Kochen im falschen Jahrhundert

Buch fünf der deutschen sowie der österreichischen Longlist. Auf die deutsche Shortlist ist Teresa Präauers “Kochbuch” nicht gekommen. Bei der Österreichischen wissen wir es noch nicht. Die 1979 in Wien geborene, die Germanistik und bildende Kunst studierte und den “Fried-Preis” bekommen hat, ist schon zweimal auf der Öst gestanden, ist also eine sehr emsige Autorin, die auch im Literaturhaus und in der “Alten Schmiede” öfter aufgetreten ist und bei der Präsentation des “Kochens” bin ich auch schon im Literaturhaus gewesen, wo der Lesetisch sehr schön gedeckt war und es nachher Wein und Brötchen gab und bei den O-Tönen, wo Teresa Präauer und Daniela Strigl Cremant serviert wurde. Teresa Präauer besitzt offenbar Stil. Roman steht in dem “Wallstein-Buch” und ich schüttle wieder den Kopf, denn Roman ist das fast zweihundert Seiten Buch keiner. Dazu hat es keinen Plot und keine Handlung oder zuminderstens nur eine sehr alltägliche.

Da gibt es ein Gasteherpaar um die vierzig, aus der Mittelschicht stammend, gebildet, kulturinteressiert und bereist und die laden sich am Abend Gäste ein. Ein Ehepaar und einen Schweizer, der irgendwo einen Lehrauftrag hat und über seine Studenten oder Studierende, wie man jetzt sagt, klagt.

So weit, so what und das wird in den verschiedensten Varianten durchgespielt. Zuerst kommen alle pünktlich, dann die Gäste zu spät. Es wir Cremant getrunken, Nüße und Kracker geknabbert. Dann wird der Salat und die Quiche vorbereitet und nach jedem Kapitel werden ein paar Zutanten aufgezählt, wie “250 g Mehl, 125 g Butter 1 Ei” oder ganz profan “1 Schwamm, 1 Geschirrtuch,1 Handspülmittel” und es gibt auch immer wieder Erinnerungen der Autorin, wie das bei ihr war, als sie ihre erste Wohnung hatte und nicht einmal einen Salzstreuer besaß oder die Speisen werden aufgezählt, die sie in den verschiedensten Ländern, die sie bereiste, gegessen hat.

In der Geschichte kommen dann einmal alle Gäste zu spät und als die Gastgeber schon zu vögeln anfangen wollen, kommen sie doch, entschuldigen sich, daß sie mit Amerikanern abgehangen sind. Der Schweizer geht auf den Balkon rauchen. Dann kommt die Nachbarin von unten und beschwert sich über die Asche, die auf ihre Katze gefallen ist. Zum Nachtisch gibt es dann Twinni-Eis, eine Erinnerung an die achtziger Jahre, wo die Protagonisten aufgewachsen sind. Dann erscheinen auch die Amerikaner, bringen Wein und trinken Schnaps. Einen Wasserrohrbruch gibt es auch und dann erscheint noch die Polizei, die dem Haus gegenüber ihre Sttion hat und warnt vor den Wasserrohrbruch und nicht über die Störung über die sich die Nachbarin beschwerte, wie man vielleicht glauben könnte.

Das war dann schon die ganze Handlung und das Essen im falschen Jahrhundert ist der Jahrhundersprung, sind ja die Protagonisten in den Achtzigerjahren aufgewachsen und haben im vorigen Jahrhundert ihre ersten Gäste eingeladen.Jetzt haben sie studiert und sind etabliert.

Der “Papiertstaupodcast”, der ja auch heuer die deutschen Bücherpreisbücher besprechen, beschwert sich über die Mittelschichtarroganz der <protagonisten und betont, daß er nicht so werden will. Aber keine Angst, in Zeiten, wie diesen, wird der Mittelstand ohnehin abgebaut und studieren kann auch nicht mehr jeder.

Also freuen wir uns über die Intellektuellen, die Cremant trinken und Quiche zubereiten, während Österreich und Deutschland von Flüchtingen übetschwemmt werden, worüber sich die FPÖ und die AfD aufregen und richtig, noch eine besondere Schelmerei Teresia Präauers deren buch ja in einen deutschen Verlag erschienen ist und vielleicht von mehr Deutschen als Österreichern gelesen werden, gibt es auch. Da werden immer die österreichischen den deutschen Ausdrücken gegenübergestellt. Also “Rote Rüben” statt “Roter Beete”, etcetera und ich habe mich natürlich an meine Einladungen erinnert, die ich auch in den Achtigerjahren oft gemacht habe. Da habe ich die Eltern von Annas Kindergruppen und meine Psychologen- oder Autorenkollegen eingeladen und habe Linsensuppen, Polenta mit Tomatensauce, Melonensalat, etcetera gekocht. Jetzt mache ich das weniger und der Alfred, der gerade ein großes Essen für seine Kuba-Freunde vorbereitet, braucht jetzt einige Tage für die Vorbereitung, tischt dann auf, ladet aber auch weniger ein.

Das Buch wurde einerseits hoch gelobt, andererseits kritisiert, den Mittelschichtleuten geht es vielleicht auf die Nerven und ich fand es am Anfang spannend, später etwas langweilig. Ein Roman ist es nicht und Teresia Präauer, die Künstlerin von der wahrscheinlich auch das bunte Cover stammt, hat einen eigenwilligen Stil, der sicherlich zu loben ist. Also “Prost, wohls bekomms und Sante!”

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