Weil da war etwas im Wasser

Buch sechzehn der deutschen Longlist und das achte der sechs Österreich-Bücher “Weil da war etwas im Wasser” des in Deutschland geborenen Luca Kieser, der in Wien lebt und dort an der Sprachkunst studierte und dessen Debut bei “Picus” erschien und daß das sehr experimentell ist, habe ich schon aus verschiedene Besprechungen erfahren.

Der “Papierstaupodcast” war voll begeistert und ich muß schreiben, ich habe das Tolle an dem Buch nicht gefunden. Mir schien es wieder als ein Run von Hunderten ins Hundertstausende mit Fußnoten, Vor und Rückblenden und den verschiedensten Erzählsträngen, die eigentlich keine sind, denn der Erzähler ist ja ein Tintenfisch. Ein Riesenkalamar oder eine Kalamarin, beziehungsweise deren Arme und das halbe Sachbuch, daß das Buch auch sein soll, habe ich auch nicht gefunden. Ich habe auch einiges überflogen, weil mir das Hin und her zu viel war und ich mir die Zeit nicht nehmen wollte, das Ganze solange zu studieren, bis ich alles verstanden habe.

Denn eigentlich geht es ja weniger um diesen Tintenfisch, den zu Literatur zu machen, offenbar derzeit modern zu sein scheint, sondern, wie schon geschrieben um eine Unzahl von Erzählsträngen.

Da gibt es eine Familie Sanchez, deren Stammbaum man am Schluß sehen kann. Es wird innerhalb des Buches mehrmals darauf hinzuweisen und da würde mich interessieren, wie sich das E-Pup, das ich gelesen habe, vom Printbuch unterscheidet? Denn im Pup kann man hin und herswitschen wird von hinten nach vorn und wieder zurückverwiesen und diese Familie Sanchez besteht auch aus einer Sanja und einer Dagmar. Die Erste ist zweiundzwanzig, studiert im dritten Semester Publizistik und macht, höre und staune, ein Praktikum auf einem Schiff, das sich mit Fischfang, also auch mit dem Kalamar beschäftigt.

Die Dagmar soll den Tintenfisch nach Deutschland bringen, habe in der Beschreibung gelesen. Jules Vernes hat sich glaube ich auch mit Tintenfischen beschäftigt. Es gibt den “Weißen Hai” und einen jungen Autor, der während des Lockdowns seine Vorhaut operieren läßt. Der ist während eines Stipendiumsaufenthalt mit der real existieren Autorin Helene Bukowski in Berührung gekommen und gibt am Tag seiner Operation sein “Flamingo-Manuskript” seiner Agentin ab.

Der “Papierstau-Podcast” schwärmte, daß man in dem tollen Buch sehr viel über das Schreiben erfährt. Das sind wohl diese Stellen und was das mit dem Tintenfisch im Wasser zu tun hat, habe ich auch nicht so verstanden.

Ein sehr experimentelles Buch also des Sprachkünstlers. Robert Huez hat es auch gelobt, als ich ihm am Sonntag erzählte, daß ich es lesen würde.

Wenn ich alles, was mir so einfällt, wild durcheinander schreiben würde, würde mir wohl Kritik vom lieben Uli oder auch von wem anderen blühen. Hier denke ich fast, daß die das experemtentelle Schreiben mit dem freien Assozieren vermischt wurde, denn so experimentell habe ich das Ganze, abgesehen, von dem Hin und her Schwischen im Buch eigentlich nicht gefunden.

Auf die Shortlist ist es nicht gekommen und ich würde es in meinen Ranking gemeinsam mit dem Buch der Kathrin Röggla auch eher nach unten reihen.

Gittersee

Jetzt kommt Buch dreizehn der deutschen Longlist und das dritte der vier die sich mit der DDR beschäftigen. Ein wichtiges Thema, obwohl ich in den letzten Jahren öfter hörte, daß das niemanden mehr interessiert, mich eigentlich schon und das Debut der 1992 in Ludwigsburg geborenen Charlotte Gneuss hat auch großes Aufsehen erregt.

Sie hat den “Aspekte Literaturpreis” damit bekommen und es wurde, was ein bißchen fraglich ist, darüber diskutiert, ob eine im Westen geborene über die DDR schreiben kann? Wie heißt das von dem Schnitzel in der Bratpfanne?

Gneuss Eltern kommen aus der DDR, warum also nicht und klar, daß sie sich für das Schicksal ihrer Eltern interessiert. Der Verlag hat Ingo Schulze, habe ich gehört, das Buch übergeben, damit er es auf eventuelle Fehler überprüfen kann. Er hat einige gefunden beispielsweise, daß man in den Siebzigerjahren nicht in der Elbe schwimmen konnte, weil die zu schmutzig war.

Diese Liste wurde der Jury zu gespielt und bei “Amazon” kann man reiheweise Rezensionen lesen, daß das Ostleben falsch beschrieben wurde.

So what, Daniel Kehlmann hat W. G. Papst, glaube ich, auch nicht ganz realitätsgetreu beschrieben und sich auf seine künstlerische Freiheit bezogen,Literatur ist Lüge oder Fiktion, sagte er, glaube ich, über “F” . aAber hier das große Geschrei und wenn man das weiter ausdehnt, dann darf man über überhaupt nichts mehr schreiben und wir können unseren Horizont auch nicht mehr durch das Lesen erweitern.

Aber nun zum Buch. Gittersee ist ein Vorort von Dresden, ein sehr ländlicher offenbar, weil es dort Kühe gibt. Das Buch spielt in den Siebzigerjahren. Karin ist sechzehn, muß die kleine Schwester hüten, die Großmutter ist eine strenge Frau mit NS- Verganenheit und die Ehe der Eltern ist nicht sehr gut. Da kommt Freund Paul daher und fragt “Hast du Lust auf ein Abenteuer?”

Sie soll mit ihm und einem Freund übers Wochenende in die Tschechei fahren und ertappt ihn dabei, daß er viel mehr Geld, als erlaubt, dabei einpackt. Sie hat keine Lust, denn die Eltern würden es nicht erlauben. Sie will sie auch nicht fragen und ein paar Tage später steht die Stasi vor der Tür und eruriert auf Verdacht wegen Republikflucht.

So weit so what und nun wird der sozialistische Alltag der Sechszehnjährigen beschrieben. Die Mutter trennt sich, die beste Freundin wendet sich einer anderen zu und der Stasimann Wickwalz verhört und verhört, erzählt ihr etwas über die Mondscheinsonate und bietet ihr Bier und Zigaretten an.

Karin erfährt von ihrer Freundin Marie, daß Paul in Düsseldorf ist und verrät nach und nach alles und es wird vielleicht so gewesen sein, in der DDR. Vielleicht war es auch anders. Es wird auch nicht alles überall gleich gewesen sein und jeder hat wahrscheinlich anders reagiert und jetzt wartet noch das Buch der Anne Rabe auf mich, das auf der Shortlist gestanden ist und das wurde überall sehr gelobt, ich bin gespannt.

Laufendes Verfahren

Buch zwölf der deutschen Liste und das fünfte Österreichbuch sozusagen, obwohl die 1971 in Salzburg geborene Kathrin Röggla seit 1992 in Berlin und jetzt in Köln lebt. Ich habe sie, glaube ich, kennengelernt, als ich 1996 in der Jury des Nachwuchsstipendiums war. Dann habe ich mit ihr bei dem von Christine Haidegger organisiertes Symposium “Sichten und Vernichten” gelesen, Thomas Rothschild hat sie, glaube ich, nach Klagenfurt eingeladen oder ihre Lesung dort vermittelt und Kathrin Röggla , die 1995 den “Priessnitz-” und 2008 den “Wildgans-Preis” bekommen hat und beim “Fried- Preis”, 2013 die Jurorin war und die ich auch schon bei Symposien hörte, ist sicher eine sehr analytische Autorin, die politische Themen in einer schönen Sprache, vielleicht etwas unverständlich, wie man unken könnte, beschreibt. “Wir schlafen nicht” habe ich einmal bei einem “Thalia-Abverkauf” bekommen und “Nachtsendung” ist auf der “Öst” gestanden.

Jetzt “Laufendes Verfahren”, der Bericht über den NSU-Prozeß, dem Strafverfahren gegen einerechtsextremen Terrorgruppe, die neun Morde an Migranten und einem Polizisten beging. Das Urteil wurde 2018, also vor fünf Jahren in München verkündet und Kathrin Röggla geht es in ihrem Buch wieder sehr theoretisch an.

Roman steht darauf und der dBp ist eigentlich auch ein Romanpreis, es ist aber keiner, sondern ein literarischer Prozeßbericht und interessant wäre das Lesen des Buches wahrscheinlich, wenn man über diesen Prozeß mehr erfahren will. Das hat es zumindestens bei mir nicht gebracht. Wußte ich vorher nicht viel darüber und weiß jetzt auch nicht mehr. Denn das Buch hat keinen Plot und keine Handlung, berichtet in der “Wir”Form in sehr schöner Sprache, ich wiederhole es, das Gerichtsgeschehen. Da gibt es die “Omagegenrechts” den “Bloggerklaus”, den “Gerichtsopa”, den “O-Ton-Jurist”, die “Frau von der türkischen Botschaft” und dann vor allem in wechselden Variationen die “Vornamenyildiz”, die zur “Nachamenyildiz”, zur “Grundsatzyildiz” und was auch immer wird und so geht es hin auf den zweihundert Seiten. Es wird der Gerichtsprozeß erlebt oder durchschwafelt und hat am Ende sicher ein sehr interessantes Buch gelesen, an dem Kathrin Röggla möglichdrweise fünfJahre recherchiert und gearbeitet hat, so daß es jetzt erst erschien, aber zumindestens ich nicht viel verstanden habe.

Dem “Papierstaupodcast”, die ja den dBp genau beobachten, ist es, glaube ich, ähnlich gegangen und mir, die ich mich ja momentan wieder sehr intensiv mit den Corona-Maßnahmenf beschäftige, ist aufgeallen, daß da an mehren Stellen jemand gerügt wird, weil er keine Maske, trug, aber 2018 oder vorher als die Verbrechen geschahen, gab es noch keine Maskenpflicht.

Auf die Shortlist ist das Buch nicht gekommen und ich habe mich wieder einmal durch ein ein Stück österreichischer Gegewartsliteratur abseits vom , der ja am Montag vergeben wird, gelesen.

Ein Hund kam in die Küche

Buch elf der deutschen Longlist ist sehr interessant, denn eine sehr leise, scheinbar leicht geschriebene Geschichte über den Holocaust oder das dritte Reich mit interessanten phantastischen Einschüben, des 1955 in Südtirol geborenen Sepp Mall, der der in Meran lebt und auch Mitglied der GAV und der IG-Autoren ist und als ich Robert Huez, ebenfalls ein Südtiroler und Literaturhausleiter, vor einiger Zeit nach der deutschen Liste fragte, sagte er mir acht Österreicher stehen darauf. Acht oder sechs? Also Clemens J. Setz, Teresa Präauer, Thomas Olah, Raphaela Edelbauer,Kathrin Röggler, Tonio Schachinger und dann noch den Südtiroler Sepp Mall und den deutschen Luca Kieser, der, glaube ich, in Wien lebt oder jedenfalls das “Institut für Sprachkunst” besuchte und “Ein Hund kam in die Küche” ist ein Buch, das ohne des Buchpreislesens wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre, was schade gewesen wäre, obwohl ich inzwischen glaube schon genug dritte Reich Romane gelesen zu haben und mich lieber an die Corona-Aufarbeitung machen will.

Aber “Ein Hund kam in die Küche” ist ein interessantes Buch, erzählt von dem kleinen Ludi, der 1942 elf ist und mit seinen Eltern und dem behinderten kleinen Bruder Hanno, der eigentlich Anton heißt, aber das nicht aussprechen kann, in dem Südtiroler Dorf oder Städtchen Mariendorf lebt und die jetzt heim ins Reich geholt werden.

Da nimmt Ludi Abschied von Katharina, der Metzgertochter, die mit ihrer Familie auch auswandert, Nein “auswandern” nicht, denn sie gehen ja als Volksdeutsche ins Reich zurück, also “wandern “und das ist schon eine der feinen Sprachspielerein, die das eigentlich im Kindermund geschriebene Buch zur Literatur machen, denn Katharina erzählt Ludi, das sie nach Vor-Adelberg gehen, wo die Kinder dann die Wortspielereien machen, ob es auch ein Hinter-Adelberg gibt.

Die Familie des Ludi geht aber zuerst nach Innsbruck und da werden sie gleich aufgefordert, den kleinen Hanno untersuchen zu lassen. Der wird dann in das St. Josef Heim gebracht, wo er angeblich gefördert wird, wird dann nach Kaufbeuren überstellt und stirbt schließlich an einer “Lungenentzündung”.

Nur das wird thematisiert, nicht mehr. Höchstens die Reaktion der Mutter, die sich dann einige Tage lang nicht mehr aus dem Bett erhebt und unbedingt von Donauobergau wieder zurück nach Südtirol will.

Das geht aber nicht so einfach und so schnell. Denn der Vater ist schon eingezogen, wurde zuerst nach Frankreich und dann nach Russland geschickt und Hanno erscheint nun Ludi in seinen Träumen, wo er sich mit ihm unterhält.

Die Mutter geht mit Ludi dann nach Flatz, einem Ort in der Nähe von Landeck, wo es zu dem berühmten Hundezitat und auch zu weiteren scheinbar naiven Wortspielereien kommt, nämlich, die Schweden oder Sudetendeutsche, denen der Hund, der in die <küche kam und schließlich begraben wird, gehört, den “Volks- oder Scheißdeutschen” und als der <krieg verloren ist, haben Ludi und seine Mutter auch keine Staatsbürgerschaft mehr. Italien haben sie verlassen, Österreich will sie nicht, das deutsche Reich gibt es nicht mehr. Die Mutter kehrt aber trotzdem nach Meran zu ihrer

Schwester und später auch in das Dorf zurück und irgenwann erscheint auch der Vater aus der Russlandgefangenschaft, erzählt von den Lagern, wo er von den deutschen Kapos schlechter, als von den Russen behandelt wird, betrinkt sich in den Wirtshäusern, weigert sich mit der Mutter im selben Zimmer zu leben und verwirrt, den inzwischen fast erwachsenen Ludi damit, daß er Hannos Tod als soziale Gerechtigkeit dafür sieht, daß er in einem russischen Dorf ein Kind erschossen hat.

Darüber kann man in Zeiten, wie diesen, wo diskutiert wird, wie weit die Israeli das Recht haben, die Palästinenser oder die Hamas zu vernichten, sehr nachdenken und weitere Symbole in dem Buch sind auch das italienische Buch. Das einzige, was der kleine Ludi besitzt, daß er vor seinem Weggang zuerst in der Schule lassen will, später aber der schwedendeutschen Indgrid mit der Narbe an der Wange schenkt und sich dann auf der Flucht zurück mit Hannos Sandalen, die sie von dem Pflegeheim zurückbekommen haben, beschwert.

Ganz leise und still, wie Sepp Mall von diesen Krieg, seinen Grausamkeiten und Traumatisierungen erzählt und dabei Naturbeschreibungen und Wortneuschöpfungen und vor allem den Kindermund bemüht.

Schade, daß das Buch nicht auf die Shortlist, gekommen ist, würde ich meinen, denn ich würde ihm, vor allem in Zeiten, wie diesen mehr, Aufmerksamkeit wünschen.

Unschärfen der Liebe

Buch zehn des dBps, jetzt ist schon Halbzeit, Angelika Overaths Unschärfen der Liebe” ist ein Roadmovie mit einem verwirrenden Ende, obwohl das Buch eigentlich sehr ruhig ist, die Reise von Baran Anatol Chronas von Chur nach Istanbul geht, die viele Stationen hat und einige Tage dauert.

Baran Anatol Chronas ist der Sohn von griechisch türkischen Eltern , als Gastarbeiter in Deutschland aufgewachsen. Jetzt lebt er schon einige Jahre mit seinen Freund Cla, einem Schweizer, in Istanbul und hat mit ihm dessen Ex-Frau Alva besucht. Cla ist früher zurückgeflogen und Baran kommt nun mit dem Zug nach.

Alva und die kleine Tochter Florinda begleiten ihn zum Zug und während der Fahrt hat Baras viel zu denken, denn nichts ist mehr wie es war. So beginnt, glaube ich, das Buch “Als Baras Anatol Chronas an einem Herbstmorgen in Chur einen Zweitklassewagen der schweizerischen Bundesbahnen bestieg, wußte er, daß ihm keine gute Ankunft bevorstand”

Die Beziehung zu Cla ist brüchig. Er hat ihn betrogen. Jetzt hat Baras ein Verhältnis zu Alva angefangen und während der Fahrt, denkt er viel vor sich hin. Man kann das Buch, ein Roadmovie nennen. Es gibt Landschaftsbeschreibungen, die Reisegefährten werden beschrieben. Baras geht in den Speisewagen, trinkt ein Bier, stiegt um, schläft zweimal in den Zügen , einmal im Hotel. Hat auch eine längere Unterbrechung in Sofia, denn die Reise geht von “Chur nach Sargans”, von “Sargans nach Landeck”, von “Landeck nach Graz” und so weiter uns so fort, von Kroatien, nach Belgrad, nach Sofia, wie schon beschrieben und die einzelnen Kapitel tragen auch diese Überschriften.Am Beginn des Buches kann kann auch den Fahrplan sehen.

Als er schon in Istanbul angekommen ist, von Cla auch ein SMS bekommt, daß er ihn mit dem Abendessen erwartet, wird es dann spannend, denn während er noch resumiert in die Schweiz zurückzukehren, als Kellner oder Übersetzter, denn der Gastarbeitersohn scheint auch eine Art Minderwertigkeitskomplex zu haben, bei Alva zu leben, gerät er in ein Erdbeben. Dann hat er eine Vision, wo er Cla tot in seinem Zmmer findet und der Koffer des Großvaters, den er immer mit sich führt, spielt in dem Buch auch eine Rolle, denn “Mit einem Ton, wie wenn man Metall reißt, kam der Zug zum Stehen. Baran griff nach seinem Koffer. Die automatischen Türen standen offen, und er war gerade dabei auszusteigen, als das große Beben begann.”

So endet das Buch, das mir eigentlich gefallen hat, obwohl ich auch kritische Rezensionen darüber gehört habe. Ein Roadmovie, wo Baras, der Gastarbeitersohn über sein Leben, die Kultur, die Gesellschaft, etcetera, nachdenkt. Bei drei Tagen unterwegs, eine Reise die eigentlich dreißig Stunden dauert, wie an anderer Stelle steht, hat man wohl Zeit dazu. Am Schluß wird es etwas unrealistisch, während ich das Buch bis dahin eher ruhig und refektierend empfunden habe.

Angelika Overath wurde 1957 in Karlsruhe geboren, lebt in Graubünden und hat, glaube ich, in “Ein Winter in Istanbul” schon ein Buch über Baras und Cla geschrieben.

Wir werden fliegen

Jetzt kommt das letzte Buch der Öst, ja diesmal bin rich schon vor der Preisverleihung mit dem Lesen fertig, aber Susanne Gregos “Wir werden fliegen” ist ohnehin nicht auf die Shortlist gekommen, das fünfte Buch, der 1981 in Zilina geborenen Susanne Gregor, die seit 1990 in Österreich lebt und auf deren Debut ich einmal auf einer “Buch Wien” gestoßen bin. Dann ist sie weil sich die “Edition Exil” ja als Start zu den großen Verlagen versteht, zu “FVA” gekommen. Bei einer Lesung mit ihr und Mareike Fallwickl, die ich ja vom Bloggen kenne, bin ich im Literaturhaus gewesen.

“Das letzte rote Jahr” habe ich gelesen und das neue Buch “Wir wollen fliegen” wurde, glaube ich, auch bei der letzten Leseauslese erwähnt.

Ein interessantes leises Buch, das, das unstete Leben der Dreißigjährigen schildert und das Herumfliegen im globalen Raum beschreibt und, wie offenbar heute üblich, nicht chronologisch erzählt.

Es geht um die Geschwister Alan und Misa, in Zilina, glaube ich, aufgewachsen, die später nach Österreich gekommen sind. Das heißt Misa ist das mit ihren Eltern. Der Bruder ist schon früher, noch vor dem Mauerfall nach Hamburg ausgebüchst und hat sich da beim Verladen als Bahnhofsarbeiter, die Schulter verletzt, was ihn dazu brachte in Wien Medizin zu studieren und ein hervorragender Assistenzart im AKH zu werden, während Misa Literatur studierte, als Werberin nebenbei arbeitet und dann kurz zu der Großmutter Aniko nach Banska Bystrica, als sie von einem Erik gestalkt wird, was sie in Panik versetzt. Dort versucht sie sich als Deutschlehrerin, wird aber bald ,ob ihrer modernen Unterrichtsmedtoden hinausgeschmissen und lernt auf der Treppe des Instituts, Jo, einen in London aufgewachsenen Kinder kennen, mit dem sie kurzfristig nach Berlin aufbricht.

Das Buch beginnt aber, als Alan das zweite Mal verschwindet. Vom AKH ist er geflüchtet, weil er, obwohl erst Assistenzart und eigentlich nur unter Aufsicht operierend in einen Pfuschskandal verwickelt wird. Er flieht durch ganz Europa und das Buch ende, als das Handy in seiner Hosentasche vibriert, also die Familie, beziehungsweise die Geschwister vielleicht wieder zusammenkommen.

Risse

Jetzt kommt schon oder erst Buch sechs der heurigen deutschen Buchpreisliste, habe aber inzwischen fast die ganze österreichische gelesen und bin jetzt endlich, könnte man so sagen, in das deutsche Lesen, weg von Österreich gekommen und da habe ich inzwischen erfahren, spielen einige Bücher in der EX-DDR und das erste sozusagen ist das der 1958 in Ahrensburg geborenen Angelika Klüssendorf, die mit ihrer “Mädchen oder April- Trilogie” schon öfter auf der dBp stand. Den dritten Teil der Trilogie “Jahre später” habe ich gelesen und bin da nicht recht hineingekommen, fehlen mir da ja die Kinderheitserinnerungen der Autorin, auch eine Meisterin des autofiktionalen Schreibens ist.

Das läßt sich mit den “Rissen” nachholen und da kann ich gleich wieder anfügen, was ich ja öfter schreibe und mich auch stört, es ist wieder kein Roman, sondern ein Erzählband und der dBp ist doch ein Romanpreis, allerdings ein besonderer, denn alle zehn Geschichten, handeln von dem namenlosen Mädchen, das später, wenn ich mich nicht irre “April” heißt und noch etwas besonderes gibt es dabei, das auch vom “Papierstaupodcast” kritisiert wurde, scheint es sich bei dem Buch doch, um eine Neubearbeitung einer früheren Erzähling zu handeln und in der beschäftigt sich Angelika Klüssendorf damit, was in der ersten Erzählung anders war und was sie davon ausgelassen hat.

Die Sprache, muß ich klein erwähnen, ist sehr kunst-und eindrucksvoll und ansonsten springt die Autorin von einem Erzählstil zum anderen, vom Mädchen zu der jungen Frau, die ihre Mutter ist und es beginnt mit der “Großmutter im Kirschbaum”, die das Mädchen in seinen ersten Lebensjahren offenbar betreute oder eigentlich beginnt es in einer Art von Vorwort mit dem Tod der Mutter und da erinnert sich die Autorin, daß die “Aus allen Himmeln” gelesen und das Buch als “voller Lügen” bezeichnete, was sie zur Rchtigstellung veranlaßte.

Es werden also die Erinnerungen des Kindes aus den Sechzig und Siebzigerjahren erzählt, den Streit zwischen der Mutter und dem Vater, der ziemlich gewalttätig war, den Schmuck, den die Großmutter hinterließ, nahm und damit ein paar schöne Tage am Meer verbrachte, wo er sich als Landschaftsmaler ausgab. Dann kehrte er zurück weil er das “Fitzelchen Gold”, was auch noch da sein sollte, haben wollte. Das trug die Mutter aber in ihren Mund. Dann brach er noch den Schrank auf, in dem die Mutter, die gelegentlich kellnerte, ihre “Schätze” verbarg.

“In Samstag, zwanzig vor zwölf”, schickt die Mutter, das Mädchen zum Fleischer Leberstreichwurst holen, nach dem sie drei Tage und zwei Nächte nicht nach Hause gekommen ist. Es ist aber zu spät. Das Geschäft schon zu und in der Richtigungsstellung, die es nach jeder Geschichte gibt, berichtet Angelika Klüssendorf von den Ritualen, die sie bei diesen “Leberwursttagen”, einen Schritt vor, einen zurück, durchführte, um das Ganze zu bewältigen.

In “Jui, Juli, August” wird das Mädchen im Sommer aus Leipzig abgeholt und vom Jugendamt zu seinem Vater und dessen neuer Frau nach Usedum gebracht, wo sie einmal vor Freude am Meer tanzt. Der Vater und die Stiefmutter führen dort eine Gaststätte und das Mädchen muß am Nachmittag mit der taubstummen Köchin die Fische verarbeiten. Sehr poetisch wird das beschrieben. Der Vater erzählt dem Mädchen von der Scheinschwangerschaft der Stiefmutter und scheint dann auch die Freundin Evi sowie die Köchin zu vergewaltigen, während das Mädchen ihre Basteleien am Strand zu verkaufen versucht, sich ins Weizenfeld in die Sonne legt und sich in seine Höhle flüchtet.

In “Alles hat seine Zeit”, geht es um die Armut, die das Mädchen diesmal in “Ich-Form” erlebt und das wird wieder sehr stimmungsvoll beschrieben. Das Mädchen geht Brot kaufen und sieht, wie sein Vater eine Geldbörse aufhebt, die ein Junge aus ihrer Klasse verliert. Darin sind zwei Mark dreiundachtzig, die der Vater bei der Polizei abgibt. Dann schickt er das Kind mit einem Goldring in den Konsum, um dafür Zigaretten, Brand und auch Eis einzutauschen. In der Geschichte holen die Verkäuferinnen die Polizei, während die das, wie Angelika Klüssendorf anmerkt, ihr den Brand und die Zigaretten gaben, das Eis hat sie zu verlangen vergessen.

In “Yvette intim”, ist die Mutter stolz auf die Tochter, als sie beim Stehlen erwischt wird, fragte sie darüber aus und schickt sie später auch auf Diebstour”. Dann geht es in “Gespenster” zu einem verpatzten Weihnachtsfest, die Mutter kommt betrunken heim, der Christbaum wird später aufgeputzt, dann schickt die Mutter das Mädchen in die Apotheke um Tabletten für ihr Kopfweh zu holen. Sie klaut ihr fünfzig Pfennige, die die Mutter später sucht und die kleine Schwester mit dem unbehandelten Leistenbruch so lange quält, bis sie den Diebstahl zugibt. Später quält sich das Mädchen selbst, daß sie den Diebstahl nicht zugegen hat und in “Hölle oder Himmel” startet der Vater jeden Karfreitag einen Selbstmordversuch und macht das Mädchen dabei zu seinen Zeugen. Der Letzte gelingt, die Tochter wacht mit einer Gasvergiftung auf und schreibt nach des Vaters Tod diese Geschichte.

In “Eine Krankheit” werden die Perspektiven gewechselt. Da erzählt eine Erzieherin, die ein Praktikum in einem Kinderheim, von der kleinen Nelly, die vierzehnjährig und spideldürr zu ihnen gekommt. Die ist brav und eifrig, weiß alles, hilft allen, so daß sie vom Heimleiter zu den “guten Kindern” gezählt wird. Dann ist sie aber auf einmal weg. Die Polizei bringt sie zurück, sie ist aus Sehnsucht nach ihrer Schwester nach Hause gelaufen oder ein Stück schwarzgefahren. DerJeimleiter stuft sie nun als schon mittelschwierig ein und das Weglaufen und von der Polizei zurückgebracht werden, wiederholt sich, so daß der Heimleiter, der für psychischen Befindlichkeiten kein Verständnis hat, sie als extra schwierig einteilt und im Nachsatz schreibt Angelika Klüssendorf von einem Fräulein Eulitz, das sie verstanden hat.

Dann geht es mit dem Ausreißen und dem Aufgegriffenwerden von der Polizei weiter. Das Mädchen gibt alles emotionslos zu Protokoll und wird dann von einem Polizisten ins Nebenzimmer geführt, der seine Hand auf ihre Schenkel legt, was zu Erinnerungen in ein Kinderheim und die Rituale, die die Mädchen dort hatten, führt. Trotzdem bleibt das Mädchen, spindeldürr und immer Hosen tragend, Jungfrau, was zu der letzten Geschichte “Sommer” genannt, führt. Da ist ein Polizist, der Erzähler und der erinnert sich an seine Sommer, wo er das Mädchen zuerst für einen Jungen hielt. Jahre später, schon in der Polizeiausbildung, kommt sie wieder und erzählt von einer Vergewaltigung.

Sehr eindrucksvoll, die zehn Geschichten, ein Paradebeispiel, wie man aus Geschichten einen Roman machen kann, mit verschiedenen Perspektiven, verschiedenen Erzählern immer wieder dasselbe erzählt.

“Das schlimmste was einem im Leben passiert!”, wie es Ana Znidar vom “Writersseminar” immer nennt, was mich immer zu der Frage führt, ob das gut für eine sein kann? Aber Angelika Klüssendorf gehört wohl zu denen. die immer wieder um ihre Erfahrungen und Erlebnissen kreist und Literatur daraus macht.

Die Frage, wie sehr das alles stimmt und ob das gut die Autoirn sein kann?, stellt sich natürlich auch und ich kann im Gegenteil zu “Jahre später” anfügen, daß mich hier die Sprache sehr beeindruckte. Wie geschrieben, ich habe “Das Mädchen” und “April”, die ja auch schon auf den deutschen Buchpreislisten standen, nicht gelesen und weiß daher nicht, wie sehr sich die Inhalte darin wiederholen oder verschieden sind. Würde Angelika Klüssendorf aber zutrauen, daß sie sehr gekonnt damit umzugehen weiß.

Nachtfrauen

Jetzt kommt Buch sechs der österreichischen Longlist, “Nachtfrauen”, der 1961 in Eisenkappel geborenen Kärtner Slowenin Maja Haderlap, die 2011 mit einem Auszug aus “Engel des Vergessens” den “Bachmann-Preis” gewonnen und dadurch bekannt geworden ist.

Jetzt ein neuer Roman, der auch dieses Thema behandelt, aber manchmal an einen Frauenroman erinnert und wieder einmal das Älterwerden der Eltern behandelt und da auch einiges beschreibt, was mir nicht so gefällt.

Das ist Mira, das Alter Ego der Autorin, eine in Wien lebende Sozilogin, die in der Arbeiterkammerbibliothek tätig ist, mit einem Lehrer verheiratet ist und jetzt nach Kärnten fahren muß, um ihre Mutter zu überreden, in ein Pflegeheim zu ziehen, weil das Haus das sie bewohnt, ihrem Cousin gehört, der esabreißen will. Nicht gerade edel, denke ich. Am Schluß zieht dann die Mutter wahrscheinlich in eine kleine Wohnung und der Neffe hilft sogar die Wohnung zu renovieren.

Miras ehe ist nicht so gut. So beginnt sie einen Seitensprung mit einem Jugendfreund und als sie nach Wien zurückfahren will, hat sie einen Autounfall.

So endet der erste Teil des Buches. Der Zweite hat dann die Mutter Anni, die etwas gehbehindert ist, zur Heldin. Die Mutter-Tochter Beziehung ist schwierig. Mira ist die erste, der Familie, die studieren konnte. Die Mutter war Näherin und die reflektiert nun ihre Kindheit und beschließt zu zeichnen, um ihrer Familie etwas von ihr zu hinterlassen.

Die Kärntner Slowenen Geschichte wird thematisiert, wie das auch im “Engel des Vergessen” geschah und da ist interessant, daß hier Eisenkappel offenbar Eisenmarkt genannt wird.

Der Ton leichter, lockerer, eher in Rchtung eines Unterhaltungsroman, was mich etwas erstaunt, so daß ich schon gespannt bin, ob das Buch auf die Shortlist kommen wird?

Kochen im falschen Jahrhundert

Buch fünf der deutschen sowie der österreichischen Longlist. Auf die deutsche Shortlist ist Teresa Präauers “Kochbuch” nicht gekommen. Bei der Österreichischen wissen wir es noch nicht. Die 1979 in Wien geborene, die Germanistik und bildende Kunst studierte und den “Fried-Preis” bekommen hat, ist schon zweimal auf der Öst gestanden, ist also eine sehr emsige Autorin, die auch im Literaturhaus und in der “Alten Schmiede” öfter aufgetreten ist und bei der Präsentation des “Kochens” bin ich auch schon im Literaturhaus gewesen, wo der Lesetisch sehr schön gedeckt war und es nachher Wein und Brötchen gab und bei den O-Tönen, wo Teresa Präauer und Daniela Strigl Cremant serviert wurde. Teresa Präauer besitzt offenbar Stil. Roman steht in dem “Wallstein-Buch” und ich schüttle wieder den Kopf, denn Roman ist das fast zweihundert Seiten Buch keiner. Dazu hat es keinen Plot und keine Handlung oder zuminderstens nur eine sehr alltägliche.

Da gibt es ein Gasteherpaar um die vierzig, aus der Mittelschicht stammend, gebildet, kulturinteressiert und bereist und die laden sich am Abend Gäste ein. Ein Ehepaar und einen Schweizer, der irgendwo einen Lehrauftrag hat und über seine Studenten oder Studierende, wie man jetzt sagt, klagt.

So weit, so what und das wird in den verschiedensten Varianten durchgespielt. Zuerst kommen alle pünktlich, dann die Gäste zu spät. Es wir Cremant getrunken, Nüße und Kracker geknabbert. Dann wird der Salat und die Quiche vorbereitet und nach jedem Kapitel werden ein paar Zutanten aufgezählt, wie “250 g Mehl, 125 g Butter 1 Ei” oder ganz profan “1 Schwamm, 1 Geschirrtuch,1 Handspülmittel” und es gibt auch immer wieder Erinnerungen der Autorin, wie das bei ihr war, als sie ihre erste Wohnung hatte und nicht einmal einen Salzstreuer besaß oder die Speisen werden aufgezählt, die sie in den verschiedensten Ländern, die sie bereiste, gegessen hat.

In der Geschichte kommen dann einmal alle Gäste zu spät und als die Gastgeber schon zu vögeln anfangen wollen, kommen sie doch, entschuldigen sich, daß sie mit Amerikanern abgehangen sind. Der Schweizer geht auf den Balkon rauchen. Dann kommt die Nachbarin von unten und beschwert sich über die Asche, die auf ihre Katze gefallen ist. Zum Nachtisch gibt es dann Twinni-Eis, eine Erinnerung an die achtziger Jahre, wo die Protagonisten aufgewachsen sind. Dann erscheinen auch die Amerikaner, bringen Wein und trinken Schnaps. Einen Wasserrohrbruch gibt es auch und dann erscheint noch die Polizei, die dem Haus gegenüber ihre Sttion hat und warnt vor den Wasserrohrbruch und nicht über die Störung über die sich die Nachbarin beschwerte, wie man vielleicht glauben könnte.

Das war dann schon die ganze Handlung und das Essen im falschen Jahrhundert ist der Jahrhundersprung, sind ja die Protagonisten in den Achtzigerjahren aufgewachsen und haben im vorigen Jahrhundert ihre ersten Gäste eingeladen.Jetzt haben sie studiert und sind etabliert.

Der “Papiertstaupodcast”, der ja auch heuer die deutschen Bücherpreisbücher besprechen, beschwert sich über die Mittelschichtarroganz der <protagonisten und betont, daß er nicht so werden will. Aber keine Angst, in Zeiten, wie diesen, wird der Mittelstand ohnehin abgebaut und studieren kann auch nicht mehr jeder.

Also freuen wir uns über die Intellektuellen, die Cremant trinken und Quiche zubereiten, während Österreich und Deutschland von Flüchtingen übetschwemmt werden, worüber sich die FPÖ und die AfD aufregen und richtig, noch eine besondere Schelmerei Teresia Präauers deren buch ja in einen deutschen Verlag erschienen ist und vielleicht von mehr Deutschen als Österreichern gelesen werden, gibt es auch. Da werden immer die österreichischen den deutschen Ausdrücken gegenübergestellt. Also “Rote Rüben” statt “Roter Beete”, etcetera und ich habe mich natürlich an meine Einladungen erinnert, die ich auch in den Achtigerjahren oft gemacht habe. Da habe ich die Eltern von Annas Kindergruppen und meine Psychologen- oder Autorenkollegen eingeladen und habe Linsensuppen, Polenta mit Tomatensauce, Melonensalat, etcetera gekocht. Jetzt mache ich das weniger und der Alfred, der gerade ein großes Essen für seine Kuba-Freunde vorbereitet, braucht jetzt einige Tage für die Vorbereitung, tischt dann auf, ladet aber auch weniger ein.

Das Buch wurde einerseits hoch gelobt, andererseits kritisiert, den Mittelschichtleuten geht es vielleicht auf die Nerven und ich fand es am Anfang spannend, später etwas langweilig. Ein Roman ist es nicht und Teresia Präauer, die Künstlerin von der wahrscheinlich auch das bunte Cover stammt, hat einen eigenwilligen Stil, der sicherlich zu loben ist. Also “Prost, wohls bekomms und Sante!”

Doppler

Jetzt kommt (schon?) Buch vier der deutschen Longlist und das erste auf der Öst Debut Thomas Olah “Doppler” und das Debut des1966 in Wien geborenen Kostümdesigners mit der charakteristischen runden Brille wurde, glaube ich, hochgelobt.

Eine Enladung zu einer Präsentation lag lange auf meinen Schreibtisch, hat mich doch “Müry Salzmann”, nachdem ich den “Gegenkannon” angefragt habe, dazu eingeladen und jetzt die Longlist, die Shortlist ist es nicht geworden. Der Debutpreis kann noch kommen und als ich das erste Mal über das Buch gehört habe, habe ich mir gedacht, das ist ein neuer Frankenstein Roman und an Raphaela Edelbauers Debut gedacht. Josef Winkler, Thomas Bernhard, könnte einer dazu einfallen und auf eine andere Art und Weise aber äußerst interessant Birgit Birnbachers “Wovon wir leben”, denn da gibt es Ähnlichkeiten, wenn auch auf eine andere Art und Weise geschrieben.

Der Kostümbildner der sich auch historisch gut auszukennen scheint, versucht sich, glaube ich, in alter Tradition mit dem österreichischen Anti-Heimatroman und es beginnt wirklich sehr beeindruckend mit dem Autounfall, den der namenloser Erzähler, ein Kind, der junge Olah vielleicht, erlebt.

Die Eltern schreien, die Polizei kommt, der Bruder stellt sich tot und der Kleine kommt in ein Spital und später zu den Großeltern, Vater und Mutter genannt in ein Provinzdorf namens Frankenhayn, wo man in Sarkophagähnlichen Betten schläft und der Kleine immer Angst hat in die Ritze zu fallen. Es gibt zwei Cousins, und eine Cousine. Am Sonntag geht man in die Kirche, es wird geschlachtet, dem Pfarrer unter den Rock geschaut und natürlich immer und ewig Dopler getrunken. Erinnern wir uns, das war der billige Wein in zwei Liter Flaschen, den es glaube ich, nicht mehr gibt und so wird ein Dorf ein den Siebzigerjahren beschrieben, wo es im Wirtshaus nur Braten und Kartoffel oder Erdäpfelsalat gibt und natürlich gesoffen bis zum Unfallen wird.

Die Buben versuchen auszubrechen. Da gibt es außer die, wo sie dem Pfarrer unterm Rock schauen wollen, einige skurrille Szenen mit dem Traktor. In die Nazi-Vergangenheit geht es auch und am Schluß kehrt die Mutti zurück und alles wird gut oder höchstwahrscheinlich natürlich nicht.

Ein bißchen verwirrt haben mich die drei Einschübe, wo von drei Forschern darunter Christian Doppler berichtet wird, da gibt es dann auch die Brille zu sehen. Den Zusammenhang, was das eine mit dem anderen zu tun hat, habe ich nicht verstanden und spannend ist, daß ich knapp vorher ja Birgit Birnbacher gelesen habe, die ja offenbar auch in den Siebziger Jahren in einem österreichischen Dorf aufgewachsen ist und deren Krankenschwester auch dorthin zurückfährt und da gibt es auch einen Wirten und die Arbeitslosen, die ständig dort sitzen und es gibt nur Braten und Salat aus der Dose. Die Frauen werden wahrscheinlich hier und dort “Weiberleut” genannt und unterdrückt. Sie tragen Kopftücher und gehen in die Kirche, aber Birgit Birnbacher, die ja auch sehr experimentell angefangen hat, erzählt das Ganze viel realistischer, was mir ganz ehrlich besser gefällt, als Thomas Olah, der es mit dem österreichischenen Antiheimatroman a la Bernhard, Josef Winkler, etcetera probiert.