Maman

Jetzt kommt schon Buch achtzehn der letzten deutschen Leseliste und das fünfte Shortlistbuch “Maman” der 1944 in Chamberly geborenen Sylvie Schenk, die seit 1966 in Deutschland lebt und vor ein paar Jjahren auch beim “Bachmann-Preis”gelesen hat.

Ein Buch also, daß ich eigentlich auf meine Frankreichreise mitnehmen hätte können, wenn ich es schon gehabt hätte und auf der Rückreise lesen. Aber das habe ich da mit der Annie Ernaux getan und Sylvie Schenks Buch über ihre 1916 geborene Mutter, könnte man auch in diese Kategorie, die jetzt modern ist, einordnen.

Das eher dünne Büchlein besteht aus vielen kurzen Kapiteln, die alle eine eigene Überschrift haben. So würde ich dem Buch wieder den Romanstatus abstreiten, sondern eher in die literarischen Miniaturen- Reihe einordnen.

Es beginnt in einigen der kurzen Kapiteln mit dem Tod der Großmutter Cecile, die eine Stunde nach der Geburt ihrer Tochter Renee an den Folgen eines Kaiserschnittes gestorben ist. Sie war arm und ledig und so wurde die kleine Renee, von der man eigentlich annahn, daß sie nicht lange leben würde, zuerst in ein Waisenhaus und dann ans Land zu Kost und Pflege zu einem Bauernpaar gebracht. Dort wurde sie schlecht behandelt, von einer Kuh gebissen, so daß sie eine Narbe auf der Nase davon trug, bevor sie von einem bürgerlichen Paar adoptiert wurde, die ihr eine Puppe und einen Teddybär schenkten und sich auch sonst, vor allem die Mutter, liebevoll um sie kümmerten.

Sylvie Schenk dringt hinein in das Leben ihrer Mutter, daß sie noch nicht selbst erlebt hat, schreibt davon, daß es für die kleine schüchterne Frau, die mit zwanzig an einen Zahnarzt verheiratet wurde und sich vor dessen Sex sehr geekelt hat, obwohl sie von ihm fünf Kinder bekam, zwei Dinge sehr wichtig waren. Pünktlich zum Essen zu kommen und keine unehelichen Kinder, dann lieber abtreiben. Zwei der vier Töchter wurden aber Alleinerzieherinnen. Sylvie Schenk, die zuerst in Lyon studierte, verheiratete sich dann nach Deutschland und Maman ist mit fünfundsechzig Jahren, also noch sehr jung an einen <nNierenkrebs verstorben.

Seitensprünge oder den Verdacht dazu gab es auch. Eine Cousine erzählt Sylvie Schenk ununderbrochen davon. Es hat aber wohl einen Arnoud gegeben, einen Widerstandskämpfer, denn das war noch vor Sylvie Schenks Geburt im Jahr 1942 oder so, dem die Mutter folgen wollte und dafür sogar ihren Verlobungsring verkaufte. Der war aber schon verschwunden und so bleibt die Metapher von der Bettlerin, die irgendwo in der Nähe hauste und stank und irgendwann verschwunden war. Die Mutter hat sie Prinzessin genannt und ihr den Erlös vom Verkauf des Ringes gegeben, was sie der Tochter an ihren Sterbebett erzählte.

Ein interessantes Buch, ein Memoir würde man heute sagen, das in Episoden, Hn- und Hersprüngen vom Leben einer Mutter erzählt, wobei sich Sylvie Schenk wohl auch einiges ausgedacht haben muß, was vor ihrer Geburt geschah.

Unschärfen der Liebe

Buch zehn des dBps, jetzt ist schon Halbzeit, Angelika Overaths Unschärfen der Liebe” ist ein Roadmovie mit einem verwirrenden Ende, obwohl das Buch eigentlich sehr ruhig ist, die Reise von Baran Anatol Chronas von Chur nach Istanbul geht, die viele Stationen hat und einige Tage dauert.

Baran Anatol Chronas ist der Sohn von griechisch türkischen Eltern , als Gastarbeiter in Deutschland aufgewachsen. Jetzt lebt er schon einige Jahre mit seinen Freund Cla, einem Schweizer, in Istanbul und hat mit ihm dessen Ex-Frau Alva besucht. Cla ist früher zurückgeflogen und Baran kommt nun mit dem Zug nach.

Alva und die kleine Tochter Florinda begleiten ihn zum Zug und während der Fahrt hat Baras viel zu denken, denn nichts ist mehr wie es war. So beginnt, glaube ich, das Buch “Als Baras Anatol Chronas an einem Herbstmorgen in Chur einen Zweitklassewagen der schweizerischen Bundesbahnen bestieg, wußte er, daß ihm keine gute Ankunft bevorstand”

Die Beziehung zu Cla ist brüchig. Er hat ihn betrogen. Jetzt hat Baras ein Verhältnis zu Alva angefangen und während der Fahrt, denkt er viel vor sich hin. Man kann das Buch, ein Roadmovie nennen. Es gibt Landschaftsbeschreibungen, die Reisegefährten werden beschrieben. Baras geht in den Speisewagen, trinkt ein Bier, stiegt um, schläft zweimal in den Zügen , einmal im Hotel. Hat auch eine längere Unterbrechung in Sofia, denn die Reise geht von “Chur nach Sargans”, von “Sargans nach Landeck”, von “Landeck nach Graz” und so weiter uns so fort, von Kroatien, nach Belgrad, nach Sofia, wie schon beschrieben und die einzelnen Kapitel tragen auch diese Überschriften.Am Beginn des Buches kann kann auch den Fahrplan sehen.

Als er schon in Istanbul angekommen ist, von Cla auch ein SMS bekommt, daß er ihn mit dem Abendessen erwartet, wird es dann spannend, denn während er noch resumiert in die Schweiz zurückzukehren, als Kellner oder Übersetzter, denn der Gastarbeitersohn scheint auch eine Art Minderwertigkeitskomplex zu haben, bei Alva zu leben, gerät er in ein Erdbeben. Dann hat er eine Vision, wo er Cla tot in seinem Zmmer findet und der Koffer des Großvaters, den er immer mit sich führt, spielt in dem Buch auch eine Rolle, denn “Mit einem Ton, wie wenn man Metall reißt, kam der Zug zum Stehen. Baran griff nach seinem Koffer. Die automatischen Türen standen offen, und er war gerade dabei auszusteigen, als das große Beben begann.”

So endet das Buch, das mir eigentlich gefallen hat, obwohl ich auch kritische Rezensionen darüber gehört habe. Ein Roadmovie, wo Baras, der Gastarbeitersohn über sein Leben, die Kultur, die Gesellschaft, etcetera, nachdenkt. Bei drei Tagen unterwegs, eine Reise die eigentlich dreißig Stunden dauert, wie an anderer Stelle steht, hat man wohl Zeit dazu. Am Schluß wird es etwas unrealistisch, während ich das Buch bis dahin eher ruhig und refektierend empfunden habe.

Angelika Overath wurde 1957 in Karlsruhe geboren, lebt in Graubünden und hat, glaube ich, in “Ein Winter in Istanbul” schon ein Buch über Baras und Cla geschrieben.

Die deutsche Shortlist

Es ist soweit, die heurige deutsche kurze Liste wird bekanntgeben und wenn mich jetzt wer gefragt hätte, was steht darauf?, hätte ich noch kurz vorher sagen müßen, ich weiß es nicht, denn ich habe erst drei Bücher der LL ganz gelesen und bin jett gerade bieim Thomas Olah, der auch auf der ÖSt Debut steht und die drei hatte ich schon gelesen, als ich vor vier Wochen mich mit dem Alfred in Bordeaux, als wir dort das Auto in der Victor Hugo Parkarage abgestellt und die berühmte Brücke überquert hatte, in ein Straßencafe setzen, wo wir uns den Cafe allerdings holen hätte müßen und mir die Liste auf Alfreds Handy zeigen ließ. Dann waren wir noch eineinhalb Wochen in Frankreich, so daß ich erst am nächsten Freitag, die Bücher anfragte, da noch etwas zu lesen hatte und am Dienstag darauf wurde schon die österreichische lange Liste bekanntgegeben und die war diesmal überraschend bei der Netgalley, wo man ja digital lesen kann, früher zu bekommen und obwohl mir die Post zwei Sendungen zurückgeschickt hatte, zum Glück waren da auch die “Wagenbachbücher” dabei, die ich schon gelesen habe, war noch einiges zu lesen und da geht es diesmal zuerst durch die Öst, so daß ich zu deren Shortlistverkündiung wahrscheinlich mehr gelesen habe.

Zwei Bücher, die auf beiden Listen stehen, habe ich aber auch im Print bekommen und so werde ich nach dem Olah auch die Teresa Präauer lesen und weil nach der Reise einiges zu erledigen war, bin ich auch verspätet zu den Blogger-Buchpreisempfehlungen gekommen. Die kleinen Filmchen, die die zwanzig Bücher vorstellen, hat es diesmal auf der deutschen Listenseite auch nicht gegeben, aber Sarah von “Uralte Morla” hat dann doch ihre Schätzung abgegeben und den “Papierstau Podcast” gibt es auch.

Was könnte also auf die Shortlist kommen?

Die Terezia Mora vielleicht, die hat zwar schon einmal gewonnen, dann vielleicht der Setz der schon in Leipzig nominiert war, Negazi Öziris “Vatermal” wird oft erwähnt, die Teresa Präauer vielleicht auch oder der Tonio Schachinger wo ich mich schon auf das Lesen freue und und und…

Seien wir gespannt und dann vielleicht auch überrascht, wie das ja meistens so ist.

Und jetzt ist sie da, hurrah, hurrah und gar nicht so schlecht geschätzt_

  1. Terezia Mora “Muna”

2. Negati Öziri “Vatermal”

3. Anne Rabe “Die Möglichkeiten des Glücks”

4. Tonio Schachinger “Endzeitalter”

5. Sylvie Schenk “Maman”

6.Ulrike Sterblich “Drifter”

Und jetzt heißt es lesen, lesen. lesen. Wer macht noch mit und diskutiert mit mir über die Bücher?

Paradise Garden

Jetzt kommt, oh Überraschung, das dritte heurige Longlistbuch, das mir “Diogenes” als Leseexemplar schon vor einiger Zeit zuschickte, aber nicht vor dem dreiundzwanzigsten Achten besprochen werden sollte.

Es vor unserer Frankreichreise zu lesen, ist sich dann nicht ausgeangen. So habe ich es auf unsere Reise mitgenommen und als wir am Freitag, den elften, in Richtung Italien aufgebrochen sind, mitgenommen, was sehr praktisch war, denn in dem Debut, der 1987 geborenen Elena Fischer ist es auch um eine Frankreichreise der vierzehnjährigen Billie gegangen.

Die ist allerdings nie dorthin gekommen, sondern nur an die Nordsee und ich habe eigentlich nicht daran gedacht, daß es auf die Longlist kommen könnte. Auch am zwanzigsten August nicht, als ich gerade den “Frühling in den Bäumen” gelesen habe und überlegte, daß das vielleicht draufstehen konnte, war aber nicht so und “Paradise Garden” ist vielleicht auch diesbezüglich spannend, daß es eigentlich eher ein Jugendbuch ist.

Zumindest ist die Heldin Billie oder Erzsebeth, wie sie eigentlich heißt, vierzehn und noch etwas ist interessant, denn am Tag vor unserer Abreise, waren wir ja bei den “O-Tönen” und da hat Tonio Schachinger sein zweites Buch “Echtzeitalter” vorgestellt, das auch auf der LL steht und da geht es auch um Jugendliche und zwar um solche, die das elitäre Theresianum besuchen. Also Ober- oder Mittelschichtkinder sind. Billie und ihre Mutter gehören eher den sozial schwächeren Schichten an. Zumindest wohnen sie in einer Wohnbausiedlung in schlechten Zustand und schlechten Ruf.

Billie hat aber eine ungewöhnliche Mutter, die eigentlich aus Ungarn stammt. Nicht viel von ihrer Vergangenheit spricht und mit Billie bei einem Quizz im Rundfunk anruft, wo sie einen Geldbetrag gewinnen, worauf sie die Urlaubsreise beschließen.

Denn sie haben ein altes Auto, das eigentlich auch defekt ist, die Beifahrertür klemmt oder muß beim Fahren festgehalten werden. Die Reise wird aber geplant. Eigentlich wollen sie nach Florida. aber dazu reicht das Geld nicht. Velleicht die Nordsee rät der Nachbar Ahmed. Aber das will die Mutter nicht. Billie schon. also nach Frankreich. Es wird alles in das Auto gepackt. Vorher gehen sie noch den teuersten Eisbecher namens “Paradise Garden” essen und Billies Freundin Lea, die von ihrer priveligierten Schule geflogen ist, obwohl sie aus besseren Kreisen stammt, schenkt ihr eine Schwimmflosse.

Dann wird ab er alles anders. Die ungarische Großmutter mit der die Mutter denKontakt abgebrochen hat, taucht plötzlich auf. Behauptet krank zu sein, so daß sie sich untersuchen lassen muß.

Also wird die Reise abgebrochen und die Großmutter zieht in Billies Zimmer ein, die noch ein Problem hat. Sie hat nämich keine Ahnung, wer ihr Vater ist. Die Mutter erzählt auch davon nichts und bei den Untersuchungen kommt nicht sehr viel heraus. Dafür überwirft Billie sich mit Lea, deren <mutter sehr kariativ unterwegs ist. Lea beschwer sich aber über den Gestank in Billies Wohnung, als die Großmutter sie zum Essen eigeladen hat. Billie belauscht das Gespräch und ist empört und zwischen der Großmutter und der Mutter kommt es auch zu einem Streit, weil Billie gesehen hat, daß die Großmutter ihre Tabletten nicht schluckt, sondern weggeworfen hat.

Die greift daraufhin Billie an. Die Mutter verteidigt sie. Rutsch unglücklich aus und stirbt dabei. Das erfährt man gleich am Anfang. Billie kommt vorübergehend in eine Jugendwohngemeinschaft, weil sie nicht zu Lea ziehen will.

Die Großmutter wird aber aus der Untersuchungshaft entlassen, so daß sie sich um Billie weiter kümmert wird. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen den Beiden. Als aber die Schule wieder beginnt und sie Billie nach Ungarn mitnehmen will, rückt die aus. Denn sie hat inzwischen ein Foto ihres Vaters in den Sachen der Mutter gefunden und einen Hinweis auf die Nordssee, worüber die Mutter nicht sprechen wollte, gibt es auch. So rückt sie aus und fährt mit dem kaputten Auto dorthin. Zwischendurch klaut sie einen Schlafsack, damit sie in der Nacht, wenn sie im Auto schläft, nicht so friert.

Das finde ich ein wenig unglaubwürdig und überzogen, daß die Polizei nicht auf die Vierzehnjähbrige mit dem kaputten Auto aufmerksam wird. Dagegen fand ich die Stellen mit dem Jugendamt sehr realistisch erzählt.

Billie findet dann einen Mann, der ihr Vater sein könnte oder mit dem die Mutter, als sie an der Nordsee Deutsch lernte, zwei Jahre zusammenlebte, bevor sie ihn verlassen hat.

Erist aber, um die Spannung noch einmal zu steigern nicht. Billie hat sich aber mit ihm an angefreundet und hilft ihm bei den Pferden und eine ate Lehrerin, wahrscheinlich damit das Jugendamt nicht auftaucht, freundet sich mit dem naturliebenden Nichtvater, bei dem Billie wahrscheinlich bleiben wird, an.

Interessant, spannend ud etwas ungewöhnlich. Auch, daß es gleich auf die Longlist gekommen ist und ich es auf unserer Reise vorwiegend in Österreich und Italien gelesen habe und jetzt können wir noch raten, ob es auch auf die Shortlist kommen wird. Leser wird es, da leicht zu lesen und spannend geschrieben, wahrscheinlich finden.