Gittersee

Jetzt kommt Buch dreizehn der deutschen Longlist und das dritte der vier die sich mit der DDR beschäftigen. Ein wichtiges Thema, obwohl ich in den letzten Jahren öfter hörte, daß das niemanden mehr interessiert, mich eigentlich schon und das Debut der 1992 in Ludwigsburg geborenen Charlotte Gneuss hat auch großes Aufsehen erregt.

Sie hat den “Aspekte Literaturpreis” damit bekommen und es wurde, was ein bißchen fraglich ist, darüber diskutiert, ob eine im Westen geborene über die DDR schreiben kann? Wie heißt das von dem Schnitzel in der Bratpfanne?

Gneuss Eltern kommen aus der DDR, warum also nicht und klar, daß sie sich für das Schicksal ihrer Eltern interessiert. Der Verlag hat Ingo Schulze, habe ich gehört, das Buch übergeben, damit er es auf eventuelle Fehler überprüfen kann. Er hat einige gefunden beispielsweise, daß man in den Siebzigerjahren nicht in der Elbe schwimmen konnte, weil die zu schmutzig war.

Diese Liste wurde der Jury zu gespielt und bei “Amazon” kann man reiheweise Rezensionen lesen, daß das Ostleben falsch beschrieben wurde.

So what, Daniel Kehlmann hat W. G. Papst, glaube ich, auch nicht ganz realitätsgetreu beschrieben und sich auf seine künstlerische Freiheit bezogen,Literatur ist Lüge oder Fiktion, sagte er, glaube ich, über “F” . aAber hier das große Geschrei und wenn man das weiter ausdehnt, dann darf man über überhaupt nichts mehr schreiben und wir können unseren Horizont auch nicht mehr durch das Lesen erweitern.

Aber nun zum Buch. Gittersee ist ein Vorort von Dresden, ein sehr ländlicher offenbar, weil es dort Kühe gibt. Das Buch spielt in den Siebzigerjahren. Karin ist sechzehn, muß die kleine Schwester hüten, die Großmutter ist eine strenge Frau mit NS- Verganenheit und die Ehe der Eltern ist nicht sehr gut. Da kommt Freund Paul daher und fragt “Hast du Lust auf ein Abenteuer?”

Sie soll mit ihm und einem Freund übers Wochenende in die Tschechei fahren und ertappt ihn dabei, daß er viel mehr Geld, als erlaubt, dabei einpackt. Sie hat keine Lust, denn die Eltern würden es nicht erlauben. Sie will sie auch nicht fragen und ein paar Tage später steht die Stasi vor der Tür und eruriert auf Verdacht wegen Republikflucht.

So weit so what und nun wird der sozialistische Alltag der Sechszehnjährigen beschrieben. Die Mutter trennt sich, die beste Freundin wendet sich einer anderen zu und der Stasimann Wickwalz verhört und verhört, erzählt ihr etwas über die Mondscheinsonate und bietet ihr Bier und Zigaretten an.

Karin erfährt von ihrer Freundin Marie, daß Paul in Düsseldorf ist und verrät nach und nach alles und es wird vielleicht so gewesen sein, in der DDR. Vielleicht war es auch anders. Es wird auch nicht alles überall gleich gewesen sein und jeder hat wahrscheinlich anders reagiert und jetzt wartet noch das Buch der Anne Rabe auf mich, das auf der Shortlist gestanden ist und das wurde überall sehr gelobt, ich bin gespannt.

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