ich ihn auch gehört.
Alltag, Stimmung, Sphären
Wieder einmal Textvorstellungen moderiert von Angelika Reitzer in der Alten Schmiede, wo sie wieder drei starke jüngere Frauenstimmen, geboren 1967, 1980 und 1985 vorstellte. Ich verfolge die Angelika Reitzer Veranstaltungen schon von Anfang an und war auch bei fast allen, so daß ich Valerie Fritsch durch sie kennenlernte, Sandra Gugic weiterverfolgen konnte, etc.
Jetzt habe ich zwei neue Autorinnen kennengelernt, da ich Nadine Kegele schon beim letzten Volksstimmefest hörte und die Veranstaltung sozusagen als Abwechslung zum intensiven Buchmessensurfen, das ich dieser Tage intensiv betreibe, betrachtet.
Christl Greller habe ich gleich beim Eingang gesehen, ansonsten vorwiegend junge Leute, die glaube ich, hauptsächlich aus dem Bekanntenkreis Nadine Kegeles stammten, die ihnen die Stränge aus dem Romanprojekt, aus dem sie zu lesen plante, erklärte.
Angelika Reitzer begann mit einem Zitat von Wilhelm Genazino zu Kleidern und erklärte, daß das auch sehr gut zu den Texten der drei Frauen passen würden, die sie alle durch eine Publikation in der Rampe, die sie gemeinsam hatten, kennenlernte.
Begonnen hat die Älteste der drei, die 1967 in Linz geborene Wirtstochter Karin Peschka, mit drei Texten von denen der erste “Fräulein Luise oder der kleine Lärm” von der Geruchsbelästigung durch eine Sandlerin handelte, die sich in einem aufgelassenen Ein Euro Shop auf Gratiszeitungen mit ihren Billasackerln ausbreitete und dabei den Tetrapack Wein verkonsumierte.
Sehr poetisch eine Sandlerin “Fräulein Luise” zu nennen. Das war auch der ganze Text und der zweite mit dem Titel “Donauwalzer”, aus einem Zyklus, wo zwei Frauen miteinander tanzen, während sich ihre Männer über ihren Hintern unterhielten.
Der dritte war noch ungewöhnlicher in unserer Zeit, wo man konkret, poetisch oder höchstens realistisch aber auf gar keinen Fall “altmodisch” schreiben darf. War doch die Familiengeschichte des Mariechens, das mit seinen Käfern spielt, bei der Mutter Bindfaden aus dem Mund kommen sieht und den Tod schließlich aus dem Zimmer der Großmutter vertreibt, sehr märchenhaft.
Oder war es doch die magische Phase des Kindes? Karin Peschka hat, wie sie sagte, auch als Sozialarbeiterin gearbeitet, daher sind ihr alle Schichten vertraut, die Großmutter, die sich zum Sterben aber ein Kreuz mit schwarzen Hühnerfedern wünscht, hat offenbar ihre magischen Gaben an die Enkeltochter weitergegeben, während sich die Mutter ausgeschlossen fühlt und zwar “Vater” zum Großvater sagt, von diesem aber nur mit “Hey du!” angesprochen wird.
Interessant und ungewöhnlich und sehr poetisch, dann kam die 1980 in Vorarlberg geborene Nadine Kegele, die ich wie schon beschrieben, beim letzten Volksstimmefest hörte, die im Literaturinstitut in Leipzig aufgenommen wurde und nun aus einem sehr neuen Romanprojekt las, das sie für ein Stipendium einreichte, das wie sie meinte, aber noch sehr unfertig sei und das war ein rasanter Reigen von Beziehungen, die durch das Leben rasten, ein Michael, ein Alex, ein Gregor, eine Caro und noch ein paar andere kamen vor.
Nachher wurde diskutiert, ob das als Episodenroman zu verstehen sei und es eine Handlung gibt? Angelika Reitzer erwähnte noch etwas von Sprichwörtern, die sie in den Texten gefunden hätte.
Die dritte Leserin, die 1985 ebenfalls in Linz geborene, Marianne Jungmaier, auch eine unter Dreißig, die Film studierte und die Leondinger Akademie des Schreibens absolvierte, überraschte ebenfalls mit einem sehr poetischen Text “Wintersonnenwende”, die Geschichte einer Frau, die sich plötzlich im Hause eines Jakobs und seiner Mutter befindet, von ihr gefragt wird, ob sie Kinder mit ihm haben will, danach die Mutter pflegt und schließlich Jakob, nachdem sie seine, ihre und die Wäsche der Mutter gewaschen hat, wieder verläßt.
Dann kam noch ein Reisetext, der sich mit Marianne Jungmaiers Träumen vermischte, zu dem sie Rückmeldung wünschte.
Träume haben auch in der ersten Geschichte eine Rolle gespielt, träumt doch die Ich-Erzählerin vom Tod ihrer Mutter.
Sehr poetisch die Alltagsphärengeschichten der drei jungen Frauen, poetisch und doch auch realistisch, zumindestens die Personen von Karin Peschka, die Knechte und die Sandlerinnen und keine Intellektuelle, wie Angelika Reitzer in der Diskussion anmerkte und dann wieder magisch märchenhaft.
Wieder bin ich sehr gespannt, was und wieviel ich von den Autorinnen noch hören werde und jetzt werde ich die junge Poesie der Alten Schmiede wieder verlassen und mich für den Rest der Woche zu den großen Stimmen, die sich in Frankfurt auf das blaue Sofa setzen oder sich von 3SAt bzw. ARD interviewen lassen, begeben.
Schönheit und Vergänglichkeit
In der Sammlung Essl gibts gerade eine Ausstellung zu diesem Thema, wo Werke von Jörg Immendorff, Jannis Kounellis, Zoran Music, Marc Quinn, Daniel Spoerri und Antoni Tapies zu sehen sind.
“Schönheit und Vergänglichkeit, was ist das?”, könne man naiv fragen. Alles Schöne ist vergänglich, die Menschen werden alt und die schönen jungen Mädchen alte Frauen, die ihre Haare und Zähne verlieren, bzw. sie von einer Schönheits, Kosmetik und Gesundheitsindustrie ersetzt bekommen, aber das ist ein anderes Thema. Eva Rossmann, hat gerade einen Krimi darüber geschrieben. Die Sammlung Essl interessiert sich mehr für die moderne Kunst und interessant, daß sie Daniel Spoerri mit seinen Bildern, wo er die Reste eines wahrscheinlich schönen Essen zum Kunstwerk macht und es dadurch vor der Vergänglichkeit bewahrt, dazu zählt und wieder interessant, daß die Sammlung Essen, siebzehn vorwiegend junge Autoren, stimmt nicht ganz, Manfred Chobot ist auch dabei, aber der ist auch ein Galerlist und hat vielleicht seine besondere Beziehung zur Sammlung Essl und den erwähnten Künstlern, eingeladen hat, einen Text dazu zu schreiben und auch eine Lesereihe hat, wo man bei freien Eintritt, die Texte hören kann und EINKUNSTLESEBUCH, wo man die Texte lesen und ein wenig über die Werke erfahren kann, gibt es auch.
Das Vorwort stammt von KarlHeinz Essl, dann gibt Andreas Hoffer, der Kurater einige Betrachtungen zur Ausstellung, dann kommen schon die Texte der Autoren, von denen ich nicht alle kannte, obwohl mich einige der Namen dazugebracht haben, mich für das Buch zu interessieren, sind ja einige dabei, die zu meiner “Unter Dreißig”-Serie passen. Einige im Literaturbetrieb sehr Bekannte und dann wieder Uunbekanntere, die vielleicht auch eher aus dem Bereich der bildenden Kunst kommen. Und interessant, daß sich viele, nicht alle, in ihren Texten auf die ausgestellten Bilder beziehen und sie in ihre Geschichten verweben.
Erwin Uhrmann, der auch einen Text im Buch hat und seit 2010 in der Sammlung Essl arbeitet, scheint, wie Alexander Peer in seinem Text erwähnt, mit den Autoren durch die Ausstellung gegangen zu sein und ihnen vielleicht auch einige der Exponate ans Herz gelegt zu haben.
So schließe ich mich diesem Rundgang an, beginnt es ja nach den Grußworten mit der Geschichte “Anna und Maria im Doppelpack”, des 1947 geborenen GAV Kollegen, Manfred Chobot, der ja auch eine Galerie Chobot hat, die ich vor kurzem mit Gabriele Petricek und Maria Gornikiewicz, nach der Podium Schlußveranstaltung in der Alten Schmiede besuchte, in der es um zwei Zwillingsschwestern, höchstwahrscheinlich dem Synonym für Schönheit und Vergänglichkeit geht, die einander so ähnlich sind, daß sie ihre Eltern nicht erkennen und sie führen auch ein so gemeinsames Leben, daß zwar die eine Kunstgeschichte, die andere Theaterwissenschaft studiert, sie machen ihre Prüfungen aber trotzdem abwechselnd, dann heiraten sie auch noch gemeinsam den selben Mann, das heißt, zum Traualtar geht nur eine, die zweite erwartet, den Glücklichen aber schon im Ehebett, die ausgestellten Künstler, wie etwa Zoran Music, der im KZ Dachau heimlich einige seiner Kunstwerke malte, kommen immer wieder vor und am Schluß verschwindet der junge Ehemann, während Annamaria zusammen bleiben, eine interessante Darstellung des Themas.”
Die mir bisher unbekannte Rabea Eden, 1982 geboren und in Berlin und in Siena als freie Autorin und Übersetzerin arbeitend, verläßt dagegen mit “Nach Parlanam”, die Enge des Kunstmuseums und zeichnet eine Welt der schönen Vergänglichkeit, wo die Frauen Augenklappen und die Männer Mützen aus Hundefell tragen.
Es gibt auch theoretische Texte, wie den von Fabian Faltin, den ich nicht kannte und dessen Lebenslauf ich entnehme, daß er 1980 geboren wurde und einen Debutroman bei Milena hat.
Dann wird es mit Andrea Grill wieder literarischer. Sie greift in dem Drama “Schön und Schwarz”m wieder das Zwillingsmotiv auf, da treffen sich die Chefredakteurin Schön und die Malerin Schwarz bei einer Hochzeit, wo die in der Sammlung Essl ausgestellten Künstler auftreten.
Der Kubaner Ernesto Susana hat Gedichte zu den Werken Zoran Music und Jörg Immenhof gemacht, die von Erwin Uhrmann übersetzt wurden. Josef Kleindienst der voriges Jahr beim Bachmannpreis gelesen hat, hat einen Text, der sich auf Daniel Spoerris “Assemblage mit dem Kopf eines Pferdes” bezieht, Mieze Medusa kommt vor und Lukas Meschik, auch ein Autor unter Dreißig, der glaube ich, bei Luftschacht verlegt, hat mit der “Entsalzung der Meere”, ein Assoziat geschrieben. Was ist ein Assoziat? Lukas Menschik gibt gleich Auskunft, daß es sich dabei um eine Textsorte handelt, die er “einführte und auf lange Sicht durchzusetzten gedenkt. Wo Essay das poetische Element ausspart, der Versuch zu kurz griffe und Novelle, Erzählung oder Roman zu weit hergeholt wären.”
Es geht um den Tod und um einen Gang vom Karlsplatz und den Karlsplatzsüchtlern durch die Opernpassage, wo sehr genau die “Wachheit und die Schönheit” beschrieben wird.
“Eine Frau nippt am Erdbeersaft, verschluckt sich, blutbesprenkelte Hose”
Weiter gehts zum Parlament dem Bundeskanzler Furzmann und dem ehemaligen Vizekanzler Proll, dem Speichellecker nachfolgte, was dem Autor zu der Aussage kommen läßt “Daß das Innenleben der Politiker hässlich ist.”
Es geht dann weiter ins Museum der Geräusche bzw. dem der Stille, das Fernsehen berichtet über das Kunstgeschehen, während sich der Busfahrer in die Tonbandfrau verliebt, ein herrlich assoziativer Text, der mit “Die Entsalzung der Meere” endet.
Von Alexander Peer, der 1971 in Salzburg geboren wurde, bei Limbus, Wieser und Art Science verlegte, habe ich schon geschrieben. Er berichtet von seinem den Rundgang durch die Sammlung Essl, erwähnt lobend das Honorar, das ihm für den Text geboten wurde und überlegt dabei nur, daß er damit nicht so reich, wie Immendorf werden wird, bzw. er sich davon keines seiner Werke kaufen kann.
Michael Stavaric hat über Marc Quinn und Alison Lapper ein fikitives Tagebuch geschrieben. Die Dramatikerin Gerhild Steibuch, die auch einmal beim Bachmannpreis gelesen und sehr jung den Reinhard Priessnitz Preis bekommen hat, hat einen Text und Magda Woitzuck, die am Schluß wieder etwas realistischer wird. Da geht es um einen Liebeskummer, den die Ich-Erzählerin veranlaßt mit einer von ihrem Vater gestohlenen “Blendung” von Elias Canetti, sich in die Tropen zurückzuziehen, wo sie in der Nacht ihren unter Drogen stehenden Nachbarn in ihren Bungalow nehmen muß, der ihr von seinen Phantasien “Zurück nach Troja” erzählt.
Ein interessantes Buch, das durch eine Ausstellung führt und hier vielleicht den bildenden Künstlern, die Literatur, den Literaten die bildende Kunst erklären soll. Ich würde mich der zweiten Gruppe zuzählen und habe sowohl einige Werke Zoran Music und Jörg Immendorff, etc kennengelernt, als auch einige Texte einiger interessanter Literaten gelesen, obwohl ich ja Kurzgeschichten und Anthologien, wie ich immer schreibe, gar nicht so mag.
Morde in Döbling
Lina Loos “Geschichten vom Theater und vom Leben”, gab es heute als “Frauen lesen Frauen” Veranstaltung des ersten Winer Lesetheaters im Amerlinghaus. Angelika Raubek hat den Abend gestaltet, Hilde Schmölzer und Judith Gruber-Rizy haben unter anderen mitgewirkt.
Die Schauspielerin, Journalistin und Schriftstellerin, die 1882 in Wien geboren und 1950 dort gestorben ist und kurzfristig mit dem berühmten Architekten Adolf Loos verheiratet war, kenne ich durch den Bücherkasten meiner Eltern, denn da gab es das 1947 erschienene “Buch ohne Titel”, das ich vor einigen Jahren gelesen habe.
Damals hat mir der Name nicht sehr viel gesagt und ich habe die Autorin auch als sehr naiv empfunden, habe aber gehört, daß sie als eine Ikone der Frauenbewegung gilt, Grund genug den Abend zu besuchen, zu dem mich Hilde Schmölzer und Judith Gruber-Rizy eingeladen haben.
Es war auch sehr voll als ich das Amerlinghaus erreichte. Angelika Raubek leitete ein und erzählte ein bißchen aus dem Leben der Frau, die als Carolina Caterina Opertimpfler geboren wurde und in der Mariahilferstraße gelebt haben dürfte, jedenfalls haben ihre Eltern in dem Haus in dem heute der Humanic ist, das Grand Cafe Casa picola gehabt.
Durch ihre Schwester ist sie mit neunzehn Jahren zu dem Stammtisch von Peter Altenberg gekommen, hat dort Egon Fridell, Karl Kraus und Adolf Loos kennengelernt, der gleich nachdem sie ihm seine russische Zigarettendose zerbrochen hat “Heiraten Sie mich!”, zu ihr sagte. Die Ehe hat nicht lang gehalten, Nina Loos ist Schauspielerin geworden und hat unter anderem im Volkstheater gespielt, Feuilletons geschrieben, war mit Egon Fridell und Franz Theodor Csokor befreundet und hat in einer Wohnung in Sievering gelebt, wo sie zuletzt von einer Freundin gepflegt wurde, die Hilde Schmölzer, 1964 als junge Journalistin interviewte. Jetzt hat Angelika Raubek Hilde Schmölzer interviewt, die erzählte, daß sie sich noch gut an die Wohnung erinnern kann und die Freundin sich beklagte, daß man Lina Loos zum Sterben ins AKH verlegte und ihr dort auch einen Priester aufzwang, der sie zum Beten animierte.
Die Lesefrauen haben in den Geschichten vom Theater und vom Leben Texte ausgewählt, wo die junge Nina, die vier berühmten Männer kennenlernte, dann erzählte sie vom Theater und von dem strengen Direktor Rudolf Beer, der überall war und ihr größere Rollen gab, als sie haben wollte, war sie offenbar sehr schüchtern und litt unter Lampenfieber. Sie hatte aber auch einen Bruder, Carl Forest, der ein berühmter Schauspieler war und der wurde 1938 gegen seinen Willen auch ins Versorgungsheim Lainz verlegt und ist dort gestorben.
Der Titel des Abends bezieht sich auf ein Feuilleton, in dem Lina Loos eine Freundin interviewte, die in Döbling in einem Haus mit Mann und Kindern, Hund und Katze und einigen Hühnern lebte und die immer den Tierschutzverein anrief, wenn in der Nacht der Hund eine Katze anbellte, die Katze ihr tote Vögeln vor die Füße legte oder der Marder ihr die Hühner stahl, worauf er in einer Falle gefangen und ausgestopft wurde.
Nachher gab es wieder ein Buffet, Wein und Gespräche. Adolf Opel, der Lina Loos Werke wieder herausgegeben hat, war anwesend und einige andere Bekannte, wie Werner Grüner, Hilde Langthaler, Elfriede Haslehner oder Hans Jörg Liebscher und ich habe wieder viel gelernt, habe ich Lina Loos doch gar nicht für so frauenbewegt gehalten. Sie engagierte sich aber nach 1945 im Bund demokratischer Frauen und publizierte in der Stimme der Frau und die habe ich gerne glesen, allerding erst nach 1950, habe ich beide ja erst Ende der Siebzigerjahren kennengelernt.
Preisträger
Ich sitze vor dem Laptop, höre im Radio Ingram Hartingers Portrait über Tomas Tranströmer und habe gerade nachgegooglet, daß Eugen Ruge mit seinem Debutroman “In Zeiten des abnehmenden Lichts”, den deutschen Buchpreis 2011 bekommen hat und bin vor kurzem von der Alten Schmiede zurückgekommen, wo die Bachmannpreisträgerin Maya Haderlap slowenische Gedichte und aus ihrem neuen Roman “Engel des Vergessens” gelesen hat.
Eine wahre Preisträgerriege, der literarische Herbst hat es in sich und mir sind wieder einmal in der Alten Schmiede fast die Tränen hinuntergeronnen, denn wen ich mich auch noch so sehr bemühe, werde ich das wahrscheinlich nie erleben und das Lesen des neuen Buches von Ruth Aspöck hatte es auch in sich.
Eigentlich hatte ich noch eine vierte Option, denn als ich am Donnerstag im Literaturhaus war, fand ich dort die Einladung zur Buchpräsentation und Lesung von “Lautschrift 2011, der ersten Publikation des einzigen universitären Literaturinstitus Österreichs, nur leider fand die Veranstaltung um vierzehn Uhr im Ausstellungszentrum Heiligenkreuzer Hof statt und da hatte ich eine Diagnostik und im Anschluß zwei Befunde zu schreiben.
So bin ich erst kurz nach sechs in die Alte Schmiede gegangen und hatte noch ein bißchen Zeit in den Morawa zu schauen und mir das Programm der Buch Wien zu holen, um herauszufinden, daß am neunten November, meinem Geburtstag, die Eröffnung ist und, daß einen Tag früher Klaus Nüchtern den Staatspreis für Literaturkritik erhält.
Da gehe ich ja immer Herrn Auinger vom Bmuk um Einladungen an, was er immer freundlich weitergibt, aber nur kurzfristig zu nützen scheint und seine Frau, mit deren Tochter Anna einmal in die Schule ging, habe ich beim Hinabgehen in die Alte Schmiede gleich gesehen. Um dreiviertel sieben war das, also sehr früh, trotzdem strömten schon die Massen in den Keller und es war gar nicht so leicht einen Platz zu finden. Zwar waren noch einige frei, aber die waren besetzt, so habe ich mich auf einen der beiden nicht reservierten in die erste Reihe gesetzt und war sehr weit vorn.
Wenn eine Bachmannpreisträgerin liest, ist es sehr voll in der Alten Schmiede, so gehört es sich auch und so sind die jungen Mädchen auch im Gang gestanden, als die strahlende Preisträgerin mit Kurt Neumann und Daniela Strigl aufgetreten ist. Am Büchertisch lag neben dem Roman, ein großer Lyrikband in Slowenisch, Deutsch und Englisch, den Maja Haderlap, wie Kurt Neumann erklärte, offenbar schon einmal hier präsentierte. Da aber Lyrik natürlich den literarischeren Stellenwert hat, begann Maya Haderlap, die Lesung mit ein paar zweisprachigen Gedichten, die sie aber schon in Deutsch geschrieben hat und im Anschluß von einer Freundin übersetzen ließ und so hat sie vom “Sommer” und von “Venedig” gelesen und dann, glaube ich, den Text, der im Volltext zu den Bachmannlesern erschienenen ist, über ihre Sprache. Sie hat erst in der Volksschule Deutsch gelernt und dann im Gymnasium noch einmal ihre Sprache verloren, weil man offenbar in der Eisenkappler Volksschule trotzdem slowenisch gesungen hat und Gedichte lernte. Zumindest handelt das erste Stück das Maya Haderlaß las von ihrer Mutter mit der sie als Kind während des Bügeln slowenische Gedichte lernte und die Mutter erzählte, dann noch etwas von “Vögeln, die alle faulen Kinder holen” und, daß “die sieben Kilometer, die die Ich Erzählerin Sonntags in die Kirche gehen mußte, nichts machen, weil der Weg zum lieben Gott eben steinig ist.” Dann gab es noch den Konflikt zwischen der Mutter und der Großmutter und die Großmutter war im KZ in Ravensbrück und holte die Pfanne, um die Ich Erzählerin auszuräuchern, als sich die in der Pubertät einmal im Bikini zeigte.
Dann kamen die weniger lustigen Stellen, nämlich die Namen der Personen, die während des Krieges verschwunden sind und es wurde vom Schweigen gelesen, das über dieses Stück Kärntner Geschichte bisher herrschte. Maya Haderlap hat sie aufgedeckt und so wird das Buch inzwischen auf Slowenisch übersetzt, aber das ist auch nicht so einfach, denn das Kärntner Slowenisch ist ja kein richtiges Slowenisch und ob das in Laibach oder Maribor anerkannt wird?
Maya Haderlap erzählte Daniela Striegl dann noch, daß es die ersten Tage nach dem Bachmannpreis wunderbar in Klagenfurt war, weil sie da in den Geschäften endlich auf Slowenisch angesprochen wurde, aber jetzt geht sie erst einmal daran, den deutschen Literaturbetrieb zu entdecken.
Richtig, wenn sie sich in den Nacht- oder Morgenzug setzt, kommt sie wahrscheinlich noch rechtzeitig in Frankfurt an und das ist für mich der Übergang zum deutschen Buchpreis, der ja um achtzehn Uhr fünfzig bekannt gegeben wurde und das ist ja die inoffizielle Eröffnung der Buchmesse und ich hatte keine Ahniung wer ihn bekommen wird. Waren mir von den sechs der Shortlist ja nur Marlene Streeruwitz und Sibylle Lewitscharoff bekannt und da eine Österreicherin da ja nicht so leicht und so oft gewinnt, hätte ich an Sibylle Lewitscharoff getippt, aber die Erfahrung lehrt, den Preis bekommt sicher einer der vier anderen und den kenne ich nicht oder doch, von Eugen Ruge habe ich in den letzten Tagen auf den Literaturseiten schon etwas gefunden und so war die Überraschung gar nicht so groß, als ich mir nachdem ich nach Hause gekommen bin, das Video an- und dann gleich wieder abdrehte. Hatte ich ja Ö1 eingeschaltet, denn das Portrait des Nobelpreisträgers interessierte mich natürlich auch, umso mehr, da ich am Freitag, als ich, bevor ich ins Parlament zur Jurysitzung, gegangen bin, mir am Naschmarkt eine Melange und ein Kipferl kaufte und dabei in der Zeitung “Heute” blätterte, die sic darüberh mokierte, daß ein unbekannter Schwede und nicht Philip Roth den Preis bekommen hat, obwohl der und Haruki Murakami doch so viele Fans und Bücher haben, während der neue Nobelpreisträger nur ein Dutzend Gedichtbände hat und Marcel Reich-Ranicky ihn nicht kannte.
“Das ist uns in diesem Fall leider zu wenig!”, schrieb die Zeitung und ich dachte, daß Herr Reich-Ranicky und der Heute-Artikelschreiber ja nun Tomas Tranströmer kennenlernen könnten. Ich habe mir jedenfalls das Portrait angehört und bin danach erst auf die Seite des deutschen Buchpreises gegangen und auch zufrieden, denn Bücher über die ehemalige DDR interessieren mich ja sehr und der neue Buchpreisträger mit dem besten Roman des Jahres, macht auch einen sehr sympathischen Eindruck. Der beste Roman ist es natürlich nicht, sondern nur einer von vielen guten. Maya Haderlaps Roman ist sicher auch dabei und der von Josef Haslinger, der übrigens heute auch in der Alten Schmiede war, Judith Schalanskys “Hals der Giraffe”, das es ja nicht auf die Shortlist geschafft hat, die ich alle lesen will und mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünsche, jetzt kommt auch Eugen Runges Buch hinzu, aber halt, die meinen Samstageintrag gelesen habe, wissen, daß ich mit meiner Leseliste ringe, also lieber bescheiden sein, das Kunstlesebuch habe ich aber schon begonnen und Manfred Chobots Text gelesen.
Nichts als eine langweilige Blindschleiche
Ruth Aspöcks Textmontage zu ihren Tagebüchern, die vor kurzem bei Löcker erschienen sind, verfolge ich schon seit der Donau Rad Karawane, die 2007, von Wien nach Bamberg gezogen ist und mit der sie ihren literarischen Verlag “Die Donau hinunter” in die Pension verabschiedet hat. Die 1947, in Salzburg geborene, in Linz aufgewachsene und schon lange in Wien lebende Autorin, ist eine eifrige Tageuchschreiberin, so daß eine ganze Menge Schreibücher, die man auch auf ihrer Homepage sehen kann, entstanden sind.
Ab 2006 oder so hat sie angefangen, die Bücher zu ordnen und in ein Buchprojekt zusammenzufassen und so liegt jetzt “Die langweilige Blindschleiche”, das heißt fünfhundert kleingeschriebene Seiten vor mir, beziehungsweise habe ich mich in den letzten Tagen durch das Leben Ruth Aspöcks gelesen und das war sehr interessant.
Kenne ich sie ja schon sehr lange, ich weiß gar nicht, wann und wo ich sie kennengelernt habe. Beim Arbeitskreis schreibender Frauen, meiner literarischen Sozilisation war sie nicht dabei, aber damals hat sich auch der Wiener Frauenverlag gegründet, den es ja leider leider nicht mehr gibt und da ist 1982 “Und der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft” von ihr erschienen. Sie war oder ist auch AUF-Aktivistin. Wahrscheinlich habe ich ihren Namen da gehört. Persönlich werde ich sie durch die GAV kennen, da bin ich, 1987 aufgenommen worden und 1991 habe ich sie zu meiner ersten Frauenlesung nach St. Pölten eingeladen, da hängt das Einladungsblatt immer noch am Klo in Harland.
Wir haben also ein schönes Stück gemeinsamer Literaturgeschichte und so war das dicke Buch auch sehr spannend zu lesen, obwohl ich, als sie es mir bei der letzten Poet Night übergab und sich ein wenig für die Dicke entschuldigt hat, gar nicht daran gedacht habe, daß ich darin vorkommen werde. So war das Wiedererkennen ganz interessant, obwohl das für Außenstehende gar nicht so leicht ist, denn Ruth Aspöck verwendet, wie auf den ersten Seiten steht, bei vielen Personen, um ihre Privatsphäre zu schützen, andere Namen.
Bei manchen nicht, so kommt Johann Barth beispielsweise namentlich vor, während sich Rolf Schwendter hinter einem Helmut Janko versteckt und SusiLeo mit der ersteren geht Ruth regelmäßig schwimmen und durchquerte sogar den Attersee, werden einmal von Günter Vallaster begleitet. Soll ich jetzt das literarische Geheimnis aufdecken? Tue ich nicht, wird meinem Literaturgeflüster ja von manchen Geschwätzigkeit vorgeworfen.
Ich heiße in dem Buch und das darf ich sagen, Maria und habe mich an meinen Geburtstagsfesten erkannt, bei der “Freiheit des Wortes” und noch an einigen anderen Stellen.
Ruth Aspöck hat, wie erwähnt sehr lang an ihren Tagebücher gearbeitet, die sie danach, wie ich glaube, vernichtet hat. In der vorliegenden Textmontage, gibt es zwanzig Kapitel, die wie auf der Buchrückseite steht “eine Welt von Ernsthaftigkeit, Spannung, Humor und Selbstkritik eröffnen.”
Ich denke, es ist ein wichtiges Stück Geschichte eines Frauenlebens. Ein bißchen schwer wird man sich beim Lesen vielleicht tun, weil die zwanzig Kaptiel, die von “Anfang und”, zu “Sonntag und Werktag” “Sprechen und Schweigen” “Träume und Schäume” “Blut und Tränen” “Poesie und Brotberuf” “Leben und Tod” bis zu “Ende nie” gehen, immer in den Sechzigerjahren beginnen und da kurz das Kind bzw. das pubertierende Mädchen, über die Studentin bis zu 2006, wo die Tagebücher enden, beschreiben.
Also zwanzig Mal dieselbe Geschichte und manches bleibt trotzdem angedeutdet und geheimnisvoll. So z.B. die Namen der Liebhaber, manches wird durch die Wiederholung besonders klar. Vieles habe ich nicht gewußt, obwohl ich Ruth Aspöck gut kenne und auch etliche ihrer Bücher gelesen habe.
Beginnen tut es mit dem jungen Mädchen das zur Schule geht, das, wie Kinder das so tun, über Gott und die Welt resumiert. Ruth Aspöck scheint einmal sehr religiös gewesen zu sein. Spannungen und Schwierigkeiten mit den Eltern und der Schwester tauchen auf. Dann kommt die Begegnung mit Franz, das ist der erste Freund, den sie heiraten wollte, was, wenn ich es richtig verstanden habe, durch eine psychische Krankheit verhindert wurde.
Ruth Aspöck hat dann bald ihren Sohn geboren, der nicht Christoph heißt und in Wien, glaube ich, Theaterwissenschaft studiert. Spanisch wird sie wahrscheinlich auch gelernt haben, ist sie jedenfalls in den Sechzigerjahren nach Madrid gegangen und hat über dieses Franco-Spanien das Buch “Ausnahmezustand für Anna” geschrieben. Sie hat, glaube ich, auch in einer SPÖ nahen Institution gearbeitet. War das die Arbeiterkammer? Sich habilitieren wollen, was aber mißlang, was, wie man nachlesen kann, sehr schmerzte und bedauert wurde.
Ungerechtigkeiten, Mißgunst und Gewalt der Männerbünde werden ihre Rolle gespielt haben. Dann folgten einige Aufenthalte in Kuba, auch darüber gibt es ein Buch “Tremendo swing” und wenn ich es richtig verstanden habe, eine Liebe, die mißglückte, weil die kubanischen oder auch österreichischen Behörden, das zu verhindern wußten, so ist Ruth Aspöck in den Neunzigerjahren nach Österreich zurückgekommen und hat ihre “Edition die Donau hinunter” gegründet.
Da kann ich mich erinnern, daß ich mit einigen der Arbeitskreisfrauen, mit denen ich mich noch jahrelang getroffen habe, im Cafe Jelinek in der Otto Bauergasse gesessen bin und Elfriede Haslehner erzählte mir davon.
“Da können wir unsere Bücher machen!”
So habe ich auch meine Texte immer wieder hingeschickt oder ihr übergeben, wie das auch eine “Margret” und wahrscheinlich viele andere hoffnungsvolle Autoren machten. Ruth Aspöck hat einige genommen, andere nicht und, wie in den zwanzig Kapitel sehr eindrucksvoll nachzulesen ist, immer sehr unter ihrer Armut und ihrer Erfolgslosigkeit gelitten und auch darunter, vom Hauptverband des Buchhandels und anderen nicht richtig ernst genommen zu werden.
Dabei sind eine Menge sehr schöne Bücher in dieser Edition entstanden. Begonnen hat es, glaube ich, mit einem “Theaterband”, dem “Donaugeschichtenbuch” und “Ganz schön fremd”.
Dann hat sie Brunngrabers “Zucker aus Cuba” wiederaufgelegt, einen Band über das “Wiener Lesetheater” hinausgegeben und einen über “Polids Galeriecafe”, Irene Wondratschs Romane verlegt, Doris Kloimsteins “Kleine Zehen”, Johann Barths Scheidungsgeschichte und natürlich auch sich selbst. Das gibts zum Beispiel die zwei erwähnten Bücher über Kuba und Madrid, einen Gedichtband, einen Esseyband “Wo die Armut wohnt”, Das “Muttersöhnchenmärchen”,”(S)trickspiel” “Kannitverstan”,”Snaitheim”, aber auch Anthologien, wie das “Flüssebuch” ect.
Wenn sie 1992 damit angefangen und bis 2007 durchgehalten hat, ist das eine sehr lange Zeit und es sind sehr viele Bücher entstanden, die sie alleine bzw. mit Hilfe ihres Sohnes, der eine Zeitlang bei ihr angestellt war, herausgegeben hat und ist bewundernswert rührig dabei gewesen. Kann ich mich doch an einige Buchwochen oder Buchmessen in Leipzig und Frankfurt erinnern, wo sie allein oder mit Sohn und Schwiegertochter in ihrem kleinen Stand gesessen ist. An die Feste im Literaturhaus oder auch bei der Poldi auf der Lerchenfelderstraße. Dabei habe ich auch beobachten können, wie die erfolglosen Autoren zu ihr gekommen sind und ihr ihre Bücher angetragen haben. Im Buch kann man nachlesen, wie sie sich durch den Verlag verschuldet hat, oft die Sozialversicherung und die Honorare nicht bezahlen konnte oder zum Buffet ein paar Kekse und Auschnittbrote mitgebracht hat, weil nicht mehr Geld da war und sich freute, wenn sie ein oder zwei Bücher verkaufte.
2007 wurde das Verlagsfest sogar ausgelassen, weil sie für die Autoren, “Die zu geizig sind, ihr ein Buch abzukaufen”, keinen Wein hinstellen wollte.
Wie schwer diese Zeit für sie gewesen sein muß, kommt in dem Buch so richtig heraus und man lernt auch viel über das alternative und das literarische Leben der letzten vierzig Jahren und natürlich spielt auch die Beschäftigung mit dem eigenen Schreiben eine große Rolle. Das Ringen darum, aber auch die politsche Auseinandersetzung, die Schwiergkeiten einer alleinerziehenden Mutter, die Auseinandersetzung mit ihren Körper und dem Älterwerden. So gibt es zum Beispiel, ein Kapitiel das sich mit ihrer Menstruation beschäftigt und immer wieder sehr schöne Sätze, wie “Ich habe einen Linseneintopf gemacht, mit Appetit gegessen mit Zahnschmerzen bezahlt” oder “Gestern Abend war ich bei Maria und Heinz eingeladen. Weißwein. Heinz hat gekocht. Gebratene Sardinen. Lugenbraten mit Rotweinsauce und Scharlotten darin gedünstet. Ein herrlicher Weißwein. Solch eine Einladung ist eine feine Unterbrechung meines Alltags.”
Diese leisen, stillen Sätze fallen immer wieder auf und machen, glaube ich, die literarische Qualität aus, so daß ich, die ich das ja mit dem Literaturgeflüster auch versuche, das Buch für ein sehr wertvolles literarisches Zeugnis und ein wichtiges Stück Zeitgeschichte halte.
Ich weiß zwar nicht, wie es auf jemanden wirkt, der vom Wiener Literaturleben keine Ahnung hat und Ruth Aspöck nicht persönlich kennt, denke aber, daß der Kampf mit dem Alltag, der Wunsch mit dem Schreiben berühmt zu werden und es “trotzdem nicht in die erste Reihe zu schaffen”, auch da beeindrucken wird.
Einige Jahre hat Ruth Aspöck, wie erwähnt an ihrem Tagebuchprojekt gearbeitet und sich, das ist mein persönlicher Eindruck, seit sie mit ihren Verlag in Pension gegangen ist, ein wenig erholt. Schreibt sie jetzt ja an einem Buch über Grillparzer, wo sie ihm an die Orte, wo er Reisen unternahm, nachgereist ist und sie hat auf der Donau Rad Karawane in Robert Eglhofer auch einen neuen Lebenspartner gefunden.
Was sie mit den “tausenden unverkauften Büchern”, machte, die sie in ihren Tagebüchern so sehr belasten, weiß ich nicht oder doch, ein paar trägt sie immer in den offenen Bücherschrank in die Zieglergasse.
Es ist also ein sehr interessantes Frauenleben und ein wertvolles Stück Literaturgeschichte, daß da beschrieben wird.
Ruth Aspöck tut das trotz aller Distanzierung, sehr ehrlich und sehr offen, so daß ich dem Buch, das nächste Woche, wie ich glaube, auch bei den IG-Autoren in Frankfurt vorgestellt wird, alles Gute und viele Leser wünsche und in ihr auch eine großartige Schreiberin entdeckte, was mir bisher nicht so bewußt war.
Harland-Wochenend-Tratsch
Seit langem sind wir wieder für ein Wochenende nach Harland gefahren, gab es ja vor drei und vor zwei Wochen das “Rund um die Burg- Festival” und die “Poet Night” und letzte Woche nützten wir, nach dem ich mich entschlossen hatte, nicht auf das Literaturhausfest zu gehen, um auf den Hochschwab hinaufzuwandern, was gut war, denn dieses Wochenende wäre es des Wetterumsturzes wegen nicht so eine gute Idee gewesen.
So sind wir gestern Abend, als ich geradte zu bloggen anfangen wollte, nach Harland gefahren, gab es da ja eine kleine Aufregung wegen des Ohrensschmauses und ein paar Mails mit Franz Joseph Huainigg. Ruth Aspöck hat mir auch ein Mail geschrieben, daß sie zu meinem Geburtstagsfest kommt, ihr habe ich wegen ihres Buches zurückgemailt, daß ich dreiviertel gelesen in Wien zurückgelassen habe, nehme ich mir ja nicht gerne Bücher von Wien nach Harland mit, obwohl es verlockend gewesen wäre ihr Tagebuchprojekt zu Ende zu lesen, bin ich wegen den vielen Neuerscheinungen des Bücherherbstes im Augenblick ein wenig in Trouble meine hundert Bücherliste vielleicht doch nicht zu schaffen, denn ich habe mir, als ich vor ein paar Tagen im Morgenjournal von der Ausstellung “Schönheit und Vergänglichkeit” im Essl Museum hörte, das diesbezügliche Lesebuch mit Texten siebzehn jüngerer Autoren, darunter Manfred Chobot, bestellt und gestern auch bekommen. Wenn ich diese Anthologie nach Ruth Aspöcks “Blindschleichenbuch” einschiebe, werde ich mit den vorgenommenen hundert Büchern vielleicht nicht fertig, andererseits habe ich inzwischen ja schon fünf andere gelesen und außerdem heute als kleinen Urlaub Nachtrag Arno Surminskis “Jokehnen” begonnen.
Selber schuld, ich muß ja nicht so neugierig sein und mich für alle Bücher interessieren, so habe ich gestern, nachdem ich mit Alfreds Eltern Sekt getrunken habe, noch über den Ohrenschmaus gebloggt, bin heute trotz Kälte wieder mit dem Rad gefahren und habe “Die Frau auf der Bank” ab Seite fünfunddreißig mehr oder weniger lustvoll durchkorrigiert und bezüglich Tanzkurs alles auf Foxtrott abgeändert.
Bezüglich Geburtstagsfest kommen jetzt die ersten Ab- und Zusagen und während ich am Donnerstag auf die Bekanntgabe des neuen Nobelpreisträgers wartete, bekam ich eine Einladung von Hilde Schmölzer zu der Frauen lesen Frauen Veranstaltung im Amerlinghaus nächste Woche, worauf ich sie fragte, ob sie zu meinem Fest kommt, was zu einem kleinen Mißverständnis führte, habe ich diesmal ja nur Männer als Lesende eingeladen. Bisher war es eher umgekehrt und dann hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mir ja vorstellen konnte, daß einer so aufrechten Feministin, wie Hilde Schmölzer eine fast reine Männerlesung vielleicht nicht gefällt. Die Frauenquote habe ich diesmal nicht erfüllt, man kann aber einmal improvisieren, habe ich im letzten Jahr ja einige interessante Männer durch das das Literaturgeflüster oder auch so kennengelernt.
Ich habe fünf Männer eingeladen, auf der Einladung stehen aber nur Stefan Eibl Erzberg, Rudi Lasselsberger, Marinko Stefanovic und E. A. Richter, weil sich Anton Blitzstein erst gemeldet hat, als ich die Einladungen schon geschrieben hatte. Er kommt aber vielleicht auch und so wird es sicher eine spannende Lesung und ich hoffe nur, daß genügend Zuhörer kommen, was, da ich die Lesung wegen dem Alpha Literaturpreis, der am 4. 11. vergeben wird, am Samstag den 5. mache, damit ich die Woche darauf Zeit für die Buch Wien habe, vieleicht ein wenig irritierend ist. Mein Geburtstag ist ja der 9. November und da wird die Buch-Wien eröffnet.
Die Shortliste für den Alpha Literaturpreis wurde inzwischen auch bekannt gegeben, Angelika Reitzer und Andreas Unterweger sind hinausgefallen, so daß der neue Alpha Literaturpreisträger unter Mariana Gaponeko, Martin Mandler und Anna Elisabeth Mayer zu finden sein wird.
Ein österreichisches Event, während nächsten Montag ja der neue deutsche Buchpreisträger oder Trägerin bekanntgegeben wird und zwei Tage später die Frankfurter Buchmesse beginnt, die ich wieder über Internet und blauen Sofa mitverfolgen werde. Eine Woche später wird am achtzehnten Oktober in der Hauptbücherei das neue “Eine Stadt ein Buch” des letzten Nobelpreisträgers verteilt, das ich mir sicher holen und auch 2011 oder 2012 lesen will.
Sehr viel los also in diesen Leseherbst und Winter, so daß ich mir fast wünschen sollte, diesmal keine Buch-Wien Karten zu erhalten, um meine Leseliste hinunterlesen zu können.
Aber nein, das wünsche ich mir natürlich nicht, sondern werde morgen Mittag mit dem Alfred wieder auf die Rudolfshöhe hinaufwandern und dann nach Wien zu Ruth Aspöcks Tagebuchprojekt zurückkehren und mich auf eine schöne Woche mit Buchmesse und anderen literarischen Events freuen. Ruth Aspöcks Buch wird übrigens am Stand der der IG Autoren in Frankfurt vorgestellt, Andrea Stift und Valerie Fritsch habe ich dem Internet entnommen, fahren auch dorthin und ich hoffe, daß es noch das blaue Sofa gibt, so daß ich mich ein bißchen informieren kann.
Ohrenschmaus-Jurysitzung
Heute war wieder Jurysitzung des Ohrenschmauses, Literaturwettbewerb für Menschen von und mit Lern oder intellektueller Behinderung, den es seit 2007 gibt. Weil ich den Otto Lambauer von Alfreds Wandergruppre kenne, bin ich in der Jury und da mich Literatur in allen ihren Formen interessiert, habe ich auch sehr viel gelernt dabei und kenne mich jetzt mit dem, was Menschen, die beispielsweise ein Downsydrom schreiben, auch gut aus.
Franz Joseph Huainigg, der einmal Behindertensprecher der ÖVP war oder das noch ist, hat ihn gegründet. Wenn ich die Legende richtig verbreite, hat er sich zum vierzigsten Geburtstag einen solchen Literaturpreis gwünscht und Michael König, die das Vorbild für meine “Mimi” war, hat ihn dazu angeregt. Otto Lambauer, der das Literaturgeflüster anfangs sehr verstärkte und im Behindertenbereich der Caritas tätig ist, hat mir davon erzählt, bzw. wollte er wissen, wie man in das Literaturhaus für die Preisverleihung kommt. 2007 hat sie dort stattgefunden, weil der Rollstuhlzugang, glaube ich, doch nicht so ganz optimal war, wurde es in das Museumsquartier verlegt und ich bin mit Felix Mitterer, Barbara Rett, Heinz Janisch und Kurt Palm in der Jury. Am Anfang war noch die Kinderbuchautorin Friedl Hofbauer, die ich durch Vermittlung von Valerie Szabo, einmal, lang lang ists her, für meine Dissertation interviewte dabei. Im vorigen Jahr habe ich Ludwig Laher und Adrea Stift für die Jury vorgeschlagen und die Beschäftigung mit der Literatur von Lernbehinderten immer sehr genossen. Wurde da ja gleich im ersten Jahr Renate Gradwohl als großes Talent entdeckt und seither bin ich der Ansicht, daß Ernst Jandl, der sich, glaube ich, mit dem Haus der Künstler in Gugging sehr beschäftigt hat, von Leuten mit sogenannten Lernbehinderungen vom Schreiben inspirieren ließ. Renate Gradwohl schreibt jedenfalls so, wie es Ernst Jandl manchmal tat.
Im zweiten Jahr begann es ein bißchen problematisch zu werden, stellte sich doch heraus, daß das Preisträgergedicht von Astrid Lindgren war und damals gab es die Idee, die sich nicht durchgesetzt hat, daß die Jury jeweils drei Texte in den Kategorien Prosa, Lyrik und Lebensbericht auswählt und den Vorjahrspreisträgern nämlich Renate Gradwohl, Herbert Offenhuber, etc zur Verfügung stellt. Nur leider war das Gedicht, daß die Endjury auswählte, nicht vom Einreicher, von den zwei anderen Einreichungen stammte ein Gedicht von Anton Blitzstein, der vom Augustin, seinen Mondkälbern und seinen Katzen sehr bekannt ist, aber der ist kein Mensch mit Lernbehinderung, sondern einer mit Psychiatrieerfahrung und wir begannen die Kriterien für die Einreichung zu diskutieren.
2009 und 2010 gab es damit keine Schwierigkeiten. 2009 wurde mit dem Text von Sarah Lutschaunig, eine tolle Prosabegabung einer sehr jungen Frau, die sagte, daß erste Mal eingereicht und gleich gewonnen hat, entdeckt und in Josefine Bitschau Lebensbericht eine alte Dame, die davon schreibt, wie es damals war, als man sich verstecken mußte, damit einem Hitler nicht erwischt.
2010 gab es mit Reinhard Buchmann wieder einen Prosagewinner mit einem unheimlich starken Talent, das in seiner Sprachgewalt an Thomas Bernhard erinnert, obwohl der Einreicher, wie seine Betreuer meinen, nicht viel spricht.
2010 wurde die Jury durch meine Mithilfe eine wenig aufgefrischt und 2008 wurden Kriterien festgelegt, so daß sicher ist, daß nur mehr Menschen mit Lernbehinderungen einreichen und das ist ein Begriff, der leicht mißverstanden werden kann. Denn was ist eine Lernbehinderung? Eine Legasthenie und eine Aufmerksamkeitsstörung. Aber das ist eigentlich nicht damit gemeint, sondern die geistige Behinderung, die inzwischen intellektuelle Beeinträchtigung heißt. Die Betroffenenen nennen sich, ganz klar, lieber lernbehindert. Aber das kann zu Mißverständnissen führen, wie ich zum Beispiel vorige Woche im Literaturhaus merkte, als ich einem Herrn vom Ohrenschmaus erzählte und der sofort meinte, da reicht er ein, denn er ist Epileptiker und, daß sich depressive Akademiker oder Menschen mit Psychiatrieerfahrungen angesprochen fühlen, haben wir schon erlebt.
Franz Joseph Huainigg will aber, daß der Preis für Menschen mit Lernbehinderungen, wie beispielsweise einem Down Syndrom vorbehalten bleibt und so wird seit 2008 vorher geschaut, daß die Kriterien stimmen, was nicht immer gelingt, so waren heuer einige Texte dabei, die sich mit dem ADHS-Symptom beschäftigten, die eigentlich nicht teilnahmeberechtigt wären.
Trotzdem ist die Beschäftigung mit den über hundert Einreichungen eine sehr schöne Sache und wenn man es zum fünften Mal macht, weiß man, obwohl es offiziell eine anonyme Einreichung gibt, schon in etwa, von wem der Text stammt, denn der Ohrenschaus hat seine Stammeinreicher und ich weiß in etwa auch, ob der Text den Kriterien entspricht oder nicht und wenn jemand das ADHS-Symptom beschreibt, dann stimmt es wahrscheinlich nicht.
Aber mir ist das eigentlich egal und ich finde es noch immer schade, daß Anton Blitzsteins schöne Texte, der heuer vielleicht bei meinem Geburtstagsfest lesen wird, hier nicht aufgehoben sind.
So war es auch heuer, über hundert schöne Texte und wie Kurt Palm meinte, manche zu perfekt. Ich habe damit, wie gesagt, kein Problem, sondern einen offenen Literaturbegriff und so war die Jurysitzung heute Mittag im Parlament mit Felix Mitterer, Heinz Janisch und Ludwig Laher auch sehr interessant, besonders da wir uns bezüglich unserer Favoriten ziemlich einig waren.
So gab es einen sehr schönen Lebensbericht für den wir eigentlich alle stimmten, auch bei der Prosa waren wir uns ziemlich einig, über die Lyrik wurde ein bißchen diskutiert. Nach einer Stunde waren wir fertig und bereit uns auf die Preisverleihung am 29. 11. um 19 Uhr im Museumsquartier zu freuen.
Vorher muß ich noch das Vorwort für das Buch “Nicht schlafen können”, das inzwischen in der Edition der Provinz entsteht und das zur Preisverleihung anläßlich fünf Jahre Ohrenschmaus vorgestellt werden wird, fertig schreiben.
Einen kleinen Wermuthstropfen gab es noch mit dem Prosatext, von dem sich inzwischen herausstellte, daß er auch zu “perfekt” ist, da es aber eine sogenannte Ehrenliste gibt, auf die die vielen anderen schönen Texte Platz finden, werden wir noch einen Prosatext finden, der den Kriterien der intellektuellen Behinderung entspricht. Die Behindertenolympic macht dafür, glaube ich, IQ Tests und läßt nur Leute teilnehmen, die einen IQ unter 85 oder 75 aufweisen, aber das ist eine Selektion, die ich gar nicht will. So freue ich mich auf die Preisverleihung im November, in der das Siegergedicht auf einer Zotterschokolade aufgedruckt sein wird und auf das Buch mit den vielen schönen Siegertexten und denke, daß ich, seit ich mich so regelmäßig mit dem, was sogenannte behinderte Menschen schreiben, beschäftige, viel gelernt habe. Min Literaturbegriff hat sich seither auch erweitert.
Ohrenschmausarviv 2008 1 2, 2009 1 2, 2010 1 2
Dann gibts noch einen allgemeinen Bericht von 2008 und den über Otto Lambauers Ohrenschmaus-Stand bei “Rund um die Burg”, der sich dann von dort zurück gezogen hat.
Nobelpreisraten und Islandschwerpunkt
Die Verleihung des Literaturnobelpreises ist ja eine Sache die mich sehr interessiert, am ersten oder zweiten Donnerstag im Oktober wird um dreizehn Uhr der Name des oder der Erwählten, meistens sind es ja Männer, bekanntgegeben und um halb eins wird dieser oder diese vom Vorsitzendenden des Kommitees angerufen und davon informiert. Das sind so die Informationen, die zu mir durchsickerten. Daß es eine Long und eine Shortliste gibt und daß man auf letzterer mindestens zweimal stehen muß, um gewählt zu werden, damit nicht eine Eintagsfliege, wie angeblich einmal Pearl S. Buck, den Preis bekommt und nicht jedermann oder jede Frau ihren oder seinen Vorschlag nach Stockholm schicken kann. Das dürfen nur Auserwählte, Universitätsinstitute und frühere Nobelpreisträger, die IG Autoren sind, glaube ich, auch dazu befugt und die schlagen Jahr für Jahr Friederike Mayröcker vor, diesmal stand auch Peter Handke als Österreicher auf der Liste. Die Amerikaner tun das wahrscheinlich für Philip Roth und der geht dann an diesen Donnerstagmittagen angelblich nicht aus dem Haus, damit er den Anruf nicht versäumt.
Diese Listen sind angeblich auch geheim, sickern aber immer wieder durch. So gibt es eigene Wettbüros und Ö1 verkündet die Namen, die hoch auf dieser Liste stehen. In den letzten Tagen steht meistens ein Name hoch im Kurs und der bekommt den Preis oder auch nicht. Vor zwei Jahren wurde so im Morgenjournal die Biografie Herta Müllers veröffentlicht und es hat gestimmt, während ich im vorigen Jahr verwirrt war, als ich am Morgen plötzlich von Haruki Murakami hörte. Mario Vargas Llosa ist es dann geworden und heute Morgen stand Bob Dylan sehr hoch auf dieser Liste, der libanesisch syrische Dichter Adonis, wieder Haruki Murakami und ein schwedischer Lyriker namens Tomas Tranströmer, von dem ich noch nie etwas hörte, der aber auch als ewiger Favorit zu gelten scheint.
Im Mittagsjournal interviewte Günter Kaindlsdorfer eines der Kommiteemitglieder und Kristina Pfoser erzählte, daß Bob Dylan in den letzten Minuten von diesem achtzigjährigen Lyriker, der schwer krank ist, seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und nicht mehr sprechen kann, verdrängt wurde. Für das Mittagsjournal ging sich die Namensnennung nicht mehr aus, diesmal wurde es aber in “Von Eins bis Zwei” von Mirjam Jesser bekanntgegeben. Wenn ich Donnerstag nicht in der Klinik bin, habe ich mir die Namen in den letzten Jahren ergooglet, diesmal war ich aber in der Küche, bin aber trotzdem noch vor der Radioverkündigung darauf gekommen, daß wir wieder einen Nobelpreisträger haben, den ich nicht kannte. Bei Jean Marie Gustave le Clezio vor drei Jahren war das ebenso, inzwischen habe ich von ihm zwei Bücher gelesen. Ob ich an Tomas Tranströmers Gedichte komme, weiß ich nicht. In der Biografie gibt es es Ähnlichkeiten, zwar schreibe ich keine Lyrik, der alte Mann, der, wie ich später hörte, zu den bekanntesten Lyrikern zählt, hat aber als Psychologe gearbeitet und einige Gedichtbände von ihm, habe ich inzwischen ergooglet, sind auf Deutsch erschienen.
Er soll sich, wie seine Frau erzählte, sehr über die Auszeichnung gefreut und nicht mehr damit gerechnet haben. Sie ist sicher verdient und kommt wahrscheinlich zu einem Zeitpunkt, wo er das Geld nicht mehr ausgeben kann und viele Leute werden jetzt wahrscheinlich wieder sagen “Tomas wer?”
So sorgt diese Nobelpreisnominierung für Spannung und es trifft immer den Falschen so richtig die Entscheidung auch ist, weil natürlich soviele andere überbleiben, die auch darauf warten und sich nicht spazierengehen trauen.
Für Interessierte hier mein Nobelpreisarchiv 2008, 2009, 2010
Ansonsten war der Donnerstag wieder ein Tag der Terminkollisionen, wo ich nicht wußte, ob ich in die Alte Schmiede oder in die Gesellschaft für Literatur gehen soll und schließlich im Literaturhaus gelandet bin. Das habe ich auch Ö1 zu verdanken und der Frankfurter Buchmesse, die nächste Woche beginnt und als Gastland Island hat. Ö1 hat diese und auch vorige Woche einen Island Schwerpunkt, berichtet vom Bankencrash, von der Edda und der isländischen Literatur und am Samstag gab es in den Hörbildern eine Sendung von Johann Kneihs, der ein halbes Jahr in Bildungskarenz in Island verbrachte und dort über seine Großeltern Victor und Melitta Urbanic forschte, das sind ein Komponist und eine Künstlerin, die 1938 von Graz nach Reykjavik emigrierten und das Kulturleben Islands nachhaltig prägten.
Er war dort Musikdirektor und hat Bach aufgeführt, sie hat gedichtet, Skulpturen gemacht, übersetzt und Bienen gezüchtet. Rudolf Habringer hat einen Roman darüber geschrieben und am Donnerstag wird im Literatur eine Ausstellung der Exilbibliothek eröffnet, sagten sie im Radio, als wir gerade in Richtung Hochschwab fuhren und da mich das interessiert, bin ich heute ins Literaturhaus gegangen.
Vorher habe ich die Brigitte in der Galerie im Park getroffen, von der ausstellenden Künstlerin ein Glas Wein offeriert bekommen und ihr die Einladung zu meinem Geburtstagsfest gegeben und als ich das Literaturhaus erreichte war es sehr voll.
Elfriede Haslehner habe ich getroffen, weil sie eine der Urbanic Töchter von ihren Chören kennt und die Familie gesehen. Ursula Seeber hat eingeleitet. Es gab Lieder von Victor Urbanic zum Teil mit Texten seiner Frau und die Tochter Sibyl erzählte, daß ihre Mutter den ganzen Tag gedichtet hat. Sie war auch mit Erika Mitterer befreundet und mit Friedrich Gundolf vom George Kreis. Es gab eine Diskussion mit der Tochter, Rudolf Habringer und einer Islandforscherin. Rudolf Habringer, mit dem ich, 2007 glaube ich, einmal in der Alten Schmiede gelesen habe und der bei Picus verlegt, las eine Stelle aus seiner “Island Passion”, wo er das Schicksal Victor Urbanics fiktiv erzählt und Originalaufnahmen mit der Stimme Melitta Urbanics. Am Schluß führte Ursula Seeber durch die Ausstellung und erklärte die Bilder und Schriften in den sieben Vitrinen. Es gab Wein und die Bücher und die Noten zu kaufen. In einem neuaufgelegten Lyrikband gibt es auch ein Gedicht Melitta Urbanics zu finden, von der sonst, wie Ursula Seeber betonte, noch viel zu entdecken ist.
