Muna oder die Hälfte des Lebens

Jetzt kommt schon oder erst Buch sieben des dBp und das erste Shortlistbuch.

“Muna oder die Hälfte de Lebens”, der 1971 geborenen Terezia Mora, die schon 2013 mit dem “Ungeheuer”, den dBp gewonnen hat.

“Den einzigen Mann auf den Kontinent” ehabe ich glesen und jetzt das zweite der vier DDR-Bücher, die heuer auf der Longlist standen und es ist ein sehr beeindruckendes Buch. Vierhunderfünfzig Seiten dick, ich habe es als PDF gelesen. Ein Lieblingsbuch von Denis Scheck, andere Rezensenten waren gespalten und beschrieben die Muna als unzuverläßige Erzählerin.

Wir sind, habe ich gehört, habe ich in den Rezensionen gelesen, immer im Kopf der Erzählerin, was ich nicht ganz verstanden habe, denn ich fand die Ich-Persepektive nicht für so ungewöhnlich. Die durchgestrichenen Stellen störten mich dagegen.

” Was soll das?”, denke ich, das scheint aber jetzt modern zu sein und wird auch hochgelobt.

Da ist also Muna, wie ihre Autorin, 1971 geboren. Also ist sie beim Fall der Mauer achtzehn. Se lebt mit ihrer Mutter, einer Schauspielerin, in einer fiktiven Kleinstadt der DDR und zu Beginn des Buches wird die alkoholkranke Mutter ins Spital gebracht. Muna muß also allein ihr Abitur machen. Sie beginnt bei einem Verlag zu jobben und lernt da Magnus kennen, einen Französischlehrer und Fotografen in dem sie sich maßlos verliebt. Eine toxische Beziehung, lese ich allethalben und das scheint auch die Sensation an dem Buch zu sein, was ich eigentlich gar nicht so ungewöhnlich fand, habe ich doch sehr ähnliche Klienten. Es kommt zu einer Nacht, dann verschwindet Magnus nach Rumänien, wie er sagt, kommt aber, weil die Grenzen jetzt offen sind, nicht mehr zurück.

Muna sucht ihn lang, zieht nach Berlin, beginnt Literaturwissenschaft zu studieren, geht später nach London und dann nach Wien, wo sie in verschiedenen akademischen Bereichen prekär tätig ist. Sieben Jahre später und in Zürich trifft sie Magnus wieder. Sie ziehen zusammen. Sie rennt ihm nach. Sie will ein Kind, er nicht und es kommt immer öfter zu gewalttätigen Situationen. Er schlägt und mißhandelt sie und verlässt sie schließlich.

Da wohnen beide in Bern. Sie dreht durch, macht dann doch ihr Studium fertig und beginnt wieder prekär und unterbezahlt in Verlagen, später in einer Buchhandlung zu arbeiten, bis sie Magnus oder einen Mann, der sich Benjamin nennt, wiedersieht. Er würgt sie und als sie gefunden werden, werden beide zuerst für tot gehalten. Er befindet sich im Koma und kann vorerst nicht sterben. Se hat dagegen noch die Hälfte ihres Lebens vor sich, wie ihr die Ärzte sagen und auch den Titel des Buches erklärt.

Ein prekäres Frauenleben, eine psychisch labile Frau, auch wenn sie blond und blauäugig, und, wie schon erwähnt, eine unzverlässige Erzählerin und nicht so unschuldig, ist, an der sich Terezia Mora, die vorher in ihrer Trilogie einen Mann als Protagonisten hatte, offenbar erproben wollte und sich, wie sie in diversen Interviews betonte, damit nicht so leicht getan hat, die Schwäche und die Hilflosigkeit auszuhalten, aber so schwach war diese Muna gar nicht, wie manche Rezensenten meinen.

En interessantes Buch allemal, auch wenn ich glaube, daß es es vielleicht zu lang ist und nicht alles einem strikten Handlungsfaden folgte.

Der einzige Mann auf dem Kontinent

Jetzt gibts noch einen Abschluß unserer Bük-Badereise und eine kleine Vorschau auf den “Deutschen Buchpreis”, beziehungsweise ein “Buchpreisbacklesen”, das ich mir ja einmal vorgenommen habe, denn das Buch, der 1971 in Sopron geborenen Terezia Mora, ist 2009 auf der Longlist gestanden und “Der einzige Mann auf dem Kontinent” ist der erste Teil einer Trilogie, mit dem zweiten “Das Ungeheuer” hat sie 2013 den dBp gewonnen, der dritte Teil heißt “Auf dem Seil” und ist 2019 erschienen. Band eins habe ich mir, glaube ich, einmal bei einem “Morava- Abverkauf” um drei Euro gekauft und lange nicht gelesen. Aber Lesungen glaube ich daraus gehrt, denn Terezia Mora hat 2010 den “Fried-Preis” bekommen und wurde dann zu einer Studentenlesung der “Hochschule für Sprachkunst” eingeladen. Da habe ich, glaube ich, Darius Kopp, dem “Einzigen Mann auf dem Kontinent” gehört und das Buch ist, würde ich sagen eine Verarbeitung der Finanzkrise oder eine Auseinandersetzung mit der New-Economy. Da gibt es den Mann aus der ehemaligen DDR, verheiratet mit der Ungarin Flora.

Das Ganze spielt, glaube ich, Berlin, wo auch Terezia Mora lebt, obwohl Flora in einem Strandcafe jobbt. Darius Kopp ist der einzige Vertreter Ost-und Mitteleuropas einer internationalen Firma und bekommt eines Tage eine Schachtel mit vierzigtausend Euro auf den Schreibtisch. Die stammen von Armeniern, die glaube ich, hunderttausend Euro Schulden haben und was macht man damit?

Man bespricht das Ganze mit der Buchhaltung, denke ich, aber die gibt es bei dem einzigen Mann vielleicht nicht. Deshalb versucht er seine Chefs in der ganzen Welt zu erreichen. Die sind das natürlich schwer. Sein Gehalt oder seine Sozialausgaben hat er auch schon lange nicht bekommen, obwohl die chefs ihm immer versprechen, das gleich morgen zu überweisen.

Das Ganze spielt in einer Woche von Freitag bis Freitag und ist ein bißchen verwirrend, also nicht ganz der Reihe nach geschrieben. Einen allwissenden Erzähler, der sich manchmal einschaltet, gibt es auch.

Darius Kopp irrt jedenfalls herum. Besucht Flora in ihrem Strandcafe und will ihr eine Rose kaufen. Seine Mutter liegt in einem Krankenhaus. Er muß sie besuchen, hat aber ein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter. Mit dem Zug fährt er auch nicht gern. Muß es aber, weil er gerade keinen Führerschein hat. Kauft sich Hemden, Schuhe, Socken, einen neuen Laptop braucht er auch. Bezahlt mit dem Fünfziger aus der Kiste, hat Flecken am Hemd vom Croissant mit der Marmelade und so geht es dahin.

Im Klappentext steht etwas, das in dieser Woche seine Struktur und seine Sicherheit an dieser Welt verloren geht. Seine Ehe ist auch nicht so gut. So zieht Flora am Ende des Buches aus. Seinen Job ist er dann auch los und dann geht es noch zwei Bände lang weiter. Aber die habe ich nicht gelesen und da ich ja so viele Neuerscheinungen habe, werde ich wohl kaum dazu kommen. Noch dazu müßte ich sie erst in den Bücherschränken oder sonstwo finden und jetzt warten noch ein paar Neuerscheinungn auf mich, bevor es ans neue “Buchpreislesen” geht.

Alle Tage schreiben

In der “Gesellschaft für Literatur” gab es wieder “Tacheles”, die Gesprächsreihe mit Daniela Strigl, mit Terezia Mora, ich weiß nicht, ob die auch verschoben wurde, sie fand jedenfalls Lockdown bedingt wieder ohne Publikum statt und Manfred Müller stellte die beiden vor. Bei Daniela Strigl erwähnte er ihr Buch über das “Faulsein” und, daß es das bei der so fleißigen Literaturkritikerin, die die Ebner-Eschenbach- Bücher herausgegeben hat, in unzähligen Jurien sitzt, die O-Töne moderiert und jetzt die “Tacheles-Reihe” und die 1971 in Sopron geborene und in Berlin lebende Terezia Mora ist offenbar auch eine fleißige Frau. 1999 hat ihre literarische Karriere in Klagenfurt begonnen, wo sie einen Text aus ihrem ersten Buch “Seltsame Momente” las. Dann kam der Roman “Alle Tage” und die “Kopp Trilogie”, wo sie 2013 mit dem “Ungeheuer” den dBp bekommen hat. Den Preis der Literaturhäuser “hat sie 2017 bekommen und 2018, wow, den “Büchner-Preis” und jetzt ist ein Arbeitsbuch mit dem Titel “Fleckenverlauf” herausgekommen, den sie bei der “Tacheles-Reihe” vorstellte, obwohl Daniela Strigl darauf hinwies, daß bei dieser Reihe nicht das letzte Buch vorgestellt werden müßte und sie auch nicht wüßte, wie das Gespräch verlaufen würde.

Es hat aber mit den fünfzigsten Geburtstag der Autorin, die ich, glaube ich, auch einmal als sie den “Fried-Preis” bekommen hat, im Literaturhaus erlebte. In der “Gesellschaft” war sie glaube ich das erste Mal, in der “Schmiede” habe ich sie auch erlebt und vor dem fünfzigsten Geburtstag hatte sie glaube ich Angst und aus diesem Buch ist das Arbeitsbuch entstanden, wo sie offenbar über ihr Leben oder ihre Arbeit geschrieben hat.

Terezia Mora ist auch Übersetzerin aus dem Ungarisch, so hat sie Peter Esterhazy, den ich einmal in der Hauptbücherei erlebte, übersetzt und ihn in der Zeit, wo er schon krank war, glaube ich, kennengelernt. Das beschreibt sie in dem Arbeitsbuch und sie hat überhaupt sehr viel übersetzt, was sie, wie sie erzählte, gerne tut, aber vor allem, wenn es sich um sehr umfangreiche Werke handelt, die sie dann mehrmals Korrektur lesen muß, weil sie das am eigenen Schreiben hindert. Damit ist vielleicht Attila Bartis “Das Ende” gemeint, das ich vor einiger Zeit im Schrank gefunden habe und erst lesen muß.

“Harmonia Caelestis” habe ich auch gefunden und von Terezia Mora habe ich “Den einzigen Mann auf dem Kontinent” aus einer Abverkaufskiste gezogen, das Lesen aber auch nicht geschafft und das Gespräch in der “Gesellschaft,” das ich mir zweimal anhören mußte, weil der Livestream so ruckelte, daß er nahezu unverständlich war, ging dann zu Viktor Orban und, daß sich Terezia Mora, die ja gelegentlich nach Ungarn kommt, darüber wundert, wieviele Leute ihn wählten und zu der Gewalt an den Frauen oder Mädchen, die in der Schule sexuell belästigt werden und die Lehrer schauen weg.

Terezia Mora recherchiet jetzt für ein neues Buch in Wien und außer den vielen Übersetzungen, gibt es auch Poetik-Vorlesungen und viele Preise darunter den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und, daß man mit dem Übersetzen nicht viel verdient und Erzählungen vielleicht besser als Romane wären, wurde auch thematisiert.