Die “Literatur im Herbst”, die Veranstaltung, die Walter Famler, der Generalsekretär der “Alten Schmiede”, seit einigen Jahren im “Odeon-Theater” mit einer Matinee in der “AS” veranstaltet, hat heuer ein interessantes Thema.
“Das andere Russland – Literatur in Zeiten des Krieges” und das wäre fast an mir vorbeigegangen, verbringen wir das Wochenende ja in Harland und August Bisinger hat mir einmal gesagt, sie streamen nicht mehr.
Das stimmt bei Walters Famlers Festival zum Glück nicht und so habe ich mein Wochenendprogramm umdisponiert, müssen wir ohnehin schon am Sonntag in Wien zurück, also keine Rudolfshöhe und das mit dem Festival stimmt, wie Walter Famler gleich in der Einleituung erwähnte, in Zeiten des Krieges auch nicht so ganz, deshalb wird die Veranstaltung eher Seminarcharakter haben und findet vielleicht auch deshalb nicht im “Odeon” sondern zur Gänze in der “AS” statt und wurde, wie auch schon bei den vorigen Festivals von dem 1961 geborenen Übersetzer und Literaturkritiker Erich Klein mitkuratiert.
Die Eröffnungsrede durch die Stadträtin Kaup-Hasler fiel offenbar aus und so begann es gleich mit der Eröffnungsrede des 1966 in Moskau geborenen Kirill Rogov, der seinen Vortrag “Russland die Zukunft und der Krieg” auf Englisch hielt. Dann ging es gleich mit den Unpässlichkeiten weiter, denn der nächste Vortragende, Alexander Etkind, war noch nicht eingetroffen, so gab es stattdessen ein Gespräch zwischen Kirill Rogov und Erich Klein.
Dann kam doch der 1955 in Leningrad oder St. Petersburg geborene Psychologe und Journalist Alexander Etkind, der derzeit, glaube ich, an der Uni- Wien lehrt und im Gespräch mit Erich Klein sein neues Buch “Russia against Modernity” vorstellte und es auch um den Krieg und die Klimaveränderung ging.
Dann gabs um neun noch ein Konzert mit zwei russischen Musikern, die schon lange in Wien leben, aber das wurde, glaube ich nicht gestreamt.
Der Samstag begann dann um vier mit der 1993 in Chabarowsk geborenen Lyrikerin und Feministin Darja Serenko, die im Februajr 2022 fünfzehn Tage in Haft genommen wurde und darüber in ihrem Buch “Mädchen und Instititutionen – Geschichten aus dem Totalitarismus” geschrieben hat, in dem Buch geht es um junge Frauen, die ihr Leben in staatlichen Kultureinrichtungen fristen. Walter Famler fragte nach der Lesung, die von Mascha Dabic gedolmetscht wurde, ob man ausgebeutete Praktikantinnnen nicht auch in anderen Ländern finden könne?, was höchstwahrscheinlich auch so ist und Darja Serenko von ihren spanischen Erfahrungen berichtete, da das Buch auch auf Spanisch übersetzt wurde.
Dann ging es zum zweiten Teil der Lesung über, “Ich wünsche Asche meinem Haus”, der bisher nur auf Deutsch oder vielleicht auch auf Spanisch erschienen ist und ihre Hafterfahrungen schildert und die Bücher beschreibt, die sie in der Haft, wie beispielsweise Hans Falladas “Jeder stirbt für sich allein” gelesen hat, worauf Walter Famler nach den Gemeinsamkeiten der beiden Widerstände fragte und Darja Serenko sagte zum Schluß, daß sie ihre Lesungen immer einer bestimmten Hilfsorganisation widmen würde und dafür auch Geld sammelte.
Dann gabs eine Programmänderung. Statt Nikolai Epplee und Dimitry Glukhovsky trat der 1982 in Moskau geborene Filipp Dzydako, der Philologie studierte und 2022 Russland verlassen hat, auf. Er ist jetzt an einem PEN-Projekt in Berlin beteiligt und stellte gemeinsam mit Erich Klein seinen Roman “Radio Martin” vor, in dem es um einen russischen Heizer geht, der mit einem Radiosender Widerstand gegen Putin leisten will, der, glaube ich, noch nicht auf Deutsch gibt. Es wurden aber einige deutsche Stellen, in denen es darum ging, daß man in Russland von keinen Krieg sprechen darf, es aber trotzdem Widerstand dort gibt, von Robert Reinagl gelesen, der dann gleich ins Burgtheater mußte.
Es gab dann ein Gespräch über Filopp Dzydakos Großmutter, da er aus einer berühmten Oppositionellenfamilie stammt.
Der angekündigte Film über die “Russischen Juden”, fiel dann auch aus und so gabs um sieben eine Diskussion über die “Kultur im Krieg” mit Marina Davydova, die 1966 in Baku geboren wurde, bei den Wiener Festwochen inszenierte und jetzt die Schauspielleitung der Salzburger Festspiele innenhaben wird, Alexander Etkind und Kirill Rogov, wo betont wurde, daß die Kulturschaffenden verhindern muß, daß man sich an den Krieg gewöhnt und Erich Klein wies darauf hin, daß man in Österreich derzeit eigentlich keine russischen Stimmen hören würde.
Es wurde dann ein Moskauer Kindertheater erwähnt, daß die Jetztzeit mit dem Faschismus vergleicht, aber nicht geschlossen wird, weil der Regisseur sehr realistisch inszeniert, während andere Kunstschaffende dieses Glück nicht haben.
Dann gab es noch eine Gedichtesession mit dem von Filipp Dyzadko schon vorher erwähnten Michail Eisenberg, der 1948 in Moskau geboren wurde und eigentlich als Architekt ausgebildet wurde
Der Dichter begann dann mit einem Gedicht aus 2012 und ließ darauf später entstandene folgen, die er auf Russisch und Erich Klein dann in der deutschen Übersetzung las. Am Schluß gab es noch eine Diskussion um die Frage was Poesie ist , was der Autor trotz drei darüber geschriebener Bücher, wie er sagte noch immer nicht sagen kann und dann folgte die 1972 in Moskau geborene Maria Stepanova, die inzwischen auch nicht mehr dort lebt und heuer in Leipzig den “Preis für die europäische Verständigung” bekommen hat. Erich Klein las einen Auszug aus ihrer Erklärung, was es für die bedeutet eine russische Dichterin zu sein und fragte die Autorin, ob sich für sie etwas seit dem siebenten Oktober geändert hat? Es ging dann in der Diskussion zur Pandemie zurück, die Maria Stepanova als Chance gesehen hat, daß die Kriege, wenn alle dieses Virus bekämpfen, überflüßig werden, was aber, wie man in zwischen weiß, nicht eingetroffen. Sie las dann noch nicht publizierte Gedichte, die im Sommer entstanden sind.
Den Film, den es am Sonntag um elf Uhr gegeben hätte, konnte man dann nicht streamen. So sind wir essen gegangen und dann nach Wien gefahren, wo ich mich zu der ab Sechzehnuhrsession live in die “AS” begegeben habe und da begann, die immer noch in Moskau lebende, 1962 dort geborene, Olga Skonechnaya mit ihren halb autobiografischen Text, wo es um die Ermordung ihrer Großmutter gegangen ist. Der Text ist in der Exilzeitschrift “5. Welle” erschienen und dann trat der in Amsterdam lebende Herausgeber dieser Zeitschrift, der 1963 in Moskau geborene Maxim Osipov auf, erzählte über die Zeitschrift und las dann einen eigenen Text.
Dann kam, glaube ich, der Star des Abends, der 1947 in Moskau geborene Viktor Jerofejew, der mit den den Roman “Der gute Stalin”, glaube ich, berühmt geworden ist. Jetzt stellte er den Roman “Der große Gopnik” vor und erzählte von einer Begegnung mit Putin, die er einmal auf einer Buch-Fair in Paris hatte.
Dann gab es wieder eine “Dichtung in Zeiten des Krieges-Session” und da traten die 1962 geborene Jelena Fanailowa und der 1964 in Moskau geborene Yuli Gugolev auf und brachten von Robert Reinagl auf Deutsch gelesen eine Auswahl ihrer kritischen seit 2022 geschriebenen Gedichte.
Eine interessante Veranstaltung, die interessanteste “Literatur im Herbst”, seit je, würde ich schätzen, weil man ein bißchen in die kritische russsische Literaturszene hineinschnuppern konnte, von der man sonst vielleicht nicht soviel hört.