Wer hat Bambi getötet?

Jetzt kommt das letzte Buch der heuer für den Leipziger Buchpreis Nominierten und das fünfte der Übersetzungen, die ich bekommen habe und das Buch der 1961 in Helsingör geborenen Monika Fagerholm “Wer hat Bambi getötet?”, das von Antje Ravic Strubel übersetzt wurde, wurde auch während der “Buch Wien” im Literaturhaus vorgestellt, da habe ich, weil ich da wegen der Wiener Corona Maßnahmen zu Fuß gehen mußte, das Hingehen nicht geschafft.

Jetzt also das Leseerlebnis, des und das ist auch interessant bei “Residenz” erschienene Buch, also Deutschland Österreich und Skandinavien und das Buch ist bezüglich des Themas und der fetzigen Sprache auch sehr spannend, obwoh es, um das, was da auf dem Klappentext steht, nur im Hintergrund geht, beziehungsweise wird die Tatsache, daß das in einem Nobelviertel bei Helsinki in einem Keller vier Jugendliche ein Mädchen vergewaltigt und festgehalten haben, immer wieder wiederholt und in der Zeit auch wild hin und hergesprungen, so daß das Verstehen nicht so einfach ist.

Es beginnt mit einer Emmy, die eigentlich gar nichts damit zu tun hat. Sie arbeitet in einer Tierhandlung und wird im Laufe des Geschehens schwanger.

Sie war, glaube ich, mal mit Gusten Grippen liiert und der ist einer der vier und wurde bei dem Prozeß auch freigesprochen, ist aber nachher in die “Klapse” gekommen, denn er hat das Geschehen angezeigt und die vergewaltigte Sascha ins Krankenhaus gebracht, was der gar nicht so recht war und die auch nur aussagte, daß sie sich an das Ganze, weil zugedröhnt, nicht wirklich erinnern kann.

Später stellt sich heraus es gab Schweigegeldzahlungen, die Gusten offenbar unterbrochen hat und zu Beginn des Buchen ist Gusten siebenundzwanzig und Immobilienmakler. Er kehrt an den Ort des Geschehens zurück, begegnet Emmy und das Gedankenkreisen beginnt.

Gusten und der Hauptvrgewaltiger Nathan waren Freunde beziehuingsweise deren Mütter waren das. Gustens Mutter ist Opernsängerin und gastierte auch in Wien, die von Nathan schon sehr jung eine erfolgreiche Wirtschaftswissenschaftlerin ,die nach Davos, etcetera eingeladen wird.

Da gibt sie ein nterview in einen Pelzmantel, glaube ich oder hat sie den erst später an, als die Ereinisse schon aufgeflogen sind?

Im Interview präsentiert sie sich jedenfalls siegessicher. Nachher verliert sie die Nerven. Sie verliert auch ihre Jobs und stirbt irgendwann an Krebs und Sascha, die auch eine erfolgreiche Schwimmerin ist wird eine erstklassige Schwimmausbildung in Hawai angeboten.

So weit so what. Einen Filmemacher gibt es auch, der Emmy mit einem Kaninchen fotografiert und den Film “Wer hat Bambi getötet?” drehen will und Gusten gewinnt auch ein paar Literaturpreise und Thomas Bernhard , “Ein österreichischer Schriftsteller”, wird auch erwähnt, von dem sich “keine Bücher finden lassen”.

Ein bißchen verrwirrend könnte man sagen und es passiert außer der Vergewaltigung eigentlich sehr viel.

Die Sprache ist fetzig und das Ganze offenbar als Anklage gegen die bessere Gesellschaft zu verstehen und ich habe mir beim Lesen etwas schwer getan, beziehungsweise nicht wirklich das Neue und noch nie da gewesene, was die gute Literatur ja angeblich haben muß, nicht so ganz oder wieder nur als “gekünstlelt” gefunden.

Das Bett mit dem goldenen Bein

Buch vier der Abteilung Übersetzung des Leipziger Buchpreises, da habe ich alle fünf bekommen und muß das letzte noch lesen und erlebe wieder, wie in den letzten Jahren eine Überraschung.

Also merken wir an der “Leipziger Buchpreis” stellt und immer wieder bisher unbekannte Autoren vor und hier haben mir schon die “Cousinen” sehr gut gefallen.

Zigmudns Skujins “Das Bett mit dem goldenen Beinen” aus dem “Mare-Verlag” kann man wahrscheinlich mit Volter Kilpi und Tarjei Vesaas vergleichen und der 1926 in Riga geborene und 2022 verstorene Lette war mir bisher unbekannt.

Der Titel, ich muß es bekennen, hat mich auch eher abgeschreckt. Aber das Cover ist sehr schön und liebevoll gestaltet mit einem Exgtraeinband und es ist wieder ein Jahrhundertroman, aber ein ganz anderer als die “Verwandelten” von Ulrike Draesner. Weniger künstlich kunstvoll gestaltet, würde ich meinen, aber immer mit leichten Schelm begleitet und am Beginn des Buches kann man die Stammtafel der Familie verfolgen, die hier beschrieben wird.

Geht es hier ja um die Vejagals, die in der fiktiven Stadt Zunte zu Hause ist. Da gibt es den Kapitän Noass und seinen Bruder Augusts, der das lettische Feld bestellt und das Ganze, das bis in die Gegenwart hinaufgeht oder besser in die Achtzigerjahre, wo Skujins den sechshundert Seiten Roman mit fünfzig Seiten Anhang, geschrieben hat, gliedert sich in verschiedene Erzählstränge oder Geschichten und im Nachwort, das von Judith Leister geschrieben wurde, kann man erfahren, daß Zigismud Skulijns eigentlich eine kurze Geschichte schreiben wollte, die dann länger und länger geworden ist.

Dieser Noass fährt also zur See und wird mit seinen Kapitänsuniformen mit den goldenen Knöpfen reich dabe, läßt seine Frau Elizabeth in Obhut seines Bruders zurück und die beiden schauen sich an und an und der Sohn Jekabs Ernest sieht seinen Onkel seltsam ähnlich.

Der Vater zwingt ihn dann zur See zu fahren. Sie kommen in ein Unglück hinein. Noass übersteht es, der Sohn bleibt traumatisiert zurück und wird später in den Kriegsfehden, die das Buch begleiten, erschossen.

Es gibt noch zwei Kinder, die aufmüpfige Leontine die fast hundert wird und Eduards, der Revolutionär, der nach Amerika auswandert und als der alte Noass stirbt, vermutet seine Tochter, daß er sein Vermögen in den Bettbeinen versteckt oder sonstwo vergraben hat und läßt jahrelang danach suchen.

Das Vermögen spoilere ich gleich besteht aus den goldenen Knöpfen der Seemannsuniform und Leontine, die jung nach Russland verheiratet wird, kommt später mit ihren Sohn zurück, macht einen Laden auf und fährt sehr alt dann noch nach London um dort zu Beatles zu hören und ihren Sohn in einer Leiche zurückzubringen. Da gibt es übrigens eine Stelle, wo die Großmutter die Enkel fragt, warum sie nur Englisch und nicht nicht Lettisch sprechen und die ihr dann stolz erklären, daß sie diese Sprache nicht brauchen..

Das ist ein sehr interessanter Strang, ein anderer handelt von Vilma, der Bibliothekarin, die im zweiten Weltkrieg den deutschen Willi versteckt und nicht von ihm loskommt und sonst wird geliebt und betrogen, abgetrieben und gestorben, wie das im Leben so ist. Die Stadt wird zuerst von den Russen und dann von den Deutschen überfallen. Später wird das Land in eine <kolchose verwandelt und die fünfhundertfünfzig Seiten schließen im zwanzigsten Kapitel mit dem Satz “Es reicht, wenn man in einem Bett mit goldenem Bein zur Welt kommt.”

Denn das Leben geht weiter, in diesem Fall mit der Geburt des kleinen Kristaps und Nicole Nau , das muß ich noch erwähnen, wurde für ihre Übersetzung aus dem Lettischen für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominiert.

Gekränkte Freiheit

Das zweite und wahrscheinlich letzte Buch der Sachbuchreihe der für den “Leipziger Buchpreis” nominierten Bücher “Gekränkte Freiheit – Aspekte des libertären Autoritismus von Carolin Amlinger und Oliver Nachtway ist sehr interessiert, interessiere ich mich ja sehr für das politische Geschehen dieser Welt und unserer Gesellschaft und habe auch einmal als Nebenfach Soziologie studiert, bevor ich zur Humanbiologie gewechselt habe und dann ist es natürlich in Zeiten, wie diesen noch einmal und ganz besonders interessiert, hat sich in den letzten Jahren das gesellschaftliche Bewusstsein sehr geändert.

Das Linke ist rechts geworden und das Rechte links, könnte man so sagen, so sind die Freiheitlichen nicht nur gegen die Ausländer und den Fremdenhaß, sondern vertraten bezüglich Corona eine Meinung, die sich mit meiner deckte, während die Linken plötzlich was für mich immer noch ziemlich unverständlichen ist, mit der ein Einschränkung der Freiheit und den totalitären Maßnahmen, die da verfügt wurden, “Wenn du dich auf eine Parkbank setzt, mußt du fünfhundert Euro Strafe zahlen!”, kein Problem hatten und nicht glaubten, daß die Gesundheit auch mit Eigenverantwortlichkeit schützen kann, trugen auf ihren Demos Masken und kämpften gegen die “Nazis” die da auf den “Schwurblerdemos” waren.

Also das Buch der Stunde um mehr über den totalitären Autoritismus zu erfahren, haben die Autoren Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey von der Universität Basel haben ihr Buch auf Interviews basiert, die sie mit den sogenannten Querdenkern und sogar mit AfD-Mitglieder führten, die untersuchten warum diese Menschen plötzlich für ihre Freiheit auf die Straße gingen und gekränkt waren wieso sie die plötzlich nicht mehr ausleben durften.

Nach der Einleitung wird dann der Begriff der Freiheit philosophisch analysiert und die Theorien von Hegel, Adorno, Fromm etcetera erläutert.

In der Praxis heißt das, daß es Freiheit und Gleichheit auch in unserer aufgeklärten Gesellschaft nie gegeben hat, denn Bildung war vom sozialen Stand, siehe den alten ÖVP-Streit gegen die Gesamtschule, abhängig, wenn man Geld hatte, konnte man Reisen machen, ins Museum gehen und hat sich wahrscheinlich mehr für Kultur und Kultur interessiert, wenn man studiert hat, als wenn man ein einfacher Arbeiter war.

In den siebziger Jahren als ich studierte, gab es das freie Schulbuch, die Freifahrt, die Frauen gingen für die Chancengleichheit auf die Straße. ich habe aus einer Art Arbeiterfamilie kommend, studiert und strotzdem die gläserne Decke bald gestört und gedacht, das kommt vielleicht daher, weil ich sehr schüchtern war und auch nicht die richtigen Beziehungen zur Förderung hatte und jetzt geht es wieder zurück.

Die antiautoritäre Erziehung durch die, die Anna beispielsweise gegangen ist, ist, wie ich höre out und nach Corona höre ich, daß man in den Spitälern die Besuchszeiten begrenzen will, weil die Angehörigen die Ärzte und die Schwestern wahrscheinlich stören.

Der Fall der DDR hat in Deutschland wahrscheinlich auch einiges durcheinandergebracht. Die Ostländer fühlen sich noch immer diskrimiert, die AfD hat sich gegründet, die sich zuerst gegen die Massenmigration richtete, weil sie ihre Chancen dadurch bedroht sahen.

Dann kam Corona und die Autoren wollen, glaube ich, erklären, warum sich da so viele gegen einen “imaginären Freiheitsentzug” wandten.

Da habe ich meine Schwierigkeiten, denn ich denke daß da ja wirklich sehr in die Freiheit eingegriffen wurde und wir inzwischen in einer Gesellschaft mit sehr sehr vielen Verboten und Einschränkungen leben und, wie gecrieben, ich verstehe nicht, daß die Linken damals freiwillig ihren Paß zeigten, wenn sie ihren Schuhe kaufen wollten und nicht aufschrieen, weil man ja alles freiwillig machen kann.

Die Autoren zeigen die gesellschaftlichen Veränderungen auf, früher blieb man Bauer, wenn man aus einer Bauernfamilie stammte. Dann zog man in die Städte, es kam zum Traum vom Eigenheim und von den ein und zwei Autos pro Familie und dieses Bild wird ja derzeit durch die Klimawandel sehr bedroht und da gibt es ja Forderungen von Grünpolitiker, die den Deutschen das Eigenheim und das Auto “madig” machen wollen und durch die hohe Inflation und Teuerung wird ja der Mittelstand zerstört bzw. Angst gemacht, daß das passieren könnte und man sich das Essen und das Heizen nicht mehr leisten kann und zu sozialen Bittstellern degradiert wird und wenn ich höre, daß das Bargeld abgeschafft werden soll, man bis 2030 sein Haus sanieren und sich ein neues E-Auto anschaffen muß, was man sich durch die Teuerung vielleicht nicht leisten kann, kann ich die sozialen Kränkung, die dann vielleicht zu Aggressionen führt, verstehen.

Theodor Adorno hat ja den “Autoritären Charakter” beschrieben. Die Autoren beziehen sich auf das Buch und kommen dann natürlich zur narzistischen Wut, die sie den sogenannten Querdenkern unterstellen und untersuchen, wieso die sich von den Corona-Maßnahmen so beeinträchtigt fühlten?

Ich denke und habe da auch von einer Studie gelesen, daß manche Leute vor dem Virus Angst hatten und die anderen eher ihre Freiheit bedroht fühlten und die Maßnahmen beziehungwweise, das was man über dieses Virus hörte, war ja sehr sehr widersprüchig war und von Anfang an hieß es ja, die Meisten werden es nicht spüren und nur die Alten sind gefährdet und dann wurde trotzdem sehr massiv darübergefahren.

Da haben sich eben manche bedroht gefühlt und was steht dahinter gefragt? Das frage ich mich immer noch und ich denke es waren wahrscheinlich, die Impfabsprachen und bin da auch nicht so sicher, ob das unbedingt eine Verschwörungstheorie ist?

Denn das Meiste hat sich jetzt ja als richtig herausgestellt, wie die Autoren aber nicht so zu sehen scheinen, die ja öfter von einer “imaginierten Bedrohung” schreiben. Aber das Buch wurde ja wahrscheinlich schon 2020/ 2021 geschrieben und erforscht und da war die Sicht vielleicht noch anders.

Interessant finde ich, daß die Autoren viele ehemalige Linke in der Querdenkerszene, die sie interviewten sahen. Bei uns hört man ja immer, das sind die unwissenschaftlichen Dummen, die Rechten und ein paar Esoteriker, während die Autoren angehende und praktizierte Pädagogen interviewten, die keine Rechten sind und sich sogar entschuldigten, daß sie nicht vollständig genderten.

Die Namen Bodo Schiffmann, Ulrike Guerot, Suchharit Bhakdi, Wolfgang Wodag werden erwähnten bei Suchharit Bhakdi allerdings beklagt, daß der das Virus für eine harmlose Grippe hält.

Bei Omikron trifft das wahrscheinlich auch in etwa zu und vorher wurde, denke ich, aus Berührungsangst und Unwissenheit auch falsch behandelt. Die Leute allein gelassen und dann kam die Polzei statt der Mediziner, zu früh beatmet, etc…

Es ist also nicht so leicht und wahrscheinlich auch nicht vollständig möglich, die Theorien aus den vorigen Achtzigerjahren auf die Kritikerszene zu stülpen. So fand ich diese “Alles dichtmachen Aktion” von April 2021 als eigentlich total richtig, wenn da eine Mutter von ihren braven Töchter sprach, die sich total an die Massnahmen halten und dann erschrocken draufkam, daß sie sie schon zwei Tage nicht gesehen hat und sie ihr Essen auch nicht anrührten. Aber das wurde damals nicht gesehen und nur als nicht zutreffende Kritik gesehen, was einigen Darstellern auch den Job kostete.

Die Interviewpartner werden dann als “Regressive Rebellen” und “Autoritäre Innovatoren” klassifiziert. Das sind die, die sich so vor den Zugewanderten fürchten, daß sie nicht mehr das Haus verlassen und sich von der Politik verraten fühlen. Sorgen, die man glaube ich, ernst nehmen müsste und nicht mit der Nazikeule darüberfahren würde, was ja in der Pandemie noch zusätzlich übertrieben wurde, was ich nicht für ungefährlich halte.

Trotzdem sehen die Autoren in den Befragten meistens keine faschistoide Tendenzen, eben nur die schon erwähnte Frustration und die Enttäuschung und wissen keine Lösung für die Situation, weil sie ja Wissensfhaftler und keine Politiker sind.

Lösung wäre und das ist das, was ich wahrscheinlich auch in den Autoren vermisse, einander zuzuhören und nicht die anderen gleich einzuordnen und dann die Ohren zu verschließen, wie es es derzeit ja meistens passiert.

Außer dem Lesen habe ich mir noch zwei Interviews mit Oliver Nachtwey angehört. Eines davon hat sogar im “Kreisky Forum” von Robert Misik, moderiert stattgefunden und ich denke der “Leipziger Buchpreis” hat mich auf ein interesantes, wenn auch etwas einseitig interpretiertes Buch gebracht.

Wer eine andere Meinung dazu wissen will, dem würde ich meine Corona Bücher und Artikel empfehlen und jetzt würde mich noch interessieren, in welche Gruppe mich die Autoren, die ich mich eigentlich nicht für autoriär halte, sondern mich die autritäre Vorgangsweise störte, einordnen würden? Frustration, Resignation und Enttäuschung ist aber auch was mein Schreiben betrifft sicher da.

Monde vor der Landung

Das zweite Buch Belletristik Buch “das für den “Leipziger Buchpreis” nominiert wurde, “Monde vor der Landung”, stammt von dem 1982 in Graz geborenen Clemens j. Setzt, der 2021 den Büchner Preis bekommen hat. Erstaunlich für einen relativ jungen Mann.

Den “Bremer Literaturpreis” hat er 2010 für “Frequenzen” bekommen und 2011 den “Leipziger Buchpreis” für den Erzählband “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädterkindes”, erstaunlich, erstaunlich ein sehr phantasievoller und wandlungsfähiger Schriftsteller.

Sein Erstling “Söhne und Planeten” ist 2007 bei “Residenz” erschienen. Das habe ich mir dann bei dem Stattersdorfer Flohmarkt gekauft und war erstaunt über die Tiefgründig- und Vielschichtigkeit des jungen Autors, die ich auch später immer wieder bemerkte.

Als Angelika Reitzers “Buch “Unter uns” erscheinen ist hat er es moderiert. Da war ich im “Phil” , auf der “Buch-Wien” habe ich in gehört und einige seiner Bücher gelesen.

“Die Stunde zwischen Frau und Gitarre” , 2015 war für den dBp “nominiert da habe ich schon “Buchpreis” gelesen.

Bei den “O-Tönen” habe ich ihn gehört, sein Erzählband “Der Trost runder Dinge” stand auf der Öst und von dem zweiten “Leipziger Buchpreis-Buch” habe ich schon in der “AS” gehört und habe es eigentlich für sehr experimentell, wenn nicht sogar für etwas verrückt gehalten und wieder ein Irrtum, denn ich würde das fünfhundert Seiten Buch für eigentlich eher konventionell geschrieben halten, obwohl die Zeit die es beschreibt, das durchaus nicht war.

Die wilden Neunzehnzwanzigerjahre könnte man unken und Parallelen zu den jetzigen ziehen und die gibt es sicherlich, denn eigentlich geht es in dem Leben des Peter Bender auch um Verschwörungstherien.

Der wurde 1893 in Bechtheim geboren. War Mathematiker, Pilot und Schriftsteller, ist 1944 in Mauthausen ermordet worden und er war Anhänger der sogenannten “Hohlwelttheorie” Das heißt, daß man eigentlich in den Paneten der Welt, dem Mond, etc lebt und hat darüber den autobiografischen Roman “Der Tormann” geschrieben, der 2021 im “Worms Verlag” erschienen ist und in Worms hat jener Peter Bender auch gelebt. Er hatte eine jüdische Frau namens Charlotte, die die Familie mit den zwei Kindern mit Sprachstunden durch das Leben brachte und die ebenfall 1944 in Auschwitz ums Leben gekommen ist.

Peter Bender war im ersten Weltkrieg Pilot und wurde verwundet und darüber hat Clemens J. Setz seinen Roman geschrieben, den man eigentlich als Biografie begreifen kann. Er beschreibt sein Leben. Es gibt zwischendurch Fotos, Zeitungsausschnitte und Ausschnitte aus dem Roman Peter Benders.

Die Hohlwelttheorie, die in den Neunzehnhundertzwanzigerahren offenbar verbreitet war, hatte auch Anhänger. Es gab Sitzungen und Vorträge und Verbindungen zu der Koresh-Gemeinde in Amerika. Bender wurde auch verhaftet. Es gab Gerichtsverhandlungen, sowie Gefängnisaufenthalte und für mich waren an dem Buch, die Verbindungen zur Jetztzeit interessant und auch die Frage, wie weit jetzt diese Hohlwelttheorie einer Psychose zuzuordnen ist?

Eine Theorie, die heute wohl als sehr verrückt erscheint. Die Zeiten damals waren es im politischen Sinn ebenfalls und ich sehe auch Parallelen zur Jetztzeit. Da man heute ja auch sofort von einem Experten mit den Worten “Ja die Erde ist eine Scheibe!”, wenn man seine Kritik an den Corona-Maßnahmen äußert.

Grabtuch aus Schmetterlingen

Das zweite Buch das in der Abteilung Übersetzung für den “Leipziger Buchpreis” nominiert wurde, ist und das ist besonders fein, ein Gedichtband und dann noch dazu eines von einer jungen Syrierin, Lina Fatah , 1989 geboren, die seit 2013 in Wanne- Eickel lebt.

Brigitte Oleschinksi und Osman Yousufi haben den Band aus dem Arabischen übersetzt und interessant ist dabei, daß das im “Pendragon-Verlag” erschienene Buch zweisprachig erschienen ist. Man kann die Gedichte also sowohl in Deutsch als auch auf Arabisch, wenn man es kann, lesen und die junge Frau, die 2017 an einem Übersetzerworkshop “Poesie der Nachbarn” in Edenkoben teilgenommen hat, hat wirklich eine erstaunlich frischte starke Sprache.

Dort hat sie auch Jan Wagner, der, glaube ich, auch einmal in Leipzig mit dem Gedichtband “Regentonnenvariationen” gewonnen hat, kennengelernt und das Vorwort zu dem Band schrieb.

Ein Gedicht, das mir natürlich besonders gut gefällt, ist das, wie sie die Corona-Situation beschreibt, obwohl ich ja immer hörte, daß Corona-Gedichte niemand hören will.

“2020”

“Ich blieb zuhause./Ich blieb im Zimmer,/Ich blieb auf der Couch liegen,/denn als ich aufstehen wollte,/zog mich eine lange Wurzel zurück./Ich grüßte Kafkas Verwandlung/und rief ihm zu, ich sei inwischen/eine Pflanze geworden/

Ich wusch mir die Hände./Ich wusch mir die Hände./Ich wusch mir die Hände/bis zum Ende vom Lied”

Toll, sage ich und finde es nur schade, daß ich das Gedicht nicht auf Arabisch lesen kann, aber hier geht es ja um die Sparte Übersetzung, also weiter durch das Buch:

“Wozu brauchen sie Gedichte/” geht es weiter.

“Ein Wort an die Geliebte/ Ein Wort an die Mutter./Ein Wort an die Angst./Eins an die Trauigkeit./Der Einsamkeit die Maske abnehmen.”

Sehr scharfzüngig und gesellschaftskritisch die Gedichte der jungen Frau, die den Frieden folgendermaßen beschreibt:

“Reich uns die offene Hand:/sagt der Feind und schließt seine zur Faust/ Reiß dich zusammen:sagt die Kugel auf dem Weg durch den Körper

Aus der Haut von Mitgeschöpfen/nähen wir Taschen und Schuhe./Aus den Knochen basteln wir Schmuck./Dabei sind wir allerbesten Laune./Wir sind die Geschöpfe ganz oben/in der Hierarchie, die zum Spaß töten könnte.”

Oder bei “Amazonas”

“Amazonas mächtiger Fluss,/sie stehlen deinen Namen/für ein Überangebot an Träumen.

Gestohlener Name eines Flusses,/der vor den Soja-Plantagen flieht/in einen zurückweichenden Wald.”

Und das “Letzte Lied des Kaniarienvogels” wurde für den “Ruhrpott auf der Flucht vor seinen Zechen” geschrieben. Und so weiter und so fort mit den sehr schönen beeindruckenden Gedichten, bis man zu dem Titelgebenden Text kommt:

“Deine geschlossene Lider, Engel,/bedeckt ein Grabtuch aus Schmetterlingen.”

Ich bin, wie man wahrscheinlich merken konnte von der gesellschaftskritischen starke Stimme, der in Syrien geborenen jungen Frau begeistert, der ich den Preis wirklich sehr wünsche und, die einen solchen für ihre Gedichte schon bekommen hat.

Aber hier geht es um die Übersetzung, die mich ja beeindruckt hat und mich auch etwas ratlos zurückläßt, weil ich ja eigentlich von der Autorin sehr beeindruckt bin.

Christoph Martin Wieland

Buch drei der nominierten Bücher des Leipziger Buchpreises und das erste aus der Sachbuchreihe, ist sehr dick und umfangreich.

Jan Philipp Reemtsmas Biografie über den 1733 geborenen und 1813 verstorbenen Christoph Martin Wieland, der mit Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller als Viergestirn der Weimarer Literatur gilt.

“Die Erfinder der modernen deutschen Literatur”, heißt der Untertitel, des über sechshundert Seiten Buchs, das einen dicken Anhang hat, an dem Fanny Estherhazy mitgearbeitet hat und das Ziel Reemtsma war wohl Wieland aus dem Schatten Goethes und Schillers herauszulösen und auf seine literarische Bedeutung hinzuweisen, was wohl interessant und wichtig ist, denn ich muß gestehen, außer den Namen nicht viel über Christoph Martin Wieland, den in Oberholzheim geborenen und in Biberach aufgewachsen Pfarrersohn, dessen Literatur inzwischen auch ziemlich unbekannt ist, zu wissen und sein Leben scheint, obwohl mir das Lesen des Buchs nicht ganz einfach fiel, weil Reemtsma, der ja schon seine Dissertation über Wieland geschrieben hat, viel zitiert und sehr weitläufig, bis in die Gegenwart hineinreichend interpretiert, auch sehr interessant.

So hat er sich 1750 mit seiner Cousine Sophie Gutermann verlobt, die die Verlobung drei Jahr später wieder auflöste, einen Herrn la Roche heiratete und auch Schriftstellerin war.

Er hat auch 1750, obwohl er immer Dichter werden wollte ein Jusstudium in Tübingen begonnen und ist 1752 nach Zürich gegangen, wo er Schüler des Philologen Johann Jakob Bodmer war, von dem er sich später trennte, zuerst in Zürich, dann in Bern Hauslehrer war und seine ersten Werke verfaßte. Shakespeare hat er übersetzt.

“Die Natur der Dinge – zwölf moralische Briefe in Versen”, geschrieben, den “Anti-Ovid” und auch Theaterstücke.

Bei den Frauen hat er sich den Älteren hingezogen gefühlt, sich in der Schweiz aber mit Julie von Bondeli verlobt, mit der er, wie auch mit Sophie la Roche noch länger in Kontakt blieb, bevor er wieder nach Biberach zurückkehrte, wo er als Kanzleisekretär tätig ist, komische und Verserzählungen schreibt, von seiner Haushälterin ein Kind bekommt und schließlich Anna Dorothea von Hillenbrand heiratet, vo der er drei Töchter bekommt.

Die Romane “Agathon” der in Griechenland spielt, ein philosophischer ist und von Lessing als “Erster Roman für Leser des klassischen Geschmacks” gepriesen wurde und der Bestseller ” Don Sylvio von Rosalva”, der dem “Don Quichotte” nachempfunden ist, werden geschrieben.

1769 geht er als Professor für Philosophie obwohl er das gar nicht studiert hat, an die etwas heruntergekommene Universität nach Erfurt und als der Plan nach Wien zu gehen, scheitert, verhandelt er mit der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar sehr lange, als Erzieher für ihren Sohn Carl August nach Weimar zu kommen und handelt sich da auch das entsprechende Honorar aus.

In Weimar , wo er 1813 auch stirbt, schreibt er dann Opern-Libretti, zum Beispiel den “Alcente” bekommt noch mehr Kinder, von denen nicht alle überleben und gilt in der Stadt als berühmter Mann, der viele Briefe und auch Gedichte zugeschickt bekommt und lernt Goethe, dessen “Wahlverwandten” ihm nicht sehr gefallen, Herder und auch Schiller kennen, mit denen er die schon erwähnte “Weimarer-Klassik” bildet.

Den “Teutschen Merkur” gibt er heraus und ein Kapitel ist auch dem “politischen Autor” gewidmet, hat Wieland ja die französische Revolution miterlebt und da schon lang die Alleinherrschaft Napoleons vorhergesagt, den er 1806 auch trifft.

Reemtsma wechselt immer zwischen Kapitel, die das Leben beschreiben mit denen, die das Werk beschreiben, ab.

So werden, die weiteren Romane “Diogenes”, der sich mit dem Leben des Philosophen beschäftigt, der “Goldene Spiegel” der die Herzogin bewogen hat, Wieland als Erzieher ihres Sohnes zu beschäftigen, “Peregrinus Proteus”, Agathodämon”, “Aristipp”, etc, erwähnt.

Bei den Übersetzungen hat sich Wieland mit Horaz und Cicero beschäftigt und nachdem er die Erziehungsarbeit am Kronprinzen beendet hat, übersiedelt er im März 1997 auf das Gut Oßmannstedt, weil sich in dessen Nähe eine seiner Töchter verheiratet hat. Der Kontakt mit Sophie von la Roche wird wieder aufgenommen, deren Enkeltochter Sophie von Brentano, die Schwester des Clemens, zu der Wieland sowohl ein freundschaftliches als auch ein väterliches Verhältnis hat, 1800 auf dem Gut stirbt. Sie wird auf den Friedhof begraben, wo ein Jahr später Wielands Gattin begraben wird und schließlich auch Wieland seine Ruhestädte finde, der 1803 wieder nach Weimar zurückkehrt.

Jan Philipp Reemtsma, der einen interessanten Lebenslauf aufzuweisen hat, hat in der “vorliegenden Bografie versucht, ein Bild Wielands in seiner Zeit, seine Bedeutung für seine Zeit und für die Entwicklung der deutschen Literatur zu geben, die frei von der Optilk des 19. Jahrhunderts ist”, zu geben, was ich für sehr interessant halte, mir aber trotzdem die Frage stelle, wieviele Leser sich die siebenhundert Seiten Band wohl geben werden, den ich, ich gebe es zu, an manchen Stellen auch nur überflogen habe.

Sehe ich in meinen Bibliothekskatalog, finde ich den ersten Band der gesammelten Werke, der “Aufbau Gesamtauflage”, die ich mir unter anderen als Studentin geleistet habe. Das Spätwerk “Das Hexameron von Rosenain” habe ich vor kurzem im Bücherschrank gefunden. Jetzt müßte ich das alles lesen, werde da aber höchstwahrscheinlich auch die zeitgenössische Literatur vorziehen.

Christoph Martin scheint aber auf jedenfall ein vielseitiger Mann gewesen sein, der viel geleistet hat und viele Interessen hatte.

Vertraulichkeiten

Buch zwei der für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominierten Bücher und das erste aus der Abteilung “Übersetzung”, ist genauso interessant, wie das “Deutschlandmärchen”, mein erstes Belletristik-Buch, denn da bin ich schon einmal über den Namen des Autors, des Verlags, des Covers und der Übersetzung aus dem Französischen geestoßen.

Max Lobes “Vertraulichkeiten”, nominiert wurde die Übersetzerin Katharina Triebner-Cabald, am Cover des Buches ist ein junger Schwarzer zu sehen und der “Akono Verlag” habe ich noch ergooglet, ist ein Verlag, der sich mit zeitgenössischer afrikanischer Literatur beschäftigt.

Ganz schön verwirrend. Ein deutscher Name, ein afrikanischer Verlag, eine französische Übersetzung. Von allem noch nie etwas gehört und dann ergooglet, daß Max Lobe 1986 in Kamerun geboren wurde und seit 2004 in Genf lebt. Das Buch ist eine autofiktionale Erzählung über den Befreiungskrieg, den es in den Neunzehnfünfziger Jahren in Kamerun gegeben hat, um sich von der französischen Kolonalisierung zu lösen.

Interessant, interessant und eigentlich davon noch nichts gehört und das hat sich wohl Max Lobe gedacht, als er seinen vierten Roman “Confidences” geschrieben hat, daß es da in Europa einen Nachholbedarf gibt, Denn da kehrt einer, der wahrscheinlich das Alter Ego des Autors ist, nach Kamerun zurück und spaziert mit der achtzigjährigen Ma Maliga durch den Bassa-Wald, die ihr von dem Befreiiungskrieg erzählt, den sie als junge Frau erlebt hat.

Max Lobe hat für seinen in Französisch geschriebenen Roman eine Kunstsprache gewählt, die sich wohl auch an das afrikanische Vorbild hält und diese Ma Maliga ist eine sehr scharfzüngige Frau, die zu Hause einen zerschlagenen Fernseher hat und sich weigert sich von ihren Sohn eine junge Frau schicken zu lassen, die sie pflegt oder wenigstens für sie kocht und nun spaziert sie mit Max oder dem Protagonisten, von ihr Sohn genannt, durch den Bassa-Wald und fährt mit ihm auch zu dem Grab von Ruben Um Nyobe, dem Befreiungskämpfer, auch Mpodol-Lon genannt, der 1958 von den Franzosen hingerichtet wurde.

Ma Maliga erzählt von unten sozusagen. So wie die einfachen Leute die Geschichte erlebten. Erzählt von ihrer Familie, ihre Mutte Tonye, Marie Antoinette genannt, die sich im Befreiungskampf engagierte und sich auch von ihren intellekutellen Vater trennte, ihren Sohn Makon, ihren Mann, ihrer Schwester und die hatten alle auch französischen Namen und das Wort “Neger”, das mehrmals vorkommt, ist immer durchgestrichen und außer den Erzählungen der alten Frau, die mit ihren Besucher auch gerne Palmwein trinkt, gibt es auch immer kürzere Passagen des Erzählers, wo er mit seiner Mutter in der Schweiz telefoniert oder seiner Cousinde Sandrine ein Smartphone kauft, weil diese eines haben will.

Ma Maliga hat, wie schon erwähnt, einen kaputten Fernseher und eine Solarlampe von den Chinesen, die in der Nacht die Hütte erwärmt und am Tag ins Freie gestellt wird, um sich wieder aufzuladen und sie erzählt auch und das finde ich in Zeiten wie diesen, wo alle von der Wissenschaft schwärmen, wo ich noch an des “Kaisers neue Kleider” dachte, daß die Franzosen den Krebs nach Kamerun brachten und da wurde eine Verwandte damit diagnostiert und es sollte ihr die Brust abgenommen werden.

“Wird sie dann ein Mann?”, fragt sich Maliga, was in Zeiten, wie diesen, wo man angeblich bald sein Geschlecht jedes Jahr wecchseln kann, auch sehr interessant ist und Max Lobe ist auch ein “queerer Autor.”

“Aber nein!”, ist die Antwort. Denn es soll nur eine abgenommen werden. Die Verwandte lässt sich dann mit Naturpflanzen behandeln. Maliga ist da Spezialistin und sogar eine “dokta” und die Brust bleibt dran.

Nicht nur deshalb ein interessantes Buch, weil ich da wieder einen unbekannten Autor kennengelernt habe und mich auch ein bisschen, dank der Übersetzerin in den Freiheitskampf von Kamerun, der glaube ich, bei uns eher unbekannt ist, einlesen konnte.

Der kongulesische Autor Alain Mabanckou hat übrigens auch noch das Nachwort, beziehungsweise einen “Brief an Max!”, geschrieben.

Unser Deutschlandmärchen

Jetzt kommt das erste das für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominierten Bücher aus der Abteilung Belletristik und das ist für mich eine Überraschung, denn von dem 1979 in Nettetal geborenen Dincer Gücyeter, der 2022 den “Peter Huchel Preis” für seine Lyrik bekommen hat, als Verleger und im Theaterautor tätig ist, habe ich noch nie etwas gehört und er erzählt in “Unser Deutschlandmärchen” wieder die Geschichte einer Gastarbeiterjungend, seine authentische Geschichte.

Er tut es aber ganz anders, als beispielsweise Fatma Aydemir, die mit ihrer auf der letzten Shortlist des dBps gestanden ist. Er läßt seine Stimme als Lyriker und da wir der mit Friederike Mayröcker verglichen, schwingen. Mischt neben Gedichte und Raps immer wieder Dialoge zwischen ihm und der Mutter Fatma, die in den Sechzigerjahren nach Deutschland gekommen ist, um in einer Fabrik zu arbeiten und den ihr damals unbekannten Vater zu heiraten.

Es gibt immer wieder Fotos von der Familie und ganz am Anfang beginnt es mit den Stimmen der Großmutter und der Urgroßmutter, die ist aus Griechenland in die Türkei gekommen und es ist wirklich ein sehr ungewöhnliches Buch, in einer sehr ungewöhnlichen Sprache, das deshalb wahrscheinlich auch nominiert wurde und von den Kritikern, wie man hören und lesen kann auch sehr gelobt wird.

Ein ungewöhnliches Buch und ein ungewöhnliches Leben, denn mit Sechzehn hat Dincer eine Werkzeugmacherlehrer begonnen und sich dabei die Finger wundgerieben, der eigentlich ans Theater und schreiben wollte.

Gelesen hat er immer in den Pausen Anna Achtmatova beispielsweise und wurde deshab von seine Kollegen “Schwuchtel” genannt, um den verschuldeten Vater, der eine Kneipe betrieb, bzw. die Familie zu retten.

Gearbeitet hat er schon als Kind bei einem Bauern beispielsweise, um ein paar Mark zu verdienen. Im Sommer fuhr die Familie mit in Holland gekauften Sachen, in die Türkei und Dincer hat dann auch in einem Theater ein Workshop gemacht und 2012 den “ELIF Verlag” gegründet, wo er Lyrik verlegt. Das finanziert er sich, daß er immer noch als Gapelstaplerfahrer tätig ist.

Sehr ungewöhnlich das Leben und das Buch und die Art von einem Gastarbeiterleben zu erzählen. Das Buch ist im letzten November herausgekommen und ich kann der Jury für den “Leipziger-Buchpreis” also dankbar sein, eine ungwöhnliche Stimme, die von seiner Jugend und dem Leben als Gastarbeiterkind erzählt, gehört zu haben und jetzt bin ich gespannt auf den Jurybescheid.

Muß aber erst die anderen Belletritk-Bücher lesen. Drei davon habe ich schon bekommen.

Im Saal von Alastalo

Jetzt kommt das Buch das mich fast die ganzen Ostern beschäftigt hat, Volter Kilpis “Der Saal von Alastalo”, in in den Neunzehnhundertdreißiger Jahren von einem an die sechzigjährigen Finnen geschrieben, der Bibbliothekar in Turku war, in seiner Jugend einige Romane geschrieben hat und dann im Alter seinem Verleger schrieb, er hätte jetzt ein Jahrhundertwerk geschrieben, jahrelang hat er den über tausend Seiten Schmöker geschrieben, der an einem einzigen Nachmittag spielt und das Leben der Schären oder der Handelsheerrn dort im neunzehnten Jahrhundert beschreibt.

Um das zu schaffen, mußte er in der Bibliothek mit seinem eigenen Geld einige Hilfskräfte bezahlen und der Verleger hat das Buch dann gleich genommen, obwohl, wie ihm Kilpi schrieb, keine leichte Lesekost, kein Unterhaltungsroman ist, der gleich mit Proust und dem Ullysses verglichen wurde.

In seinem Heimat gibt es auch Kilpi-Festwochen und Schulbuchlektüre ist das Buch, das jetzt von Stefan Moster zum ersten Mal, glaube ich, auf Deutsch übersetzt wurde und damit auf der Übersetzerschiene des “Preises der Leipzigermesse” stand und spannend, spannend könnte ich wieder schreiben.

Ich habe vom heurigen Leipziger Buchpreises je zwei Bücher gelesen, dieses ist das letzte und zufälligerweise alle drei Buchpreisbücher erwischt und wenn ich den Kilpi mit dem Buch der Anne Weber oder Cecile Wajsbrot vergleiche, denke ich, ich hätte diesem Buch den Preis zugesprochen, der Übersetzerarbeit wegen auf jeden Fall. Über diesem tausend Seiten Buch muß der ja auch sehr lang gesessen sein und dann auch um das Buch kennenzulernen über das man wieder sagen könnte, da passiert ja nichts und das hat Volter Kilpi auch seinem Verleger so geschrieben.

Und natürlich würde ich jetzt gerne wissen, wer außer mit das Buch noch gelesen hat, aber interessant und sehr zu empfehlen ist es allemal.

Es ist von “Mare” sehr liebevoll gestaltet mit einem ästhetische schönen Umschlag herausgekommen, besteht aus einem Prolog und dreiundzwanzig Kapitel und diese haben jeweils eine sehr lange Überschrift in der man auch die Ironie Kilpis ablesen kann, denn die Überschriften beschreiben schon den Inhalt.

Genau genommen würde es also genügen, wenn man nur diese lesen würde, denn dann würde man schon wissen, um was es in diesem Buch geht, denn da lädt der Guts- oder Handelsherr Alastalo an einem Nachmittag, die anderen Fischer oder Bauern, der Gegend ein, um über die Anschaffung einer neuen Bark zu sprechen und das geht sehr lang und langsam vor sich.

Denn da braucht man und das hat schon Kilpi seinen Verleger geschrieben, ein paar hundert Seiten bis die Herren am Schaukelstuhl Platz nehmen. Dann wird das Pfeifenregal lang betrachtet, der Kaffee von den Frauen gebracht. Später kommt der Grog und eine Geschichte von einem Mann, der zehn Jahre auf sein Boot wartete, gibt es auch. Dann wird der Vertrag unterschrieben und so weiter und so fort und die Ironie Kilpis kann man beispielsweise sehr schön an der Überschrift von Kapitel sechs “Kapitel, das man bequem auslassen kann, weil darin auch nicht mehr passiert, als in den anderen”, sehen.

Wär aber schade, wenn man es, wie auch all die anderen, nicht gelesen hätte. Denn es gibt darin immer wieder sehr schöne Wendungen und sehr schöne Sprachschöpfungen. Obwohl man hier das Problem hat, daß man, wenn man nicht Finnisch kann, nicht beurteilen kann, was da jetzt von Kilpi oder Stefan Moster ist?

Der hat einen langen Anhang geschrieben, wo er das Leben Kilpis erklärt und dann auch ein paar Anmerkungen zu den Übersetzungsproblemen macht.

Ich denke also, ich habe wieder ein interessantes Buch kennengelernt, daß ich ohne die Übersetzerschiene des Leipziger Buchpreises nicht kennengelernt hätte. Im Vorjahr ist es mir ja mit den “Vögel” ähnlich gegangen und Jon Fosse ist ja auch sehr interessanter Autor, also mehr skandinavische Autoren lesen, würde ich empfehlen und in Turku, füge ich noch an bin ich vor einigen Jahren auch ein paar Tage gewesen und habe dabei den Norbert, einen ehemaligen Arbeitskollegen vom Alfred besucht.

Nevermore

Jetzt kommt das Leipziger Buchpreisbuch der Sparte Übersetzung Anne Webers Übersetzung von Cecile Wajsbrot “Nevermore” ein Buch, das die vielschichtigsten Übersetzungsfragen aufwirft und daher gut zu den beiden anderen prämierten Büchern passt und es ist sehr kompliziert, denn die 1954 in Paris geborene Cecele Wajsbrot, die auch als Übersetzerin tätig ist und teilweise in Deutschland lebt, hat einen Roman geschrieben, in dem eine Übersetzerin nach dem Verlust einer Freundin nach Dresden zieht und dort versucht Virigina Woolf “To the lighthouse” zu übersetzen und die 1964 in Offenbach am Main geborene und in Frankreich lebenden Autorin Anne Weber, die schon den dBp bekommen hat, hat das Buch übersetzt.

Sehr kompliziert, aber auch sehr poetisch und interessant und so ist auch das Buch. Spannend sich in die sieben Kapitel und verschiedene Vor- und Zwischenspiele einzulesen, wo die Autorin vom hundersten ins tausendsten kommt. und sich vor allem mit Verlusten und dem Neubeginn beschäftigt.

Es beginnt mit Übersetzungsfragen, wie kann man einen Satz so oder so übersetzen und da werden dann auch verschiedene Möglichkeiten angeführt und das ist eine Frage, die ich schon verschiedene Übersetzungsseminare besuchte und da hörte, daß da manche Übersetzer offenbar ganz neudeuten und dichten und ich selbst ja schon ins Hinid übersetzt wurde und da nicht recht weiß, ob ich da meinen Text noch erkenne, sehr interessiert und interessant ist auch, daß Anne Weber, das auf Französisch geschriebene Buch über eine von Englisch in Französisch übertragene Übersetzung ins Deutsche übertrug.

Es gibt auch einige englische Passagen in den Buch und die Autorin, die sich in einer Dresdner Pension befindet, springt dann von dem englischen Leuchtturm und der Familie, die diesen besuchen will, hin und her. Kommt nach Tschernobyl und zitiert, da Studien, welche Pflanzen dort trotz der Radioktivität in ihnen, glänzend gedeihen. Ein sehr aktuelles Thema, das Wort Ukraine zu lesen, obwohl das Buch schon im vorigen Juli erschienen und naturgemäß im Original früher geschrieben sein mußte, springt dann in das zerbomte Dresden, das sie interessiert, weshalb sie sich zur Übersetzung hingezogen hat. Geht da am Morgen in den Kulturpalast frühstücken, ins Theater oder Oper und des Nachts spazieren. Da hat sie dann geheimnisvolle Begegnungen und um Trennungen und Verluste, die sich vor allem in ihrem Inneren abspielen, geht es auch.

Sehr interesssant, den Klappentext, wo all das zusammengefaßt ist, zu lesen. Geht man dann in die zweihundertfünfundzwanzig Seiten wird es etwas mühsam. Vor allem, wenn man “To the lighthouse”, das auf Deutsch “Zum Leuchtturm” heißt, nicht gelesen hat und daher keine Ahnung hat, wer Mr. Bankes, Andrew und Prue, etcertera sind und habe öfter gedacht, daß ich Virigina Woolf endlich lesen sollte. Was dann ein Erfolg des Buches wäre, aber wahrscheinlich nicht die alleinige Absicht der Autorin war.

In die Innenwelt der Cecile Wajsmann eindzudringen war dann etwas mühsam. So muß ich zugeben, daß ich mich manchmal nicht recht auskannte und einiges übersprungen habe. Dann bleibt auchnoch die Frage in wieweit sich das Original von der Übersetzung unterscheidet. Anne Weber hat da auf dem “Blauen Sofa” der nicht stattgefuindenen Leipziger Buchmesse ein wenig Auskunft gegeben.

Interessant ist auch, wie so das Buch nicht “Niemals” oder “Nichtmehr” heißt. Aber das ist wahrscheinlich auch der Titel des französischen Originals und interessieren würde mich noch, wer und wieviele Leute das Buch gelesen haben und wieviele es vielleicht nach den ersten Seiten wegschmissen, weil “Da gibts ja keine Spannung, da kennen wir uns nicht aus, das interessiert und nicht!”, dennoch würde ich bei dem innteressanten poetischen Buch bleiben und mich darüber freuen, daß ich durch Anne Weber Cecile Wajsbrot von der ich vorher nie etwas gehört habe, kennenlernen konnte.