Das Land liest W. H. Auden

Im Augenblick geht es rund um mit den literarischen Veranstaltungen. Ich bin da ja eine Marathon-Besucherin, die möglichst nichts auslassen will und so sind wir dieses Wochenende nicht, wie wir es eigentlich wollten, nach Harland gefahren, denn da hatte ich mich ja für das W. H. Auden Festival in Kirchstetten bzw in Schloß Totzenbach angemeldet. Auf diese Veranstaltung bin ich, glaube ich, Ende Juli gekommen, als ich da bei einer Lesung in St. Pölten war.

“Das Land liest”, heißt die Veranstaltungsreihe, die vom niederösterreichischen Lteraturhaus veranstaltet wird, wo ein Monat lang an verschiedene Orten in NÖ literarische Veranstaltungen stattfanden und da gibt es dieses Wochenende das W.H. Auden Festival, am Freitag mit einer Auftakt Veranstaltung. Also fahren wir am Donnerstagabend nach Harland und dann nach Kirchstetten, wo sich auch einmal Josef Weinheber umbrachte, habe ich gedacht. Dann bin ich aber daraufgekommen, daß es am Sonntag am Heldenplatz in Wien eine Demo zum geplanten WHO-Pandemievertrag gibt und da will ich als Corona kritische Person natürlich teilnehmen. Also den Gesprächsreigen “Auden heute? Heute: Auden!”, auslassen und nach Wien fahren.

Dann kam die Einladung von Batya Horn zu einem Konzert in Memorian von Renald Deppe und wir beschlossen erst Freitag Früh nach Harland zu fahren. Aber da war ja auch das Henisch-Symposium, also erst am Fraitag nach Schloß Totzenbach und dann wollte der Alfred noch nach Wien fahren, weil wir dann in Harland nichts zum Frühstücken hätten und das Schloß Totzenbach ist ein sehr idyllischer Ort, den der Alfred gleich intensiv fotografierte. Die Ingrid von der Wandergruppe, die gerade vom zweiten Ramsau-Aufenthalt zurückgekommen ist, im Buffetraum getroffen, die die “Auden-Semmeln” herrichtete und dann ist es in das schön renovierte Schloß gegangen, wo dem britisch amerikanischen Dichter W. H. Auden, der von 1957-1973 die Sommermonate in Kirchstetten verbrachte und dort auch begraben ist, ein Festival gewidmet war und das hat moderiert von Helmut Neundlinger, und musikalisch begleitet von dem im Libanon geborenen Marwan Abado mit dem ich, glaube ich, schon einmal oder öfter am Volksstimmefest gelesen hat, mit einem Eröffnungsvortrag von Ferdinand Schmatz begonnen, der in das Werk des Dichters einführte.

Dann waren der letzte “Wildgans-Preisträger” Christoph W. Bauer und die Schweizer Armin Senser und Raphael Urweider eingeladen zu Textzeilen aus Audens Werke Gedichten eigene Gedichte zu verfassen.

Am Samstag ging es dann zu W. H. Auden in Kirchstetten und da wurde am Bahnhofplatz aus seinem letzten Auto, einem gelben VW-Käfter, der einige Jahre im freien gestanden ist, eine Installation gemacht, nämlich das Auto angeschraubt und Postkarten, wo wieder zwölf Dichter, wie Gerhard Ruiss, Simone Hirth, Verena Stauffer, Maria Seisenbacher, etc, ein Gedicht nach einer Auden-Zeile geschrieben haben. Die kann man sich dann aus einer Kappe entnehmen und das Ganze wurde um elf feierlich eröffnet.

Die in Kirchstetten lebende Simone Hirth von der ich schon einige Bücher gelesen habe, hielt eine Eröffnungsrede und betonte dabei , daß diese Installation gebraucht wird. Der Bürgermeister lud anschließed ins Gemeindeamt zu Würstel, Kuchen und Getränke ein, bis es dann mit einem geführten Spaziergang zu Audens Grab und seinem Haus in dem er mit seinem Partner Chester Kallmann gelebt hat und das zwischen ein von Helmut Neundlinger neukuratiertes Museum ist. Man kann auch sein Arbeitszimmer sehen und verschiedene Interviews, Briefe, Postkarten etcetera.

Sehr interessant durch den Ort zu gehen, wo es ja einen zweiten bekannten Schriftsteller nämlich den 1892 geborenen Josef Weinheber mit seinem “Wien wörtlich” und einigen Hitler-Gedichten, der sich 1945 erschoßen hat gibt, der dort auch ein Museum und einen Platz hat. Die dritte Dichterin im Ort ist jetzt Simone Hirth und am Abend, wir sind inzwischen nach Harland gefahren, um die Post zu holen und ein bißchen Rad zu fahren, ging es weiter mit dem Poesie-Festival und zwar haben da, weil Dagmara Kraus offenbar ausgefallen, die drei Autoren von gestern ihre Auden-Weiterdichtungen wiederholt. Dann kam die slowenische Autorin Anja Golub die sich mehr mit der den Überschwemmungen in ihrer Heimat als mit Auden beschäftigt hat und dann kam noch eine Performance nämlich Natascha Gangl mit den”3 Knaben schwarz”, wo einer Helmut Neundlinger war, den ich, glaube ich, schon einmal bei den “Wilden Worten” hörte und das war es dann für mich.

Ein sehr intensives literarisches Wochenende, wieder viel gelernt und mit dem Lesen und dem Schreiben geht es natürlich weiter und da gibt es bei mir demnächst auch eine Buch-Präsentation.

Die Welten des Peter Henisch

Peter Henisch ist im August achtzig geworden und aus diesem Grund gibt es jetzt ein großes Symposium in der “Alten Schmiede” und der “Gesellschatt für Literatur” und ich bin, meine Leser wissen es vielleicht, eine Fanin von ihm und sehe auch Ähnlichkeiten zwischen meinen und seinem Schreiben. denn beide sind wir ja realistiasch und auch politisch, wie auch beim neuen Roman wieder zu sehen ist. In meinen Studententagen habe ich, glaube ich, beim alten Residenz-Verlagen erschienen Romane gekauft. Ob ich die “Kleine Figur meines Vaters” gelesen habe, weiß ich ich jetzt gar nicht.An “Steins Paranoia ” und der “Mai ist vorbei”, kann ich mich erinnern.

In der “Alten Schmiede” hat es wahrscheinlich zum Siebziger auch schon ein Symposium gegen. Das Novak-Buch habe ich gelesen “Mortimer & Miss Molly” nicht, aber da war ich bei der Präsentation in der “Alten Schmiede”.

Mit “Suchbild mit Katze” ist er auf der Shortlist des Öst gestanden, den Preis hat ihm dann, wenn man so sagen kann, die Grande Dame der Literatur weggeschnappt, bei den O-Tönen , war er auch einmal, da hat er, glaube ich, gesungen. Denn er ist auch Musiker und den “Jahrhundertroman” woraus ich bei meinen “Rauris-Corona-Streaming” hörte, habe ich mir zum Geburtstag schenken lassen. Zum Lesen bin ich aber nicht gekommen und jetzt der neue Roman “Nichts als Hmmel”, aber schön der Reihe nach:

Um Sechs hat die Auftaktveranstaltung in der “Alten Schmiede” angefangen und als ich zwanzig Minuten davor die Stiegen hinunter gegangen bin, sind mir schon Leute entgegengekommen.

“Uje!”, habe ich gedacht, denn ich wollte eigentlich nicht im Schmiedesaal den Livestream sehen. Aber unten alles voll oder reserviert. Da bin ich dann eine Weile herumgestanden, habe mit einem Stammbesucher, der einen Platz hatte, geplaudert und auch ein bißchen vor mich hingeschimpft. Bendedikt Pühretmayr zeigte mir dann einen freien Platz ganz in der Ecke. Auf einen solchen bin ich, glaube ich, auch gesessen als ich Dzevad Karahasan zum letzten Mal in meinen Leben gesehen habe. Vor mir war noch ein Platz frei, den hat dann erst spät eine Dame eingenommen, die auch “Da ist es ja im Burgtheater einfacher!”, vor sich hinschimpfte. Aber eigentlich schön, daß sich so viele Leute für den Doyen der österreichischen Gegenwartsliteratur interessieren, und Walter Famler der ja, glaube ich, der Generalsekretärin des Kunstvereins ist, zum dem die”Schmiede” gehört, hat wieder eröffnet.

Kurt Neumann, war wenn ich mich nicht irre, im Publikum, Gerhard Jaschke, Manfred Müller,denn morgen gehts ja in der “Gesellschaft” weiter und Jessica Beer denn der neue Roman ist im neuen “Residenz-Verlag” erschienen. Nach Walter Famler kam Johanna Öttl, die jetzt wieder aus ihrer Karenz zurück ist und sollte etwas zu dem Symposium erzählen. Sie erzählte dann auch etwas aus Peter Henisch Leben und das tat noch viel ausführlicher Karl Markus Gauß und zählte vier Themen in Peter Henischs Leben auf. Da sind die Flüsse zum Beispiel und da gibt es den Missisippi, auf dem er ja sowohl Karl May als auch Franz Kafka reisen läßt, denn er ist ein Karl May Fan und ein Musiker, der sich für den Bues interessiert und da hätte ich jetzt fast Walter Famlers Zehharmonika-Einleitung vergessen. “Morrissons Versteck” habe ich gelesen und die die Donau spielt in seinen Bücher auch eine Rolle.

In welchen weiß ich jetzt nicht, vielleicht in der “Sehr kleinen Frau”, die seine Großmutter schildert und der kleine Peter hat wohl auch dort gespielt.

“Die schwangere Mutter” spielt offenbar schon in der Toskana wo ja Peter Henisch seit Jahren ein paar Monate verbringt und “Mortimer & Miss Molly” auch. Jetzt reist Paul Spielmann, ich glaube auch ein bekannter Henisch Protagonist. Deshalb hat Karl Markus Gauss auch die Treue und dann noch die Leichte als Themen erwähnt, auch in den kleinen Ort San Vito, um der Pandemie und seinen Lebenskrisen zu entfliehen, steht im Programm und dann wird er gleich von den Flüchtlingsströmen, die jetzt ja Lampedusa lahmlegen, umkreist. Das heißt, zuerst wird sein Auto gestohlen oder verschwindet und dann kommt der schwarze Abdallah, der ihm gleich mit einer Pistole bedroht und von ihm was zu Essen und zu Trinken fordert.

Diese Stellen hat Peter Henisch gelesen. Dann gabs noch ein Gespräch mit Johanna Öttl, die sehr literaturwissenschaftliche Fragen stellte, die von Peter Henisch humorvoll beantwortet oder abgewehrt wurden, der auch auf das Symposium hinwies und launig “Kommen Sie hin, ich bin auch dort!”, aufforderte und am Freitag in der “Gesellschaft” weitergegangen, wo die verschiedensten Literaturwissenschafter verschiedenste Aspekte aus Peter Henisch Werk erleuchtet haben. Da ist es um seine sehr geselllschaftskritische Kolumnen gegangen. Dann ging es für mich neu und erstaunlich und neu um seine Lyrik, die ich gar nicht gekannt habe.

Für mich ist er ein gesellschaftkritischer Romancier. Es gibt aber einige Gedichtbände, die auch, wie bei Henisch üblich, mehrfach überarbeitet wurden und Peter Hnisch , der hinter mir gesessen ist, sagte, daß er als allererstes Lyriker sei, aber mit Romanen besser verdient und seine Gedichte auch den jeweiligen Werken folgen, was bei mir, die ich ja eigentlich gar keine Lyrik schreibe, auch so ist.

Dann ging es um, die Orte und da war Italien natürlich das erste Thema. Die Romane, die dort spielen sind “Die schwangere Madonna”, “Mortimer & Miss Molly” und der neue Roman.

Amerika spielt im “Schwarzen Peter” und auch in anderen Werken eine Rolle. Auch in in “Vom Wunsch Indianer zu werden”.

Das hat aber die Referentin Barbara Berendt-Metzner vergessen, wie Peter Henisch montierte, weil das sein Lieblingsroman ist.

Dann bin ich gegangen, um einige Stunden zu machen und dann hat Batya Horn, die mir ja einige Rezensionsexemplare geben wollte, zu einer Gedenkveanstaltung bezüglich Reinald Deppe eingeladen, den ich ja öfter bei einigen Veranstaltungeen spielen hörte, der in ihrer Galerie auch eine Ausstellung hatte.

Am Freitag hat dann zuerst der “Ritter-Lektor” Paul Pechmann erklärt, warum Peter Henisch zur Beatgeneration gehört und dann ging es wieder zu den Romanen.

Da gab es ja einen über E.T.A.Hoffmann von dem ich ja auch eine Fanin bin. Dann ging es zu dem “Jahrhundertroman”, den ich noch lesen muß und da geht es um einen Buchhändler, der einen solchen schreiben will, aber die Studentin der ihn abtippen soll, bringt das Manuskript durcheinander.

Nach der Mittagspause, die ich mit dem Alfred in einem griechischen Restaurant neben dem Cafe Museum verbrachte, gab es drei Referate über die “Kleine Figur”, den wohl berühmtesten Henisch-Roman. Dann ist pötzlich die Ruth aufgetaucht, die sich in Luxemburg den Arm gebrochen hat und dann kam wahrscheinlich das Highlight des Symposium nämlich ein Blues Konzert mit Peter Henisch, da bin ich aber weggegangen, weil ich mit dem Alfred zum Auftakt des Auden-Festival ins Schloß Totzenbach gefahren bin

Doppler

Jetzt kommt (schon?) Buch vier der deutschen Longlist und das erste auf der Öst Debut Thomas Olah “Doppler” und das Debut des1966 in Wien geborenen Kostümdesigners mit der charakteristischen runden Brille wurde, glaube ich, hochgelobt.

Eine Enladung zu einer Präsentation lag lange auf meinen Schreibtisch, hat mich doch “Müry Salzmann”, nachdem ich den “Gegenkannon” angefragt habe, dazu eingeladen und jetzt die Longlist, die Shortlist ist es nicht geworden. Der Debutpreis kann noch kommen und als ich das erste Mal über das Buch gehört habe, habe ich mir gedacht, das ist ein neuer Frankenstein Roman und an Raphaela Edelbauers Debut gedacht. Josef Winkler, Thomas Bernhard, könnte einer dazu einfallen und auf eine andere Art und Weise aber äußerst interessant Birgit Birnbachers “Wovon wir leben”, denn da gibt es Ähnlichkeiten, wenn auch auf eine andere Art und Weise geschrieben.

Der Kostümbildner der sich auch historisch gut auszukennen scheint, versucht sich, glaube ich, in alter Tradition mit dem österreichischen Anti-Heimatroman und es beginnt wirklich sehr beeindruckend mit dem Autounfall, den der namenloser Erzähler, ein Kind, der junge Olah vielleicht, erlebt.

Die Eltern schreien, die Polizei kommt, der Bruder stellt sich tot und der Kleine kommt in ein Spital und später zu den Großeltern, Vater und Mutter genannt in ein Provinzdorf namens Frankenhayn, wo man in Sarkophagähnlichen Betten schläft und der Kleine immer Angst hat in die Ritze zu fallen. Es gibt zwei Cousins, und eine Cousine. Am Sonntag geht man in die Kirche, es wird geschlachtet, dem Pfarrer unter den Rock geschaut und natürlich immer und ewig Dopler getrunken. Erinnern wir uns, das war der billige Wein in zwei Liter Flaschen, den es glaube ich, nicht mehr gibt und so wird ein Dorf ein den Siebzigerjahren beschrieben, wo es im Wirtshaus nur Braten und Kartoffel oder Erdäpfelsalat gibt und natürlich gesoffen bis zum Unfallen wird.

Die Buben versuchen auszubrechen. Da gibt es außer die, wo sie dem Pfarrer unterm Rock schauen wollen, einige skurrille Szenen mit dem Traktor. In die Nazi-Vergangenheit geht es auch und am Schluß kehrt die Mutti zurück und alles wird gut oder höchstwahrscheinlich natürlich nicht.

Ein bißchen verwirrt haben mich die drei Einschübe, wo von drei Forschern darunter Christian Doppler berichtet wird, da gibt es dann auch die Brille zu sehen. Den Zusammenhang, was das eine mit dem anderen zu tun hat, habe ich nicht verstanden und spannend ist, daß ich knapp vorher ja Birgit Birnbacher gelesen habe, die ja offenbar auch in den Siebziger Jahren in einem österreichischen Dorf aufgewachsen ist und deren Krankenschwester auch dorthin zurückfährt und da gibt es auch einen Wirten und die Arbeitslosen, die ständig dort sitzen und es gibt nur Braten und Salat aus der Dose. Die Frauen werden wahrscheinlich hier und dort “Weiberleut” genannt und unterdrückt. Sie tragen Kopftücher und gehen in die Kirche, aber Birgit Birnbacher, die ja auch sehr experimentell angefangen hat, erzählt das Ganze viel realistischer, was mir ganz ehrlich besser gefällt, als Thomas Olah, der es mit dem österreichischenen Antiheimatroman a la Bernhard, Josef Winkler, etcetera probiert.

Begabte Bäume

Buch vier der Öst die ich ja heuer größtenteils vor der dBp lese, ist wahrscheinlich das künstlerisch anspruchsvolle Außerseiterbuch. Auf der Öst gibt es ja zum Gegensatz zum deutschen Buchpreis nicht nur Romane, sondern auch Essays, Lyrik, etcetera und heuer pünktlich oder besser etwas verspätet zum achtzigsten Geburtstag Bodo Hells “Begabte Bäume” aus dem kleinen aber feinen “Droschl-Verlag” und der im März 1943 in Salzburg geborene und in Wien bzw. auf einer Alm in Dachsteinnäche lebende Bodo Hell ist sicher ein Doyen der österreichichen experimentellen Gegenwartsliteratur. Ein Weggefährte Friederike Mayröckers könnte man so sagen, aktiv in der “Schule für Dichtung und der “Hochschule für Sprachkunst”, wo es, glaube ich, eigene Dachstein-Klassen gab.

Gelesen habe ich noch nichts von ihm, habe ihn aber, der sogar beim “Bachmann-Preis” gewonnen hat, bei verschiedenen Veranstaltungen gesehen, der mit seinem Käppchen und seiner Maultrommel nicht zu übersehen ist und jetzt hinein in das “Baumalphabet” zu dem Linda Wolfsgruber schöne Illustrationen geliefert hat.

So beginnt es mit dem “Ahorn”, mit dessen Saft man sich ja sein Müsli süßen und es als Zuckerersatz nützen kann. In Dachsteinähe gibt es wahrscheinlich einen Ahornkar und einen Ahornsee und da sind wir während wir uns mit Bodo Hell auf eine Bergtour machen, auch schon bei den Sagen über die er uns Auskunft gibt.

Dann gehts zum “Baum der Erkenntnis” , der nach jüdischer Auffassung ein Weinstock war. Hier werden Adam und Eva und auch Noah zitiert, sowie aus der Bibel “Ich bin der Weinstock ihr seid die Reben” und Mystikerinnen, wie Mechthild von Magdeburg, Teresa von Avila und die berühmte Hildegard von Bingen werden auch zitiert. Aber auch der griechische Gott Dionysos und der Winzer Ikarios haben sich mit dem Weinstock und den Reben beschäftigt, so daß man nur “Prost, wohl bekomms!”, sagen kann, bevor es mit der “Berberitze” weitergeht, die sowohl für den usbekischen Pilaw als auch für iranische Reisgerichte verwendet wird.

Dann kommen wir schon zur “Birke”:, Hänge-Zwerg-Sumpf und niedrige schwarze vor allem aber weiße Birke” und ein “Bretterzeilengedicht” in der berühmten Hellschen Tonart gibt es auch:” (der Wald) sehr warm kühl kalt, Sumpfwald, Jungwald, Gemeindewald, Hegewald”, etcetera, wo sich Hell in verschiedenen graphischen Ausformungen mit diesem Thema beschäftigt und dann kommen wir über die “Rotbuche” für mich natürlich besonders interessant, zum “Von Bäumen zerissenen Corona”: “Donna Belladonna Madonna Primadonna Corona, die hl. Corona ist traditionell die fürs Geld und für den Lottogewinn zuständige Fürbittergestalt”, das haben wir in den Pandemiezeiten zwar anders serviert bekommen, es ist aber sicher heilsam mit der Hellschen Diktion in die Poesie abzugleiten.

Von der “Eibe” und der “Eiche” geht es dann zum Erzherzog Johann, der ja auch in der Dachsteinregion residierte und seine Nannerl heiratete, sicher auch ein wichtiger Punkt in der Naturbetrachtung und im historischen Geschehen.

Das (weibliche) “Hollerauge” gibt es auch und da kommen wir ins Pielachtal und an die Traisen, wo ich ja fast zu Hause bin, beziehungsweise radfahre und dann zum Holz, zum Holzfällen, aber nicht zu Thomas Bernhard, sondern zu den Unfällen vor denen mn sich schützen muß, um nicht verletzt zu werden und dann natürlich zur “Holzverarbeitung”.

Dann beschäftigt Hell sich mit der “Huderpfanne Badewanne” beziehungsweise mit der “Auerhahnbalz”, die Ende April in der Weststeiermark stattfindet und wir kommen schon zu einer anderen Weggefährtin, nämlich der 2016 verstorbenen Ilse Aichinger, die mit ihrem Mann Günther und Sohn Clemens und Tochter Miriam jahrelang in der Villa Cioppi-Puhr in Großmain lebte. Da gibt es den vier Seiten langen Text “In das Land Salzburg ziehen” und andere Veröffentlichungen, die Hell zitiert und sicher lesenswert sind und dann kann man sich mit den Wortschöpfungen, die von der Natur zu der Kultur hinüberziehen bechäftigen: PFERDENATUR, AUSNAHMENATUR, FROSCHNATUR, etcetera bis zur REPARATUR, ABITUR, GARNITUR und von der SPRECHKULTUR zur REINKUTUR und UNKULTUR. Man sieht wie auch in früheren Texten Bode Hell ist ein wahrer Wortsammler und Sprachaktrobat.

Dann gehts zur “Kaiserbuche” am “Haunsberg”, wo es den “Wilden Mann” gab und zu den “Kastienrezepten” von Hildegard von Bingen, die bis ins Tessins reichen.

Aber auch den “Waldkauz in Warteposition” gibt es: “Schutz,Schmutz, Nichtsnutz, Aufputz, Liegestütz” bis wir dann zur “Kiefer” kommen.

Aber auch den “Kümmernis-Kommentar” gibt es bei den K-Worten und das “Kümmernis-Lied”: “o hl. Frau Kümmernis wie schön gewandet stehtst du da/ samt deinen güldnen Schuhen/ die Hände flach ans Holz gespießt/ hast keine Zeit zum ruhen”, wird da gereimt.

Dann gehts über die “Lärche” aus deren Holz es in der evangelischen Gemeinde Ramsau, einen “lärchernen Brunnentrog” gibt, den schon Martin Luther gesehen hätte können, zur “Latsche” durch die ich mich ja immer kämpfe, wenn ich mit dem Alfred auf den Göller gehe, die auch als Brennholz in diversen Hütten genützt wird und da gibt es Schilder, die die Wanderer bitten, das Holz hinaufzutragen: “BITT KNÜTT HÜTT” steht da besipielsweise geschrieben, ob da vielleicht Ernst Jandl unterwegs war, will Bodo Hell wissen.

Die “Linde” gibt es auch. Sprich Gerlinde, Herlinde, Sieglinde, aber auch die Linde Waber eine Künstlerin aus Zwettl, die glaube ich auch GAV-Mitglied ist und natürlich auch die, unter der Franz Schubert vielleicht einmal “Am Brunnen vor dem Tore” komponierte. “Linde tröstet Schubert” schreibt dazu Bodo Hell.

“Mammutbäume” gibt es in Göttweig und im Innviertel den “Sauwald”. Da gibts die “Sauwald-Erdäpfel”, das “Inntönefestival” und die “Sauwald-Bilder”.

Dann gehts zum “Tannenbaum” wo sich Hell fragt, woher die “Blätter” stammen, der auch ein “Vierundzwanzig Gräben-Räsel” anzubieten hat.

Es gibt die “Ulme” und das “Walcholder-Zweiglein”, die Weide” und dann, bevor wir zum Zirbenschnaps und dessen Rezeptur kommen, natürlich den “Wienerwald” beziehungsweise aus den “Geschichten” daraus. Das Sozialdrama von Ödon von Horvath aus den Neunzehndreißigerjahren und sein Autor kann ich oder Bodo Hell noch anmerken, von einem Ast auf der Champ d`Elysse erschlagen wurde.

Und so sind wir durch durch das Alphabet der “Begabten Bäume”, ein interessantes Buch in dem man in der Hellschen schönen Sprache viel über die Natur und die wahrscheinlich ebenfalls begabten experimentellen Dichter und Dichterinnen dieses Landes erfährt.

Bin gespannt, ob es auf die Shortlist kommt. Wäre sicher zu empfehlen, den Doyen der experimentellen Gegenwartliteratur ein bißchen in den Mainstream zu bringen.

Ermordet oder vertrieben

Irgendwann, wahrscheinich in der “Gesellschaft für Literatur” habe ich eine Karte mit dreiundzwanzig Autorenportraits gefunden, die auf eine Ausstellungseröffnung in der VHS Hietzing hinwies, die auf die im zweiten Weltkrieg ermordeten oder vertriebene Schriftsteller hinwies.

Und zu sehen waren bekannte Namen wie Hermann Broch, Elias Canetti, Hans Flesch-Brunningen, Alma Johanna Koenig, Theodor Kramer, Joe Lederer, Robert Musil, Hertha Pauli, Friedrich Torberg, Paul Zsolnay, Bertha Zuckerkandl und Stefan Zweig.

Das klang natürlich interessant, die VHS-Hietzing ist aber etwas weit, seit Corona und der Straßenbahnmaskenpflichtre habe ich ja die entfernten Lokalitäten eher gemieden und außerdem wollte ich heute eigentlich in eine Info Veranstaltung der Grünen um mit Sigrid Maurer zu diskutieren. Dann war es dort schon ausgebucht und ich hatte auch noch eine fünf Uhr Stunden und die grünen Veranstaltung wäre um sechs gewesen. Also doch in die Hofwiesengasse, aber auf der Karte stand etwas von Hetzinger Kai 131. Ist die VHS umgezogen? Nachgegooglet und ein Gebäude gesehen, daß ich von unserer Harland nach Wien Fahrten kannte, zwischen Ober und Unter St. Veit gelegen. Also dort hinausmarschiert. Bis Hietzing, die letzten zwei Stationen gefahren und dann die Nummer 131 nicht gefunden.

Bis ich es endlich hatte, war es schon halb acht und dann war ich auf einen Gang, wo zwar ein paar Leute standen, ein paar Plakate hingen und ein paar Weinflaschen herumstanden. Die Erfönung war offenbar schon aus und auf den Plakaten las ich außer Alma Johanna Koenig lauter unbekannte Namen. Von einer Rose Silberer zwar vielleicht schon etwas gehört, von einem Alfred Grünwald vielleicht auch, bei Josef Hupka und Erwin Weill muß ich aber passen und dann waren es nur etwa sieben Tafeln, wo blieben die anderen?

Das zuerst Evelyn Adunka gefragt, dann Robert Streibel den Kurator, die mir erklärten, daß die Sieben nur die von den Nazi ermordeten wären. Eine etwas mickrige Ausstellung könnte man also sagen und die VHS ist auf den Hietzinger Kai übersiedelt weil das alte Haus renoviert wird und außer zwei Mappen, wo man Informationen über die Ausgestellten finden konnte, gab es noch ein paar offene Bücherregale und da lese und staune den Clemens J. Setz “Monde vor der Landung”, dem doppelten Buchpreisnomierten.

Das Buch habe ich zwar schon gelesen, aber von “Suhrkamp” nur als E -Pub bekommen. Also ein kleines Trostpflaster und jetzt kann ich auf eigene Faust über die Vertriebenen recherschieren, von denen ich schon einiges gelesen habe. Von neunundvierzig Exilautoren ist etwas auf einen der Plakate gestanden und mir fielen noch einige andere wie Oskar Jan Tauschinski, Hilde Spiel und einige andere ein.

Und noch etwas habe ich Robert Streibel gefragt, als ich mir die paar Ausstellungsbilder noch einmal angeschaut habe, wo Else Feldmann fehlte und die wurde auch in Sobibor ermordet, war aber wahrscheinlich, wie Evelyn Adunka mir erkärte, wahrscheinlich kein PEN-Mitglied, weil ja eine Sozialistin, aber trotzdem wichtig sich an sie zu erinnern.

Ich schlage sie ja immer Julia Danielcyck für die Autorinnen feiern Autorinnen-Reihe vor und wer jetzt neugierig geworden ist, die kleine Ausstellung ist noch bis fünfzehnten Dezember in der VHS zu sehen und der Eingang füge ich für die Suchenden an, befindet sich gleich neben dem Diagnosezentrum und ist nicht sehr deutlich angeschrieben.

Wovon wir leben

Jetzt kommt schon Buch drei der österreichischen Longlist, wobei das schon etwas übertrieben ist, denn ich bin zu meinen neunten deutschen Buchpreislesen, da wir ja bis Ende August in Frankreich war, nicht gekommen. Auch da drei Bücher schon vorher gelesen und seither nur den Olah begonnen, denn es waren noch ein paar andere Bücher zu lesen und die österreichische Longlist wurde schon ein paar Tage später bekanntgegeben und diese Bücher früher als die deutschen auf der Netgalley, wo man ja die Bücher im PDF haben kann, zu bekommen.

Also diesmal etwas anderes, diesmal zuerst die Öst und dann erst die deutsche dBp lesen und da gleich, weil mir Susanne Rössler das PDF schickte mit Birgit Birnbachers “Wovon wir leben” begonnen und das ist ein Buch von dem ich schon gehört habe.

Nämlich bei “Buch und Wein” und bei den “O-Tönen” und die 1985 in Schwarzach im Pongau geborene Birigit Birnbacher habe ich durch ihr “Wir ohne Wal”,, ein Erzählband oder Roman der mich durch seine wechselnden Perspektiven überfordert hat, kennengelernt.

2019 hat sie mit der Erzählung “Der Schrank” gewonnen, da wurde dann auch darüber gesprochen, daß die Erzählerin Soziloogin und Sozialarbeiterin ist oder war und in der Corona -Zeit ist der zweite Roman “Ich an meiner Seite”, wo es um einen straffällig gewordenen Jugendlichen geht, erschienen, den habe ich auch bei den “O-Tönen ” hinten stehen oder sitzend gehört und auf der Longlist ist er auch gestanden.

Also von dem Buch und der etwas schnippischen Art , wie Birgit Birnbacher im MQ Klaus Kastberger konterte, voreingenommen und jetzt bin ich etwas ratlos, denn es passiert in dem eigentlich eher schmalen Buch sehr viel, aber da ist jetzt nicht die kunstvolle Sprache, wie meistens, wenn ich das schreibe, gemeint, sondern der Inhalt, der ein sehr sehr realistischer, wenn auch sehr widersprüchiger ist und dann auch wieder surrealistische Elemente hat.

Das Ganze spielt im Innergebirg, wo Thomas Bernhard, glaube ich, auch eine Anspielung seinen “Frost” geschrieben hat oder davon inspiriert wurde und die Heldin ist Julia Noch, eine Krankenschwester, achtunddreißig Jahre alt, die aus dem Innergebirg geflohen und, als Krankenschwester in die Stadt gegangen ist, ein Beruf, den sie vielleicht auch nicht ganz freiwillig wählte, weil das Pflegen ja die Profession der Frau ist und jetzt wurde sie entlassen und fährt wieder in das Heimatdorf, um sich von der Familie pflegen zu lassen, weil ihr ein Kunstfehler passierte und wieder widersprüchig oder zu dick aufgetragen, sie ist selbst krank.

Leidet an Asthma, hat Atmnot und in den Dorf ist auch nichts in Ordnung. Der Vater in Frühpension, ein Hypochonder, die Mutter hat ihn verlassen und ist nach Sizilien geflüchtet, der Bruder ist durch einen Kunstfehler des betrunkenen Betriebsartzes schon lang ein Pflegfall und die zwei Fabriken haben auch schon zugesperrt, so daß alle Männer entlassen worden und schon des Morgens im Wirtshaus sitzen. Der Wirt ist ein tyrannischer Typ und hat eine Ziege verspielt, die Elise heißt und nun bei einem Anitquar haust und ständig schreit, so daß sich Julia, die kranke Krankenschwester auch um sie kümmern soll?

Man sieht die Metaphernvielfalt, das ist vielleicht auch eine Kritik an dem Buch, daß es zu “perfekt konstruiert wurde” und dann lernt Julia noch den Städter kennen. Der ist auch krank, hatte einen Herzinfrakt und soll sich nun erholen. Er hat für ein Jahr ein Grundgehalt gewonnen, wofür ihn Julia neidisch ist, denn sie weiß nicht, was sie jetzt machen und wie sie weiterleben soll?

Die Freundin Bea, eine Architektin, rät ihr, sich als technische Zeichnerin ausbilden zu lassen und der tyrannische Wirt, der auch aussteigen will, zwingt den Städter um sein Wirtshaus zu spielen und läßt ihm offenbar bewußt gewinnen. Der revnoviert nun das baufällige Haus mit den arbeitslosen Männern. Sie finden dabei ein totes Pferd, der Grund des Schreien der Ziege und der Vater versucht zu verhindern, daß ihm Julia wieder verläßt, in dem er sich am Bein verletzt.

Ein offenes Ende? Wird sie bleiben, wird sie gehen? Die Mutter ist auch zurckgekommen und das Buch bietet auch wirklich Grund über den Sinn des Lebens oder “Wovon wir leben”, ein Titel, den ich anfangs als zu nichtssagend empfand, zu spekulieren oder eigentlich sollten wir es “wofür? nennen.

Denn man kann sich in der Stadt als Krankenschwester, wo man alles dokumentieren muß und zuwenig Zeit hat überfordern, selbst krank werden und Kunstfehler begehen. Man kann auch in das Heimatdorf zurückkehren und seine Erfüllung in der Carearbeit finden. Den Vater pflegen, der Bruder blüht dabei offenbar auch auf und mit dem Städter das Wirtshaus neu aufbauen und alles selbst bestimmen. Geht auch nicht, weil das heute ja als kitschig und als sozial nicht erwünscht gilt und da sind auch noch die Traumen der Kindheit, die eine daran hindern können?

Interessant, interessant, was man alles und dann auch noch in einer sehr realistischen Sprache, was mir ja sehr gefällt, ausdrücken und sich vielleicht auch noch darüber lustig machen kann?

Man kann natürlich auch fragen, wieviel Autobiografisches dabei zu finden ist? Birigit Birnbacher deutet in den Interviews, die ich mir während des Lesens angeschaut habe, einiges an. Sehr widerspüchig, sehr viel Inhalt und eigentlich ein beeindruckendes Buch. Mal sehen, ob es auf die Shortlist kommt? Nachdem was ich bei den Kritikern finde, würde ich es fast vermuten und wäre auch damit einverstanden, obwohl ich ja noch sieben andere Östlist Bücher zu lesen habe.

Kleine Vorschau auf Frankfurt

Heute kam eine Einladung zur Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse, die Anfang Oktober stattfinden wird und Slowenien als Gastland hat und da gab es in der “Alten Schmiede” einen slowenischen Abend, haben doch der 1963 in Ljubiana geborene Andrej Blatnik und der 1980 ebendort geborene Goran Vojnovic, den ich, glaube ich schon in der “Gesellschaft” gestreamt habe, ihre neuen Bücher vorgestellt.

Walter Famler hat moderiert und die Texte auf Deutsch gelesen, Marjeta Wakounig hat gedolmetscht und die beiden Romane klingen interessant und haben einen politischen Aspekt. Zumindest, der von Andrej Blatnik “Platz der Befreiung”, der auch Platz der Revolution” und Konressplatz hieß, sich Ljubiana befindet und da hat der namenlose Protagonist an einer Demonstration teilgenommen und da werden nun die Veränderungen beschrieben, die es seither gegeben hat.

Andrej Blatnik, der gut Deutsch zu verstehen und wahrscheinlich auch zu sprechen scheint, hat ein Stück auf Slowenisch gelesen, dann wie schon erwähnt Walter Famler ,den deutschen Text, beide Bücher sind bei “Folio” erschienen und beeindruckt hat mich der Satz, daß da ein Mächtiger eine Fabrik besucht, den Arbeiter fragt, wieviel Stücke er erzeugen kann und mit der Antwort nicht zufrieden ist, denn er würde es schneller können. Ja, sagt der Arbeiter, Sie sind auch Schlosser, ich Professor der Politikwissenschaft.

Das zweite Buch “18 Kilometer bis Ljubana” ist wahrscheinlich auch sehr politisch und da ist der Held Marko schon aus dem Vorläuferbuch “Tschefuren raus! Oder warum ich wiedermal zu Fuß in den zehnten Stock mußte” bekannt. Denn der kehrt jetzt von der bosnischen Provinz in seine slowenische Heimat zurck, wo er merkt, daß die Wände den Aufzügen inzwischen nicht mehr so verschmiert, wie sie es waren, sind und der Titel dürfte sich darauf beziehen, daß er die Rückkehr auf mehr oder weniger legaler Weise mit einen LKW macht und da nicht weiß ob er vielleicht Afghanen schmuggelt und am Ende war es wahrscheinlich nur Schweinefleisch.

Goran Vojnovic schildert das in einen sehr drastischen Ton, was das slowenisch sprechende Publikum zum Lachen brachte und in der Diskussion erklärte Goran Volnovic seine Ähnlichkeiten und Unterschiede zu seinem Helden, denn der Autor ist ja bekanntlich nicht seine Hauptfigur. Über die politische Correktness und ob man die jetzt in den Romanen unbedingt haben muß, wurde auch diskutiert, die Antwort war natürlich nein, obwohl Walter Famler vermutete, daß sich die slowenischen Feministinnen wahrscheinlich schwer mit dem Buch tun würden.

Nachher gab es ein Gläschen slowenischen Weißwein, der von irgendwem gespendet wurde. Annemarie Türk habe ich im Publikum gesehen, von den anderen habe ich niemanden gekannt.

Trotzdem war es ein interessanter Abend und eine Vorschau auf Frankfurt, wohin ich ja nicht fahre, aber einen kleinen Einblick in die slowenische Literatur und ihre Neuerscheinungen zu bekommen, kann nicht schaden, obwohl ich mit meinen dreifachen Buchpreislesen derzeit so beschäftigt bin, daß ich die höchstwahrscheinlich gar nicht lesen kann.

Der Verklärte

Ehe ich mit dem Buchpreis lesen anfange und da kommt heuer zuerst die Öst daran, weil diese Bücher früher als die Deutschen auf der Netgalley erhältlich waren, kommt ein österreichisches Schmankerl, hat mir doch der liebe Dietmar Füssel von dem ich viel aber nicht alles gelesen habe, sein neuestes Werk geschickt.

Der “Verklärte” heißt es. Am blauen Cover ist ein weiß gekleideter Füssel mit Flügel zu sehen und das ganze im “Lilium-Verlag” erschienene Büchlein ist nur zweiundsechzig Seiten dick, also auch nicht länger, als mein “Ukraine-Blues” der sich derzeit in der Druckerei befindet, vielleicht sogar kürzer und der 1958 in Wels geborene Dietmar Füssel ist bekannt für seine skurillen Texte.

“Ein schräger Autor!”, hat es, glaube ich, einmal eine Kommentiererin genannt und am Buchrücken nicht am Klappentext, den gibt es in dem Buch ohne Schutzumschlag nicht, steht “Gibt es ein Leben nach dem Tod?”

Eine Frage, die Dietmar Füssel oder Didi F. der erfolglose Schriftsteller, höchstwahrscheinlich nicht beantworten kann, aber ein guter Grund seine Fantasie damit zu beschäftigen und ein (kurzes) Buch darüber zu schreiben.

Da ist also Didi F. ,der erfolglose Schriftsteller, während des Lesens dachte ich noch, welch ein unprägnanter Name, als ich dann die Bibiografie ergooglet habe, leider gibt es die nicht in dem Buch, habe ich kapiert, daß das die Abkürzung von Dietmar Füssel ist und der geht spazieren. Dabei malt er sich, wie ich das auch manchmal zum Leidwesen meiner Kritiker tue, aus, daß er den Nobelpreis bekommt.

Dann würden sich die Verlage, um seine Bücher reißen und er ihnen schreiben, daß er ihnen absagen würde “weil meine Texte nicht in das stinklangweilige Programm Ihres ignoraten Scheißverlags…” weiter kommt er mit seiner Schimpferei nicht, denn er schaut nicht nach links und rechts in seiner Wut und wird von einem Auto durch die Luft geschleudert. Der Fahrer ein Politiker begeht Fahrerflucht, man sieht wieder Füssels Ironie und Didi steht plötzlich neben sich und hat seinen Schutzengel an seiner Seite, der sich als ziemlich unfreundlich und ruppig erweist und Didi drängt sich auf den Weg in den Himmel zu machen, weil er endlich wieder Wolkenbillard spielen will und der scheint irgendwie ähnlich wie das soziale Kreditsystem in China zu funktionieren.

Man muß endlos Schlange stehen, bis man endlich einem Petrus ähnlichen Portier gegenübersteht und dann muß man sich für seine Gerichtsverhandlung wappnen. Denn alle Sünden müssen aufgearbeitet werden und die waren zahlreich.

Hat man doch in seinem Leben unzählige Spinnen, Insekten und vielleicht sogar Mäuse getötet. Bei Didi F. war es eine Maus, die er in keine Lebendfalle steckte. also wird er als Maus, um zu sühnen wieder auf die Welt geschickt und dann soll, er das als Steckmücke gleich 2 317 Mal tun.

Da begehrt er auf und fragt den Richter, was das soll? Denn er hat einen getroffen, der als Mamut büssen soll. Nur leider gibt es keine solchen mehr und eine Sexarbeiterin, die von einem <kunden erwürgt wurde, muß sich als Spinne bewähren.

“Gibt es keine Gerechtigkeit?”, will er vom Richter wissen und dann endet das Buch, wieder typisch für Dietmar Füssel, in einem philosophischen Diskurs, das alles ohnehin sinnlos ist, beziehungsweise mit einem Selbstgeprächs des lieben Gotts, das “Nächster Fall”, lautet.

Ein interessantes dünnes Büchlein ,des Vielschreibers, der wahrscheinlich ähnlich wie ich, schon sechzig oder mehr Pulikationen aufzuweisen hat und so erfolglos würde ich vermuten, ist er gar nicht, sondern sehr fleißig und auch politisch sehr aktiv und ähnlich, wie ich, auch Corona kritisch eingestellt, wofür er leider beim letzten “Tag der Freiheit des Wortes” ausgebuht wurde, denn auch das hat sich in der letzten Zeit leider geändert, daß man seine Meinung nicht mehr überall frei äußern kann.

Ins Open House

Ich kenne das “Writersstudio”, das jetzt schon sein einundzwanzigjähriges Bestehen, feiert, schon sehr lang. Ich glaube daß Judith Wolfgruber die damals vielleicht noch Huber hieß ihr “Freischreiben-Buch”, wo sie die Schreibblokaden von Studenten lösen wollte, in der SFU vorstellte und ich war dann, weil mich das Thema “Schreiben lernen”, das man als ich zu schreiben begann, ja noch nicht so konnte, zweimal im Studio in der Kaiserstraße und dann bei der großen Eröffnung im neunten Bezirk.

Da gab es die ersten Gratisworkshops mit damals noch drei Trainerinnen und ich bin regelmäßig Jahr für Jahr hingegangen und habe auch irgendwann angefangen, Szenen für meine jeweiligen Work on Progess in den Miniworkshops zu schreiben.

2019 habe ich, glaube ich, ausgelassen, weil wir in Harland und da wie ich mich erinnern kann mit der Schwiegergmuter und der Betreuerin auf der Rudolfshöhe essen waren, dann kam Corona und das Writersstudio hat seine Veranstaltungen per Zoom angebotenund ist inzwischen auch in den fünften Bezirk gewechselt. Da gab es im Vorjahr ein großes Eröffnungsfest und heuer wieder an zwei Tagen Gratisworkshop und man kann staunen, daß sich das “Writersstudio”, wie auch Jurenka Jurk mit ihrer Romanschule weiterentwickelt und inzwischen viele Trainerinnen hat die Workshops leiten.

Früher ging es ja um das “Freischreiben” und Ana Znidar hat einen Shortstory -Kurs angehobten. Jetzt wird zwischen “Text know how für Angesellte und Selbständige” und den Lehrgängen “Passion Writing” und Memoir Book” unterschieden, die in den zwei Räumen, die es in dem neuen Studio gibt, parallel angeboten und per “Zoom” kann man auch daran teilnehmen, was sozusagen das Corona Erbe ist.

Ich habe mich weil ich ja offenbar eine “Passion Writerin” bin für das literarische Schreiben entschieden und da begann es am Freitag wieder mit dem “Feministischen Schreiben” was das ist, habe ich noch immer nicht ganz verstanden, aber, wie, ich glaube, ein recht perfektes “Freewriting” hinbekommen, das mit den Sätzen “Als Feministin geht es mir in Zeiten wie diesen gar nicht gut”, begann, wo ich mich mit den Veränderungen des Feminismus, seit Ruth Aspöck die Auf gründete und der Wiener Frauenverlag” inzwischen “Milena” heißt und auch Männer verlegt, beschäftigte.

Dann ging des mit der “Flash Fiction” weiter und da wurde dieselbe Geschichte ausgeteilt, die man kürzen sollte. Da habe ich es ja schon im Vorjahr auf vierzehn Wörter, glaube ich, gebracht und durfte den Text vorlesen. Diesmal habe ich ihn, glaube ich, etwas abgeändert, hatte nun neun Worte und ihn auf “Mißverständis: Max findet Danas Handy und alles wird gut”, gekürzt und einer fragte mich, damit gemeint wäre, während Daniela Reiter, die Feminismus Workshopleiterin, die bei den anderen Webinaren teilnahm, die Überschrift gutfand.

Dann kam Marcus Fischer, der ja sein Debut im Vorjahr bei den “O-Tönen” ,vorstellte und, glaube ich, einmal den Fm4 Wettbewerb gewonnen hat und der jetzt einen literarischen Romanworkshop anbietet. Da habe ich dann schon an meiner “Stalking Geschichte” geschrieben und meine Laura den Serverin wieder in der U-Bahn treffen lassen und dann kam Johanna Vredal, bei der ich auch schon geschnuppert habe, die es diesmal erotisch haben wollte, in die “Zona rosa” bat, wo aber nur Frauen teilnehmen durften und begeistert vom erotischen Schreiben sprach. Da hatte ich schon meine Zweifel, ob ich es wirklich so erotisch haben will und das “Erotik-Alphabet”, das man aufstellen sollte, enthielt bei mir auch ziemlich Negative Ausdrücke, wie “Gewalt” und “Traumatisierung”. Dann sollte man sich drei Worte aussuchen und einen Katlogeintrag darüber schreiben. Ich wählte den “Busen”, den “Penis” und die “Pornographie”, tat mir etwas schwer dabei, bis mir eingefallen ist, daß der Lebensgefährte von Lauras Mutter, der diese in den Lockdown-Zeiten immer begehrlich ansieht und mit seinen Händen an ihr herumgrapscht, sie zur Mitarbeit an diesem Lexikon auffordern kännte. Da war mein Text dann auch noch ziemlich wirr, so daß ich ihn nicht vorlesen wollte, was ich sonst immer gern tue, das aber auch bei der Laura Geschichte verweigerte und nur darüber erzählte, weil ich nicht sicher war, ob ich, weil ich ja sehr schnell und viel schrieb, das alles auch ohne stottern lesen könnte und dann gings vom der “Fantasy zum Liebesroman” und zu Michaela Muschitz, die das Schreiben von Unterhaltungsromanen anbietet und per “Zoom” zugeschaltet war.

Da wurde dann, was mich auch interessiert, gefragt, was den literarischen Roman, den ich ja immer schreiben will, vom Genre unterscheidet, was die Jurenka Jurk anbietet, die Antwort war, daß die Sprache bei der Literatur besser ist.

Ob das wirklich so stimmt, bin ich nicht ganz sicher, habe aber wieder in meiner Laura gewerkelt, beziehungsweise mir als Ort für meine Geschichte, die Stadt Wien ausgesucht, also ein Großstadtroman, während die anderen, glaube ich, auch an Höhlen und Wüsten dachten und dann als Ort, den man beschreiben sollte, wieder die U- Bahn ausgedacht, mit der Laura, nachdem sie von ihrem Vorstellungsgespräch kommt, fährt.

Das wars dann für den Freitag und am Samstag ist es um neun gleich mit fünf neuen literarischen Workshops weitergegangen und da hat Judith Wolfsberger, die Gründerin des Studios, die sich jetzt Direktorin nennt und das Studio “Institut für Schreibkompetenz” und “Neue Schule des Schreibens” wieder mit dem “Personal Essay”, der ihr ja sehr am Herzen liegt, begonnern.

“So heiß sind Essays!”, hat sie den Workshop genannt und mit Melisa Erkurt, die im “Falter” Kolumnen schreibt begonnen, bwz. mit der Corona-Zeit, die viel verändert hat.

Das “Writersstudio” ist online gegangen und ich habe in meinen Essay versucht meine Corona-Gedankenn zu orden. Da ließe sich trotz meiner vielen Bücher ,die ich schon darüber habe, sicher noch einen ausführlichen Essay schreiben und dann kam Ana Znidnar, gleich zweimal und führte zuerst wieder in ihre “Short Story” ein und da habe ich natürlich an meiner Stalking Geschichte weitergeschrieben. Eigentlich immer die erste Szene wo die Laura vom Vorstellungsgespräch kommt, in der U-Bahn von Severin fast angesprochen wird, aussteigt und kotzt, weil sie sich an Mutters Freund erinnert, der mit ihr im Lockdown eine Sexual und sich dann mit ihrer Freundin Sandra trifft, die gerade ihr Praktikum bei der “Aktiven Zeitung” macht und mit Laura einen Corona-Comic produzieren will, weil sie sich in Clinch mit ihrem Chef Edgar Hillinger befindet, der auf der anderen Seiten mit Olga Tocarck Bridge spielt. Bei der lernt Severin Klavierspielen und die ist auch die Nachbarin von Laura, die ja inzwischen mit ihrer Schwester Maja zusammenlebt. So könnte es beginnen. Es gibt drei Handlungsstränge und, daß mir noch die nötigen Auf und abs und Konflikte fehlen, habe ich schon beim Online-Schreibseminar am Sonntag festgestellt.

Man sieht der September ist immer reich an Schreibseminaren. Den Anfang der Geschichte hätte ich jetzt und Ana Znidar ist dann in das “Memoir” schreiben eingestiegen. Da gibt es jetzt schon richtige Lehrgänge und in der Mini übung ging es um das “Show not tell”. Man sieht, es kochen alle gleich und, was mich interessierte oder wo ich ein wenig Bauchweh habe, ist ja das mit dem “Schlimmsten”, was man erlebt hat und worüber man schreiben soll.

Was passiert aber, wenn man psychisch nicht so stabil ist, die Gefühle auszuhalten, hat die Psychologin gefragt. Ana Znidar tat zuversichtlich. Jurenka Jurk hütet sich aber aus diesen Grund vor dem autobiografischen Schreiben, das ja jetzt sehr modern ist und dann wurde es wieder feministisch und das noch ein Stückchen stärker, als bei Daniela Reiter. Viel stärker, denn Ba Ossege, die aus Berlin ankam, machte einen äußerst engagierten Eindruck, den Frauen ihren weibliche Stimme zu geben. Interessant, es war ein junger Mann im Raum, sonst zu neunzig Prozent Frauen, die sich für die Webinare interessieren und Ba Ossege, die Soziologin, beschäftigt sich in ihrem Seminar mit Amanda Gorman und nennt das “Empowerment”, was mir auch viel besser als “Kulturelle Aneignung” gefällt. Nur als ich mir die Krone der “Nofretete” aufsetzen sollte, spürte ich Wiederstand. Das war die Suche nach den “Ahninnen”, den starken Frauen, die es in den Museen höchstens als Köchinnen gibt. Aber auch die Nofretete hat wahrscheinlich ihre Diener gehabt und vielleicht sogar Männer in den Krieg geschickt. An der Krone klebt Blut würde ich befürchten und das will ich nicht, habe, ich eingewendet. Bin dann zur Maria Theresia gekommen, die wahrcheinlich auch keine so besonders sympathische Frau war, dann Berta von Suttner und Marie von Ebner Eschenbach, starke Frauen, ja, aber Adelige und daher sicher priveligiert und mit Bildungschancen ausgestattet, die die Zeitgenossinnen nicht hatten, die in den Dienst geschickt und von ihren Dienstherren vergewaltigt wurden. Da ging es mir mit Else Feldmann schon besser, Rosa Luxemburg ist mir noch eingefallen,ohne über deren Charakter viel zu wissen und war bei Marlene Streeruwitz angelangt, als die Schreibübung aus war. Elfriede Jelinek könnte ich noch hinzufügen und Empowerment ist sicherlich wichtig und feminstisches Schreiben, in Zeiten, wo man sein Geschlecht jedes Jahr ändern kann, sicher auch.

Zulerzt kam noch Anna Ladurner mit dem “Ich schreiben”, wie es jetzt heißt, bei der ich schon einige Workshops machte und die immer liebevoll Zettel und Schreibübungen austeilte. Diesmal war es besonders interessant: Man sollte drei Sachen von sich erzählen von denen zwei stimmen. Da sagten die Meisten “Ich liebe Bücher, bin das und das und mag kein Reisfleisch!” Das war dann falsch und ich dachte, sage ich, ich liebe schreiben, bin Psychologin und in zwei Jurien und alle sagen dann, das dritte ist falsch. Nur leider habe ich das Falsche vergessen. Ich hätte mir einen Hund zudichten sollen und am Schluß habe ich dann noch aus einem Detail über mein leben, nämlich über die “Kickl-Demo” vor zweieinhalb Jahren geschrieben und wenn ich da ein Detail entfremde, dann wäre ich nicht über die Brücke gekommen, sondern wahrscheinlich auch auf der Suche nach dem Klo in das Versicherungsgebäude, das ja angeblich gestürmt wurde, hineingerannt.

Das wars dann. Ein Fest hat es heuer nicht gegeben. Ich muß aber sagen, die Seminare waren wirklich intensiv und werden immer intensiver. Das liegt wahrscheinlich an der Professionaltät der Trainerinnen aber auch, daß ich jetzt viel lockerer bin und ich habe mir wirklich viele Ideen für meinen neuen Roman mitgenommen, den ich jetzt noch schreiben muß, wenn ich mit dem “Tod “und dem “Utopischen Roman” fertig bin. Mal sehen ob ich damit zufrieden sein werde? Aber mir fehlt ja die Aufmerksamkeit und das Feedback, obwohl ich mich sicher immer noch um die starken Gefühle und die Konflikte herumdrücke und immer schneller fertig bin und sechzig Seiten sind halt kein Roman. Aber ich will die “Stalking Story” ohnehin im November schreiben und im nächsten Jahr höchstwahrscheinlich wieder an den Gratiswebinaren, war ja meine Schreibfortbildung ist, teilnehmen und da freue ich mich über den Beerentee und die Schokokekse, die es dort gibt, was vielleicht auch den besonderen Reiz der “Studios für Schreibkompetenz”, ausmacht.

SELBST/e

Im Literaturhaus gab es wieder eine GAV-Veranstaltung, nämlich eine Kombination der .aufzeichnungssysteme mit Jörg Piringer und die .aufzeichnungsysteme, die ich immer noch mit elffriede verbinden, werden offenbar von Hanne Römer betrieben, die einige Bücher bei “Ritter” hat. Weil ich ja von den Open house Workshops des Writersstudio gekommen bin, habe ich das Lithaus erst erreicht, als die Einleitung schon voll im Gange war und war erstaunt, daß es auf der Bühne keine Lesetische gegeben hat, sondern an der Rampe Hanne Römer und Hannes P. Wurm, der auch im Programm stand, mit einem Kind gesessen sind, das herumlief, mit einer Feder spielte, etcetera und ich lange nicht wußte, gehört das jetzt zur Performance oder nicht?

Nun habe ich nichts gegen Kinder, bin inzwischen aber ziemlich lärmempfindlich, fühle mich von Nebengeräuschen oft gestört und kann mich auch erinnern, daß sich einmal sogar die Christine Nöstinger über herumlaufende Kinder aufregte und die Anna haben sie einmal mit mir aus einer Literaturveranstaltung hinausgeschmissen.

Diesmal aaber nicht, obwohl Jörg Piringer an sein Pult gegangen ist und da an diversen Geräten hantierte, Zeichnungen zeigte und es während das Kind immer noch mit der Feder spielte, es Tonaufnahmen über die “Zeit” und das “Warten” gab.

Das Thema “Funke” wurde auch öfter erwähnt und im Programm konnte ich lesen “Wieviele selbst/e kann ein Ich entfalten, resonant, hoch empfänglich, ohne in Selbtlosigkeit zu entschwinden?”

“Aha!”, habe ich gedacht und dann waren Ton und Zeichnungen plötzlich weg und das Knd, das offenbar Kiki hieß, spielte mit Seifenblasen und einem Mkrofon, sagte öfter etwas zu seinen Papa und man konnte spekulieren, wie das nun zu den “SELBSTen” passt”,

Was ist Literatur, kann man auch fragen und wie unterscheidet sich die von der Performance?

Dann verschwand das Kind mit seinem Vater und Jörg Piringer kündete die zweite Perfomance an, die “Selbstportrait” hieß, wo er sich von einer KI zeichnen ließ, was dann nicht ganz glückte.

Hanne Römer erschien auch in der zweiten Performance und las zuerst aus ihren “Ritter-Büchern”, später aus ihrem Handy vor, aber nur, weil sie den Text noch nicht gespeichert hatte und dann hieß es plötzlich “Schluß!”.

Die Zuhörer klatschten und ich sagte Jörg Piringer dann beim Getränketisch, das ich nicht alles verstanden hätte.

“Braucht man auch nicht!”, sagte der relativ forsch und ließ mich solcherart im Regen stehen und darüber nachgrübeln welche Literatur nun im Literaturhaus auftreten darf und welche nicht, weil sie offenbar niemanden interessiert?

Und wer noch etwas von den “SELBSTen” hören will, den kann ich beruhigen, daß es davon Fortssetzungen geben wird..