Das Bett mit dem goldenen Bein

Buch vier der Abteilung Übersetzung des Leipziger Buchpreises, da habe ich alle fünf bekommen und muß das letzte noch lesen und erlebe wieder, wie in den letzten Jahren eine Überraschung.

Also merken wir an der “Leipziger Buchpreis” stellt und immer wieder bisher unbekannte Autoren vor und hier haben mir schon die “Cousinen” sehr gut gefallen.

Zigmudns Skujins “Das Bett mit dem goldenen Beinen” aus dem “Mare-Verlag” kann man wahrscheinlich mit Volter Kilpi und Tarjei Vesaas vergleichen und der 1926 in Riga geborene und 2022 verstorene Lette war mir bisher unbekannt.

Der Titel, ich muß es bekennen, hat mich auch eher abgeschreckt. Aber das Cover ist sehr schön und liebevoll gestaltet mit einem Exgtraeinband und es ist wieder ein Jahrhundertroman, aber ein ganz anderer als die “Verwandelten” von Ulrike Draesner. Weniger künstlich kunstvoll gestaltet, würde ich meinen, aber immer mit leichten Schelm begleitet und am Beginn des Buches kann man die Stammtafel der Familie verfolgen, die hier beschrieben wird.

Geht es hier ja um die Vejagals, die in der fiktiven Stadt Zunte zu Hause ist. Da gibt es den Kapitän Noass und seinen Bruder Augusts, der das lettische Feld bestellt und das Ganze, das bis in die Gegenwart hinaufgeht oder besser in die Achtzigerjahre, wo Skujins den sechshundert Seiten Roman mit fünfzig Seiten Anhang, geschrieben hat, gliedert sich in verschiedene Erzählstränge oder Geschichten und im Nachwort, das von Judith Leister geschrieben wurde, kann man erfahren, daß Zigismud Skulijns eigentlich eine kurze Geschichte schreiben wollte, die dann länger und länger geworden ist.

Dieser Noass fährt also zur See und wird mit seinen Kapitänsuniformen mit den goldenen Knöpfen reich dabe, läßt seine Frau Elizabeth in Obhut seines Bruders zurück und die beiden schauen sich an und an und der Sohn Jekabs Ernest sieht seinen Onkel seltsam ähnlich.

Der Vater zwingt ihn dann zur See zu fahren. Sie kommen in ein Unglück hinein. Noass übersteht es, der Sohn bleibt traumatisiert zurück und wird später in den Kriegsfehden, die das Buch begleiten, erschossen.

Es gibt noch zwei Kinder, die aufmüpfige Leontine die fast hundert wird und Eduards, der Revolutionär, der nach Amerika auswandert und als der alte Noass stirbt, vermutet seine Tochter, daß er sein Vermögen in den Bettbeinen versteckt oder sonstwo vergraben hat und läßt jahrelang danach suchen.

Das Vermögen spoilere ich gleich besteht aus den goldenen Knöpfen der Seemannsuniform und Leontine, die jung nach Russland verheiratet wird, kommt später mit ihren Sohn zurück, macht einen Laden auf und fährt sehr alt dann noch nach London um dort zu Beatles zu hören und ihren Sohn in einer Leiche zurückzubringen. Da gibt es übrigens eine Stelle, wo die Großmutter die Enkel fragt, warum sie nur Englisch und nicht nicht Lettisch sprechen und die ihr dann stolz erklären, daß sie diese Sprache nicht brauchen..

Das ist ein sehr interessanter Strang, ein anderer handelt von Vilma, der Bibliothekarin, die im zweiten Weltkrieg den deutschen Willi versteckt und nicht von ihm loskommt und sonst wird geliebt und betrogen, abgetrieben und gestorben, wie das im Leben so ist. Die Stadt wird zuerst von den Russen und dann von den Deutschen überfallen. Später wird das Land in eine <kolchose verwandelt und die fünfhundertfünfzig Seiten schließen im zwanzigsten Kapitel mit dem Satz “Es reicht, wenn man in einem Bett mit goldenem Bein zur Welt kommt.”

Denn das Leben geht weiter, in diesem Fall mit der Geburt des kleinen Kristaps und Nicole Nau , das muß ich noch erwähnen, wurde für ihre Übersetzung aus dem Lettischen für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominiert.

Der Taucher

Das zweite Buch aus dem “Mare-Verlag”, der sich mit dem Meer beschäftigt, ist ein Krimi und zwar der zweite Fall in dem der sogenannte Holländer Liewe Cupido ermittelt, des 1962 geborenen Mathijs Deen, ist ein eher ruhiges Werk, das den Fall eines toten Tauchers, der mit Handschellen an ein Wrack gefesselt ist, sehr behutsam aufdeckt.

Da gibt es Jan Matz, der in Förn lebt und mit seinem Sohn Johnny wieder einmal auf Tauchtour gehen will und Johnny, der mit seinem Bruder Paul bei der geschiedenen Mutter Christina lebt, ist in größeren Schwierigkeiten, hat er doch seinen Schufreund Henk niedergeschlagen, der seither bleibende Schäden hat und in einer Rehaklinik beziehungsweise auf der Intensivstation lebt.

Warum das geschehen ist, kommt eigentlich gar nicht so klar heraus. Er hat aber auch einen Malatowcocktail auf Henks Familie werfen lassen und nennt alle “Looser”. Jetzt wird er von der Polizei gesucht und da wird die Leiche seines Vaters in dem erwähnten Wrack Hanne, das in den Fünzigerjahren untergegangen ist, gefunden. Dort gibt es eine Kupferladung, die Jan Matz nach und nach hinaufbrachte und, wie ein Gespräch auf einem Friedhof erwies, Henks Eltern zukommen lassen soll, damit die keine weiteren Anzeigen machen.

Der holländische Kommissar Liewe Cupido dessen Vater auch ein Fischer war, soll den Fall gemeinsam mit Judith Schulz aufklären, der ist mit einem Hund unterwegs und hat da immer Schwierigkeiten ihn in den Hotels unterzubringen, bis er sich mit der Hundepensionsbesitzerin Miram anfreundet und die Geschichte führt auch noch in einen Rachenklub, der von einem oder zwei Beonazis geführt wird, der Jan Matz Plünderzug rächen will.

Eine spannende Geschichte, weil sie, wie in den Rezensionen steht, die Ostseeluft in der sie spielt, deutlich spürbar macht. Sie ist auch sehr sozialkritisch und spannend zu lesen, weil alles, wie schon beschrieben sehr langsam und bedächtig aufklärt.

Zuhause ist ein großes Wort

Der “Mare-Verlag”, der sich in seinen Büchern mit dem Meer beschäftigt, hat mir zwei solche angeboten. Das Erste, das ich gerade gelesen habe, der 1986 geborenen Nina Polak, hat ein interessantes Thema in einer starken, modernen Sprache mit verschiedenen Textteilen, nämlich eine Skipperin als Heldin.

Eine moderne Matrosin könnte man so sagen. Ich hatte keine Ahnung, daß es so etwas gibt, aber Skip oder Ninke Nauta, man sieht die sprechende Namen, ist gerade von einer siebenjährigen Seefahrt, wo sie mit Käptn Lood unterwegs war, nach Amsterdam zurückgekommen, wo sie sich mit der veränderten Stadt arrangierren muß und sich in die Vergangenheit zurückdenkt, um in die Zukunft zu kommen.

Ihre Mutter Nellie ist sehr früh gestorben, so hat die reiche Familie Zeno, die Sechzehnjährige aufgenommen, die Mutter Mascha ist Schauspielerin, der pubertierende Sohn Juda scheint eine Essstörung zu haben und jetzt auch keine Milchprodukte zu verzehren, was der Mutter Sorgen macht.

Skip kommt wieder bei den Zenos unter und nimmt Kontakt mit ihrem Ex Freund Borg auf und das eher spannungsarme Buch, kann mit einigen beeindruckenden Szenen aufwarten.

Da ist die, wo Skip, die an einer Segelschule unterrichtet, mit ihrer Mutter und den Zenos auf eine Segeltour aufbricht, worauf sich die Mutter, die nicht schwimmen kann, verkühlt und eine Luungenentzündung entwickelt und Borg, der jetzt eine Freundin hat, hat eine Novelle über ihre Beziehung geschrieben, die Skip entrüstet entdeckt und sich schlecht dargestellt findet.

Skip und die Zenos werden auf eine türkische Hochzeit eingeladen und Tag darauf entdeckt sie, daß sie schwanger ist. Die Zenos brauchen ihr Gartenhäuschen auch für die Großmutter, so daß Skip auf Loods “Tintenfisch” genanntes Boot zurückzieht und sich dorthin die Medikamente schicken läßt, um die “Bohne” in ihrem Bauch wieder loszuwerden. Lood lädt sie auf einen Turn nach Malta ein, so fliegt sie nach Sizilien und man kann raten was weiter passiert, wo Skips zu Hause ist und, ob man überhaupt ein solches braucht.

Die verschiedenen Textsorten habe ich schon erwähnt. Da gibt es Mails und seitenlange Mailpassagen, Borgs Liebesgeschichte “Unschuldig” oder auch Deniz Durmuskaya & Elif Özals Hochzeitsanzeige “Wir sagen ja” und da gibt es eine weinende Braut und eine poliitsch inkorrekte Großmutter, die wissen wollte, ob die Braut Kopftuch getragen hat?

“Nein, aber einen Schleier!”, war die Antwort. Ich habe wieder eine sehr interessante Autorin kennengelernt und kann anmerken, daß ich mich, weil ich ja einen holländischen Freund habe, den ich früher öfter in Holland besuchte und mich auch für die niederländische Literatur sehr interessiere.