Ivan Ivanjis alter Jude

Der 1929 in Ex-Jugoslawien geborene Ivan Ivanji von dem ich den “Aschenmensch von Buchenwald”,”Barbarossas Jude” und den “Ungarischen Herbst” in meinen Regalen und den “Schlussstrich” gelesen habe, hat ein neues Buch geschrieben:

“Der alte Jude und das Meer”, zu dem ihn offenbar sein Sohn veranlaßt hat sich mit Hemingways “Alten Mann” zu beschäftigten, das er dann gelesen hat und dann ist eine Art Krimi daraus entstanden, wo ein unspektulärer Gymnasiallehrer, wie in der Beschreibung steht, der in Belgrad mit Frau und Sohn lebt, eine Leidenschaft hat nämlich im Meer zu schwimmen. Da lernt er einen Greg kennen, der ihm die Leitung einer wissenschaftlichen Akademie in Monte Negro anbietet, so zieht er hin. Greg gehört aber der Mafia an und des Lehrers Sohn will in Rom Drogen verscherbeln, so ist derLehrer in doppelter Mafiagewalt und am Schluß schwimmt er im Meer und wird von einem Hai getötet.

Drei Stellen hat der Autor gelesen. Ich bin wegen einer sechs Uhr Stunde ein wenig zu spät gekommen, da hat der alte Dichter gerade das von von Hemingway erzählt. Seine Enkeltochter war, glaube ich, da, Wladimir Fried in der ersten Reihe mit seiner Kamera und dahinter Alexander Potyka und Dorothea Löcker, den Invanjis Bücher scheinen im “Picus-Verlag” und nachher gab es eine interessante Diskussion beziehungsweise einen Rundumschlag, den der alte Herr austeilte. Da ging er nach Weimar, weil er ja Ehrenbürger vondort ist und sein letztes oder vorletztes Buch “Corona in Buchenwald” auch dort spielt, aber an dem alten Goethe ließ er kein gutes Haar.

“Das war ein Machtmensch!”, hat er glaube ich gesagt “Und eine Kindsmörderin hinrichten lassen, statt zu begnadigen!” und dann ging es zu der Frage, ob der Vierundneunzigjährige der mit fünfzehn Jahren in einige KZs gekommen ist.

Der älteste Vorleser in der “Gesellschaft” ist er nicht, der längste wahrscheinlich schon, ist er ja als sich die “Gesellschaft” gerade gebildet hat, schon dort aufgetreten. Der Älteste war Boris Pahor der mit hundertvier Jahren dort gelesen und mit 2022 gestorben ist und vor zwei Wochen ist die hundertjährige Ilse Helbich dort aufgetreten.

Ivan Invanji stammt aus einer jüdisches Familie, die drei Sprachen, deutsch, serbokroatisch, ungarisch gesprochen hat. Deshalb hat er auch zwei Staatsbürgerschaften, die österreichische und die serbische. Die Ungarische könnte er auch haben, weil er ungarische Vorfahren hat und diese Sprache spricht. Er war der Dolmetscher Titos und Übersetzer aus dem Deutschen ins Serbische und wieder zurück.

Es wurde auch gefragt, wie gut er den Nobelpreisträger Ivo Andric ,kannte, sehr gut denn der war Präsident des jugoslawischen Schriftstellerverbandes und Ivanji,der Sekretär des Sekrtärs.

Nach seinen jugoslawischen Vorbildern wurde er auch gefragt, wo er Branco Copic mit seiner “Ketzergeschichte” erwähnte. Sein Vorbild war aber Thomas Mann, so daß er den “Tod in Venedig” dreimal gelesen hat.

Der ehemalige Burgtheaterdirektor Achim Benning war da und hat den alten Mann sehr gelobt, der nur bedauerte, daß er nicht mehr gut gehen und daher auch nicht mehr so gut schwimmen, wie sein Protagonist Aaron Kukanic kann, der aber viele Selbstmordphantasien hatte und beim Schwimmen mit den Delphinen sprach..

Corona in Buchenwald

Jetzt habe ich meinen vor einer Woche geposteten Vorsatz,diesmal kein bei der Lese.Auslese vorgestellten Bücher zu bestellen, gebrochen, denn ich bin ja eine Sammlerin von CoronaBüchern und habe einige von ihnen schon gelesen, bin aber an dem Corona-Buch des 1929 geborenen ivan Ivanij, dem österreichisch- serbischen Diplomaten und Schriftstellers, der einmal Dolmetscher Titos war,vorüber gegangen, habe ich von ihm doch schon einige Bücher gelesen und wahrscheinlich “Nicht schon wieder Buchenwald!”, gedacht und “Was kann ein über Neunzigjähriger über Corona schreiben?” Wieder einmal weit gefehlt und sich sehr geirrt. Denn das Buch, ich habe wieder ein E-Book gelesen, ist höchst interessant, humorvoll geschrieben und zeigt eine ganz andere Seite des Themas auf, mit dem ich mich ja selber sehr intensiv beschäftigt habe. Wir schreiben April 2020, der fünfundsiebigjste Jahrestag der Befreiuung des KZ-Buchenwalds und da war eine große Feier geplant. Neunundvierzig Überlebende sollten mit ihren Begleitern anreisen. Dann kam Corona und alles wurde natürlich abgesagt. Zwölf der alten Herrn hielten sich nicht daran und stellten den Antrag auf eigene Kosten doch kommen zu können. Es wird beraten. Lehnt man ab, hat man schlechte Nachrede. Also müßen alle unterschreiben, daß sie es auf eigenes Risko unternehmen und werden in dem berühmten Hotel Elephant in Weimar einquartier. Einer der alten Herren ist offenbar ein Alter Ego des Autor, Sascha oder Alexander Mihalyi-Mihajlovic, der seinen Namen öfter gewechselt hat. Er kommt mit Sohn und dessen Freundin angereist und wird gemeinsam mit dem Amerikaner Franco, der eigentlich ein Italiener ist in das Hotel gefahren. Dort werden sie begrüßt, eine junge Ärztin bringt einen Fragebogen und verspricht eine spätere Untersuchung. Die anderen reisen an und am nächsten Morgen erleidet Franco schon beim Frühstück einen Hustenanfall. Er wird sofort ins Universiätsklinkum in Jena transportiert. Vor der Türe formieren sich die maskierten Wächter, die allen befiehlt im Speisesaal zu bleiben. Der russische Militär Igor spricht von der SS. Die eleganten Politiker beruhigen, Alle müssen in ihre Zimmer in Quarantäne. Dorthin wird eine Videokonferenz verlegt, Saschas Sohns übernimmt die Moderation und Sascha, der sich den “Decamerone” mitgebracht hat, schlägt vor, den in den Quarantänetagen nachzuspielen. Denn da war ja im vierzehnten Jahrhundert, die Pest in Florenz und so haben sich zehn junge Leute mehr oder weniger schlüprige Geschichten erzählt. Die junge Ärztin, die alle untersuchen muß, heißt Gerda Meier. Ihr Urgroßvater war ein großer Nazi. Sie hat deshalb Schuldgefühle und sich von ihrer Familie getrennt. Das Hotel übernimmt alle Kosten und bietet sogar koschere Küche an, die die elf Atheisten nicht wollen und außerdem in der Hotelküche höchstwahrscheinlich gar nicht richtig durchzuführen ist. So erzählen die alten Herren, die aus allen Teilen der Welt kommen, Botschafter oder Zeugen Jehovas sind und nicht alle Juden waren ihre Geschiche. Einige handeln von den Zuständen im KZ, wo es einen griechischen Boxer gab,einen spanischen Freihitskämpfer, der von JorgeSeprun geschützt wurde. Der Dichter H. G. Adler, dessen Gedichte ich gelesen habe und die auch in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt wurde, wird erwähnt, sowie Ovids Verbannung an das schwarze Meer und der Golem wird natürlich auch erwähnt.

Nach und nach erweitert sich auch der Bewegungsradio der elf Buchwaldianern, am 11. April, dem Befreiungstag dürfen sie sogar von einem Kamerateam begleitet ins KZ fahren. Da kommt auch der alte Franco mit dem Krankenwagen hin, wird von seiner Enkelin, einer indianischen Ureinwohnerin, wie man das jetzt ja sagen muß, begrüßt. Es gibt auch eine junge Holländerin, die nach Anne Frank benannt wurde und ihrer Namensvetterin, beziehungsweis deren Vater Otto, eher kritsch gegenübersteht und eine schöne Geschichte von einem Jungen, der operiert werden mußte, aus der narkose dann hinuausgeprügelt wurde und enttäuscht war, weil er da gerade in dem Lager Bergen Belsen, wo er sich befand, von Zwetschenknödeln träumten.

Franco kommt auch zurück und erzählt seine Geschichte, die Quarantäne ist herum, die Arztin betont, daß man noch so wenig über dieses Virus weiß, rät allen sich weiter untersuchen zu lassen und wundert sich, daß von den zwölf nur einer erkrankte und dieanderen negativ waren. Dann verläßt man wieder Buchenwald und kehrt zurück in sein Leben und ich denke, daß die Verknüpfung zwischen Buchenwald und Corona eine interessante Variante ist, die sich da der alte Dichter über die Pandemie ausdachte oder, wie er sie für seine Themen verwendete.