Auch wenn es nerven sollte, jetzt kommen wieder Schreibgedanken, denn während ich mehr oder weniger lustvoll “Die Frau auf der Bank oder dreimal “S” korrigiere und dabei schon wieder denke, bald fertig zu werden, vielleicht nicht mehr vor Weihnachten, denn dann müßte ich “Mörderisches Wochenende”, das kleine Krimiworkshopbüchlein, das ich einmal im Bücherschrank gefunden habe und auf meiner Leseliste für 2012 habe, vorziehen, habe ich mir ja vorgenommen, das sozusagen als Einstieg für das nächste Projekt zu lesen, beginne ich schon zu überlegen, was ich als nächstes schreiben werde?
Man könnte vielleicht sagen, ich bin unersättlich oder unermüdlich, eine manische Schreiberin vielleicht, aber ich habe jetzt sehr lange keine Ahnung gehabt, was ich als nächstes schreiben will. Irgendwie bin ich ja auch ausgeschrieben. Sind die “Zwillingswelten” ja das fünfundzwanzigste Digitalbuch, das in etwas mehr als zehn Jahren entstanden ist und mangels Erfolg oder wegen schlechter Kritiken, kommt ja auch sehr oft der Gedanke “Wozu, das wird ja wieder nichts?”
Dann meldet sich natürlich Widerstand, denn ich denke ja wirklich, daß eine, die sehr viel schreibt, das irgendwie, wenn vielleicht auch anders, können muß und das Bloggen im Literaturgeflüster ist ja auch eine ständige Beschäftigung mit dem Schreiben. So daß ich schon glaube, sagen zu können, wo meine Stärken und meine Schwächen liegen. Ganz so negativ, wie meine Kritikerin JuSophie sehe ich es nicht und denke auch nicht, daß ich Trivialromane schreibe, wohl aber realistisch und mein Brotberuf und die Beschäftigung mit Randschichten hat wahrscheinlich auch zur Folge, daß es mir immer wichtig war, verständlich zu denken, zu sprechen und zu schreiben.
Deshalb wird wahrscheinlich keine experimentelle Autorin aus mir und, daß ein Roman “abgehoben” sein muß, um als literarisch zu gelten, was mir einmal Karl Markus Gauss erklärte, habe ich auch sehr lange nicht verstanden. Jetzt verstehe ich es und glaube auch, daß man etwas Neues schaffen soll und berühren, das ist ein Zitat von Felix Mitterer aus dem neuen Ohrenschmaus-Buch. Aber ich denke schon, daß man das alles in einer verständlichen Sprache tun kann und dann will ich auch von den Randschichten des Lebens und dessen Ecken und Kanten schreiben und natürlich meinen eigenen Ton finden.
Mein Problem und das was mich wahrscheinlich hindert, ist meine Schüchternheit und dann bin ich vielleicht auch zu schnell und zu ungeduldig. Daß ich mich immer noch an meinen Grenzen vorbeischummle, kann ich mir vorstellen, aber ich denke auch, daß ich mit dem Schreiben, die Grenzen überwinde und pro Buch besser werde, ect…
Langer Schreibe kurzer Sinn, irgendwann, ich glaube erst vor ein paar Tagen, sind die Ideen für das neue Projekt gekommen. Da denke ich ja zuerst brav immer, mir ein halbes Jahr Schreibabstinenz zu verordnen, um, wie das Kind nach den Masern einen Entwicklungssprung zu machen, aber ein Kind Masern bekommen zu lassen, gilt ja inzwischen als fahrlässig und ich will mir das wahrscheinlich auch nicht wirklich antun. Die nächste Idee ist dann, eine Weile in Wien herumzufahren, Szenen aufzunotieren und das Gleiche auch beim Zeitungslesen machen.
Dann kam schon die erste Idee und zwar hat da eine Bloggerin von einer Philosophiestudentin geschrieben, die in verschiedene Welten abdriftet, das klingt interessant und Thomas Stangls “Emilia Degen” hat es mir beim Erich-Fried-Preis ja auch irgendwie angetan. Dann kam schon die Idee, daß ich in einer Wohnung zu verschiedenen Zeiten, die Großmutter Rosa 1915 geborenen, die Mutter Marianne Geburtsjahr 1950 oder so und die achtundzwanzigjährige Philosophie studierende Enkeltochter Theresa leben lassen könnte und die Wiedergeburt von Jiri Kratochvils “Femme Fatal” am Montag in der Alten Schmiede hat mir auch gefallen. Da ist dann gleich der Arbeitstitel “Die Wiedergeborenen” entstanden und am Dienstag sind die Idee in das grüne Notizbuch geflossen.
Die inzwischen verstorbene Großmutter Rosa könte in der NS-Zeit eine jüdische Freundin in der Wohnung versteckt haben und 1956 ist dann deren Tochter Esther aus Budapest nach Wien geflüchtet, während die Journalistin Marianne, Theresas Mutter, 1968 ein Verhältnis mit einem aus Prag geflohenen Journalisten hatte und Theresa, die jetzt in der Wohnung der Großmutter wohnt und zu ihrer Mutter ein schlechtes Verhältnis hat, könnte einen Asylwerber aus Georgien, vielleicht auch einen Journalisten oder Schriftsteller in ihrem Kabinett wohnen lassen und dabei unterm Bett oder im Kasten auf ein paar Schachteln mit alten Briefen oder Fotos stoßen….
So könnte es beginnen und wenn ich es unbedingt brauche, könnte ich auch etwas über das erfolglose Schreiben oder den Literaturbetrieb hineinpacken. Mal sehen. Ob es wirklich ein Krimi wird, glaube ich nicht, obwohl ich wieder, bevor ich beginne, ein Art Schreibstudium machen und dafür das Krimiworkshopbüchlein lesen will und dann wieder “Achtung, Bleistift los!” und frei vor sich hin assoziieren um das Neue entstehen zu lassen und wirklich viel Zeit lassen, wenn mir das gelingt, um auch über meine Grenzen zu stoßen. Also wieder denken, auch ein Rohentwurf muß nicht unbedingt in sechs Wochen entstehen, mal sehen, ob mir das gelingt, jetzt bin ich noch sehr zuversichtlich. Aber einige Wochen werde ich für die “Frau auf der Bank” schon noch brauchen. Inzwischen kann ich ja meine Ideen kommen lassen und ich werde auch im Literaturgeflüster darüber berichten, denn ich finde das Schreiben über Schreibprozesse schon sehr gut, spannend und auch inspirierend.
Month: December 2011
Stellenweise Glatteis
“Stellenweise Glatteis” von Max von der Grün, das nächste Buch von meiner hundert Bücher Liste und auch ein Fund aus dem Bücherschrank, handelt zufälligerweise auch von Weihnachten, zumindest beginnt der Roman, der in den Siebzigerjahren von einem Betriebsrat eines Dortmunderbetriebes, der von einem Hauptvertreter der Literatur der Arbeitswelt geschrieben wurde, handelt im Advent und der Höhepunkt der Handlung spielt auch auf der Weihnachtsfeier in der Kantine, wo die Belegschaft am 24. Dezember zwangsweise verpflichtet wird und von der Geschäftsleitung, einen Kalender, Schnaps und zwei Packerln Zigaretten geschenkt bekommt.
Das waren noch Zeiten, wo ein Betriebsrat die Hauptrolle in einem Roman spielt, der, wie im Klappentext steht, nach einem authenitischen Fall, geschrieben wurde.
Karl Maiwald gelernter Schlosser und dann Fahrer in einem Dortmunder Betrieb, hat, wie soviele andere Arbeiter, seine Gesundheit für die Firma ruiniert. Jetzt leidet er an den Bandscheiben und wurde deswegen zum Fahrzeugwarten degradiert. Er ist verheiratet, hat eine Tochter, die sich als Kindergärtnerin für die Arbeit mit Behinderten ausbilden läßt und lebt in einem Reihenhaus in einer Straße, wo auf der anderen Seiten, die Villen der Zahnärzte, Rechtsanwälte etc der Stadt leben.
Klassenkampf pur also, waren das noch Zeiten, wo der Betriebsrat das Sagen hatte, Karl hat aber auch eine Erfindung gemacht und wird deshalb zum Chef bestellt, um sich dort hundert Mark und eine Belobigung abzuholen. Dort muß er warten, drückt zufällig auf den Knopf eines Kästchens und kann plötzlich hören, was seine Kollegen so erzählen.
Denn die Gegensprechanlage, die vor einiger Zeit installiert wurde, ist in Wahrheit ein Abhöranlage, Karl entlockt der Sekretärin Fräulein Schindler das Geheimnis, daß die Akten, die sie von den Tonbändern angelegt hat, in einem Tresor lagern, so bricht Karl in der Nacht mit einem Kollegen dort ein, holt die Akten und lagert sie im Partykeller des Freundes seiner Tochter. Eine steckt er in die Jackentasche und nimmt sie mit zur Weihnachtsfeier, wo dann ein Christbaum brennt. Vorerst geschieht aber nichts anderes, die Gewerkschaft vertröstet, der Betriebsleiter wird ausgewechselt und Karl fristlos entlassen. Das kann zwar durch einen Streik rückgängig gemacht werden, die Gewerkschaftszeitung berichtet aber trotzdem nicht von den Akten, die weiter im Partykeller bzw. bei Karl lagern, weil sie niemand haben will, wird doch der Betrieb von der Gewerkschaftsbank aufgekauft, so daß sich Karl schließlich an einen Kommunisten wendet, der ihm Flugblätter druckt, die er mit Hilfe der italienischen Gastarbeiter, die in einigen Baracken hausen, in den Betrieben verteilt.
In anderen Baracken werden Türken angesiedelt, aber weil die niemand haben will, werden sie angezündet, wobei Karls Tochter ein Auge verliert und Karl, der das eigentlich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr darf und schon wieder entlassen wurde, weil er die Akten schließlich am Betriebsgelände verbrennt, fährt einen hochexplosiven Laster und erleidet einen Unfall, am Schluß verteidigt ihn ein bekannter Industrieanwalt von der anderen Straßenseite umsonst und Karl erhält einen neuen Job bei seinem “Fast-Schwiegervater” traut der Sache aber trotzdem nicht so recht und denkt im letzten Kapitel ständig “Ich hätte zufrieden sein müßen. War es aber nicht.”
Stellenweise Glatteis also. Soweit der Roman des 1926 in Beireuth geborenen und 2005 in Dortmund gestorbenen Schriftstellers, einem wichtigen Vertreters des Werkkreises der Literatur der Arbeitswelt, den ich, wenn schon nicht persönlich, dann doch vom oberösterreichischen Max von der Grün Preis der Arbeitswelt kenne, zu dem ich in den Achtigerjahren regelmäßig meine Texte eingeschickte, aber nie etwas gewonnen habe. Einmal bin ich mit der “Slavica” zwar, wie mir einer der Juroren sagte, in die nähere Auswahl gekommen und zu einer Art Schreibwerkstatt wurde ich 1987 auch nach Linz eingeladen, für einen Preis gereicht hat es aber nicht. Inzwischen ist der Preis auch eingestellt worden und der sogenannte Buchpreis, der Nachfolger, nimmt keine selbstgemachten Bücher, obwohl ich es zweimal versuchte und sowohl die “Globalisierungsnovelle” als auch “Tauben füttern” hinschickte. Die Literatur der Arbeitswelt ist inzwischen auch nicht mehr so modern, obwohl es den Werkkreis unter Gerald Grassl etc immer noch gibt, der sich bei der KriLit im November auch exclusiv vorstellte und der duftende Doppelpunkt unter Petra Öllinger, hat im Frühjahr ja auch eine Anthologie zu Arbeitswelt herausgebracht und in einem mehrteiligen Gewinnspiel auch an die Literatur der Arbeitswelt und an Max von der Grün erinnert und ich lese als realistische Autorin solche Romane auch gern, literaturkritisch läßt sich vielleicht sagen, daß die Handlung nicht ganz ausgefeilt und gestrafft ist. So könnte man natürlich nach dem Sinn fragen, den es hat, gestohlene Akten monatelang in einem Partykeller zu lagern und dann demonstrativ aber heimlich im Werksgelände zu verbrennen? Die Themen sind aber sehr interessant und in Zeiten, wie diesen, in denen wir leben, könnte man auch neidisch werden, von einer so starken Gewerkschaft zu lesen, obwohl die natürlich auch angeprangert und ihr Versagen genau beschrieben wird.
Im Bücherschrank findet man gelegentlich solche Bücher, so habe ich noch “Wenn der tote Rabe vom Baum fällt” in meinem neuen Bücherregal stehen und “Flächenbrand” in Harland, das schon früher zu mir gekommen ist.
Weihnachtsbowle mit Susanne Ayoub
Eigentlich habe ich ja in die städtische Bücherei Gumpendorferstraße, dort, wo ich einmal Ulrich Bechers “Kurz nach 4” gefunden habe, zu El Awadallas Dialektliteraturveranstalltung gehen wollen, aber dann lockte der Weihnachtsmann bzw. die Kekse und die “Weihnachtsdramolettln” mit Susanne Ayoub in der städtischen Bücherei Pannaswchgasse. Ich weiß, das heißt jetzt anders, aber als Hauptschülerin bin ich einmal in die Städische Bücherei am Elterleinplatz gegangen, habe einen Krimi lesen wollen und wurde von der älteren Dame dort belehrt, daß daß für Kinder kontengiert ist und in der berühmten Arbeiterbücherei in der Sandleitengasse war ich auch einmal eingeschrieben. Für eine Büchersammlerin wie mich ist eine Bücherei, wo man die Bücher wieder hergeben muß, nicht das richtige und so bin ich erst durch eine Lesung, bzw. einen Aufruf in der Bezirkszeitung im Jahre 1998 oder 1999, es war jedenfalls Europawahl und Hannes Swoboda hat mir das Mikrophon gerichtet, in die Pannaschgasse gekommen, bzw. zu einer Lesung am Platz davor. Das war dann nicht ganz das Richtige, in die Kartei der Szene Margareten bin ich trotzdem gekommen und bei den damals monatlichen Literaturveranstaltungen, wo die Margaretner Literaten der Reihe nach vorgestellt wurden, habe ich, glaube ich, auch Susanne Ayoub kennengelernt und dann immer wieder gesehen, zum Beispiel beim Siemens Literaturtechnikpreis, bei dem ich ja eifrig und erfolglos immer hinschickte und da habe ich sie auch einmal gefragt, ob ich mit ihr im Auto nach Hause fahren kann, weil sie ja, glaube ich, auch im fünften Bezirk wohnte und als 2004 bei Buch und Wein in der Schäffergasse Anita C. Schaubs Frauenbuch, wo ich auch ein Portrait drinnen habe, vorgestellt habe, ist gerade ihr erster Roman “Engelsgift” erschienen, da habe ich sie auf ihren Erfolg angesprochen. Ich habe es gut gemeint, sie dürfte es mißverstanden haben, jedenfalls hat mir die B. so etwas gemailt, ich war dann aber auch bei einer Lesung des Romans beim Thalia in der Landstraße und habe ihn dort durchgeblättert. Es erschienen dann noch “Schattenbraut” und “Mandragora” und auch Gedichte, Filme, Reportagen über Bagdad, wo Susanne Ayoub ja geboren wurde. Seit einiger Zeit ist sie auch in der GAV, ich habe sie in Leipzig einmal getroffen und bei der Buch-Wien bin ich ihr auch begegnet und in diesem Monat ist sie, glaube ich, zweimal in der Alten Schmiede, ein erfolgreicher Aufstieg also und heute die “Weihnachtsdramolettln” zu den “komischen Seiten des besinnlichen Festes” unter dem Titel. “Wenn zu Nikolo der Weihnachtsmann kommt..” und das ist ja, glaube ich, heute.
Die städtische Büchereifiliale, in der ich auch schon ein paar Mal gelesen habe, 2002 hätte ich es sollen, Herr Winter von der Szene Margareten hat mich aber wegen Honorardifferenzen kurzfristig ausgeladen, 2004 habe ich “Tauben füttern” vorgestellt, dann zweimal um die “Goldene Margarete” gelesen und zweimal beim Festwochen-Literaturwettbewerb, das zweite Mal habe ich ihn gewonnen und jetzt gibt es wahrscheinlich krisenbedingt weniger Veranstaltungen, jedenfalls war ich, glaube ich, seit es das Literaturgeflüster gibt, nicht mehr dort, war jedenfalls weihnachtlich beleuchtet und geschmückt und eine eher unkonventionelle Weihnachtsmusik gab es auch.
Es gibt einen jüngeren Mann als neuen Leiter, der begrüßte und Susanne Ayoub las drei Dramolette. Das erste handelte von einer Frau, die einen Mann auf der Margaretenstraße mit ihrem Weihnachtsbaum umstößt und daraufhin in eine Diskussion über den Sinn von Weihnachten gerät. Der Mann der keine Ahnung von Weihnachten hat, entpuppt sich zuerst als Kommunist, dann nimmt er ihr den Weihnachtsbaum ab und stürzt sich mit einer Säge oder Axt auf ihn. Beim zweiten baumelt das Christkind mit nackten Füßen vor dem Fenster eines desillisionierten Mädchens, das gerade alle ihre Wünsche zusammenschreibt und mag die Weihnachten nicht mehr und beim dritten taucht Mary Madonna beim Filmproduzenten Jo auf und erzählt ihm etwas von einer feministischen Geburt von Jesus Noel.
Danach gab es die versprochene Weihnachtsbowle, die Kekse und Gespräche mit der B., Herrn Blaha und noch einigen anderen und das war die besinnliche Vorweihnachtsfeier in einem Advent, den ich blogmäßig diesmal gar nicht so besonders begehen wollte, da mir aber mit Max von der Grün “Stellenweise Glatteis” auch ein Buch, das zumindest Anfangs zu Weihnachten spielt, in die Hände gefallen ist und nächste Woche sowohl der Umgang als auch xxxxx-Small ist, komme ich wahrscheinlich doch nicht herum und ich mag Weihnachten ja auch und bin, wie ich immer schreibe, keine Weihnachtshasserin, denn Punsch und Kekse und jetzt auch Bowle, die mir Susanne Ayoub extra einschenkte, schmecken ja sehr gut.
Lockergedichte und Kratochvil-Roman
Zwei unterschiedliche Termine in der alten Schmiede. Zuerst um sechs die sogenannte “Stunde der literarischen Erleuchtung”. Herbert J. Wimmer las und kommentierte “Locker und Spontangedichte” von Andreas Okopenko und nahm dazu fünf oder sechs Gedichtbände auf den Lesetisch mit. Begonnen hat er mit denen, die 1983 bei Freibord erschienen sind und las daraus ein “Traumgedicht”, das offenbar auch in dieser berühmten Humanic-Werbung verwendet wurde. Dann gab es noch ein lustiges “Zölibat” genanntes “Der liebe Gott ist ganz allein, so sei es auch sein Priesterlein”.
Lockergedichte sind also ganz spontan entstandene Drei oder Vierzeiler, manchmal sind die Texte auch länger, die Andreas Okopenko offenbar sehr gern geschrieben hat und dabei mit der Sprache spielte. Herbert J. Wimmer, der alle seine Lieblingsgedichte gelesen hat, hat etwas davon gesagt, daß die Lockergedichtzeit zwischen 1973 und 83 gewesen ist, die Spleengesänge “Warum sind die Latrinen so traurig”, sind aber 1969 bei Residenz erschienen, Herbert J. Wimmer hat auch daraus gelesen, das dürften eher längere Texte sein. Dann gibt es noch die später erschienenen Texte in den Büchern “Immer wenn ich heftig regnet”, “Affenzucker” und “Streichelchaos” bei Ritter erschienen, das wie Herbert J. Wimmer erwähnte noch erhältlich ist und das er von hinten nach vorne las.
Nach einer halben Stunde war er fertig und es war eine gute Erinnerung an den Dichter, dessen Fest zum achtzigsten Geburtstag ich fast versäumte und bei dessen Begräbnis ich auch im vorigen Juli war.
Dann war aber noch viel Zeit bis zum nächsten Programmpunkt, nämlich der zweisprachigen Lesung der “Femme Fatale” von Jiri Kratochvil, so bin ich ein bißchen über den Graben und den Kohlmarkt gegangen und habe mir die Weihnachtsbeleuchtung und die Punschstände angeschaut bzw. die Weihnachtsschokoladen im Mannershop.
Nachher ging es in den Keller und ich habe ein paar Gesichter wieder getroffen, obwohl das ja eine andere Literaturgattung ist, aber von Jiri Kratochvils Roman “Femme Fatale” habe ich in der letzten Zeit recht viel gehört, so daß ich neugierig war.
Das Buch ist von Christa Rothmeier und ihrer Tochter aus dem Tschechischen übersetzt bei Braumüller erschienen, ein Verlag der sich offenbar besonders um die tschechische Gegenwartsliteratur bemüht, war da ja erst eine Veranstaltung mit tschechischen Erzählern, die Christa Rothmeier ebenfalls moderierte. Diesmal wurde von Ronald Pohl eingeleitet, den Kurt Neuman als Spezialisten der osteuropäischen Literatur vorstellte und der erzählte auch ein bißchen was über den Roman, der im November 1989 beginnt. Da kommt eine junge Frau, in dem Roman wird sie als Mädchen beschrieben, von Prag nach Brünn, dort wurde sie am Wenzelsplatz auf der Demo zusammengeschlagen, jetzt trifft sie im Haus der Kunst ein und lernt den Erzähler einen Turnlehrer kennen, den die Femme Fatale” dann auch gleich verführt, bzw. ihn einmal in der Woche in einem Fitneßstudio eines Stundenhotels trifft, die Femme Fatale namens Katka hat auch einen Wenderoman geschrieben, mit dem sie gleich sehr berühmt wird, so daß sie ein Stipendium nach New York erhält und dort kreative Writingkurse gibt und um eine Wiedergeburt bzw. um eine trommelnde Doppelgängerin geht es auch.
Der 1941 in Brünn geborene Jiri Kratochvil las einen Teil des ersten Kapitel und dann noch ein Stück des dritten auf Tschechisch, Kurt Neumann das zweite, dann gab es noch ein Gespräch, wo Jiri Kratochvil etwas über den postmodernen Roman und seinen Schreibstilen erklärte, es geht auch viel um Fiktion und surreale Elemente, das was ich hörte, klang aber durchaus realistisch. Der Versuch eines älteren Mannes, die Wende an Hand einer schönen jungen Frau ironisch distanziert zu erzählen, ein interessanter Roman, es gab auch ziemlich viel Publikum, so ist unter anderen Cornelius Hell gekommen, den ich gleich etwas zum gestrigen Ex Libris fragen konnte. Denn da hat er die “Elenden von Lodz” besprochen, ein Buch von dem ich schon auf meinem Frankfurter Buchmessensurfing hörte und mich wunderte, daß es niemand mit der “Fliegenfängerfabrik” von Andrzei Bart verglich, da es da ja offenbar, um genau das gleiche Thema und den Judenrat Chaim Rumkovski geht. Das Buch ist auch 2011 erschienen und wurde, glaube ich, zu Ostern in Ex Libris vorgestellt, in der Hauptbücherei war es auch, dann kam der Bestseller aus Schweden und kein Mensch spricht mehr davon, was ja sehr interessant ist oder, wie mir Cornelius Hell erklärte, daß man bei so vielen Büchern, nicht alle kennen kann. Ich werde aber auch nur eines lesen und die “Femme Fatale”, auf die Kurt Neumann hinwies, daß man sie am Büchertisch erwerben kann, wahrscheinlich nicht.
Der Abend war in seiner Vielfalt sehr interessant und auch, daß mich jemand fragte, ob ich wieder im Literaturgeflüster darüber schreiben werde? Natürlich, denn das tue ich regelmäßig seit drei ein halb Jahren und da ist es interessant, daß das heute der neunhunderterste Artikel ist, da habe ich gestern vergessen, die runde Zahl zu erwähnen.
Die Zimtläden
“Die Zimtläden”, des 1942 im Ghetto von Drohobycz von der Gestapo ermordenten Bruno Schulz sind, wie in der Buchbeschreibung steht, ” phantastische Erzählungen, in dem die versunkene Welt des galizischen Städtchen lebendig werden” und Isaac Bahevis Singer schreibt “Manchmal schrieb er wie Kafka, manchmal wie Proust, und mit der Zeit gelang ihm eine Tiefe, die keiner von ihnen erreicht hat”, aber eigentlich ist diese Geschichtensammlung soetwas, wie ein Episodenroman, begegnen wir in den kurzen Geschichten, die Überschriften wie “Die Heimsuchung”, “Die Schneiderpuppen”, “Die Zimtläden”, “Die Kakerlaken”, “Die Krokodilstraße” etc haben, immer wieder denselben Personen und das ist vor allem der Vater des Heranwachsenden Ich-Erzählers?, dem die seltsamsten Dinge passieren. Er züchtet Vögel auf dem Dachboden des Hauses, unterhält sich mit den Ladenmädchen seines Stoffgeschäftes, hält ihnen “Traktate über die Schneiderpuppen” und wird von dem Hausmädchen Adela, das uns auch immer wieder begegnet und viel plastischer als die Mutter geschildert wird, angestupst und gekitzelt, so daß er lachend und kreischend aus dem Zimmer entflieht.
“Damals bemerkten wir alle, wie der Vater von Tag zu Tag schrumpfte – wie eine Nuß die in ihrer Schale vertrocknet”
Das Hausmädchen scheint überhaupt eine große Macht über den Vater zu besitzen, “es kehrt das graue Kehrichthäufchen, das sich in der Enge ansammelt jeden Tag zum Abfall” und eine Geschichte, wo sich der verschwindende Vater, in eine Kakerlake verwandelt, gibt es auch.
In der Biografie Bruno Schulz ist von dem Stoffgeschäft des Vaters, das 1910 wegen schwerer Krankheit und Konkurrenz aufgelöst werden mußte, die Rede und das jüdische Stättel wird wohl am ehesten in der “Krokodilstraße” beschrieben. Phantastisch und surreal sind die Geschichten allemal, womit ich meine Schwierigkeiten habe und das, ich gebe es zu, auch nicht so gerne lese, aber die “Zimtlädchen” von Bruno Schulz haben auch ihre eigene Geschichte.
2008 sind sie von Doreen Daume neuübersetzt wieder erschienen, da hörte ich im Ex Libris davon und wollte auch zur Präsentation ins Literaturhaus gehen, gegangen bin ich dann zu Cornelia Travniceks “Die Asche meiner Schwester” in die Nationalbibliothek. Doreen Daume habe ich aber bei der “Literatur im Herbst” in diesem Jahr kennengelernt und heuer ist der zweite Geschichtenband “Das Sanatorium der Sanduhr”, auch von Doreen Daume übersetzt, erschienen und wurde im Frühjahr in der Gesellschaft der Literatur vorgestellt und an dem Tag im Februar, als ich meine hundert Bücher-Liste erstellte und danach in die Alte Schmiede zu einer Marianne Fritz Veranstaltung ging, habe ich in dem inzwischen einzigen Buchgeschäft auf der Wiedner Hauptstraße “Die Zimtläden” aus einer Abverkaufskiste gezogen, um zwei Euro gekauft und auf Platz zweiundsiebzig auf meine Leseliste gestellt. Jetzt habe ich die skurrilen Geschichten gelesen, mir bei der Phantastik ein wenig schwer getan, so daß mich die Realistik des Essays von David Grossmann und die Anmerkungen von Doreen Daume fast mehr “faszinierten”, aber die Lebensgeschichte des 1892 in Drohobycz/ Gallizien geborenen Bruno Schulz ist ja auch sehr interessant. Sohn eines Stoffhändlers, der Maler werden wollte, der Erzählband ist auch sehr phantastisch von ihm illustriert, aus finanziellen Gründen mußte er aber Architektur studieren und war durch die Krankheit und dem Tod des Vaters auch gezwungen als Zeichenlehrer zu arbeiten.
Doreen Daume schreibt in ihrem Nachwort, daß er ausgezeichnet Deutsch beherrschte und drei Jahre lang in Wien gelebt bzw. gemeldet war und dort auch Architektur studierte. David Grossmann erwähnte eine Geschichte, daß der schüchterne Zeichenlehrer am Ostersonntag 1933 mit seinem Manuskript in einem Warschauer Künstlerhotel auftauchte und dieses einer berühmten Schriftstellerin geben will, die Kontakt zu einem renommierten Verlag hat, die dann von den Geschichten auch gleich sehr begeistert war.
Irgendwoanders steht geschrieben, daß die Verlage doch nicht so viele surreale Geschichten haben wollten und daß es auch mit den Übersetzungen schwierig war, obwohl sich Bruno Schulz schon in den Dreißigerjahren darum bemühte und einen Brief an einen in Wien lebenden Lemberger Anwalt schrieb. Er war dann aber doch ein berühmter Dichter, hat als Zeichenlehrer in einem Gymnasium gearbeitet und dort wohl auch Schwierigkeiten, sich bei den Schülern durchzusetzen. So interviewte David Grossmann 2008 einen ehemaligen Schüler, der erzählte, daß Schulz, um sich bei den Schülern durchzusetzen, diesen die ganze Zeit phantastische Geschichten erzählte, gezeichnet hätten sie nicht sehr viel bei ihm. In der Geschichte “Zimtläden”, wo der Ich-Erzähler mit den Eltern ins Theater geht und nach Hause geschickt wird, um das Portemonnaie des Vaters zu holen, kommt auch ein Professor vor, bei dem die Schüler nicht sehr viel zeichnen.
Und ein Augenzeuge bei der Aktion 1942 im Ghetto, wo die Gestapo wild auf Juden geschoßen hat, der den toten Schulz auf der Straße liegen sah, wird von David Grossmann auch zitiert. Eine andere Legende gibt es, daß Schulz der Schützling eines SA-Mannes war, dessen Villa er ausmalte bzw. mit Zeichnungen illustrierte und ein anderer SA-Mann ihn aus Rache erschossen hat.
“Sie haben meinen Juden getötet – Ich habe Ihren getötet.”, soll er gesagt haben.
In dem Buch gibt es auch einen Text von Bruno Schulz “Die Mythisierung der Wirklichkeit” in dem “Das Wesen der Wirklichkeit ist der Sinn. Was keinen Sinn hat ist für uns nicht wirklich” steht und dann mit “Die Poesie erkennt diesen verlorenen Sinn wieder” weitergeht und mit “Philosophie ist eigentlich Philologie, sie ist die tiefgreifende, erschöpferische Erforschung des Wortes” endet und ein Expose über das Buch “Zimtläden” von Bruno Schulz gibt es auch.
“In diesem Buch wird der Versuch unternommen, die Geschichte einer Familie, eines Provinzhauses nicht aus ihren realen Elementen, aus Begebenheiten, Charakteren und den wirklichen Geschicken heraus zu begreifen, sondern über diese hinaus nach einem mythischen Gehalt, nach dem letzten Sinn der Geschichte zu suchen.”
Schöner als es der Autor tat, läßt sich das wohl nicht beschreiben. Ich interpretiere es mir trotzdem aus der Bigorafie heraus, auch wenn bei Wikipedia die mythologischen Deutungen entschlüßelt werden, so daß man die Rezeptionsgeschichte nachlesen kann, das, was ich aus der Biografie herauslese, erscheint mir klar verständlich, so daß ich mich die Lektüre und das, was ich bisher über Bruno Schulz las und hörte, sehr beeindruckt hat.
Adventgedanken
Doch ein bißchen was zum Advent, gibt es bei den anderen Blogs doch ein paar Adventkalender. Literaturcafe.de hat den mit den Romananfängen zu den nicht geschriebenen Büchern, Klaudia Zotzmann hetzt ihr Schaf wieder durch die Wiener Kaffeehäuser und ich erkenne sie nicht, weil ich ja kaum in Kaffeehäuser gehe. Der Name Peter Altenberg ist mir aber doch eingefallen, obwohl ich mir da gar nicht sicher war, ob das der ist oder vielleicht doch Egon Fridell oder gar Karl Kraus, denn die sind ja auch ins Cafe Central gegangen und libromanie listet überhaupt eine Serie von Adventkalendern und das Raten, Lesen, Türchen öffnen und vielleicht sogar ein bißchen was gewinnen, ist ja interessant.
Ich habe es wahrscheinlich schon in den letzten Jahren geschrieben. Bei mir, die ich nicht katholisch und sowas wie eine Konsumverweigerin bin, ist die Adventzeit mit Weihnachten, wenn ich dann vor dem Christbaum meiner Schwiegereltern stehe und meine Bücherpäckchen auspacke, vorbei. Vorher reizen mich die geschmückten Geschäfte und die Weihnachtsbeilagen der Zeitungen und ich hole mir aus dem Keller in Wien, bzw. in Harland aus dem großen Kleiderkasten immer die Weihnachtsdekorationen, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt haben und schmücke damit die Zimmer.
Da ich immer Anfang November mein Geburtstagsfest habe und da da der Weihnachtseinkauf schon beginnt, bekomme ich oft Weihnachtliches geschenkt und die Gutscheine von Leiner und Kika etc löse ich auch immer ein.
Diesmal gibt es etwas Besonderes, nämlich einen richtigen Adventkranz, den der Alfred letzte Woche am Markt in St. Pölten kaufte und vor dessen entzündeter ersten Kerze, bin ich diese Woche mehrmals gesessen, habe meinen Blog geschrieben bzw. an den “3 S” korrigiert. Gestern gab es dann auch schon die erste Weihnachtsfeier der AUGE, der alternativen Gewerkschaft in der Belvederegasse, wo es immer ein tolles Buffet, aber kein Adventsingen, sondern ein Erraten der politischen Unworte der letzten Jahren mit Bewertung der Ratingagenturen gab. Am Dienstag gibt es eine Adventlesung mit Susanne Ayoub in der Bücherei Pannaschgasse, zu der ich wahrscheinlich gehen werde und das “Ohrenschmaus- Beste Texte Buch” ist ja auch soetwas, wie ein Weihnachtsgeschenk. Zumindestens habe ich vor, das meiner Schwiegermutter am 24. zu überreichen. Der Anna werde ich ihres vieleicht schon früher geben und gestern war dann der Bericht der Ohrenschmauspreisverleihung im Kulturprogramm, des neuen ORF III, von dem ich gar nicht wußte, daß es den gibt. Eigentlich war das auf der Ohrenschmausseite schon für den 1. 12. angekündigt, aber da ist wahrscheinlich der Tod der Christa Wolf dazwischen gekommen. So gab es den Bericht gestern, während wir bei der AUGE-Weihnachtsfeier waren und wurde das Ohrenschmaus-Buch auch als gute Idee für ein Weihnachtsgeschenk angekündigt. Ich habe ja schon geschrieben, daß ich mir auf Alfreds zweite oder dritte Frage jetzt doch ein paar Weihnachtsbücher gewünscht habe, dann ist der Artikel über Christa Wolf gekommen und mir ist eingefallen, daß ich mir ja auch ihr letztes Buch, auf das ich, glaube ich, das erste Mal vor ca eineinhalb Jahren durch Emily Waltons Blog gestoßen bin, wünschen hätte können. Jetzt habe ich es schon. Alfred der heute morgen die bestellten Bücher von Anna Jeller holte, hat es mir gebracht und ich weiß nun nicht genau, in welcher meiner Leselisten ich es eintragen soll? Ja, die Qual der Wahl und als ich gestern zum Lidl Milch einkaufen ging, bin ich beim “Wortschatz” am Margaretenplatz vorbeigekommen und habe dort bei den vielen, schon von Zwillingsleiden beschriebenen “Oldies”, das Groschenromanimitat “Lisas Liebe” von Marlene Streeruwitz gefunden und dazu ist zu erwähnen, daß Marlene Streeruwitz nicht nur am Donnerstag in der Sendung “Im Gespräch” im Radio war, sondern auch im nächsten Jahr den Bremer Literaturpreis für ihr Buch “Die Schmerzmacherin”, das auch auf der Shortlist des deutschen Buchpreis war, bekommen wird.
Aber zurück zum Advent. Da habe ich ja zu meinem Geburtstagsfest einiges an Schokolade und Nüssen bekommen, die sich in der Adventzeit vernaschen lassen und von der Ingrid einen Sonnentor-Teekalender, der heuer besonders liebevoll gestaltet ist. Da steht erst einmal genau angeschrieben, was alles in dem Teepäckchen drinnen ist, das hat mir bis jetzt eher gefehlt und dann gibt es ein aufklappbares Bild und ein kleines extra Heftchen mit je einen Adventgedanken, daß man sich entspannen, Zeit für die Familie nehmen oder spenden soll, beispielsweise.
Dann gibt es noch das Punschtrinken und da waren wir mit der Anna schon am vorigen Sonntag am Spittelberg. Ich mache mir meinen Punsch ja immer selber, mit je ein drittel Rotwein, Orangensaft und Wasser, einem Teepäckchen oder aktuell, ein bißchen was von dem Früchtetee, den mir die Sara Wipauer zum Geburtstagsfest mitgebracht hat, eine halbe aufgeschnittene Orange und Zimt. Schmeckt sehr gut. Eine Einladung zum Punschtrinken nach Sprögnitz habe ich im Sonnentor Teegeschäft in der Kremsergasse auch gefunden und ich bin mir auch nicht sicher, ob heute und morgen nicht wieder etwas in Nußdorf an der Traisen ist, denn das gab es jedes Jahr um den Nikolo, aber dazu ist heuer keine Einladung gekommen. Dafür gab es in dem Folder, den die Kaufleute der 5 City, von denen auch der offene Bücherschrank am Margaretenplatz ist, einen Punschutschein für den kleinsten Adventmarkt in Margareten vor der Falco Stiege, der nur aus einem einzigen Standl bestehen soll, aber das ist offenbar so klein, daß ich es übersehen habe oder es ist bei der Ankündigung geblieben, bzw. etwas schiefgegangen. Advent ist also sehr spannend. Ein großes Geschäft mit Streß und Hetze. Manche mögen es, manche nicht. Ich suche mir wieder die Gutscheine heraus, trinke Punsch, schmücke die Wohnungen und entziehe mich dem Streß. Ein Weihnachtsbuch gibt es heuer auch, das habe ich schon geschrieben, Peter Meissners “Auch Engel lachen gernen” mit vielen Kürzestgeschichten zum Erzählen auf den Weihnachtsfeiern. Bei Residenz ist auch eines erschienen “Santa Klappe” von Ernst und Christoph Griessemann, aber das ist mir entgangen und es geht mir auch der Blog von leselustfrust mit ihren Weihnachtsbüchern, die mich ja erst auf die Idee gebracht hat, daß man zu Weihnachten Weihnachtsbücher lesen kann, etwas ab. Aber ich habe, da ja noch acht Bücher auf meiner Bücherliste für 2011 stehen, ohnehin nicht soviel Zeit für Weihnachtsbücher.
Nachdenken über Christa Wolf
Im Mittagsjournal war zu hören, daß die wohl berühmteste “DDR – Autorin” Christa Wolf im zweiundachtzigsten Lebensjahr nach schwerer Krankheit in Berlin gestorben ist, was mich zu einem Extraartikel veranlaßt, obwohl ich Christa Wolf nicht persönlich kannte, sie aber einmal auf der Leipziger Buchmesse, 2002 oder 2003 wird das wohl gewesen sein, fotografierte und eine Menge ihrer Bücher habe ich auch gelesen. Schaue ich in meinen Bücherkatalog, den ich mir übrigens vorgestern in aktualisierter Form ausdrucken ließ, finde ich den “Geteilten Himmel” in einer dtv Ausgabe von 1973, das ist nach den “Moskauer Novellen”, das zweite Buch der Autorin und ich habe es wahrscheinlich in der Otto Bauer Gasse gelesen und wahrscheinlich nicht ganz verstanden, denn damals habe ich mich mit der DDR-Geschichte nicht sehr ausgekannt. Wie ich daraufgekommen bin, das Buch zu kaufen, weiß ich nicht mehr, vielleicht durch den Arbeitskreis schreibender Frauen und den kommunistischen Frauenbund zu dessen Veranstaltungen ich in den späten Siebzigerjahren ja regelmäßig ging. Alfred, der in dieser Zeit öfter in der DDR war, hat auch einige Bücher in unseren Haushalt eingebracht. So gibt es “Kindheitsmuster von 1985 in meiner Sammlung, “Nachdenken über Christa T.”, in einer Aufbau-Ausgabe von 1978, den “Fortgesetzten Versuch”, an den ich mich jetzt gar nicht erinnern kann, in einer Reclam Ausgabe von 1979, vielleicht ist es das Buch, das ich in der Gumpendorferstraße aus Alfreds Bibliothek gelesen und sprachlich sehr anspruchsvoll empfunden habe.
“Kassandra” gibt es auch in einer Aufbau-Ausgabe aus dem Jahr 1985, vielleicht habe ich das aus der Zentralbuchhandlung, in der ich früher öfter Aufbau-Bücher kaufte oder es mir von Maria Heisler aus Budapest mitbringen lassen und ich, glaube mich auch, zu erinnern, daß Christa Wolf, als das Buch erschienen ist, bei der Literatur im März im Künstlerhaus war und da hat sie jemand auf den Unterschied der West und der Ostausgabe ansgesprochen. In der DDR war ein Kapitel gestrichen, das im Westen erschienen war und Christa Wolf meinte damals, daß sie ihre Zustimmung zu der Streichung gegeben hätte, damit das Buch erscheinen konnte.
“Gesammelte Erzählungen” aus dem Aufbau Verlag aus 1989 gibt es auch in meiner Sammlung und da nähern wir uns schon der Wende. 1990 waren wir im Sommer in Berlin, da gab es die DDR noch, die Mauer war aber schon offen, so daß man problemlos vom Osten in den Westen fahren konnte und da waren wir auch einmal bei einer Straßenlesung, wo Christa Wolf zwar, glaube ich, nicht auftrat, ich habe mir da aber ihre “Reden im Herbst” gekauft, wo die Reden enthalten waren, die sie auf den verschiedenen Demonstrationen gehalten hat. 1990 ist auch das Buch “Was bleibt” erschienen, wo sie einen Tag einer ostdeutschen Schriftstellerin schildert, deren Wohnung und berufliche Aktivität von der Stasi observiert wird, das von der westdeutschen Literaturkritik kontrovers diskutiert wurde, die meinten, daß sich Christa Wolf “zu unrecht auf die Seite der Opfer mogeln wollte.”
Als wahrscheinlich 1999 das Lesetheater im Literaturhaus “Medea”, glaube ich, aufführte und ich eigentlich an den “Wiener Verhältnissen” weiterschreiben, aber doch den Text hören wollte, bin ich mit dem Manuskript hingegangen und habe versucht, während der Aufführung zu schreiben, was, wie ich mich erinnern kann, von Elfriede Haslehner kritisiert wurde, die nicht verstehen konnte, das mir offenbar beides wichtig war.
Vor einigen Jahren habe ich mir bei Thalia in der Kremsergasse bei den Abverkaufbücher den Wolf- Fühmann- Briefwechsel “Monsieur wir finden uns wieder” gekauft, wo es unter anderem um die Biermann Ausbürgerung geht. Die 2002 erschienene Erzählung “Leibhaftig”, wo es um eine Krebserkrankung geht, habe ich gelesen und möglicherweise haben wir sie auf der Buchmesse gekauft, wo ich Christa Wolf fotografierte. Auf dieser Messe ist, glaube ich auch Günter Grass aufgetreten und hat “Im Krebsgang” präsentiert, das ich mir auch von dort mitgenommen habe. “Leibhaftig” ist das aktuellste Christa Wolf Buch das ich habe. Das im Vorjahr erschienene “Stadt der Engel oder The overcoat des Dr. Freud”, ist an mir vorbeigegangen und jetzt bin ich über den Tod der 1929 in Landsberg an der Warthe, im heutigen Polen, geborenen Autorin, die 1976 nach Berlin gekommen ist und seither dort lebte, sehr betroffen, interessiere ich mich ja sehr für die “DDR-Literatur” und denke jetzt fast, daß ich mir “Die Stadt der Engel” vom Alfred zu Weihnachten wünschen hätte sollen, da habe ich ja vor kurzem geschrieben, daß ich seine Frage, was für Bücher ich mir zu Weihnachten wünschen würde, mit dem Hinweis schon genug Bücher zu haben, verneinte. Inzwischen habe ich den “Mythos Bachmann”, den neuen Markaris-Krimi und die “super sad true love story” von Gary Steyngart auf eine Wunschliste gestellt. Ja, ja, ich bin eben doch unersättlich.
Wenn wir aber am Wochenende nach Harland kommen, ist das eine gute Gelegenheit in den Regalen, nach den Wolf-Büchern, die dort lagern, zu suchen und die Autorin, die mir sehr sympathisch war und deren Sprache ich bewundere, wiederzulesen.
Herr Lehmann
Eigentlich wollte ich den 2001 erschienenen Kultroman “Herr Lehmann” von Sven Regener gar nicht lesen, habe ich ja schon den Film gesehen und von dem 1961 in Bremen geborenen, der als Musikerpopulär wurde, gibt es schon einige andere Romane, es ist aber ein tolles Buch, obwohl es langsam und bedächtig daher kommt, in zwanzig Kapitel gegliedert ist, die alle ganz banale Überschriften haben und manchmal, ganz wenig nur, an Thomas Bernhard erinnert und es ist irgendwie genial in seiner “Einfachheit.”
“Ein kleines Wunder”, schreibt auch Hellmuth Karasek und Marcel Reich-Ranicki hat angeblich “schallend gelacht”, bei der Geschichte von dem fast Dreißigjährigen aus Bremen, der in Kreuzberg lebt. Die Geschichte beginnt im Sommer 1989 und endet am 9. November, da hat Frank Geburtstag, zu dem alle Herr Lehmann sagen, weil er da ja Dreißig wird. Sonst hat er nicht viele Ideale, sondern lebt so einfach dahin, jobbt in den Kneipen Erwins, obwohl er keine künstlerischen Abitionen hat und auf den großen Durchbruch wartet, sondern einfach dahinlebt mit Bier und kleinen Drogen, das heißt am Beginn der Geschichte geht er von der Knepenarbeit nach Hause und trifft, ein bißchen besoffen ist er schon, von dem Schnaps den ihm sein Chef Erwin offerierte, einen Hund, der ihn verdächtig anknurrt und ihn nicht weiterläßt, so daß er schließlich die Flasche Whiskey, die er vom “Einfall” mitgenommen hat, mit dem Hund teilt, bis die Polizisten kommen und ihn wegen Tierquälerei anzeigen und den Hund mitnehmen, der beißt sie dann in die Hand.
Das ist das erste “Der Hund” genannte Kapitel, dann gehts ähnlich rasant weiter. Herr Lehmann geht nach Hause, es ist Sonntag morgen, da ruft ihn Muttern aus Bremen an und kündigt ihren und Vatis Besuch im Oktober an, obwohl sie ja nicht nach Berlin West kommen wollten, weil man da durch den Osten muß. Es gibt auch Kommunikationsschwierigkeiten zwischen ihm und der Mutter. Im dritten Kapitel geht Frank zum Frühstück in die “Markthalle”, das ist ein anderes Lokal vom Lokalmatador Erwin, der ein bißchen paranoid ist, sich vor Drogenfahndern fürchtet und überall Geldscheine liegen läßt, um sein Personal zu prüfen. In der Markthalle arbeitet Franks bester Freund Karl und er verliebt sich gleich in die dicke Köchin Kathrin und möchte von ihr Schweinebraten haben. Es wird aber nichts mit der Liebe der beiden und der beste Freund Karl dreht auch irgendwie durch, so um den neunten November macht er das. Dazwischen kommen die Eltern auf Besuch und Herr Lehmann erlebt eine genauso skurrille Busfahrt zum Ku-Damm und soll auch noch in den Osten, den Verwandten fünfhundert Mark von der Oma bringen. Leider kassieren die die Vopos aber ein und lassen Frank nicht in ihr gelobtes Land, so daß er zum besten Türken in Kreuzberg geht, einem strengen ohne Alkohol und mit frommen Koransuren an den Wänden und dort schneit Kathrin händchenhalten mit Kristall-Rainer hinein, das ist ein Stammkunde aus Erwins sämtlichen Kneipen, so genannt, weil er immer Kristallweizen trinkt und von Erwin auch verdächtigt wird, ein Schnüffler zu sein. Aus ist die Liebe und Herr Lehmann zweifelt am Sinn des Lebens, muß Karl, der durchdreht, wie beschrieben, am neunten November in die Klinik bringen, dann geht er traurig von dort los seinen Geburtstag feiern und gerät in die Massen, die vom Osten in den Westen dringen, weil an diesem Abend ja die Mauer fiel.
“Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.”, lautet dann der letzte Satz.
Selten habe ich das so lakonisch gelesen. die große Politik aus der Sicht der Dreißigjährigen, die keinen wirklichen Sinn im Leben sehen, als sich in diesem Westberlin umgeben von der Mauer wegzusaufen und in der Welt der “Schizos” den skurillsten Alltag erleben, während die DDR zusammenbricht und dieser “Spaß, Wahnsinn, Alptraum”, wie der Spiegel schreibt, wird nur ein bißchen angedeutet.
Eigentlich kann ich mich gar nicht mehr so genau an den Film erinnern. Die Anna hat, glaube ich, den zweiten Kultroman “Neue Vahr Süd” gelesen, dann gibt es noch den “Kleinen Bruder”, der wurde 2008 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt, da habe ich bei meinem Messesurfen, ein paar Podcasts angehört und bei der Leipziger Buchmesse heuer, ging es um die Logbücher “Meine Jahre mit Hamburg Heiner”.
Die offenen Bücherschränke sind schon interessant, da kann man die “alten Klassiker” lesen und sich 2011 in das Lebensgefühl des Buches hineinlassen, mit dem Sven Regener “über Nacht zum literarischen Star wurde.”