Ein Hund kam in die Küche

Buch elf der deutschen Longlist ist sehr interessant, denn eine sehr leise, scheinbar leicht geschriebene Geschichte über den Holocaust oder das dritte Reich mit interessanten phantastischen Einschüben, des 1955 in Südtirol geborenen Sepp Mall, der der in Meran lebt und auch Mitglied der GAV und der IG-Autoren ist und als ich Robert Huez, ebenfalls ein Südtiroler und Literaturhausleiter, vor einiger Zeit nach der deutschen Liste fragte, sagte er mir acht Österreicher stehen darauf. Acht oder sechs? Also Clemens J. Setz, Teresa Präauer, Thomas Olah, Raphaela Edelbauer,Kathrin Röggler, Tonio Schachinger und dann noch den Südtiroler Sepp Mall und den deutschen Luca Kieser, der, glaube ich, in Wien lebt oder jedenfalls das “Institut für Sprachkunst” besuchte und “Ein Hund kam in die Küche” ist ein Buch, das ohne des Buchpreislesens wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre, was schade gewesen wäre, obwohl ich inzwischen glaube schon genug dritte Reich Romane gelesen zu haben und mich lieber an die Corona-Aufarbeitung machen will.

Aber “Ein Hund kam in die Küche” ist ein interessantes Buch, erzählt von dem kleinen Ludi, der 1942 elf ist und mit seinen Eltern und dem behinderten kleinen Bruder Hanno, der eigentlich Anton heißt, aber das nicht aussprechen kann, in dem Südtiroler Dorf oder Städtchen Mariendorf lebt und die jetzt heim ins Reich geholt werden.

Da nimmt Ludi Abschied von Katharina, der Metzgertochter, die mit ihrer Familie auch auswandert, Nein “auswandern” nicht, denn sie gehen ja als Volksdeutsche ins Reich zurück, also “wandern “und das ist schon eine der feinen Sprachspielerein, die das eigentlich im Kindermund geschriebene Buch zur Literatur machen, denn Katharina erzählt Ludi, das sie nach Vor-Adelberg gehen, wo die Kinder dann die Wortspielereien machen, ob es auch ein Hinter-Adelberg gibt.

Die Familie des Ludi geht aber zuerst nach Innsbruck und da werden sie gleich aufgefordert, den kleinen Hanno untersuchen zu lassen. Der wird dann in das St. Josef Heim gebracht, wo er angeblich gefördert wird, wird dann nach Kaufbeuren überstellt und stirbt schließlich an einer “Lungenentzündung”.

Nur das wird thematisiert, nicht mehr. Höchstens die Reaktion der Mutter, die sich dann einige Tage lang nicht mehr aus dem Bett erhebt und unbedingt von Donauobergau wieder zurück nach Südtirol will.

Das geht aber nicht so einfach und so schnell. Denn der Vater ist schon eingezogen, wurde zuerst nach Frankreich und dann nach Russland geschickt und Hanno erscheint nun Ludi in seinen Träumen, wo er sich mit ihm unterhält.

Die Mutter geht mit Ludi dann nach Flatz, einem Ort in der Nähe von Landeck, wo es zu dem berühmten Hundezitat und auch zu weiteren scheinbar naiven Wortspielereien kommt, nämlich, die Schweden oder Sudetendeutsche, denen der Hund, der in die <küche kam und schließlich begraben wird, gehört, den “Volks- oder Scheißdeutschen” und als der <krieg verloren ist, haben Ludi und seine Mutter auch keine Staatsbürgerschaft mehr. Italien haben sie verlassen, Österreich will sie nicht, das deutsche Reich gibt es nicht mehr. Die Mutter kehrt aber trotzdem nach Meran zu ihrer

Schwester und später auch in das Dorf zurück und irgenwann erscheint auch der Vater aus der Russlandgefangenschaft, erzählt von den Lagern, wo er von den deutschen Kapos schlechter, als von den Russen behandelt wird, betrinkt sich in den Wirtshäusern, weigert sich mit der Mutter im selben Zimmer zu leben und verwirrt, den inzwischen fast erwachsenen Ludi damit, daß er Hannos Tod als soziale Gerechtigkeit dafür sieht, daß er in einem russischen Dorf ein Kind erschossen hat.

Darüber kann man in Zeiten, wie diesen, wo diskutiert wird, wie weit die Israeli das Recht haben, die Palästinenser oder die Hamas zu vernichten, sehr nachdenken und weitere Symbole in dem Buch sind auch das italienische Buch. Das einzige, was der kleine Ludi besitzt, daß er vor seinem Weggang zuerst in der Schule lassen will, später aber der schwedendeutschen Indgrid mit der Narbe an der Wange schenkt und sich dann auf der Flucht zurück mit Hannos Sandalen, die sie von dem Pflegeheim zurückbekommen haben, beschwert.

Ganz leise und still, wie Sepp Mall von diesen Krieg, seinen Grausamkeiten und Traumatisierungen erzählt und dabei Naturbeschreibungen und Wortneuschöpfungen und vor allem den Kindermund bemüht.

Schade, daß das Buch nicht auf die Shortlist, gekommen ist, würde ich meinen, denn ich würde ihm, vor allem in Zeiten, wie diesen mehr, Aufmerksamkeit wünschen.

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