Echtzeitalter

Jetzt kommt schon das siebzehnte dBp-Longlistbuch, das vierte auf der Shortlist und das Siegerbuch, nämlich “Echtzeitalter” des 1992 in New Dehli geborenen Diplomatensohn Tonio Schachinger, der schon 2019 mit seinem Fußballromn “Nicht wie ihr” mit nicht einmal noch dreißig Jahren auf der Shortlist stand.

Was ist dazu zu schreiben? Zuerst vielleicht, daß mir “Echtzeitalter”, das ich schon bei den O-Tönen gehört habe und sicher war, daß es auf der Öst stehen würde, besser als der Fußballroman gefallen hat.

Kein Wunder, geht es darin ja um Literatur, mein Spezialgebiet und da muß ich sagen, daß Tonio Schachinger da wirklich sehr bewandert ist oder sich das nötige Wissen angelesen hat.

Es liest sich auch leicht, wenn es mit seinen dreihundertsechzig Seiten auch etwas langatmig ist und ich fast eine Woche dazu gebraucht habe. Interessant ist auch, daß Hubert Winkels, als er bei der Preisverleihung gefragt wurde, was er von dem Buchpreisträger hält?, in etwa antwortete, daß er nicht versteht, was das Besondere an dem Buch ist und da kann ich auch schreiben, daß mir von den vier Shorts “Drifter” , gefolgt von “Muna” am besten gefallen hat und dann bekam Clemens j. Setz– den öst- Buchpreis und auf der “Standard- Seite” empörten sich die Kommentierer, die vielleicht beide Bücher nicht gelesen haben, wieso Schachinger den Preis nicht bekommen hat?

Eine Frage, die leicht zu beantworten ist, weil er nicht nominiert war und man sich auch die Frage stellen kann, wieso einer alle und die anderen nichts bekommen sollen?

Das führt schon ein bißchen zu dem Buch über das man, obwohl es mir eigentlich gefallen hat, vielseitig diskutieren kann. Ich füge noch an, daß Clemens j. Setz wahrscheinlich literarischer ist, obwohl mir die “Monde”gar nicht so gefallen hat.

Also zum Buch: Ein Schul-, ein Internatsroman und es spielt in einer Eliteschle, im “Marianum” oder “Theresanum”, das die “Links” enteignen will. Im Buch wird es “Marianum” genannt, aber das “Theresianum”, diese Wiener Nobelschule, aus dem offenbar, die späteren Buchpreisträger hervorgehen, zumindestens für Wiener leicht zu erkennen ist.

Als wir nach Frankreich gefahren sind, habe ich ja “Paradise garden” zu lesen angefangen, wo das coming of age einer eher unterpriveligerten Jugendlichen beschrieben wird, während es in “Echtzeitalter” um ein Nobelinternat geht, das Tonio Schachinger selbst besucht hat und da werden also die Leiden der jungen Nobelschüler durch den strengen Deutschlehrer Dolina beschrieben.

Als Daniela Strigl bei den O-Tönen nach den “Schüler Gerber” fragte, hat Schachinger verneint, beim Schreiben daran gedacht zu haben und es ist auch schon lange her, daß ich das Buch gelesen habe, würde aber Parallelen sehen, beschreibt das Buch ja das Erwachsenwerden eines Nobelschülers, der von seinen Lehrer schikaniert wird und da frage ich mich schon ein bißchen, daß Eltern, die monatlich sechshundert Euro Schulgeld zahlen, sich das gefallen lassen.

Die Gründe dafür kann ich mir zwar schon vorstellen und wenn der Lehrer den armen Till schon so schikaniert, frage ich mich, warum der nicht auf die Rahlgasse oder eine andere Schule wechselt? Er hat aber ohnehin Glück, denn seine Matura findet im Corona-Jahr 2020 statt und da konnte man mit einem Befriedigend im Zeugnis eine leere Arbeit abgeben und trotzdem die Matura zu bestehen, was er auch macht.

Till ist aber auch ein begnadeter Internetpieler, verdient da offenbar schon sehr viel und reist nach China zu denTurnieren. Erbt als er achtzehn wird von seinem verstorbenen Vater auch sehr viel. Er verliebt sich in Feli und schleppt sich da mit seiner unglücklichen Liebe durch das Schuljahr.

Das wäre es eigentlich schon. In dreihundertsechzig Seiten wird aber natürlich noch viel mehr erzählt, nämlich, daß der Lehrer Dolina unbedingt “Reclam-Heftchen” haben will. De Schüller vergessen aber Stifters “Brigitta”, müßen also in der Pause über das Tor klettern und in eine Buchhandlung fahren, die versprochen hat, das buch zu haben, aber leider nicht die “Reclam-Ausgabe”.

So weit so what. Ein leicht lesbares Buch ist mein Resume, daß es über Literatur handelt, nimmt mich ein, daß es von Nobelschülern handelt, die später vielleicht die Welt regieren werden, finde ich etwas schade. Denn die Welt besteht ja nicht nur aus dem “Theresianum” und man sollte auch ohne eine solche Schule beucht zu haben, eine literarische oder andere Karriere machen können.

Kann man wahrscheinlich auch und wenn man “Paradise Garden” das ja auch auf der Longlist gestanden ist, gelesen hat, bekommt man auch die andere Seite mit und noch etwas habe ich vergessen, was ich interessant finde. Das Buch spielt in Ibizza-Zeiten, da gehen die Schüler dann auf den Ballhausplatz ,demonstrieren und trinken Bier und leider hat man ihnen nachdem sie sechzehn wurden, auch das Rauchkammerl zugesperrt, weil da ja das Rauchen erst ab achtzehn und überhaupt nur mehr im Freien erlaubt war.

Die politische Dimension, was bei Buchpreisbüchern, wie ich dachte, eigentlich verboten ist, spielt also auch eine Rolle. Es gibt also noch einen jungen Autor, außer Elias Hirschl, der sich dafür interessiert und ich kann gespannt sein, was ich von dem jungen Autor, den ich vielleicht fälschlich für arrogant halten würde, noch hören werde?

Interessant, was er als nächstes Sujet wählen wird? Denn das ist auf jeden Fall außergewöhnlich, daß er sich an diese Themen macht und damit mindestens auf die Shortlisten kommt.

Deutscher Buchpreis an Tonio Schachinger

Der deutsche Buchpreis, den ich ja seit 2008 wahrscheinlich, die ersten Jahre sind eher an mir vorbeigegangen, regelmäßig verfolge und seit 2015 (fast) alles lese, (2017 waren es 19, 2018 18 Bücher. Dann konnte man sich die Bücher bei Netgalley anfragen, was ich seither regelmäßig tue, nachdem ich die Bücher nach der Verkündung die Verlagen angeschrieben, ist sehr interessant.

Ich finde das, auch wenn es ein Buchh- und kein Literaturpreis ist und von den Literaturkritikern, die in der Jury sitzen, oft recht schwere Kost ausgesucht wird. Keine Krimis und Chicklits also das, was die Leute vielleicht lieber als Thomas Lehr oder Ulrich Pelzer lesen, was Petra Hartlieb ja einmal sehr kritisiert hat.. Ich denke man lernt viel dabei, wenn man sich da durchliest und das tue ich ja seit 2015 regelmäßig und da hatte ich 2015, glaube ich, fast alles bis auf den Witzel, der dann gewonnen hat, gelesen. In den letzten Jahren waren das wahrscheinlich an die fünfzehn Bücher, die ich bis zur Preisverlihung hatte. Im vorigen <Jahr erinnere ich mich war ich gerade bei “Blutbuch” als Kim de L ´Horizon den Oreis gewonnen hat und sich dann im Sinne der iranische n Frauen, die Haare abrasierte.

Aber heuer, heuer war alles anders, weil wir ja, als die Longlist verkündet wurde uns gerade in Bordeaux befanden und da war ich sehr erfreut, daß ich schon drei Bücher davon gelesen hatte.

Das, das auch für Leipzig nominiert war, dann die Raphaela Edelbauer, die schon mit ihrem Debut auf der Shortlist stand und als wir von Harland weggefahren sind, am Freitag, am Donnerstag vorher waren wir bei den O-Tönen und da habe ich Tonio Schachinger aus “Echtzeitalter” lesen gehört, der ja schon mit seinem Debut nominiert war und mit Raphaela Edelbauer auf der Sbhortlist war, habe ich das Bucb der Elena Fischer gelesen, aber dann kam lange nichts.

Denn wir sind am 31. 8. nach Harland zurückgekommen und am Dienstag darauf wurde die österreichische Liste bekanntgegeben und diese Bücher waren diesmal interessanterweise früher als die deutschen von der Netgalley zu bekommen.

Also habe ich danach das Buch der Teresa Präauer und das des Thomas Olah gelesen und danach fast die ganze österreichische Liste und habe jetzt erst “Risse” gelesen, sowie Terezia Moras “Muna oder die Hälfte des Lebens”, also das erste Shortlist-Buch angefangen.

Schlimm vielleicht, aber trotzdem sechseinhalb Bücher. Da bin ich wahrscheinlich trotzdem ganz gut unterwegs und die Shortlist war ja auch sehr interessant. Und dann die bange Frage, wer wird den Preis gewinnen? Eine Sechserfrage, weil ich da ja, obwohl ich mich immer nach besten Wissen und Gewissen bemühe, entsetzlich scheitere und es so auch diesmal war.

Denn ich hätte einmal spontan auf die Terezia Mora, ein Buch das mir bis jetzt übrigens sehr gut gefällt, getippt, aber die hat schon einmal gewonnen. also der Nezati Öziri, weil das ja der momentane Trend ist, sich um Diversität zu bemühen. Anne Rabe mit der “Möglichkeit vom Glück” habe ich heute auch genannt gehört. “Maman” eher nicht, meinten die Blogger und manche wünschten sich “Drifter” was auch ein sehr ungewöhnliches und wahrscheinlich schwieriges Buch sein dürfte.

An Tonio Schachinger ganz ehrlich habe ich nicht gedacht und muß auch gestehen, daß mir sein Erstling nicht so besonders gefallen hat, bin ich ja alles andere als ein Fußballfan. Bei “Echtzeitalter” ein Schulroman, der vom Theresianum handelt, ist das anders, das ist ein Thema ,das mich interessiert, was ich leider erst ein wenig später lesen werde, aber gespannt darauf bin.

Und die Preisverleihung, die um sechs im “Römer” stattfand, kann man immer streamen. Wir waren ja 2002 das letzte Mal in Frankfurt auf der Messe und da hat es noch keinen deutschen Buchpreis gegeben. Blöderweise habe ich das übersehen und mir eine sechs Uhr stunde eingeteilt, die zum Glück schon um halb beendet war, so daß gerade Nezati Öziris “Vatermal “vorgestellt wurde, der daraus, glaube ich, schon 2021 beim “Bachmannpreis” gelesen hat.

Die Eröffnun gsreden habe ich also versäumt, vielleicht kann man sie nachholen ud die kleinen Filmchen der Shortlistbücher, über die auf der Longlist hat es diesmal keine gegeben, habe ich mir aber angeschaut und auch das. was die Blogger über den “Deutschen Buchpreis” zu sagen wussten. Dann folgten also die vier anderen Bücher, streng nach dem Alphabet. Danachn trat die Vorsteherin des Börsevereins Karin Schmidt-Friederichs auf die Bühne und öffnete spannungsgeladen das Kuvert und ich war überrascht.

Wieder einmal geirrt, aber macht ja nichts. Die fünf Anderen werden enttäuscht sein, weil sie nur ein Zehntel des Preisgeldes erhalten. Mir kann es egal sein und ich glaube, von dem was ich bisher davon gehört habe, auch, daß es ein gutes Buch ist.

Dann kam der 1992 in Neu Delhi geborene, der eine lateinamerikanische Mutter hat, in Österreich lebt, das Theresianum und auch das Institut für Sprachkunst besucht hat, auf die Bühne und erklärte, wen er allen nicht danken wird, denn die Juroren und der Börseverein tun ja nur ihren Job. Dann wies er auch auf die aktuelle Siutation, den Angriff der Hamas auf Israel hin und die Buchmesse beginnt oder wird morgen mit dem Gastlandauftritt eröffnet werden.

Zweimal nicht Biografisches bei den O-Tönen

So hat Daniela Strigl heute die beiden Bücher beziehungsweise die Autoren vorgestellt, die heute bei den O-Tönen lasen.

Matthias Gruber

Matthias Gruber mit seinen Debut “Die Einsamkeit der Ersten ihrer Art” und Tonio Schachinger mit seinen zweiten Roman “Echtzeitalter” und die Veranstaltung fand diesmal wieder im Freien statt.

Ljuba Arnautovic und Gabriele Kögl habe ich gesehen, später noch Birigit Birnbacher mit ihrem Kind und ich bin in der zweiten Reihe, weil der Alfred Sessel dazu gestellt hat, neben Julia Danielcyk gesessen, die ich gleich zur Auflösung des Literaturreferates befragen konnte, denn da ist heute ein Mail der GAV gekommen , das mir mitteilte, daß das die Stadt Wien plant oder bereits durchgefühhrt hat.

Petra Eckhart hat eröffnet und der erste Roman des 1984 n Wien geborenen Matthias Gruber betonte im Gespräch mit Daniela Strigl, daß sein Debut deshalb nicht autobiografisch sei, weil das Leben eines in Salzburg wohnenden Familienvaters nicht so viel hergibt. Deshalb spielt sein “Jung und Jung-Debut” auf einem Müllplatz oder handelt von einer Tochter mit einer Immunkrankheit, die mit ihrem Vater die Wohnungen verstorbener ausräumt und die Sachen dann dort deponiert.

Ein Hinweis auf Miliena Michikos Flasars Roman der vorige Woche vorgestellt wurde, folgte dann von Daniela Strigl und dann folgte der zweite Roman des 1992 geborenen Tonio Schachinger der mit seinem Debut und Fußballroman ” Nicht wie wir” 2019 auf der Shortlist des dBps gestanden ist.

Ein Roman, der mir nicht so besonders gefallen hat, bei dem zweiten, der bisher an mir vorbei gegangen ist, scheint das anders, denn der ist, wie Daniela Strigl erwähnte, ein lustiges Buch mit einem ernsten inhalt.

Ein Schul- oder Bildungsroman, der in einer Marianum genannten Schule, das in Wahrheit des Therseianum ist, das also doch ein autobiografischer Hinweis, Tono Schachinger besuchte, eine ehemalige oder noch heutige Nobelschule, die Anna ist dort turnen gegangen, weil die Rahlgasse keinen Turnsaal hatte.

Der Roman spielt aber in der Jetztzeit, also bin zum Ausbruch von Corona hund erinnert, wie Daniela Strigl erwähnte an den Scüler Gerber, obwohl Tonio Schachinger meinte, daß er beim Schreiben nicht daran gedacht hat, Friedrich Torberg wird aber erwhnt und Adalbert Stifters Novelle “Brigitta”, obwohl das bei den Lesestellen nicht vorkam.

Tonio Schachinger

Da kam der Protagonist, ein fünfzehnjähriger Schüler vor, der sich den Kunöchel geborchen hat und deshalb zwei Wochen liegen mß und daher einige Schularbeiten nicht machen kann, sondern Echtzeitspiele spielt. Dabei wird er von seinen Schulfreundinnen und seinen strengen Deutschlehrer besucht und später muß dann die Deutschschularbeit geschrieben werden. Da konnte man zwischen “Krambambuli” und dem “Vierten Gebot” wählen. Zumindestens wird der Tobias Moretti-Film am Vorabend gespielt. Die Mädchen verführen aber den Helden auf eine Demo zu gehen, statt sich vorzubereiten. Es kommt dann auch “Er läßt die Hand küssen” zur Schularbeit und da schreibt er, obwohl das Nichtgenügend schon prophezeit war, er einen Zweier, weil ihm die Mädchen davon schwärten. Er den Text gelesen hat und er auch nochh das Video einer Frau gesehen hat, über die sich Daniela Strigl dann erkundigte, ob sie damit gemeint wäre?

Se hat ja die Ebner Eschenbach Biografie und Werkausgabe herausgegeben und ich muß sagen, das mich das Buch, der Unterschied zwischen Realismus und Naturalismus, das war auch eine Prüfrage, am besten von allen bisher vorgestellten Bücher interessiert hat.

Also schreibe ich wieder, mal sehen auf welche Buchpreislisten es kommen wird und habe übrigens gerade ein Buch angefangen, das irgendwie sehr ähnlich oder auch verschieden ist, nämlich “Pardiese garden” von Elena Fischer und da geht es um eine vierzehnjährige Protagonistin, die allerdings keine Nobelschule besucht, sich aber offenbar auch sehr listig durch das Leben schlägt und natürlich kann man die Frage stellen, ob eine Nobelschule die Wirklichkeit abbildet? Sie bildet aber wahrscheinlich den Literturbetrieb ab oder deren Absolventen stehen dann auf den Shortlists, während das denen aus den Sozialwohnungen wahrscheinlich eher selten passiert.

Nicht wie ihr

Wir kommen schon zu Buch drei der deutschen Buchpreisliste, kleiner Scherz am Rande, obwohl es stimmt, daß ich diesmal mit dem Buchpreisbloggen, das ich ja schon zum fünften Mal sozusagen “unautorisiert” auf mich nehme, spät daran bin, weil  ich bevor ich mit dem ersten, beziehungsweise zweiten Buch beginnen konnte, noch frisch von der Schweiz zurückgekommen, neun  andere Neuerscheinungen gelesen habe, die nicht auf der Liste standen.

Jetzt also Buch drei des dBp, das erste Printbuch, denn sowohl “Winterbienen”, als auch “Cherubino” habe ich digital gelesen und Tonio Schachingers “Nicht wie ihr” ist eine Überraschung, da eines der sechs Debuts, ein “Kremayr&Scheriau-Buch” der mit seiner Literaturschiene, glaube ich, zum ersten Mal auf der Liste steht und, als ich mir das Buch vor einem halben Jahr oder so bestellt habe, habe ich beim Namen Schachinger wohl zuerst an die Marlen gedacht und dann wahrscheinlich erst beim zweiten Blick gesehen, das ist  ein anderer.

Ein Tonio Schachinger, 1992 in New Dehli geboren, in Nicuargua und Wien aufgewachsen, Student der Sprachkunst, von da hätte ich ihn eigentlich kennen sollen, habe ich ihn doch schon bei einer dieser Sprachkunstlesungen im Literaturhaus gehört, da nannte er sich allerdings Antonio und das Thema “Fußball”, ein Ball ziert, so auch das Cover, ist ja eines, wie ich immer schreibe, das mich absolut nicht interessiert.

Aber wieder Überraschung! Um das Fußballspielen geht es eigentlich nicht, sondern um einen Fußballspieler, einen Siebenundzwanzigjährigen mit Migrationshintergrund, weil aus einer bosnischen Familie stammend, der es  geschafft hat, in den ersten Kadern zu spielen, daher hunderttausend Euro pro Woche verdient und mit einem Bugatti durch die Gegend düst.

Klingt, wie ein Märchen oder ein Kitschroman, ist aber Sozialbeschreibung pur und von daher für mich sehr interessant und, wie es der Zufall will, ist es das totale Kontrastprogramm zu Andrea Grills “Cherubino”, wo es auch, um eine Karriere, die einer Sängerin Ende dreißig, die gerade schwanger wird, als sie sowohl an der Met, als auch in Salzburg singen soll.

Das sind wohl die neuen Themen der Literatur und bevor ich zum Inhalt komme, spoilere ich gleich munter weiter, das Malte Bremer vom Literaturcafe, der ja immer einen Buchpreischeck macht, geschrieben hat, daß er nicht weiß, wer dieses Buch auf die Buchpreisliste gesetzt hat?

Das weiß ich natürlich auch nicht, Daniela Strigl oder Petra Hartlieb vielleicht mit den anderen fünf Juroren. Aber, ich denke, es gehört hin, denn so genau wie Antonio Schachinger, der offenbar ein Diplotmatenkind ist, hat, glaube ich, noch keiner, das Schicksal der Fußballer mit Migrationshintergrund beschrieben und ich habe, glaube ich, somit wieder ein bißchen  Einblick in das soziale Leben von heute bekommen, obwohl man das mit den Bugatti und den hunderttausend Euro , die ich eigentlich  bezweifle, vergessen kann und ein solcher, wie der Ivo nur die Spitze des Eisberges ist, während hunderttausend andere mit bosnischen Migrationshintergrund, die von der Fußballkarriere und dem Bugatti träumen, den und das nie erreichen.

Ivo Trifunovic, siebenundzwanzig hat es aber und solche Stars gibt es auch und wir begleiten ihn nun ein Jahr lang durch das Fußballlereben.

Wie schon beschrieben, es beginnt mit dem Bugatti und in diesem trifft er Mirna seine Jugendfreundin wieder, verliebt sich in sie, aber er ist verheiratet, hat schon zwei Kinder und seine Frau Jessy ist die perfekte Fußballerfrau, die alle Geschenke perfekt aussucht und das  Leben, um Ivo auch perfekt cool lächelnd inszeniert.

Das Paar schläft getrennt, weil die Mutter mit dem kleinen Sohn schläft, um den Vater nicht zu stören. Ivo bringt die fünfjährige Lena aber brav in den Kindergarten. Eine Zeit in diesem Jahr lebt die Familie in London und da ärgert sich der Star, weil der Sicherheitskindergärtner vor dem Eingang “Excuse me, Sir, sie stehen nicht auf meiner Liste!”, sagt und ihm das Abholen seiner Tochter verweigert.

Da ruft er wutentbrannt Jessy an und brüllt in das Phone “Der Hurensohn von einem Kindergärtner hat…”

Jessy ist nun wütend auf ihn, weil er sich in Beisein seiner Tochter so gehen läßt und die fragt nun natürlich begierig “Tata, was ist ein Hurensohn und warum darf man das nicht sagen?”

An diesen Passagen sieht man, glaube ich, schon, wie das Buch und sein Autor tickt und diese Szenen finde ich sehr spannend, weil sie mir Einblick in ein Milieu geben, das mir bisher unbekannt gewesen ist.

Ivo wird für drei Wochen gesperrt, bekommt einen Hexenschuß, kann sich nicht bewegen und Jessy auch nicht zu einer Ballettaufführung begleiten. So geht sie mit ihrer Freundin Kata, auf die er eifersüchtig ist und wir erleben ihn mit seinen Schmerzen und sein Warten bis endlich der Not- oder Vereinsarzt zu ihm kommt.

Ivo macht sich auch über sein Leben oder dieses allgemein Gedanken und fragt, nachdem seine Tochter  von ihm wissen will, wieso sie Lena heißt, auch seine Eltern nach seinen Namen und dem seines Bruders, der heißt seltsamer weise Kurt, weil 1986 geboren und diese kleine Szene sagt auch sehr viel aus über Buch und Autor, das eigentlich keinen Plot und keine Handlung hat, sondern aus der Aneinanderreihung solcher Szenen besteht.

“Ein Jahr im Leben des Fußballstars Ivo Trifunovic, ein Roman für Fußballfans und Fußballverweigerer gleichermaßen; rotzig, deep & fresh”, steht am Buchrücken und ich spoilere gleich dazu, daß mir das Buch gefallen hat, Fußballfan aber keiner aus mir geworden ist und ich vermute, daß es wahrscheinlich nicht auf die Shortlist kommen wird, empfehle aber jedermann und jederfrau sehr das Lesen.

Und nun geht es gleich an Buch vier und Marlene Streeruwitzs “Flammenwand” um bei der österreichischen Literatur der neuen deutschen Longlist zu verbleiben.