Henriette lächelt

Als wir im Sommer von Frankreich zurückgekommen sind, ist mir aufgefallen, daß mein Blog mehr Traffic als sonst bekommten hat und dann hat sich die 1959 in Wien geborene Andrea Heinisch bei mir gemeldet und mir gesagt, daß ihr mein Blog gefällt.

Ich habe nachgeggoglet und bin darauf gekommen, daß sie eine Debutantin ist, die auch auf der Blogger Debutliese steht und deren bei “Picus” erschienees Buch am zweiten Oktober im Cafe Museum vorgestellt wird.

Da war in der Schmiede die große Jaschke Veranstltung, so hab ich das Buch angefragt und es jetzt gelesen.

“Heriette lächelt”.

Da ist die schöne und erfolgreich sein könnende Henriette. Nur leider hat sie hundertneunzig Klo. Sie lebt mit ihrer Mutter im selben Haus. Die Mutter ist verzweifelt, hat Schuldgefühle und versucht das Übergewicht hinunterzubrkommen, aber Henriette hat ihre Verstecke..

Sie st im Homeoffice Buchhalterin und als Corona kommt, wird ihr Martin, als Assistent unterstellt. Denn wenn sie Corona bekommt, ist sie sofort weg. Es beginnt eine Liebesbeziehung, die aber scheitert. Im Haus wohnt eine Sonja, die gerade ein Kind bekommt, um die sie sich kümmert.

In kurzen lakonischen Kapitel, die meistens mit “Henriette…” beginnen, wird diese sehr eindrucksvolle Eßstörungsgeschichte erzählt.

Sehr interessant und spanneend und wieder eine neue Autorin kennengelernt.

Mein Herz ist eine Krähe

Bevor ich zum Schweizer Buchpreisträger komme, geht es nach Schweden. In das von Neunzehnhundert bis Neunzehnhundertsiebzig und es ist das Debut der 1977 in Norrals geborenen Lina Nordquist und die hat eine verdammt gute Sprache, obwohl man bei Übersetzungen ja nie sicher sein kann, wie das Original ausschaut.

Erzählt wird in zwei abwechselnden Strängen von Unni, der Urmutter und Kara.

Kurz vor Neunzehnhundert mußte Unni mit ihren Geliebten Armod und ihren Sohn Roar von Norwegen nach Schweden fliehen. Denn Unni ist eine starke Frau, die sich mit Kräutern gut auskennt und damit auch ein bißchen Geld verdient. Dem Pfarrer von Trondheim gefällt das nicht, auch nicht, daß Unni unehelich schwanger ist, obwohl das Kind von ihm ist und will sie in eine Irrenanstalt einweisen.

Lina Nordquist erzählt in einer sehr starken Sprache von den Grausamkeiten und der Armut, das in Schweden um Neunzehnhundert existierte, obwohl das Schweden der Neunzehnsiebziger, als das Modernste galt, was sich, glaube ich, auch schon wieder geändert hat.

Damals war es offenbar üblich, daß sich die Männer von den Frauen nahmen, was sie brauchten und so landet die kleine Familie in einer schwedischen Kate im Wald und erlebt den Hunger. Beeren werden gesammelt, Kartoffel ausgegraben und dann gibt es noch die Eheringe, die Unni offenbar von dem Pfarrer mitgehen ließ und jetzt an Schuldgefühlen leidet.

Es gibt das Erlebnis mit der Bärin, die die Familie angreift. Die wird getötet, nach Hause geschleppt und hurrah, gekocht, aber leider viel zu wenig, so daß es zu Vergiftungen kommt.

Es kommt ein zweites Kind, die kleine Tone Amalie mit ihrer Puppe und dann noch ein Mädchen, aber da ist Armod, der Holzfäller schon gestrorben und Unni erzählt das alles ihrem Sohn Roar.

So geht es dahin, wenn Unni dem Bauern ihre Schulden nicht zurückzahlen kann, wird sie von ihm vergewaltigt und sie versucht immer die Kinder vorher in den Hochstand zu schicken, damit sie nicht zu viel davon mitbekommen.

So geht es dahin und eines Tages verschwindet Unni, wie vorher schon eine ihrer Töchter. Tone Amalie stirbt und Roar bleibt allein zurück, hat zuerst eine Freundin namens Irma, die Unni nicht gefällt und später Bricken und da sind wir schon beim zweiten Strang und in dem jetzt zweistöckigen Haus im Wald, in den Siebzigerjahren, zu der Zeit als Roar gestorben ist.

Da leben jetzt zwei Witwen und trinken Kaffee. Die eine ist Bricken, die Gattin von Roar, die andere Kara, ihre Schwieigertochter und die erzählt in abwechselnden Kapitel ihr Leben. Sie hatte psychische Probleme, kam bald mit der Psychiatrie in Berührung und Tabletten verschrieben, so daß sie Neunzehnhundertsiebzig Substanz abhängig war. Sie versteht sich nicht mit Bricken, die sie unterdrückt oder sie sich von ihr unterdrückt fühlt. Sie scheint auch ein Verhältnis mit Roar gehabt zu haben. Geheiratet hat sie dessen Sohn Dag, der ist auch schon tot und die Beziehung war auch nicht gut. Es gibt den Sohn Bo, der aber verschwunden ist und so geht es dahin.

Das Verhunderfünfzig Seiten, bei “Diogenes” erschienene Buch, ist wie schon geschrieben, sehr eindrucksvoll, mit einer sehr schönen Sprache und vielen Wortschöpfungen.

Ich habe mir einiges davon aufgeschrieben und es war für mich ein wenig schiewerig, mich darin zurchtzufinden, so habe ich über eine Woche zum Lesen gebraucht, denn Lina Nordquist springt ständig von vorn nach hinten zurück.

Erzählt wird manches auch zweimal oder dreimal. Wahrscheinlich, um um die “Liebe, den Wahnsinn und die Verbundenheit”, auszudrücken, wie am Buchrücken steht und die Geheimnisse aufzulösen, die, die beiden Frauen näher bringen und miteinander verbindet.

Und ich habe eine mir bisher unbekannte Autorin kennengelenrt und muß sagen die nordische Literatur ist wirklich sehr eindrucksvoll und man sollte mehr von ihr lesen.

Glitsch

Hurrah, hurrah, jetzt kommt schon Buch vier des Schweizer Buchpreises und ich muß sagen, es ist das Beste, das ich von vier gelesen habe, obwohl mir der 1990 in Bülach georene Adam Schwarz bisher unbekannt war. Es ist aber schon das zweite Buch das der Schweizer geschrieben hat und “Glitsch” ist ein Parcour durch die seelischen Abgründe.

Glitsch kommt glaube ich von ausgleiten, die Spur verlassen und so geht es den Endzwanziger Leon, der Englisch studiert und mit seiner Freundin Kathrin auf eine Kreuzfahrt geht, obwohl er das eigentlich nicht will und das Geschehen dort für unsinnig hält. Er verstreitet sich auf den Schiff mit Kathrin, da hat er ohnehin einen Minderwertigkeitskompfex weil die Wahlaus, Kathrins Famile viel wohlhabender als seine ist.

Die Kabine steht plötzlich unter Wasser und die Rezeptionistin von der er ein neues Zimmer will, sagt “Das geht nicht ohne Kathrins Einverständis!”, aber die ist ja verschwunden. Also wird er in eine Mitarbeiterkabine einquartiert und dann wird er dauernd ignoriert, verfolgt und spinnt sich ein in den Gedanken, daß Kathrin ermordet wurde und er der Täter ist.

Es gibt auch eine Art Sekte, die sich über das Schiff, in dem dauern die Lokale versperrt werden, ausbreitet. Die Polizei oder der Sicherheitsdienst verfolgt ihn und einer bringt ihn weg von dem Schiff. Er kehrt aber wieder zurück, zur großen Schaumparty und da trifft er auch <kathrin und so endet das Buch.

“Dann riss der Schaum entzwei und der sah ihr Gesicht.”

Es gibt ein Nachwort von Philipp Theisohn und der erklärt uns seltsamerweise, daß der Roman noch gar nicht fertig oder vielspurig ist

Mr. Goebels Jazzband

Jetzt kommt das letzte Buch in diesem Jahr, das hundertsiebenundzwanzigste und das dritte, das für den “Schweizer Buchpreis” nominiert war und das auf mich am meisten gefreut habe.

“Mr Goebels Jazzband”, des 1987 geborenen Berner Demian Lienhard, der mir bis jetzt unbekannt war, wie mir das mit Ausnahme von Matthias Zschokke bei diesen Buchpreis überhaupt passierte.

Und Deminan Lienhard hat sich in seinen Roman mit “Charly und seinem Orchester” auseinandergesetzt, eine Jazzband, die es in dem nationalsozialistischen Berlin der Neunzehnhundertvierzigerjahre unter der Protektion von Josef Goebbels gegeben hat, um “den Briten in die Falle zu locken”.

In drei Teilen wird der Roman erzählt. Der Erste setzt sich mit dem 1906 in Brooklyn geborenen William Joyce, der der Propagandasprecher der Nationalsozialisten war und 1946 von den Briten wegen Hochverrats hingerichtet wurde.

Aber noch sind wir nicht soweit. Noch schreiben wir 1942 und da ist Joyce, der sich in Berlin “Froehlich” nennt, auf die Idee gekommen, einen Schriftsteller anzuheuern, der einen Roman über die Jazzband schreiben soll.

Die Wahl fällt, da Thomas Mann höchstwahrscheinlich dafür nicht in Frage kommt, auf den Schweizer Fritz Mahler, der als ein obskurer Typ geschildert wird, der tagelang in seinem Zimmer liegt und offenbar auf die Muse wartet.

Jetzt fährt er nach Berlin, tut dasselbe in seinem Hotelzimmer und bringt zwei drei Jahre nichts zusammen. Zwar besucht er die Jazzaufführungen, obwohl er von Musik nicht viel versteht und betrinkt sich mit Bier und billigen Schnäpsen.

Das ist schon der zweite Teil. Im Dritten kommt es zum Ende des Manuskript und dann gibt es noch zwei Anmerkungen, die die Schelmenhaftigkeit des Autors zeigt und zwar erzählt da zuerst der Herausgeber Demian Lienhard, das Ende von William Joyce.

Während es dann in das Berner Staatsarchiv geht und da schildert ein Archivar, wie er von Demian Lienhard aufgesucht wurde, der Recherchen zu seiner Familiengeschichte machen wollte und da auf ein Fragment seines Großvaters stieß, daß den Namen “Mr Goebels Jazzband” trägt, das er natürlich fertig schreiben muß.

Das ist auch gelungen, obwohl der Roman keinen wirklichen Plot und keine Spannungsbögen hat und jetzt gibt es noch zwei der Schweizer Bücher, darunter auch das des Preisträgers zu lesen.

Begona, la Trigena

Jetzt kommt das neue Buch der 1947 in Salzburg geborenen und in Wien lebenden Ruth Aspöck, die in Wien und in Spanien studierte, eine Zeit lang in Kuba lebte, sich in Wien in der AUF ,engagierte und einige Jahre lang, die Edition “Die Donau hinunter” hatte.

In der Pension hat sie evangelische Theologie studiert und ist da wohl auf das Buch “Rut”, der hebräischen Bibel gestoßen, das sie zu dem Roman “Begona, la Trigena” veranlaßte, in dem sie sich an die biblische Bibel haltend, die Geschichte einer jüdischen Familie, Elias und Nora und ihren Söhnen Maximillan und Kurt erzählt, die 1942 aus Wien nach Kuba auswanderten. Elias und die Söhne, die sich beide mit kubanischen Frauen verheirateten, arbeiteten in einer Diamantenschleiferei, die offenbar ihre Lungen so angriff, daß sie bald starben.

So daß sich Nora, an die biblische Erzählung angelehnt, 1950 entschloß, wieder nach Wien zurückzukehren. Sie wollte die Schwiegertöchter zurücklassen, damit die sich wieder verheiraten konnten, aber Begona, eine Mulattin mit afrikanischen Wurzeln, die die Erzählerin der Geschichte ist, bestand darauf sich ihr anzuschließen und die, nicht gut Deutsch sprechend fand sich 1950 in einer Kleingartensiedlung beim Prater wieder und erlebte den Rassismus, weil Wien zu dieser Zeit wahrscheinlich noch keine Kubaner gesehen hat.

Die arbeitswillige kräftige junge Frau begann in einer großen Gemüsegärtnerei in der Lobau auszuhelfen und wird von Nora, für unsere Auffassung vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aufgefordert, sich in das Bett des älteren Besitzers Boris Bender, der ein weitschichtiger Verwandter Noras ist, zu legen und sich ihm anzubieten. Der reagiert, wie erwartet, heiratet Begona, die bald von ihm den Sohn Oskar bekommt.

So weit die biblische und auch die fiktionale Geschichte, die von Ruth Aspöck, sehr sorgfältig recherchiert, erzählt wird.

So traf Begona in Havanna den geflüchteten Komponisten Paul Abraham, der dort in einem Luxushotel lebte und das Buch das Begona nach Europa mitnimmt, ist ein Gedichtband des kubanischen Dichter Nicolas Guillen, den Ruth Aspöck in ihrer Edition auch einmal herausbrachte.

Sehr genau und bedächtig und fast mit zu vielen Wiederholungen führt uns Ruth Aspöck in die hebräische Bibel und damit in das Nachkriegs-Wien der Neunzehnhundertfünziger Jahre, ein, wo es noch Lebensmittelmarken, sowie die Besetzung gab und der Staatsvertrag langsam vorbereitet wurde. Ein sehr interessantes Buch, das ich, die, ich sehr viel von Ruth Aspöck gelesen habe, für eines ihrer besten halte, weil es erzählender, als ihre früheren Bücher ist.

Bild ohne Mädchen

Hurrah, jetzt gehts schon oder erst, denn ich lese jetzt ja eher langsam, zum ersten Buch des heurigen “Schweizer Buchpreises” und da ist als erstes die 1990 geborene Sarah Elena Müller an der Reihe, die ich schon in der “Alten Schmiede” hörte.

Beim “Schweizer Buchpreis” ist überhaupt interessant, daß da meistes für mich völlig unbekannte Autoren darauf stehen und Sarah Elena Müller ist sicher eine sehr sprachgewandte junge Frau, die von ihrem Mädchen, in sehr poetisch verschlüsselter Weise erzählt, so daß das Verstehen gar nicht so leicht ist.

Das ist also das Mädchen. Es hat eigentlich keinen Namen oder eigentlich einen erfundenen, näßt ins Bett und wird deshalb von einem Heiler betreut lebt in einem Dorf, der Vater ist Biologie, die Mutter Künstlerin und das Fernsehen war, wie vor dreißig jahren in den künstlerischen Schchten nicht erlaubt.

So geht das Mädchen zum Nachbarn Ege und tut das dort. Sie dreht auch Filme mit ihm, hat Kontakt mit einem Engel und seine Frau Gisela wohnt in der Wohnung drüben und mischt sich offenbar nicht ein. Es gibt einen Sohn und die Kapitel sind in ”Das Kind”, “Das Mädchen “,”Die Tochter”, “Der Sohn”, “De junge Frau eingeteilt”.

Im ersten Teil besucht die Jndergärtnerin die Eltern und erzählt ihnen von den Osterbasteleien. Dann kommt das Mädchen in die Schule und hat eine andere Kappe, als die anderen Kinder auf.

Soäter geht es mit dem Vater Fröschezählen, um herauszubekommen , ob Biologie, die richtige Berufswahl für eswäre. Es gibt auch Großeltern, die von einer Pflegekraft betreut werden und über allem schwebt sehr poetisch und nur angedeutet die Frage des sexuellen Mißbrauchs.

Was will Sarah Elena Müller damit sagen? Eine Mittelschichtverwahrlosung aufdecken und vielleicht von dem erzählen, was sie so oder auch anders erlebt hat?

Ein sehr schönes poetisches Buch, obwohl ich ja eigentlich eine eher realistische Leserin und Schreiberin bin.

Fröhlicher Advent

Jetzt kommt wieder das Weihnachtsbuch, das mich Tag für Tag durch Geschichte zu Geschichte führt.

“Fröhlicher Advent – Ein Hausbuch für die schönste Zeit des Jahres – Herausgegeben von Franz Heinrich Hackl”, ein Buch vom “Insel-verlag”, das ich einmal irgendwo gefunden habe.

Dann beginnt es mit mahnenden Worten von Hermann Hesse der die Frage beantwortet “Was uns Weihnachten bringen sollte”, außer “Kindermärchen und Christbaumglanz” und das Schöne an dem Buch ist, daß es jeden Tag mit einem Gedicht beginnt, so am Ersten mit dem “Nun duftenden Wachs” von Rudolf Alexander Schröder, bevor Karl Heinrich Waggerl von den Weihnachtsbräuchen seiner Kindheit erzählt.

Tag zwei beginnt mit Rainer Maria Rilkes “Advent”: “Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt…” und Alfred Polgar von dem ich erst vor kurzem ein Buch gefunden habe, nimmt die Besinnlichkeit auf die Schaufel, in dem er von seiner Freundin Elfriede erzählt, die weil allein mit ihren Hunden Weihnachten feiert und ihnen Knackwürste serviert.

Am dritten Dezember gibt es ein “Weihnachtslied” von Theodor Storm “Vom Himmel in die tiefsten Klüfte Ein milder Sternherunter lacht”.

Dann geht es zu Peter Roseggers “Advent” auf dem Lande, wo die Knechte mit den Mägden scherzen und der Onkel dem Erzähler erklärt, was “Tauet Himmel den Gerechten” bedeutet?

“Alle Jahre wieder”, heißt es am vierten Dezember und Walter Benjamin erzählt von von einen “Weihnachtsengel”.

“Laßt uns froh und munter sein!”, tönts am Nikolaustag und dann erzählen in einer rumänischen Legende Mädchen von einer Wanderung, wo sie in einer Kirche übernachteten und dort den heiligen Nikolaus begegneten.

Am sechsten Dezember begegnen wir “Knecht Rupprecht” von Theodor Storm “…Sind`s gute Kind, sind`böse Kind?” und dann hilft nach einer niederländischen Gelände Nikolaus ihren Fußball wieder zu bekommen.

Am siebenten Dezember geht es dann etwas weniger adventlich zu. Das Gedicht von Christian Morgenstern beschäftigt sich mit dem winterlichen Seen und den Fischen, die darin schwimmen und dann hat ein Junge der Eishocky spielen will alptraumhafte Erlebnisse.

Am Achten gibts zuerst “Ein Lied, hinterm Ofen zu singen” und dann erklärt und ein bulgarisches Märchen, “Wie der Winter” entstand.

“Leise rieselt der Schnee!”, heißt es dann am neunten Dezember “still und starr liegt der See, Weihnachtlich glänzet der Wald, freue dich Christkind kommt bald” und erinnert uns, daß früher im Dezember überall der Schnee gelegen ist, bis es beim “Osterspaziergang” “Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…”, heißt, während die Klimaphobiker aufheulen, wenn Anfang Dezember ein bißchen Schnee liegt, den dann niemand wegräumt, weil das ja wirklich nicht zu erwarten war und dann geht es mit Hermann Hesse in Graubünden in den Schnee. Der stapft voll Freude in die Berge, wälzt sich dann in den Schnee, bevor er es in den von Engländern besetzten Hotel zurückgeht, in dem er sich sehr einsam fühlt.

“Es ist ein Ros eintsprungen”, heißt es am zehnten Dezember, obwohl Maria Empfängnis schon ein paar Tage vorher war, während sich Folke Tegetthoff dem “Rosmarin” annimmt. Denn da standen irgendwo im Heiligen Land ein Dornbusch, ein Rosenstrauch und ein Rosmarin und wußten nicht recht, wer der Schönste und Beste von ihnen war? Der Rosmarin enthielt sich vornehm. Dann kam ein Esel mit Josef und Maria, die an dieser Stelle Halt machen wollte. Josef schlug den Dornbusch vor. Da protestierte der Esel, auch bein Rosenbusch schrie er auf, während Maria ein paar Zweiglein für ihr Kindchen vom Rosmarin pflückte, der dafür in Zukunft blaue Blüten hatte.

Am elften Dezember gibt es ein schlesisches Weihnachtslied und dann unter dem Titel “Im flimmernden Schnee” das Ende aus Adalbert Stifters “Bergkristall”, wo die Kinder Sanna und Konrad vom Besuch bei der Großmutter doch noch nach Hause finden.

“Ihr Kinderlein kommet!”, ertönt es am zwölften Dezember, der Halbzeit bis Weihnachten und da berichtet uns Hans Canossa, wie er in dieser Zeit eine Krippe bastelte, sich mit Freunden schlug und höchstwahrscheinlich auch verliebte.

Am dreizehnten Dezember macht uns Johann Wolfgang Goethe ein “Christgeschenk”, während Hans Falladas Itzenblitz und Mumm schon im Sommer einen Wunschzettel machen und dann der hundert Mark Gratifikation nachjagen, damit sie sie sich auch erfüllen können.

James Krüss führt uns am Vierzehnten am Weihnachtstag in ein Kaufhaus, wo eine Puppe und ein Bär nicht verkauft wurden und deshalb sehr traurig sind. Der Wach- und Schließgesellschftsmann läßt für sie ein Licht brennen und dann kommt doch noch der Weihnachtsmann und holt sie ab, während Robert Walser am Weihnachtstag vom Wald in die Stadt hinuntergeht.

Am fünfzehnten Dezember reimt Heinrich Hoffmann von Fallersleben: “Ich lag und schlief, da träumte mir ein wunderschöner Traum: Es stand auf unserem Tisch von mir ein hoher Weihnachtsbaum.”

Und dann geht es ans Keksebacken, denn die Mutter trägt den Kindern und den Vater auf “Pomeranzenbrötle” zu backen, während sie zur Gretl geht. Eine hübsche Geschichte von Elisabeth Borchers und um die “Weihnachtsschiffchen” geht es dabei auch.

Am sechzehnten Dezember geht es um die Herbergssuche. Da schreibt zuerst Ludwig Thoma “Sie hielten es gar für gering, Wie es den kleinen Leuten ging. Was geht sie heut`das Wunder an? Nur Armen ward es kundgetan.”, während bei Hans Bender ein Lehrer seinen Schülern, die Herbergssuche modern erzählt, Maria und Josef also die örtlichen Gasthäuser absuchen läßt. Das Letzte ist das vom Vater des Hansel und der schwört Stein und Bein, daß er die beiden nicht abweisen wird. Dann erscheint ein paar Jahre später ein Paar in dem Gasthaus, als die Familie schon alleine feiern will, da ist der Hansl beleidigt, als der Vater es mitfeiern läßt.

Am siebzehnten Dezember führt uns Joseph von Eichdorff durch “Markt und Straßen steh`n verlassen, Still erleuchtet jedes Haus. Staunend geh ich durch die Gassen. Alles sieht so festlich aus.” und dann geht es wieder zu Robert Walser, der auf seine spezielle Art “Zwei Weihnachtsaufsätzchen” geschrieben hat.

“O du fröhliche!”, heißt es am Achtzehnten bevor uns Herbert Eisenreich erzählt, wie bei ihm die Mutter und die Tante die Geschenke hergerichtet haben.

“Friede auf Erden!”, wünscht sich am Zwanzigsten Conrad Ferdinand Mayer und ist damit leider immer noch höchst aktuell und dann kommt eine spanische Sage von den “Drei Hirtenbrüdern”, die das Weihrauch, das Gold und die Myrthe zu dem Kindlein brachten.

“O Tannenbaum, o Tannenbaum!”, tönt es am zwanzigsten und dann zieht der Weihnachtsmann traurig mit seinen Spitz herum, weil seine Geschenke den Kindern offenbar keine Freude mehr machen, so daß das Christkindlein auf die Idee kommt, den Tannenbaum mit Äpfeln, Nüssen und Kerzen zu schmücken und der “Allererste Weihnachtsbaum” ist geboren, den glaube ich, wie ich gelesen habe, auch eine deutsche Prinzessin nach Österreich bracht, etcetera.

Heinrich Heine hat ein Gedicht über “Die heiligen drei Könige” geschrieben, das man am einundzwanzigsten Dezember lesen kann, wie auch die Geschichte von Felix Timmermann, die mir schon bekannt erschien. Da gehen drei Außenseiter durch das Dorf, ein Hirte, ein Fischer, ein Bettler, haben Geschenke und Geld gesammelt und treffen dann wirklich auf ein Paar mit einem kleinen Kind, dem sie dann alles geben.

Am zweiundzwanzigsten Dezember geht es um die Flucht nach Ägypten der heiligen Familie. Da gibts zuerst ein Gedicht von Joseph von Eichendorff und dann wird die Geschichte in Form eines Arumischen Märchen erzählt.

“Morgen Kinder, wird was geben!”, heißt es dann am Dreiundzwanzigsten.

“Einmal werden wir noch wach, heißa dann ist Weihnachtstag!”

Und dann gehts ins Bücherland”, also eine etwas ungewöhnliche Geschichte, die uns Ernst Petzold das schenkte.

Am heiligen Abend gibts gleich zwei Gedichte, ein ebenfalls etwas ungewöhnliches von Rainer Maria Rilke und dann natürlich das berühmte “Stille Nacht”, das man ja nur am vierundzwanzigsten Dezember lesen oder hören darf und dazwischen erzählt und Elisabeth Borchers im “Schönsten Tag” von den Stunden vor der Bescherung.

Das war es dann. Der Advent vorbei. Weihnachten herangekommen und daher gibt es hier noch einiges Weihnachtliches zu sehen und zu lesen und natürlich mein Adventkalender von der “Nika, Weihnachtsfrau”, der ja, weil er fünfzigtausend Worte haben sollte, bis zum Silvester weitergeht. Also gibt es noch was zu öffnen:

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Ich wünsche allen meinen Lesern schöne Weihnachten!

Eine andere Welt

Jetzt kommt ein Wälzer oder ein Kanon zum “Gegenkanon”, nämlich “Bücher, die in die Zukunft weisen”, aus dem “C. H. Beck-Verlag”, herausgegeben von Jonathan Beck und da fängt es mit der Antike an. Wurden da doch Autoren ausgewählt, die ihre zukunftsweisenden Bücher vorstellten.

Die Erste in der Reihe ist Eva Gesine Baur, die, glaube ich ,unter den Namen Lea Singer schreibt und sie beginnt gleich mit “Laozi” von Dao de Jing, der ihr die Zukunft erträglich macht.

Mit Thukydides und seinen “Peloponnesischen Krieg” , beziehungsweise seiner “Historie mit Zukunftsanspruch” präsentiert von dem Historiker Jonas Grethlein vorgestellt, geht es weiter und da berichtet uns der Literaturagent Thomas Karlauf mehr von dem mir bisher völlig unbekannten Autor.

Xu Shen hat vor langer Zeit ein chinesisches Wörterbuch geschrieben und bei Marc Aurels “Selbstbetrachtungen” wird es bei mir dann etwas bekannter und am Schluß in der Antikabteilung geht es dann zur Bibel, die von dem Kirchengeschichtswissenschaftler Hubert Wolf sehr gepriesen wird.

Dann kommen wir schon zum “Mittelalter und zur frühen Neuzeit” und da wird zuerst Hildegard von Bingen “Scivias” zitiert und da rät Julia Voss den nicht Gläubigen das Buch, wie einen Lyrikband zu lesen. Friedich II hat ein “Falkenbuch” geschrieben, auch noch nie davon gehört und dann geht es schon zur Martin Luther und der “Freiheit eines Christenmenschen”.

Franziska Augstein hat sich Michail de Montaigne angenommen und hier einen Brief an den “Meister Felken” geschrieben.

Hans Pleschinski von dem ich schon einiges gelesen habe, hat über Saint-Simons “Memoiren” geschrieben.

Dann sind wir schon im “18.Jahrhundert” und da beginnt es mit Louis-Sebastien Mercier, der interessant, das Jahr 2240″ beschrieben hat, wo wir leider noch nicht nachprüfen können, wie sehr er sich irrte oder übereinstimmte.

Dann geht mit Christoph Martin Wieland weiter und dem hat sich natürlich Jan Philipp Reemtsma angenommen, der sich damit beschäftigt, “Wie man eine Anekdote liest?” Immanuel Kant erklärt uns dagegen was Aufklärung ist, um den “Ewigen Frieden” geht es bei ihm auch und Friedrich Schiller hat sich in seiner Antrittsvorlesung am 26. Mai 1789 in Jena mit “Was heißt und zu welchen Ende studiert man Universalgeschichte” beschäftigt. Davon läßt sich sicher einiges für die Gegenwart verwenden.

Das neunzehnte Jahrhundert beginnt dann mit Novalis oder Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, wie er wirklich hieß. Da hat sich Hans Maier mit dem Buch “Die Christenheit oder Europa” beschäftigt.

“Rot und Schwarz”, das von Franziska Meier vorgestellt wurde, habe ich, dank dem Bücherschrank meiner Eltern, schon gelesen.

Dann geht es zu Carl von Clausewitz, den laut Dominik Geppert, jeder kennt, aber keiner gelesen hat und seinem “Vom Kriege”, da gibt es in Zeiten, wie diesen sicher einige Gegenwartsbezüge, die sich entdecken lassen, wenn man das Buch lesen will.

Dann geht es zu Alexis von Toqueville, von dem ich noch nie etwas gehört habe, der aber gleich zweimal besprochen wird und seine Eindrücke über die “Demokratie in Amerika”.

Dann kommt schon das “Kommunistiche Manifest”, das habe ich auch nicht gelesen, obwohl man in meinen Studientagen eine billige DDR-Ausgabe nachgeworfen bekommen hat. Ich habe aber heuer das Buch über “Marx in Wien” Gerald Grassl bei der “KritLit” abgeschnorrt und ein Buch über “Marx stand still in Darwins Garten”, habe ich sogar zweimal gefunden und das passt, den Charles Darwin, ist der übernächste der für die Zukunft empfohle wird, obwohl man bei Marx zumindestesten Wien derzeit Schreikämpfe bekommt, wenn man ihn erwähnt und feststellt, daß der SPÖ Vorsitzende Andreas Babler angeblich eine Büste auf seinem Schreibtisch stehen hat.

Der Philosoph Ludwig Feuerbach wird erwähnt und dann wird es wieder literarisch wenn wir zu Gustave Flaubert kommen, von dem es, glaube ich, auch einige Romane im Bücherschrank meiner Eltern gab.

Den “Middlemarch” von George Eliot habe ich ebenfalls schon gelesen, weil es 2020 für den “Leipziger Buchpreis” nominiert war. Der nächste Roman oder ein Stück daraus, das man lesen soll ist “Der Großinquisitor” von Fjodor Michajlowitsch Dostojewskij und dann kommen wir schon zu Robert Louis Stevensons “Schatzinsel”, ein Buch, das wie Stephan Speicher schreibt, nicht nur für Kinder geeignet ist und in dem es um die Doppelrolle des Schiffkochs John Silver geht. Ein Buch, das ich wahrscheinlich in meinen Regalen, aber nicht gelesen habe und nun ein großer Sprung, wie ich finde zu Bertha von Suttners “Die Waffen nieder”, das man in der heutigen Kriegsbegeisterung, sicher sehr zum Lesen empfehlen kann, was ich schon im Gedenkjahr 2014 getan habe und dann kommt Sigmund Freuds “Traumdeutung”, das habe ich mir als Studentin gekauft und, ich glaube, auch gelesen.

“Die Erste Hälfte des 20. Jahrhundert” beginnt mit Theodor Herzls “Altneuland”, geht über zu Max Webers Kapitalismuskritik, die auch gleich zweimal gewürdigt wird. Käthe Kollwitz “Tagebücher” werden erwähnt und dann die von Franz Kafka, die habe ich einmal im Bücherschrank gefunden und auch gelesen, obwohl ich ja kein Kafka-Fan bin. 

“Dada” ist kein Buch sondern eine Kunstrichtung wird aber trotzdem von Thomas Krüger erwähnt und zusammengefasst.

Dann kommen wir zu dem Russen Jewgeni Samjatin, der mit seinem dystopichen Roman “Wir”, schon Orwells “1984” und Huxleys “Schöne neue Welt” vorweggenommen hat.

Robert Musils “Mann ohne Eigenschaften” habe ich im Sommer 1974 im Gartenhaus am Almweg gelesen und nicht verstanden. Das Wiederlesen würde sich also lohnen, aber wann nehme ich mir die Zeit dazu?

Und Joseph Roths “Radetzkymarsch”, auch ein Fund aus dem Bücherschrank habe ich schon gelesen. Man sieht, daß der Bücherkasten in der Wattgasse offensichtlich gut gefüllt war.

Dann kommen wir zu Ernst und Friedrich Georg Jünger und der Erstgenannte galt ja lang als Naziautor. Das scheint sich jetzt geändert zu haben und ich kann wahrscheinlich auch einiges von ihm in meinen Regalen finden.

Bei Stefan Zweig, von dem es ja einmal geheißen hat, daß man ihn aus dem Kanon streichen soll, wird der “Erasmus” zitiert. Den habe ich, glaube ich, gefunden aber nicht gelesen, halte seine Biografien ,aber nicht für so besonders und würde wenn ich für das Buch eingeladen würde “Die Welt von gestern” vorschlagen.

Das “Tagebuch der Anne Frank” wird natürlich auch erwähnt und gehört gelesen. Dann kommen wir zu Hermann Hesse, dessen “Sidharta” ja ein Jugendpflichtbuch ist. “Unterm Rad” habe ich nach meiner Matura gelesen und sein Wohnhaus auch bei einem unserer Schweiz-Urlaube besucht. Hier geht es um das “Glasperlenspiel” und das müßte ich noch lesen.

Von Karl Raimund Popper, dem berühmtenNamensgeber der “Popper-Schule” wird “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde” besprochen, was ein interessanter und neugierig machender Titel ist.

Primo Levi war wie Luca Guilani schreibt, eigentlich ein unauffälliger Mensch, der in seinen Geburtshaus in Turin auch gestorben ist, wenn da nicht Auschwitz und sein berühmtes “Ist das ein Mensch?” gewesen wäre.

Und bevor wir zu der “Zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts” kommen, wird natürlich noch George Orwell und sein berühmtes Buch besprochen, das leider inzwischen gar nicht mehr dystopisch ist und das habe ich als Studentin, glaube ich, in der Wattgasse gelesen. Im Seminar des Stephan Teichgräbers besprochen und es mir auch in zwei meiner Texte zum Vorbild genommen.

Die zweite Hälfte beginnt dann mit Hannah Arendt und ihren “Elementen und Ursprünge totaler Herrkunft.”

Im Romanbereich wird Ray Bradburys “Fahrenheit 451” vorgestellt. Da habe ich zwar nicht das Buch gelesen, aber in den Siebzigerjahren den Film mit Oskar Werner als Feuerwehrmann gesehen.

Mit Raymond Chandler wird ein Krimiautor beworben und weil die ja nicht zur ernsten Literatur zählen, muß Paul Ingendaay betonen, daß der “Lange Abschied” schon zum dritten Mal übersetzt wurde.

Nach Leo Brandt wird Günther Anders erwähnt, der in erster Ehe mit Hannah Arendt in zweiter mit Elisabeth Freundlich verheiratet war und sich mit ihr in Wien niederließ und seine “Antiquiertheit des Menschen sehr gelobt.

Astrid Lindgren muß in dem Buch natürlich auch vorkommen. Aber hier wird statt der “Pippi”, die “Madita” erwähnt.

Der mir unbekannte Frantz Fanon hat “Die Verdammten dieser Erde” geschrieben und der Verleger Christoph Lincks, der in der DDR aufgewachsen ist, erzählt uns, daß das Buch dort nur schwer zu bekommen war.

James Baldwin, der von Rene Aguigah vorgestellt wurde, habe ich dagegen schon gelesen, da er ja jetzt, glaube ich, sehr modern und in aller Munde ist.

Dann kommt der Nobelpreisträger von 2016 Bob Dylan, der wahrscheinlich mit “Blonde on Blonde” keinen Roman geschrieben hat. Dafür hat Vladimir Nabokov der in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, eine Autobiografie geschrieben.

Dann kommt der 1877 in Königsburg geborene Rudolf Borchardt der mit dem “Leidenschaftlichen Gärtner” offenbar ein Gartenbuch geschrieben hat mit dem er seine politische Meinung ausdrückte.

John H. Elliott wird erwähnt und verschiedene Wirtschaftskritiker.

Harold James schreibt, daß er “hätte es den 24. Februar 2022 nicht gegeben” sich nicht für Alexander Solschenizyn entschieden hätte.

“Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten” wird auch beschrieben und der schon erwähnte Carl von Clausewitz wurde von Raymon Aron in einem Roman erwähnt.

Die “Soziale Systeme” des Soziologen Niklas Luhmann werden von Armin Nassehi kommentiert. Dann wird wieder literarischer wenn wir zu Italo Calvino kommen.

Saul Friedländers “Das dritte Reich und die Juden” wird von Gerd Krumeich besprochen, ebenso wie die “Geschichten eines Deutschen” des Journalisten Sebastian Haffner von Volker Ullrich.

Dann kommen wir schon ins “21. Jahrhundert”, obwohl die Autoren, die da besprochen werden, lange vorher geboren wurden, also keine Debuts, die müssen wohl noch auf sich warten, denn es beginnt mit dem 2009 verstorbenen Ralf Dahrendorf, den ich, glaube ich, auf einigen Veranstaltungen erlebte und seiner “Suche nach einer neuen Ordnung”.

Der schwedische Schrftsteller Per Olov Enquist von dem ich einige Bücher gefunden aber noch nichts gelesen habe, ist 2020 gestorben. Sein “Besuch des Leibarztes” ist sehr berühmt, hier wird aber “Großvater und die Wölfe” erwähnt.

Dann gehts zur Widerstandkämpferin Freya von Moltke deren Mann im Jänner 1945 zum Tode verurteilt wurde.

Wieder geht es viel um Kapitalismustheorien, die Geschichte des Kongos und die chinesische Geschichte, bevor wir zu Greta Thunberg kommen, die jetzt ja ein bißchen in Ungnade gefallen ist und die ja will “dass ihr in Panik geratet!”, das waren wir ja die letzten drei Jahre und sind es immer noch, so daß es gut ist wenn uns Cedric Herrou rät “Ändere deine Welt” und auf das “Recht der gelebten Brüderlichkeit” setzt.

Die Corona-Pandemie wird erwähnt und beschrieben, wie sie alles, besonders das Schreiben und die Sicht auf Bücher, geändert hat.

Andrej Kurkows, von dem ich heuer schon zwei Bücher gelesen habe, “Tagebuch einer Invasion” wird von Aleida Assmann thematisiert, der uns den Unterschied zwischen Ukrainern und Russen erklärt.

Ein spannendes Buch, das einer viele Einblicke und Leseempfehlungen gibt, viel Philopsophie, Kapitalismuskritik, etcetera und viele Autoren von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Ob ich die vorgeschlagenen Bücher lesen werde, weiß ich nicht, bin ich ja eher an der Gegenwartsliteratur interessiert, kann das Buch aber gerade für die Weihnachtsfeiertage sehr empfehlen.

Hinter der Hecke die Welt

Jetzt kommt noch ein Klimaschutz- und Umweltroman, was in Zeiten wie diesen ja sehr modern ist.

“Hinter der Hecke die Welt” von der 1988 in Basel geborenen Gianna Molinari, die beim “Bachmann-Preis” gelesen hat und mit ihren Debut sowohl auf der dBp als auch auf der Schweizer-Liste stand. Auf dieser hätte sie mit ihrem neuen Buch auch stehen können, also eine kleine Vorschau auf das Schweizer Buchpreislesen, das demnächst folgen wird und das Buch ist eigentlich eine Sammlung von kleinen Stückchen und Zeichnungen gibt es auch dabei.

Da gibt es ein Dorf, das sich an das Verschwinden macht. Da gibt es ja auch ein Buch auf meiner Leseliste. Um das Dorf gibt es eine Hecke, die wächst und wächst und Touristenbusse zum Bewundern bringt und es gibt nur zwei Kinder in dem Dorf. Lobo und Pina, die nicht wachsen, weshalb die Experten auch immer zum Vermessen kommen.

Pina lebt mit ihrem Vater in der einzigen Pension, die keine Gäste hat und Lobo bei seiner Großmutter Loma. Pinas Mutter Dora forscht dagegen in der Anarktis und ihr sind immer wieder Kapitel gewidmet. In dem Dorf gibt es ein Museum, das von Loma bewacht wird und eine Gärtnerin, die die Hecke betreut, gibt es auch.

Dann gibt es einen Brandt, der die Hecke zertört und die Touristen zum Verschwinden bringt, wie auch immer wieder andere Dorfbewohner und auch Gegenstände verschwinden. Am Schluß verschwindet auch noch Lobo, der dafür den Getränkeautomat geplündert hat und am Buchrücken kann man lesen: “Nach ihrem vielfach preisgekrönten Debut “Hier ist noch alles möglich” – legt Gianna Molinari ihren zweiten Roman vor, der unsere Vorstellungen von Wachstum und Stillstand hinterfragt und dabei ebenso viel poetische wie politische Kraft entfaltet.”

Brust

Jetzt kommt ein Sachbuch beziehungsweise die “Geschichte eines politschen Körperteils” der 1968 geborenen Kunsthistorikerin Anja Zimmermann.

“Endlich ein Buch über das irritierende und sogar irritierende Potential der weiblichen Brust” hat Mithu Sanyal in der Beschreibung gejubelt.

Und dann geht es in der Einleitung des “Wagenbach-Buches”, das ich als Pub geschickt bekommen habe, los mit der Aufregung in Berlin 2021, als sich eine Architektin in einem Park die Brust entblößte und der Polizei übergeben wurde. Die hat geklagt und dann wurde das Brustentblößen erlaubt und Anja Zimmermann stellt sich die Frage, was an der weiblichen Brust so aufregend ist?

Nur erotisierend oder zum Stillen gebraucht? Das ist zu einfach findet sie und zeigt dann ein Bildchen, wo ein Mann mit kurzer Hose und nackter Brust einer gleichaussehnden Frau vorwirft, daß es obzön ist, wenn sie sich so zeigt.

Gibt man im Netz das Wort Busen ein, sieht man lauter erotische junge Brüste, während die alten Brüste, die bis zum Nabel hinunterhängen verschämt verborgen werden und in Frankreich hat man versucht den Frauen den Burkini zu verbieten, weil sie als Zeichen der Freiheit ihren Busen herzeigen müßen. Das passiert in Form des Bikini oder des Monokinis, der die Brust mit zwei Strreifen durchkreuzt, aber auch als obzön angesehen wird.

“Anziehen-Ausziehen” heißt dann das erste Kapitel und da geht es um das Korsett, das den Frauen früher aufgezwungen wurde. Das Reformkleid wurde dagegen erfunden und damit hatten die Frauen auch ihre Schwierigkeiten mit der Polizei, wie der “Simplizissimus” zeigte.

Aber vorher geht es durch die kirchlichen Darstellung der weiblichen Brust. Lust oder Laster ist da die Frage und kein anderer als Rousseau hat sich dafür eingesetzt, daß die Frauen ihre Kinder selber stillen sollen und nicht den Ammen übergeben. Dann wird die Frage der Erotik der afrikanischen Brust aufgeworfen. Josephine Baker, die mit einer Perlenkette ihren nackten Busen zierte, wird da angeführt.

Gehen wir noch weiter in die Geschichte hinauf, kommen wir zu den Busengrapschern, zu me too und zu den Migranten, die sich an dem weiblichen Busen vergreifen.

“Frauen klagen an” schreibt da der “Fokus” auf sein Titelblatt und der “Spiegel” hat das schon vorher mit “Der belästigten Frau” getan, wo da die Nippel begrapscht werden.

Und als Carola Rackete ohne BH zur Gerichtsverhandlung erschien, war das ein Skandal, wie auch von den Lehrerinnen gefordert wird, einen solchen zu tragen, damit die pubertären Knaben dadurch verwirrt nicht am Aufpassen gehindert werden.

Im nächsten Kapitel geht es um die Venus, das heißt um ihre verschiedene Darstellung von der von Willendorf bis zu der von Botticelli mit der Muschel, die schamhaft mit der Hand eine ihrer Brüste bedeckt. Es gibt die Hottentottenvenus, also die rassistische Darstellung von schwarzen Frauen. Da wird wieder Jjosephine Baker erwähnt, die ja auch schwarze Venus genannt wurde.

Über die Pornographie geht es zu den feministischen Darstellungen der Neunzehnsechzigerjahre. Da wird Valie Export mit ihren Tapp- und Tastkino als Beispiel genannt und interessant dabei, daß die Reporter darauf hinwiesen, daß Waltraud Höllinger, wie die Künstlerin wirklich hieß, Mutter ist, während sich bei Peter Weibel, der sie begleitete, niemand erkundigte, ob er Vater ist?

Und weil es ein modernes Buch ist, wird auch die Brust als sekundäres oder sogar als primäres Geschlechtsorgan in Frage gestellt und auf Reisebeschreibungen hingewiesen, die von stillenden Männern berichteten.

Dann kommen wir wieder zum Stillen, da hat ja Rousseau oder die französische Revolution die Frauen aufgefordert ihre Kinder selbst zu stellen und sie dadurch vielleicht von der Öffentlichkeit verdrängt und es werden auch die Beispiele von den stillenden Ziegen erwähnt und und dann kommen wir zu dem Protest der Frauenbewegung der Neunzehnsiebzigerjahre. Da haben sich ja Frauen entblößt um bei Gerichtsverhandlungen zu protestieren und Mama Merkl ist einmal zu tief dekolletiert bei einem Staatsauftritt aufgefallen, was großen Protest auslöste.

Es gibt die Brustvergrößerungen und Verkleinerungen, auch die bei Transpersonen und dann kommen wir zur Fragen, ob man Fußballspielende und sich für Mathematik interessierende Mädchen gleich eine Geschlechtstansformation schmackhaft machen soll.? Alice Schwarzer, die berühmte “Emma”, hat dagegen protestiert, aber den Fußballspielenden Frauen hat man ja lange den Busen hochgebunden oder überhaupt gemeint, daß Frauen nicht fußbll spielen dürfen. Die Abhilfe ist der Sport-BH, den es inzwischen gibt.

Das wars dann der Parcour durch den weiblichen Busen, den Anja Zimmermann in ihren Buch auch ein wenig in Frage stellte und am Schluß gibt es noch eine Darstellung von einem Busen, der von zwei Büchern gehalten wird.