Maman

Jetzt kommt schon Buch achtzehn der letzten deutschen Leseliste und das fünfte Shortlistbuch “Maman” der 1944 in Chamberly geborenen Sylvie Schenk, die seit 1966 in Deutschland lebt und vor ein paar Jjahren auch beim “Bachmann-Preis”gelesen hat.

Ein Buch also, daß ich eigentlich auf meine Frankreichreise mitnehmen hätte können, wenn ich es schon gehabt hätte und auf der Rückreise lesen. Aber das habe ich da mit der Annie Ernaux getan und Sylvie Schenks Buch über ihre 1916 geborene Mutter, könnte man auch in diese Kategorie, die jetzt modern ist, einordnen.

Das eher dünne Büchlein besteht aus vielen kurzen Kapiteln, die alle eine eigene Überschrift haben. So würde ich dem Buch wieder den Romanstatus abstreiten, sondern eher in die literarischen Miniaturen- Reihe einordnen.

Es beginnt in einigen der kurzen Kapiteln mit dem Tod der Großmutter Cecile, die eine Stunde nach der Geburt ihrer Tochter Renee an den Folgen eines Kaiserschnittes gestorben ist. Sie war arm und ledig und so wurde die kleine Renee, von der man eigentlich annahn, daß sie nicht lange leben würde, zuerst in ein Waisenhaus und dann ans Land zu Kost und Pflege zu einem Bauernpaar gebracht. Dort wurde sie schlecht behandelt, von einer Kuh gebissen, so daß sie eine Narbe auf der Nase davon trug, bevor sie von einem bürgerlichen Paar adoptiert wurde, die ihr eine Puppe und einen Teddybär schenkten und sich auch sonst, vor allem die Mutter, liebevoll um sie kümmerten.

Sylvie Schenk dringt hinein in das Leben ihrer Mutter, daß sie noch nicht selbst erlebt hat, schreibt davon, daß es für die kleine schüchterne Frau, die mit zwanzig an einen Zahnarzt verheiratet wurde und sich vor dessen Sex sehr geekelt hat, obwohl sie von ihm fünf Kinder bekam, zwei Dinge sehr wichtig waren. Pünktlich zum Essen zu kommen und keine unehelichen Kinder, dann lieber abtreiben. Zwei der vier Töchter wurden aber Alleinerzieherinnen. Sylvie Schenk, die zuerst in Lyon studierte, verheiratete sich dann nach Deutschland und Maman ist mit fünfundsechzig Jahren, also noch sehr jung an einen <nNierenkrebs verstorben.

Seitensprünge oder den Verdacht dazu gab es auch. Eine Cousine erzählt Sylvie Schenk ununderbrochen davon. Es hat aber wohl einen Arnoud gegeben, einen Widerstandskämpfer, denn das war noch vor Sylvie Schenks Geburt im Jahr 1942 oder so, dem die Mutter folgen wollte und dafür sogar ihren Verlobungsring verkaufte. Der war aber schon verschwunden und so bleibt die Metapher von der Bettlerin, die irgendwo in der Nähe hauste und stank und irgendwann verschwunden war. Die Mutter hat sie Prinzessin genannt und ihr den Erlös vom Verkauf des Ringes gegeben, was sie der Tochter an ihren Sterbebett erzählte.

Ein interessantes Buch, ein Memoir würde man heute sagen, das in Episoden, Hn- und Hersprüngen vom Leben einer Mutter erzählt, wobei sich Sylvie Schenk wohl auch einiges ausgedacht haben muß, was vor ihrer Geburt geschah.

Die Möglichkeit von Glück

Jetzt kommt Buch fünfzehn des dBp, das dritte das auf der Shortlist stand und das vierte das sich mit der DDR beschäftigt.

“Die Möglichkeit des Glücks, der 1986 geborenen Anne Rabe, die sich viele als Preisträgerin wünschten und die mit ihrem Debut das Leben in der DDR und der Holocaustaufarbeitung beschäftigt und wenn man das Buch mit den drei anderen DDR-Bücher vergleicht, so denke ich, daß Angelikas Klüssendorfs Kindheitsgeschichten wohl literarischer als Anne Rabe ist. Charlotte Gneuss, die in ihrem Debut beschrieb, wie man in der DDR zur Stasi kam, wurde ja vorgeworfen, daß sie das Schnitzel nicht hautnah in der Pfanne erlebte und Terezia Mora beschreibt in ihrer “Muna”, wie die DDR ihre Heldin geschädigt hat und Anne Rabe hat ihre Heldin Stine wohl so alt wie sie sein lassen, nämlich 1986 geboren.

Also kann auch diesen Buch eine gewissen Autofiktion nicht ableugnen und diese Stine, Kind von zwei aufrechten DDR-Bürgern, kann sich wohl nicht mehr richtig an die DDR erinnern.

Jetzt ist sie erwachsen, lebt, glaube ich in Berlin, hat zwei Kinder und ihren Hans und erinnert sich an die straffen Erziehungsmaßnahmen ihrer Eltern.

Vor allem mit der Mutter, einer Erzieherin, hatte sie ihre Schwierigkeiten, denn die ließ ihre Kinder schreien und hatte wohl auch “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” von ihrer Mutter übernommen. Sie steckt Stine und den kleineren Bruder Tim auch in die zu heiße Badewanne und ließ sich nicht rühren, nachzuschauen.

Erst der Vater zog die Kinder heraus und die erwachsene Stine beschäftigt sich mit ihrem Großvater, Paul Bahrlow und arbeitet die Lebensgeschichte des 1923 Geborenen auf.

Der kam als Kind nach Berlin. Da gibt es ein Bild von ihm auf einem Fahrrad, der Bruder Wilhelm wurde zu einer jüdischen Knderärztin in Pflege gegeben, die mit den Kindern in die Schweiz emigrierte, als die Nazis kamen. Leider holten die Eltern ihn zurück und Paul kam nach Stalingrad, wurde später Lehrer, sogar Schuldirektor und bekam eine Johannes R. Becher-Medaille, von der er seiner Enkeltochter nichts erzählte und wurde nach dem Fall der Mauer, als zu systemrelevant eingestuft, was ihn sehr schmerzte.

Ein interessantes Buch könnte man sagen, obwohl Anne Rabe nichts wirklich neues erzählt und man die Holocaustfamlienaufarbeitung wohl schon öfter gelesen hat.

Mobilmachung

Jetzt geht das Lesen wieder nach Österreich, da naht ja bald der “Österreichische Buchpreis” und die 1953 in Linz geborene Margit Schreiner, daß ist die mit dem “HausFrauenSex” ist ja schon einmal mit “Kein Platz mehr” darauf gestanden und in zwei Autofiktionen hat sie sich auch mit ihrer Kindheitbeschäftigt und weil das heute ja sehr modern ist und man sogar den “Nobelpreis” damit bekommen kann, bleibt sie mit “Mobilmacung” auf dieser Schiene und geht sogar vor ihre Geburt zurück.

Dabei behauptet sie sich genau zu erinnern zu können, wie das damals war, wie sie im Fruchtwasser geschwommen ist und ihre Mutter Unmengen saure Gurken gegessen hat, während der Vater das Klo und die Küche putzen mußte, denn das Mutterwerden, war für “die modern junge Frau”, die diese war, nicht so einfach, da gab es einige Fehl- und Totgeburten, denn der Primar der dabei anwesend war, hat sich eingebildet, die Geburt zu schaffen. Dabei ist die “Vorgängerin” gestorben und die Mutter gerettet, die und das wird von Margit sehr kritisch beschrieben, dann natürlich sehr ängstlich war, daß ihr das nicht wieder passiert, daher die Füße hochlegte und nur manchmal einen Aktivitätsschub bekam um den Vater mit dem Schreibtisch in den Keller zu schicken.

Dann gehts zur Geburt, die erfolgt vom Primar höchstpersönlich vorgenommen durch Kaiserschnitt und am zweiundzwanzigsten Dezember, zwei Tage vor Weihnachten, da darf dann auch der Papa sein Kindchen sehen und überall wird offenbar “Stille Nacht” gesungen. Es gab aber noch die Kinderzimmer und Mutter vom Säugling getrennt, der in ein Steckkissen gesteckt wurde und die Mama hat auch nicht gestillt, was dem naseweisen Säugling sehr angenehm war.

Zu den heiligen drei Königen ging es nach Hause und da hatte das Kindchen seine liebe Not mit dem Papa, denn sein Bart kratzte und er wollte klein Margit auch ins Wasser werfen oder sehr jung in den Urlaub mitnehmen.

Das hat die Mama verhindert und so hat eine Nachbarin auf das Kind aufgepasst, das dann in die “Fremdelnphase”stürzte und Lesen hat das Wunderkind auch schon mit eineinhalb Jahren sich selber beigebracht, nämlich auf der Zeitung mit dem Figl-Bildnis sitzend, während die Eltern mit Sekt feierten und die hatten da schon Fernsehen, Telefon und genau, wie mein Vater eine Beiwagenmaschine, wo der Schreiner- Vater Frau und Kind ausführte. Einen Teddybär hat sich die kleine Margit auch geholt und der Vater war stolz auf sein Wunderkind, was dieses natürlich dementierte.

Das Gehen erfolgte zum Leidwesen der Eltern etwas später, weil die kleine Margit erst ihre Wahrnehmung ertüchtigen wollte, obwohl sie zum Weihnachtsfest 1954 schon den Christbaum umgeschmissen hat. Die Besuche von Onkel und Tanten, die ständig Heringsalat mit Mayonnaise in sich und die kleine Margit schaufelten, waren dagegen unangenehmer, obwohl sie der Cousin Otto vor der Overprotecness der Mutter gerettet und ihr den Löffel zum Alleineessen gegeben hat. Der Vater war da fordernder und so hat die kleine Margit zum zweiten Geburtstag ein Dreirad, das es, wie Margit Schreiner behauptete, damals noch nicht gegeben hat, sondern selbstgebastet wurde, bekommen und so heißt es am Schluß des Buches:

“Ich war am 22. Dezember 1955 mit nur zwei Jahren mobil geworden. Und die ganze Welt stand mir offen.”, womit ich den Titel verstanden habe, weil ich mich die Ganze Zeit schon fragte, was diese eher unkindlichen Erinnerungen mit dem militärischen Ausdruck zu tun haben?

Ich kann das Buch empfehlen. Es ist wenn man von der Lesefähigkeit mit nur eineneinhalb Jahren absieht, sicher interessant und vor allem leicht und schnell zu lesen.

Für mich war es besonders spannend, wurde ich ja sechs Wochen vorher in Wien geboren und lernte zwischen sechs und sieben von Herrn Aschenbrenner lesen. Aber sonst kann ich vieles nachvollziehen, obwohl meine Eltern Telefon, Fernseher und Auto, es war auch ein VW-Käfer sehr viel später bekommen haben und nach Italien und Essen bin ich erst als Erwachsene gekommen.

Am Cover ist wahrtscheinlich die fünf oder sechsjährige Margit Schreiner im karierten Kleidchen und mit Zöpfchen mit einem Püppchen im Steckkissen zu sehen, obwohl sie sie offebar eher von Teddies schwärmte.

Begegnung mit Ilse Pollaks Tochter

Ich habe ja, als ich 1973 maturierte, Psychologie studiert und zu schreiben begonnen. Und da irgendwann, ich weiß nicht mehr so genau, ob während meines Studiums oder während meiner Verhaltenstherapieausbildung Mitte der Achtzigerjahre, Ilse Pollak kennengelernt. Eine alte Dame, die sich sehr freundlich, um die Studenten kümmerte, ihnen Kaffee ausschenkte oder ist das der Herr Wittek gewesen und ich habe sie einmal, das muß Mitte oder Ende Achtzig oder vielleicht schon Neunzig gewesen sein, als ich im SMZ-Ost an der Krankenpflegeschule unterrichtete, sie in ihrem Gemeindebau besucht. Das war wahrscheinlich, um den Valentinstag, jedenfalls habe ich ihr ein kleines Primelstöckchen mitgebracht. Eine freundliche alte Dame, die dann aus meinen Gedächtnis entschwunden ist.

Daß sie eine Tochter namens Susanne hat, die im “Picus Verlag” den Roman “Familientreffen” veröffentlich hat, hat sie mir wahrscheinlich erzählt, beziehungsweise habe ich das Buch gelesen. Daß E. A. Richter ihr Schweigersohn war, habe ich auch gewußt. Von dem habe ich die “Berliner Entscheidung” gelesen und 2010, glaube ich, als ich schon bloggte hat sich der bei mir gemeldet und mir einmal sogar eine Buchbeschreibung geschrieben und mir auch erzählt, daß seine Schwiegermutter gestorben ist und jetzt in der Realität von 2023, als ich mir mein Wochenveranstaltungsprogramm zusammenstellte und für den Mittwoch zuerst nichts gefunden habe, keine “Alte Schmiede” kein Literaturhaus, keine “Gesellschaft”, habe ich den Newsletter des “Republikanischen Clubs” bekommen, der mir mitteilte, daß die 1942 geborene Susanne Pollak ihr zweites Buch “Klara spielt nicht mit”, wieder eine Familiegeschichte, dort vorstellt.

Einige alte Damen im “Republikanischen Club”, die sich ihre Masken aufsetzten, Sybille Summer hat auf das Buffet hingewiesen, Wein, Chips und ein paar Süßigkeiten. Vanessa Redak hat moderiert und darauf hingewiesen, daß Susanne Pollak, die inzwischen in Frankreich lebte, deshalb waren auch einige französisch sprechende Damen im Publikum, ihre Lehrerin in Deutsch und Französisch in der Zirkusgasse war und ihr die Liebe zur Literatur beigebracht hat. Und Susanne Pollack, die 1942 im Exil in Frankreich geboren wurde, hat sehr lange an ihrem zweiten Buch geschrieben, das die Geschichte ihrer kleinen Schwester Klara, die in Wirklichkeit anders hieß, schildert.

Denn die Eltern, der Vater Arzt, Ilse Pollak hat, glaube ich, erst später Psychologie studiert, haben ihren drei Kindern, Susanne 1942 geboren, den fünf Jahre jüngeren Bruder und der 1952 geborenen Schwester, nichts von ihrer Fluchtgeschichte erzählt und sie obwohl sie das eigentlich nicht von ihnen gefordert haben, unter einen großen Druck gesetzt, nicht aufzufallen und die Braven und die Besten zu sein.

Susanne Pollak und der Bruder, der später Psychoanalytiker wurde, haben da mitgemacht. Die kleine Schwester nicht. Sie hatte Asthma und viele Krankheiten oder sich diese eingebildet, beziehungsweise vorgespielt. Hat ihr Medizinstudium abgebrochen, dann eine Tochter geborenen, Anna heißt sie wahrscheinlich nicht wirklich, wie die meine und ist dann mit siebenundvierzig Jahren gestorben. Susanne Pollak hat sich sehr lange mit der Frage beschäftigt, warum, die kleine Schwester nicht, wie sie mitgemacht hatte, sondern Widerstand leistete.

Daran knüpfte sich die die Frage, warum dine Eltern den Kindern nichts von ihrer Fluchtgeschichte erzählte und, daß Susanne Pollak erst sehr spät herausbekommen hat, warum sie in Lyon und nicht, wie die anderen Kinder ihrer Klasse in Kagran geboren wurde und da kann ich mich an die Hansi Berger erinnern, die ich im Klub der logischen Denker als Studentin kennengelernt habe, die von Prag nach Israel emmigrierte und dann mit ihrem ersten oder zweiten Mann nach Wien gekommen ist, die der sehr neugierigen Studentin auch nicht viel erzählte, wie das damals gewesen ist?

Das ist, glaube ich, erst die dritte Generation, die dann, die Vergangenheit und die schweigenden Eltern aufdeckt und sich damit beschäftigt.

Die Familiengeschichte geht dann weiter, daß sich Susanne Pollak, die sich nach dem Tod der Schwester, um ihre Nichte gekümmert hat, zu der sie ein schlechtes Verhältnis hatte und erst jetzt wieder zu ihr zurückgefunden hat.

Dreizehn Bücher gab es, glaube ich, zu verkaufen, die Hälfte wurde das auch und ich bin wieder ein bisschen in meine Vergangenheit eingetaucht, habe mich mit E. A. ,Richter unterhalten, der jetzt einen neuen Verlag sucht und, wie er mit verraten hat bei “Dichterloh” lesen wird und kann noch meine Parallelen anmerken, daß ich im November 1953 geboren wurde und eine 1942 geborene Schwester hatte, die 1978 an einem Autounfall verstorben ist.

Lügen über meine Mutter

Schon Buch zwölf des dBp 2022 und das zweite Shortlist-Buch. Daniela Dröschers “Lügen über meine Mutter”, ein autofiktionaler Roman der 1977 geborenen und in Rheinland-Pfalz aufgewachsenen Autorin, die das Leben in einem Dorf oder Kleinstadt in den Neunzehnachtzigerjahren schildert.

Aus der Sicht eines Kindes ist das Familienleben in der Provinz geschrieben und manchmal wirkt diese Sicht auch ein bißchen aufgesetzt, wenn das Kind dann einiges bewußt mißversteht, worüber man dann lächeln soll.

Dazwischen kommen immer wieder kürzere Passagen in dem sich die erwachsen Gewordene mit ihrer Mutter auseinandersetzt und der Vater der Protagonistin, ein Bauernsohn, der es zu einem halben Ingenieur gebracht hat und aufsteigen will, weswegen man in der Familie auch immer Hochdeutsch spricht, das heißt die Großmutter tut das nicht und der ihr Dialekt war mir ziemlich unverständlich, hat Schwierigkeiten mit dem Gewicht der Mutter und mäkelt an ihr, die von Diät zu Diät wankt, immer herum, weil er meint, daß ihr Übergewicht ihn an seinen Aufstieg hindert.

So war es vielleicht am Land im aufstiegsorientierten Deutschland in den Achtzigerjahren und die Mutter, die bei einem Lederhändler die Fremdsprachenkorrespondenz führt und auch einen Französischkurs machen will, ist ein Wunderwuzzi oder ein Modellbeispiel der doppelt oder dreifach belastetet Frau, die kocht, sich um ihre demente Mutter und das Pflegekind der Nachbarin und auch noch um vieles anderes kümmert. Sie holt auch die alten Bauernmöbel von den Dachböden, restauriert sie, um sie dann zu verkaufen und bekommt Ärger mit der Nachbarin und eine Anzeige wegen Diebstahl und schließlich erbt sie eine Menge und interessant ist da, daß der Vater sich, als der Besitzer des Geldes sieht und diesen für einen Neubau verwendet.

Das alte Haus oder das der Eltern soll verkauft werden. Die Mutter restauriert es für die Käufer, als die dann aber den Aufpreis nicht bezahlen können oder wollen, macht der Vater es ihnen großzügig zum Geschenk. Ja, so war es vielleicht in Deutschland in den Achtzigerjahren. Der Vater will sich selbständig machen, unterschreibt den Freunden mit denen er das will, eine Klausel, daß er mit seinem Vermögen oder dem der Mutter, weil keine Gütertrennung für eventuelle Verluste aufkommt und die Mutter wehrt sich nur manchmal dagegen, auch wenn der Vater sie täglich abmessen will oder sie heimlich in den Keller geht und dort statt zu trainieren, Zuckerbrezeln nascht. Der Vater versucht auch die Tochter in den Konflikt einzubeziehen und Eifersuchtsattacken von beiden Seiten gibt es auch, die das dann ausbaden soll oder auch mißversteht.

Drei Jahre im Leben des Kindes werden geschildert. Diese Teile haben klingenden Namen und einen passenden Vogel gibt es dazu auch. Ich fand das Buch interessant, wenn ich auch ein bißchen hinundhergerssen war.

Denn das Umgehen mit dem Gewicht das Hineintappen in eine Eßstörunge und, wie Frau sich damit ihren Körper ruiniert, ist sicher ein wichtiges Thema und so wird das Buch ja auch beworben.

Dann geht es aber um eine Famiiengeschichte, wo die Eltern, die beide ihr Kind lieben und das Beste für es wollen, sich aber offensichtlich nicht verstehen, auch ein bißchen ambivalent beschrieben wird.

Wieso läßt sich die Mutter alles gefallen und wehrt sich nicht, könnte man fragen. Der Vater ist aber auch nicht so eine eindeutig autoritäre Wunderfigur, sondern hat durchaus seine Schwächen, was manchmal ein bißchen widersprüchig oder unrealistisch klingt.

153 formen des nichtseins

Buch acht des deutschen Buchpreises ist interessant vom Titel und vom Cover her, erschienen im “Homunculus-Verlag”, den ich vom Bloggerdebutlesen kenne und der auch eher unkonventionelle Bücher hat.

“153 formen des nichtseins” am Cover sieht man eine schwarzmaskierte Frau mit riesigen abstehenden großen Stachelhaaren der 1992 in Petersburg geborenen Slata Roschal, die seit 1997 in Deutschland lebt, Literaturwissenschaften studierte, schon viele Stipendien und einige Lliteraturpreise bekommen hat.

“153 formen des nichtseins” ist ihr Debutroman und ist wahrscheinlich wieder keiner, sonder eine Collage aus verschiedenen Textformen id hundertdreiundfünzig mehr oder weniger langen Abschnitten.

Mit Listen, Zeichnungen, E-Mails, etcetera wird da vom Aufwachsen einer Progagonistin erzählt, die Ksenia heißt und wahrscheinlich viele Ähnlichkeiten mit ihrer Autorin hat, nämlich aus einer aus Russland emigrierten jüdischen Familie in Deutschland mit einem Bruder aufgewachsen. Die Eltern Zeugen Jehovas, daher strenge Erziehungsmuster, der Großvater, die Großmutter kommen vor. Dann waird aber schon zu Literaturkongressen über russische Literatur geschwenkt, an dem die Erzählerin teilnimmt. Sie hat ein Kind namens Emil und ihre Eltern sind mit ihrer Erziehungsform nicht einverstanden, die Diagnose der Zweisprachigkeit oder des Migrantenschicksals wird zitert:

“Diagnose Zweisprachigkeit

Empfehlung

Psychotherapie

Logopädie

Psychiatrie

Lebenslanges Schweigen” und eine Studie, die nchweisen will, daß zweisprachig aufgewachsene Kinder schlechter lernen, die sie dann vor ihrem Sohn versteckt, damit der nicht auf diese Idee kommt.

Vereinbarungen werden zitiert und beschrieben, wie sie im Kindergarten auf ihren Sohn wartet, der nicht mitkommen will und von der Kindergärtnerin in Deutschland heißt der KITA gefragt wird warum sie kein Schweinefleisch ißt?

Ein interessantes Debut und eine interessante Art eine Autobiografie zu schreiben, sehr modern und ungewöhnlich. Deshalb ist Slata Roschal wohl auch auf die Longlist gekommen.

Vati

Monika Helfers Vati” ist das elfte deutsche Buchpreisbuch, das dritte auf der öst List ,das ich gelesen habe, beim deutschen Buchpreis ist es auf die Shortlist gekommen, beim Öst kann ich mir das auch gut vorstellen und sogar als das Preisbuch denken.

Mal sehen, mit “Bagage” dem Vorläuferbuch ist die 1947 geboreneschon im Vorjahr auf der Öst gestanden auf der dBp mit “Schau mich an wenn ich mit dir rede” und kennengelernt habe ich die Frau von Michael Köhlmeier und Mutter der Paula, glaube ich, bei einer langen Hörspielnacht, wo eines ihrer Hörspiele vorgestellt wurde. Ich war einmal in der “AS” bei einer Buchpräsentation und hatte da wie ich mich erinnern kann mit dem vorgestellten Buch Schwierigkeiten, über “Bagage” habe ich, glaube ich, auch drübergelesen und wenn ich die Blogger davon schwärmen hörte, habe ich das nicht ganz verstanden.

Jetzt verstehe ich es, denn es wäre neben den “Kameradinnen” und dem “Dracula-Buch” das dritte Shortlist Buch, vielleicht weil es darin über Bücher geht, denn der Vati, Sohn aus ärmlichen Verhältnissen war wahrscheinlich ein ähnicher Büchernarr , wie ich und hat einmal ein Buch abgeschrieben, was ich, wie ich mich erinnern kann, bei einem Jugenbuch vielleicht war es “Kleine Damengröße” von Erika Mitterer in meiner Hauptschulzeit auch einmal versuchte, bin aber,glaube ich, nicht so weit wie der Vati von Monika Helfer damit gekommen, der sich Vati nennen ließ, weil er das für modern hielt und das war es damals auch, denn so haben wir zu unseren Eltern auch gesagt und Monika Helfers Buch fällt meiner Meinung nach durch ihre Sprache auf, die nur vordergründlig einfach ist, weil hier der Dialekt, glaube ich, kunstvoll eingeflochten ist, obwohl das, was sie da erzählt, ja vordergründig schlicht ist, was auch die Blogger bemerkten und meinten, daß es ein gut lesbares Buch für alle wäre und daher auf die Buchpreisliste gehört, da habe ich noch gewundert, daß die Familiengeschichte, der Monika Helfer wirklich alle Schwiergermütter unter dem Christbaum haben wollen, obwohl es, glaube ich, viel und gut besprochen wurde.

Da ist also, der Vati im Lungau aufgewachsen, Sohn einer sehr armen Magd, die nicht einmal den Sonntagsstaat besaß, der Vati war der illegitime Sohn des Bauern und hat schon frühzeitig aus einer alten Zeitung lesen gelernt, das heißt, sich selber beigebracht. In der Schule war er Vorzugschüler und eine Bibliothek hat es bei einem Baumeister gegeben mit dessen Sohn er in die einklassige Volksschule ging. Dort ist er immer lesen gegangen, der Baumeister förderte das, bis er darauf kam, daß er Scotts “Ivanhoe” in geklaute Schulhefte abschrieb. Da graute ihm dann vor dem Josef, das heißt, er schenkte ihm das Buch und hat ihm nie mehr eingeladen. Ins Gymnasium ist der Josef trotzdem gekommen.Durch Vermittlung des Priesters. Das sollte er dann auch werden. Kam aber nicht so weit, weil er ähnlich, wie mein Schwiegervater, noch vor der Matura einrücken mußte und dann im Rußland ein Bein verlor. Monika Helfers Mutter hat er in einem Lazarett kennengelernt, wo sie Krankenschwester war und ,die kennen wir schon von der “Bagage,” weil da ja die mütterliche Familie beschrieben wurde.

Nach dem Krieg wurde der Vater, der eigentlich studieren wollte, Verwalter eines Kriegsversehrtenheims auf der Tschengla, das einem deutschen Verein gehörte. Da kamen nur ein paar Monate des Jahres die Kriegsversehrten hin. Einen, den der Krieg das halbe Hirn weggeschoßen hatte und der, der Sohn eines Geisteswissenschaftlers war, hat er ein ganzes Jahr dort behalten und für ihn Leseabende veranstaltet. Dafür hat der Vater, dem Heim eine Bibliothek mit Kant-, Hegel- Schillerbänden und was auch immer in schönen Lederbänden vermacht und als das Heim in ein Hotel verwandelt wrerden sollte, das keine solche brauchen würde, hat der Vater, der inzwischen zu studieren angefangen hat, einen Teil der Bücher abgezwickt, sich aber, als einer vom Verein kam, der das Inventar überprüfen sollte, einen Selbstmordversuch in seinem Labaratorium, er wollte Chemie studieren, gemacht.

Monika Helfer hatte, glaube ich, eine ältere Schwester und einen kleineren Bruder. Die zweite Schwester Renate, die später in Berlin lebte, wurde auch geboren und die Mutter starb bald darauf an Kriebs, was den Vater sehr verstörte. Die Kinder wurden auseinandergerissen, zu verschiedenen Verwandten gebracht. Er lebte einige Zeit in einem Kloster, bis ihm eine zweite Frau, die Stiefmutter, vermittelt wurde, die die Knder wieder zusammenbrachte. Der Vater arbeitete im Finanzamt, bekam noch zwei Kinder und später, in seiner Pension, wurde er Leiter einer Leihbbliothek, wo er sich die Bücher aussuchen durfte und von denen wurde er dann in seinem siebenundsechzigsten Jahr fast erschlagen, etwas was mir der Alfred auch schon propezeite.

Ein interessantess Buch, das mir packender als die “Bagage” erscheint, dssen Inhalt, ich gestehen muß, schon fast vergessen habe. Monika Helfer kommt immer wieder in die Gegenwart, erwähnt die Tochter Paula, ihren Mann, der seltsamerweise keinen Namen hat und die Armut ihrer Kindheit wird immer wieder thematisiert. Ihr literarischer Aufstieg nicht, nur daß sie dem Vati ihre ersten zwei Bücher brachte, die er dann, glaube ich, in seiner Bibliothek neben Heine reihte.

Velleicht wird das im nächsten Buch thematisiert und seien wir gespannt, ob und welche Buchpreisträgerin sie werden wird.

Interessant ist auch, daß dem Buch, das mir “Hanser” freundlicherweise in Printform schickte, eine Karte beilag, in dem mir viel Freunde am Bloggen und mit dem Buchpreis gewünscht wurde und die habe ich auch.