Wieder einmal Textorstellungen

Die “Textvorstellungen” in der “Alten Schmiede” ist eine Veranstaltung, wo beispielsweise Leute, wie ch, lesen konnte, was ich auch ein paar Mal getan habe. Dann ist Kurt Neumann in Pension gegangen und jetzt werden die “Textvorstellungen” nicht mehr von Renate Zuniga, Reinhard Wegarth oder Friedrich Hahn organisert.

Es gibt sie aber noch und ich schicke auch immer ein Exemplar meines neues Buches hin. Das letzte Mal habe ich mit dem ersten “Literaturgeflüsterbuch” 2018 dort gelesen und jetzt gab es wieder sechs Lesende. Zwei mit Manuskripten, eine Ende der Sechzigerjahre geboren, drei in den Fünfzigerjahren und zwei sogar in den Vierzigerjahen und Benedikt Pühretmayr und Johanna Öttl hat moderiertund ich habe mich sehr gefreut, daß ich die Ruth gesehen habe, als ich die AS” betreten habe, denn die hat mich heute um zwölf angerufen und sich von mir verabschiedet, weil sie jetzt ein Schreibmonat lang nach Bad Hall geht und daher auch nicht zu meinen Geburtstagsfest kommen kann und um zwölf hatte ich keine Stunde, denn die wurde gestern abgesagt.

Dann hat es aber geläutet, es war die ein Uhr Klientin und die Ruth hwar nicht mehr zu erreichen. Also das mit ihr geklärt und dann ging es los mit Corinna Antelmann, von der ich schon zwei Bücher gelesen habe. Ihr neues Buch heißt “Barcelo na dream oder Puppen leben nicht”, haneltz von der Filmregiseurin Eva und ist in der “Edition Roesner” erschienen. Dann kam das Debut eines 1946 geborenen, nämlch Wolfgang Martin Roth, er sich daran mit einemArzt beschäftigt, der in Pension geht und daher die NS-Vergangenheit seines Vaters aufarbeiten will.

Die nächste Lesende war die 1955 geborene Evelyn Holloway, die ich von der GAV kenne, in England lebtund jetzt zweisprachige Gedichte heruasgegeben hat. Dann gab seine Pause, wo ich die Ruth und auch Johanna Öttl auf das Gstöttmeier-Buch aufmerksam machte, das nächste Woche auf der “Buch-Wien” vorgestellt werden wird und ich das gerne Michael Hammerschmid für sein Lyrik-Festival vorschlagen würde.

Danach kam Friedrich Hahn, 1952 geboren und der Inhaber dreiundfünzig Bücher, wie er mir erzählte. Ich habe schon über sechzig. Habe von ihm aber die Idee zu meinen sechzigsten Geburtstag aus dreißig Büchern zu lesen, geklaut und ich habe vor kurzem sein “Der Autor steht für Lesungrn und Pressetermine nicht zu Verfügung” beim “Frick” um einen Euro gekauft.

Jetzt las er aus “Leergut – der etwas andere Roman nebst 36 lyrischenEssenen” und Katharina Riese, die ich einmal bei meiner Frauenlesung eingeladen hatte, folgte und sie las aus einem Manuskrip und Textminaturen, die aus ihren Träumen- Traum und Trauma bestehen.

Der letzte Lser war mir wieder unbekannt, nämlich der experimentelle Lyriker Curt Duca, der in “Worten 2” eine Text- und Toncollage brachte. Dann gabs wieder Wein und Knabbereien und ich bin durch die Halloween gefüllten Straßen, süßes oder saures, weil man jetzt ja wieder Feiern darf, nach Hause gegangen.

Priessnitz-Preis an Bastian Schneider

Das ist ja ein Preis der seit 1994 vom Bundesministerium vergeben, kuratiert und vorgeschlagen von Gustav Ernst und Robert Schindel besteht. 1994 hat ihn Margit Kreidl bekommen. Das ist noch komplett an mir vorbeigebangen.

Das erste Mal war ich, glaube ich, dort als er 1998 an Sabine Gruberc vergeben wurde, da hat sie gesagt, daß sie schon früher vorgeschlagen worden wäre, da sie aber mit Robert Schindel zusammen war, aber jetzt ist es genug und sie nimmt ihn an.

Da sind wir glaube ich an dem verängerten Wochenende zwischen dem Nationalfeiertag und dem ersten November mit der Anna am Traunsee wandern geewesen und irgendwann habe ich angefangen regelmäßig dorthin zu gehen und darüber zu bloggen.

Reinhard Priessinz wurde1945 in Wien geboren und 1995 am fünften November dort gestorben, den ich, glaube ich, gar nicht kannte. Ferdinand Schmatz ist, glaube ich, sein Nachlaßverwalter und außer an Lotto Podgornik die ich vom Bund demokratischerr Frauen kannte und die, glaube ich, eine Journalistin ist oder war, wurde der Preis an die junge Avantgarde vergeben.

Also nicht an mich, sondern an Angelika Reitzer, Michael Hammerschmid, Andrea Winkler, Richard Obermayr, Judith Nika Pfeifer, Anna Weidenholzer, Robert Prosser, Anna Eisabeth Mayer, Sandra Gugic, Hanno Millesi, den ich ja sehr mag, die Verleihung meiner Stunden wegen, versäumte, Antonio Fian, Barbi Marcovic, Elias Hirschl, Simone Hirth, Jana Volkmann und jetzt an Bastian Schneider vergeben wurde und den 1981 in Deutschland geborenen kenne ich glaube ich von den Sprachkunstlesungen. Er hat auch beim “Bachmann-Preis” gelesen” und sein beim “Sonderverlag” erschienenes reichen Werk, kenne ich, eher nicht, wie ich zugeben muß.

Desmal viele bekannte Gesichter im Lteraturhaus, Marcus Fischer, den Trainer beim Writersstudio, Ferdinand Schmatz, der mich sogar angesprochen hat, Daniel Terkl, der Moderator, hat das auch getan und dann habe ich auch zwei Leute gegroffen die ich, glaube ich, seit Corona nicht mehr gesehen habe, interessant.

Peter Rosei hat die Laudatio gehalten. Dann kamen die lobenden Worte der Jury und eine Priessnitz-Geamtausgabe bekommt der Preisträger neben dem Scheck auch als Geschenk und Bastian Schnieder bedankte sich dafür mit einem Brief an den “Lieben Reinhardt” in dem er seine Werke einbaute. Nachher gabs diesmal zur Abwechslung Prosecco.Ich bin da gestanden und habe dann Robert Huez gefragt, wer den österreichischen Buchpreis gewinnen wird?

Das frage ich ihn jetzt immer. Teresa Präauer meinte er und die fünf der sechs österreischischen Nominierten auf der dBp hat er mir auch nicht sagen können. Bei Raphaela Edelbauer und Teresa Präauer war ich bei der Präsentation, bei den anderen wahrscheinlich nicht.

Nächste Woche werden wir den österreichischen Buchpreisträger wissen und ich hatte ja auch ein Österreicherinnen Buch nämlich Kathin Rögglas “Laufendes Verfahren” zu lesen begonne, weil ich mir jetzt ja immer ein Printbuch zu den Veranstaltungen mitnehme und Gustav Ernstn habe ich von der Lesung in St. Pölten erzählt, wo eine seiner Akademieteilnehmerin ihr Buch präsentierte und da den Schweinbraten erwähnte, den er dort gegessen hat, als sie wissen wollte, was ein Erssay ist?

Interessant, interessant und alles Gute, lieber Bastian Schneider, dem ich beim Hinausgehen gratuliert habe und dazwischen eifrig die Bücherschränke plünderte, wo ich seine Werke nicht fand.

Drifter

Buch acht der deutschen Longlist und das zweite Shortlistbuch “Drifter”, der 1970 in Berlin geborenen Ulrike Sterblich, das eigentlich weiter unten auf meiner Liste steht, da es da aber um eine geheimnisvolle Frau in einem gelben Kleid geht, die den zwei Freunden Wenzel und Kller in der U-Bahn begegnet, habe ich es vorgezogen, um Inspirationen für meine “Stalking-Story” zu bekommen, bei der ich ja steckte und o Wunder, ob das mit dem Buch etwas zu tun hat oder nicht, ich bin inzwischen weitergekommen, obwohl “Drifter” mit meinen eher biederen Schreibstil nicht zu vergleichen ist und ich kann gleich schreiben, daß mir das Buch sehr gut gefallen hat, wie auch das der Terezia Mora. Jetzt bin ich nur gepannt, wie es mir mit dem Gewinnerbuch geht, wo ja viele meinen, daß der Gewinn für sie unerwartet war.

Also “Drifter”, eine geheimnisvolle Geschicht, Berliner phantastischer Realismus mit der neuen Hipstersprache, spannend, spannend und ich hätte dem Buch den Gewinn gegönnt, habe aber vier andere von der SL noch nicht gelesen.

Der Ich-Erzähler heißt Wenzel Zahn und betreut das Socialmedia eines Rundfunksender,s sein Freund Killer, Marko Killmann ist ein erfolgreicherManager und die begegnen in der U-Bahn, die geheimnisvolle Vica im Glitzerkleid begleitet vom Hund Bello und in der Hand hält sie ein Buch des Starautors Drifter “Elektrokröte”, das noch gar nicht erschienen ist.

Ab da geht es rund. Wenzel wird von Blitz getroffen, schmeißt seinenJob hin und zieht wieder in das Haus seiner Mutter, wo die beiden Freunde auf aufgewachsen sind. Wenzel geht zu einer Party und trifft da Vica wieder, erfährt ihren Namen, sie nimmt ihm im Auto mit, weiß viel über ihn, dann feht ihm noch das Portemonnaie und als er es wieder bekommt, sind zweihundert Euro mehr daran.

Er bekommt dann von Vica oder ihrer Assistentin einen Auftrag, nämlich Wohnun gen in jenen Haus für sie zu suchen und Vica, die eine Frau Doktor und auch eine Herzogin ist ,errichtet dort ein Imperium.

So geht es rund und gipfelt in einer Party. Danach verschwindet Vica mit ihren Assistentn und in der Stadt geht es noch runder zu. In den Altersheimen verjüngen sich die Insaßen und aus den Zoos verschwinden Tiere. Wenzel hat auch den geheimnisvollen Drifter getroffen, der ihn bittet niemanden seine Identität zu verraten und das geheimnisvolle Buch, das vorher nicht zu bekommen war, erscheint.

Eine Satire auf den Literaturbetrieb hat ich irgendwo gelesen, so habe ich das gar nicht empfunden. Habe das Buch aber mit Vergügen gelesen und eine neue literarische Stimme entdeckt, die mir bisher unbekannt war.

Wir werden fliegen

Jetzt kommt das letzte Buch der Öst, ja diesmal bin rich schon vor der Preisverleihung mit dem Lesen fertig, aber Susanne Gregos “Wir werden fliegen” ist ohnehin nicht auf die Shortlist gekommen, das fünfte Buch, der 1981 in Zilina geborenen Susanne Gregor, die seit 1990 in Österreich lebt und auf deren Debut ich einmal auf einer “Buch Wien” gestoßen bin. Dann ist sie weil sich die “Edition Exil” ja als Start zu den großen Verlagen versteht, zu “FVA” gekommen. Bei einer Lesung mit ihr und Mareike Fallwickl, die ich ja vom Bloggen kenne, bin ich im Literaturhaus gewesen.

“Das letzte rote Jahr” habe ich gelesen und das neue Buch “Wir wollen fliegen” wurde, glaube ich, auch bei der letzten Leseauslese erwähnt.

Ein interessantes leises Buch, das, das unstete Leben der Dreißigjährigen schildert und das Herumfliegen im globalen Raum beschreibt und, wie offenbar heute üblich, nicht chronologisch erzählt.

Es geht um die Geschwister Alan und Misa, in Zilina, glaube ich, aufgewachsen, die später nach Österreich gekommen sind. Das heißt Misa ist das mit ihren Eltern. Der Bruder ist schon früher, noch vor dem Mauerfall nach Hamburg ausgebüchst und hat sich da beim Verladen als Bahnhofsarbeiter, die Schulter verletzt, was ihn dazu brachte in Wien Medizin zu studieren und ein hervorragender Assistenzart im AKH zu werden, während Misa Literatur studierte, als Werberin nebenbei arbeitet und dann kurz zu der Großmutter Aniko nach Banska Bystrica, als sie von einem Erik gestalkt wird, was sie in Panik versetzt. Dort versucht sie sich als Deutschlehrerin, wird aber bald ,ob ihrer modernen Unterrichtsmedtoden hinausgeschmissen und lernt auf der Treppe des Instituts, Jo, einen in London aufgewachsenen Kinder kennen, mit dem sie kurzfristig nach Berlin aufbricht.

Das Buch beginnt aber, als Alan das zweite Mal verschwindet. Vom AKH ist er geflüchtet, weil er, obwohl erst Assistenzart und eigentlich nur unter Aufsicht operierend in einen Pfuschskandal verwickelt wird. Er flieht durch ganz Europa und das Buch ende, als das Handy in seiner Hosentasche vibriert, also die Familie, beziehungsweise die Geschwister vielleicht wieder zusammenkommen.

Strohwitwen-Recherche-Stadtschreiberwoche

Am letzten Freitag ist der Alfred mit dem Karli für eine Woche in die Toskana gefahren. Er ist ja ein reiselustiger Typ. Ich bin das weniger, bin ich ja neben meinen Brotberuf eine eifrige Schreiberin und habe da auch einiges vor, obwohl das mit dem neuen Projekt ein bisschen chaotisch ist.

Bin ich ja vor einigen Wochen mit den “Die Toten lassen grüßen” fertig geworden. Anfang Oktober war das ungefähr und für das Neue hatte ich schon seit Sommer Pläne, wollte ich ja ein traumatisiertes Corona-Opfer mit einem schüchteren Studenten in der U-Bahn zusammentreffen lassen und eine Stalking Geschichte oder auch einen neuerlichen Corona-Aufarbeitungsversuch daraus machen. Im Sommer habe ich mir da einiges aufnotiert, wollte aber eigentlich erst im November im Rahmen des “Nanowrimos” wie schon seit 2009 immer wieder, mit dem Schreiben beginnen.

Also zuerst die Rituale, die Sachen herausholen, die Charakterbögen schreiben und die Fenster putzen. Ein paar Recherchetage, wo ich in der Stadt herummarschiere und mir Notizen mache, habe ich auch geplant und da eignent sich die Strohwitwenzeit ganz besonders. Dann bin ich aber mit dem Zeitrahmen durcheinander gekommen, nämlich in Harland Radgefahren und da hatte sich schon die ersten Szene geformt.

So habe ich gedacht, macht ja nichts, habe ich am ersten November schon öfter mit zwanzigtausend Worten begonnen und dann ein paar Szenen geschrieben. Danach in Wien die Fenster geputzt und zwischen meinen Stunden weitergeschrieben. Es kam die GAV-GV und die Frankfurter-Buchmesse, die ich ja seit 2008 eifrig streame und da war der Alfred schon weggefahren und ich dachte, als ich am vorigen Freitag zur “Poet-Night” ging, wenn ich jetzt die Stundenfreientage, die ich mir für den Stadtstreicherbummel reserviert habe, zum Recherchieren nütze, ist das auch nicht gut, denn mittlerweile habe ich 17 984 Worte, neunzehn Szenen, über sechsunddreißig Seiten und habe den Beginn mit dem ich nicht so recht zufrieden war, noch einmal durchkorrigiert.

Irgendwie weiß ich nicht recht weiter. Da wäre das Recherchieren recht gut. Mit dem Block in Wien herummarschieren und schauen, wie ich mit der Handlung weiterkomme. Aber eigentlich sollte ich das Ganze fertig korrigieren, damit ich die Handlung weiter planen kann und dann wäre vier Tage in Wien herumzulaufen eigentlich zu viel.

Also nur am Montag, habe ich gedacht, weil ich auch einiges besorgen wollte. Ein paar Unterleiberln, ein paar Büroartikeln und dann auch noch ein paar Schmankerln, etcetera. Dann mache ich meine Praxistage, korrigiere am Nationalfeiertag fertig, wo ich auch auf den Heldenplatz marschieren und mir die Leistungsshow des Bundesheere anschauen oder in der Hofburg, dem Herr Bp, die Hand geben, weil man das ja im Gegensatz vor zwei Jahren, als Ungeimpfte jetzt auch darf, ich aber nicht will. Natürlich nicht, mich nicht vorm Parlament anstellen und durch die Sicherheitschecks marschieren, da bin ich nicht der Typ dafürund im vorrenovierten Parlament war ich auch ein paar Mal bei den “Ohrenschmausjurysitzungen” und dann schauen, daß ich zu einem ordentlichen Handlungsplan komme und nicht schon wieder nach zwanzigtausend Worten fertig bin und mit dem Szeneplan am ersten November, das, was ich habe, hochlade und im Sinn des “Nanowrimos”schauen, daß ich zu einem spannenden Text komme.

Gedacht, geplant und am Montag beim “Sluka” einenThunfischsalat gegessen, bei der “Aida” einen Kaffee zu einer Kolatsche getrunken, was ich das als Studentin gegmäßig tat und vor einem Jahr dadurch zu einer ersten Szene des “Sozialen Kreditsystems” gekommen, dann habe ich mich noch ein bißchen beim “Frick” umgeschaut, bin beim “Steffl” aufs Klo gegangen und nach dem Mittagsschlaf habe ich auf der Mariahilferstraße ein bißchen geshoppt, bevor ich in die Hauptbücherei ging.

Ein wenig anstrengend aber auch interessant. Mit dem Text bin ich aber nicht wirklich weiter gekommen, will ich ja über keine Touristen schreiben, die mir den Bleistift aufheben, wenn er mir herunterfällt. Das der Severin übt, Mädchen in der U-Bahn anzusprechen in dem er über das Wetter plaudert und ihn die Laura dabei beobachtet, könnte ich schreiben, habe ich gedacht, bin aber eigentlich wieder einmal mit dem Text unzufrieden, denke, ich kann es nicht und dann wieder, ich muß ja nicht schreiben, habe ich das doch schon soviel und so schlecht ist das wahrscheinlich doch nicht, auch wenn das niemand bemerkt und mir meine Spamer auch lustvoll widersprechen.

Etwas habe ich am Sonntag nach dem Frankfurtstreamen noch getan, ich bin zu meinen Bücherregal und vor die Reihe ggangen, wo meine über sechzig selbstgemachten Bücher aufgestellt sind und habe mich auf die drei Lesungen, die ich im November haben werde, vorbereitet. Haben sollte, denn das “Werkl am Goethehof”, wo ich mich am Achtzehnten ja wieder beim Open Mike beteiligen wollte, hat die Veranstaltung abgesagt, so daß nur mein literarischen Geburtstagsfest, das diesmal auch eher im Kleinformat stattfinden wird und die Lesung im “El Speta” zu dem mich der liebe Rudi eingeladen hat, überbleibt. Und beim Geburtstagsfest zum Siebziger werde ich den zehn Leuten, die vielleicht kommen, vielleicht nicht siebzig Minuten lesen, aber vielleicht meine Lieblingszenen aus der “Unsichtbaren Frau”, die schon damals im Republikanischen Club gelesen habe und dann den “Utopischen Roman” oder Szenen daraus aus den “Toten”.

Das ist schon vorbereitet und jetzt auf in das neue Projekt und in einen vielleicht chaotischen “Nanowrimo”. Aber mal sehen, was ich da am ersten November an Worten und am Handlungsplan habe, obwohl man im Sinne des Erfinders eigentlich plotlos einsteigen soll.

Muna oder die Hälfte des Lebens

Jetzt kommt schon oder erst Buch sieben des dBp und das erste Shortlistbuch.

“Muna oder die Hälfte de Lebens”, der 1971 geborenen Terezia Mora, die schon 2013 mit dem “Ungeheuer”, den dBp gewonnen hat.

“Den einzigen Mann auf den Kontinent” ehabe ich glesen und jetzt das zweite der vier DDR-Bücher, die heuer auf der Longlist standen und es ist ein sehr beeindruckendes Buch. Vierhunderfünfzig Seiten dick, ich habe es als PDF gelesen. Ein Lieblingsbuch von Denis Scheck, andere Rezensenten waren gespalten und beschrieben die Muna als unzuverläßige Erzählerin.

Wir sind, habe ich gehört, habe ich in den Rezensionen gelesen, immer im Kopf der Erzählerin, was ich nicht ganz verstanden habe, denn ich fand die Ich-Persepektive nicht für so ungewöhnlich. Die durchgestrichenen Stellen störten mich dagegen.

” Was soll das?”, denke ich, das scheint aber jetzt modern zu sein und wird auch hochgelobt.

Da ist also Muna, wie ihre Autorin, 1971 geboren. Also ist sie beim Fall der Mauer achtzehn. Se lebt mit ihrer Mutter, einer Schauspielerin, in einer fiktiven Kleinstadt der DDR und zu Beginn des Buches wird die alkoholkranke Mutter ins Spital gebracht. Muna muß also allein ihr Abitur machen. Sie beginnt bei einem Verlag zu jobben und lernt da Magnus kennen, einen Französischlehrer und Fotografen in dem sie sich maßlos verliebt. Eine toxische Beziehung, lese ich allethalben und das scheint auch die Sensation an dem Buch zu sein, was ich eigentlich gar nicht so ungewöhnlich fand, habe ich doch sehr ähnliche Klienten. Es kommt zu einer Nacht, dann verschwindet Magnus nach Rumänien, wie er sagt, kommt aber, weil die Grenzen jetzt offen sind, nicht mehr zurück.

Muna sucht ihn lang, zieht nach Berlin, beginnt Literaturwissenschaft zu studieren, geht später nach London und dann nach Wien, wo sie in verschiedenen akademischen Bereichen prekär tätig ist. Sieben Jahre später und in Zürich trifft sie Magnus wieder. Sie ziehen zusammen. Sie rennt ihm nach. Sie will ein Kind, er nicht und es kommt immer öfter zu gewalttätigen Situationen. Er schlägt und mißhandelt sie und verlässt sie schließlich.

Da wohnen beide in Bern. Sie dreht durch, macht dann doch ihr Studium fertig und beginnt wieder prekär und unterbezahlt in Verlagen, später in einer Buchhandlung zu arbeiten, bis sie Magnus oder einen Mann, der sich Benjamin nennt, wiedersieht. Er würgt sie und als sie gefunden werden, werden beide zuerst für tot gehalten. Er befindet sich im Koma und kann vorerst nicht sterben. Se hat dagegen noch die Hälfte ihres Lebens vor sich, wie ihr die Ärzte sagen und auch den Titel des Buches erklärt.

Ein prekäres Frauenleben, eine psychisch labile Frau, auch wenn sie blond und blauäugig, und, wie schon erwähnt, eine unzverlässige Erzählerin und nicht so unschuldig, ist, an der sich Terezia Mora, die vorher in ihrer Trilogie einen Mann als Protagonisten hatte, offenbar erproben wollte und sich, wie sie in diversen Interviews betonte, damit nicht so leicht getan hat, die Schwäche und die Hilflosigkeit auszuhalten, aber so schwach war diese Muna gar nicht, wie manche Rezensenten meinen.

En interessantes Buch allemal, auch wenn ich glaube, daß es es vielleicht zu lang ist und nicht alles einem strikten Handlungsfaden folgte.

Wandlungen im Radio Rosa

Das “Radio Rosa” das Crossoverprojekt der Patricia Brooks gibt es jetzt schon siebzehn Mal. Ein paar Mal bin ich dort gewesen und diesmal ging es um das Thema “Wandlungen”. Ein Großvater verschweigt seine Vergangenheit, die Enkeltochter forscht danach und das ganze passiert in Rollenspielen, steht in der Einleitung

Elisa Asenbaum, Evelyn Bubich und Raoul Eisenele haben zu diesem Thema ihren Text verfasst. Michael Fischer, hat wie immer seine Musik dazu beigesteuert und Evelyn Bubich ist überraschend krank geworden, so daß sie ihren Text eingesprochen hat. Ja heutzutage passiert alles elektronisch und dann ging es los mit dem Spiel in den verteilten Rollen.

Sehr ästhetisch und sprachlich kunstvoll. Daß die Großväter vielleicht Schuld auf sich geladen haben oder in den Krieg für Führer und Vaterland geschickt wurden und die Enkeltöchter nach seiner Schuld forschen, kann man sich ja vorstellen.

“Der Held des Tages trägt die Hackenkreuzfahne, der Held des Tages vergaß die Juden”, hieß es beispielsweise und dann ging es weiter mit den Helden, die schließlich zur Heldin wurden und, daß Jan Hus 1415 am Scheiterhaufen verbrannt wurde, was eigentlich nicht so viel mit der Schuld des Großvaters in der NS-Zeit zu tun hat, wurde auch thematisiert.

“Der alte Mann, der jeden Tag älter wird, der große Vater…” und so weiter und so fort, sehr poetisch umgeben vom Michael Fischers Soundtrack.

Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Dine Petrik und noch einige andere waren da und Patricia Brooks neuerschienes Buch “Flussgeister” für das es noch keinen Präsentationstime gibt, lag auch auf und Eleonore Weber hat ihr schon das Cover für ihren im Frühling erscheinenden Gedichtband präsentiert.

Barbi Markovics Minihorror

Die 1980 in Belgrad geborene Barbi Markovic kenne ich seit 2010, zumindestens dem Namen nach, weil sie da für die Buch Wien bloggte. Später hat sie mit ihren “Superheldinnen” den “Alpha” gewonnen und vorher, glaube ich, auch in Klagenfurt gelesen.

Die “Superheldinnen” sind drei Frauen mit serbischen Hintergrund ,die sich in einem Cafe am Siebenbrunnenplatz treffen und da ihre magische Kräfte entwickeln. Ja Barbi Markovic ist eine sehr außergewöhnliche Autorin und hat mit ihrer “Verschissenen Zeit” vielleicht auch ein wenig Pech gehabt, weil es da, glaube ich, auf der “2G Buch-Wien” vorgestellt wurde, die ich ja versäumte, das Buch aber gelesen habe. Den “Priessnitz-Preis”, wo ihre Freundin Mascha Dabic, die Laudatio hielt, hat sie auch gewonnen und jetzt das neue Buch den “Minihorror”, wo es um einen Micky und einen Mini geht. Donald Duck läßt grüßen könnte man sagen und das Buch ist eigentlich eine Kurzgeschichtensammlung, die dann zum Roman hochstilisiert wurde. Ein paar dieser Kurzgeschichten hat Barbi Markovic von Daniel Terkl moderiert, gelesen.

Das Literaturhaus war bummvoll, viele junge Leute ,die jubelten. Thomas Olah, den Shortlistnominierten habe ich gesehen, Mascha Dabic, Barbara Zwiefelhofer und die erste Geschichte handelte davon, wie Mini mit ihrem Micky am Land auf einen Weihnachtsmarkt geht und dort einen Hund statt einem Stern auf eine Weihnachtskarte malt.

Dann macht sie eine Journalistin, die den Schreibstil der Autorin erforschen will, fertig, weil sie nach ihrem schlimmsten Erlebnis fragt, das dann aufschreibt und keine Zeit mehr für das Fernsehinterwiev hat.

Eine Gastautorin hat die ungewöhnliche Autorin auch eingeladen. Nämlich Mercedes Kornberger, die eine Geschichte in dem Buch hat und dann gab es noch eine kleine Horrortombola. Man durfte eine Zahl rufen und Barbi Markovic las dann die entsprechende Kurzgeschichte.

Risse

Jetzt kommt schon oder erst Buch sechs der heurigen deutschen Buchpreisliste, habe aber inzwischen fast die ganze österreichische gelesen und bin jetzt endlich, könnte man so sagen, in das deutsche Lesen, weg von Österreich gekommen und da habe ich inzwischen erfahren, spielen einige Bücher in der EX-DDR und das erste sozusagen ist das der 1958 in Ahrensburg geborenen Angelika Klüssendorf, die mit ihrer “Mädchen oder April- Trilogie” schon öfter auf der dBp stand. Den dritten Teil der Trilogie “Jahre später” habe ich gelesen und bin da nicht recht hineingekommen, fehlen mir da ja die Kinderheitserinnerungen der Autorin, auch eine Meisterin des autofiktionalen Schreibens ist.

Das läßt sich mit den “Rissen” nachholen und da kann ich gleich wieder anfügen, was ich ja öfter schreibe und mich auch stört, es ist wieder kein Roman, sondern ein Erzählband und der dBp ist doch ein Romanpreis, allerdings ein besonderer, denn alle zehn Geschichten, handeln von dem namenlosen Mädchen, das später, wenn ich mich nicht irre “April” heißt und noch etwas besonderes gibt es dabei, das auch vom “Papierstaupodcast” kritisiert wurde, scheint es sich bei dem Buch doch, um eine Neubearbeitung einer früheren Erzähling zu handeln und in der beschäftigt sich Angelika Klüssendorf damit, was in der ersten Erzählung anders war und was sie davon ausgelassen hat.

Die Sprache, muß ich klein erwähnen, ist sehr kunst-und eindrucksvoll und ansonsten springt die Autorin von einem Erzählstil zum anderen, vom Mädchen zu der jungen Frau, die ihre Mutter ist und es beginnt mit der “Großmutter im Kirschbaum”, die das Mädchen in seinen ersten Lebensjahren offenbar betreute oder eigentlich beginnt es in einer Art von Vorwort mit dem Tod der Mutter und da erinnert sich die Autorin, daß die “Aus allen Himmeln” gelesen und das Buch als “voller Lügen” bezeichnete, was sie zur Rchtigstellung veranlaßte.

Es werden also die Erinnerungen des Kindes aus den Sechzig und Siebzigerjahren erzählt, den Streit zwischen der Mutter und dem Vater, der ziemlich gewalttätig war, den Schmuck, den die Großmutter hinterließ, nahm und damit ein paar schöne Tage am Meer verbrachte, wo er sich als Landschaftsmaler ausgab. Dann kehrte er zurück weil er das “Fitzelchen Gold”, was auch noch da sein sollte, haben wollte. Das trug die Mutter aber in ihren Mund. Dann brach er noch den Schrank auf, in dem die Mutter, die gelegentlich kellnerte, ihre “Schätze” verbarg.

“In Samstag, zwanzig vor zwölf”, schickt die Mutter, das Mädchen zum Fleischer Leberstreichwurst holen, nach dem sie drei Tage und zwei Nächte nicht nach Hause gekommen ist. Es ist aber zu spät. Das Geschäft schon zu und in der Richtigungsstellung, die es nach jeder Geschichte gibt, berichtet Angelika Klüssendorf von den Ritualen, die sie bei diesen “Leberwursttagen”, einen Schritt vor, einen zurück, durchführte, um das Ganze zu bewältigen.

In “Jui, Juli, August” wird das Mädchen im Sommer aus Leipzig abgeholt und vom Jugendamt zu seinem Vater und dessen neuer Frau nach Usedum gebracht, wo sie einmal vor Freude am Meer tanzt. Der Vater und die Stiefmutter führen dort eine Gaststätte und das Mädchen muß am Nachmittag mit der taubstummen Köchin die Fische verarbeiten. Sehr poetisch wird das beschrieben. Der Vater erzählt dem Mädchen von der Scheinschwangerschaft der Stiefmutter und scheint dann auch die Freundin Evi sowie die Köchin zu vergewaltigen, während das Mädchen ihre Basteleien am Strand zu verkaufen versucht, sich ins Weizenfeld in die Sonne legt und sich in seine Höhle flüchtet.

In “Alles hat seine Zeit”, geht es um die Armut, die das Mädchen diesmal in “Ich-Form” erlebt und das wird wieder sehr stimmungsvoll beschrieben. Das Mädchen geht Brot kaufen und sieht, wie sein Vater eine Geldbörse aufhebt, die ein Junge aus ihrer Klasse verliert. Darin sind zwei Mark dreiundachtzig, die der Vater bei der Polizei abgibt. Dann schickt er das Kind mit einem Goldring in den Konsum, um dafür Zigaretten, Brand und auch Eis einzutauschen. In der Geschichte holen die Verkäuferinnen die Polizei, während die das, wie Angelika Klüssendorf anmerkt, ihr den Brand und die Zigaretten gaben, das Eis hat sie zu verlangen vergessen.

In “Yvette intim”, ist die Mutter stolz auf die Tochter, als sie beim Stehlen erwischt wird, fragte sie darüber aus und schickt sie später auch auf Diebstour”. Dann geht es in “Gespenster” zu einem verpatzten Weihnachtsfest, die Mutter kommt betrunken heim, der Christbaum wird später aufgeputzt, dann schickt die Mutter das Mädchen in die Apotheke um Tabletten für ihr Kopfweh zu holen. Sie klaut ihr fünfzig Pfennige, die die Mutter später sucht und die kleine Schwester mit dem unbehandelten Leistenbruch so lange quält, bis sie den Diebstahl zugibt. Später quält sich das Mädchen selbst, daß sie den Diebstahl nicht zugegen hat und in “Hölle oder Himmel” startet der Vater jeden Karfreitag einen Selbstmordversuch und macht das Mädchen dabei zu seinen Zeugen. Der Letzte gelingt, die Tochter wacht mit einer Gasvergiftung auf und schreibt nach des Vaters Tod diese Geschichte.

In “Eine Krankheit” werden die Perspektiven gewechselt. Da erzählt eine Erzieherin, die ein Praktikum in einem Kinderheim, von der kleinen Nelly, die vierzehnjährig und spideldürr zu ihnen gekommt. Die ist brav und eifrig, weiß alles, hilft allen, so daß sie vom Heimleiter zu den “guten Kindern” gezählt wird. Dann ist sie aber auf einmal weg. Die Polizei bringt sie zurück, sie ist aus Sehnsucht nach ihrer Schwester nach Hause gelaufen oder ein Stück schwarzgefahren. DerJeimleiter stuft sie nun als schon mittelschwierig ein und das Weglaufen und von der Polizei zurückgebracht werden, wiederholt sich, so daß der Heimleiter, der für psychischen Befindlichkeiten kein Verständnis hat, sie als extra schwierig einteilt und im Nachsatz schreibt Angelika Klüssendorf von einem Fräulein Eulitz, das sie verstanden hat.

Dann geht es mit dem Ausreißen und dem Aufgegriffenwerden von der Polizei weiter. Das Mädchen gibt alles emotionslos zu Protokoll und wird dann von einem Polizisten ins Nebenzimmer geführt, der seine Hand auf ihre Schenkel legt, was zu Erinnerungen in ein Kinderheim und die Rituale, die die Mädchen dort hatten, führt. Trotzdem bleibt das Mädchen, spindeldürr und immer Hosen tragend, Jungfrau, was zu der letzten Geschichte “Sommer” genannt, führt. Da ist ein Polizist, der Erzähler und der erinnert sich an seine Sommer, wo er das Mädchen zuerst für einen Jungen hielt. Jahre später, schon in der Polizeiausbildung, kommt sie wieder und erzählt von einer Vergewaltigung.

Sehr eindrucksvoll, die zehn Geschichten, ein Paradebeispiel, wie man aus Geschichten einen Roman machen kann, mit verschiedenen Perspektiven, verschiedenen Erzählern immer wieder dasselbe erzählt.

“Das schlimmste was einem im Leben passiert!”, wie es Ana Znidar vom “Writersseminar” immer nennt, was mich immer zu der Frage führt, ob das gut für eine sein kann? Aber Angelika Klüssendorf gehört wohl zu denen. die immer wieder um ihre Erfahrungen und Erlebnissen kreist und Literatur daraus macht.

Die Frage, wie sehr das alles stimmt und ob das gut die Autoirn sein kann?, stellt sich natürlich auch und ich kann im Gegenteil zu “Jahre später” anfügen, daß mich hier die Sprache sehr beeindruckte. Wie geschrieben, ich habe “Das Mädchen” und “April”, die ja auch schon auf den deutschen Buchpreislisten standen, nicht gelesen und weiß daher nicht, wie sehr sich die Inhalte darin wiederholen oder verschieden sind. Würde Angelika Klüssendorf aber zutrauen, daß sie sehr gekonnt damit umzugehen weiß.

Wie geht es mit dem Canceln?

Im der Hauptbücherei wurde heute in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus die Anthologie “Canceln: Ein notwendiger Streit”, die von Tobias Heyl, Florian Kessler, und Jo Lendle im “Hanser Verlag” mit Beiträgen von zwölf anderen Autoren herausgegeben wurde, vorgestellt.

Jana Volkmann moderierte und diskutierte mit Daniela Strigl und Mithu Sanyal, die Texte in dem Buch hatten und interessant, daß Mithu Sanyal, die mit ihren “Identiti” vor zwei Jahren auf der deutschen Shortlist gestanden ist und derzeit auch Jurorin beim Bachmannpreis ist, zugeschaltet und nicht persönlich anwesend war. Interessant, was es heute alles gibt und deshalb fand die Veranstaltung wahrscheinlich in der Hauptbücherei statt, weil die vielleicht bessere technische Möglichkeiten haben. und das Thema Canceln ist auch sehr interessant und wurde auch schon auf den Messen und bei den GAV-Arbeitskreisen diskutiert.

Was darf man heute noch sagen und was darf man schreiben? Darf eine weiße Frau Amanda Gorman übersetzen und muß das Wort “Negerkönig” aus der “Pippi Langstrumpf weggestrichen werden und darf man in eine Autorenversammlung, wenn man ein Buch geschrieben hat, das “Mohr im Hemd” heißt?

Vor zehn Jahren hat man damit, glaube ich, noch Stipendien bekommen. Heute habe ich gehört, darf man das nicht mehr so nennen und als ich “Paul und Paula”, geschrieben habe, hat Chris Bader auch gemeint, daß ich weil ja nicht trans, sowas nicht schreiben darf und auch nicht über einen Joint, weil ich noch nie einen ggeraucht habe, wie mir die Doris Nussbaumer einmal sagte.

Aber dann darf man bald überhaupt nichts mehr schreiben. Norbert Kröll nicht eine Frau als Hauptperson nehmen und auch nicht über den dreißigjährigen Krieg, denn den haben wir auch nicht mehr erlebt und dann wird es eng in der Literatur, die sich ja damit rühmt, Geschichten zu erzählen, die wir dringend brauchen.

“Kein vernüftiger <mensch will Literatur verbieten oder doch?”, heißt es in der Buchbeschreibung und Jurenka Jurk zitiert gern ein Zitat von Maxim Gorki, “daß man nicht einer Bratpfanne gelegen haben muß, um über ein Schnitzel zu schreiben.

Es wird aber eng, denn in Frankfurt wurde ja Adania Schibli ausgeladen oder ihre Preisverleihung verschoben, weil sie Palästinenserin ist und das ist ja derzeit ein heikles Thema.

Und jetzt kann man ja Texte zensurieren, verändern oder zurückziehen, wie es beispielsweise auch in der Antohologie “O boy” über die neue Männlichkeit passierte. Aber was ist mit den Texten, die schon erschienen sind?

Also den “Negerkänig” raus aus der “Pippi Langstrumpf” und “Von Wiinde verweht” neu übersetzen, um die “rassistischen Wörter” hinauszustreichen und das führt zu einem interessanten Thema über das ich mich schon länger wundere, daß immer wieder neue und, jetzt die “Wahren Übersetzungen”, herauskommen und, daß “Schuld und Sühne” auf einmal plötzlich “Verbrechen und Strafe” heißt, was ich nicht verstehe.

Also jetzt ein Buch mit Beiträgen über Bücher, die einen prägten und die heute nicht mehr als korrekt gelten und da hat sich die 1971 geborene Mithu Sanyal Enid Blyton und ihre Jugendbücher ausgesucht, die sie als Kind geliebt und viel gelesen hat, obwohl die sehr rassistisch waren und da war auch interessant zu hören, daß da die Übersetzer viel verändert haben, so daß “Hanni und Nanni” im Original ganz anders heißen. Da bin ich dagegen über das Verändern und eigentlich auch über das Hinausstreichen des “N-Wortes”, weil das ja der damalige Sprachgebrauch war und solange sich nicht die Einstellung verändert, wird man die Worte immer umändern müßen, was wie ich hörte, jetzt schon dem Wort “schwarz” passiert.

Ich muß gestehen, daß ich Enid Blyton nicht sehr gelesen habe und die “Pippi Langstrumpf” eigentlich nur der anna, aber nicht selber als Kind und weiter interessant ist Daniela Strigls Beitrag, die sich mit Amanda Gorman beschäftigte bzw, den Wirbel, den es wegen der niederländischen Übersetzung gegeben hat.

Ein weiße Frau darf das nicht, wo kommen wir da hin? Obwohl es natürlich stimmt, daß der frühere Kanon weiß und alt war, während höchstens die adeligen Frauen schreiben durften und dann nur einige erfolgreich wurden. Aber wenn man das jetzt den Weißen verbietet, kommt man auch nicht weiter. Auf der Uni hat sich bezüglich Gendern und politischer Korrektness in den letzten Jahren einiges verändert, so daß die Studenten jetzt mehr auf ihre Gefühle achten und nicht darin verletzt werden wollten. So gibt es immer wieder Triggerwarunungen und manchmal wird dabei sehr übertrieben, wenn sich zum Beispiel, wie diskutiert wurde, Studenten weigern, James Baldwin zu lesen, weil er das Neger-Wort verwendete. Da denke ich, muß man differenzieren, wenn das junge Schwarze tun und sagen, der war konservativ, dann ist es wahrscheinlich verständlich. Tut das eine weiße Studentin, dann finde ich das eher dumm, aber vielleicht will die überhaupt und nicht lesen und drückt sich nur darum und da habe ich auch einmal gehört, daß der Ausdruck “Onkel Toms Hütte” verbobten wurde, weil der ja kein rebellischer Sklave war, aber hätte Harriet Beecher Stowe, das Buch nicht geschrieben, hätte sich da vielleicht nichts verändert.

Interessant, schreibe ich wieder und finde die derzeitigen Diskussionen sehr überhitzt, wenn man beispielsweise, wie auch Daniela Strigl meinte, jeden der anderen Meinung ist, gleich als Nazi oder faschistisch beschimpft und das Gespräch abbricht, wie das derzeit geschieht, gibt es keine Diskussionen mehr und das ist eigentlich sehr schade.

Also weiter schreiben was und wie man es will und sich nicht abschrecken lassen und die Diskussion war sehr interessant, auch weil wir ja das das Beispiel Thomas Bernhard haben, der sich in “Holzfällen” und beim “Heldenplatz” auch kein Blatt vor dem Mund nahm und da kann man auch zu Daniel Kehlmann und sein “Lichtspiel” überblenden, wo er über G. W. Papst geschrieben hat und dabei auch sehr viel erfunden hat, worüber sich, glaube ich, die Papst-Enkel empörten.