Vatermal

Jetzt das vorletzte Longlist und sechste Shortlistbuch des heurigen dBps, des 1988 in Nordrhein-Westfalen geborenen Necati Öziris “Vatermal”, der 2021, glaube ich, auch einen Auszug aus dem Buch beim “Bachmannpreis” gelesen hat.

Ein buch von dem ich mir vorstellen konnte, daß es den Preis gewinnt, was so nicht war, auf die Shortlist ist es aber gekommen und es ist vielleicht ein Gegenstück zu Fatma Aydemirs “Dschinns” und den “Leipziger Buchpreis” hat ja auch in der Sparte Belletristik ein Türke gewonnen, der seine Lebensgeschichte erzählte.

Diesmal also nicht und das Buch wurde als Briefroman bezeichnet. Denn da liegt der junge Ardan mit einem Leberversagen im Krankenhaus, glaubt, daß er sterben wird und schreibt an seinen Vater, den er nicht wirklich kennt, weil der seine Mutter und seine Schwester verlassen hat, um in die Türkei zu gehen. Da wurde er zwar verhaftet und ist Jahre im Gefängnis gesessen, hat jetzt aber eine eigene Familie und Ardan weiß nicht recht, wie er seinen Vater ansprechen soll? Papa, Vater, Baba klingt bei einem Unbekannten nicht gut. So entscheidet er sich für dessen Vornamen Metin.

Es ist aber kein wirklicher Briefroman. Denn darum herum erzählt Necati Öziri eine, seine Familiengeschichte. Wie es den Migrantenkindern geht, die in Deutschland aufwachsen. Die Jugend der Mutter Umran, die zu Verwandten abgeschoben wird, dann aber sclhießlich doch nach Deutschland kommt, wird beschrieben.

Zuerst wird die Tochter Aylin geboren und Umran, die sie nie verlassen will. Tut das ein paar Jahre später aber doch, denn der Vater hat das Ersparte verspielt. So muß die Mutter beim McDonalds arbeiten und geniert sich dafür.

Sie ist nachdem der Vater sie verlassen hat, auch überfordert, fängt zu trinken an, so daß die Schwester zu einer Pflegefamilie kommt. Da wird beschrieben, wie die mit ihrer Freundin in einen Laden klauen geht, erwischt wird, und der Bobo-Pflegevater sich nur darüber lustig macht und Ardan sitzt mit seinen Freunden, die auch aus Migrantenfamilien kommen im Park. Hat Angst vor der Polizei, bekommt mit Achtzehn seine deutsche Staatsbürgerschaft, beginnt Literatur zu studieren und bricht dann mit Organversagen zusammen. Liegt im Krankenhaus, schreibt an den unbekannten Vater und wird von Mutter und Schwester besucht.

Wieder ein Stück Migrantenliteratur, das ein bißchen Einblick in das Leben von türkischen, etcetera, Gastarbeiterfamilien gibt. Das ist interessant und so setzt sich ein differenziertes Bild zusammen.

Dincer Gücyeter ist Verleger und ein bekannter Lyriker und Necati Öziri ist Theaterautor am Maxim Gorki Theater, wo glaube ich, auch Sasha Marianna Salzmann, die ja auch schon auf der Short- und der Longlist des dBp gestanden ist, tätig ist.

Maman

Jetzt kommt schon Buch achtzehn der letzten deutschen Leseliste und das fünfte Shortlistbuch “Maman” der 1944 in Chamberly geborenen Sylvie Schenk, die seit 1966 in Deutschland lebt und vor ein paar Jjahren auch beim “Bachmann-Preis”gelesen hat.

Ein Buch also, daß ich eigentlich auf meine Frankreichreise mitnehmen hätte können, wenn ich es schon gehabt hätte und auf der Rückreise lesen. Aber das habe ich da mit der Annie Ernaux getan und Sylvie Schenks Buch über ihre 1916 geborene Mutter, könnte man auch in diese Kategorie, die jetzt modern ist, einordnen.

Das eher dünne Büchlein besteht aus vielen kurzen Kapiteln, die alle eine eigene Überschrift haben. So würde ich dem Buch wieder den Romanstatus abstreiten, sondern eher in die literarischen Miniaturen- Reihe einordnen.

Es beginnt in einigen der kurzen Kapiteln mit dem Tod der Großmutter Cecile, die eine Stunde nach der Geburt ihrer Tochter Renee an den Folgen eines Kaiserschnittes gestorben ist. Sie war arm und ledig und so wurde die kleine Renee, von der man eigentlich annahn, daß sie nicht lange leben würde, zuerst in ein Waisenhaus und dann ans Land zu Kost und Pflege zu einem Bauernpaar gebracht. Dort wurde sie schlecht behandelt, von einer Kuh gebissen, so daß sie eine Narbe auf der Nase davon trug, bevor sie von einem bürgerlichen Paar adoptiert wurde, die ihr eine Puppe und einen Teddybär schenkten und sich auch sonst, vor allem die Mutter, liebevoll um sie kümmerten.

Sylvie Schenk dringt hinein in das Leben ihrer Mutter, daß sie noch nicht selbst erlebt hat, schreibt davon, daß es für die kleine schüchterne Frau, die mit zwanzig an einen Zahnarzt verheiratet wurde und sich vor dessen Sex sehr geekelt hat, obwohl sie von ihm fünf Kinder bekam, zwei Dinge sehr wichtig waren. Pünktlich zum Essen zu kommen und keine unehelichen Kinder, dann lieber abtreiben. Zwei der vier Töchter wurden aber Alleinerzieherinnen. Sylvie Schenk, die zuerst in Lyon studierte, verheiratete sich dann nach Deutschland und Maman ist mit fünfundsechzig Jahren, also noch sehr jung an einen <nNierenkrebs verstorben.

Seitensprünge oder den Verdacht dazu gab es auch. Eine Cousine erzählt Sylvie Schenk ununderbrochen davon. Es hat aber wohl einen Arnoud gegeben, einen Widerstandskämpfer, denn das war noch vor Sylvie Schenks Geburt im Jahr 1942 oder so, dem die Mutter folgen wollte und dafür sogar ihren Verlobungsring verkaufte. Der war aber schon verschwunden und so bleibt die Metapher von der Bettlerin, die irgendwo in der Nähe hauste und stank und irgendwann verschwunden war. Die Mutter hat sie Prinzessin genannt und ihr den Erlös vom Verkauf des Ringes gegeben, was sie der Tochter an ihren Sterbebett erzählte.

Ein interessantes Buch, ein Memoir würde man heute sagen, das in Episoden, Hn- und Hersprüngen vom Leben einer Mutter erzählt, wobei sich Sylvie Schenk wohl auch einiges ausgedacht haben muß, was vor ihrer Geburt geschah.

Echtzeitalter

Jetzt kommt schon das siebzehnte dBp-Longlistbuch, das vierte auf der Shortlist und das Siegerbuch, nämlich “Echtzeitalter” des 1992 in New Dehli geborenen Diplomatensohn Tonio Schachinger, der schon 2019 mit seinem Fußballromn “Nicht wie ihr” mit nicht einmal noch dreißig Jahren auf der Shortlist stand.

Was ist dazu zu schreiben? Zuerst vielleicht, daß mir “Echtzeitalter”, das ich schon bei den O-Tönen gehört habe und sicher war, daß es auf der Öst stehen würde, besser als der Fußballroman gefallen hat.

Kein Wunder, geht es darin ja um Literatur, mein Spezialgebiet und da muß ich sagen, daß Tonio Schachinger da wirklich sehr bewandert ist oder sich das nötige Wissen angelesen hat.

Es liest sich auch leicht, wenn es mit seinen dreihundertsechzig Seiten auch etwas langatmig ist und ich fast eine Woche dazu gebraucht habe. Interessant ist auch, daß Hubert Winkels, als er bei der Preisverleihung gefragt wurde, was er von dem Buchpreisträger hält?, in etwa antwortete, daß er nicht versteht, was das Besondere an dem Buch ist und da kann ich auch schreiben, daß mir von den vier Shorts “Drifter” , gefolgt von “Muna” am besten gefallen hat und dann bekam Clemens j. Setz– den öst- Buchpreis und auf der “Standard- Seite” empörten sich die Kommentierer, die vielleicht beide Bücher nicht gelesen haben, wieso Schachinger den Preis nicht bekommen hat?

Eine Frage, die leicht zu beantworten ist, weil er nicht nominiert war und man sich auch die Frage stellen kann, wieso einer alle und die anderen nichts bekommen sollen?

Das führt schon ein bißchen zu dem Buch über das man, obwohl es mir eigentlich gefallen hat, vielseitig diskutieren kann. Ich füge noch an, daß Clemens j. Setz wahrscheinlich literarischer ist, obwohl mir die “Monde”gar nicht so gefallen hat.

Also zum Buch: Ein Schul-, ein Internatsroman und es spielt in einer Eliteschle, im “Marianum” oder “Theresanum”, das die “Links” enteignen will. Im Buch wird es “Marianum” genannt, aber das “Theresianum”, diese Wiener Nobelschule, aus dem offenbar, die späteren Buchpreisträger hervorgehen, zumindestens für Wiener leicht zu erkennen ist.

Als wir nach Frankreich gefahren sind, habe ich ja “Paradise garden” zu lesen angefangen, wo das coming of age einer eher unterpriveligerten Jugendlichen beschrieben wird, während es in “Echtzeitalter” um ein Nobelinternat geht, das Tonio Schachinger selbst besucht hat und da werden also die Leiden der jungen Nobelschüler durch den strengen Deutschlehrer Dolina beschrieben.

Als Daniela Strigl bei den O-Tönen nach den “Schüler Gerber” fragte, hat Schachinger verneint, beim Schreiben daran gedacht zu haben und es ist auch schon lange her, daß ich das Buch gelesen habe, würde aber Parallelen sehen, beschreibt das Buch ja das Erwachsenwerden eines Nobelschülers, der von seinen Lehrer schikaniert wird und da frage ich mich schon ein bißchen, daß Eltern, die monatlich sechshundert Euro Schulgeld zahlen, sich das gefallen lassen.

Die Gründe dafür kann ich mir zwar schon vorstellen und wenn der Lehrer den armen Till schon so schikaniert, frage ich mich, warum der nicht auf die Rahlgasse oder eine andere Schule wechselt? Er hat aber ohnehin Glück, denn seine Matura findet im Corona-Jahr 2020 statt und da konnte man mit einem Befriedigend im Zeugnis eine leere Arbeit abgeben und trotzdem die Matura zu bestehen, was er auch macht.

Till ist aber auch ein begnadeter Internetpieler, verdient da offenbar schon sehr viel und reist nach China zu denTurnieren. Erbt als er achtzehn wird von seinem verstorbenen Vater auch sehr viel. Er verliebt sich in Feli und schleppt sich da mit seiner unglücklichen Liebe durch das Schuljahr.

Das wäre es eigentlich schon. In dreihundertsechzig Seiten wird aber natürlich noch viel mehr erzählt, nämlich, daß der Lehrer Dolina unbedingt “Reclam-Heftchen” haben will. De Schüller vergessen aber Stifters “Brigitta”, müßen also in der Pause über das Tor klettern und in eine Buchhandlung fahren, die versprochen hat, das buch zu haben, aber leider nicht die “Reclam-Ausgabe”.

So weit so what. Ein leicht lesbares Buch ist mein Resume, daß es über Literatur handelt, nimmt mich ein, daß es von Nobelschülern handelt, die später vielleicht die Welt regieren werden, finde ich etwas schade. Denn die Welt besteht ja nicht nur aus dem “Theresianum” und man sollte auch ohne eine solche Schule beucht zu haben, eine literarische oder andere Karriere machen können.

Kann man wahrscheinlich auch und wenn man “Paradise Garden” das ja auch auf der Longlist gestanden ist, gelesen hat, bekommt man auch die andere Seite mit und noch etwas habe ich vergessen, was ich interessant finde. Das Buch spielt in Ibizza-Zeiten, da gehen die Schüler dann auf den Ballhausplatz ,demonstrieren und trinken Bier und leider hat man ihnen nachdem sie sechzehn wurden, auch das Rauchkammerl zugesperrt, weil da ja das Rauchen erst ab achtzehn und überhaupt nur mehr im Freien erlaubt war.

Die politische Dimension, was bei Buchpreisbüchern, wie ich dachte, eigentlich verboten ist, spielt also auch eine Rolle. Es gibt also noch einen jungen Autor, außer Elias Hirschl, der sich dafür interessiert und ich kann gespannt sein, was ich von dem jungen Autor, den ich vielleicht fälschlich für arrogant halten würde, noch hören werde?

Interessant, was er als nächstes Sujet wählen wird? Denn das ist auf jeden Fall außergewöhnlich, daß er sich an diese Themen macht und damit mindestens auf die Shortlisten kommt.

Die Möglichkeit von Glück

Jetzt kommt Buch fünfzehn des dBp, das dritte das auf der Shortlist stand und das vierte das sich mit der DDR beschäftigt.

“Die Möglichkeit des Glücks, der 1986 geborenen Anne Rabe, die sich viele als Preisträgerin wünschten und die mit ihrem Debut das Leben in der DDR und der Holocaustaufarbeitung beschäftigt und wenn man das Buch mit den drei anderen DDR-Bücher vergleicht, so denke ich, daß Angelikas Klüssendorfs Kindheitsgeschichten wohl literarischer als Anne Rabe ist. Charlotte Gneuss, die in ihrem Debut beschrieb, wie man in der DDR zur Stasi kam, wurde ja vorgeworfen, daß sie das Schnitzel nicht hautnah in der Pfanne erlebte und Terezia Mora beschreibt in ihrer “Muna”, wie die DDR ihre Heldin geschädigt hat und Anne Rabe hat ihre Heldin Stine wohl so alt wie sie sein lassen, nämlich 1986 geboren.

Also kann auch diesen Buch eine gewissen Autofiktion nicht ableugnen und diese Stine, Kind von zwei aufrechten DDR-Bürgern, kann sich wohl nicht mehr richtig an die DDR erinnern.

Jetzt ist sie erwachsen, lebt, glaube ich in Berlin, hat zwei Kinder und ihren Hans und erinnert sich an die straffen Erziehungsmaßnahmen ihrer Eltern.

Vor allem mit der Mutter, einer Erzieherin, hatte sie ihre Schwierigkeiten, denn die ließ ihre Kinder schreien und hatte wohl auch “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” von ihrer Mutter übernommen. Sie steckt Stine und den kleineren Bruder Tim auch in die zu heiße Badewanne und ließ sich nicht rühren, nachzuschauen.

Erst der Vater zog die Kinder heraus und die erwachsene Stine beschäftigt sich mit ihrem Großvater, Paul Bahrlow und arbeitet die Lebensgeschichte des 1923 Geborenen auf.

Der kam als Kind nach Berlin. Da gibt es ein Bild von ihm auf einem Fahrrad, der Bruder Wilhelm wurde zu einer jüdischen Knderärztin in Pflege gegeben, die mit den Kindern in die Schweiz emigrierte, als die Nazis kamen. Leider holten die Eltern ihn zurück und Paul kam nach Stalingrad, wurde später Lehrer, sogar Schuldirektor und bekam eine Johannes R. Becher-Medaille, von der er seiner Enkeltochter nichts erzählte und wurde nach dem Fall der Mauer, als zu systemrelevant eingestuft, was ihn sehr schmerzte.

Ein interessantes Buch könnte man sagen, obwohl Anne Rabe nichts wirklich neues erzählt und man die Holocaustfamlienaufarbeitung wohl schon öfter gelesen hat.

Drifter

Buch acht der deutschen Longlist und das zweite Shortlistbuch “Drifter”, der 1970 in Berlin geborenen Ulrike Sterblich, das eigentlich weiter unten auf meiner Liste steht, da es da aber um eine geheimnisvolle Frau in einem gelben Kleid geht, die den zwei Freunden Wenzel und Kller in der U-Bahn begegnet, habe ich es vorgezogen, um Inspirationen für meine “Stalking-Story” zu bekommen, bei der ich ja steckte und o Wunder, ob das mit dem Buch etwas zu tun hat oder nicht, ich bin inzwischen weitergekommen, obwohl “Drifter” mit meinen eher biederen Schreibstil nicht zu vergleichen ist und ich kann gleich schreiben, daß mir das Buch sehr gut gefallen hat, wie auch das der Terezia Mora. Jetzt bin ich nur gepannt, wie es mir mit dem Gewinnerbuch geht, wo ja viele meinen, daß der Gewinn für sie unerwartet war.

Also “Drifter”, eine geheimnisvolle Geschicht, Berliner phantastischer Realismus mit der neuen Hipstersprache, spannend, spannend und ich hätte dem Buch den Gewinn gegönnt, habe aber vier andere von der SL noch nicht gelesen.

Der Ich-Erzähler heißt Wenzel Zahn und betreut das Socialmedia eines Rundfunksender,s sein Freund Killer, Marko Killmann ist ein erfolgreicherManager und die begegnen in der U-Bahn, die geheimnisvolle Vica im Glitzerkleid begleitet vom Hund Bello und in der Hand hält sie ein Buch des Starautors Drifter “Elektrokröte”, das noch gar nicht erschienen ist.

Ab da geht es rund. Wenzel wird von Blitz getroffen, schmeißt seinenJob hin und zieht wieder in das Haus seiner Mutter, wo die beiden Freunde auf aufgewachsen sind. Wenzel geht zu einer Party und trifft da Vica wieder, erfährt ihren Namen, sie nimmt ihm im Auto mit, weiß viel über ihn, dann feht ihm noch das Portemonnaie und als er es wieder bekommt, sind zweihundert Euro mehr daran.

Er bekommt dann von Vica oder ihrer Assistentin einen Auftrag, nämlich Wohnun gen in jenen Haus für sie zu suchen und Vica, die eine Frau Doktor und auch eine Herzogin ist ,errichtet dort ein Imperium.

So geht es rund und gipfelt in einer Party. Danach verschwindet Vica mit ihren Assistentn und in der Stadt geht es noch runder zu. In den Altersheimen verjüngen sich die Insaßen und aus den Zoos verschwinden Tiere. Wenzel hat auch den geheimnisvollen Drifter getroffen, der ihn bittet niemanden seine Identität zu verraten und das geheimnisvolle Buch, das vorher nicht zu bekommen war, erscheint.

Eine Satire auf den Literaturbetrieb hat ich irgendwo gelesen, so habe ich das gar nicht empfunden. Habe das Buch aber mit Vergügen gelesen und eine neue literarische Stimme entdeckt, die mir bisher unbekannt war.

Muna oder die Hälfte des Lebens

Jetzt kommt schon oder erst Buch sieben des dBp und das erste Shortlistbuch.

“Muna oder die Hälfte de Lebens”, der 1971 geborenen Terezia Mora, die schon 2013 mit dem “Ungeheuer”, den dBp gewonnen hat.

“Den einzigen Mann auf den Kontinent” ehabe ich glesen und jetzt das zweite der vier DDR-Bücher, die heuer auf der Longlist standen und es ist ein sehr beeindruckendes Buch. Vierhunderfünfzig Seiten dick, ich habe es als PDF gelesen. Ein Lieblingsbuch von Denis Scheck, andere Rezensenten waren gespalten und beschrieben die Muna als unzuverläßige Erzählerin.

Wir sind, habe ich gehört, habe ich in den Rezensionen gelesen, immer im Kopf der Erzählerin, was ich nicht ganz verstanden habe, denn ich fand die Ich-Persepektive nicht für so ungewöhnlich. Die durchgestrichenen Stellen störten mich dagegen.

” Was soll das?”, denke ich, das scheint aber jetzt modern zu sein und wird auch hochgelobt.

Da ist also Muna, wie ihre Autorin, 1971 geboren. Also ist sie beim Fall der Mauer achtzehn. Se lebt mit ihrer Mutter, einer Schauspielerin, in einer fiktiven Kleinstadt der DDR und zu Beginn des Buches wird die alkoholkranke Mutter ins Spital gebracht. Muna muß also allein ihr Abitur machen. Sie beginnt bei einem Verlag zu jobben und lernt da Magnus kennen, einen Französischlehrer und Fotografen in dem sie sich maßlos verliebt. Eine toxische Beziehung, lese ich allethalben und das scheint auch die Sensation an dem Buch zu sein, was ich eigentlich gar nicht so ungewöhnlich fand, habe ich doch sehr ähnliche Klienten. Es kommt zu einer Nacht, dann verschwindet Magnus nach Rumänien, wie er sagt, kommt aber, weil die Grenzen jetzt offen sind, nicht mehr zurück.

Muna sucht ihn lang, zieht nach Berlin, beginnt Literaturwissenschaft zu studieren, geht später nach London und dann nach Wien, wo sie in verschiedenen akademischen Bereichen prekär tätig ist. Sieben Jahre später und in Zürich trifft sie Magnus wieder. Sie ziehen zusammen. Sie rennt ihm nach. Sie will ein Kind, er nicht und es kommt immer öfter zu gewalttätigen Situationen. Er schlägt und mißhandelt sie und verlässt sie schließlich.

Da wohnen beide in Bern. Sie dreht durch, macht dann doch ihr Studium fertig und beginnt wieder prekär und unterbezahlt in Verlagen, später in einer Buchhandlung zu arbeiten, bis sie Magnus oder einen Mann, der sich Benjamin nennt, wiedersieht. Er würgt sie und als sie gefunden werden, werden beide zuerst für tot gehalten. Er befindet sich im Koma und kann vorerst nicht sterben. Se hat dagegen noch die Hälfte ihres Lebens vor sich, wie ihr die Ärzte sagen und auch den Titel des Buches erklärt.

Ein prekäres Frauenleben, eine psychisch labile Frau, auch wenn sie blond und blauäugig, und, wie schon erwähnt, eine unzverlässige Erzählerin und nicht so unschuldig, ist, an der sich Terezia Mora, die vorher in ihrer Trilogie einen Mann als Protagonisten hatte, offenbar erproben wollte und sich, wie sie in diversen Interviews betonte, damit nicht so leicht getan hat, die Schwäche und die Hilflosigkeit auszuhalten, aber so schwach war diese Muna gar nicht, wie manche Rezensenten meinen.

En interessantes Buch allemal, auch wenn ich glaube, daß es es vielleicht zu lang ist und nicht alles einem strikten Handlungsfaden folgte.

Eigentum

Im Buch neun der österreichschen Longlist und das fünfte das auf der Shortlist steht, geht es um die Aufarbeitung des Todes der Mutter.

Der 1960 in Maria Alm geborene Wolf Haas ist für seine “Brenner-Romanen berühmt geworden. Da habe ich mal gehört, daß er die zuerst konventionell verfaßte, bis er zu seinem eigenen Brenner-Ton kam, über den es schon Bücher gibt. Dann gibt es noch ein paar andere Romane. Das “Wetter von fünfzehn Jahren”, das, glaube ich, auf dem dBp stand, hat mir sehr gefallen und jetzt bin ich ein bisschen verwirrt, obwohl ich mich noch immer frage ob er oder Clemens J. Setz den Buchpreis gewinnen wird oder vielleicht doch eine der Frauen?

Aber bei einem Begräbnis am Land singt bei Frauen der Frauenchor bei Männern spielt die Blasmusik. So ist das eben und konnte auch vom Wolf Haas nicht verändert werden, der auf die Idee kam, ein Buch über den Tod seiner Mutter “Eigentum” zu nennen.

Am Cover steht auch “Eigentum “von Wolf Haas” und da kann man oder wurde spekuliert, ob ein Roman das Eigentum des Autors ist? Das Geistige natürlich selbstverständlich, aber ich kann das Buch zerreißen oder verbrennen, wenn ich es mir gekauft habe und ich kann es auch verstehen, wie ich es will, dann vielleicht aber mit dem Autor oder Kommentierer darüber diskutieren.

Es geht also um die 1923 geborene Mutter Marianne, die mit fünfundneuzig Jahren, glaube ich, in einem Altersheim gestorben ist. Vorher wurde sie von ihrem Sohn besucht, dem sie den Auftrag gab, ihren Vater anzurufen, um sich zu erkundigen, wie es da, wo sie hinkommen wird, so ist? Später geht es, um die Frage ob und wie sie ihm Brennesseltee mitbringen soll und der Sohn lügt sie an und erzählt ihr etwas von dem Großvaters und wird dann verlegen, als sie nicht locker läßt.

Irgendwo habe ich auch gelesen, daß das Buch auf sehr sanfte Art und Weise das vorige Jahrhundert beschreibt. Denn die Mutter, die aus einer armen Familie stammt, der Großvater hat bei der Inflation nach Wordwar eins, sein ganzes Geld verloren, so wurde sie mit zehn einer Bauernfamilie übergeben, wo sie den Söhnen die Socken stopfen mußte. Dann kam sie auf die Hauptschule und später in die Hotelfachschule oder einen Servierkurs. Der erste Tag dort fand vor Beginn des zweites Weltkrieges statt, dann wurde der Lehrer aber eingezogen und die Fortsetzung fand erst nach dem <krieg statt.

Die Mutter, die auch verschiedene Kriegseinsätze hatte, ist dann als Serviererin in die Schweiz gegangen und hat ihrer Familie ihren Lohn geschickt, damit sei ein Haus bauen konnte. Später war dann nur ein Zimmer für sie, bis sie in eine Mietwohnung zog, denn das Geld, das sie für die Eigentumswohnung ansparte, war dann, als sie es hatte, nur mehr die Hälfte wert. So zog sie mit ihren Söhnen in eine Mietwohnung, wo sie auf den Friedhof schauen konnte. Fünf Jahre vor ihrem Tod wurde sie von dort aber auch hinausgeschmissen und mußte ins Altersheim ziehen. Hatte aber ihr eigenes Grab, wo schon ihr Name stand. Endlich also ihr Eigentum, der Patz, der ihr gehörte und der Sohn wurde auch für eine Poetikvorlesung eingeladen, wo er, über “Kann man über das Leben schreiben will?”, referieren will.

So geht es dahin. Die Mutter war, wie die Nachbarin, dem Sohn sagte, eine schwierige Person, die oft in Streit geriet und zwar Französisch und auch mit dem Zehnfingersystem Maschinschreiben, aber nicht mit Menschen umgehen konnte. So ging sie in ihren spätenJahren nicht mehr aus dem Haus, die Bauernkinder denen sie Nachhilfe geben sollte, kamen aber zu ihr.

Und dann ist sie mit Fünfundneunzig, drei Tage nachdem sie den Sohn nach dem Jenseits fragte, gestorben und der Sohn schreibt über das Eigentum, das sie nie hatte, hat sie ihm doch schon als Kind das Wesen der Inflation erklärt und das “Sparen, sparen, sparen!”, beigebracht und so haben wir ein Memoir das sich auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise der Mutter annähert, an die ich mich erst gewöhnen musste, denn ich bin ja eine eher humorlose Person, die nicht viel Spaß versteht und alles wörtlich nimmt, aber Wolf Haas ist ein guter Schreiber, der höchstwahrscheinlich auch davon leben kann und jetzt müssen wir nur abwarten, ob er die zwanzigtausend Euro oder doch nur zweitausendfünfhundert bekommt?

Die österreichische Shortlist

Ich habe ja diesmal, weil erst eineinhalb Wochen nach der Veröffentlichung der deutschen Longlist und ein paar Tage vor der Veröffentlichung der österreichischen, von Frankreich zurückgekommen, mich zuerst durch die Österreichische gelesen, weil da die Bücher früher, als die deutschen bei der Negalley zu beziehen waren und habe daher am Tag der öst. Shortlistverkündung schon acht der Bücher gelesen und konnte raten, wer darauf kommt, bezeihungsweise welche Bücher ich darauf täte?

Eine schwere, fast unmögliche Frage, denn ich hätte mehr als fünf Kanditaten. Welche Bücher lasse ich also weg?

Den Bodo Herbst vielleicht mit seinen experimentellen Baumpassagen? Ich bin keine experimentelle Autorin und würde bei einem Buchpreis vielleicht auch an Romane denken, aber Bodo Hell ,ist ein sehr bekannter Autor, jetzt achtzig und gehört gewürdigt. Obwohl, um vielleicht Petra Hartlieb zu zitieren sein “Droschl-Buch” nicht so viele Käufer findet.

Also versuchen wir es mit etwas Leichteren. Die Christina Walker mit ihrem Krähenroman ist vielleicht nicht so bekannt, als die anderen Autoren und hat vielleicht auch ein leises und nicht unbedingt so neues Thema.

Susanne Gregor, deren “Wir werden fliegen” ich noch nicht gelesen habe, fällt vielleicht auch in diese Kategorie und ganz ehrlich Maja Haderlaps “Nachtfrauen” haben mir nicht so gefallen, hätte ich von der “Bachmann-Preisträgerin” und Experten bei den Kärntner Slowenen, vielleicht etwas mehr Nachhaltigeres erwartet.

Also hätte ich mit etwas Bauchweh vier Ausscheidungen, bleibt aber immer noch ein Buch zuviel übrig. Also welches, nehme ich, nehmen die Juroren. Da bleiben ja lauter bekannte Namen, lauter bekannte Autoren über.

Über Wolf Haas “Eigentum” kann ich auch noch nichts sagen, fange ich das ja gerade erst zu lesen an. Er ist aber ein bekannter Autor mit einer sehr starken Sprache, also würde ich tippen, es steht darauf.

Da wären dann noch Birgit Birnbacher mit “Wovon wir leben” ein sehr realistischer österreichischer Provinzroman mit dem ich wahrscheinlich mehr als mit Thomas Olahs “Doppler” anfangen kann. Aber der steht ohnehin auf der Sbortlist Debutliste und ist daher keine Konkurrenz. Wäre also mit Karin Peschkas “Dschomba” zu vergleichen, ein Provinzroman aus den Fünfziger- und Siebzigerjahren und Karin Peschka hat auch eine eigene starke Sprache, gehört also auch darauf?

Was haben wir noch? Die “Monde vor der Landung” des sehr jungen “Büchner-Preisträgers” Clemens J. Setz, der auch auf der deutschen Liste und auf der der “Leipziger Buchmesse” stand.

Das wäre vielleicht auch ein würdiger Gewinner, obwohl der Roman ja weniger surreal als erwartet ist, Also gerade deshalb, würde ich ihn auf der Shortlist sehen. Dann hätten wir noch Teresa Präauer mit ihrem “Kochen im falschen Jahrhundert”, ein Buch das einerseits sehr gelobt, andererseits auch kritisiert wurde und eigentlich kein wirklicher Roman ist, aber das ist auch kein Kriterium für den Öst. Bei der Deutschen, wo es auch draufsteht, ist das anders und Milena Michiko Flasars “Oben Erde unten Himmel”, die mit ihren Japanmotiven eine literarische Außenseiterin ist.

Wer kommt also auf die kurze Liste und welche Bücher fehlen?

Eine spannende Frage, die die Jury zu beantworten hat und ich würde auf jeden Fall wieder empfehlen, alles zu lesen und sich ein eigenes Urteil zum machen und dann gibt es ja auch noch andere Neuerscheinungen, die zum Teil auf der dBp standen, bei den O-Tönen oder bei anderen Veranstaltungen zu hören waren und meine Bücher, kann ich nicht lassen, hinzuzufügen, gibt es auch noch und da sind in diesem Jahr auch schon vier erschienen.

Und hier die Überraschung:

  1. Milena Michiko Flasar “Oben Himmel unten Erde”
  2. Wolf Haas “Eigentum”
  3. Maja Haderlap “Nachtfrauen”
  4. Teresa Präauer “Kochen im falschen Jahrhundert” und
  5. Clemens J. Setz “Monde vor der Landung”

Spannend, spannend und ein bißchen schade für Bod Hell und die experimentelle Lyrik.

Ich hätte ihn gegen Maja Haderlap ausgetauscht und jetzt können wir raten, ob Wolf Haas, Clemens J. Setz oder doch eine der drei Autorinnen den Preis gewinnt. Am sechsten November ist es dann soweit. Da bleibt und also noch Zeit alles zu lesen.

Die deutsche Shortlist

Es ist soweit, die heurige deutsche kurze Liste wird bekanntgeben und wenn mich jetzt wer gefragt hätte, was steht darauf?, hätte ich noch kurz vorher sagen müßen, ich weiß es nicht, denn ich habe erst drei Bücher der LL ganz gelesen und bin jett gerade bieim Thomas Olah, der auch auf der ÖSt Debut steht und die drei hatte ich schon gelesen, als ich vor vier Wochen mich mit dem Alfred in Bordeaux, als wir dort das Auto in der Victor Hugo Parkarage abgestellt und die berühmte Brücke überquert hatte, in ein Straßencafe setzen, wo wir uns den Cafe allerdings holen hätte müßen und mir die Liste auf Alfreds Handy zeigen ließ. Dann waren wir noch eineinhalb Wochen in Frankreich, so daß ich erst am nächsten Freitag, die Bücher anfragte, da noch etwas zu lesen hatte und am Dienstag darauf wurde schon die österreichische lange Liste bekanntgegeben und die war diesmal überraschend bei der Netgalley, wo man ja digital lesen kann, früher zu bekommen und obwohl mir die Post zwei Sendungen zurückgeschickt hatte, zum Glück waren da auch die “Wagenbachbücher” dabei, die ich schon gelesen habe, war noch einiges zu lesen und da geht es diesmal zuerst durch die Öst, so daß ich zu deren Shortlistverkündiung wahrscheinlich mehr gelesen habe.

Zwei Bücher, die auf beiden Listen stehen, habe ich aber auch im Print bekommen und so werde ich nach dem Olah auch die Teresa Präauer lesen und weil nach der Reise einiges zu erledigen war, bin ich auch verspätet zu den Blogger-Buchpreisempfehlungen gekommen. Die kleinen Filmchen, die die zwanzig Bücher vorstellen, hat es diesmal auf der deutschen Listenseite auch nicht gegeben, aber Sarah von “Uralte Morla” hat dann doch ihre Schätzung abgegeben und den “Papierstau Podcast” gibt es auch.

Was könnte also auf die Shortlist kommen?

Die Terezia Mora vielleicht, die hat zwar schon einmal gewonnen, dann vielleicht der Setz der schon in Leipzig nominiert war, Negazi Öziris “Vatermal” wird oft erwähnt, die Teresa Präauer vielleicht auch oder der Tonio Schachinger wo ich mich schon auf das Lesen freue und und und…

Seien wir gespannt und dann vielleicht auch überrascht, wie das ja meistens so ist.

Und jetzt ist sie da, hurrah, hurrah und gar nicht so schlecht geschätzt_

  1. Terezia Mora “Muna”

2. Negati Öziri “Vatermal”

3. Anne Rabe “Die Möglichkeiten des Glücks”

4. Tonio Schachinger “Endzeitalter”

5. Sylvie Schenk “Maman”

6.Ulrike Sterblich “Drifter”

Und jetzt heißt es lesen, lesen. lesen. Wer macht noch mit und diskutiert mit mir über die Bücher?

Liebe ist gewaltig

Das letzte Buch der Bloggerdebutshortlist ist dem vierten, “Nordstadt” sehr ähnlich, wie es überhaupt bei drei oder vier Büchern auf dieser Liste umd die Identitätsfindung und das Aufwachsen in häuslicher und gesellschaftlicher Gewalt geht.

“Liebe ist gewaltig” der 1986 in Tübingen geborenen Cludia Schumacher ist erzählender und vielleicht auch ein wenig kitschiger, als Annika Brüsings Debut. Es schweift mehr herum und ist vielleicht auch ein wenig unglaubwürdiger. So wirkt die Anwaltmutter manchmal wie eine Hausfrau, die zu Mittag zu Hause ist und für ihre Lieben kocht und der wahrscheinlich dreißigjährige Bruder wird gleich Bürgermeister des Städtchen.

Die Einstiegsszene, die 2007 spielt, ist aber schon mal sehr gewaltig. Da ist die Heldin, Juli, Jules genannt, die sich später Julia nennt, siebzehn und ist von ihren Eltern in ein Sanatorium gebracht worden, wo sie sich erholen soll und ist hier mit Dementen und Bunouts zusammen, passt also nicht hin.

Vielleicht passt sie auch nicht nach Ederfingen, das ist ein Vorort von Stuttgart, wo sie in einer Vorzeigefamilie, beide Eltern Anwälte mit drei Geschwistern aufwächst. Eine Vorzeigefamilie mit dem reinen Glück, dabei ist der Vater sehr gewaltig und der Teppich hat Blutflecken, die Mutter beschwichtigt, lächelt immer und versucht alles mit neuen Klamotten und McDonald Besuchen auszugleichen.

Juli fliegt, weil sie auch gewalttätig sein kann, aus der Kur hinaus, soll in eine Psychiatrie kommen, die Mutter holt sie aber ab und bringt sie in die Villa zurück und hier findet Juli vorläufig ihr Glück in einer kleinen Maus, die sie aufzupäppeln versucht. Der Vater erlaubt ihr zuerst sie zu behalten. Später setzt er sie in Beisein der Mutter aus, aber von Menschen aufgezogene Mäusen können in der freien Wildbahn nicht überleben, “weil sie den Katzen gleich ins Maul marschieren”.

Juli rastet also wieder aus und verläßt das Elternhaus. Später, 2014, da ist sie erfolgreiche Gamerin, lebt in Berlin und soll ihr Mathematikstudium abschließen, kehrt sie zum sechzigsten Geburtstag des Vaters zurück. Was auch in einer Katastrophe endet. Sie beschimpft den Gratulanten. Der älteste Bruder ist inzwischen Bürgermeister des Städtchens geworden und sehr aufstiegsorientiert. Nur der Bruder Bruno ist ihr Halt. Sie klagt den Vater in Beisein aller der Gewalttätigkeit an. Schweigen folgt, der Vater sagt sie ist hysterisch und bildet sich das nur ein und niemand glaubt ihr.

So verläßt sie die Party und fliegt nach London, um ihre Exfreundin Sanyu, die eigentlich Sandy heißt, zu treffen, die sie aber gar nicht hineinläßt und in einer Disko hat sie auch jemand zusammengeschlagen und muß mit einer Anzeige rechnen. Der Vater, der das öfter macht, boxt sie hinaus und 2016 heißt sie dann Julia, was mich Anfangs beim Lesen sehr verwirrte, weil ich mich nicht auskannte, wer diese Julia ist jetzt ist?

Sie ist, wird ihr ihr Bruder Bruno später schreiben, eine “runtergedummte Barbie-Version”, denn sie hat sich ihren Freund Thilo, einen Aufsteiger aus Sachsen, sehr angepasst und sich äußerlich sehr verändert, kocht und backt für ihren Freund, hat die Wohnung umgestaltet und ihr Inneres total verdrängt.

Sie wird sich aber wieder finden und nach Berlin zurückkehren und wie es weiter geht, können wir nur ahnen oder uns erhoffen, daß es nicht in dieser Art und Weise weitergeht.

Sehr viel Gewalt also, die die Dreißig bis Verzigjährigen, die heute Bücher schreiben, in ihrer Jugend erlebten.

Ronja von Rönne, die das Buch sehr lobte, ist wahrscheinlich auch eine davon, Helene Hegemann, etcetera und die Danksagung, wo man den Schreibverlauf gut verfolgen kann, ist sehr lang.