Fröhlicher Advent

Jetzt kommt wieder das Weihnachtsbuch, das mich Tag für Tag durch Geschichte zu Geschichte führt.

“Fröhlicher Advent – Ein Hausbuch für die schönste Zeit des Jahres – Herausgegeben von Franz Heinrich Hackl”, ein Buch vom “Insel-verlag”, das ich einmal irgendwo gefunden habe.

Dann beginnt es mit mahnenden Worten von Hermann Hesse der die Frage beantwortet “Was uns Weihnachten bringen sollte”, außer “Kindermärchen und Christbaumglanz” und das Schöne an dem Buch ist, daß es jeden Tag mit einem Gedicht beginnt, so am Ersten mit dem “Nun duftenden Wachs” von Rudolf Alexander Schröder, bevor Karl Heinrich Waggerl von den Weihnachtsbräuchen seiner Kindheit erzählt.

Tag zwei beginnt mit Rainer Maria Rilkes “Advent”: “Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt…” und Alfred Polgar von dem ich erst vor kurzem ein Buch gefunden habe, nimmt die Besinnlichkeit auf die Schaufel, in dem er von seiner Freundin Elfriede erzählt, die weil allein mit ihren Hunden Weihnachten feiert und ihnen Knackwürste serviert.

Am dritten Dezember gibt es ein “Weihnachtslied” von Theodor Storm “Vom Himmel in die tiefsten Klüfte Ein milder Sternherunter lacht”.

Dann geht es zu Peter Roseggers “Advent” auf dem Lande, wo die Knechte mit den Mägden scherzen und der Onkel dem Erzähler erklärt, was “Tauet Himmel den Gerechten” bedeutet?

“Alle Jahre wieder”, heißt es am vierten Dezember und Walter Benjamin erzählt von von einen “Weihnachtsengel”.

“Laßt uns froh und munter sein!”, tönts am Nikolaustag und dann erzählen in einer rumänischen Legende Mädchen von einer Wanderung, wo sie in einer Kirche übernachteten und dort den heiligen Nikolaus begegneten.

Am sechsten Dezember begegnen wir “Knecht Rupprecht” von Theodor Storm “…Sind`s gute Kind, sind`böse Kind?” und dann hilft nach einer niederländischen Gelände Nikolaus ihren Fußball wieder zu bekommen.

Am siebenten Dezember geht es dann etwas weniger adventlich zu. Das Gedicht von Christian Morgenstern beschäftigt sich mit dem winterlichen Seen und den Fischen, die darin schwimmen und dann hat ein Junge der Eishocky spielen will alptraumhafte Erlebnisse.

Am Achten gibts zuerst “Ein Lied, hinterm Ofen zu singen” und dann erklärt und ein bulgarisches Märchen, “Wie der Winter” entstand.

“Leise rieselt der Schnee!”, heißt es dann am neunten Dezember “still und starr liegt der See, Weihnachtlich glänzet der Wald, freue dich Christkind kommt bald” und erinnert uns, daß früher im Dezember überall der Schnee gelegen ist, bis es beim “Osterspaziergang” “Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…”, heißt, während die Klimaphobiker aufheulen, wenn Anfang Dezember ein bißchen Schnee liegt, den dann niemand wegräumt, weil das ja wirklich nicht zu erwarten war und dann geht es mit Hermann Hesse in Graubünden in den Schnee. Der stapft voll Freude in die Berge, wälzt sich dann in den Schnee, bevor er es in den von Engländern besetzten Hotel zurückgeht, in dem er sich sehr einsam fühlt.

“Es ist ein Ros eintsprungen”, heißt es am zehnten Dezember, obwohl Maria Empfängnis schon ein paar Tage vorher war, während sich Folke Tegetthoff dem “Rosmarin” annimmt. Denn da standen irgendwo im Heiligen Land ein Dornbusch, ein Rosenstrauch und ein Rosmarin und wußten nicht recht, wer der Schönste und Beste von ihnen war? Der Rosmarin enthielt sich vornehm. Dann kam ein Esel mit Josef und Maria, die an dieser Stelle Halt machen wollte. Josef schlug den Dornbusch vor. Da protestierte der Esel, auch bein Rosenbusch schrie er auf, während Maria ein paar Zweiglein für ihr Kindchen vom Rosmarin pflückte, der dafür in Zukunft blaue Blüten hatte.

Am elften Dezember gibt es ein schlesisches Weihnachtslied und dann unter dem Titel “Im flimmernden Schnee” das Ende aus Adalbert Stifters “Bergkristall”, wo die Kinder Sanna und Konrad vom Besuch bei der Großmutter doch noch nach Hause finden.

“Ihr Kinderlein kommet!”, ertönt es am zwölften Dezember, der Halbzeit bis Weihnachten und da berichtet uns Hans Canossa, wie er in dieser Zeit eine Krippe bastelte, sich mit Freunden schlug und höchstwahrscheinlich auch verliebte.

Am dreizehnten Dezember macht uns Johann Wolfgang Goethe ein “Christgeschenk”, während Hans Falladas Itzenblitz und Mumm schon im Sommer einen Wunschzettel machen und dann der hundert Mark Gratifikation nachjagen, damit sie sie sich auch erfüllen können.

James Krüss führt uns am Vierzehnten am Weihnachtstag in ein Kaufhaus, wo eine Puppe und ein Bär nicht verkauft wurden und deshalb sehr traurig sind. Der Wach- und Schließgesellschftsmann läßt für sie ein Licht brennen und dann kommt doch noch der Weihnachtsmann und holt sie ab, während Robert Walser am Weihnachtstag vom Wald in die Stadt hinuntergeht.

Am fünfzehnten Dezember reimt Heinrich Hoffmann von Fallersleben: “Ich lag und schlief, da träumte mir ein wunderschöner Traum: Es stand auf unserem Tisch von mir ein hoher Weihnachtsbaum.”

Und dann geht es ans Keksebacken, denn die Mutter trägt den Kindern und den Vater auf “Pomeranzenbrötle” zu backen, während sie zur Gretl geht. Eine hübsche Geschichte von Elisabeth Borchers und um die “Weihnachtsschiffchen” geht es dabei auch.

Am sechzehnten Dezember geht es um die Herbergssuche. Da schreibt zuerst Ludwig Thoma “Sie hielten es gar für gering, Wie es den kleinen Leuten ging. Was geht sie heut`das Wunder an? Nur Armen ward es kundgetan.”, während bei Hans Bender ein Lehrer seinen Schülern, die Herbergssuche modern erzählt, Maria und Josef also die örtlichen Gasthäuser absuchen läßt. Das Letzte ist das vom Vater des Hansel und der schwört Stein und Bein, daß er die beiden nicht abweisen wird. Dann erscheint ein paar Jahre später ein Paar in dem Gasthaus, als die Familie schon alleine feiern will, da ist der Hansl beleidigt, als der Vater es mitfeiern läßt.

Am siebzehnten Dezember führt uns Joseph von Eichdorff durch “Markt und Straßen steh`n verlassen, Still erleuchtet jedes Haus. Staunend geh ich durch die Gassen. Alles sieht so festlich aus.” und dann geht es wieder zu Robert Walser, der auf seine spezielle Art “Zwei Weihnachtsaufsätzchen” geschrieben hat.

“O du fröhliche!”, heißt es am Achtzehnten bevor uns Herbert Eisenreich erzählt, wie bei ihm die Mutter und die Tante die Geschenke hergerichtet haben.

“Friede auf Erden!”, wünscht sich am Zwanzigsten Conrad Ferdinand Mayer und ist damit leider immer noch höchst aktuell und dann kommt eine spanische Sage von den “Drei Hirtenbrüdern”, die das Weihrauch, das Gold und die Myrthe zu dem Kindlein brachten.

“O Tannenbaum, o Tannenbaum!”, tönt es am zwanzigsten und dann zieht der Weihnachtsmann traurig mit seinen Spitz herum, weil seine Geschenke den Kindern offenbar keine Freude mehr machen, so daß das Christkindlein auf die Idee kommt, den Tannenbaum mit Äpfeln, Nüssen und Kerzen zu schmücken und der “Allererste Weihnachtsbaum” ist geboren, den glaube ich, wie ich gelesen habe, auch eine deutsche Prinzessin nach Österreich bracht, etcetera.

Heinrich Heine hat ein Gedicht über “Die heiligen drei Könige” geschrieben, das man am einundzwanzigsten Dezember lesen kann, wie auch die Geschichte von Felix Timmermann, die mir schon bekannt erschien. Da gehen drei Außenseiter durch das Dorf, ein Hirte, ein Fischer, ein Bettler, haben Geschenke und Geld gesammelt und treffen dann wirklich auf ein Paar mit einem kleinen Kind, dem sie dann alles geben.

Am zweiundzwanzigsten Dezember geht es um die Flucht nach Ägypten der heiligen Familie. Da gibts zuerst ein Gedicht von Joseph von Eichendorff und dann wird die Geschichte in Form eines Arumischen Märchen erzählt.

“Morgen Kinder, wird was geben!”, heißt es dann am Dreiundzwanzigsten.

“Einmal werden wir noch wach, heißa dann ist Weihnachtstag!”

Und dann gehts ins Bücherland”, also eine etwas ungewöhnliche Geschichte, die uns Ernst Petzold das schenkte.

Am heiligen Abend gibts gleich zwei Gedichte, ein ebenfalls etwas ungewöhnliches von Rainer Maria Rilke und dann natürlich das berühmte “Stille Nacht”, das man ja nur am vierundzwanzigsten Dezember lesen oder hören darf und dazwischen erzählt und Elisabeth Borchers im “Schönsten Tag” von den Stunden vor der Bescherung.

Das war es dann. Der Advent vorbei. Weihnachten herangekommen und daher gibt es hier noch einiges Weihnachtliches zu sehen und zu lesen und natürlich mein Adventkalender von der “Nika, Weihnachtsfrau”, der ja, weil er fünfzigtausend Worte haben sollte, bis zum Silvester weitergeht. Also gibt es noch was zu öffnen:

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Ich wünsche allen meinen Lesern schöne Weihnachten!

Majoran, Mord und Meisterwurz

Jetzt kommt ein Band mit Kräuterkrimis aus dem “Gmeiner-Verlag”, die der 1956 in Hallein geborene Manfred Baumann geschrieben hat.

Sieben Geschichten, die Namen wie, “Majoran”, “Teufelsbart” etcetera haben. Vor jeder Geschichte gibt es ein Bild mit der jeweilligen Pflanze und einer kurzen Beschreibung dazu und dann geht es mit dem “Majoran” in das Kloster Eulenburg und da probt gerade Pater Gwendal in der Kirche “Stairway to heaven” von Led Zeppelin für den “Tag der offenen Tür”.

Das Spiel wird durch einen Schrei unterbrochen, denn da hat Pater Emanuel die tote Celine gefunden, die einen Majoranzweig in der Hand hält und von einem Stein erschlagen wurde. Sie sollte den neuen Klosterladen leiten, das wird jetzt Brigitte Grundtner übernehmen, die vorher das alte Lädchen führte und das mit großen Eifer tut.

Eine schnippige Polizistin gibt es auch und die holt die junge Dagmar ab, denn die hat Vorstrafen und spielt in einer Rockband und im Zimmer der Toten wird ein Bild gefunden, das an Bruder Emanuel erinnert. Der schweigt aber und blickt beharrlich auf die Wand. Dann sagt Brigitte Grundtner “Schlange stehen”.

Pater Gwendal geht in die Kirche ,sieht dort die Schlange vor dem Bildnis Mariens, kombiniert und der Fall ist gelöst. Da muß ich anmerken, daß ich da schon früher und ohne die Schlange auf die Lösung kam und auch, daß der gute Pater daran vielleicht nicht so ganz unbeteiligt war. Toll,daß das auch angeschrieben wird.

“Teufelsbart” ist die zweite Geschichte. Da gibt es die “Gewöhnliche Kuhschelle” zu sehen und die ist auch ein wenig skurril. Da geht es um einen vergesslichen Serienkiller, der einen Landwirtschaftspolitiker beseitigen soll und das auf eine sehr seltsame Art tut. Dazu begibt er sich in ein altmodisches Cafe in ein Tiroler Dorf, bewundert dort die Kuckucksuhr, probiert den bitter schmeckenden Kräutertee, bekommt ein Jausenpäckchen und die Nichte des Polizeichefs kommt ihm doch auf die Spur.

Dann geht es zum “Frauenmantel” und im die Frage ob es sich, um einen Serientäter handelt, wenn drei Männer tot aufgefunden wurden, die alle mit dieser Pflanze übersäht wurden? Es wird auch diskutiert, ob die Sternzeichen eine Rolle spielen und die Polizistin Katja, die eigentlich geschont werden sollte, weil sie einen der Tote in ihrem Türkeiurlaub kennenlernte, drängt sich in die Ermittlung und überlegt wieviele “Frauenmantel-Steinbock-Serienkiller” es noch geben soll?

In “Schnittlauch” gibt Prinz Schnittlauch einer betrogenen Kinderbuchautorin den Rat, wie sie sich an ihren ehemaligen Liebhaber rächen kann und bei der “Melisse” geht es gleich in den Weltraum.

Eine ebenfalls skurrile Geschichte in der Manfred Baumann offenbar zeigen will, wie man auch kleinen Dingen Spannung geben kann. Da werden die Ortsgastronomen zu einem Meeting eingeladen, wo sie ihre Ideen für ein Weltraummenü bekanntgeben können und dann glaubt einer sein Zitronenmelissensiruprezept wurde gestohlen. Dabei löst sich alles harmlos auf.

Mit der “Tollkirsche” wird dann wieder ein ungetreuer Ehemann beseitigt und am Schluß geht es zu “Meisterwurz” zu Pater Gewendal und ins Waldviertel oder ins Stift Zwettl, denn da soll der Kräuterkundige ein Seminar für ein paar Manager halten und da wird eine davon tot im Klostergarten gefefunden. Wieder ein Stein und der Pater kombiniert und kommt durch Bemerkungen eines Kindes auf die richtige Spur.

Manfred Baumann scheint sowohl ein Spezialist von Kräutern und von Kräuterkrimis zu sein, habe ich doch schon “Glühwein, Mord und Gloria”, ein Buch, das ich zu Weihnachten lesen könnte und “Salbei, Till und Totengrün” in meinen Regalen.

Vom Aufstehen

Buch drei der Belletristikliste der für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominierten Bücher, “Ein Leben in Geschichten”, der 1940 in Berlin geborenen Helga Schubert, Psychologin und Schriftstellerin,von der ich noch enen anderen Geschichenband “Blickwinkel” aus der “Edition neue Texte”, erschienen 1985 im “Aufbau-Verlag” in meinen Regalen stehen habe, denn ich habe mich jadamals oder eigentlich überhaupt sehr die die DDR-Literatur interessiert und mir die schönen alten “Aufbau-Bücher” in den Buchhandlungen, die, diese hatten oder beim Volksstimmefest, in Budapest, etcetera, regelmäßig gekauft.

Helga Schubert war in den späten Achtzigerjahren einige Zeit in der Jury des Bachmannpreises. Hätte dort auch lesen sollen, aber von derDDR keine Ausreisegenehmigung bekommen, was mich etwas wundert, lasen dort doch regelmäßig DDR-Autoren und haben auch gewonnen. 1989, glaube ich, auch Kerstin Hensel, mit der ich durch Christine Haidegger vermittelt, im Briefwechsel stand. Im letzten Jahr wurde Helga Schubert aus dem Dörfchen in dem sie mit ihren Mann wohnt, zugeschaltet und hat, glaube ich, mit der Titelgeschiche des jetzt erschienenen Bandes gewonnen und jetzt gibt es das “80 Jahre Leben in 29 Erzählungen” zu lesen und das finde ich interessant, hat die alte Dame doch wirklich fast ein Jahrhundert Geschichte erlebt und ich bin, was den “Preis der Leipziger Messe”, betrifft, gespannt. Habe da ja meine Favoritin, deren Buch ich wahrscheinlich nicht lesen werde, aber sonst wäre ich sehr dafür.

Es beginnt in der Hängematte oder mit dem “Idealen Ort”, denn die kleine Helga, die 1947 eingeschult wurde, rief am letzten Schultag, die Mutter an, erzählte ihr von ihrem Zeugnis, ließ sich mahnen, wenn nicht alles “sehr gut” war. Dann stieg sie in den Zug, um die Ferien bei der Großmutter zu verbringen, die die Enkeltochter im Dorf als die Tochter ihres gefallenen Sohnes vorstellte und der ist 1941 in Russland gefallen. “Die gnädige Frau!”, die Mutter wurde in einem Brief vom Kompaniechef davon unterricht, was die alt gewordene Helga Schubert, an das Brecht Gedicht “Und was bekam des Soldaten Weib aus dem weiten Russenland?”, erinnerte.

Vorher gibt es noch die “Vierte Strophe” des Schlafliedchen, das die Mutter der kleinen Helga vorsang:

“Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Äuglein zu, Vater, lass die Augen Dein über meinem Bettchen sein”, die also lautet:”Kranken Herzen sende Ruh, müde Augen schließ zu, Gott im Himme halte Wacht, gib uns eine gute Nacht”, die die kleine Helga nie sag.

Die DDR wurde bald gegründet und als der Sohn der geschiedenen Helga Schubert, 1977 eine Lehrstelle suchte und Förster werden wollte, wurde sie vom Direktor des Institus für das er sich bewarb, gleich “Haben Sie verwandte ersten Grades im Westen?”,gefragt, denn dann hatte der Bewerbling keine Chance und die Sekretärin brauchte gar nicht erst einen Kaffee für die Mutter kochen.

Dann kam der 9. November 1989, mein Geburtstag, füge ich an, die Wende und der Fall der Mauer, die alles wendete und man in den Westen durfte. Die vorher verpassten Gelegenheiten werden aufgezählt und die Schriftstellerin wurde von einem deutschen Literaturprofessor vor kurzem gefragt, ob sie sich als DDR-Schriftstellerin verstanden hätte? Wenn ja, warum, wenn nein ,warum nicht?

Da gibt es die verschiedensten Antworten und die Märchen werden erwähnt. Da gibt es ja das von des “Kaisers neuen Kleider”, an das ich in der letzten Zeit auch öfter denken mußte und mich fragte, warum da nicht mehr Leute “Er ist doch nackt!”, schrieen und dann wird die Frage beantwortet, warum Helga Schubert ihren Osterrbaum immer erst sehr spät schmückt? Die Ostereier erst immer kurz vor der Auferstehung darauf hängt denn in der Nachkriegszeit hat die Religionlehrerin den Kindern, die Geschichte noch viel schreckhafter erzählt, als man das heute tun würde.

Dann kommt noch ein Verlagslektor in den kleinen Ort in dem Helga Schubert mit ihrem Mann lebt. Sie führt ihn herum und erzähllt ihm, was da alles einmal geschehen ist. Zum Beispiel gab es RAF-Terroristen, die dort im Mitropa-Restaurant ihre Bockwürste aßen und Helga Schubert erklärt dabei, wie das Geschichten schreiben, offenbar ihre Spezialität, geht und so springt Helga Schubert in ihren Geschichten durch ihr Leben. Springt nach vor und auch zurück. So erzählt sie, wie sie für einen Kollegen “Uwe Johnson” in den Osten schmuggelte. Dann geht es in die Gegenwart und zu den Pflegeschwestern, die täglich kommen, um ihren Mann zu betreuen und wieder zurück zu den “Wahlverwandtschaften” oder zu der wahrscheinlich schwierigen Beziehung zu ihrer hundertein Jahre alt gewordenen Mutter. Die hatte eine große Liebe zu ihrer Urenkelin Milli, einen Altersdiabetes,der nicht von den Süßigkeiten abhielt und eine Flucht vorden Russen mit der kleinen Helga gab es auch, die das ihrer Tochter immer wieder vorhielt, so daß diese relativ lange Geschichte recht distanziert klingt “Die Vater meiner Mutter”oder “Die Schwiegermutter meiner Mutter” heißt es da sehr oft und ist wohl literarisch bewußt gewählt, aber nicht immer ganz einfach zu lesen und dann geht es an die Ostsee, wo die Schiffe nach Schweden und Dänemark fuhren und sich 1961 die junge Helga Schubert ausrechnete, daß sie in vierzig Jahren nach ihrer Pensionierung dorthin reisen können würde, dann sind es aber durch die Wende nur achtundzwanzig Jahre gewesen.

Dann gehts schon zum “Alt sein”.

“Ncht alt werden, nicht alt geworden sein, sondern, alt sein. Nicht Angst vor dem Alter, nicht Angst vor Siechtum und Tod, sondern: alt sein.”

Wie wahr. Die Pflegeschwester wird beim Hinausgehen nach ihren Dämmerungserfahrungen gefragt und sie erzählt von ihren Nahtoderlebnissen.

Zu Ostern geht es manchmal zu Fastenseminaren. “Von allem genug”, pregdigt dort die Fastenleiterin und im Sommer geht sie zu der jungen Kurpastorin, der sie beichtet, daß sie das vierte Gebotnicht halten kann.

“Ich kann sie nicht lieben, so wie sie mich nicht lieben kann. Du sollst deinen Vater und deine Mutter lieben, auf dass es dir wohl gehe…”

“Irrtum, sagt die Pastorin. Von Liebe ist in dem Gebot nicht die Rede. Sie brauchen sie nurzu ehren.”

Dann geht es über den “Ersten Tag im Jahr”, zur Titelgeschichte, die eigentlich und genau genommen eine Zusammenfassung des vorher geschrieben ist. Sie liegt im Bett und denkt über ihr Leben nach. Da kommt die Pastorin und das vierte Gebot vor und noch einmal die Mutter, die die Urenkelin mehr liebte als die Tochter und noch in ihrer Todesstunde sagte, daß sie sie dreimal töten hätte können.

Interessant, interessant der Gang durch das Leben von Helga Schubert. Schade, daß ihre Psychotherapeutenerfahrung weitgehend fehlt. Der Krieg und die DDR ist für die Verlage natürlich wichtiger und spannend wieder, wer wird gewinnen oder ist die FM eine Konkurrenz?

Für den Peter Henisch beim österreichischen Buchpreis war sie es. In Leiphzig ist das wohl anders, obwohl Helga Schubert sie auch erwähnte und davon geschrieben hat, daß sie einmal in ihrem Wohnzimmer saß und ihr gestand, daß sie” keinen Tag hier leben” könne.

Wir haben Raketen geangelt

Geschichten der 1974 in Hamburg geborenen Karen Köhler, die mit einer davon 2014 beim “Bachmnannpreis” lesen sollte, aber nicht konnte, weil sie die Windpocken hatte und man damals noch live dabei sein mußte. Im Vorjahr ist sie mit “Miroloi” auf der Longlist des dBs gestanden, da habe ich auch den Erzählband im Schrank gefunden, “Bestseller” steht darauf, was für Erzählungen einer recht jungen deutschen Autoren schon ungewöhnlich ist und die Erzählungen haben es in sich, obwohl sie genau genommen gar nicht so ungewöhnlich sind, aber in einer erstaunlich frischen fetzigen Sprache erzählt werden.

Da liegt eine junge Frau mit Krebs und künstlichen Darmausgang ohne Haare im Spital, warten auf ihren Freund und trifft den “Comandante” in der Cafeteria, der ist ein alter Mann im Rollstuhl, der eine Mischung zwischen Spanisch und Englisch spricht. Der kauft ihr eine Perücke, bestellt ihr ein Kleid, damit sie ihren Freund beeindrucken kann und, als es dann so weit ist, ist er gestorben und eine andere junge Frau trifft in Amerika in der Nähe von Las Vegas halbverdurstet und ohne Rucksack einen Indianer. Der gibt ihr zu trinken, kauft ihr Pommes Frites und eine Sonnenbrille, dann gewinnen sie zweitausend Dollar im Casino. Er wird zusammengeschlagen, hat hohes Fieber, sie päppelt ihn in einem Motel mit dem Federschmuck auf dem Kopf eine Nacht lang auf und resumiert dazwischen ihr Leben.

In “Polarkreis” geht eine kurz mal Zigaretten holen und schreibt ihrem Liebsten dann infolge Briefe und Postkarten aus Italien.

Dann wird eine junge Frau, die im Heimatdort einen Bioladen führt, von einem Jugendfreund, der Journalist geworden ist und damit einen Preis gewonnen hat, besucht, sie trinken Schnaps und Champagner. Dann führt sie ihn auf den Friedhof, wo ihre Schwester liegt. Er hat sie einmal ihr vorgezogen, dann lag er mit ihr nach ihrem Tod doch im Heu. Das Kind hat sie verloren und in der Nacht heimlich in der Schwester Grab gelegt.

Ähnlich daramatisch, die Titelgeschichte. Da erinnert sich eine an ihre Jugendliebe, der sie durch Selbstmord verlassen hat und in “Familenportraits” waschen Töchter in der Mittagspause, das Geschirr ihrer betrunkenen Väter, besuchen die Mutter im Altersheim, die sie beschimpft, eßen mit ihren Eltern zu Weihnachten Gans, etcetera.

In “Starcode Red” geht es auf eine Luxus-Yacht, wo sich, weil sie von ihrem Freund verlassen wurde, eine Schauspielerin als Entertainerin anstellen ließ und nun von den Vorschriften und Regeln der Security schikaniert wird.

In “Wild ist scheu” zieht sich eine mit einem Wasserkanister, einem Schlafsack und noch ein paar anderen Sachen auf einen Hochstand zurück,den Müsliriegel den sie auch noch bei sich hat, schmeißt sie hinunter, beachtet das Wild und wartet auf den ersten Schneee, während in “Findling” die siebzigjährige Asja irgendwo in den russischen Wälder ihre gesamte Familie begraben hat.

“Karen Köhler schreibt über die dramatischen Momente im Leben” steht in der Beschreibung am buchbeginn und am Buchrücken hat Ursula <märz “Reden wir nicht drum herum: Da ist Meisterschaft am Werk”, gewchrieben.

“Stimmt!”, würde ich antworten.

Dramatische Momente, Ausnahmesituationen in einer schönen Sprache und ungewöhnliche Titel, kleine schöne Illustrationen gibt es immer wieder auch.

Abschiedsfarben

“Geschichten über Abschiede, die belasten, und Abschiede, die befreien, über das Gelingen und Scheitern der Liebe, über Vertrauen und Verrat, über bedrohliche und ewältigte Erinnerungen und darber, wie im falschen Leben oft das richtige liegt und im richtigen das falsche”, des 1944 bei Bielefeld geborenen Jruisten Bernhard Schlink, Autors des berühmten “Vorleser”, von dem ich außer einem Krimi noch “Olga” gelesen habe, steht als Nächstes auf meiner Leseliste und beeindruckend die Ironie und der feinen Ton des alten Mannes, der in hoher Brillanz wohl Abschied von seinem Leben nimmt.

In “Künstliche Intelligenz” nimmt der Ich-Erzähler Abschied von seinem Freund Andreas. Beide haben in der DDR ein Institut über Kybernetik aufbauen wollen, aber Andreas wollte mit einem Boot nach dem Bau der Mauer in den Westen. Das hat er anonym verraten und ist Institutsleiter geworden und Andreas nach seiner Haftstrafe nur von ihm geförderten Zweiten oder Gehilfen. Der ist längst gestorben. Jetzt kommt aber die Tochter, will die Geschichte aufarbeiten und die Stasi-Akten haben. Da hilft nur Verdrängen, Dissoziieren oder eben, das berühmte Abschiednehmen.

In “Picknick mit Anna” steht ein alter Lektor oder “Buchdoktor”, also einer “der aus schlechten Manuskripten gute Bücher macht”, auch ein leicht überheblicher oder ironischer Überton, am Fenster in der Nacht und beobachtet, wie Anna, die Hausmeistertochter, der er Nachhilfestunden gab, um aus ihr eine “feine Dame, wie in Pygmalion” zu machen und mit ihr in Oper ging, von ihrem Freund ermordet wird. Er steht dabei und holt nicht die Polizei oder den Rettungsdienst. So kommt der Kommissar zu ihm und sagt ihm, eine Nachbarin des Nebenhauses hätte ihn am Fenster gesehen. So resummiert er über seine Beziehung zu Anna und holt dann die Pistole, um, wen den Freund oder sich selbst zu töten?

In “Geschwisterliebe” trifft ein Musikwissenschaftler Susanne, seine Jugendliebe wieder. Er hat sich als Sechzehnjähriger in dieTochter aus reichen H<haus verliebt, die aber einen rollstuhlfahrenden Bruder hat, der sein bester Freund wurde. Die Eltern tuen alles um den Jungen zu fördern, Er will aber auf einer fremden U<u<u<uni studieren und Philip soll ihn begleitet. Der will Susanne nicht verlassen, die ihn aber nicht als Liebhaber will, so geht er nach Amerika. Jahrzehnte später wird er von Susanne, die verheiratet ist und zwei Kinder hat, ein fünftes gibt es auch noch, sagt der Mann spöttisch zu einem Vortrag über Fanny Mendelssohn eingeladen und erfährt, daß der Bruder, der alle “Arschloch” nennt, dement geworden, als fünftes Kind im Haushalt lebt und Susanne gesteht ihm, daß sie es war, die damals Eduard vom Berg hinuntergestoßen hat, weil sie auf ihn wütend war und jetzt lebenslang dafür büßt.

Ein wenig altmodisch und sehr konstruiert wirken die Geschichten, die von Ursula März besser, als die Romane empfunden werden. Mir sind sie vielleicht ein wenig zu dicht.

In “Amulett” wird eine Ärztin vom ehemaligen Au Pair Mädchen besucht, die hat ihr den Mann weggenommen. Jetzt hat er Krebs und will seine Ex-Frau sehen. Sie trifft sich nach längeren Zögern mit ihm und er übergibt ihr das Amulett, das ihr seine Mutter hinterlassen hat.

Noch einmal tragisch die Geschite der “Geliebten Tochter”, die heißt Mara und ist nicht das Kind von Bastian, denn der hat Theresa erst kennengelernt, als sie schon fünf war. Ist aber ein Vorzeigevater mit dem Mara über alles sprechen kann. So fragt sie ihn einmal, ob sie lesbisch ist, weil sie ein Verhältnis mit ihrer besten Freundin Sylvie hat. Dann gibt es aber einige Freunde. Mara wird Gebärdensprachenlehrerin, bevor sie zu Sylvie endgültig zurückkehrt. Jetzt wollen die beiden, die im weißen Kleid und weißen Anzug heiraten, ein Kind. Die künstliche Befruchtung hilft nicht. So fährt sie mit Bastian in ein Hhotel und kommt in der Nacht zu ihm. Er erkennt sie angeblich oder tatsächlich nicht, glaubt, sie wäre Theresa und ist danach nicht sicher, ob die drei Frauen, das miteinander ausgemacht haben, wälzt auch noch die Literatur, wo solche Geschichten erwähnt werden und wird dann ein Großvater, der sich in sein Schicksal ergibt.

“Der Sommer auf der Insel” nimmt das Motiv von Stefan Zweigs “Brennenden Geheimnis” auf. Ein Junge fährt mit seiner Mutter im Sommer auf eine Insel und entdeckt dort das Geheimnis, das sie mit einem Fremden hat und in “Daniel, my brother”, wird vom Selbstmord eines Bruders, der sich mit seiner Frau umgebracht hat, berichtet, was laut dem Interview mit Ursula März autobiografische Bezüge zum Autor hat.

In “Altersflecken” gehen einem nach dem siebzigsten Geburtstag alle Niederlagen, Peinlichkeiten, Enttäuschungen seines Lebens durch den Kopf. Der Psychiater nennt das Altersdepression und will was Auffhellendes verschreiben. Er spürt aber einer ehemaligen Geliebten auf und am”Jahrestag” geht ein auch schon älterer Herr, erfolgreicher Schriftsteller mit jüngerer Geliebten erfolgreicher Journalistin in ein Restaurant, um Champagner zu trinken und sie fordert ihm zum Tanzen auf, was bei ihm ein bißchen Widerwillen erregt.

Das ist auch etwas das man an dem wohlgeschliffenen Buch bemängeln könnte, daß alle Geschichten in der gehobenen intellektuellen Mittelschicht spielen. Die Protatgonisten, Ärzte, erfolgreiche Geschäftsleute, cetera sind, Campagner trinken und die Männer jüngere Geliebte haben und beinahe sorglos ihre Ehen brechen etcetera.

Ich weiß schon, das ist höchstwahscheinlich die Lebenswelt des Autors, der ja ohne Zweifel etwas Altmodisches in seiner Themenwahl und Sprache hat, obwohl er auch durchaus aktuelle Themen anschneidet, die aber dann in dieser Art und Weise behandelt und da würde es ihm wohl nicht wirklich liegen, mal einen jügeren Knaben um des Erfolgs oder auch um der Liebe willen mit seiner Chefin anbändeln lassen und die dann nicht zum Champagner sondern vielleicht zum Joint verführen.