Am letzten Freitag ist der Alfred mit dem Karli für eine Woche in die Toskana gefahren. Er ist ja ein reiselustiger Typ. Ich bin das weniger, bin ich ja neben meinen Brotberuf eine eifrige Schreiberin und habe da auch einiges vor, obwohl das mit dem neuen Projekt ein bisschen chaotisch ist.
Bin ich ja vor einigen Wochen mit den “Die Toten lassen grüßen” fertig geworden. Anfang Oktober war das ungefähr und für das Neue hatte ich schon seit Sommer Pläne, wollte ich ja ein traumatisiertes Corona-Opfer mit einem schüchteren Studenten in der U-Bahn zusammentreffen lassen und eine Stalking Geschichte oder auch einen neuerlichen Corona-Aufarbeitungsversuch daraus machen. Im Sommer habe ich mir da einiges aufnotiert, wollte aber eigentlich erst im November im Rahmen des “Nanowrimos” wie schon seit 2009 immer wieder, mit dem Schreiben beginnen.
Also zuerst die Rituale, die Sachen herausholen, die Charakterbögen schreiben und die Fenster putzen. Ein paar Recherchetage, wo ich in der Stadt herummarschiere und mir Notizen mache, habe ich auch geplant und da eignent sich die Strohwitwenzeit ganz besonders. Dann bin ich aber mit dem Zeitrahmen durcheinander gekommen, nämlich in Harland Radgefahren und da hatte sich schon die ersten Szene geformt.
So habe ich gedacht, macht ja nichts, habe ich am ersten November schon öfter mit zwanzigtausend Worten begonnen und dann ein paar Szenen geschrieben. Danach in Wien die Fenster geputzt und zwischen meinen Stunden weitergeschrieben. Es kam die GAV-GV und die Frankfurter-Buchmesse, die ich ja seit 2008 eifrig streame und da war der Alfred schon weggefahren und ich dachte, als ich am vorigen Freitag zur “Poet-Night” ging, wenn ich jetzt die Stundenfreientage, die ich mir für den Stadtstreicherbummel reserviert habe, zum Recherchieren nütze, ist das auch nicht gut, denn mittlerweile habe ich 17 984 Worte, neunzehn Szenen, über sechsunddreißig Seiten und habe den Beginn mit dem ich nicht so recht zufrieden war, noch einmal durchkorrigiert.
Irgendwie weiß ich nicht recht weiter. Da wäre das Recherchieren recht gut. Mit dem Block in Wien herummarschieren und schauen, wie ich mit der Handlung weiterkomme. Aber eigentlich sollte ich das Ganze fertig korrigieren, damit ich die Handlung weiter planen kann und dann wäre vier Tage in Wien herumzulaufen eigentlich zu viel.
Also nur am Montag, habe ich gedacht, weil ich auch einiges besorgen wollte. Ein paar Unterleiberln, ein paar Büroartikeln und dann auch noch ein paar Schmankerln, etcetera. Dann mache ich meine Praxistage, korrigiere am Nationalfeiertag fertig, wo ich auch auf den Heldenplatz marschieren und mir die Leistungsshow des Bundesheere anschauen oder in der Hofburg, dem Herr Bp, die Hand geben, weil man das ja im Gegensatz vor zwei Jahren, als Ungeimpfte jetzt auch darf, ich aber nicht will. Natürlich nicht, mich nicht vorm Parlament anstellen und durch die Sicherheitschecks marschieren, da bin ich nicht der Typ dafürund im vorrenovierten Parlament war ich auch ein paar Mal bei den “Ohrenschmausjurysitzungen” und dann schauen, daß ich zu einem ordentlichen Handlungsplan komme und nicht schon wieder nach zwanzigtausend Worten fertig bin und mit dem Szeneplan am ersten November, das, was ich habe, hochlade und im Sinn des “Nanowrimos”schauen, daß ich zu einem spannenden Text komme.
Gedacht, geplant und am Montag beim “Sluka” einenThunfischsalat gegessen, bei der “Aida” einen Kaffee zu einer Kolatsche getrunken, was ich das als Studentin gegmäßig tat und vor einem Jahr dadurch zu einer ersten Szene des “Sozialen Kreditsystems” gekommen, dann habe ich mich noch ein bißchen beim “Frick” umgeschaut, bin beim “Steffl” aufs Klo gegangen und nach dem Mittagsschlaf habe ich auf der Mariahilferstraße ein bißchen geshoppt, bevor ich in die Hauptbücherei ging.
Ein wenig anstrengend aber auch interessant. Mit dem Text bin ich aber nicht wirklich weiter gekommen, will ich ja über keine Touristen schreiben, die mir den Bleistift aufheben, wenn er mir herunterfällt. Das der Severin übt, Mädchen in der U-Bahn anzusprechen in dem er über das Wetter plaudert und ihn die Laura dabei beobachtet, könnte ich schreiben, habe ich gedacht, bin aber eigentlich wieder einmal mit dem Text unzufrieden, denke, ich kann es nicht und dann wieder, ich muß ja nicht schreiben, habe ich das doch schon soviel und so schlecht ist das wahrscheinlich doch nicht, auch wenn das niemand bemerkt und mir meine Spamer auch lustvoll widersprechen.
Etwas habe ich am Sonntag nach dem Frankfurtstreamen noch getan, ich bin zu meinen Bücherregal und vor die Reihe ggangen, wo meine über sechzig selbstgemachten Bücher aufgestellt sind und habe mich auf die drei Lesungen, die ich im November haben werde, vorbereitet. Haben sollte, denn das “Werkl am Goethehof”, wo ich mich am Achtzehnten ja wieder beim Open Mike beteiligen wollte, hat die Veranstaltung abgesagt, so daß nur mein literarischen Geburtstagsfest, das diesmal auch eher im Kleinformat stattfinden wird und die Lesung im “El Speta” zu dem mich der liebe Rudi eingeladen hat, überbleibt. Und beim Geburtstagsfest zum Siebziger werde ich den zehn Leuten, die vielleicht kommen, vielleicht nicht siebzig Minuten lesen, aber vielleicht meine Lieblingszenen aus der “Unsichtbaren Frau”, die schon damals im Republikanischen Club gelesen habe und dann den “Utopischen Roman” oder Szenen daraus aus den “Toten”.
Das ist schon vorbereitet und jetzt auf in das neue Projekt und in einen vielleicht chaotischen “Nanowrimo”. Aber mal sehen, was ich da am ersten November an Worten und am Handlungsplan habe, obwohl man im Sinne des Erfinders eigentlich plotlos einsteigen soll.