Zwei kritische Texte im El Speta

Der liebe Rudi, der leider nicht zu meinen literarischen Geburtstagsfest kommen konnte, hat mich ja wieder eingeladen mit ihm gemeinsam und mit musikalischer Begleitung von Stephan Brodsky zu lesen.

Einmal habe ich das schon mit ihm dort getan und einmal hat er mich in dieser Zusammenstellung ins “BEBOP” eingeladen und ich habe mir gedacht, ich lese das, was ich auch bei meinen Geburtstagsfest gelesen habe, beziehungsweise, weil er von zweimal fünfzehn bis zwanzig Minuten gemailt hat, habe ich von der “Stalking Story” noch eine dritte Szene vorbereitet und da kann ich gleich berichten, daß ich heute mit der Schlußkorrektur von “Die Toten lassen grüßen” fertig geworden bin. Jetzt brauchen wir noch das Coverfoto und dann kann der Text schon an die Druckerei gehen und die “Stalking Story” habe ich jetzt auch einmal Szene für Szene durchkorrigiert und stehe da bei 35 718 Worten, zweiundsiebzig Seiten und einundvierzig Szenen und so wird es auch bleiben.

Ich habe mich also auf die Lesung vorbereitet, aber auf den Büchertisch vergessen, beziehungsweise mir wahrscheinlich gedacht, daß da ohnenin keiner was kauft und ich habe auch aus unveröffentlichten Texten gelesen.

Es war auch nicht sehr voll, als ich das Lokal in der Hofmühlgasse erreichte, wo es manchmal auch einen offenen Bücherschrank in Koffern davor gibt und, daß dort den besten Apoerol Spritz serviert wird, war auch angeschrieben.

Dann ist es losgegangen, ich habe fünf Szenen aus meinen dystopischen Roman gelesen, wo ich die ersten zwei auch bei der “Poet Night” gelesen habe und wurde da von einer Dame unterbrochen, die sich nach einer interaktiven Lesung erkundigt.

“Wir können nachher darüber diskutieren!”, habe ich ihr geantwortet. Hat sie aber nicht getan und der Rudi wieder im diesmal gelben Programmleiberl, hat glaube ich aus seiner “Gelben Linie” also auch ein sehr politischer Text, der allerdings nicht so aktuell war gelesen und hat mich sein neues Buch “Die Spur des Ungewissen” mitnehmen lassen.

Nach der Pause habe ich dann meine Begegnung in der U-Bahn gelesen und die dritte Szene ausgelassen, weil das Publikum eher unruhig war und der Rudi ist vom Winnetou zu seiner Forderung “Zweitausend Euro für alle und nicht mehr als fünftausend für jeden und dann schau ma weiter!” gesprungen.

Nach der Lesung kam dann, glaube ich, auch das Publikum. Es war aber ein interessanter Abend und wahrscheinlich die letzte Lesung in diesem Jahr womit ich auch mein Jubliäumsjahr abschließen kann.

Ich war übrigens diesmal allein bei der Lesung, weil der Alfred auf einer Weihnachtsfeier war. So wird es wahrscheinlich auch keine Fotos geben, wenn mir nicht der liebe Rudi vielleicht welche schickt.

Und jetzt auf in den Dezember zu den Weihnachtsvorbereitungen.

Ivan Ivanjis alter Jude

Der 1929 in Ex-Jugoslawien geborene Ivan Ivanji von dem ich den “Aschenmensch von Buchenwald”,”Barbarossas Jude” und den “Ungarischen Herbst” in meinen Regalen und den “Schlussstrich” gelesen habe, hat ein neues Buch geschrieben:

“Der alte Jude und das Meer”, zu dem ihn offenbar sein Sohn veranlaßt hat sich mit Hemingways “Alten Mann” zu beschäftigten, das er dann gelesen hat und dann ist eine Art Krimi daraus entstanden, wo ein unspektulärer Gymnasiallehrer, wie in der Beschreibung steht, der in Belgrad mit Frau und Sohn lebt, eine Leidenschaft hat nämlich im Meer zu schwimmen. Da lernt er einen Greg kennen, der ihm die Leitung einer wissenschaftlichen Akademie in Monte Negro anbietet, so zieht er hin. Greg gehört aber der Mafia an und des Lehrers Sohn will in Rom Drogen verscherbeln, so ist derLehrer in doppelter Mafiagewalt und am Schluß schwimmt er im Meer und wird von einem Hai getötet.

Drei Stellen hat der Autor gelesen. Ich bin wegen einer sechs Uhr Stunde ein wenig zu spät gekommen, da hat der alte Dichter gerade das von von Hemingway erzählt. Seine Enkeltochter war, glaube ich, da, Wladimir Fried in der ersten Reihe mit seiner Kamera und dahinter Alexander Potyka und Dorothea Löcker, den Invanjis Bücher scheinen im “Picus-Verlag” und nachher gab es eine interessante Diskussion beziehungsweise einen Rundumschlag, den der alte Herr austeilte. Da ging er nach Weimar, weil er ja Ehrenbürger vondort ist und sein letztes oder vorletztes Buch “Corona in Buchenwald” auch dort spielt, aber an dem alten Goethe ließ er kein gutes Haar.

“Das war ein Machtmensch!”, hat er glaube ich gesagt “Und eine Kindsmörderin hinrichten lassen, statt zu begnadigen!” und dann ging es zu der Frage, ob der Vierundneunzigjährige der mit fünfzehn Jahren in einige KZs gekommen ist.

Der älteste Vorleser in der “Gesellschaft” ist er nicht, der längste wahrscheinlich schon, ist er ja als sich die “Gesellschaft” gerade gebildet hat, schon dort aufgetreten. Der Älteste war Boris Pahor der mit hundertvier Jahren dort gelesen und mit 2022 gestorben ist und vor zwei Wochen ist die hundertjährige Ilse Helbich dort aufgetreten.

Ivan Invanji stammt aus einer jüdisches Familie, die drei Sprachen, deutsch, serbokroatisch, ungarisch gesprochen hat. Deshalb hat er auch zwei Staatsbürgerschaften, die österreichische und die serbische. Die Ungarische könnte er auch haben, weil er ungarische Vorfahren hat und diese Sprache spricht. Er war der Dolmetscher Titos und Übersetzer aus dem Deutschen ins Serbische und wieder zurück.

Es wurde auch gefragt, wie gut er den Nobelpreisträger Ivo Andric ,kannte, sehr gut denn der war Präsident des jugoslawischen Schriftstellerverbandes und Ivanji,der Sekretär des Sekrtärs.

Nach seinen jugoslawischen Vorbildern wurde er auch gefragt, wo er Branco Copic mit seiner “Ketzergeschichte” erwähnte. Sein Vorbild war aber Thomas Mann, so daß er den “Tod in Venedig” dreimal gelesen hat.

Der ehemalige Burgtheaterdirektor Achim Benning war da und hat den alten Mann sehr gelobt, der nur bedauerte, daß er nicht mehr gut gehen und daher auch nicht mehr so gut schwimmen, wie sein Protagonist Aaron Kukanic kann, der aber viele Selbstmordphantasien hatte und beim Schwimmen mit den Delphinen sprach..

Maman

Jetzt kommt schon Buch achtzehn der letzten deutschen Leseliste und das fünfte Shortlistbuch “Maman” der 1944 in Chamberly geborenen Sylvie Schenk, die seit 1966 in Deutschland lebt und vor ein paar Jjahren auch beim “Bachmann-Preis”gelesen hat.

Ein Buch also, daß ich eigentlich auf meine Frankreichreise mitnehmen hätte können, wenn ich es schon gehabt hätte und auf der Rückreise lesen. Aber das habe ich da mit der Annie Ernaux getan und Sylvie Schenks Buch über ihre 1916 geborene Mutter, könnte man auch in diese Kategorie, die jetzt modern ist, einordnen.

Das eher dünne Büchlein besteht aus vielen kurzen Kapiteln, die alle eine eigene Überschrift haben. So würde ich dem Buch wieder den Romanstatus abstreiten, sondern eher in die literarischen Miniaturen- Reihe einordnen.

Es beginnt in einigen der kurzen Kapiteln mit dem Tod der Großmutter Cecile, die eine Stunde nach der Geburt ihrer Tochter Renee an den Folgen eines Kaiserschnittes gestorben ist. Sie war arm und ledig und so wurde die kleine Renee, von der man eigentlich annahn, daß sie nicht lange leben würde, zuerst in ein Waisenhaus und dann ans Land zu Kost und Pflege zu einem Bauernpaar gebracht. Dort wurde sie schlecht behandelt, von einer Kuh gebissen, so daß sie eine Narbe auf der Nase davon trug, bevor sie von einem bürgerlichen Paar adoptiert wurde, die ihr eine Puppe und einen Teddybär schenkten und sich auch sonst, vor allem die Mutter, liebevoll um sie kümmerten.

Sylvie Schenk dringt hinein in das Leben ihrer Mutter, daß sie noch nicht selbst erlebt hat, schreibt davon, daß es für die kleine schüchterne Frau, die mit zwanzig an einen Zahnarzt verheiratet wurde und sich vor dessen Sex sehr geekelt hat, obwohl sie von ihm fünf Kinder bekam, zwei Dinge sehr wichtig waren. Pünktlich zum Essen zu kommen und keine unehelichen Kinder, dann lieber abtreiben. Zwei der vier Töchter wurden aber Alleinerzieherinnen. Sylvie Schenk, die zuerst in Lyon studierte, verheiratete sich dann nach Deutschland und Maman ist mit fünfundsechzig Jahren, also noch sehr jung an einen <nNierenkrebs verstorben.

Seitensprünge oder den Verdacht dazu gab es auch. Eine Cousine erzählt Sylvie Schenk ununderbrochen davon. Es hat aber wohl einen Arnoud gegeben, einen Widerstandskämpfer, denn das war noch vor Sylvie Schenks Geburt im Jahr 1942 oder so, dem die Mutter folgen wollte und dafür sogar ihren Verlobungsring verkaufte. Der war aber schon verschwunden und so bleibt die Metapher von der Bettlerin, die irgendwo in der Nähe hauste und stank und irgendwann verschwunden war. Die Mutter hat sie Prinzessin genannt und ihr den Erlös vom Verkauf des Ringes gegeben, was sie der Tochter an ihren Sterbebett erzählte.

Ein interessantes Buch, ein Memoir würde man heute sagen, das in Episoden, Hn- und Hersprüngen vom Leben einer Mutter erzählt, wobei sich Sylvie Schenk wohl auch einiges ausgedacht haben muß, was vor ihrer Geburt geschah.

Krieg und Frieden im Streitgespräch

“Streitbar” ist ja eine Veranstaltungsreihe der “Alten Schmiede”, wo die einen Autor, eine Autorin zu einem bestimmten Thema aussuchen, der oder die sucht sich dann einen Partner und die Veranstaltung wird in Salzburg mit einem anderen Partner wiederholt.

Diesmal war “Krieg und Frieden” das Thema, das derzeit in doppelten Kriegszeiten ja besondere Bedeutung hat und passte irgendwie auch zu der letzten “Literatur im Herbst”, da Julya Rabinowich, die diesmal die Eingeladene war, ja russischer Herkunft ist und da war ich Anfangs nicht ganz sicher, ob ich der Veranstaltung beiwohnen kann, da ja vor eineinhalb Jahren bei einer Veranstaltung mit ihr Maskenpflicht herrschte und sie auch beim Vortragen Maske trug. Das tat sie auch diesmal, obwohl sie extra einen Lippenstift aufgetragen hatte und die ausgewählte Partnerin war die “Falter-Kolumnistin” Andrea Maria Dusl und das interessante der Veranstaltung war, wie kontrovers die Referate waren.

Julya Rabinowich die begonnen hat, hat eine Zeitlang als Simultandolmetscherin bei Therapien mit tschetscheneischen Flüchtlingen gearbeitet, und schreibt jetzt Jugendbücher zu diesem Thema und erklärte am Beginn, daß sie eigentlich einen anderen Text bringen wollte, aber dann kam der Anschlag der Hamas auf Israel und so folgte auch ein diesbezüglichen Referat, das sich mit diesem Thema auseinandersetzte.

Da gab es ein Kapitel, wo eine besorgte Tochter ihre Mutter vom Spazierengehen und vom Konzertbesuch abrät, weil diese von den Anschlägen offenbar noch nichts mitbekommen hat und die Pro Palästina-Demos am Stephansplatz waren auch das große Thema, während sich Andrea Maria Dusl in ihrem Referat mit der Schwester Benedikta von den Schulschwestern auseinandersetzte, die sie als Kind besuchte und da von der Gewalt berichtete, die von den Schwestern ausgeübt wurde.

Da fragt man sich natürlich, was das mit dem Krieg zu tun hat? Eine Antwort war, daß sich die Braut Christi als Kind vor den Bomben im zweiten Weltkrieg gefürchtet hat, was sie in den Keller flüchten ließ.

Die darauffolgende Diskussion war sehr interessant, denn Andrea Maria Dusl meinte, daß sie dieses Thema gewählt hat, weil sie alles andere überfordert hätte und sie sich wünschte, daß das Böse und die Gewalt im Menschen verboten werden würde.

Klar, aber wie macht man das? Wenn das eine Gesellschaft angeht, kommt höchst wahrscheinlich nur eine Diktatur a la Stalin oder DDR heraus, während man sich schon fragen kann, warum die jungen Männer von der einen und der andere Seiten sich so bereitwillig in den Jrieg schicken lassen?

Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin!”, wäre ja auch eine Alternative. Passiert nicht ist klar und was den Ukraine-Kriega betrifft, hat mich ja gestört, daß man da unbedingt für Wffenlieferungen sein mußte und die, die den Frieden und diesbezügiche Verhandlungen wollten, Schwurbler genannt wurden und ich denke auch, daß die Israelis nicht das Recht haben alles niederzumetzeln, weil sie von der Hamas angegriffen wurden, wie ja auch gefordert wurde. Es gibt immer zwei Seiten und ich verhalte mich auch hier neutral.

Spannend wie es in Salzburg mit Britta Steinwendter werden wird und ich habe mir am Schluß gewünscht, daß das Publikjum befragt wird, wie diese Diskussion, die ja ziemlich heavy war, erlebt wurde, was von Andrea Maria Dusl nicht so recht verstanden wurde.

Literatur in Zeiten des Krieges

Die “Literatur im Herbst”, die Veranstaltung, die Walter Famler, der Generalsekretär der “Alten Schmiede”, seit einigen Jahren im “Odeon-Theater” mit einer Matinee in der “AS” veranstaltet, hat heuer ein interessantes Thema.

“Das andere Russland – Literatur in Zeiten des Krieges” und das wäre fast an mir vorbeigegangen, verbringen wir das Wochenende ja in Harland und August Bisinger hat mir einmal gesagt, sie streamen nicht mehr.

Das stimmt bei Walters Famlers Festival zum Glück nicht und so habe ich mein Wochenendprogramm umdisponiert, müssen wir ohnehin schon am Sonntag in Wien zurück, also keine Rudolfshöhe und das mit dem Festival stimmt, wie Walter Famler gleich in der Einleituung erwähnte, in Zeiten des Krieges auch nicht so ganz, deshalb wird die Veranstaltung eher Seminarcharakter haben und findet vielleicht auch deshalb nicht im “Odeon” sondern zur Gänze in der “AS” statt und wurde, wie auch schon bei den vorigen Festivals von dem 1961 geborenen Übersetzer und Literaturkritiker Erich Klein mitkuratiert.

Die Eröffnungsrede durch die Stadträtin Kaup-Hasler fiel offenbar aus und so begann es gleich mit der Eröffnungsrede des 1966 in Moskau geborenen Kirill Rogov, der seinen Vortrag “Russland die Zukunft und der Krieg” auf Englisch hielt. Dann ging es gleich mit den Unpässlichkeiten weiter, denn der nächste Vortragende, Alexander Etkind, war noch nicht eingetroffen, so gab es stattdessen ein Gespräch zwischen Kirill Rogov und Erich Klein.

Dann kam doch der 1955 in Leningrad oder St. Petersburg geborene Psychologe und Journalist Alexander Etkind, der derzeit, glaube ich, an der Uni- Wien lehrt und im Gespräch mit Erich Klein sein neues Buch “Russia against Modernity” vorstellte und es auch um den Krieg und die Klimaveränderung ging.

Dann gabs um neun noch ein Konzert mit zwei russischen Musikern, die schon lange in Wien leben, aber das wurde, glaube ich nicht gestreamt.

Der Samstag begann dann um vier mit der 1993 in Chabarowsk geborenen Lyrikerin und Feministin Darja Serenko, die im Februajr 2022 fünfzehn Tage in Haft genommen wurde und darüber in ihrem Buch “Mädchen und Instititutionen – Geschichten aus dem Totalitarismus” geschrieben hat, in dem Buch geht es um junge Frauen, die ihr Leben in staatlichen Kultureinrichtungen fristen. Walter Famler fragte nach der Lesung, die von Mascha Dabic gedolmetscht wurde, ob man ausgebeutete Praktikantinnnen nicht auch in anderen Ländern finden könne?, was höchstwahrscheinlich auch so ist und Darja Serenko von ihren spanischen Erfahrungen berichtete, da das Buch auch auf Spanisch übersetzt wurde.

Dann ging es zum zweiten Teil der Lesung über, “Ich wünsche Asche meinem Haus”, der bisher nur auf Deutsch oder vielleicht auch auf Spanisch erschienen ist und ihre Hafterfahrungen schildert und die Bücher beschreibt, die sie in der Haft, wie beispielsweise Hans Falladas “Jeder stirbt für sich allein” gelesen hat, worauf Walter Famler nach den Gemeinsamkeiten der beiden Widerstände fragte und Darja Serenko sagte zum Schluß, daß sie ihre Lesungen immer einer bestimmten Hilfsorganisation widmen würde und dafür auch Geld sammelte.

Dann gabs eine Programmänderung. Statt Nikolai Epplee und Dimitry Glukhovsky trat der 1982 in Moskau geborene Filipp Dzydako, der Philologie studierte und 2022 Russland verlassen hat, auf. Er ist jetzt an einem PEN-Projekt in Berlin beteiligt und stellte gemeinsam mit Erich Klein seinen Roman “Radio Martin” vor, in dem es um einen russischen Heizer geht, der mit einem Radiosender Widerstand gegen Putin leisten will, der, glaube ich, noch nicht auf Deutsch gibt. Es wurden aber einige deutsche Stellen, in denen es darum ging, daß man in Russland von keinen Krieg sprechen darf, es aber trotzdem Widerstand dort gibt, von Robert Reinagl gelesen, der dann gleich ins Burgtheater mußte.

Es gab dann ein Gespräch über Filopp Dzydakos Großmutter, da er aus einer berühmten Oppositionellenfamilie stammt.

Der angekündigte Film über die “Russischen Juden”, fiel dann auch aus und so gabs um sieben eine Diskussion über die “Kultur im Krieg” mit Marina Davydova, die 1966 in Baku geboren wurde, bei den Wiener Festwochen inszenierte und jetzt die Schauspielleitung der Salzburger Festspiele innenhaben wird, Alexander Etkind und Kirill Rogov, wo betont wurde, daß die Kulturschaffenden verhindern muß, daß man sich an den Krieg gewöhnt und Erich Klein wies darauf hin, daß man in Österreich derzeit eigentlich keine russischen Stimmen hören würde.

Es wurde dann ein Moskauer Kindertheater erwähnt, daß die Jetztzeit mit dem Faschismus vergleicht, aber nicht geschlossen wird, weil der Regisseur sehr realistisch inszeniert, während andere Kunstschaffende dieses Glück nicht haben.

Dann gab es noch eine Gedichtesession mit dem von Filipp Dyzadko schon vorher erwähnten Michail Eisenberg, der 1948 in Moskau geboren wurde und eigentlich als Architekt ausgebildet wurde

Der Dichter begann dann mit einem Gedicht aus 2012 und ließ darauf später entstandene folgen, die er auf Russisch und Erich Klein dann in der deutschen Übersetzung las. Am Schluß gab es noch eine Diskussion um die Frage was Poesie ist , was der Autor trotz drei darüber geschriebener Bücher, wie er sagte noch immer nicht sagen kann und dann folgte die 1972 in Moskau geborene Maria Stepanova, die inzwischen auch nicht mehr dort lebt und heuer in Leipzig den “Preis für die europäische Verständigung” bekommen hat. Erich Klein las einen Auszug aus ihrer Erklärung, was es für die bedeutet eine russische Dichterin zu sein und fragte die Autorin, ob sich für sie etwas seit dem siebenten Oktober geändert hat? Es ging dann in der Diskussion zur Pandemie zurück, die Maria Stepanova als Chance gesehen hat, daß die Kriege, wenn alle dieses Virus bekämpfen, überflüßig werden, was aber, wie man in zwischen weiß, nicht eingetroffen. Sie las dann noch nicht publizierte Gedichte, die im Sommer entstanden sind.

Den Film, den es am Sonntag um elf Uhr gegeben hätte, konnte man dann nicht streamen. So sind wir essen gegangen und dann nach Wien gefahren, wo ich mich zu der ab Sechzehnuhrsession live in die “AS” begegeben habe und da begann, die immer noch in Moskau lebende, 1962 dort geborene, Olga Skonechnaya mit ihren halb autobiografischen Text, wo es um die Ermordung ihrer Großmutter gegangen ist. Der Text ist in der Exilzeitschrift “5. Welle” erschienen und dann trat der in Amsterdam lebende Herausgeber dieser Zeitschrift, der 1963 in Moskau geborene Maxim Osipov auf, erzählte über die Zeitschrift und las dann einen eigenen Text.

Dann kam, glaube ich, der Star des Abends, der 1947 in Moskau geborene Viktor Jerofejew, der mit den den Roman “Der gute Stalin”, glaube ich, berühmt geworden ist. Jetzt stellte er den Roman “Der große Gopnik” vor und erzählte von einer Begegnung mit Putin, die er einmal auf einer Buch-Fair in Paris hatte.

Dann gab es wieder eine “Dichtung in Zeiten des Krieges-Session” und da traten die 1962 geborene Jelena Fanailowa und der 1964 in Moskau geborene Yuli Gugolev auf und brachten von Robert Reinagl auf Deutsch gelesen eine Auswahl ihrer kritischen seit 2022 geschriebenen Gedichte.

Eine interessante Veranstaltung, die interessanteste “Literatur im Herbst”, seit je, würde ich schätzen, weil man ein bißchen in die kritische russsische Literaturszene hineinschnuppern konnte, von der man sonst vielleicht nicht soviel hört.

Echtzeitalter

Jetzt kommt schon das siebzehnte dBp-Longlistbuch, das vierte auf der Shortlist und das Siegerbuch, nämlich “Echtzeitalter” des 1992 in New Dehli geborenen Diplomatensohn Tonio Schachinger, der schon 2019 mit seinem Fußballromn “Nicht wie ihr” mit nicht einmal noch dreißig Jahren auf der Shortlist stand.

Was ist dazu zu schreiben? Zuerst vielleicht, daß mir “Echtzeitalter”, das ich schon bei den O-Tönen gehört habe und sicher war, daß es auf der Öst stehen würde, besser als der Fußballroman gefallen hat.

Kein Wunder, geht es darin ja um Literatur, mein Spezialgebiet und da muß ich sagen, daß Tonio Schachinger da wirklich sehr bewandert ist oder sich das nötige Wissen angelesen hat.

Es liest sich auch leicht, wenn es mit seinen dreihundertsechzig Seiten auch etwas langatmig ist und ich fast eine Woche dazu gebraucht habe. Interessant ist auch, daß Hubert Winkels, als er bei der Preisverleihung gefragt wurde, was er von dem Buchpreisträger hält?, in etwa antwortete, daß er nicht versteht, was das Besondere an dem Buch ist und da kann ich auch schreiben, daß mir von den vier Shorts “Drifter” , gefolgt von “Muna” am besten gefallen hat und dann bekam Clemens j. Setz– den öst- Buchpreis und auf der “Standard- Seite” empörten sich die Kommentierer, die vielleicht beide Bücher nicht gelesen haben, wieso Schachinger den Preis nicht bekommen hat?

Eine Frage, die leicht zu beantworten ist, weil er nicht nominiert war und man sich auch die Frage stellen kann, wieso einer alle und die anderen nichts bekommen sollen?

Das führt schon ein bißchen zu dem Buch über das man, obwohl es mir eigentlich gefallen hat, vielseitig diskutieren kann. Ich füge noch an, daß Clemens j. Setz wahrscheinlich literarischer ist, obwohl mir die “Monde”gar nicht so gefallen hat.

Also zum Buch: Ein Schul-, ein Internatsroman und es spielt in einer Eliteschle, im “Marianum” oder “Theresanum”, das die “Links” enteignen will. Im Buch wird es “Marianum” genannt, aber das “Theresianum”, diese Wiener Nobelschule, aus dem offenbar, die späteren Buchpreisträger hervorgehen, zumindestens für Wiener leicht zu erkennen ist.

Als wir nach Frankreich gefahren sind, habe ich ja “Paradise garden” zu lesen angefangen, wo das coming of age einer eher unterpriveligerten Jugendlichen beschrieben wird, während es in “Echtzeitalter” um ein Nobelinternat geht, das Tonio Schachinger selbst besucht hat und da werden also die Leiden der jungen Nobelschüler durch den strengen Deutschlehrer Dolina beschrieben.

Als Daniela Strigl bei den O-Tönen nach den “Schüler Gerber” fragte, hat Schachinger verneint, beim Schreiben daran gedacht zu haben und es ist auch schon lange her, daß ich das Buch gelesen habe, würde aber Parallelen sehen, beschreibt das Buch ja das Erwachsenwerden eines Nobelschülers, der von seinen Lehrer schikaniert wird und da frage ich mich schon ein bißchen, daß Eltern, die monatlich sechshundert Euro Schulgeld zahlen, sich das gefallen lassen.

Die Gründe dafür kann ich mir zwar schon vorstellen und wenn der Lehrer den armen Till schon so schikaniert, frage ich mich, warum der nicht auf die Rahlgasse oder eine andere Schule wechselt? Er hat aber ohnehin Glück, denn seine Matura findet im Corona-Jahr 2020 statt und da konnte man mit einem Befriedigend im Zeugnis eine leere Arbeit abgeben und trotzdem die Matura zu bestehen, was er auch macht.

Till ist aber auch ein begnadeter Internetpieler, verdient da offenbar schon sehr viel und reist nach China zu denTurnieren. Erbt als er achtzehn wird von seinem verstorbenen Vater auch sehr viel. Er verliebt sich in Feli und schleppt sich da mit seiner unglücklichen Liebe durch das Schuljahr.

Das wäre es eigentlich schon. In dreihundertsechzig Seiten wird aber natürlich noch viel mehr erzählt, nämlich, daß der Lehrer Dolina unbedingt “Reclam-Heftchen” haben will. De Schüller vergessen aber Stifters “Brigitta”, müßen also in der Pause über das Tor klettern und in eine Buchhandlung fahren, die versprochen hat, das buch zu haben, aber leider nicht die “Reclam-Ausgabe”.

So weit so what. Ein leicht lesbares Buch ist mein Resume, daß es über Literatur handelt, nimmt mich ein, daß es von Nobelschülern handelt, die später vielleicht die Welt regieren werden, finde ich etwas schade. Denn die Welt besteht ja nicht nur aus dem “Theresianum” und man sollte auch ohne eine solche Schule beucht zu haben, eine literarische oder andere Karriere machen können.

Kann man wahrscheinlich auch und wenn man “Paradise Garden” das ja auch auf der Longlist gestanden ist, gelesen hat, bekommt man auch die andere Seite mit und noch etwas habe ich vergessen, was ich interessant finde. Das Buch spielt in Ibizza-Zeiten, da gehen die Schüler dann auf den Ballhausplatz ,demonstrieren und trinken Bier und leider hat man ihnen nachdem sie sechzehn wurden, auch das Rauchkammerl zugesperrt, weil da ja das Rauchen erst ab achtzehn und überhaupt nur mehr im Freien erlaubt war.

Die politische Dimension, was bei Buchpreisbüchern, wie ich dachte, eigentlich verboten ist, spielt also auch eine Rolle. Es gibt also noch einen jungen Autor, außer Elias Hirschl, der sich dafür interessiert und ich kann gespannt sein, was ich von dem jungen Autor, den ich vielleicht fälschlich für arrogant halten würde, noch hören werde?

Interessant, was er als nächstes Sujet wählen wird? Denn das ist auf jeden Fall außergewöhnlich, daß er sich an diese Themen macht und damit mindestens auf die Shortlisten kommt.

Weil da war etwas im Wasser

Buch sechzehn der deutschen Longlist und das achte der sechs Österreich-Bücher “Weil da war etwas im Wasser” des in Deutschland geborenen Luca Kieser, der in Wien lebt und dort an der Sprachkunst studierte und dessen Debut bei “Picus” erschien und daß das sehr experimentell ist, habe ich schon aus verschiedene Besprechungen erfahren.

Der “Papierstaupodcast” war voll begeistert und ich muß schreiben, ich habe das Tolle an dem Buch nicht gefunden. Mir schien es wieder als ein Run von Hunderten ins Hundertstausende mit Fußnoten, Vor und Rückblenden und den verschiedensten Erzählsträngen, die eigentlich keine sind, denn der Erzähler ist ja ein Tintenfisch. Ein Riesenkalamar oder eine Kalamarin, beziehungsweise deren Arme und das halbe Sachbuch, daß das Buch auch sein soll, habe ich auch nicht gefunden. Ich habe auch einiges überflogen, weil mir das Hin und her zu viel war und ich mir die Zeit nicht nehmen wollte, das Ganze solange zu studieren, bis ich alles verstanden habe.

Denn eigentlich geht es ja weniger um diesen Tintenfisch, den zu Literatur zu machen, offenbar derzeit modern zu sein scheint, sondern, wie schon geschrieben um eine Unzahl von Erzählsträngen.

Da gibt es eine Familie Sanchez, deren Stammbaum man am Schluß sehen kann. Es wird innerhalb des Buches mehrmals darauf hinzuweisen und da würde mich interessieren, wie sich das E-Pup, das ich gelesen habe, vom Printbuch unterscheidet? Denn im Pup kann man hin und herswitschen wird von hinten nach vorn und wieder zurückverwiesen und diese Familie Sanchez besteht auch aus einer Sanja und einer Dagmar. Die Erste ist zweiundzwanzig, studiert im dritten Semester Publizistik und macht, höre und staune, ein Praktikum auf einem Schiff, das sich mit Fischfang, also auch mit dem Kalamar beschäftigt.

Die Dagmar soll den Tintenfisch nach Deutschland bringen, habe in der Beschreibung gelesen. Jules Vernes hat sich glaube ich auch mit Tintenfischen beschäftigt. Es gibt den “Weißen Hai” und einen jungen Autor, der während des Lockdowns seine Vorhaut operieren läßt. Der ist während eines Stipendiumsaufenthalt mit der real existieren Autorin Helene Bukowski in Berührung gekommen und gibt am Tag seiner Operation sein “Flamingo-Manuskript” seiner Agentin ab.

Der “Papierstau-Podcast” schwärmte, daß man in dem tollen Buch sehr viel über das Schreiben erfährt. Das sind wohl diese Stellen und was das mit dem Tintenfisch im Wasser zu tun hat, habe ich auch nicht so verstanden.

Ein sehr experimentelles Buch also des Sprachkünstlers. Robert Huez hat es auch gelobt, als ich ihm am Sonntag erzählte, daß ich es lesen würde.

Wenn ich alles, was mir so einfällt, wild durcheinander schreiben würde, würde mir wohl Kritik vom lieben Uli oder auch von wem anderen blühen. Hier denke ich fast, daß die das experemtentelle Schreiben mit dem freien Assozieren vermischt wurde, denn so experimentell habe ich das Ganze, abgesehen, von dem Hin und her Schwischen im Buch eigentlich nicht gefunden.

Auf die Shortlist ist es nicht gekommen und ich würde es in meinen Ranking gemeinsam mit dem Buch der Kathrin Röggla auch eher nach unten reihen.

Jahrestag der Initiative Urheberkonferenz

Da habe ich vor einiger Zeit eine Einladung, ich glaube von Gerhard Ruiss, bekommen, an einer Konferenz über das Urheberrecht und die Entwicklungen der KIs eingeladen, zu der ich mich angemeldet habe, obwohl ich nicht ganz sicher war, ob ich da wirklich richtig bin?

Bin ich ja eine, die außerhalb oder neben dem Literaturbetrieb steht und ihre Bücher selber macht, etcetera. Aber Gerhard Ruiss hat mich ja vor Jahrzehnten aufgefordert, als Delegierte bei den IG- ,Autoren die Generalversammlungen zu besuchen und der interessiert sich ja sehr für das Urheberrecht und die Veränderungen, die es in der Literatur durch die Digitalisierung, etcetera, gibt.

Er ist auch der Präsident der “Initiative Urheberrecht” und der Sinn dieser Vereinigung war, glaube ich, die verschiedenen Kunstsparten, wie Literatur, bildende Kunst, Musik und Film zusammenzubringen. Es waren bei der Konferenz auch einige Rechtsanwälte eingeladen, die über die diesbezügliche Situation berichten. Deutschland wurde da als großes Vorbild gepriesen, während Österreich noch ein ziemlicher Fleckerlteppich mit vielen Lücken im Urheberrecht ist, wie RA Michael Walter in seinem Referat darstellte.

Das war am Vormittag im Dachgeschoß des ÖGV- Hauses in der Löwelstraße. Dann gab es ein Buffet mit Schnitzel- und Fleischlaberlsemmeln, Wraps, Tramezzinis und Pulundergepäck. Dann gings, um die KI und das ist ja ein interessantes Thema, wie die in den nächsten Jahren, die Literatur oder überhaupt den Kunstbetrieb verändern wird.

KI und Recht war auch ein großes Thema am Mittwoch. Im Anschluß gab es noch ein Glas Wein und die Reste des Buffets und am Donnerstag geht es noch einmal weiter und ich denke, es war auch für mich sehr interessant, obwohl ich gar nicht soviele Bekannte getroffen bin, da ich ja eine bin, die ihre Texte gerne ins Netz stellt und ja auch eine begeisterte Bloggerin bin.

Am Donnerstag referierten dann Leute aus Deutschland, Frankreich, Schweiz und Slowenien, wie in ihren Ländern mit den sozialen Plattformen, wie Google, Twitter, etcetera umgegangen wird.

Nach der Mittagspause gab Gernot Schrödl, der Geschäftsführer ein Tagungsresumee und dann gabs eine Diskussion mit Politikern, einem Herrn von der ÖVP, der gern Schnitzl ißt, der streitbaren Eva Blimlinger von den Grünen, Gerhard Ruiss, Michael Walter und noch einigen anderen über den Roformbefarf.

Das war dann eher ernüchternd, denn die Kunstschaffenden unzufrieden und der Geschäftsführer lud im nächsten Jahr zu der Zweijahrestagung ein.

Mal sehen, was bis dahin passiert? Aber die Literatur, der Literaturbetrieb, mein Schreiben und mein Lesen wird weitergehen.

Neue tschechische Reihe in der “Gesellschaft”

Heute war ja die “Initiative Urheberkonferenz”, eine Veranstaltung zu der mich Gerhard Ruiss, glaube ich, eingeladen hat, eine Tagesveranstaltung und da war dann die Frage, was mache ich am Abend?

In der “AS” gibts ja am Mittwoch ein Musikprogramm, das Literaturhaus lag nicht am Weg, aber da hatte mich schon Stefan Reiser zu den “Minuten-Lesungen” der GAV ins Cafe Prückl eingeladen und während ich den Luca Kieser gelesen habe, bin ich daraufgekommen, daß es die “Kolik-Lounge” im Schauspielhaus noch gibt und er da gemeinsam mit Laura Freudenthaler und Xaver Bayer sein Buch vorstellt.

Also habe ich gedacht, gehe ich dorthin, obwohl ich mit dem Kieser-Buch schon fertig bin. Aber die Veranstaltung begann erst um acht und war auch ein bißchen zu gehen, die Konferenz war anstrengend und ich bin leider seit Corona oder altersbedingtnicht mehr so gut bei Fuß.

Da ist mir noch die “Gesellschaft” eingefallen und da habe ich eigentlich gedacht, daß dort Reinhard Kaiser-Mühlecker auftritt. Die Konferenz war dann um halb sechs aus. Es gab noch ein Glas Wein, das hätte es im Schauspielhaus auch gegeben. Aber ich habe gedacht, schau ich in die Herrengasse, das ist ja nur ein Katzensprung von der Löwelstraße, wo die Konferenz stattfand, entfernt und schaue, was es gibt.

Es gab auch etwas, zwar nicht den Reinhard Kaiser-Mühlecker, der ist schon am Montag im Cafe Central aufgetreten. Aber das tschechische Zentrum hat mit Manfred Müller beziehungsweise Michael Stavaric zu einer neuen Reihe eingeladen, wo immer ein eher unbekannter Tscheche vorgestellt werden soll. Nicht nur Radka Denemarkova oder Jaroslav Rudis-” sagte Michael Stavaric,”- sondern jemanden den Sie noch nie gehört haben!”

Da bin zwar durch Stephan Teichgräbers “Centrope” etwas verwönt. Aber der 1989 geborene Ondrej Maci, der als Sozialarbeter tätig ist und schon vier Bücher herausgebracht hat, von denen nur eines, die “Liebe Babicka” auf Deutsch erschienen ist, war mir, glaube ich, tatsächlich unbekannt.

Er trat mit seiner Übersetzerin Julia Miesenböck auf und die Veranstaltung begann damit, daß Michael Stavaric Ondrej Maci eher ungewöhnliche Fragen stellte. Beispielsweise, ob er zu Weihnachten Karpfen ißt und gerne Pilze sammelt geht?

Es begann auch mit der Kondensmilch im Tuben, die sowohl Ondrej Maci, als auch Michael Stavaric in Tschechien gern gegessen hat. Dann kam die Performance, nämlich zuerst das Lied von der “Babicka”. Dann hat sich der junge Mann eine Schürze übergezogen, sich die Lippen geschminkt und immer abwechselnd mit seiner Übersetzerin ein paar Passagen aus dem eher dünnen Buch gelesen.

Eine etwas konventinelle Performance würde ich meinen. Ondrej Maci hat dann noch den Staub in der Gesellschaft abgewischt und dabei, glaube ich, Manfred Müller und Ursula Ebel in Verlegenheit gebracht und ist am Schluß hinter dem Vorhand verschwunden. Ich habe mich vorher sehr angeregt mit Corinna Antelmann, die im Publkum war, unterhalten und wieder einen interessanten Autor kennengelernt.

Olga Flor in Nahaufnahme

Die “Nahaufnahme” ist ja eine Veranstaltungsreihe des Literaturhauses, wo Alexandra Millner vom Verein “Neugermanistik” mit einem Literaturkritiker einen Literaten genauer vorstellt und sich nicht bloß auf die letzte Neuerscheinung bezieht.

Bei einigen dieser Veranstaltungen bin ich gewesen, so zum Beispiel bei der über Sabine Gruber, deren neues Buch heute gemeinsam mit dem von Sepp Mall in der “AS” vorgestellt wurde. Wo gehe ich also hin? Eine einfache Beantwortung der Frage, denn ich gehe ja nicht so gern zu Veranstaltungen, wo ich die Bücher schon gelesen habe und Zweitens hatte ich wieder eine sechs Uhr Stunde und da wäre ich in der “AS” zuspät gekommen. Im Literaturhaus geht sich das meistens aus und heute sogar so gut, so daß ich noch zehn Mnuten in Tonio Schachingers “Echtzeitaltalter”s lesen hätte können, da habe ich aber zu Hause gelassen.

Also nur Olga Flor, die ja auch schon einige Male auf den langen Listen gestanden ist. Ich kenne sie, glaube ich seit 2002. Jedenfalls seit dem Zeitpunkt ihres GAV-Antrages und dann war die Steiermark einmal am Rathausplatz und da haben die steirischen Kollegen, darunter auch Olga Flor gelesen.

Sieben Romane hat die 1968 in Wien geborene, die in Graz lebt und glaube ich die erste “Veza-Canetti-Preisträgerin” ist, schon geschrieben, referierte Alexandra Mllner, die nicht mit Stefan Gmündner, wie im Programm anegkündigt, sondern mit Marina Rauchenbaucher, die gerade ein Buch über Olga Flor schreibt, die Veranstaltung moderierte.

Sieben Romane. Das erste der “Erlkönig” war, glaube ich, schon bei ihrer GAV-Aufnahme vorhanden, dann kam “Talschluß” 2005, “Kollateralschaden” 2008, stand auf der dBp-Longlist. Das nächste “Die Königin ist tot” 2012, “Ich brauche lang für meine Bücher!”, sagte die Autorin später beim Wein, wurde in der Hauptbücherei vorgestellt und mein Problem mit Olga Flor ist, daß sie, obwohl sie ja immer sehr sozialkritische Themen hat, sprachlich sehr kompliziert ist. Gelesen habe ich dann “Ich in Gelb” weil es da über Blogs ging, aber ganz andere, als den, den ich betreibe.

“Klartraum” stand, auf der Öst, genau wie “Morituri”, daher habe ich beides gelesen und dann gibt es noch die “Politik der Emotion” die glaube ich im Republikanischen Club vorgestellt wurde. Olga Flor ist mir also keine Unbekannte. Ich war auch zweimal bei den Ö-Tönen und bei der “Nahaufnahme” hat Olga Flor sowohl aus der “Königin” als auch aus “Morituri” gelesen und dann mit den beiden Moderatorinnen darüber gesprochen.

Interessant war für mich auch die Frage, ob das 2021 erschienene “Morituri”, wo es um ein medizinischen Labor in einem Moor geht, von “Corona” beeinflußt war? Hätte ich mir gut vorstellen können, war aber nicht so und am Schluß gab es noch einen Teaser oder einen Ausschnitt aus Olga Flors neuen Buch.

Also seien wir gespannt, wann das erscheinen wird? Eigentlich nur wenige Leute im Literaturhaus. Klar, es gab ja ein berühmtes Fußballmatch. Dine Petrik war aber da, die Frau Schmidt Dengler und ich kann gleich anfügen, daß mir gestern die Idee für ein neues “Work on Progress” kam.

“Aus dem <leben einer Schwurblerin” könnte es heißen und den Rechtsruck beschreiben. Da geht die Agathe 2024 in die Wahlkabine und denkt “Ich könnte zu fünfzig Prozent die FPÖ wählen!” Tue ich aber nicht und dann geht es los im Jahr 2019, als sie die Grünen wählte, um die FPÖ zu verhindern und was alles inzwischen geschehen ist.

Auch sehr politisch, ich habe Olga Flor, die das wahrscheinlich nicht sehr interessant hat, erzählt, daß ich mich drei Jahre mit Corona beschäftige und wenn mir gelingt, das Ganze sprachlich ein wenig anspruchsvoller zu gestalten, wäre das sehr schön. So kompliziert wie Olga Flor muß es ja nicht werden und das bringe ich ohnehin nicht zusammen und will das auch nicht.