Henriette lächelt

Als wir im Sommer von Frankreich zurückgekommen sind, ist mir aufgefallen, daß mein Blog mehr Traffic als sonst bekommten hat und dann hat sich die 1959 in Wien geborene Andrea Heinisch bei mir gemeldet und mir gesagt, daß ihr mein Blog gefällt.

Ich habe nachgeggoglet und bin darauf gekommen, daß sie eine Debutantin ist, die auch auf der Blogger Debutliese steht und deren bei “Picus” erschienees Buch am zweiten Oktober im Cafe Museum vorgestellt wird.

Da war in der Schmiede die große Jaschke Veranstltung, so hab ich das Buch angefragt und es jetzt gelesen.

“Heriette lächelt”.

Da ist die schöne und erfolgreich sein könnende Henriette. Nur leider hat sie hundertneunzig Klo. Sie lebt mit ihrer Mutter im selben Haus. Die Mutter ist verzweifelt, hat Schuldgefühle und versucht das Übergewicht hinunterzubrkommen, aber Henriette hat ihre Verstecke..

Sie st im Homeoffice Buchhalterin und als Corona kommt, wird ihr Martin, als Assistent unterstellt. Denn wenn sie Corona bekommt, ist sie sofort weg. Es beginnt eine Liebesbeziehung, die aber scheitert. Im Haus wohnt eine Sonja, die gerade ein Kind bekommt, um die sie sich kümmert.

In kurzen lakonischen Kapitel, die meistens mit “Henriette…” beginnen, wird diese sehr eindrucksvolle Eßstörungsgeschichte erzählt.

Sehr interessant und spanneend und wieder eine neue Autorin kennengelernt.

Mein Herz ist eine Krähe

Bevor ich zum Schweizer Buchpreisträger komme, geht es nach Schweden. In das von Neunzehnhundert bis Neunzehnhundertsiebzig und es ist das Debut der 1977 in Norrals geborenen Lina Nordquist und die hat eine verdammt gute Sprache, obwohl man bei Übersetzungen ja nie sicher sein kann, wie das Original ausschaut.

Erzählt wird in zwei abwechselnden Strängen von Unni, der Urmutter und Kara.

Kurz vor Neunzehnhundert mußte Unni mit ihren Geliebten Armod und ihren Sohn Roar von Norwegen nach Schweden fliehen. Denn Unni ist eine starke Frau, die sich mit Kräutern gut auskennt und damit auch ein bißchen Geld verdient. Dem Pfarrer von Trondheim gefällt das nicht, auch nicht, daß Unni unehelich schwanger ist, obwohl das Kind von ihm ist und will sie in eine Irrenanstalt einweisen.

Lina Nordquist erzählt in einer sehr starken Sprache von den Grausamkeiten und der Armut, das in Schweden um Neunzehnhundert existierte, obwohl das Schweden der Neunzehnsiebziger, als das Modernste galt, was sich, glaube ich, auch schon wieder geändert hat.

Damals war es offenbar üblich, daß sich die Männer von den Frauen nahmen, was sie brauchten und so landet die kleine Familie in einer schwedischen Kate im Wald und erlebt den Hunger. Beeren werden gesammelt, Kartoffel ausgegraben und dann gibt es noch die Eheringe, die Unni offenbar von dem Pfarrer mitgehen ließ und jetzt an Schuldgefühlen leidet.

Es gibt das Erlebnis mit der Bärin, die die Familie angreift. Die wird getötet, nach Hause geschleppt und hurrah, gekocht, aber leider viel zu wenig, so daß es zu Vergiftungen kommt.

Es kommt ein zweites Kind, die kleine Tone Amalie mit ihrer Puppe und dann noch ein Mädchen, aber da ist Armod, der Holzfäller schon gestrorben und Unni erzählt das alles ihrem Sohn Roar.

So geht es dahin, wenn Unni dem Bauern ihre Schulden nicht zurückzahlen kann, wird sie von ihm vergewaltigt und sie versucht immer die Kinder vorher in den Hochstand zu schicken, damit sie nicht zu viel davon mitbekommen.

So geht es dahin und eines Tages verschwindet Unni, wie vorher schon eine ihrer Töchter. Tone Amalie stirbt und Roar bleibt allein zurück, hat zuerst eine Freundin namens Irma, die Unni nicht gefällt und später Bricken und da sind wir schon beim zweiten Strang und in dem jetzt zweistöckigen Haus im Wald, in den Siebzigerjahren, zu der Zeit als Roar gestorben ist.

Da leben jetzt zwei Witwen und trinken Kaffee. Die eine ist Bricken, die Gattin von Roar, die andere Kara, ihre Schwieigertochter und die erzählt in abwechselnden Kapitel ihr Leben. Sie hatte psychische Probleme, kam bald mit der Psychiatrie in Berührung und Tabletten verschrieben, so daß sie Neunzehnhundertsiebzig Substanz abhängig war. Sie versteht sich nicht mit Bricken, die sie unterdrückt oder sie sich von ihr unterdrückt fühlt. Sie scheint auch ein Verhältnis mit Roar gehabt zu haben. Geheiratet hat sie dessen Sohn Dag, der ist auch schon tot und die Beziehung war auch nicht gut. Es gibt den Sohn Bo, der aber verschwunden ist und so geht es dahin.

Das Verhunderfünfzig Seiten, bei “Diogenes” erschienene Buch, ist wie schon geschrieben, sehr eindrucksvoll, mit einer sehr schönen Sprache und vielen Wortschöpfungen.

Ich habe mir einiges davon aufgeschrieben und es war für mich ein wenig schiewerig, mich darin zurchtzufinden, so habe ich über eine Woche zum Lesen gebraucht, denn Lina Nordquist springt ständig von vorn nach hinten zurück.

Erzählt wird manches auch zweimal oder dreimal. Wahrscheinlich, um um die “Liebe, den Wahnsinn und die Verbundenheit”, auszudrücken, wie am Buchrücken steht und die Geheimnisse aufzulösen, die, die beiden Frauen näher bringen und miteinander verbindet.

Und ich habe eine mir bisher unbekannte Autorin kennengelenrt und muß sagen die nordische Literatur ist wirklich sehr eindrucksvoll und man sollte mehr von ihr lesen.

Das Ende ist nah

Amir Gudarzis Debutroman, hätte ich eigentlich schon im Sommer lesen können. Wurde es mir da doch zum Lesen angeboten. Dann sind wir aber nach Frankreich gefahren und als wir zurückkamen, hatte mir die Post das Buch mit einem anderen zurückgeschickt. Ich habe es dann zwar wieder bekommen, da standen aber schon die österreichischen und deutschen Longlistbücher auf meiner Leselistem und ich habe den 1986 in Teheran geborenen Theaterautor, der 2009 nach Österreich gekommen ist, schon einmal in der “AS” erlebt.

Er hat das Buch dann zeitgleich mit dem “Wildgans-Preis” in der “AS” vorgestellt und auf der “Buch-Wien” hat er den Roman auch vorgestellt. Da habe ich ihn am Donnerstag Vormittag gesehen, wollte aber Michael Hammerschmid der auf der Kinderbuchbühne gelesen hat auf das Gstöttmaier-Buch ansprechen.

Also wieder versäumt und jetzt nach dem ich mit dem deutschen und den österreichischen Buchpreislesen fertig bin, das Buch gelesen und ich muß sagen, es ist in Zeiten, wie diesen, wo man ständig und überall hört, daß die Integration gescheitert ist und man alle Syrer, Afghanen etcetera zurückschicken soll, weil sie Frauen vergewaltigen, das Sozialsystem ausnzen und in der Schule nicht Deutsch lernen wollen, so daß die PISA Ergebnisse dadurch beeinträchtigt wuren, ein wichtiges Buch, weil man da hautnah aus dem Leben eines sehr erfolgreich Integrierten erfahren und sich eine Vorstellung davon machen kann, wie es den Asylwerbern geht, wie sie leben, was sie denken und welche Schwierigkeiten sie haben.

Ganz ausgereift würde ich den Erfahrungsbericht, das autofiktionale Memoir des Theatermachers nicht empfinden, ist das Buch doch sehr vielschichtig und es beginnt im oder vor den Jahr 2009, wo sich A. , der in Teheran eine Theaterschule besuchte, an Demonstrationen beteiligte.

Er hat eine Freundin namens Ava. Aber da ist der Kontakt schwierig, muß er sich doch einen Tschador anziehenm wenn er sie besuchen will, damit die Nachbarn ihn nicht sehen. Sie läßt ihn auch nicht wirklich an sich heran, sondern fordert ihn, von ihrer Mutter beeinflußt auf, ihn zu heiraten, da muß er aber viele Versprechen machen, sich verschulden, etcetera.

Er flieht dann nach Österreich. Eigentlich will er, glaube ich, nach Kanada, sucht aber dann hier um Asyl an. Er ist aber mit dem Flugzeug gekommen und hat auch eine Menge Geld mit sich, das er einem Taxifahrer übergibt, bevor er sich nach Traiskirchen aufmacht.

Dort wird er vorwiegend von den Iranern angegriffen, weil er nicht fromm ist und nicht betet, wird von ihnen für einen Spion gehalten und bestohlen. Es kommt auch zu Übergriffen und Schlägereien. Ein Polizist, der Farsi spricht, ist freundlich zu ihm. Er spricht recht gut Englisch, kommt damit aber nicht weiter. Schließlich kommt er in ein Flüchtlingsheim nach Plankenstein, wo der Chef täglich eine Lebensmittelration ausgibt, sich aber sonst um seine Schutzlinge nicht kümmert. Ein Deutschkurs wird ihm auch verweigert und als er im Supermarkt mit einem fünfhunderteuroschein zahlen will, wird die Polizei geholt, auch wenn er sich Äpfel vom Boden aufklaubt.

Er lernt dann eine Sarah kennen, die an sich sehr hilfreich ist und ihn unterstüzen will. Er aber Schwierigkeiten hat, sich in eine Beziehung mit ihr einzulassen. Er findet einen Platz in einer WG in Wien, sein Asylantrag wird mehrmals abgelehnt. Er arbeitet schwarz als Pizzabote oder als Mädchen für alles in der Pizzeria, wird von seinem Chef ausgenützt, bis er endlich Asyl bekommt und Deutsch gelernt hat.

Das Ganze geht natürlich nicht ohne psychische Schwierigkeiten und am Ende bringt sich Sarah, die ihn lange Briefe schreibt und psychoanalytische Theorien findet, warum es mit der Beziehung nicht klappt, um, was ihn erst recht zu entwurzeln scheint. Spricht er doch, als er die Mutter anruft mit einem persischen Akzent und kann sich an sein Leben nicht erinnern, dann endet aber das Buch mit den Zeilen:

“Das Ende ist nah. Sie hat meinen Körper hat mich übernom…

Nein, das stimmt nicht. Ich habe nur einen Albtraum gehabt. Alles, was ich bis jetzt geschrieben habe, ist eine Lüge. Ab jetzt will ich die Wahrheit offenlegen. Ab jetzt gibt es die wahre Geschichte.”

Seien wir gespannt darauf. Bis dahin können wir über das Buch nachdenken, von dem Julia Franck am Buchrücken schreibt “Ein seltener Einblick in das, was Menschen auf sich nehmen, wenn sie flüchten. Und ein kostbares, tief bewegendes literarisches Dokument”

Was man vor allem auch den FPÖ-Wählern empfehlen könnte. Deshalb mein Vorschlag, das Buch für die nächste “Eine Stadt- ein Buch-Aktion” auszuwählen, aber das fürchte ich, wird nicht passieren.

Auf meine 2023-Bestenliste wird es aber kommen.

Gittersee

Jetzt kommt Buch dreizehn der deutschen Longlist und das dritte der vier die sich mit der DDR beschäftigen. Ein wichtiges Thema, obwohl ich in den letzten Jahren öfter hörte, daß das niemanden mehr interessiert, mich eigentlich schon und das Debut der 1992 in Ludwigsburg geborenen Charlotte Gneuss hat auch großes Aufsehen erregt.

Sie hat den “Aspekte Literaturpreis” damit bekommen und es wurde, was ein bißchen fraglich ist, darüber diskutiert, ob eine im Westen geborene über die DDR schreiben kann? Wie heißt das von dem Schnitzel in der Bratpfanne?

Gneuss Eltern kommen aus der DDR, warum also nicht und klar, daß sie sich für das Schicksal ihrer Eltern interessiert. Der Verlag hat Ingo Schulze, habe ich gehört, das Buch übergeben, damit er es auf eventuelle Fehler überprüfen kann. Er hat einige gefunden beispielsweise, daß man in den Siebzigerjahren nicht in der Elbe schwimmen konnte, weil die zu schmutzig war.

Diese Liste wurde der Jury zu gespielt und bei “Amazon” kann man reiheweise Rezensionen lesen, daß das Ostleben falsch beschrieben wurde.

So what, Daniel Kehlmann hat W. G. Papst, glaube ich, auch nicht ganz realitätsgetreu beschrieben und sich auf seine künstlerische Freiheit bezogen,Literatur ist Lüge oder Fiktion, sagte er, glaube ich, über “F” . aAber hier das große Geschrei und wenn man das weiter ausdehnt, dann darf man über überhaupt nichts mehr schreiben und wir können unseren Horizont auch nicht mehr durch das Lesen erweitern.

Aber nun zum Buch. Gittersee ist ein Vorort von Dresden, ein sehr ländlicher offenbar, weil es dort Kühe gibt. Das Buch spielt in den Siebzigerjahren. Karin ist sechzehn, muß die kleine Schwester hüten, die Großmutter ist eine strenge Frau mit NS- Verganenheit und die Ehe der Eltern ist nicht sehr gut. Da kommt Freund Paul daher und fragt “Hast du Lust auf ein Abenteuer?”

Sie soll mit ihm und einem Freund übers Wochenende in die Tschechei fahren und ertappt ihn dabei, daß er viel mehr Geld, als erlaubt, dabei einpackt. Sie hat keine Lust, denn die Eltern würden es nicht erlauben. Sie will sie auch nicht fragen und ein paar Tage später steht die Stasi vor der Tür und eruriert auf Verdacht wegen Republikflucht.

So weit so what und nun wird der sozialistische Alltag der Sechszehnjährigen beschrieben. Die Mutter trennt sich, die beste Freundin wendet sich einer anderen zu und der Stasimann Wickwalz verhört und verhört, erzählt ihr etwas über die Mondscheinsonate und bietet ihr Bier und Zigaretten an.

Karin erfährt von ihrer Freundin Marie, daß Paul in Düsseldorf ist und verrät nach und nach alles und es wird vielleicht so gewesen sein, in der DDR. Vielleicht war es auch anders. Es wird auch nicht alles überall gleich gewesen sein und jeder hat wahrscheinlich anders reagiert und jetzt wartet noch das Buch der Anne Rabe auf mich, das auf der Shortlist gestanden ist und das wurde überall sehr gelobt, ich bin gespannt.

Paradise Garden

Jetzt kommt, oh Überraschung, das dritte heurige Longlistbuch, das mir “Diogenes” als Leseexemplar schon vor einiger Zeit zuschickte, aber nicht vor dem dreiundzwanzigsten Achten besprochen werden sollte.

Es vor unserer Frankreichreise zu lesen, ist sich dann nicht ausgeangen. So habe ich es auf unsere Reise mitgenommen und als wir am Freitag, den elften, in Richtung Italien aufgebrochen sind, mitgenommen, was sehr praktisch war, denn in dem Debut, der 1987 geborenen Elena Fischer ist es auch um eine Frankreichreise der vierzehnjährigen Billie gegangen.

Die ist allerdings nie dorthin gekommen, sondern nur an die Nordsee und ich habe eigentlich nicht daran gedacht, daß es auf die Longlist kommen könnte. Auch am zwanzigsten August nicht, als ich gerade den “Frühling in den Bäumen” gelesen habe und überlegte, daß das vielleicht draufstehen konnte, war aber nicht so und “Paradise Garden” ist vielleicht auch diesbezüglich spannend, daß es eigentlich eher ein Jugendbuch ist.

Zumindest ist die Heldin Billie oder Erzsebeth, wie sie eigentlich heißt, vierzehn und noch etwas ist interessant, denn am Tag vor unserer Abreise, waren wir ja bei den “O-Tönen” und da hat Tonio Schachinger sein zweites Buch “Echtzeitalter” vorgestellt, das auch auf der LL steht und da geht es auch um Jugendliche und zwar um solche, die das elitäre Theresianum besuchen. Also Ober- oder Mittelschichtkinder sind. Billie und ihre Mutter gehören eher den sozial schwächeren Schichten an. Zumindest wohnen sie in einer Wohnbausiedlung in schlechten Zustand und schlechten Ruf.

Billie hat aber eine ungewöhnliche Mutter, die eigentlich aus Ungarn stammt. Nicht viel von ihrer Vergangenheit spricht und mit Billie bei einem Quizz im Rundfunk anruft, wo sie einen Geldbetrag gewinnen, worauf sie die Urlaubsreise beschließen.

Denn sie haben ein altes Auto, das eigentlich auch defekt ist, die Beifahrertür klemmt oder muß beim Fahren festgehalten werden. Die Reise wird aber geplant. Eigentlich wollen sie nach Florida. aber dazu reicht das Geld nicht. Velleicht die Nordsee rät der Nachbar Ahmed. Aber das will die Mutter nicht. Billie schon. also nach Frankreich. Es wird alles in das Auto gepackt. Vorher gehen sie noch den teuersten Eisbecher namens “Paradise Garden” essen und Billies Freundin Lea, die von ihrer priveligierten Schule geflogen ist, obwohl sie aus besseren Kreisen stammt, schenkt ihr eine Schwimmflosse.

Dann wird ab er alles anders. Die ungarische Großmutter mit der die Mutter denKontakt abgebrochen hat, taucht plötzlich auf. Behauptet krank zu sein, so daß sie sich untersuchen lassen muß.

Also wird die Reise abgebrochen und die Großmutter zieht in Billies Zimmer ein, die noch ein Problem hat. Sie hat nämich keine Ahnung, wer ihr Vater ist. Die Mutter erzählt auch davon nichts und bei den Untersuchungen kommt nicht sehr viel heraus. Dafür überwirft Billie sich mit Lea, deren <mutter sehr kariativ unterwegs ist. Lea beschwer sich aber über den Gestank in Billies Wohnung, als die Großmutter sie zum Essen eigeladen hat. Billie belauscht das Gespräch und ist empört und zwischen der Großmutter und der Mutter kommt es auch zu einem Streit, weil Billie gesehen hat, daß die Großmutter ihre Tabletten nicht schluckt, sondern weggeworfen hat.

Die greift daraufhin Billie an. Die Mutter verteidigt sie. Rutsch unglücklich aus und stirbt dabei. Das erfährt man gleich am Anfang. Billie kommt vorübergehend in eine Jugendwohngemeinschaft, weil sie nicht zu Lea ziehen will.

Die Großmutter wird aber aus der Untersuchungshaft entlassen, so daß sie sich um Billie weiter kümmert wird. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung zwischen den Beiden. Als aber die Schule wieder beginnt und sie Billie nach Ungarn mitnehmen will, rückt die aus. Denn sie hat inzwischen ein Foto ihres Vaters in den Sachen der Mutter gefunden und einen Hinweis auf die Nordssee, worüber die Mutter nicht sprechen wollte, gibt es auch. So rückt sie aus und fährt mit dem kaputten Auto dorthin. Zwischendurch klaut sie einen Schlafsack, damit sie in der Nacht, wenn sie im Auto schläft, nicht so friert.

Das finde ich ein wenig unglaubwürdig und überzogen, daß die Polizei nicht auf die Vierzehnjähbrige mit dem kaputten Auto aufmerksam wird. Dagegen fand ich die Stellen mit dem Jugendamt sehr realistisch erzählt.

Billie findet dann einen Mann, der ihr Vater sein könnte oder mit dem die Mutter, als sie an der Nordsee Deutsch lernte, zwei Jahre zusammenlebte, bevor sie ihn verlassen hat.

Erist aber, um die Spannung noch einmal zu steigern nicht. Billie hat sich aber mit ihm an angefreundet und hilft ihm bei den Pferden und eine ate Lehrerin, wahrscheinlich damit das Jugendamt nicht auftaucht, freundet sich mit dem naturliebenden Nichtvater, bei dem Billie wahrscheinlich bleiben wird, an.

Interessant, spannend ud etwas ungewöhnlich. Auch, daß es gleich auf die Longlist gekommen ist und ich es auf unserer Reise vorwiegend in Österreich und Italien gelesen habe und jetzt können wir noch raten, ob es auch auf die Shortlist kommen wird. Leser wird es, da leicht zu lesen und spannend geschrieben, wahrscheinlich finden.

Ohne mich

Jetzt kommt das Debut der 1993 geborenen Esther Schüttpelz, die in Münster Jus studierte und kurz als Rechtsanwältin gearbeitet hat, bevor sie sich dem Schreiben hingab und das ich schon bei einem Diogenes-Talk kennenlernte, das von den teilnehmenden Buchhändlern und Bloggern hochgelobt und gefragt wurde, ob das jetzt eine Familienroman ist? Eine Frage, die ich damals nicht verstanden habe und jetzt erst recht nicht verstehe, sondern das Buch eher als eines, das Krisen und Depressionen der Endzwanzigjährigen in Zeiten wie diesen schildert, beschrieben würde.

Das haben schon andere getan, Helene Hegemann zum Beispiel oder nein, die war viel jünger bei ihrem Debut und ich würde sagen, es ist irgendwie ein lustiges Buch, trotz seiner Trostlosigkeit mit einer überraschenden Wende auf die ich erst ziemlich am Schluß draufgekommen bin, denn während des Talks dachte ich es geht um etwas ganz anderes und während des Lesens, um was geht es da eigentlich, außer um die Alltagsbeschreibung einer Endstudentin.

Es geht um eine junge Frau, Mitte oder Ende zwanzig, die jung geheiratet und dann ihren Mann den sie immer der Ehemann nennt, ganz am Schluß kommt heraus, daß er Jonathan heißt, wie sie heißt ist mir immer noch nicht klar, obwohl, glaube ich, mal ein Kosename genannt wird, verlassen hat oder er sie, das ist auch etwas das sie zu Weihnachten zum Weinen bringt, denn sie dachte bisher,a sie hätte das getan, wie man das eben macht, wenn es nicht ganz passt und das ist auch der lockere Ton des Buches, das beim Talk hochgelobt wurde, die frische legere Sprache der orientierunglosen Endzwanziger, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben und jetzt nicht wissen, wie es in Zeiten wie diesen, weitergehen soll?

Die Erzählerin zieht also locker durch ihr depressives leben, säuft und drogt sich herum und nebenbei schließt sie ihr Jusstudium ab oder hat zumindestens vor das zu tun oder vielleicht auch nicht und man vermutet, da ist wahrscheinlich viel oder einiges Autobiografisches dabei, deshalb bin ich auch sehr gespannt, wie es mit der literarischen Karriere Esther Schüttpelz weitergeht, denn mich hat der Schluß überrascht, vorher habe ich gedacht, da wird ziellos vor sich hingeschrieben.

Also sie oder er haben sich verlassen, treffen sich aber ständig, obwohl er vor hat nach Berlin zu gehen, und das war offenbar einer der Trennungsgründe, weil sie nicht dorthin wollte. Sie ist jetzt jedenfalls allein in der großen Wohnung oder zieht vorübergehend in die WG ihrer Freundin Laura. Später bekommt sie eine Mitbewohnerin, besucht ihre Eltern, macht ihr Referendariat.

Da soll sie in einem zu großen Talar Staatsanwältin spielen oder einige Zeit in einem Städtchen ,die Verwaltung erlernen, dann soll das für das Examen und tut das nicht richtig, sondern druckt sich herum, geht spazieren, trifft ihre Freunde, vögelt sich ein bißchen herum, bis sie dann am Schluß, ich spoilere wieder einmal, ihren Jonathan zu Silvester wieder trifft.

Das Interessante an dem Buch ist, glaube ich, der lockere Ton und dann die Erkenntnis, daß es doch eine Struktur darin gibt, junge Frau Ende zwanzig, die ihren Sinn im Leben noch nicht gefunden hat, macht ihre Erfahrungen und dann würde ich noch die Vermutung anstellen, ob sie nach dem sie ihren Jonathan wiedergefunden hat, nun ihr Studium doch abschließt und im Gegensatz zu ihrer Autorin eine erfolgreiche Rechtsanwältin, Staatsanwältin oder Richterin werden wird und richtig, flapsig lockere Bemerkungen über die Rechtswissenschaft und deren Paragraphen gibt es in dem Buch immer wieder auch.

Diogenes Talk mit Esther Schüttpelz

Und wieder eine “Diogenes” online Buchpräsentation, wieder eine Neuerscheinung, wieder ein Debut, der 1993 geborenen Esther Schüttepelz, die in Münster Jura studierte, wie sie erzählte schon immer geschrieben hat und jetzt mit ihrem Debut, dem am zweiundzwanzigsten Februar erscheinenden “Ohne mich”, ihren Anwaltjob aufgab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

An die fünfzig Buchhändler und Blogger haben an dem Talk teilgenommen. Die Lektorin Margaux de Weck moderierte und schwärmte von dem großartigen Gefühl, ein Buch von einer unbekannten Autorin in der Hand zu halten und es dann zu entdecken.

Es geht, wie schon der Titel sagt, um eine Trennung und, um eine Jurastudentin, die sie gerade erlebt oder hinter sich hat und die Lektorin sagte zu der Autorin, die dann ein Stück aus dem Buch gelesen hat, daß ihr jurastudium schon wichtig gewesen wäre, denn sonst hätte das Buch anders ausgesehen und andere Protagonisten gehabt.

Die schöne Sprache wurde gelob, die, wie die Lektorin betonte, sehr ausgefeilt ist, obwohl sie sehr frisch und hinausgeflossen wirkt.

Die Autorin schreibt auch Liedtexte und interessant ist auch die Geschichte, wie Esther Schüttpelz zu “Diogenes” gekommen ist. Das heißt zuerst kam sie nach Berlin, um als Anwältin zu arbeiten und war dann mit dem Job nicht zufrieden. Deshalb ist der Text nebenbei und ohne Absicht einen Verlag zu suchen entstanden. Dann saß sie einmal in einer Bar neben einen Schriftsteller, der dann den Text oder ein paar Proben davon an eine Agentin schickte und die dann an “Diogenes”.

Lieblingsautoren scheint es nicht zu geben. Esther Schüttpelz mag auch keine langen Erzählungen und Beschreibungen und hat auch keinen Lieblingsstil. Den ihren hat sie durch Abgrenzung gefunden. Sie wurde dann nach ihrer Art zu schreiben gefragt, sie braucht sie die richtige Stimmung dazu, um in einen Sprachrausch und zum intuitiven Schreiben zu kommen, hat aber trotzdem keine Schwierigkeiten mit dem Abgabeterminen.

Im Chat wurde dann diskutiert, ob das Buch ein Generationenroman ist und wie das mit der Familie ist? Und einige Teilnehmer erklärten auch, daß sie das Buch auf Empfehlungen gelesen haben, der Klappentext allein hätte sie nicht begeistert, aber dann waren sie durch die Sprach fasziniert. Spannend, spannend und macht auch mich neugierig, das Buch und die Autorin zu entdecken, das aber erst zu mir kommen muß.

Hohe Berge

Bevor es zum österreichischen Buchpreis geht, noch ein Debut, das auch auf der “Bloggerdebut-Longlist” steht “Hohe Berge”, der 1968 geborenen Silke Stamm, die in Freiburg und Edinburgh Mathematik und Physik studierte und jetzt in der Nähe von Hamburg lebt. Sie hat 2013 den “Förderpreis der Stadt Hamburg” bekommen und 2020 für einen Vorabdruck von “Hohe Berge”, den “Hamburger Literaturpreis” und “Hohe Berge” schließt daran an, was ich über Kristine Bilkaus “Nebenan” geschrieben habe, die ja, glaube ich, auch in Hamburg lebt.

“Da passiert ja nichts!” und so habe ich, als ich angefangen habe auch im Konjunktiv geschrieben: “Aaron nicht in den Arm nehmen”, beispielsweise, was bei mir aber ignoriert wurde, so daß ich damit aufhörte und es wird eine geführte Skitour mit fünf Männern und einer Frau durch die Schweizer Berge geschildert.

Acht Tage dauert sie und interessant, es beginnt mit dem achten Tag, wo alles schon vorüber ist und alle heil im Gasthaus sitzen, beziehungsweise dann zum Bahnhof gehen, um nach Hause zu fahren.

So habe ich auch einmal geschrieben, mit den Kleindetails, wo mir dann ja “Da passiert ja nichts!”, gesagt wurde und bei Silke Stamm passiert wirklich nicht viel mehr als, daß diese acht Tage in der Schihütte von der Ich-Erzählerin, der einzigen Frau der Gruppe, die dort auch ihren Fünfziger feiert, erzählt wird.

Liest man vorher den Klappentext, was ich natürlich getan habe, weil ich mich ja hauptsächlich daran orientiere, glaubt man, daß man in dem Buch in ein Lawinenunglück hineinkommt, das die Protagonisten, wie das in den Romanen ja gefordert wird, an ihre äußersten Grenzen bringt.

Beginnt man zu lesen, erfährt man gleich, regt euch nicht auf, es ist nichts geschehen und das finde ich zumindest interessant und natürlich auch, daß man damit Preise gewinnen kann, weil ich es bei mir anders erlebt hatte.

So geht dann vom Tag acht zurück zum ersten Tag, wo die Erzählerin ankommt und dann Aaron und die anderen Männer die Gruppe trifft. Die sprechen Schweizer Deutsch, was nicht immer so leicht zu verstehen ist und interessant ist auch, daß die Erzählerin einen Seidenschlafrock auf die Bergtour, wo man ja in Hütten mit Plumpsklos und Lagern nächtig, mitgenommen hat. Es gibt aber auch Lawinensuchgeräte, die ausprobiert werden und abgesehen davon passiert dann ungefähr das, was ich auf den Hütten erlebt habe, wenn ich mit Alfreds Wandergruppe dort war. Da waren wir allerdings nie im Winter, bin ich doch keine Skifahrerin und haben so auch keine Lawinensuchgeräte gebraucht.

Es passiert also, das Decken zusammenlegen, das Apres-Schnäpschen, das Fenster öffen im Lager, weil es dort nicht gut riecht und auch die Schwierigkeiten, die man mit den Schnarchern in den Hütten hat, auch das habe ich bei Sladkys-Wandertouren erlebt, da sind sogar einmal Leute abgereist.

Das Laawinenunglück gibt es auch. Das betrifft aber nicht die Gruppe, da hat der umsichtige Führer die Tour vorher abgebrochen. Es betriff die Schweden, da kommt dann einer sogar ins Spital und die umsichtige Hüttenwirtin tut, was man bei Lawinenunglücken tun muß.

Am Schluß ist es vorbei und alle kommen den Berg hinunter. Wir sind wieder bei Tag acht angekommen und ich habe ein sehr ruhiges Buch gelesen, bei dem nicht sehr viel oder doch natürlich das, was man auf Skitouren in den Bergen erlebt, passiert und ich nehme mir noch mit, daß man damit Preise bekommen kann.

Dann brauht man aber wahrscheinlich, die entsprechende Leserschaft und die entsprechenden Feedbacks und ich habe diesbezüglichnur den sehr kritischen Uli und so bin ich gespannt, ob es auf die Bloggerdebutshortlist kommt, was auch den Vorteil hätte, daß ich dann ein Buch weniger zu lesen habe.

“Verblüffend, wie die Erzählform hier zum sehr tragfähigen Grund wird, einer Schneedecke gleich, über den die Geschichte kraftvoll und elegant – wie auf Skiern dahingleitet”, hat Jan Peter Bremer am Buchrücken geschrieben, mit dem ich ja einmal in Klagenfurt auch meine Schwierigkeiten hatte.

Lento Violento

Jetzt kommt das zweite Debut in Folge, das dritte wenn man das heurige deutsche Buchpreisträger-Buch einbezieht, das aber nicht auf der österreichischen Debutliste rsteht. Ich habe die 1986 in Wien geborene Maria Muha, die ebenfalls ein Sprachkunststudium absoluvier, schon am Volksstimmefest aus ihrem Buch lesen gehört und da wird ja, glaube ich, die “Linke Wort Lesung” von 2018, wo es regnete, erwähnt und damit beginnt das Buch, von dem im Klappentext steht, daß “Lento Violento” nicht nur eine Musikrichtung der Neunzigerjahre, sondern ein Lebensgefühl ist. Das heißt es beginnt nicht ganz damit, sondern für mich eher verwirrend, weil inhaltslos mit einer seltsamen Ansprache einer seltsamen Regisseurin, die ihre Crew auf ein freies Feld bestellt hat und dafür ein Buffet mit “Mineralwasser und alter Kochschokolade” aufbauen ließl

Den Zuusammenhang habe ich nach wie vor nicht verstanden. Dann wird es konkreter. Denn da geht ein Daniel, ein erfolg- oder arbeitsloser Künstler in den Prater und trifft da auf eine Ruth, die, glaube ich, auch Künstlerin ist. Die nimmt ihn mit in ihre WG. Sie wohnt mit einer Alex zusammen. Die ist Schriftstellerin und will einen Roman über die Neunzigerjahre schreiben. Befindet sich aber in einer Schreibkrise und weil Daniel eine Mieterhöhung bekommt, die er sich nicht leisten kann, zieht er in die WG ein. Alex hat nichts gegen den neuen Untermieter. Denn sie braucht Geld, weil schon wieder ein Stipendikum abgelehnt wurde. Allein kann sie sich die große Wohnung, die sie braucht, um die vielen Sachen, die sie angesammelt hat, aufzubewahren, nicht leisten. Sie geht aber zu einem Psychianalytker, den sie offenbar bezahlt oder auch nicht. Denn irgendwann bricht sie die Therapie ab und der ruft dann an und fragt nach dem Honorar.

Ruth und Daniel fragen nach Alex Mietvertrag, den sie ihnen aber nicht zeigen oder herausgeben will und am Schluß vermauern, die zwei Alex Zimmer, macht daraus eine offenen Bücherschrank, so daß sie nicht mehr in ihre Wohnung gehen kann.

“Alex betritt die Wohnung, die einmal die ihre war und nun zu einem öffentlichen Bücherschrank umgewidmet worden ist. Ruth und Daniel haben alle Wände mit Regalen zugeschraubt, sie sind so tief, dass in der Mitte des Raumes nur etwa ein halber Quadreatmeter zum Stehen übrig ist.”

Die Stelle wiederholt sich dann ein paar Seiten später, nur heißt es da:

“Ich betrete das Zimmer, das einmal meines war und nun zu einem öffentlichen Bücherschrank umgewidmet worden ist. Alex hat alle Wände mit Regalen zugeschraubt,,sie sind so tief, dass in der Mitte des Raumes nur ein halber Quadratmeter zum Stehen übrig ist. Wenn ich in mein ehemaliges Zimmer gehen möchte, komme ich nicht mehr weit – sobald ich es betrete werde ich von allen Seiten von Büchern umzingelt. Auch quer über die Fenster wurden tiefe Regalbretter montiert, kein Tageslicht dringt mehr herein. Ich stehe vor den künstlich beleuchten Buchrücken und lese Titel, wie “Zusammen schreibt man weniger allein”. Oder “Die Zukunft einer Illusion.” Oder “A room for Ones Own.” Niemand weiß von dem öffentichen Bücherschrank, noch nie waren andere menschen in dieser Wohnung.”

Da sind wir schon im Mai 2019, das Ibbiza Video wurde veröffentlicht und Die drei haben sich am Ballhausplatz bei der Demo, wo die Venga Boys “We are going to Ibiza” spielten oder die, wo Kanzler Kurz dazu Stellungnahme nehmen sollte.

Im Klappentext steht “Als für Alex die Grenze zwischen Fiktion und Realität immer weiter zu verschwimmen droht, wird die Beziehung der Drei auf eine harte Probe gestellt.Kann sie sich aus der Krise herausschreiben?”

Eine interessante Frage, auf die ich auch nach Beenden des Buches keine Antwort weiß. Aus der politischen Situation nicht, würde ich schätzen. Da hat es wahrscheinlich erst angefangen. Ich lese seither nicht mehr auf dem Volkkstimmefest. Maria Muhar aber schon. Corona, die Korruptionskrisen, die Teuerungswellen, der Krieg in der Ukraine haben stattgefunden. Aber das wird die Drei, die wohl noch in den Neunzigern stecken, wahrscheinlich nicht so interessieren.

Musik von der ich nicht so viel verstehe, spielt in dem Buch eine große Rolle. Es wird auch viel und ganze Passagen auf Englisch zitiert.

Alex begibt sich auf die Psychiatrie, wird dort wieder entlassen und kommt dann offenbar in ihre zum Bücherschrank verwandelte Wohnung zurück. Aber auch Daniel geht in die Apotheke, um sich dort “Cipralex”, “Seroquel” und “Zypralex” abzuholen und die Apothekerin schreit laut die Medikamenten- und Daniels Namen durch den Raum und der betrachtet im Schaufesner einen Mann mit weißen Mantel, der offenbar dort weihnachtlich dekoriert. Auch diese Stelle wird mehrmals wiederholt und hat mir gefallen, wie für mich überhaupt die Stellen, wo die politische Situation beschrieben wurde, sehr eindrucksvoll waren, während ich den Bezug zu den Neunzigerjahren, wo die Protagonisten ja Knder waren nicht so verstanden habe.

Passagen aus Schreibratgebern werden zitiert und spannend ist auch die Stelle, wo die schreibblokierte Alex in die Bibliothek geht, d dort aber nie einen Sitzplatz, der ihr gefällt, bekommt und ihren Analytiker muß sie dann von ihren Figuren und ihren Romanfortschritt berichtet, aber da fällt ihr nichts ein und sie glaubt auch nicht, ob sie noch jemals etwas schreiben kann.

Ein interessates Buch mit einem sehr abgehackten Sprachstil, das wir zumindestens teilweise besser als das Debut, der Bettina Schleifinger, das doch eher konventionell war, gefallen hat. Dann haben mir die Handlung und der Plot aber whrscheinlich doch gefehlt und habe auch nicht alles verstanden. Aber vielleicht ist das, das Lebensgefühl der Neunziger bis zum Mai 2019, das die junge Frau damit ausdrücken wollte?

Erbgut

Wieder eine kleine Buchpreis-Pause, denn jetzt kommen die drei “K&S”-Bücher, die ich mir doch bestellt habe, obwohl die Schweizerin Bettina Scheiflinger, die in Wien lebt und dort auch Sprachkunst studiert, irgendwie an den deutschen Buchpreisträger, der ja große Diskussionen und sogar Haß und Unverständnis auslöste anknüpft.

Hier und da die Schweiz und die Schweizer Sprache und die 1984 geborene trat auch bei den “O-Tönen” auf. Da habe ich mirdann das Buch bestellt. Vorher habe ich gedacht mit der “Kuratorin” auszukommen und bei der Lesenacht im “Römer” ist Bettina Scheiflinger auch aufgetreten und hat ihren Familienroman präsentiert, der ja eigentlich vom Thema her gar nichts so Neues ist, denn da gibt es wahrscheinlich hunderte Bücher, wo die Familiengeschichte des letzten Jahrhunderts erzählt wird.

Interessant ist dabei vielleicht, daß es Bettina Scheiflinger wahrscheinlich absichtlich nicht chronologsch tut, sondern von einer Person und einem Zeitunkt wild hin- und herspringt.

Der Titel “Erbgut” ist vielleicht auch interessant, denn da denkt man gleich an die Nazis und “Ui!” oder wird dorthin getrimmt, obwohl es Bettina Scheiflinger eher, um den familiären Alltag, also um die Geburt und das Sterben an Hand einer drei Generationenfamilie geht und auch um die Frage, was da an Erbgut weitergegeben wird, etwa, ob die Tochter auch Brustkrebs bekommt, wenn die Mutter daran leidet und ob sie sich deshalb ihre Brüste vorbeuglich entfernen lassen soll?

Da ist die namenlose Protgonistin, glaube ich, ihre Schwester Anna, die Mutter Rosa, der Vater Arno, die mütterliche Großmutter heißt Sofia und kommt aus Italien. Die väterliche Johanna hatte ein Gasthaus und da sind wir schon beim Großvater, der weil er im Krieg bei den “falschen Leuten” kämpfte, auch eingesperrt war. Der geht mit dem Vater Arno nicht sehr gut um und mißhandelt ihn und Arno reist auch viel in der Welt herum.

Die Familie lebt in der Schweiz, besucht oft die Großeltern und die Tante in Kärnten und die Protagonisten kommt aus der Schweiz nach Wien, besichtigt hier Wohnungen und gebärt schließlich ein Kind, für daß sie Anfangs keinen Namen weiß, so daß das Erbgut und die Erbfolge weitergeht.

Interessant, interessant, aber nicht so neu, nur versucht anders zu erzählen und sicherlich ist auch viel Autobiografisches dabei.