Sich lichtende Nebel

Jetzt kommt das letzte Schweizer Buchpreisbuch und zugleich das Siegerbuch, das am neunzehnten November in Basel bekanntgegen wurde. Da war ich gerade im Literaturhaus bei der “Fried-Preis-Verleihung” und Robert Huez hat mir den Sieger herausgegooglet.

Denn für mich war das ein Rätsel. Hatte ich doch damals noch keines der Bücher gelesen, die sehr seltsam und sehr widersprüchig waren und bis jetzt haben wir “Glitsch” und “Mr. Goebbels Jazzband” am besten gefallen.

Die Novelle, denn es ist kein Roman und hat nur hundertzwanzig Seiten, des 1943 in Brugg geborene Christian Haller und beschäftigt sich mit dem Physiker Werner Heisenberg.

Das heißt, mit einem jungen Wissenschaftler Helstedt in Kopenhagen, der sich auf eine Bank hinter das Institut setzt und dort einen Mann in die Dunkelheit verschwinden und dann gleich wieder auftauchen sieht.

Das läßt ihm keinen Ruhe. Wrd aber von seinen Freund Sörensen nicht ernstgenommen. Er bekommt Asthma, Atemnot und verschwindet zur Kur nach Helgolandd. Er ist Witwer oder wird er das erst später, denn mit dem sechzigjährigen Helstedt beschäftigen wir uns später auch. Er lernt eine Linn kennen und im Laufe der Jahre entwickelt er die Quantentheorie.

Die Sprache ist wieder schön, wie bei Sarah Elena Müller und Matthias Zschokke und auch wer sich nicht für die Quantentheorie interessiert, wie ich es tue, kann man etwas mitnehmen. Am Schluß gibt es einen Anhang, wo Christian Haller erklärt, wie er zu dem Stoff zu seiner Novelle gekommen ist.

Gratulation, schade, daß das Buch hier ziemlich unbemerkt geblieben zu sein scheint.

Glitsch

Hurrah, hurrah, jetzt kommt schon Buch vier des Schweizer Buchpreises und ich muß sagen, es ist das Beste, das ich von vier gelesen habe, obwohl mir der 1990 in Bülach georene Adam Schwarz bisher unbekannt war. Es ist aber schon das zweite Buch das der Schweizer geschrieben hat und “Glitsch” ist ein Parcour durch die seelischen Abgründe.

Glitsch kommt glaube ich von ausgleiten, die Spur verlassen und so geht es den Endzwanziger Leon, der Englisch studiert und mit seiner Freundin Kathrin auf eine Kreuzfahrt geht, obwohl er das eigentlich nicht will und das Geschehen dort für unsinnig hält. Er verstreitet sich auf den Schiff mit Kathrin, da hat er ohnehin einen Minderwertigkeitskompfex weil die Wahlaus, Kathrins Famile viel wohlhabender als seine ist.

Die Kabine steht plötzlich unter Wasser und die Rezeptionistin von der er ein neues Zimmer will, sagt “Das geht nicht ohne Kathrins Einverständis!”, aber die ist ja verschwunden. Also wird er in eine Mitarbeiterkabine einquartiert und dann wird er dauernd ignoriert, verfolgt und spinnt sich ein in den Gedanken, daß Kathrin ermordet wurde und er der Täter ist.

Es gibt auch eine Art Sekte, die sich über das Schiff, in dem dauern die Lokale versperrt werden, ausbreitet. Die Polizei oder der Sicherheitsdienst verfolgt ihn und einer bringt ihn weg von dem Schiff. Er kehrt aber wieder zurück, zur großen Schaumparty und da trifft er auch <kathrin und so endet das Buch.

“Dann riss der Schaum entzwei und der sah ihr Gesicht.”

Es gibt ein Nachwort von Philipp Theisohn und der erklärt uns seltsamerweise, daß der Roman noch gar nicht fertig oder vielspurig ist

Mr. Goebels Jazzband

Jetzt kommt das letzte Buch in diesem Jahr, das hundertsiebenundzwanzigste und das dritte, das für den “Schweizer Buchpreis” nominiert war und das auf mich am meisten gefreut habe.

“Mr Goebels Jazzband”, des 1987 geborenen Berner Demian Lienhard, der mir bis jetzt unbekannt war, wie mir das mit Ausnahme von Matthias Zschokke bei diesen Buchpreis überhaupt passierte.

Und Deminan Lienhard hat sich in seinen Roman mit “Charly und seinem Orchester” auseinandergesetzt, eine Jazzband, die es in dem nationalsozialistischen Berlin der Neunzehnhundertvierzigerjahre unter der Protektion von Josef Goebbels gegeben hat, um “den Briten in die Falle zu locken”.

In drei Teilen wird der Roman erzählt. Der Erste setzt sich mit dem 1906 in Brooklyn geborenen William Joyce, der der Propagandasprecher der Nationalsozialisten war und 1946 von den Briten wegen Hochverrats hingerichtet wurde.

Aber noch sind wir nicht soweit. Noch schreiben wir 1942 und da ist Joyce, der sich in Berlin “Froehlich” nennt, auf die Idee gekommen, einen Schriftsteller anzuheuern, der einen Roman über die Jazzband schreiben soll.

Die Wahl fällt, da Thomas Mann höchstwahrscheinlich dafür nicht in Frage kommt, auf den Schweizer Fritz Mahler, der als ein obskurer Typ geschildert wird, der tagelang in seinem Zimmer liegt und offenbar auf die Muse wartet.

Jetzt fährt er nach Berlin, tut dasselbe in seinem Hotelzimmer und bringt zwei drei Jahre nichts zusammen. Zwar besucht er die Jazzaufführungen, obwohl er von Musik nicht viel versteht und betrinkt sich mit Bier und billigen Schnäpsen.

Das ist schon der zweite Teil. Im Dritten kommt es zum Ende des Manuskript und dann gibt es noch zwei Anmerkungen, die die Schelmenhaftigkeit des Autors zeigt und zwar erzählt da zuerst der Herausgeber Demian Lienhard, das Ende von William Joyce.

Während es dann in das Berner Staatsarchiv geht und da schildert ein Archivar, wie er von Demian Lienhard aufgesucht wurde, der Recherchen zu seiner Familiengeschichte machen wollte und da auf ein Fragment seines Großvaters stieß, daß den Namen “Mr Goebels Jazzband” trägt, das er natürlich fertig schreiben muß.

Das ist auch gelungen, obwohl der Roman keinen wirklichen Plot und keine Spannungsbögen hat und jetzt gibt es noch zwei der Schweizer Bücher, darunter auch das des Preisträgers zu lesen.

Der graue Peter

Buch zwei des heurigen Schweizer Buchpreises “Der graue Peter” des 1954 in Bern geborenen und in Berlin lebenden Matthias Zschokke. Den einzigen Namen den ich von der Nominierteliste kannte und von dem ich schon einige Bücher gefunden, aber noch nicht gelesen habe.

Ich habe über das Buch aber beim Frankfurt-Surfing gehört und auf der “Buch-Wien” wurde das Buch auch vorgestellt. Beide habe ich mir nicht lange angehört, denn ich dachte, das ist eines der Bücher, dessen Lesen mir schwer fällt.

Jetzt habe ich es gelesen und muß schreiben, die Sprache ist schön, mit dem Inhalt hatte ich meine Schwierigkeiten, aber das Lesen ist geschafft.

Da ist also der Peter, in einem Dorf an der Französischsprachigen Grenze aufgewachsen, dann nach Berlin gegangen, wo er in der Verwaltung arbeitet und es beginnt damit, daß ihm eine Polizistin vom Unfalltod seines Sohnes erzählt.

Das ist es, würde man denken und das Buch dreht sich darum. Aber keine Spur. Der Peter geht zur Fußpflege ins Cafe, dann ins Büro zu seinen Kollegen Proscuitto und weil Nancy die Partnerstadt des Büros ist, muß er dorthin fahren und eine Rede halten und wieder zurück.

Von Nancy bis Basel erster Klasse. Aber der Zug fährt nur bis Straßburg und dann erscheint eine Frau mit einem kleinen Buben, der allein nach Basel fahren soll und vertraut ihm den Peter an.

Der reagiert zuerst unwirsch, sprechen darf er nicht mit ihm, denn so gut kann er nicht Französisch. Dann steigen die beiden aber in Mühlhausen aus, um in eine Konditorei zu gehen, obwohl der Onkel den Buben in Basel erwartet und auch, um seine Tante zu besuchen, die sie aber nicht finden. Das Gepäck haben sie bei einem Kiosk abgegeben und als sie zurückkommen, ist der geschlossen. Also gehen sie zuerst in eine 5D Show, wo sich der Junge vor Schreck anmacht und dann weil noch immer geschlossen ist, übernachten sie in einem Hotel, wo Peter, der Durchschnittsmensch, den Jungen gnz harmlos seinen Penis zeigt.

Das ist das, womit ich meine Schwierikgeiten habe. Sie verlassen das Hotel, holen das Gepäck, das ohnehin in der Apotheke deponiert war. Fahren zurück, der Onkel, den sie nicht anrufen konnte, weil Peter, wie ich kein Handy besitzt, die Nummer haben sie auch nicht, wartet aber getreulich am Perron, statt der Polizei, was sonst wohl geschehen würde.

Peter will dem Jungen seine Uhr schenken und dann stirbt er.

Das ist ein weiterer Überraschungsmoment des Buches, das den Preis nicht gewonnen hat, gut geschrieben ist, aber wohl ganz bewußt an oder über die Grenze geht, womit ich, wie schon geschrieben meine Schwierigkeiten habe.

Bild ohne Mädchen

Hurrah, jetzt gehts schon oder erst, denn ich lese jetzt ja eher langsam, zum ersten Buch des heurigen “Schweizer Buchpreises” und da ist als erstes die 1990 geborene Sarah Elena Müller an der Reihe, die ich schon in der “Alten Schmiede” hörte.

Beim “Schweizer Buchpreis” ist überhaupt interessant, daß da meistes für mich völlig unbekannte Autoren darauf stehen und Sarah Elena Müller ist sicher eine sehr sprachgewandte junge Frau, die von ihrem Mädchen, in sehr poetisch verschlüsselter Weise erzählt, so daß das Verstehen gar nicht so leicht ist.

Das ist also das Mädchen. Es hat eigentlich keinen Namen oder eigentlich einen erfundenen, näßt ins Bett und wird deshalb von einem Heiler betreut lebt in einem Dorf, der Vater ist Biologie, die Mutter Künstlerin und das Fernsehen war, wie vor dreißig jahren in den künstlerischen Schchten nicht erlaubt.

So geht das Mädchen zum Nachbarn Ege und tut das dort. Sie dreht auch Filme mit ihm, hat Kontakt mit einem Engel und seine Frau Gisela wohnt in der Wohnung drüben und mischt sich offenbar nicht ein. Es gibt einen Sohn und die Kapitel sind in ”Das Kind”, “Das Mädchen “,”Die Tochter”, “Der Sohn”, “De junge Frau eingeteilt”.

Im ersten Teil besucht die Jndergärtnerin die Eltern und erzählt ihnen von den Osterbasteleien. Dann kommt das Mädchen in die Schule und hat eine andere Kappe, als die anderen Kinder auf.

Soäter geht es mit dem Vater Fröschezählen, um herauszubekommen , ob Biologie, die richtige Berufswahl für eswäre. Es gibt auch Großeltern, die von einer Pflegekraft betreut werden und über allem schwebt sehr poetisch und nur angedeutet die Frage des sexuellen Mißbrauchs.

Was will Sarah Elena Müller damit sagen? Eine Mittelschichtverwahrlosung aufdecken und vielleicht von dem erzählen, was sie so oder auch anders erlebt hat?

Ein sehr schönes poetisches Buch, obwohl ich ja eigentlich eine eher realistische Leserin und Schreiberin bin.

Südstern

Hurrah, jetzt kommt schon das letzte deutsche Longlistbuch und eines das mir sehr gut gefallen hat.

“Südstern” von dem 1965 in Kassel geborenen Tim Staffel, von dem ich sonst eigentlich nicht viel gehört habe und das nhöchstwahrscheinlich an mir vorbeigegangen ist, nur Dunis von “Dunis Lesefutter”, die zehn Longlists gelesen hat, hat es auch gelobt.

Jetzt also fertig mit dem deutschen Buchpreislesen, wo ich die Liste ja am zweiundzwanzigsten August in Bordaux erfahren habe und mich dann erst einmal durch den Öst gelesen habe und ich muß sagen, es war eine interessante Liste sechs Österreicher, vier Bücher .die von der EX-DDR erzählten. Was Experimentelles, eine Beschäftigung mit dem abwesenden Vater, eine mit der verstorbenen Mutter Kathrin Rögglas Gerichtsprotkoll, Tomer Dotan Dreyfuß siribschen Experiment, Elena Fischers “Paradise Garden” und meine Favoriten haben sich hauptsächlich auf der Shortlist befunden und da würde ich “Drifter” vor “Muna” und auch dem “Echtzeitalter”, den Vorzug geben und “Drifter” hat viel mit “Südstern” gemein, was wahrscheinlich mein zweiter Favorit ist.

Ein Großstadtroman, der das soziale Leben des heutigen Berlin schildert, vergleichbar mit Virgine Despentes “Vernon Subutex” und vielleicht auch mit meinen Großstadtroman, den ich einmal geschrieben habe.

Da gibt es eine Vanessa, eine Drogenkurierin, die sich ähnlich wie die Ulrike Sterblichs “Vica”, sich Engel nennt, denn sie beliefert die sozial Schwachen und Überarbeiteten oder Dementen mit Glücksdrogen, also etwas was streng verboten ist, auch wenn sie mit einer alten Oma Haschiskekse backt. Sie hat einen Freund namens Olli ,der ist ein Politiker und einen Bruder namens Felix, ein Verzugsbeamter, der einmal die Nerven verliert, seine Klientin prügelt, dann in die Psychiatrie kommt und später mit neunundzwanzig frühpensioniert wird und sich fortan als Trainer oder Künstler betätigt.

Dann gibt es Deniz Aziz, der hatte eine türkische Mutter und einen deutschen Vater namens Markus, der hat Parkinson und Deniz muß sich um seine Pflege kümmern, während er mit der Kroatin Jovanna Coric Streife fährt und sich mit ihr ständig streitet.

Es kmmt wie es kommt, Vanessa fischt Deniz Vater verwirrt in einem Lokal auf, bringt ihn nach Hause und verliebt sich in ihn, noch ehe sie ihn das erste Mal in Unform sieht.

Ein interessantes Thema und eine sanfte Liebesgeschichte, die mich ja sehr interessiert. Schade, daß das Buch bei dem Wust an Neuerscheinungen ein wenig untergegangen ist, wie geschrieben, neben, vor oder hinter “Drifter” mein Highloht und dann könnte ich noch Raphaela Edelbauers “Inkommensurablen” erwähnen, das mir von den Loglistbüchern auch recht gut gefallen hat, wie auch Angelika Klüssendorfs “Risse”.

Eine interessante Longlist also mit Teresa Präauers Lust am Kochen, Thomas Olahs Berhardischer Frankenstein-Roman, Sherkos Fathas Suche nach der verlorenen Tochter, Angelika Overaths Reise nach Istanbul und Sepp Malls ebenfalls sehr schönes Buch über den verlorenen Bruder, der von Hitler ermordet wurde.

Jetzt bin ich nur gespannt, wer außer mir noch alle Bücher gelesen hat? Habe noch ein paar Bücher vor mir, bevor ich mich an das Schweizer Buchpreislesen machen kann.

Vatermal

Jetzt das vorletzte Longlist und sechste Shortlistbuch des heurigen dBps, des 1988 in Nordrhein-Westfalen geborenen Necati Öziris “Vatermal”, der 2021, glaube ich, auch einen Auszug aus dem Buch beim “Bachmannpreis” gelesen hat.

Ein buch von dem ich mir vorstellen konnte, daß es den Preis gewinnt, was so nicht war, auf die Shortlist ist es aber gekommen und es ist vielleicht ein Gegenstück zu Fatma Aydemirs “Dschinns” und den “Leipziger Buchpreis” hat ja auch in der Sparte Belletristik ein Türke gewonnen, der seine Lebensgeschichte erzählte.

Diesmal also nicht und das Buch wurde als Briefroman bezeichnet. Denn da liegt der junge Ardan mit einem Leberversagen im Krankenhaus, glaubt, daß er sterben wird und schreibt an seinen Vater, den er nicht wirklich kennt, weil der seine Mutter und seine Schwester verlassen hat, um in die Türkei zu gehen. Da wurde er zwar verhaftet und ist Jahre im Gefängnis gesessen, hat jetzt aber eine eigene Familie und Ardan weiß nicht recht, wie er seinen Vater ansprechen soll? Papa, Vater, Baba klingt bei einem Unbekannten nicht gut. So entscheidet er sich für dessen Vornamen Metin.

Es ist aber kein wirklicher Briefroman. Denn darum herum erzählt Necati Öziri eine, seine Familiengeschichte. Wie es den Migrantenkindern geht, die in Deutschland aufwachsen. Die Jugend der Mutter Umran, die zu Verwandten abgeschoben wird, dann aber sclhießlich doch nach Deutschland kommt, wird beschrieben.

Zuerst wird die Tochter Aylin geboren und Umran, die sie nie verlassen will. Tut das ein paar Jahre später aber doch, denn der Vater hat das Ersparte verspielt. So muß die Mutter beim McDonalds arbeiten und geniert sich dafür.

Sie ist nachdem der Vater sie verlassen hat, auch überfordert, fängt zu trinken an, so daß die Schwester zu einer Pflegefamilie kommt. Da wird beschrieben, wie die mit ihrer Freundin in einen Laden klauen geht, erwischt wird, und der Bobo-Pflegevater sich nur darüber lustig macht und Ardan sitzt mit seinen Freunden, die auch aus Migrantenfamilien kommen im Park. Hat Angst vor der Polizei, bekommt mit Achtzehn seine deutsche Staatsbürgerschaft, beginnt Literatur zu studieren und bricht dann mit Organversagen zusammen. Liegt im Krankenhaus, schreibt an den unbekannten Vater und wird von Mutter und Schwester besucht.

Wieder ein Stück Migrantenliteratur, das ein bißchen Einblick in das Leben von türkischen, etcetera, Gastarbeiterfamilien gibt. Das ist interessant und so setzt sich ein differenziertes Bild zusammen.

Dincer Gücyeter ist Verleger und ein bekannter Lyriker und Necati Öziri ist Theaterautor am Maxim Gorki Theater, wo glaube ich, auch Sasha Marianna Salzmann, die ja auch schon auf der Short- und der Longlist des dBp gestanden ist, tätig ist.

Maman

Jetzt kommt schon Buch achtzehn der letzten deutschen Leseliste und das fünfte Shortlistbuch “Maman” der 1944 in Chamberly geborenen Sylvie Schenk, die seit 1966 in Deutschland lebt und vor ein paar Jjahren auch beim “Bachmann-Preis”gelesen hat.

Ein Buch also, daß ich eigentlich auf meine Frankreichreise mitnehmen hätte können, wenn ich es schon gehabt hätte und auf der Rückreise lesen. Aber das habe ich da mit der Annie Ernaux getan und Sylvie Schenks Buch über ihre 1916 geborene Mutter, könnte man auch in diese Kategorie, die jetzt modern ist, einordnen.

Das eher dünne Büchlein besteht aus vielen kurzen Kapiteln, die alle eine eigene Überschrift haben. So würde ich dem Buch wieder den Romanstatus abstreiten, sondern eher in die literarischen Miniaturen- Reihe einordnen.

Es beginnt in einigen der kurzen Kapiteln mit dem Tod der Großmutter Cecile, die eine Stunde nach der Geburt ihrer Tochter Renee an den Folgen eines Kaiserschnittes gestorben ist. Sie war arm und ledig und so wurde die kleine Renee, von der man eigentlich annahn, daß sie nicht lange leben würde, zuerst in ein Waisenhaus und dann ans Land zu Kost und Pflege zu einem Bauernpaar gebracht. Dort wurde sie schlecht behandelt, von einer Kuh gebissen, so daß sie eine Narbe auf der Nase davon trug, bevor sie von einem bürgerlichen Paar adoptiert wurde, die ihr eine Puppe und einen Teddybär schenkten und sich auch sonst, vor allem die Mutter, liebevoll um sie kümmerten.

Sylvie Schenk dringt hinein in das Leben ihrer Mutter, daß sie noch nicht selbst erlebt hat, schreibt davon, daß es für die kleine schüchterne Frau, die mit zwanzig an einen Zahnarzt verheiratet wurde und sich vor dessen Sex sehr geekelt hat, obwohl sie von ihm fünf Kinder bekam, zwei Dinge sehr wichtig waren. Pünktlich zum Essen zu kommen und keine unehelichen Kinder, dann lieber abtreiben. Zwei der vier Töchter wurden aber Alleinerzieherinnen. Sylvie Schenk, die zuerst in Lyon studierte, verheiratete sich dann nach Deutschland und Maman ist mit fünfundsechzig Jahren, also noch sehr jung an einen <nNierenkrebs verstorben.

Seitensprünge oder den Verdacht dazu gab es auch. Eine Cousine erzählt Sylvie Schenk ununderbrochen davon. Es hat aber wohl einen Arnoud gegeben, einen Widerstandskämpfer, denn das war noch vor Sylvie Schenks Geburt im Jahr 1942 oder so, dem die Mutter folgen wollte und dafür sogar ihren Verlobungsring verkaufte. Der war aber schon verschwunden und so bleibt die Metapher von der Bettlerin, die irgendwo in der Nähe hauste und stank und irgendwann verschwunden war. Die Mutter hat sie Prinzessin genannt und ihr den Erlös vom Verkauf des Ringes gegeben, was sie der Tochter an ihren Sterbebett erzählte.

Ein interessantes Buch, ein Memoir würde man heute sagen, das in Episoden, Hn- und Hersprüngen vom Leben einer Mutter erzählt, wobei sich Sylvie Schenk wohl auch einiges ausgedacht haben muß, was vor ihrer Geburt geschah.

Echtzeitalter

Jetzt kommt schon das siebzehnte dBp-Longlistbuch, das vierte auf der Shortlist und das Siegerbuch, nämlich “Echtzeitalter” des 1992 in New Dehli geborenen Diplomatensohn Tonio Schachinger, der schon 2019 mit seinem Fußballromn “Nicht wie ihr” mit nicht einmal noch dreißig Jahren auf der Shortlist stand.

Was ist dazu zu schreiben? Zuerst vielleicht, daß mir “Echtzeitalter”, das ich schon bei den O-Tönen gehört habe und sicher war, daß es auf der Öst stehen würde, besser als der Fußballroman gefallen hat.

Kein Wunder, geht es darin ja um Literatur, mein Spezialgebiet und da muß ich sagen, daß Tonio Schachinger da wirklich sehr bewandert ist oder sich das nötige Wissen angelesen hat.

Es liest sich auch leicht, wenn es mit seinen dreihundertsechzig Seiten auch etwas langatmig ist und ich fast eine Woche dazu gebraucht habe. Interessant ist auch, daß Hubert Winkels, als er bei der Preisverleihung gefragt wurde, was er von dem Buchpreisträger hält?, in etwa antwortete, daß er nicht versteht, was das Besondere an dem Buch ist und da kann ich auch schreiben, daß mir von den vier Shorts “Drifter” , gefolgt von “Muna” am besten gefallen hat und dann bekam Clemens j. Setz– den öst- Buchpreis und auf der “Standard- Seite” empörten sich die Kommentierer, die vielleicht beide Bücher nicht gelesen haben, wieso Schachinger den Preis nicht bekommen hat?

Eine Frage, die leicht zu beantworten ist, weil er nicht nominiert war und man sich auch die Frage stellen kann, wieso einer alle und die anderen nichts bekommen sollen?

Das führt schon ein bißchen zu dem Buch über das man, obwohl es mir eigentlich gefallen hat, vielseitig diskutieren kann. Ich füge noch an, daß Clemens j. Setz wahrscheinlich literarischer ist, obwohl mir die “Monde”gar nicht so gefallen hat.

Also zum Buch: Ein Schul-, ein Internatsroman und es spielt in einer Eliteschle, im “Marianum” oder “Theresanum”, das die “Links” enteignen will. Im Buch wird es “Marianum” genannt, aber das “Theresianum”, diese Wiener Nobelschule, aus dem offenbar, die späteren Buchpreisträger hervorgehen, zumindestens für Wiener leicht zu erkennen ist.

Als wir nach Frankreich gefahren sind, habe ich ja “Paradise garden” zu lesen angefangen, wo das coming of age einer eher unterpriveligerten Jugendlichen beschrieben wird, während es in “Echtzeitalter” um ein Nobelinternat geht, das Tonio Schachinger selbst besucht hat und da werden also die Leiden der jungen Nobelschüler durch den strengen Deutschlehrer Dolina beschrieben.

Als Daniela Strigl bei den O-Tönen nach den “Schüler Gerber” fragte, hat Schachinger verneint, beim Schreiben daran gedacht zu haben und es ist auch schon lange her, daß ich das Buch gelesen habe, würde aber Parallelen sehen, beschreibt das Buch ja das Erwachsenwerden eines Nobelschülers, der von seinen Lehrer schikaniert wird und da frage ich mich schon ein bißchen, daß Eltern, die monatlich sechshundert Euro Schulgeld zahlen, sich das gefallen lassen.

Die Gründe dafür kann ich mir zwar schon vorstellen und wenn der Lehrer den armen Till schon so schikaniert, frage ich mich, warum der nicht auf die Rahlgasse oder eine andere Schule wechselt? Er hat aber ohnehin Glück, denn seine Matura findet im Corona-Jahr 2020 statt und da konnte man mit einem Befriedigend im Zeugnis eine leere Arbeit abgeben und trotzdem die Matura zu bestehen, was er auch macht.

Till ist aber auch ein begnadeter Internetpieler, verdient da offenbar schon sehr viel und reist nach China zu denTurnieren. Erbt als er achtzehn wird von seinem verstorbenen Vater auch sehr viel. Er verliebt sich in Feli und schleppt sich da mit seiner unglücklichen Liebe durch das Schuljahr.

Das wäre es eigentlich schon. In dreihundertsechzig Seiten wird aber natürlich noch viel mehr erzählt, nämlich, daß der Lehrer Dolina unbedingt “Reclam-Heftchen” haben will. De Schüller vergessen aber Stifters “Brigitta”, müßen also in der Pause über das Tor klettern und in eine Buchhandlung fahren, die versprochen hat, das buch zu haben, aber leider nicht die “Reclam-Ausgabe”.

So weit so what. Ein leicht lesbares Buch ist mein Resume, daß es über Literatur handelt, nimmt mich ein, daß es von Nobelschülern handelt, die später vielleicht die Welt regieren werden, finde ich etwas schade. Denn die Welt besteht ja nicht nur aus dem “Theresianum” und man sollte auch ohne eine solche Schule beucht zu haben, eine literarische oder andere Karriere machen können.

Kann man wahrscheinlich auch und wenn man “Paradise Garden” das ja auch auf der Longlist gestanden ist, gelesen hat, bekommt man auch die andere Seite mit und noch etwas habe ich vergessen, was ich interessant finde. Das Buch spielt in Ibizza-Zeiten, da gehen die Schüler dann auf den Ballhausplatz ,demonstrieren und trinken Bier und leider hat man ihnen nachdem sie sechzehn wurden, auch das Rauchkammerl zugesperrt, weil da ja das Rauchen erst ab achtzehn und überhaupt nur mehr im Freien erlaubt war.

Die politische Dimension, was bei Buchpreisbüchern, wie ich dachte, eigentlich verboten ist, spielt also auch eine Rolle. Es gibt also noch einen jungen Autor, außer Elias Hirschl, der sich dafür interessiert und ich kann gespannt sein, was ich von dem jungen Autor, den ich vielleicht fälschlich für arrogant halten würde, noch hören werde?

Interessant, was er als nächstes Sujet wählen wird? Denn das ist auf jeden Fall außergewöhnlich, daß er sich an diese Themen macht und damit mindestens auf die Shortlisten kommt.

Weil da war etwas im Wasser

Buch sechzehn der deutschen Longlist und das achte der sechs Österreich-Bücher “Weil da war etwas im Wasser” des in Deutschland geborenen Luca Kieser, der in Wien lebt und dort an der Sprachkunst studierte und dessen Debut bei “Picus” erschien und daß das sehr experimentell ist, habe ich schon aus verschiedene Besprechungen erfahren.

Der “Papierstaupodcast” war voll begeistert und ich muß schreiben, ich habe das Tolle an dem Buch nicht gefunden. Mir schien es wieder als ein Run von Hunderten ins Hundertstausende mit Fußnoten, Vor und Rückblenden und den verschiedensten Erzählsträngen, die eigentlich keine sind, denn der Erzähler ist ja ein Tintenfisch. Ein Riesenkalamar oder eine Kalamarin, beziehungsweise deren Arme und das halbe Sachbuch, daß das Buch auch sein soll, habe ich auch nicht gefunden. Ich habe auch einiges überflogen, weil mir das Hin und her zu viel war und ich mir die Zeit nicht nehmen wollte, das Ganze solange zu studieren, bis ich alles verstanden habe.

Denn eigentlich geht es ja weniger um diesen Tintenfisch, den zu Literatur zu machen, offenbar derzeit modern zu sein scheint, sondern, wie schon geschrieben um eine Unzahl von Erzählsträngen.

Da gibt es eine Familie Sanchez, deren Stammbaum man am Schluß sehen kann. Es wird innerhalb des Buches mehrmals darauf hinzuweisen und da würde mich interessieren, wie sich das E-Pup, das ich gelesen habe, vom Printbuch unterscheidet? Denn im Pup kann man hin und herswitschen wird von hinten nach vorn und wieder zurückverwiesen und diese Familie Sanchez besteht auch aus einer Sanja und einer Dagmar. Die Erste ist zweiundzwanzig, studiert im dritten Semester Publizistik und macht, höre und staune, ein Praktikum auf einem Schiff, das sich mit Fischfang, also auch mit dem Kalamar beschäftigt.

Die Dagmar soll den Tintenfisch nach Deutschland bringen, habe in der Beschreibung gelesen. Jules Vernes hat sich glaube ich auch mit Tintenfischen beschäftigt. Es gibt den “Weißen Hai” und einen jungen Autor, der während des Lockdowns seine Vorhaut operieren läßt. Der ist während eines Stipendiumsaufenthalt mit der real existieren Autorin Helene Bukowski in Berührung gekommen und gibt am Tag seiner Operation sein “Flamingo-Manuskript” seiner Agentin ab.

Der “Papierstau-Podcast” schwärmte, daß man in dem tollen Buch sehr viel über das Schreiben erfährt. Das sind wohl diese Stellen und was das mit dem Tintenfisch im Wasser zu tun hat, habe ich auch nicht so verstanden.

Ein sehr experimentelles Buch also des Sprachkünstlers. Robert Huez hat es auch gelobt, als ich ihm am Sonntag erzählte, daß ich es lesen würde.

Wenn ich alles, was mir so einfällt, wild durcheinander schreiben würde, würde mir wohl Kritik vom lieben Uli oder auch von wem anderen blühen. Hier denke ich fast, daß die das experemtentelle Schreiben mit dem freien Assozieren vermischt wurde, denn so experimentell habe ich das Ganze, abgesehen, von dem Hin und her Schwischen im Buch eigentlich nicht gefunden.

Auf die Shortlist ist es nicht gekommen und ich würde es in meinen Ranking gemeinsam mit dem Buch der Kathrin Röggla auch eher nach unten reihen.